Nr. 270
Dn ©teBtnet Anzeige» erlebend tdghd), außer 6onntag6. - Beilagen: Die t maI wöchenküch SlebenerZamiltendlätter, eroeunul roöcbcnfl.Kreis» blatt für den Kreis Liehen (Dienelag undJreiiag, zweunal monatl Land» »trtfd)af!lld)t Seltfragen ßernlpiccb • Anschlüsse r |üi Olt rnedaklion 112, Verlag u. Expedition 61 tUnefle lüt Depeschenr
Anzeiger Gtcße«.
Lnnayme von Anzeigen füi die Lagesiuiiiiiner biß vormittags 10 Uhr.
Erstes Blatt
158. Jahrgang
Montag 16. November 1808
Botationsörud and Verlag der vrühl'sche« Untv.-Vuch- und Steindruckerei B. Lange. BedaMon, Expedttton und Vruckerei: Zchnlstratze ?.
SKMKU Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Bezu gvprct Zr monatlich 75 BI., viert el- lährllch Ml. 2.20; durch '.Ubbole- u. Sroeiqitellen monaihd) 65 'Bf.; durch Vie Bost 'Bit. 2.— Dtertel* fährt ausschl. ibeiieUg, yedenpreifl: total 151% aus,varls 20 Blenntifr
Berantwortlich für den polinlchen fett, füi »Feuillelon* unb . Bernnlchles' Ernst Slnöerlon, tür »Stadt u. Band* und „(ßencbtd- tnal" E. Öcb, un den Anzeiaenteil p. Peck.
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Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
Der Kaifcr von China t.
Der junge, seit Jahren schwer leidende Kaiser von China ist am Sonntag gestorben. Der Kaiser zeigte kurz vor seinem Tode deutliche Anzeichen von Geist.'sstöcung. Die Verschlimmerung im Bejinden der Kaiserin-Witwe soll durch die Erschütterung verursacht worden feilt* die sie beim Anblick des sterbenden Kaisers erlitt.
Nur eine Scheinherrschaft war eS, die dieser Kaiser führte, in Wahrheit übte ja die Kaiserin Witwe Tsutsi als iRegcntin des Landes das ^Regiment aus. Ein sreudenloses Dasein hat der bisherige Kaiser getriftet, nach kurzer persönliche Herrschaft, in welcher er als Volksbeglücker auszutrelcn verbuchte, entriß die Kaiserin Witwe das Zepter seinen schwachen »änben, um ihn zur Tatenlosigkeit zu verdammen, und selber mit kräftiger Hand die Zügel der Negierung zu erfassen. Nach allem, was man über den Kaiser hört, hat dieser den Schlag nicht einmal so schwer empfunden, er war von je eine weltfremde Natur, ihm war die Besäiäftigung mit seinen Büchern viel lieber, als die Unter- zeichnung von Staatsdokumenten; überdies wurden ihm stets die seiner Kaiserwürde gebührenden Ehren zuteil. Seit Jahren kränklich siechte er dahin und die Kaiserin Tautai hatte freies Spiel. Anfänglich glaubte man, daß auf die freieren Regungen während der hirjen Herrschaft des Kaisers wieder ein völliger Rückfall in die allen Zeiten folgen werde, aber die Kaiserin- Witwe Tsutsi ist eine sehr kluge ftrau, die sehr wohl erkannte, daß c5 in der alten Weise nicht fortgehen könne, sondern, daß wirkliche Reformen nach europäischem Muster eingeführt werden mühten. Hierbei ging sie auch von dem richtigen Grundsätze aus, daß sich eine mchrtausendjährige Kultur nicht binnen wenigen Jahren mit einem Sclstage umstürzen lasse, sondern daß man ganz allmählich unter gebührender Berücksichtigung der heimischen öitten und sonstigen Verhältnisse vorgehen müsse. Bedeutende Reformen in der Verwaltung sind bereits eingesührt, und ebenso ist in der Armee eine gründliche Reform in die Wege geleitet wordeu. Verschiedene Kommissionen weilen in Europa um ein» gebenbe Studien zu machen und später ihre gesammelten Skennt- nisse in der Heimat zu verwerten. Wenn man aus diesem Wege sortschreitet, dann wird man sicher auch etwas erreichen.
