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18.1.1908 Erstes Blatt
 
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sachkundigste Chef seines RiesenrefsortS, und Exzellenz Koch, den Verkehr wieder zuruapumpen lann, bleibt he ai)o mit der bisherige hochverdiente weiter der Reichsdank, der einer zu «roßen.Silberstauung andauernd belastet und die Gegner seiner Diskontpolitik mit souveräner Ueber- das kann den nationalen und internationalen Geldmärkten, leaenhcit und feiner Ironie abzusertigen pflegte, hätten da die Bankausweise veröf,entlicht werden, nicht verborgen dem Grafen Kanitz viel schärfer gedient. Schade ist es bleiben so kann der Kredit der Banknoten unter diesem auch, daß Herr Präsident Heiligenstadt von der sog.Preu- ungesunden Zustand Schaden erleiden, ^eder Geschastsrnann

behaupten,

unserer

auch, daß Herr Präsident Heiligensladt von der sog.Preu- tzenkasse", von der an dieser Sielie ganz kürzlich die Rede war, nicht das Wort ergriffen hat. Anwesend war er. Wir Rationalökonomen durften darauf gespannt sein, zu hören,

Verhältnisse hatten und

im Ausland^

kann.

Gegen eine mäßige Vermehrung der Sitberausprägun- gen, etwa in der Höhe von zwei bis zweieinhalb Mark pro Kops der Bevölkerung, wird man dagegen grundsätzliche Bedenken kaum erheben können. In den großindustriellen Provinzen des preußischen Westens, in den Rheinlanden und in Westfalen, mit ihren riesigen Lohnzahlungen wird seit Jahren über einen Mangel an Älbergeld in größeren Stücken Klage geführt. Es ist schwer, zu entscheiden, ob sich diesem Mangel nicht auch aus anderem Wege abhelfen ließe; denn in andern Gegenden hört man von einem Bedürfnis nach größerer Silberzirkulation nichts. Die int rheinisch- westfälischen Jndustriebezirk angeblich so beliebten Fünf­markstücke sind anderswo gar nicht besonders geschätzt. Wenn die Reichsbankfilialen in rationeller Weise ihre Bestände austauschen, kann nach meiner Ueberzeugung der wünschens­werte Ausgleich auch ohne Neuprägungen herbe^geführt wer­den, und namentlich sollten alle öffentlichen Kußenverwal- tungen, insbesondere die Postanstalten, versuchen, das durch den reichlichen Edelmetallumlauf etwas verwohnte deutsche Publikum wieder an die Reichskassenscheine und die neuen Banknoten in kleinen Wschnitten zu gewöhnen. Diese Geld­surrogate sind ganz zweckmäßige Ersatzmittel für Hartgeld. Man muß nur ihre Einbürgerung tatkräftig unterstützen.

Mag dem im übrigen sein, wie es lvolle, es ist wohl so gut wie sicher, daß es zur Neuansgabe von Silbermünzen lommen wird. Hoffentlich legt man sich dabei wenigstens eine gewisse Reserve auf und macht es nicht gleich zu toll.

Das ist in wenigen Strichen das Situationsbild der letzten Parlamentsdisrussion! Schält man den reellen Kern der Verhandlungen heraus, so findet man, daß wir aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer demnächstigen Münz­novelle zu rechnen haben, die den Silberumlauf erheblich vermehrt. Für diesen Plan sind die Konservativen, Anti­semiten, das Zentrum und wahrscheinlich auch die Mehrheit der Nationalttberalen, also wiederum eine Parteikonstella­tion, die der Bülowschen Blockpolitik direkt widerspricht. Auch die Michsregierung (Reichsamt des Innern und Reichs­schatzamt) l-aben sich für die Silbervermehrung ausgesprochen. Schon früher, aber nicht aus währungspolitischen, son­dern aus finanziellen und fiskalischen Gründen, hat das der Herr Abg. Paasche getan. Ich habe mich mit diesem Kollege»!, der immer mehr ein Augenblickspolitiker zu wer­den scheint, und den wohl viele nationalökonomische Pro- fessoven längst nicht mehr zu den wisenschaftlichen Vertretern ihres Faches rechnen, an anderer Stelle auseinandergesetzt. Leider muß man heute, ob man will oder nicht, alles, was ge­wisse einflußreiche Parlamentarier jagen, ernst nehmen, denn schließlich haben sie allein das Heft in der Hand, alle andern sind Stimmvieh. Herr Paasche, der, wie wir endlich positiv wissen, wirklich als llnterstaatssekretär im Reichskolonialamt in Frage kam, wird jetzt an der Börse als Havensteins Nach­folger im Präsidium der Seehandlung genannt Auch dieses Gerücht deutet auf einen Shstemwechsel hin.

