Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
der Arbeiter
sich mit der Damit sind dieser Ver-
zur Grubenkontrolle bestimmt wird.
Jnfant Alfons von Bourbon hat Prinzessin Beatrice von Ko bürg verlobt, die Gerüchte, daß konfessionelle Schwierigkeiten bindung entgegensländen, hinfällig geworden.
Wilhelm auf Schloß Friedrichshof im Taunus zu- sanimentreffen.
Der Bischof von Ermland, Dr. Thiel, der an Bronchitis schwer erkrankt war, ist gestern früh 51/, Uhr
politische Tagesschau.
Hebet den Grafen Zeppelin
und seine letzte Auffahrt hat eine maßgebende Persönlichkeit, die in besonderem Auftrage den Auffahrten beigewohnt hat und heute aus Friedrichshafen zurückgekehrt ist, erklärt: .Die Meldung, die ich heute in andere:» Blättern verbreitet finde, Graf Zeppelin habe bis 511 diesem Augenblick noch nichts von den ihm durch den Reichstag bewilligten 2150 000 Mk. erhalten, ist völlig unzutreffend. In dein Etat von 1908 sind oon dieser Summe 400 000 Mk. eingestellt gewesen; und Zeppelin hat davon 300 000 Mk. erhalten. Jede Summe, die er verlangt hat, ist ihm sofort zur Verfügung gestellt worden. Wenn cs in derselben Meldung, heißt, daß Sch»»ld an dem letzten Unfall die zu späte Lieferung des in Aktion gewesenen Motorbootes trage, und wenn daraus konstruiert wird, daß im letzten Grunde der vermeintliche Geldmangel die Ursache des mißglückten großen Aufstieges bilde, so ist auch diese Kombination ganz hinfällig.
Deutsches Ueich.
Von der Nordlandsfahrt des Kaisers. Ein Telegramm aus Bergen meldet: Am Donnerstag sah der Kaiser nach seiner Ankunft in Bergen den früheren Staats- Minister Michelsen und Gemahlin, sowie den Konsul Mohr und Gemahlin zur Abendtafel. Der Kaiser unternahm gestern einen längere»» Spaziergang und begab sich nach Stupet z»»r Frühstückstafel beim Kons»»l Mohr. Das Wetter war nicht ganz sicher. An Bord war alles wohl.
Mona rchen-Begegnung? Nach englischen Meldungen, die in Berlin bisher allerdings keine Bestätigung finden, soll König Eduard auf seiner im August stattfindenden Reise nach Marienbad am 11. und 12. August mit Kaiser
g c st 0 r b e n.
Zum bayerischen Berggesetz. Das bayerische Abgeordnetenhaus hat einstimmig eine Novelle zuin Berggesetz angenommen, in der gegen den Widerspruch der Re- gierung der Achtstundentag für Arbeiter unter Tag gesetzlich festgelegt und die Heranziehung
festgelegt.
In München wurde diese Richtung noch deutlicher unterstrichen. Das kam in der Zusammensetzung des Kongresses unb in der Arl d^ Behandlung her Tagesordnuna durch - leferat unb Debatte zum Ausdruck. Es fehlten vollständig kic Typen bet „Patrioten der Phrase", die in liberalen Wahl- »ersammlungssn unvermeidlich an siegreiche Schlachten an- knüpfen müssen und den „Liberalismus" der älteren Gen^- jatioii verkörpern. Wären sie dagewesen, sie wären sehr Lrstaunt gewesen über die Anschauungen der Jungen. Es festen ferner vollständig die Vertreter des rheinisch-west- Mischen Großindustrie-Liberalismus, die die nationallibc- 3Q(e Partei schon so schwer kompromittiert haben. Sie wer- Len sich auch nach dem Gang der Münchener Debatten in diesen Reihen nicht einfinden. Mit aller Deutlichkeit uurben in der Sektion für Arbeiterfragen nach einem Referat res Arbeitersekretärs Varnholt-Nürnberg die gelben Ge- loerkschasten abgelehnt, und ein Augsburger Delegierter, Qer einen taktischen Eiertanz um diese Frage aufführen wollte, erfuhr, daß es gerade seine engeren Parteifreunde waren, die hierin keinen Spaß verstehen. Hier ist Klarheit "lötig und schwächliches Kompromiß vom liebel, so ist )as ost wiederholte Bekenntnis zum Arbeiterkoalitionsrecht leinen roten Heller wert. ,,
9)tit den ernsthaften Aussprachen der zahlreich erschienenen liberalen Landwirte über Fragen der Landwirt- ch a f t und der Gewerbetreibenden über M i t t e l st a n d s - i> i n g e beweist der Liberalismus, daß er in den Wirtschafts- -ragen der Massenstände des Volkes die Angelpunkte seiner ^künftigen Politik erblickt und diesen Schichten etwas wirk-
Die Lebenrerinnerungen von Dr. 3. Hr. von Schulte,
ließen 1908. Verlag von Emil Roth. Ladenpreis 8 Mk.^Geb. 10 Mk.
