Zehrung zu erteilen und nachahmungswerte Beispiele vor Mgen zu führen. Der Landwirtschaftskammer-Ausschuß hat für eine Reihe von Jahren einen Schauplan für die Provinz Oberhessen ausgestellt, der den Bürgermeistereien und Vertrauensmännern in diesen Tagen zugestellt worden ist, aus dem wir folgendes entnehmen. Jeder politische Kreis ist 'in 6 bis 7 Schaubezirke eingeteilt, in denen gleichartige Verhältnisse bestehen und infolgedessen auch ein gerechter Pre.isbew'erb auf den verschiedenen Gebieten der landw. Produktion erwartet werden kann. Als größtes Ausstellungsunternehmen des Landwirtschaflskammer-Ausschusses /fungieren die Ar eisschau en, die abwechselnd in den 6 Kreisstädten veranstaltet werden, sich über sämtliche landw. Produktionszweige- eines jeden Kreises erstrecken und ein Bild des gesamten landw. Gewerbes liefern. Eine solche Kreis- s ch a u findet alljährlich einmal im September statt und zwar im Jahre 1908 in Alsfeld. Es wird eine kleine landw. Ausstellung geben, auf der die Zuchtprodukte der Pferde-, Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Geflügelzucht, sowie die Erzeugnisse des Acker- und Obstbaues zur Schau gestellt werden. Die Landwirte des Kreises Alsfeld werden schon jetzt ihre Vorbereitungen zu dieser Kreisschau treffen müssen, damit sie wohlgerüstet mit Erfolg den Wettstreit bestehen können. Kleinere Schauen, die sich nur auf bestimmte, durch die Arbeitspläne festgelegte Bezirke und einzelne Betriebszweige erstrecken, finden außerdem im Laufe des Jahres in der ganzen Provinz statt und verteilen sich folgendermaßen: Orts schauen für Rindvieh und Ziegen werden abgehalten: in Mdda, Lich, Sellnrod, Angersbach, Rodheim v. d. H. und Reichelsheim; Stallschauen für Rindvieh und Schweine finden statt in den Bezirken: Herbstein, Schotten, Ulfa und Gießen: ferner werden noch besondere Stallschauen für Schweine in den Bezirken: Maar-Wallenrod, Butzbach und Büdingen anberaumt werden. Bezirkspferdeschauen finden statt in Schlitz, auf dem Selzerbrunnen, in Grünberg, Düdelsheim und Berstadt. Eine Provinzialgeflügelausstellung wird in Grünberg und vier Bezirksgeslügekschauen für kleinere Bezirke werden in Laubach, Bad-Nauheim, Büdingen und Echzell abgehalten. Größere, in der Regel auf zwei Bezirke sich erstreckende A u s st e l l u n g e n f ü r E r z e u g n i s s e des A ck e r - u n d Obstbaues werden arrangiert in Butzbach, Lich, Büdingen und Laubach, während kleinere, örtliche O b st- ausstellun gen in den Orten tzeldenbergen, Vilbel, Gr o ß en-Lind e n, Lauter, Borsdors, Berstadt, Eichelsachsen und Stockhausen (Kreis Lauterbach) vorgesehen sind; ferner werden auf dem Gebiete des Obstbaues voraussichtlich noch Prämiierungen von Ob st Pflanzungen in den Bezirken Melbach, Friedberg, A l t e n - B u s e ck, Geilshausen, Londorf und Stockheim-Ortenberg zur Durchführung gelangen. Die Veranstaltungen auf dem Gebiete des Obstbaues werden in Gemeinschaft mit dem Oberhess. Obstbauoerein getroffen werden. Man sieht also, daß den Oberhess. Landivirten reichlich Gelegenheit geboten wird, sich Anregung und Belehrung zu holen und in kleineren Konturrenzstreiten die Erfahrung und Hebung sich anzueignen, die zum erfolgreichen Auftreten aus größeren Ausstellungsunternehmungen erforderlich ist; letztere werden von der Landwirtschaftskammer in Darmstadt als Landesausstellungen oder von der T. L. G. für ganz Deutschland als sog. Wanderausstellungen veranstaltet.
