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141 Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 18. Juni 1808
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-LS General-Anzeiger für Oberhefsen MW Uvnadmt von Anzeigen V ’ • " » u. Land- and „Gertchts-
k! ÄwZ Rotdiottsöniti und Verlag der SrMschen Univ.'Vuch. und ZLeindruöerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Vruckerei: Zchulstratze 7.
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Gesetzes in Elfaß-Lo Ihringen.
Zulassung von Frauen zur I m m a t r i kn l a t io n. Ebenso iuie an den preußischen Universitäten werden weibliche Studierende vom Heröst dic.eS Jahres ab auch an den tcch-
Deutjches Reich.
Die Einberufung des P re uß eichen Landtags. Ter „Rcichsanzeigcr" veröfsenllicht die Verordnung wegen Ein- berufiing der beiden .Däuser des Landtags auf den 2 6. Juni, ferner bü3 Gesetz betretend die Aenderung der Gesetze über den lutterstütziings.vohnsitz und der Einführung dieses
steht es mit der Frage der Wahl re form. Für eine mäßige Wahlreform im Sinne des Fürsten Bülow würden sich statt der bisherigen 111 Stimmen nur noch 109 zu- sammensinden, die ihr zum Teil nur deshalb beistimmen, weil nichts größeres zu erreichen ist. Denn selbst wenn das Zentrum geschlossen sür die Einführung des Reichstags- Wahlrechts einträte und die Freisinnigen und Sozialdemokraten auf ihre Forderung der Neueinteilung der Wahlkreise verzichteten, so würde auch diese Gruppierung der Wahlreformfreunde, sogar unter Einschluß der Polen, Danen, Welfen und Wilden, nur 169 Stimmen zählen, denen 275 reichstagswahlröchtsfeindliche Stimmen der Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen gegenüberständen. So ist im neuen Abgeordnetenhause weder auf Kulturpolitik, noch auf Wahlresorm irgendwelche Aussicht. Das Dreiklassenwahlsystem hat also auch diesmal wieder seine Schuldigkeit getan.
Eine andere Frage ist ja noch die, wie sich das preußische Volk selbst zu diesen politischen Aufgaben stellt, in welchem Sinne es also seine Stimme bei den Urwahlen abgegeben hat. Hierüber kann erst die Vcröjsenllichung der Wahl- statistik in einigen Monaten Aufschluß geben. Mer wir glauben kaum, baß sie Beweise dafür liefern wird, daß das preußische Volk bei den Wahlen wirtlich einen energischen Protest gegen oas Dreit'lassenwahlsysteni eingelegt hat.
Die Darmstädter Ausstellung.
(Fortsetzung.)
Ter für das Isenburger Schloß in O s f e n b a ch be> ftinunte Lejesaal in dem Gebäude sür angetuanbte Kunst i|t zwar recht eindrucksvoll in seiner kühlen Miltelattertichkeil, aber mit keinen steilen Holzschnitzereien au den Wänden, den Stützbalken mitten im Raume, seiner ganzen gesuchten Altertümelei nicht anheimelnd für den modernen Menschen, und vollends nicht prakliich rls Lesesaal durch feine Düsternis und Niedrigkeit. Die Nischen ieilich bilden recht nette beschauliche Plätzchen.
Die typographische Ausstellung der G e b r. K l i n g s p o r m Offenbach verdient die besondere Beachtung jedes Kunstfreundes. Sie üiebt ein lehrreiches und rreffendes Bild von der gegenwärtigen außerordentlichen Höhe deutscher Jllustrationstechnik, von der gelinden Lebenskraft der deutschen Illustration überhaupt, oder, bes,er gesagt, des neudeutscheu modernen Buchschmuckes, einer heute wieder ganz jungen, weil lange vergessenen Kunst, ihrer erstaunlichen Ent- ivickelunqsiähigkeit. Atan denke nur zurück an Die Zellen des alten 'Lhodowiecki, dieses wackeren und in gewisser Weise freilich iur alle Zeiten vorbildlichen Tippelmeiers, ja selbst an die Menzels, des Großen. Die Technik hat sich seitdem eben ganz gewamg vervollkommnet, und nicht zum mindesten durch die rühmenswerten Be- niühungen der Gebr. Klingipor. Tas -^-lefste und Beste laßt sich eigentlich doch nur durchs Auge, durch die Kunst der Illustration ini weitesten Sinne, nicht durchs Ohr, durch die Musik vermitteln. Tas zeigt diese Ausstelluiig der Gebr. Kliugspor.