Unter den Memoiren zur Zeitgeschichte habe»» schon im Jahre 1897 die Veröffentlichungen ans Den Tagebüchern Joh. Friedr. •jon Schultes besonderes Anssehen gemacht. Im Marz-yelt 1897 Daren seine Aufzeichnungen über Kardinal Hohenlohe, Bischoi von ftetteler, Erzbischof voii Vicari, RuntiuS Viale Prela u. a. in. er- chienen — alle voll von belangreichen neuen Tatsachen und scharf- ilinigen Urteilen. Daran reihte sich ein Artikel: vRonufches. kirchliches. Politisches. Jesuiten/ Auch in Siefen - wie die inneren schon im Jahre 1854 wörtlich n»edergeschr»ebenen - Notizen 'and sich eine wahre Fundgrube von Details zum Vergleich des
Trotz der ^allgemein onedemnten Bedeutscunkeil der Schulte- ichen Tagebücher konnte der auünerkfame kritische ^efer sich ;edoch nid)t völlig befriedigt fühlen. Es fehlte der '-"^uf°m.nenhang zwischen den einzelnen Notizen. Ja, der Verfasser gab gewißer maßen ein Rätsel auf mit der Bemerkung: mirfctinon
„Meine Reise nach Rom halte e.nen bestimm en, sehr wichtige kirchlichen Zweck, über den ich bei die er Gelegenheit, weil das nut wenigen Worten untunlich ist, keine Mitteilung mache, kann. Die Lache war von den Erzbischöfen von Köln (Geissel), yreibuig lViäari), Aiünchen (Graf Reisach), den Bischoien von Munsterund Lpeier bereits aufs wärmste befürwortet und erhielt ebenfalls bie volle Billigung des Kardinals Fürst Schwarzenberg i J
Das von Schulte damals gestellte Ratiel ist letzt von ihm selber gelöst. Der „sehr wichtige kirchliche Zweck' über de»» er damals noch keine Mitteilung machen konnte, ist jetz: der dem Wiederabdruck der Tagebücher m seinen ^benSermnentnjen enthüllt. Wir wissen nun, dag es m der -tat e n sehr wichtiger nrchlicher Zweck war, daß aber etwas ganz anderes he» demselben !»erausgekomme>i »st, als Schulte als 2»iahriger Prwo' ^»»1 " Lluae halte. Tas Ergebnis fleht sogar im denkbar schroffsten Gegen !a/zu allem dem, was dem großen Kanomsten seine einzigartige Stellung nach dem Vatikankonzil geschaffen hat.
Es ist, kiirz gesagt, die St. Michaelsbruderfchaft in Oester- reich, deren Begründung sich in ähnlicher Weise aus Schulte rurücksührt wie' die des BonisatiusvereinS auf Dollinger. Es ist dies nur eine der vielen Parallelen in der vor- und nachvatikanischen Wirksamkeit der, beiden geistes- mächtigen Alänner, die in der einen wie m der anderen Periode nicht sowohl für die unmittelbare Gegegenwart gearbeitet, als vielmehr für die gesamte Zukunst lebensfähige Keime gelegt haben. Darum überdauert die Ernte der von ,hne»i 1870 ausge- säten Saat auch ihre eigne spätere Tätigkeit, die aus den gleichen Idealen andere Konsequenzen zog. Ebenso »st aber auch umgekehrt die Frucht ihrer nachmaligen Wirkjamkeit eine unzerstörbare. Ter Altkatholizismns ließ sich zeitweilia durch buremckratische Mafzrege- lung zurückdränqen. Aber nach Verlauf eines Menschenalters ist er tatkräftiger iind zukunftsgewisser wie je.