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** D ie hessische Wah l rechtsvorla ge. Der Gesetzgeb nngSaus schuß der Zweiten Kammer Hot sich nach der »Franks. Ztg." gestern vormittag nochmals [mit der Wahlrechtsoorlage beschäftigt und folgenden Bericht •on das Plenum der Zweiten Kammer fertiggestellt: Als Ei> jgebnis der letzten gemeinschaftlichen Beratung der Ausschüsse 'bet beiden Kammern wird zunächst festgestellt, daß der Ausschuß der ersten Kammer mit Majorität beschtossen hat, seine
Fußverstrebungen an dem großen Sofa machen ein Rückivärtsrichten der Beine unmöglich und dürften von den Füßen bald arg abge- sloßen werden. Auch der Lüster ist nicht nach meinem Geschmack. 'Er macht in seiner unförmlichen, in diesen keineswegs hohen imb weiten Raum (ein Musiksalon könnte gut und gern höher und weiter sein) nicht recht passenden Plumpheit ben Eindruck einer bedrohlich über den Häuptern schwebenden, gar ivohlge»iährten Rieseiispnine Nett "ist das eingebaute Sosa mit dem hübschen kleinen Wandschrank darüber, den H. Brand in Friedberg mit einer scheinbar die Musik barftellenben stilvollen Malerei versah. Tie Sessel nnb Stühle sind einfach, prattisch, gefällig. Eilte zierliche Vitrme enthält allerlei merkwürdige Schnitzereien au§ der Sammlung des Kommerzienrats Gail in Gießen, lieber einem der Sofas hängt ein niedliches kleines Medailloiibildn'.s des Erb- großherzogs, üon Frl. Felchuer in Gieße,, lebensvoll ausgefaßl und mit Geschmack und Talent ausgesührt. Tas kleine Bild fesselt die Aufmerksamkeit der meisten Besiicher. Ten prachtvollen Stutzflügel, das ivertvollste nnb bedeutenste Stück dieses Raumes, stellte W. Rudolph aui. P, W.
(Fortsetzung folgt.)
— Moli, sm ns! Gar häufig tönt jetzt dieses Schlagwort. Monistische Weltanschauung ist eine Parole geworden^ es wird mit ,hr Agitation getrieben im guten und schlechteii einne. Es ist deshalb anzuerkennen, daß Professor Eduard König sich mit dem Monismus m ruhiger und sachlicher Weise in der Juninummer der Monatsschrift „Nord und Süd" (32. Jahrgang. S. Scholllaenders Verlagsanstalt, Berlin W. 35) auseinanbersetzt. Ohne Haß nnb ohne Vorurteil bezweifelt er die Einheitlichkeit dieser Well- aiischallung, ohiie zit uerfcimen, daß ihre Vertreter ideale Bc ftrebungen habeii. — Die Umfrage der 9torb nnb Süb-Rebaklion nbcr die „Kulturellen Werte bes Theaters" ivirft trotz der langen Fortsetzung lebenbig. Professor Karl Joel kommt zii dem Schluß: das Theater ist der mächtigste Klmstausbrilck des Lebens. Paul Erlist, Richard Schaitkal, Rudolf von Delius, Rudolf Lothar nnb Johannes Schlaf sprechen verschiedenartig über die Kräile und "Werte des Theaters. — Die „Entwicklung des deutschen Liedes von Richard Wagner bis Hugo Wolf" behandelt Ernst Otto 9tob» nagel; dazu gehört em Bildnis Hugo Wölls, bas ein vorzügliches Relief des '-Wiener Denkmals von Professor Helmer barstellk. — Jur vorigen Jahre wurde viel von der Burg Kreuzenstein gesprochen, als der Kaiser ihr einen Besuch abstaltete. Stiassny, ein Wiener Architekt, übernimmt es, das Schloß und seine Geschichte zu charakterisieren, nnb vier gut reproduzierte Aufnahmen illustrieren feine Aussührnngeli. — Es gibt Fragen, die dadurch, daß man sich viel mit ihnen beschäftigt, noch akuter und interessanter,verden, die Frage der Vorstrafeii gehört dazu. Pros. Höpfner äufeeit sich zu dieser in einer ausführlichen populär-wissenschaftlichen Abhandlung. — Ter Künstler Eugen Bracht ivirb von Rosenhagen gewürdigl und dem ganzen Schaffen dieses Künstlers ein Licht aufgesetzt. 5 Bilder illustrieren seine Arbeit nnb ein vorzügliches Bilb Brachts von Professor Koner macht sie besonders lvertvott. — Zn einem stimmungsvollen Bilde Ludwig ThonraS „Morgen an der Tonan" schreibt Hermann Bang einen lyrisch-poetischen Text. — Erwähiien wir noch die Musikbeilagen, die Essays von Dr. Lilienfein über »Moderne Urteilsfähigkeit" nnb von Dr. Friedell über „Peter Altenberg", sowie ben „Dramatischen Monatsbericht" und bic „Literarischen Berichte" von Prof. Dr. Lndw. Geiger unb anderen, so kommt man immer mehr zu der Ueberzeugnng, daß „Nord und Sud" eine der inhaltreichsten Monatsschriften Deutschlands ist»