Die schöne Al arm orh al le der Ma, nz er Kunstgewerbeschule und viele andere tast oder ganz gleichwertige Räume au dieser Stelle gebührend -u besprechen, ist hier nicht der Ort. Einige Räume nur noch, .an dem anßersten Ostende dieses Gebäudes gelegen, werden das besondere Interesse der obechessischen Besucher ivachrusen, sind sie doch ivieder zum größeren.wie sur Nauheim bestimmt. ., _ . q>1..,
Wenn wir das Gebäude für angewandte Kunst von der Ruck feite aus betreten, von dem Gebäiide für Architektur aus durch da- stilvolle, sinnig eiiigeiügte Gärtchen, das Pros. Albm AluUer ge- schaß'en hat, dann gelangeii wir zunächst m emen Briinneiihof, der, vorerst wenigstens, einen etwas eintönigen Eindruck macht. Ter vierteilige, in ö Warben ausgeführte keramsiche Brunnen ist em tüchtiges Werk der Firma Gail in Gieße n. Und dann gbümgen ,vir durch das Bureau, für das einige, praktische gediegene Helle riiid feste Aiöbel die Alsfelder Möbelfabrik Lelwfert hat, in die F ü r st e u b ä d e r für N a u h e i m. nt b?e
ftürftenbabeAelle" einen reizenden Niiliiaturraum, dessen weiß- SKeXbe! mit'Sirf&aumeinlay d°r
H. Bindewald in Friedberg alle Ehre machen. W-r sehen hier daß Fürsten zum Baden einen Bücherschrank notig habeii, BlumMvasen und ähnliche Dinge, die auch hier sich recht schmuck ausnehmen, mit den, Bade aber doch nur m losen Zusammenhang SfcJTÄ »
tömmt"' enbU4U»a5U0yab.mBv '"L,-llunKb°l>.ch°r wZ
inzwischei, längst fast in allen seinen Teilen fertig und alle, die daran chusen, habeii sich Mühe gegeben, ein Haus zu errichten und cin- zurichten, das in jeglicher seiner Einzelheiten den naiurlicheii SchönheitSsimi beruhigt lind befriedigt, das allenthalben Behaglichkeit ausströMk, das in erster Linie aber bestes Zeugnis ablegt von der kuiistgewerblichen Leistungsfähigkeit innerhalb unserer ^^J^h'dars hier einstigen, daß der Großherzog das Obeihessische Haus bereits dreimal besucht und sich sehr ersrent und lobend über die Gesamtleistung, wie über manche Einzelheiten noch tat besonderen, ausgesprochen hat. : .
Dem Eingänge mit seiner vordrmgltcyen Vorhalle freilich kann ich auch bei öfterer Betrachtung durchaus feinen Geschmack abgewinnen. Die von Sack LJughardt gelieferten Mingenberger Mosaikplatten auf dein Fußbodeii des Vorplatzes beleben indes diesen tiicht unwesentlich. Die anstoßende Garderobe ist niedrig und eng, Schirm- und Stockablage darin, von Karl Krailmg sichtlich nach altem Muster geschaffen, von unförmlicher Massigkeit. Tie Toilette installierte G g. A p p e l.