Wir können uns an die,er -stelle nicht auf allgemeine Erörterungen über den inneren Zusammenhang aller der verschiedenen Stadien einlaffcn, in welchen die deiitsche Seele im Katholizismus wieder nnb wieder sich kundgab. Es muß hier die Bemerkung genügen, daß speziell der Altkatholizismus immer psychologisches Rätsel für diejenigen bleiben wird, die sich noch immer nicht klar darüber geworden sind, daß seine Führer unsre strengsten und frömmsten Katholiken gewesen und — geblieben sind. Die neuen Mitteilungen Schultes haben das, was von seinen theologischen Konfessoren" gilt, auch bei dem juristischen Organisator durch neue hochinteressante Daten bestätigt. Es läßt sich kaum eine klrchenge- fchichtliche Tatsache denken, die dasür so kennzeichnend ist, als die ZusamniensteNung der Namen St. Michaelsbruderschaft und I. H. von Schulte.
Die früheren bruchstückweisen Mitteilungen aus den Schultefchen Tagebüchern erhalten daher erst jetzt ihren vollen Wert, wenn man die nunmehrigen Ergänzungen hinzusügt. Es ist aber hier nicht der Ort, dies im Einzelneli darzuletzen. A,i dieser Stelle kann nur an der Hand des einzelnen Beispiels der geradezu einzigartige Reichtum Der Schultefchen ^Ledenserinnerungen" gekennzeichnet werden. Unw.-Proseffor D. Dr. Nippoid.
— Auf der hessischen Lanbesausstellung wurden, wie uns unser dortiger Redakteur schreibt, von Sr König! Hoheit dem Großherzvg angekauft bie Oelgemalde: «Andacht im Walde" von Ernst Eimer-Karlsruhe, „Oberhesiischer Bauer von Prof. R. Hölscher-Darmstadt und „Fischers Abschied von K. Raupp - Münckirn. Ferner erwarb der Grobherzog eine kostbare Standuhr von Prof. Albin Müller, ausgestellt von der Darmstädter Firma Karl Rittershaus.
— Heine und Hebbel in Wiesbaden. Die neueren Slraßeiipläne der Stadt Wiesbaden weisen eine auffällige Verwandlung auf: aus der Heinestraße, die als Verbindung zwischen Kleist- und Klopstockstraße (in dem sog. Dichterviertel) langst festgelegt ist und demnächst zur Bebauung kommen Durfte, ist über Nacht eine Hebbelstrabe geworben. Man darf vielleicht bie angesichts bes großen Hebbel gewiß auch verwunderliche Vermutung hegen, daß Der Name des Sängers der Loreley (nach der ine Stadt Wiesbaden sogar einen Ring benannt hat) für eine andere und bessere Stelle bestimmt ist, als jene verlorene Verbindungsstraße es ist. Demi absurd wäre doch die andere Annahme, daß der Magistrat, bezw. bie besonbere vierglieberige Slraßenbenennungs- Kommissioii Heine aus Wiesbaden ebenso entfernt haben könnte, wie ihm bas auf dem kaiserl. Achilleion auf Korfu passiert ist! Jedenfalls wird gleich nach ben Ferien eine Interpellation aus Stadtverordnetenkreisen dem Magistrat Gelegenheit zu einer Erklärung geben.
— Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft. Der Bischof von Metz hat sämtlichen Geistlichen unb Priester- kanbibaten seiner Diözese bas Lesen ber Schriften von Lessing, Herber, Hamerling unb Rosegger verboten!!! — Der Dampfer '„Roosevelt" mit der arktischen Expedition Peary an Borb, ist am 17. b. M. von Halifax nach beni Nord- p ol abgebampst. Ter Konimandant Peary erklärte, erwerbe, wenn notwendig, 3 Jahre in den arktischen Gewässern verbleiben, uni Den Pol zu erreich en.
lich Positives zu bieten hat. Durchaus erfreulich war, was über Frauenfragen unter Leitung von Marianne Weber, was über Privat-Beamtenfrage und das Bildungsproblem in den Sektionen gesagt und formuliert wurde.
lieber all diesem Einzelnen aber stand im Mittelpunkt des Kongresses die Behandlung des Grundproblcms der Politik, der Berfas sungssrage. Es ist durchaus richtig, daß der Liberalismus in dem Augenblick, wo er beginnt wieder in die Höhe zu steigen und ein Faktor in der deutschen Politik zu werden, von neuem diese alten Streit- und Grundfragen durchdenkt, formuliert und überlegt, wie er das einzelne durchsetzen Tann. An dem Punkte ist es wie an keinem andern möglich, schlafende Menschen zu wecken, politischen Bitten zu erzeugen und damit einen ftärtern Einschlag grundsätzlicher politischer Anschauung ins Volk zu bringen. In dieser Richtung liefen mich Referate und Debatten, vor allem der bemerkenswerte Vortrag Professor Günthers, in dem mit Nachdruck Ministerverantwortlichkeit, Reichstagswahlrecht und Parlamentarifck-es! Regiment gefordert wurden. An den letzteren Punkt knüpfte Naumann an: ,,Deun das jetzige System sei eine Schutzvorrichtung für eine Mehrheit, die die Verantwortlichkeit scheue und von politischen Trinkgeldern den Tagesbedarf gegenüber den Wählern bestreite." Die bestehende Verfassung habe praktisch die Bedeutung des Erbrechts für die jetzt im Besitz der Macht Befindlichen. „Nicht das Erbe gibt die politische Macht, sondern die Wittensbildung der Gesamtheit hat sich zu vollziehen in jeder Generation von neuem."