Bekanntlich hatten wir seit dem Münzgesetz von 1873 bis zum Jahre 1900 einen Silberumlauf von zehn Mark Scheidemünzen. Daneben hatten wir aus den früheren Zeiten der Silberwährung einen beträchtlichen Vorrat von Vereinstalern, die man mit Rücksicht auf den Silberpreis­sturz auf dem Edelmetallmarkt nicht weiter verkaufen konnte. Um diesenSchönheitsfehler" unserer Goldwährung loszuwerden, erhöhte man den silbernen Scheidemünzen­umlauf von zehn auf fünfzehn Mark. Die Reichsbank hatte den ungefähren Bedarf auf vierzehn Mark geschätzt Man prägte nun die Taler um, setzte sie am 1. Oktober v. Js. außer Kurs und erlangte damit endlich die reine Gold­währung. Gegenwärtig sind nur noch 25i/2 Millionen Mark in Talern in der Reichsbank vorhanden. Da wir dank der Bevölkerungsvermehrung jedes Jahr dreizehn .Millionen Mark an Silber mehr brauchen, so werden wir Ende 1909 mit den Talern endgültig aufgeräumt haben.

Wenn man berechnen will, wie viel Silber als Zirkula­tionsmittel der Verkehr braucht, so muß man die Zusammen­setzung des Metallbestandes der Reichsbank prüfen. Nun hat >itt) nach den Erklärungen des neuen Reichsbantprähdenten in der Sitzung des Zentralausschusses vom 13. d. Mts. ergeben, daß Der Goldbestand sich innerhalb Jahresfrist nur um 16 Millionen, der Scheidemünzeuvorrat dagegen um 37 Millionen Mark erhöht hat, d. h. die Stärkung der metallischen Basis kommt in erster Linie auf den Silber- zusluß. Für mich ein schlagender Beweis, daß Silber genug Da ist, jedenfalls eine starte Vermehrung, die Gras Kanitz und Paasche in der Höhe von 300 Millionen, der Zen­trumsredner sogar bis zu 600 Millionen, fordern, dem Be­dürfnisse des täglichen Verkehrs absolut nicht entspricht. Alle volkswinschaitl.ck-cn D nge lassen sich, bei Licht be»rach»et, auf ganz elementare Erjcheinnngen zuruckfuhren. Zu diesem Elementarphänomen gehört die statistisch nachweisliche Tat- sache, daß der wirtschaftliche Verkehr, sobald er mit irgend einer Geldsorte überjättigt ist, sieausspert". DerSpuck­napf" find in diesem Falle Die Keller der Reichsbank, wohin zuguterletzt, wie in einem Klärbassin, alles Ueberschusjige ab,ließt An und für sich wäre das kaum gefährlich, wenn die Metallvorräte der Zentralbank nicht in erster Linie als Deckung der Banknoten dienen müßten. Nun ist aber die Golddeckung eine vollivertige, die Silberdeckung eine fiktive, stark unterwertige und noch dazu stark schwcuikende. Hat | nun die Reichsbank mehr Silber, als sie gegebenenfalls in

weiß, lvas das zu bedeuten hat Der geringste Zweifel, der in die glatte Einlösbarkeit der Banknoten gesetzt werden könnte, zumal in Zeiten allgemeiner Krediterjchütterungen, könnte geradezu verheerende Wirkungen haben. Die Stabilität und oas Ansehen unserer Währung würden in Frage gestellt werden, wie wir das in Papierlänbem tagtäglich und noch kürzlich auch in der nordamerikanischen Union mit ihrer Tripelwährung (Gold, S.lber und Silberzertijitäte) klar be­obachten konnten. Es ist also die allergrößte Vorsicht ge­boten. Bevor man unfern Silberumlauf aufs neue erhöyt, müssen exakte und zuver lästige statistiiche Untersuchungen über den wirklichen Scheidemünzbedarf angestellt werden. Aus dem Handgelenk" kann ma- solche schwierigen Opera­tionen nicht machen. Das neue Silber müßte Deutschland in London oder Hamburg in Barrensorm ankaufen. Bei einer Erhöhung, wie sie die Abgeordneten Graf Kanitz uni» Paasche wünschen, verdiente die Reichslässe allerdings glatt 1,0 Millionen Mark. Dieser mühelose Gewinn mag für viele etwas Bestechendes Haven, aber Deutschland wird dabei zu einem Teile sein gutes Gold los und bringt entwertetes Silber in den Verkehr, das man nie wieder ab sch leben