Und nun treten ivir ins eigentliche Haus, auf die ^icle, im Katalog Halle genannt. Sie gehört zu dem Schönstei, des ganzen Hauses und sie birgt auch dessen hervorragendstes eine;, den wundervollen Kamin, in seiner dnnkeln kupfernen Grunrote cm prächtiges Werk einheitlichen Formen- und Farbensinnes. ~eu Entwurf dazu lieferte der Darmstädter Architekt H. Stumpf. Tie Wandvertäfelimg und den Treppenbau führte der Schreuier- meister B. Weppler in Alsfeld mit Geschmack und im ganzen guten Gelingen aus. Lauschige Schmollwinkelchen bieten sich auf -wei Eckbänken. Die zum größeren Teil sehr wohlgelungencn Schnitzereien lieferten nach Modellen deS trefflichen Hauptlehrers K. Hube r in Offenbach die Herrrn Becker: in AlSseld, F r ic, e in Friedberg, Grandhome in Schotten und R in g s h a u| e n in Nidda. Tie einfach gehaltene, zur Füllung passende und gut wirkende Stuckdecke ist eine tüchtige Arbeit von H. B e ck e r in Friedberg. Die vorläufig neben dem Samin angebrachten hemen, an sich ganz gefälligen, aber hier durchaus nicht zum Ganzen lief) süßenden Beleuchtungskörper reichen natürlich nicht un ent'erntesten aus für diesen großen und hohen Treppenranm. Sie machen den Eindruck des Notbehelfs und werben gewiß bald den rechten Ersatz und die rechte Ergänzung finden. Das Mobilar, von Architekt B u r q in Gießen entworfen, wurde von R i n g s h a u s e n m Jhida in profiliertem Eichenholz sehr sauber ausgeführt. Die graugrünen Sessel bieten äußerste Bequemlichkeit. Sehr hübsch macht sich die große Wanduhr. ... , .
Tie in altertümlicher Kranzform bleiverglaste weite Flügeltür zum Musiksalon fertigte Weppler in "Alsfeld. Dieser von Pro'.. Olbrich entworfene, in Hellmahagoni mit geschnitzten und sparsam vergoldeten Verzierungen sowie Intarsien angeführte Raum stellt im' wesentlichen eine Dlusterleistung der Gießener Hofnwbcliab^ Th. Brück dar. Man darf über diese Ausstellung uiid den sur sie miaus- bleiblichen günstige!'. Ersoigen gratulieren. Wenn dieses oder jenes ur der Idee verfehlt scheint, so trifft daran diese Firma nicht die geringste Schuld, sondern dcnnicht lMmerpraktijch denkeudenKimstler dessen Entwürfe auszusüyren die Firma verpflichtet war. Die hübsch geschnitzten
möchte in diesen Tagen sommerlicher Glühhitze nicht em Fürst sein und sich in diesem prächtigen kleinen Alarmorbädleui gründlich abdouchen nach allen Regeln der hochentwickelten Brausetunsi. Tie gesamten Fustallatioiisteile, barmiter die vielarnnge VentU- gruppe und die beiden Brausen, hat die rühmlichst bekannte Gießener Firma H. S ch a f f st a e d t ausgeführt, und die verwöhntesten Fürsten luerbcii damit zufrieden fein. Tie beiden goldigen, gekrönte Löwinnen von heute ja hochmoderner stilvoller lieber- fchlankheit darstellenden Handlehnen kamen aus der Schlosserei von Wigandt L Gräfe. Die ganz zu hinter,: liegenben Bade- räume sind z. Z., weil unfertig, noch geschlossen.
In den oberen Räumen dieses Hauses sesseln selbst den ermüdeten Wanderer einzelne besonders vortreffliche oder augenfällige Gegenstände: so einige oberhessische Töpfereien von tüchtigen Louis Keßler in W i e f e cE oder dem Lauterbacher Leonhard Bauer, als höchst fanbere Handarbeit das blitzblanke Pferdegeschirr von Louis B ö 1 z i n g in Großfelda, ewige fein stilisierte Sch11tzer L e i n w a r e n, vornehmlich aber, m emein Vorplatz mit sichtlicher Ungunst plaziert, em ganz köstliches Bild von dem großen, in seiner Fugkudblüte aus dem Leben gerissenen ö e i ns Heim, einen eifrigen Seifenbläser darstellend. Das Bild ist wahrlich ein Meisterstück, das geistvolle ungeistreiche Werk eines ganz großen Künstlers.