seitherige ablehnende Stellungnahme zu ben Anträgen Glässing zu modifizieren. Der Ausschuß der Ersten Kammer hat sich bereit erklärt, den Antrag Glässing 511 Artikel 67 der Verfassungsurkunde anzunehmen. Der Ausschuß der Zweiten Kammer hält n in eine Verständigung auch hinsichtlich des Artikels 75 für möglich. Er legt dieser Bestimmung nur eine theoretische Bedeutung bei. Nach der Erklärung der Negierung ist es aitsgeschlossen, daß in absehbarer Zeit eine Vorlage eingebracht wird, wenn nicht die Zweite Kammer vorher die Basis zu einer Verständigung mit der Ersten Kammer gutgeheißen Hal. Um zu verhüten, daß der neue Landtag in dieser Frage vor einem Nichts steht, ist schon jetzt vorbehaltlich der definitiven Stellungimhme des neuen Landtags eine Aeußerung des Ausschusses der Zweiten Kammer erforderlich. Der Ausschuß beantragt daher, die Zweite Kammer wolle die Regierung ersuchen, eine neue Wahl- rechtsv orlage eiuzubringeri, die auf der von dem Ausschüsse der Ersten Kam tu er gebilligten Verständigung fußt unb somit einen erheblichen Fortschritt gegenüber der vorliegenden Wahlrechtsvorlage darstellt. Da dieser Antrag in deut gegenwärtigen Landtag nicht mehr behandelt werden kann, so erklären die Mitglieder des Ausschusses, daß sie, ihre Wiederwahl vorausgesetzt, im nächsten Landtage einen entsprechenden Antrag bei der Zweiten Kammer stellen werden, damit durch Plenarentscheidung der Zweiten Kammer die Möglichkeit des direkten Wahlrechts und seine Einführung bei den Lvnbtagswahlen in Hessen entschieden wird.
* * Höh. Forstverwaltung. S. K. H. der Großherzog haben den vortragenden Nat bet dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, Geh. Oberforstrat Karl Thaler auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treu und ersprießlich geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt unter gleichzeitiger Entbindung von der Stellung eines Mitgliedes unb Stellvertreters des Vorsitzenben bet Prüfungskommission für das Forstsach in Darmstabt unb unter Verleihung bes Komtur- kreuzes 2. Klasse des Verbienstorbens Philipps des Großmütigen, solvie den Forstmeister August Diefenbach 511 Schotten unter Verleihung des Amtstitels Oberforstrat mit Wirkung vorn 1. Juli 1908 an zum Vortragenden Rat in der Abteilung für Forst- nrtb Kameralverwaltung des Ministeriums der Finanzen ernannt.
* * Lehrer p e r s 0 nalien. Ucbcrtrngen wurde bem Lehrer Karl Gaul zu Sichenhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschttle ztt Leiselheim. — Erledigt ist eine mit einem evangel. Lehrer ztt besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule ztt Angenrod.
* * Der Fackelzug der Studentenschaft am Santstag abend stellt sich an Oswalds Garten auf unb bewegt sieh von da um etwa 9 Uhr durch die West-Anlage, Scltersiveg, Kreuzplatz, Mänsburg, Marktplatz, Marktstraße, Neustadl, Lahubrücke, Schützenstraße 311111 Bismarckturm.
* * Treue Arbeit. Se. Kgl. Hol), der Großherzog haben dem Handarbeiter Gg. Müller zu Darmstadt, in Diensten des Pächters F. P. Pitthan auf dem Karlshof bei Darmstadt, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen.