Viel bedenklicher als eine über Gebühr vermehrte! Scheidemünzenausgabe ist der andere Vorschlag, den der Ab­geordnete Graf Kanitz im Reichstage gemacht hat. Das Reichsmünzgesetz schreibt vor, daß niemand verpflichtet ist, mehr als zwanzig Mark in Silber in Zahlung zu nehmen. Die Konsequenz dieser Bestimmung ist, daß die Banknoten in Gold eingelöst werden müssen. ES entspricht das der Tat­sache, daß wir gesetzlich eine Goldwährung und keine Doppel­währung haben. Im ruhigen Verlaufe der Dinge weigert sich natürlich niemand, auch beliebig größere Summen in Silber anzunehmen, und auch gegen die Einlösung der Noten in Scheidemünzen wird kein Geschäftsmann etwas einzuwenden haben. Nun verlangt der Graf Kanitz eine Erhöhung der Zahlkraft des Silbers von zwanzig auf tausend Mark. Diese Forderung sieht sehr harmlos aus, zumal man sie nur münztechnisch, nicht währungsvolitisck, zu vertei­digen sucht. Gegen den Vorwurf, dag diese Maßregel uns wieder auf die schiefe Ebene des Bimetallismns führe, hat man sich pathetisch verwahrt. Trotzdem ist dieser Vor­wurf durchaus berechtigt, und der Hinweis auf Frankreich, wo die Fünffrankstücke volle und unbefchränkte Zahlkraft haben, beweist nicht das, was man damit beweisen will. Denn Frankreich hat eben den. Bimetallismus, und der kolossale Silbervorrat und Silberumlauf des Landes kann ihm bei internationalen Verwicklungen erhebliche Schwierig­keiten bereiten, wenn auch nicht so große, wie in den Ver­einigten Staaten, wo wir noch kürzlich ein Goldagio von zwei Prozent gehabt haben, und siebLNundsiebzig größere Geld­plätze die Barzahlung zeitweilig ganz einge)tellt hatten. Gibt man dem Silber eine Zahilrast in der sünfzigfachen Höhe der gegenwärtigen, so spricht man mit einem Male aus, oaß unsere Banknoten sowohl in Gold als in Silber ein- gelöft werden dürfen. Das wäre nicht nur theoretisch, son- oern auch praktisch, höchst gefährlich. Das Ansehen unserer Notenbank-Organisation würde schwer darunter leiden. Die vielen Gegner und Kritiker unserer Geld- Würden sofort dahinter

LHU wir experimentierten an

_f____ goldenen Valuta und milderten aus Gold­

not die solide Einlösungspraxis bezüglich der Banknoten. Solche Vorwürfe könnten ui.3, selbst wenn sie weniger berech­tigt wären, als sie in der Tat sind, ernsten Schaden bringen. Unsere Noten müssen nicht nur im Jnlande, sondern auch auf den internationalen Geldmärkten in ihrer Kreditwürdig­keit über jeden Zweifel erhaben fein. Ist das nicht der Fall, so kann sehr leicht ein Disagio ein treten, wie man das lange Zeit bei den italienischen Banknoten in ihrem Verhältnis zu den französischen gehabt hat. Läßt man die deutschen Reicks- banhioten bis zu tausend Mark von der Einlösung in Gold frei, so ist das gleichbedeutend mit derSistierung der Bar­zahlung" im währungspolitischen und stritt banktechnischen Sinne. Man wird vielleicht fragen, wie weit man beim die Grenze der Zahlkraft des Silbers ziehen könne. Etwas willkürlich und mechanisch wird jic wohl immer [ein. Grunde