Wer möchte nicht immer und immer wieder gelegentlich nuferen Gesetzgebern es übel nehmen, daß sie unsere Erdodersiache, den vaterländischen Boden zur gemeinen Handelsware gemacht haben. Wie unendlich viel vorteilhafter für das ganze Menschen- aefchlccht wäre es doch, nach den allerverschiedensten Richtungen hin wenn dieser Grund und Boden sämtlich unverschuldbares Lehn wäre. Tami gäbe es feine Bodenspekulation und keine Hypotheken, und was bergl. üble Dinge sind. Ein Volk auf freiem Grunde hätte eine wesentlich höhere Kultur, feine Hau er waren zum größeren Teile längst starke Zeugen ganz nidividueller Kultur- höhe und individuellen, ober ganz gewiß nicht niedrigen Kunst- geschniackes. Tie üblen Früchte unseres bestehenden Rechtes sind u a. dre Absperrung der meisten Wohnungen von der Natur, damit verbunden die Verkümmerung des geistigen und see stchen Lebens, die äußere Häßlichkeit der meisten Städte, die Beern-- trächtigung des ästthensche>i Enipsiudens unserer Bevölkerung.
Die Darmstädter Aiathildenhöhe will nun in gewißer Weise als Muster dienen, wie dem bestehenden und nur nut unendlichen gesetzgeberischen Mühen umwandelbaren Rechte zum -rrotz auch eine moderne Stadt schön m die Natur hinemwachsen kann, Ichlicht zwischen Bäumen und Blunien, und durch jnneö Fürsten weife Mirsorge von keinem Spekulanten bedroht, seiner Provinz Ober-- hessen überließ er zur freien Betätigung dieses Gedankens ihrer- sens das nach seinem eigenem Ausspruche schönste Fleckchen dreier schönen Höhe, und unter der stillen und bescheiden zurückhaltenden, aber darum um so tatkräftigeren Aegide des Kommerzienrat^ 6 Billigen ft ä b t in Gießen ist für die Tarrn,tadter Ausstellung dieser fürstliche Gedanke zu einer für wette Streife M)erl)eneib> er- fprießlichen Tat gereift. Das O b e rch e f f i i ch e A u Sst e 11 u u 9 s- i^auS, von dem bisher nur..oberslächlich die Rede sein konnte, ist
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
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Da; neue preutzische Abgeordnetenhau;.
Im alten Abgeordnetenlfüuse zahlte die Real'tion (Konservative, Freikonservative, Zentrum und Polen) 317 Mandate, während sie es im neuen unter Hinzuziehung des einen Welfen aus 332 gebracht hat. Der Fortschritt dagegen, also dtationalliberale, die beiden frei,innigen Fraktionen und die Dänen, zählte im alten Landtag 111 Stimmen und wird im neuen, einschließlich der 6 Sozialdemokraten und des Moabiter Mandats, über das noch die Stichwahl entscheiden soll, nur 109 Stimmen haben. So hat sich die Spannung zwischen Reaktion und Fortschritt, Die im alten Abgeoronetei^use schon 206 Stimmen betrug, im neuen aus 223 erhoyr, also um 17 Mandate zugunsten der Reaktion. Zieht man hierzu noch in Betracht, daß die Zahl der preußischen Abgeordnetenmandate seit 1906 um 10 vermehrt wurde, so ist der Rückgang des Fortschritts trotz des Gewinnes der Sozialdemokratie relativ viel größer, als 2 Mandate.
