Ausgabe 
18.9.1908 Zweites Blatt
 
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nistischen Seuche frei geblieben sei. Tie Rede tnirb hier als ein Beweis dafür aufgefaßt, daß der Vatikan entschlossen ist, den Kampf gegen den modernen Geist noch cnergiscyer als bisher zu führen._______________________________________

9. Tagung der Zührer und Aerzte deutscher stei- williger $anität$!olonnen.

-g Eisenach, 16. Sept.

Aus ollen Teilen Deutschlands, auch aus Gießen, trafen am Samstag die Führer und Äerzie der Sanitätskolonnen ein. Um V*4 Uhr begonnen die Beratungen des engeren Ausschusses. Die nicht dabri Beteiligten besichtigten die L>tadt und Umgebung.

Ter Abend r er einte bie Teilnehmer einer BegrüßungS- feicv im Fürstenhof, der die Zahl. der Gaste kaum fassen konnte. OberLürgermeister Schmieder begrüßte die Versammlung na­mens her Stadt: das Doch auf Kaiser und Großherzog brachte der Führer der Eisenacher Kolonne, Stadtverordneter Fresinger aus. Bei Vorführungen des Turnvereins und Musikvorträgen der Kurkapelle flogen die Stunden in angenehmer Weise dahin.

Am Sonntag vormittag stand die große Hebung auf dem erweiterten Gelände des Güterbalinl-oss im Mittelpunkr des In­teresses. Eine große NLenscheurncnge hatte sich an dem durch Polizei und Feuerwehr etwas zu ängstlich abgesperrten Platze cingefunden. Ter Großherzog von Sächselt fu^r im Automobil am Hebungsplatz vor, >vorauf ihm die zahlreichen höheren Offi­ziere, Militärärzte usw. vorgestellt mürben. Unter Führung von Stabsarzt Tr. Lilie-Apolda nnirbc der aus 12 Wagen be­stehende Hilfstazavettzug, in dem 22 verschiedene Berwundcten- Lagerungssysteme unter gebracht lvaren, besichtigt. Es war an­genommen: Ein in .staffel befindliches Kriegslazarett muß ge- ruulnt werden. Die Kranken werden in einen Hilfslazarettzug. begleitet von Krankenpflegern eines freiwill. Begleittrupps nach dem Haupt-EtappeiwNe Eisenach befördert. Nach dem Eintreffen werden die Kranken von den Mannschaften des Transporttrupps in vorschriftsmäßiger Stärke von 112 fDtann und 20 Kranken­pflegerinnen ausgeladen, ein typhusverdächtiger Kranker wird un­verzüglich in ein Seuchenlazarett überführt und der betr. Wagen desinfiziert. Tie anderen Kranken ivetben nach der Verband- und Erfrifchungsstation geschafft. Tort werden ihre Verbände von einem Arzt der Transportabteilung nachgesehen und tcifiueijc unter Assistenz der Krankenpflegerinnen erneuert, sodann loervcn die Kranken durch die Pflegerinnen beköstigt. Nach Sonderung bez. ihrer Transportfähigkeit werden die Nichttrailsportfähigcn mittelst -tragen nach dem zunächst gelegenen Vereinslazarett getragen; die übrigett werden mittelst Transportgeräten. nach dent entfernteren E tappen la^arett überführr. Jeder Kranke trug einen Zettel mit der Bezeichnung seiner Verletzung auf der Brust. Es waren die im Ernstfälle läufigsten Verwundungen, wie Schuß durch die Brust, Oberschenkel, Arm usw. Der Transport, das Ausladen, das Beladen der improvisierten Wagen usw. sand in ruhiger sach­gemäßer Weise statt. An der Hebung waren 7 thüringische zpo- Lonncn beteiligt. Der Vertreter des Kaiser!. Kommrssars für das Sanitätswesen, Generatleutttant von Perthes, dec Vertreter des beut [eben Zentralkomitees vom Roten Kreuz, General der Infanterie volt Viebahit und Oberstavsarzt Dr. Friebhetmer- Äeimar hielten Anspracl>en, in denen sie ihre Zufriedenheit über die Leistngen aausspraäxm. Der Großherzog verblieb bis nach Schluß Der Kritik.

Nachmittags (türmten Tausende von Sanitätlern auf die Wart­burg und kehrten durch Annatal, Trachenschlucht usw. zurück.