Dieser Kongreß sah zum ersten Male die Liberalen aus allen Lagern zu gemeinsamer politischer Arbeit versammelt, keine Richtung war grundsätzlich ferngeblieben, die Träger des Ganzen aber waren zweifellos die Jungliberalen und die Freunde der „Hilfe".
Es ist Zeit, zur Tat überzugehen, sich anzuschließen, das vorsichtige Abwarten hat nun ein Ende, die Richtung steht fest, beste Kräfte stehen in seinen Reihen. Der Nationalverein ist ein bedeutsames Werkzeug des Liberalismus geworden."
Oer Kongreß der Nationalvereins in München.
Georg Hohmann schreibt in der „Hilfe":
„Die Münchener Tagung des Nationalvereins für das (liberale Deutschland hat einen Verlauf genommen, der die ..^Wartungen weit übertroffen hat. Das gilt nicht bloß äußerlich, was den stattlichen Besuch angeht, sondern man ,ewann aitch einen lebhaften Eindruck von der Geschlossenheit der Anschauungen dieser Versammlung, in der alle die verschiedenen Richtungen des Liberalismus zum gleichen Ziel miteinander arbeiten. Noch ist nicht alles fertig und i,erundet, aber aus der fleißigen und tüchtigen Arbeit, die lEicr geleistet wird, bildet sich eine immer einheitlicher und tiefer werdende Gesamtanschauung heraus, die für die Neubildung des Liberalismus in Deutschland von Bedeutung Merden kann. Als bei den letzten Reichstagswahlen die liberale Welle allerorten anstieg, lag die Gefahr nahe, daß iie plötzlich günstig gewordene Konjunktur für Liberalismus »ton Elementen ausgenutzt werden könnte, die durch die nationale Regierungsparole mit an die Oberfläche gespült worden waren. Dadurch wäre eine Bewegung ins Leben retteten, in der das liberale Moment nicht das Leitmotiv /eworden märe. Tatsächlich wurde eine solche Gründung jon Leipzig aus versucht, ging aber ohne Sang und Klang Jatb an Lebensschwäche zugrunde. Denn unterdessen waren im süddeutschen Liberalismus Männer aufgestanden, die den lugenblick nicht ungenutzt vorübergehen lassen wollten. Jetzt jar eine Zeit da für eine Neuerweckung des Liberalismus im Volk. So entstand der Nationalverein für das liberale
Deutschland, um die innere Einheit des Reichskörpers vorzu- liereiten, als notwendige Konsequenz der äußeren Einigung, ter der alte Nationalverein dereinst gedient hatte. In der •.citung war man davon überzeugt, daß die neue liberale Bewegung nur bann eine entscheidende Rolle werde spielen flönnen, wenn sie nicht bloß ein äußeres Band der Einigung mm die verschiedenen liberalen Glieder schlinge, sondern «nenn e§ gelinge, alle diese verschiedenen Richtungen zu «in und demselben grundsätzlichen Bekenntnis zu fuhren, »lud so stand schon die Heidelberger Tagung im letzten Jahr int Zeichen großer grundsätzlicher Debatten, über bie Stel- Lnng bes Liberalismus zur Arbeiterfrage. Daburch i Durbe schon ganz von selbst bie Richtung ber weiteren Arbeit
Die Vertagung des Prozesses Eulenburg.