Ten Hauptverlust hierbei haben die Nationalliberalen erlitten. Ihren 5 neu gewonnenen Mandaten stehen 17 verlorene gegenüber, so daß sich ihr absoluter Verlust auf 12 Mandate beläuft. Zwar wird nun dieser Parteiverlust, sowie der Verlust eines Mandats der Freisinnigen Vereinigung, für den gesamten Fortschritt dadurch einigermaßen ausgeglichen, daß die Freisinnige Volkspartei ihren Befitz- stand um 4 Mandate vergrößert, die Sozialdemokratie die 6 ersten Mandate errungen hat und der Ausfall der Moabiter Stichwahl gleichfalls dem Fortschritt zugute kommt. Aber cs gibt doch für die Sache des Fortschritts und speziell des Liberalismus sehr zu denken, daß eine Reihe anscheinend fester nationalliberaler Wahlkreise, wie Goslar, Rothenburg- Hoyerswerda, Jerichow, Bersenbrück, Duderstadt und Kassel- Land an die Konservativen und Mandate, wie Essen, Dortmund-Land, Kattowitz, Tarnowitz und Beuthen, an das Zentrum übergegangen ist, und daß der Freisinn 3 Mandate in seiner Hochburg Danzig verloren hat. Wohl erhält dadurch, daß der entschiedene Liberalismus um 4 Mandate verstärkt ist und überdies die Sozialdemokratie mit 6 Abgeordneten ins Landtagsgebäude eiu.zieht, der gemäßigte LiberaliImus aber 12 Mandate cingebüßt hat, der gan^e Fortschritt einen Ruck nach links, der jeöod) bei der Verstärkung der reaktionären Parteien um 15 Stimmen leoigüu) eine ideelle Bedeutung haben kann. Und diese ist um jo geringer, als sich auf dem rechten Flügel durch die Verluste der Freikonser- va.ioen, die man doch allenfalls noch als Kulturpartei ansprechen kann, und den gleichzeitigen Gewinn der Konservativen und des Zentrums eine deutliche Verschiebung nach rechts geltend macht.
Zieht man nun aus dir seit zahlenmäßigen Erwägungen das politische Fazit, so ergibt sich, daß in Kirche und Schule in Preußen fortab eine noch schärfere reaktionäre Tonart angeschlagen werden wiro, als bisher. 168 kultur- freundlichen Stimmen stehen jetzt 273 kulturfeindliche gegenüber, also ein Plus von 105 Stimmen. Wie sollte da an eine freiheitliche Schul- und Kirchenpolitik in Preußen auch nur im bescheidensten Maße zu denken sein! Uno noch schlimmer
eingeroiHiat hat, sich an eine andere Universität berufen zu laifeu. Voraussichtlich werden die Innsbrucker Studenten ebenfalls c ir. = lenken. — Als der Kaiser vorgestern die neue Kinderschuh Station eröffnete, soll er, zu dem Unterrichtsminister Marthct gewandt, laut für alle Umstehenden vernehmbar gesagt haben; Machen Sie einmal dem Skandal ein Ende. Ihre Rektoren sind eine nette Gesellschaft. — Tie Rektoren von fünf Wiener Hochschulen sollen daraufhin beim Unterrichtsminister eine Audienz nachgesucht haben, um sich zu erkundigen, ob die Aenßerung des Kaisers authentisch sei. Im Falle der Bestätigung wollen sie ihre Demission geben.
Prinz Harald von Dänemark, der dritte Sohn des Königs Friedrich VIII. hat sich mit der Prinzessin Helena zu S ch l c s w i g - 5) o l st ei u - G l n ck S b u r g verlobt. Prinz Harald steht im 32. Lebensjahre. Seine Braut ist eine jüngere Schwester der Braut des Prinzen August Wilhelm von Preußen. Die Prinzessin ist 20 Jahre alt.
Die Abberufung des deutschen Botschafters in Konstantinopel soll, wie neuerdings ein türkischer Staatsmann erklärt hau, entgegen allen Dementis doch bevorsleheu.
Aus Petersburg: Die Begnadigung von 48 wegen Beteiligung an Judenhetzen verur,teilten Personen wird von dem Organ des Verbandes des russischen Volkes, der „Rußkoje Snauja' , gemeldet.