Am Wend fanden sich sämtliche Teilnehmer wieder im Fürsten­

hof zu einem Kommers zusammen, wobei Der Lehrer-Gesangverein unter brausendem Beifall mehrere Chöre zum Vortrag brachte.

Am Montag war ein strapaziöser Tag. Von 81bis 5 Ulrr dauerte die ut dem Saale derErl)olung" äbgehaltene Sitzung bur Führer und Aerztesä>ast, an der etwa 800 Per­sonen teilnahmen. Die Versammlung, die ein fast militärisches Bild bot, wurde von Gebeimerat Tr. Henögen-Siegen erörfnet Ter Vorsitzende des bayerischen VerbauDes vom Roten Kreuz, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, General von Hof- mann und deszleiä/en der Vertreter d.s deutschen Zentralkomitees voin Roten Kreuz, der in aller Kürze seinen 70. Geburtstag feiert, von Siebalm, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: wofür letzterer in bewegten Worten dankte. Die Anträge des Ausschusses werden einstimmig angenommen. Danach sollen die wissenschaftl- Sortragc künftig vorher gedruckt und der Versammlung nur aus- zugSiveise bekanntgegeben werden Ter geschästssührende Ausschuß soll beauftragt werden, mit Bahnen, Bädern, Hotelbesitzern Ser- Handlungen bezüglich Ermäßigungen und Vergünstigungen für erkrankte Mitglieder der Sa.nitätstolonnen anzirknüpien. Zu­künftig sollen die Tagungen bereits im Juli oder August statt- finden. Bezirksdirektor Trautweiter und Oberbürgerin-, rster Sck-mieder begrüßten sodann die Tagung namens Regierung beuv. Stadt und wünschen den Verhandlungen den besten Erfolg. Ter Bericht über die achte Tagung in Passan und Der Jahresbericht des Vorsitzenden mürben oljne Widerspruch gutgeheißen. Hiernach hielt der Führer von Münden, Freiherr von Stromer einen Vortrag über intensivere Ausgestaltung des Retlungs- wesens. Da nach kurzer Diskussion die Aussührungen gut- geheißen werden, so sind als allgemeine Leitsätze zm'ünftig an­zusehen :

Die Hilfeleistung kann nicht von Bezahlung abhängig gc» nracht tverden. Nur bei vorher bestellten Transporten nach Krankenhäusern nmß Bezahlung verlangt werden, da die Transport- geräte alsdann gewissermaßen ein Lohnfuhrnwrk barstellen. II n- bemirtehc bauen hierbei selbstverständlich keine Zahlung zu leisten. Es kann aber auch den Kolonnen nicht zugemutet werden, aus ihrer eigenen Kasse die Kosten, wie Versäumnisentschädigung der Mamtschasteil, Transportgeräteunterhaltung usw. zu tragen. Da diese Tätigkeit eine öffentliche Verpflichtung der Gemeinden dar- stellt. Die Angliederung des Sanitätskolonnenwesens an die Stadt, wie es in GrvßstÄtten und auch in kleineren Städten schon burü^ gefül/rt ist, sei erstrebenswert. Die Sanitätskolonnen als städrisck)es Crgan ähnlich wie die Feuerwehr, oDer an diese »ngeglieoeri sei zu erstreben. Tas Rettungswesen sei eine soziale Pflicht, vor allem auch auf dem Schlachtfeld des täglichen Lebens. Bei der Tiskusswn wird betont, daß zu Transporten in Anstalten stets der potizerliche Auftrag abzmvarten fei, weil sonst eine große Ver­antwortung und Haftpflicht der Kvtonnen entstehen könne. Bon verschredenen Seite ) Der beit Mitteilungen über Verträge mit Ge­meinden gemacht. Dr. jur. Hessel, Sürgcrmcifbcr von Osterode habe eine Broschüre über die Auigabe der Gemeinde, die Unfall- unb Hasrpfliüstversicherung der Zwlonnenmitglieder zu übernehmen, geschrieben, von Viebahn macht sehr wick)tige Aussührungen über das Zusannnenarbeiten mit Den Gemeindeverwaltungen und ver­weist auf die beim Frankfurter internationalen Rettungskongreß ausgelegt gewesene Denksck-rift. Mit Den Berufsgenossenschaften müsse sich in nähere Verbindung gesetzt werden. Vorschläge hierzu sollen dem Zentralkomitee zur weiteren Verfolgung demnächst unter- breitet werden.