* * Internationale Damen - Ring kämpfe im Kolosseum (2. Tag). Frl. Richter-Schlesien siegte über Frl. Manuela-Spanien in 4 Min. 30 Sek. durch Ueberwurf nach hinten. Frl. Nelson-London besiegte Frl. Kuoor- Nheinlanb in 12 Min. 14 Sek. durch Halbnelson am Boden. Der Kampf ztvischen Frl. H0ag-Stuttgart unb Frl. Koslows ky-Ostpreußen blieb nach 20 Minuten heißem Ringen une ntsch ie ben unb wirb an einem bet nächsten Tage fort- gesetzt.
* * Zirkus Schu 11t a 11 it. Am Freitag vormittag zlvncheu 9 und 10 Uhr wirb der bekanute Zirkus Schumann mit Extrazug, der ans 44 Achsen besteht, hier eintressen, um auf Oswalds- garten ein nur sechstägiges Gastspiel zu veranstalten. Es i|t von der Direktion ein großes Wagnis, mit ihrem Unternehmen auf jo kurze Zeit nach Gießen zu kommen, aber da in dein Zirkus nur Erstklassiges geboten wird, sollte das Publikum nicht versäumen, den Zirkus zu besuchen. Die Eröffnungsvorstellung findet am Samstag abend 8*2 Uhr statt. Am Sonntag ttnbcn zwei große Vorstellungen statt, und der Besuch der Nachmittags- Vorstellung kann dem auswärtigen Publikum nur empfohlen werden.
* * Postansweiskavten. Für den inneren deutschen Verkehr besteht die Einrichtung der Postausweiskarten, die dazu bestimmt ist, beim Empfange von Postsendungen Weiterungen zu vermeiden, auf die wir bei Beginn der Reisezeit besonders aufmerksam machen möchten. Tie Karten dienen als Ausweis an den Postschalrern wie auch gegenüber dem Postbestell- personal. Bet der Abtragung von Postanweisungen sowie von Wert- und Einschretbsendnngen an einen dem bestellenden Boten unbekannten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer Post- auSweiskarle ausweisen kann, bedarf es daher der sonst vorgeschriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gastwirt oder eine andere Person nicht. Tie Postausweiskarten haben eine Photographie, eine kurze Personalbeschreibung und die eigenhändige Unterschrift des Inhabers zu enthalten. Für ihre Ausstellung ist eine Schreibgebühr von 50 Pfg. zu entrichten. Anträge auf Ausstellung sind an ein Postamt persönlich unter Vorlegung einer unausgezogenen, nicht zu dunkeln Photographie in Visitformcck zu richten. Dem Postamt unbekannte Personen haben sich durch eine andere Person, oder in sonst zuverlässiger Art aiiszuweisen. Po'stauSweiskarten sind ein Jahr, vom Tage der Aufstellung ab gerechnet, gültig. Postausweiskarten, während deren Gültigkeitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen eintreten, daß die Photographie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zutressen, müssen schon vor Ablauf der Frist erneuert wcvden. Die in Deutschland auS- gestellien Postausweiskarten werden auch in Oesterreich, Belgien, Luxemburg und in der Schweiz bei der Aushändigung von Postsendungen als vollgültige Ausweispapiere angesehen.
* * Die Meisterprüfungen i m Handwerk. Im Laufe des Sommers finden bei den drei Meisterprüfnngskom- mijsionen im Großherzogtum deffen die Prüflingen zur Erlangung des Meistertitels im Handwerk nach § 133 der Reichsgewerbeordnung wieder statt. Es sei hier daraus aufmerksam gemacht, daß alle diejenigen, welche sich nach dem 1. Oktober 1901 selbständig gemacht haben, die Meisterprüfung ab leg en müssen, wenn sie den Meistertitel (z. B. ^chremer- ineister, Maurermeister, Bäckermeister usw.) führen wolle 11. Eine andere Art der Erwerbung des Titels wie vielfach angenommen, etwa durch Verleihung, oder Berechtigung zur Führung, wenn jemand eine Reihe von Jahren sein Geschäft selbständig betrieben hat, gibt es nicht. Die Anmeldungen sind möglichst bald an die Vorsitzenden der Prüfungskommissionen einzusenden. Jeder Handwerker, der sich selbständig macht, hat besonderes Interesse daran, die Prüfung abzulegen, führt er doch vor einer staatlich hierzu bestellten Kommission den Nachweis, daß er befähigt ist, fein Gewerbe auszuüben. Aber auch die Gesamtheck hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, da schon äußerlich durch die Führung des Meistertitels der zu erkennen ist, der den I Nachweis seiner Befähigung erbracht hat. Daß aber auch von «den Prüfungskommissionen auf praktischem wie auf theoretischem