ob Herr Heiligenstadt feine früheren Resormvorfchläge, die in Fachkreisen allgemeines Kopjschütteln erregt hatten, noch aufrecht erhalten würde. Aber er schwieg. Im Namen der Nationalliberalen sprach ein neugeiuäljlter sächsischer Abgeordneter, der im Parlamentsalmanach als Bankdirek­tor in Löbau ausgeführt ist. An seiner Stelle ver­mißte man den früheren Aögeoroneten Büsing-Schwerin, der als eine anerkannte Autorität in den so schwie­rigen Geld- und Bankfragen allseitig Beachtung sand. Die Redner des Zentrums und der Svzial- oemokratie traten wenigstens rütthalttos für die Goldwäh­rung ein und erklärten ihr grunojätzliches Einverständnis mit Den Ai's,ührungen des neuen Reichsbankpräsidenten. Der reif innige Parteivertreter schwächte leider den Eindruck seiner besonoers sachkundigen Ausführungen durch handels­politische Exkurse, die nicht unbedingt zur Sache gehörten, ab. Am stärksten im Bimetallismus machte ein Antisemit. Tas meiste, was er sagte, war ungereimtes Zeug. Wie soll auch ein Porzellanmaler, wie Herr Raab, dazu kommen, von solchen Dingen auch nur einen Schimmer zu haben? Immer­hin erreichte er den gewohnten Heiterkeitserfolg, und zivar lachten die einen ironisch, die andern mehr über die Dolfs- cümlich-robuste und drastische Ausdrucksweise. Den Reichs- bankpräsidenten hatte Herr Raab entweder nicht gehört ober nicht verstauben. Für ihn ist bie Goldwährungein schönes Mädchen, mit bem andere spazieren gehn."Die Armut iornrnt von ber Properteh", und wer selbst fein Geld hat, pfeift auf die ganze Goldwährung. Wenn Politiker von oem Schlage dieses Volksvertreters in die Enquete-Kvm- miffion kommen, bann kann die Sache gut werden!

Sieht man indessen von diesen parteipolitischen Be- tirachmngen, die ja so wie so wenig erfreulich sind, ab, so muß man auch in wirtschaftspolitischer Beziehung mit Bedauern konstatieren, daß.die letzten Reichstagsverhandlungen anläß- Lich der Interpellation des Grafen Kanitz eine auffallend arm* fielige Ausbeute geliefert haben. Der Herr Interpellant, unzweifelhaft einer der kenntnisreichsten Köpfe der deutsch- buferüatiocn Partei, ein Politiker, der wirkliche Studien wacht und seine Reden gründlich vorbereitet, hat dem Reichstage auseinandergesetzt, woher der hohe Diskont bmmt. Das Parlamentäftenoaramm hegt zwar noch nicht vor, aber man hat ausführliche Zeitungsbcrichte. Sobald bie offizielle Niederschrift Iferausgefommen sein wird, werde eh in einer schon jetzt notwendig gewordenen zweiten Auf- Eige meiner BroschüreDie deutsche Geldverfussung", bie ni Gießen vor wenigen Tagen erschienen ist, Die Jnter- 1 bellation bes Grafen Kanitz eingehender kommentieren. Sorläujig müssen einige wenige orientierende Bemerkungen genügen. Was Graf Kanitz über die Ursachen ber Geld- versttisung unb der hohen Zinssätze gejagt hat, ijt jeden- FallS weder neu, noch erschöpfend. In den ^ahrevuber- sichten führender Handelsblätter, wie derFranksurter Zeitung" und demBerliner Tageblatt", konnte man in den letzten Wochen Darüber viel Gediegeneres lesen. Antwort des Staatssekretärs v. Bethmann, der immer wieder das Publikum auf die bevorstehende vertröstet, war auch ziemlich nichtssagend. Rede des neuen Reichsbantpr äs identen Havenjtem war diplomatisch reserviert. Immerhin kann man den von langer Hstno »orbcreiieten vorftog gegen unsere Goldwährung aw -uruck- gewiesen ansehen. Die Abwehr entbehrte aber durchaus der joust beobachteten Energie. Graf Posadowsky-Wehner, der

Nr. 18 Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 18. Januar 1808

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füi bie Redaktion 113, Ä < ** für den politischen Teil:

General-Anzeiger für Gberheffen WM

nota«otts»ru» und Verlag der vrühl'schen Un!».-V«ch- und Stcindruckerei. R. fange. He6aHion, LxpediNan und Druckerei - Schulstraße ?.

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

Die letzten Reichstagsverhandlungen.