Das Dementi der Döberitzer Rede des Kaisers wird von der Londoner Presse nicht beachtet. Tie Mehrzahl der Blätter bleibt im Gegenteil bei der Behauptung, die Aeichcruug des Kaisers sei gefallen und nimmt die Rede zum Anlaß von Kommentaren. So erklärt der konservative Taily Telegraph den Gedanken, daß England das deutsche Reich nngreifen wolle, für geradezu lächerlicp. Tie englifäie Armee sei viel zu unbedeutend, als daß England etwas derartiges unternehmen könnte. Rußland braucht eine lange Periode der Ruhe nach den Ereignissen der letzten Jahre. Frankreich sei das friedlichste Land der Welt. Ter Daily Telegraph verurteilt dann die agressive.Haltung d., deutschen Presse. Die Aenßerung des Kaisers dürfe man nicht zu tragisch nehmen.
Roosevelt und die Neuwahlen. Bundcssenator Lodge, der zum ständigen Vorsitzenden des republikanischen Kvn- vents gewählt wurde, führte in einer Ansprache ans, Roosevelts Weigerung, die Wiedernomination zur Präsidentschaft anzunchmen, sei endgültig und unwiderruflich. Jeder, der vcriudie, seinen Namen in Verbindung mit der Präfidentschaftskandidatur zu gebrauchen, greife ffioosevelts Aufrichtigkeit an, die eine feiner Haupteigenschaften fei. An der Politik, die Roosevelt hinter- lasse, halte seine Partei weiter fest. Jrn weiteren Verlaufe seiner Rede wurde Lcdge durch mehrfache, lang anhaltende Beifallskundgebungen für Roosevelt unterbrochen. Tic Delegierten stellten sich auf die Stuhle und schwenkten in großer Begeisterung Fahnen und Hüte. __
Aus Stadt utt$ Land.
Gießen, 18. Juni 1908.
Das laudw. Schauwesen in Oberhesseu.
Zu. den bewährtesten Förderunbsmitteln der landw. Technik gehört zweifellos die Veranftaltung von Schauen und Ausstellungen, die mit Prämiierungen der besten Leistungen verbunden find. Der Zweck dieses Schauwesens besteht sowohl darin, vorwärtsstrebenden, tüchtigen Lanowirteu eine Auszeichnung für die im Interesse ihres Berufsstandes und der Allgemeinheit gelegenen Tüchtigkeit zuteil werden zu lassen nnb sie zu weiterem Fleiße aiizuspokuen, als auch den Ausstellern und Ausstellungsbesuchern durch die zum Vergleich auffordernde Vorführung hoher Leisluugen Be-
irischen Hochschulen immatrikuliert werden.
Feuerbestattung in Preußen. In der Stadtverordnetenversammlung vcn Wilmeisbori ist ein Antrag auf Errichtung eines Krematoriums eiugebracht worden.
Der Kaiser und der neue amerikanische Bätsch a f te r. Ter Korrespondeut des New York Herold erfährt von einer Persönlichkeit des Hofes, daß BotsüMfter .H i L l c i n e n außerordentlich günstigen Eindruck aus den Kaiser g c in a ü) t habe. Der Kaiser soll sich nach der Audienz des amerit'aiiischcu Botschafters zu seiner Umgebung geäußert haben: „Tas ist ein sehr angenehmer Gelehrter", und soll auch nicht mit feinem Unmut darüber zurückgehalten haben, über Hill falsch unterrichtet worden zu sein, indem er sagte: „Es zeigt sich wieder einmal, daß ich nicht immer gut informiert werde."
Ter Kongreß für gewerblichen R c ch t s f ch n tz in Leipzig beriet über die Einsetzung von Patentsondergerichten. Nach sehr lebhafter Debatte wurde ein Antrag der Kommission des Vereines für gewerblichen R^chtsswutz angenommen, Welcher es für erforderlich erkläre, daß in Angelegenheiten des gewerblichen Rechtsschutzes Gerichte eingesetzt werben, die aus Rechtsgelehcten und technischen Richtern zusammengesetzt sind.
AusLand.
Der 5 tu b eii te n ft r e i i in O e st cr r eich. Aus Wien wird gemeldet, daß die Studenten Den Streik als aussichtslos auf- gegeben haben, namentlich deshalb. Weil Prosefjor Wahrmunb