Gebiet von den Prüflingen etwas verlangt und Sei nicht gcJ nügenben Kenntnissen und Fertigkeiten im Handwerk auch mit Strenge verfahren wird, beweist der Umstand, daß im letzten Jahre von J 40 Geprüften 21 nicht bestanden sind und die Prü- ung wiederholen müssen. Wie eS sonach int Interesse einer wirtschaftlichen Stärkung des Handwerks notwendig ist, daß sich jeder, der sich selbständig macht, der Meisterprüfung unterzieht, 0 ist es auf der anderen Seite auch eine Ausgabe des Staats, der Gemeinde und der Gesamtheit, die "geprüften Handwerker durch Zuwendung der Aufträge und durch 'sonstige Berücksichtigung zu fördern und zu unterstützen. Nach der vor kurzem durch den Reichstag beschlossenen, Gewerbenovelle idem sog. kleinen Be- ähigungsnachweisi dürfen vom 1. Oktober 1908 ab in der Haupt- ache nur noch Inhaber dcS Meistertitels Lehrlinge anleiten, ausgenommen sind nach den Uebergangsbestimmungen nur ältere Handwerker, denen aber die Genehmigung zum Anleiten erst ausdrücklich durch die untere Verwaltungsbehörde verliehen werden muß. Im übrigen dürfen aber insbesondere die jüngeren Handwerker von jetzt ab nur noch Lehrlinge anleiten nach abgelegter Meisterprüfung, wodurch den Inhabern des Pceistertitels ein weiteres Recht von weittragender Wirkung verliehen ist. Aus der Unterlassung des Erwerbs des Meistertitels werden sich also mit dem 1. Oktober 1908 für viele Handwerker sehr empfindliche Nachteile ergeben. (Forcfall der Berechtigung zum Anleiten von Lehrlingen.) Es wird deshalb mehr und mehr zur dringenden Notwendigkeit für alle selbständigen Handwerker, «die die Be- rediiigung zur Führung des Meistertitels )wch nicht besitzen, die Meisterprüfung abzulegen. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die unbefugte Führung des Meistertitels mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft werd.
r. H u n g e n, 17. Juni Die letzten 2 bis 3 Jahre haben unserem Stadtbild ein anderes, schöneres Gepräge gegeben, indem eine größere Anzahl Neubauten im oberen Stadtteil (Bahnhofsviertel) entstanden resp. noch im Entstehen begriffen sind. Diese äuser sind durchweg den Verhältnissen angepaßt und in hygienischer und ästhetischer Hinsicht einwandfrei; wenn je ein Bedenken aus^usprechen wäre, so könnte dies bei den Bauten des gemeinnützigen Bauvereins geschehen, da diese Wohnungen mit ihren zwei Zimmern und Küche für eine mehrköpfige Familie zu klein und überdies im Preise zu teuer sind. Trotz der erfreulichen Fortschritte, die im Bauwesen hier zu verzeichnen sind, ist keineswegs etwa ein Wohnungsüberfluß vorhanden, im Gegenteil kann immer noch von Wohnungsmangel geredet werden. Im älteren Stadtteil dürften nach und nach eine Anzahl Wohnungen leer werden, da die Vorstadt bevorzugt wird. Was bis jetzt an Wohnungen geschaffen wurde und noch im Rohbau ist, ist bereits alles vergeben und soweit noch Bauten projektiert sind, kann sich deren Besetzung im voraus gesichert werden. Bis jetzt besteht für die B a h n - Verwaltung bezüglich der Beschaffung geeigneter Wohnungen für ihre Beamten und Bediensteten noch eine Kalamität. In Dutzenden von Fällen konnten Versetzungen nach hier nicht aufrecht gehalten werden, da die nötigen Familien- wohnunge fehlten. Darum hat sich auch nunmehr die Bahnverwaltung entschlossen, eine Anzahl Wohnungen zu bauen und zwar sollen zunächst 8 Wohnungen für obere und 6 Wohnungen für untere Beamte resp. Bedienstete errichtet werden, lieber die dopelte Anzahl Mieter des Bahnpersonals hat sich zum Bezüge dieser Wohnungen gemeldet, die