Herr Pi-ofessor Dr. Bierrner schreibt uns unter dem 16. d. Mts. folgendes:

Die Verl-andlungen im deutschen Reichstage anläßlich ber Interpellation des Grafen Kanitz am 14. und 15. d. M. find höchst interessant. Man sprach des langen und breiten über unsere Gelbverfassung unb bie Diskontpolitik. Von allen Seiten erhielt ber jetzt von seinem Posten zurück- getreteue Reichsbankpräsibent, Exzellenz Koch, bie wohlver- oiente Anerkennung, was aber weder die Führer ber Rechten des Hauses noch auch ben Nachfolger deS unvergeßlichen Grasen Posabowsky-Wehner, Herrn Staatssekretär v. Beth- rnann-Hollweg, abhielt, aleichsam in einem Atem mit bem L'obgefange auf den Präsidenten Koch Reformen für dis­kutabel zu erklären, gegen die sich Koch erst kürzlich ganz energisch gewehrt hatte. Es hat den Anschein, als ob an die Stelle des einen vieleKöche" treten sollen. Vielleicht gelingt es diesem Konsortium, in der bevorstehenden Gelb- und Bank-Enqueteden Brei zu versalzen". Ich habe schon vor zwei Jahren darauf hingewiefen, daß mit Kochs Ab- gang ein Systemwechsel zu befürchten sei. Ich scheine wie- emm einmal, was mir gar nicht lieb ist, recht zu be- Ijalteu. Neugierig darf man jedenfalls darauf sein, wie unter solchen Verhältnissen der vielgerühinte Block feine Feuerprobe bestehen soll. Zuerst überraschten die völlig

la eierten und unglaublich ungeschickten Angriffe Paasches auf den Kriegsmipister in Sachen Harbens, kurz baraui tarn es zu einem nicht minder heftigen Zusammenstoß z-ivischen Bassermann und dem preuß. Finanzminister wegen ber Reichssinanzreform. Der Reichskanzler mußte in Person eingreifen und die Risse im Block wieder verkitten, was iTbejfen den nationalliberalen Abgeordneten Friedberg nicht abhielt, im preußischen Abgeorbnetenhause bie An­griffe gegen Den wegen feines Schneibs offenbar mißliebigen iliheinbaben kräftig sortzusetzen. Kurz vorher versuchte bie linke Seite des Blocks, ohne Sinn und Witz für das Reichs­tes.. atzlrecht in preußen S. m.i'.nng z. machen und Helte |iv, znr Freuve Der Zi.oniervai.iv en, aber auaj v.eler anderer, einen oeritablen blumenlosen iuorb vom Reichskanzler selbst, und endlich wagte der agrarische Flügel des Blockbundes einen Borstoß gegen die Bank- und Münzpolitik des Reichs, ben bie ^iiite uno Mitte ber Blockpartei kaum unwiDerfprochen lassen können. Zentrum unb Sozialdemokratie freuen sich über dieses Schauspiel wie die Schneekönige. Politisch rei| ist die neue Regierungspartei jedenfalls noch nicht. Viel­leicht ist diese Frucht der sanguinischen Bülowschen Staats- hinft bereits überreif, und ich fürchte fast, fie wird bald vom Stamme fallen. Dann hat wiederum einmal Der Liberalismus, wie wiederholt zu Bismarcks Zeiten, den günstigen Moment, emslußreich unb goubememental zu iyerben, gründlich verpaßt. Es liegt das allemal daran, i» er Die schwebenden Zweckmätzrgkeitsfragen, die, wie d»ie Finanzsrage, nur nüchterne Realpolitik erfordern, viel pi programmatisch und doktrinär anpackt. Der neue ^Zungliberalismus" hat *u dieser Programmwut, hinter boer gar nichts steckt, viel beigetragen und die Natronal- l iberalen verlernen jetzt unter dieser unbequemen Einwir­kung sogar die Kunst desUmfallens", in der sie früher amsgesprochene Meister roareu. Von der bewährten Bis- Marckianischen Tradition haben sie sich unter Bassermann umd Genossen mehr und mehr abbrangeln lassen. Trotzdem trauen ihnen Die alten Widersacher Bismarcks immer noch nicht recht. Eine Mittelpartei hat es ja gewiß immer besonders schwer; aber gerade deswegen muß sie sich | möglichst an Die Regierung anschließen und sie zu stützen, wber nicht ihr das Leben unnötig sauer zu machen suchen. Die gegenwärtige Reichsregierung ist ja liberaler, jeden­falls moderner wie irgend eine andere in den letzten Jähr- zichnten. Mit diesem Regime mutz auch der entschiedene Oiberalismus, sofern er nicht kurzsichtig preußische und süddeutsche Verhältnisseüber einen Leisten schlägt, einen Modus vivendi finden können. Ohne gewisse, ja fortgesetzte, slomprontisse hat es noch nie ein konstitutionelles Zusam­menwirken, das sich als lebenskräftig erwies, gegeben!