Am gestrigen Freitag begannen bie Verhandlungen im Prozeß Eulenburg um IO1/2 Uhr. Ter Fürst befindet sich leidlich wohl. Auf Aufforderung des Vorsitzenden sprach sich Medizinalrat Dr. Hoffmann über den Gesundheitszustand des Kürltcil aus. Eine Aussich: auf Transportfähiakeit sei in absehbarer Zeit völlig ausgeschlossen. Das Bein sei am Unterschenkel noch dicker geworden, während die Schwellung des Oberschenkels nicht nach" gelassen habe. Oberstabsarzt Dr. Steyrer hätte den Transport gewissermaßen für einen KunstfeHler erklärt, der eventl. strafbar wäre. — Hierauf wurde seitens des Vorsitzenden und der Geschworenen durch Beftagen der Aerzte auf die Verhandlungs- sähigkcit des Angellagten eingesangen, die trotz seines Wider- pruchs von den Aerzten im allgemeinen in Frage gestellt fourbc. Schließlich fragte der Präsident: Wir müßen hier ganz sicher sein, daß sich der Angeklagte so vollgültig verteidigen kann, wie jeder gesunde Angeklagte: ist dies bei dem Fürsten zu bejahen. Hierauf antwortete Geheimrat Kraus: Nein! Weil bei ihm die Ermüdung stärker ist. Auch aus die weitere bc- stimmte Frage des Präsidenten, ob der Angeklagte imstande sei, sich voll zu verteidigen, lautete Die Antwort Der Aerzte verneinend. Nachdem auch noch Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel ich vergewissert hatte, daß ärztlicherseits eine Uebertuljrung in das Moabiter Untersuchungsgefängnis für ausgeichwfsen gehalten werde, stellte er den Antrag, die Verhandlung aus unbestimmte Zeit zu vertagen. Zur Begründung dieses Antrages suhrte der Oberstaatsanwalt aus: Die Staatsanwaltschaft sei zu ihrem schinerz- lieben Bedauern nicht in der Lage, einer Fortsetzung der Verhandlung in der jetzigen Art zuzustimmen. Er brauche nicht zu sagen, baß ihm diese Erklärung nicht leicht falle. Denn er hatte von vornherein bas bringenbfte Jntereße gehabt, zur.-ü-ah- rung ber beutschen unb preußischen Rechtspflege bieies Versahren so schnell unb energisch wie irgend möglich burchzuf»ihren. Durch Handlungen, au denen nicht zu deuteln sei, habe er diesen Willen betätigt. Er stelle vor dieser beschränkten Oessentlichkeit fest, daß die Behauptung der Maximilian Harden nahestehenden Presse, die Staatsanwaltschaft habe nur zögernd bie Klage erhoben, unwahr sei. Nachdem Staatsanwaltschaft unb Gericht trotz vw er Bedenken die Verhandlung bis heute durchgeführt habe, Jet bei dem traurigen Krankheitszustande bes Angeklagten bie Hoffnung, bie Verhanblung Ju Ende zu führen, geschwunden. Er beantrage unter diesen Umständen, die Sache wegen Verhandlungvuniahig- Eeit des Angeklagten zu vertagen. Die. Justiz habe nur ein Interesse an einer völlig verhandlungsfähigen Person. ,,lL.'Xcr# teidiger des Angeklagten stimmten gegen dessen ausdrücklichen Wunsch dem Anttage des Oberstaatsanwalts pflichtgemäß zu. Hierauf brachte Fürst E u l e n b u r g mit fester unb lauter stimme feinen Protest gegen ben Vertagungsantrag. Fürst Eulenburg sagte in seinem Protest: Ich widerspreche aus vollem Herzen und voller Ueberzeugung dem, was hier vorgetrageii worben ist, sowohl von der Seite, bie gegen mich auftritt, als auch von ber Seite, bie mich zu oerteibigen hat Meine Gesundheit ist mir vollkommen einerlei. Ein Schuldloser kampst hier für seine Unschuld. Was bedeutet demgegenüber das Leben? Ich bin ein kranker Mann und kann zusammenbrechen und
bann schließt sich das Grab über einem, über den nicht ein
Richterspruch gefällt ist. Wüßte ich, daß ich als gesunder
Mensch noch einmal vor Sie hintreten konnte, so wurde ich
sagen: Nun gut! Ich bin aber krank und kann nicht wissen, ob ich mein Serben überstehen werbe. Sie sprechen »mt biesem ’ Beschluß ein Urteil über mich, das schwer auf mir lastet, denn es ist die Ungewißheit. Was soll ich damit machen? Denken : Sie daran! das ist meine Bitte. — Nachdem der Gerichtshof
Nr. 167 Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 18. Juli 1908
Eet Siebener Anzeige, vezugSprel-r
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Sonntagft. - Beilagen: ▲ M ▲ ▲ ▲ ▲ a. ▲ A. A jährlich 2». 2.20; durch
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Rotaftonsbrui und Verlag der vrühl'lchen Unlv.-Vuch- und Slelndruckerel. R. Lange. RedaNlan, Lrpedltlan und ©ruderet: Schulstratz« 7.
-i» vormittags 10 Uhr. ____________