Wohnungen sind also bereits zum voraus vermietet. Die Bahuverwaliung wird die Wohnungen zu entsprechend billigeren Preisen abgeben können und außerdem für praktische Einrichtung besorgt sein. Bezüglich des Geländeerwerbs sind die Verhandlungen im Gange. Man trägt sich mit der Hoffnung, daß in der nächsten Zeit auch eine Erweiterung resp. Umbau des Bahnhofsgebäudes stattfinden wird, da dieser Bau den Verhältnissen seit der großen Erweiterung der Bahnhofsanlage nicht mehr entspricht. Mit diesen Bauten wird der neue Stadtteil von Hungen wieder eine beträchtliche Vergrößerung erfahren und es erscheint darum jetzt selbstverständlich, daß der projektierte Schulhausneübau in keine mibcrc Lage, als in die Vorstadt kommen kann. Die günstige Entwickluna unseres Städtchens, das infolge geeigneten Geländes noch weiter ausdehnungsfähig ist, hat bereits eine Zunahme der Einwohnerzahl im Gefolge. An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, daß zur Errichtung größerer industrieller Unternehmungen die Verhältnisse hier die denkbar besten sind, sowohl hinsichtlich der Bahn- wie auch der Arbeiter- und Geländeverhältnisse. Die jetzt hier beschäftigten auswär- tigen Arbeiter sind morgens rechtzeitig an der Arbeitsstelle und können obends rechtzeitig zu Hause sein. Wenn mangels der nötigen Einsicht und deS Entgegenkommens bereits vor Jahren beabsichtigte industrielle Uukeruehmuilgen hier nicht zustande fonimen konnten, so haben sich heute die Verhältnisse wesentlich geändert, dieselben sind Jnteressentcn zur Prüfung empfohlen.
= Faurbach b. N., 16. Juni. Am 14. und 15. Juni fanden hier die beiden Fahnen weihen des Gesang- und des Krieger-Vereins statt. Bei dem herrlichsten Wetter wurde das Fest außerordentlich stark besucht; ferner hatten sich zahlreiche Vereine eingefunden. Um 2 Uhr bewegte sich der stattliche Festzug unter Vorantritt der tüchtig geschulten Licher Stadtkapelle durch die Straßen des Orts nach dein Festplatz, woselbst verschiedene Ansprachen stattfanden, worauf man zum gemütlichen Teil und Tanz überging. Erwähnt sei noch, daß die beiden Fahnen von der Licher Fahnen- Anstalt Hisgen bezogen waren und großen Beifall fanden.
Kg. Kirchhain, 17. Juni. Auf dcr Main-Weser- Bahn wurde heute vormittag der Bahnwärter Dre- wes von einer Maschine ersaßt und sofort getötet. — In das Gefängnis wurde heute ein junger M e n s ch eingeliefert, der in der hiesigen Gemarkung zwei Sittlich k e i t s v e r b r e ch e n ausgeführt hatte. Ter Verhaftete, bei dem man einen scharf geladenen Revolver fand, und dessen Verhaftung erst nach heftiger Gegenwehr erfolgte, heißt Wilhelm Funk' und will aus Rauschenberg stammen.
Frankfurt a. M., 17. Juni. Eine schwere Anschuldigung richtet sich gegen eine Lehrerin der GrunelmSschule in O b e r r a d in einer polizeilichen Anzeige deS ScyremerS 4>- Renkauff. Dessen 10jährige Tochter ist gestern abend gestorben, nachdem sie seit dem 4. d. Mts. bewußtlos darmedergelegen. hatte. An diesem Tage soll das Kind nach Angabe des Vaters in der Schule, als es eingeschlafen war, im Gemck gepackt uno geschüttelt worden fein. Kreisarzt Dr. Fromm untersuchte gestern das Kind und konnte k e i n e n Z n s a m m e n h a n g zwischen dem Vorfall in der Schule und der Todesursache konstatieren. Außerdem wurde eine Sektion angeordnet, die hoffentlich den Han aufiläreu wird. Das Kind soll nach Aussage des Arztes schon an tuberkulöser Hirnhautentzündung gelitten haben.
h. Koblenz, 17. Juni. Im hiesigen 2 8. Infanterie-Regiment sowie im Ehrenbrertsterner T r a i n - B a k a i l l 0 n ist der T y p h u s ausgebrochen. Tw Typhustranken wurden alle in das Ehreubreitstenier Garnison-Lazarett gebracht, während die anderen Kranken nach dem Koblenzer Lazarett gebracht wurden. Unter den Typhus kranken befindet sich auch ein Offizier vom 28. Infanterie-Regiment.