Hiernach werden Huldigungstelephonen an Kaiser, Großherzog, Kaiserin, den Vorsitzenden, des. 'Deutschen Vereins vom 'Jtotcn

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Nr. 220

Zweites Blatt

Freitag 18. September 1908

Eichener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntag?.

General-Anzeiger für Oberhesjen

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Eteindruckerei. R, Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Truckerei: Cchul- slraße 7. Expedition und Verlag: essy 5L Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

DieEichener Famllienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

politische Lcrgesfchau.

Neuregelung der Gehälter von Offizeiren und Beamten.

Im Reichsetat für 1909 werden, wie dasBerl. Tagebl." irfährt, die Beamtenstellen der eiitzelnen Ressorts bereits ^ach den Bestimmungen des schon seit längerer Zeit fertig- «estellten Reichsbeamtengehaltsgesetzes dotiert. Man kann »araus folgern, daß die Reichsbeamtengefetze dem Reichs­lage vor der Einbringung des Etats ober gleichzeitig mit ifjm im Dezember zugehen werden. Neben den Beamten- «esetzen wird dem Reichstage auch eine Offizierbesol- Dungsvorlage zugehen. Tie Vorlage schlägt eine Neu­regelung der Gehälter bis zum Hauptmann einschließlich »or. Tie Subalternoffiziere erhalten ihr Gehalt in Zukunft »ach Altersstufensätzen wie die Zivilbeamten; sie beginnen riit löOO Mk. und steigen um 300 Mk. alle vier Jahre bis -WO Mk. Das Endgehalt erreichen sie hier also nach acht fahren, abgesehen davon, ob sie Oberleutnantscharge be- Cleiben oder nicht. Bisher betrug für den Leutnant der Mindestsatz 1290 Mk., für den Oberleutnant der Höchstsatz >890 Mk. Die beiden Gehaltsklassen für die Hauptleute fallen ebenfalls fort; das Grundgehalt beträgt 4000 Mk. (bisher 3100 Mk.), es steigt alle vier Jahre um 600 Mk. und erreicht mit acht Jahren den Höchstsatz von 5200 Mk. (bisher löOO Mk.). Das Offizierbesoldungsgesetz erhält rückwirkende Praft bis -nm 1. April 1908.

Da8 goldene Priesterjnbiläum des Papstes.

Papst Pius X. begeht am bculigen Freitage sein goldenes Priesterjubiläum. Ter Papst, der belanntlich als Sohn Heiner Leute in Riese (Provinz Treviso) geboren wurde, »lpsina im Seminar zu Padua am 18. September 1858 den Soltorhut der Theologie und nnirbc, nachdem er die Weihen erhalten, vom Bischof üon Treviso zum Priester in Tom- volo ordiniert. Jnr Jahre 1867 übernahm er die Pfarre von Saljano und wurde kurz darauf zum Kanonikus der Mtbedrale von Treviso ernannt. Später wurde er Sekre­tär oes Bischofs von Treviso und Generalvikar. 1884 Bischof o on Mantua. Im Jahre 1893 erfolgte seine Ernennung zum icarbinal und Patriarchen von Venedig und weitere zehn ^.il)re darauf, am 4. August 1903, seine Mahl zum Papst. .Anläßlich seines Jubiläums empfing der Papst gestern gegen lausend Pilger aus feiner Heimatprovinz Venetien, die von t tm Patriarchen von Venedig MXrrbinal Cavallari geführt luurben. Sie machten dem Papst einen goldenen Thron z um Geschenk. Der Papst dankte in einer Ansprache, die L<gen der darin enthaltenen heftigen Angriffe gegen den Modernismus großes Aufsehen niacljt. Er beklagte sich über t n Ungehorsam unb die Verstocktheit vieler Priester, die r icht aufhörten, den Lehren des Modernismus anzuhängen, iier aber ben Gehorsam nicht kenne, der könne auch die drei Z agenben Glaube, Liebe, Hoffnung nicht im Herzen haben. Ec fei glücklich, daß der venetianische Klerus von der inober-

cbereüung jc mikUtell-Erami.

Bcbanblunß.

rate Erfolge. M. Elias.

urt Ronniger) Leipzig.

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