Die Frage ift wie sich die Dinge in China jetzt gestalten werden. Prinz Tjchun ist zum '.Regenten ernannt morden, während sein Sohn zum Thronerben erklärt wurde. Prinz Tschun war es, der vor sieben Jahren die chinesische Sühnenmission nach Berlin führte, sonst weist mtin im allgemeinen nickst allzuviel von ihm und ntttn wird daher das weitere abwarten müssen. Liegt die Gestaltung der Dinge doch nicht lediglich an ihm, sondern da- «m, nüe das Volk den Thronwechsel aufnimmt. In halb- 8-ivilisierlen Ländern pflegen derartige Ereignisse meist ucckst ohne innere Wirren abzugehen, und es wäre auch in diesem Falle keineswegs ausgeschlossen, dast sich etwas ähnliches wieder in China ereignet. Die Alandschu-Dynastie erfreut sich überhaupt nicht sonderlicher Popularität und speziell im Süden herrscht eine starke Strömung gegen sie; auch der Süoen ist eS ja, in dem sich alle Augenblicke Unruhen ereignen. Allerdings darf man nicht vergessen, dast in den letzten Jahren doch eine gewisse Konsolidation Platz gegriffen hat, eine Reihe einsichtiger Gouverneure haben sich eifrig des Refocinwerls angenommm und die ihnen unterstellten Provinzen ein gutes Stück vorwärts gebracht. Man darf daher der Hoffnung Raum geben, dast, falls wirklich Erschütterungen ein treten sollten, diese doch für den Bestand des chinesischen Reiches keine besonders nachteiligen Folgen haben lueite». Welche Folgen auf dem Gebiete der auswärtigen Politik der Thron- roedjel haben wird, lässt sich in diesem Augenblick im Hinblick darauf, cast der Regent ein utweschricbencs Blatt ist, in keiner Weise übersehen. .
Wie in Tokio inbezug auf den Tod des Kaisers von China mitgeteilt wird, will Japan nur int Einvernehmen mit den übrigen Mächten in China vor gehen unb selbst, wenn dort Unruhen entstehen sollten, werde Japan keine Maßnahmen treffen, ohne vorher die übrigen Mächte befragt zu haben.
*
Peking, 16. Nov. (Reuter-Mekdung.) Die Kaiserin- Witwe ist gestorben.
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Berlin, 14. Nov.
Ursachen und Folgen der Wirtschaftskrtfis.
Die traurigen Meldungen vom westfälischen Grubenunglück beeinflustten auch die heutigen Verhandlungen. Nahezu alle Redner flochten in ihre Erörterung der Ursachen und Folgen der Wirt- schaftstrisiS und der Mastnahmen zur Abhilfe mehr oder minder temperamentvolle Bemertungen ein über die Frage der Schuld an der Katastrophe, und auch der Empfang des Kaisersohncs durch die erregten Kameraden und Angehörigen der Verunglückten wurde von dem radikalen Polen Brejsci entsprechend ausgebeutet. Der Präsident liest den Rednern weilen Spielraum, indem er auf die begreifliche Stimmung der Arbeitervertreter Rücksicht nahm. Aber man stimmte allseitig dem Staatssekretär v. Bethmann-'Hollweg zu, dast im Augenblick eine ersprießliche Erörterung dieser Angelegenheit nicht möglich sei, und beschied sich schließlich in Erwartung der demnächstigen Besprechung der Interpellationen.
Tie gestrige Aussprache wurde heute durch die Redner der Wirtschaftlichen Vereinigung 2r. Böhme und Behrens, den jetzt der konservativen Partei zugehörigen Bündlerchef Dr. Hahn, die soz:aldemokratisä>en Gewerlfchastsjührer Sachse unb Sev e- r i n g und den Zentrnmsgewerkfchaftlcr Becker (Arnsberg? weiter- gesponnen und die polemischen SluSfübrungen der Redner der Rechten riefen auch den '21 bg. Gothein noch einmal auf die Tribüne. Neues trug niemand von ihnen mehr vor. Auf gelegentliche Bemerlungen von gestern wurde mit Auseinandersetzungen über Freihandel und Schutzzoll, Agrar- und Industrie- Politik, Bodenreform und Verstaa:lick)nng erwidert. Schließlich nahmen auch diese akademischen Erörterungen und damit die Besprechung der Interpellationen ein Ende. Aus den Erklärungen der Regierung, die Herr v. Äethmann-Hollweg durch weitere Darlegungen noch bekräftigt, kann man die Gewißheit entnehmen, dast von den zuständigen Stellen nichts versäumt wird, um die Folgen der gewerblichen Stockung für die Arbeiterschaft so erträglich wie möglich zu gestalten. Die wirtschaftliche Depression selbst wird durch die Interpellationen wohl kaum beeinflußt werden, und es durfte auch von manchem der anderen Kcdner gelten, was während der von seinem Standpunkt aus sehr geschickten Rede des Dr. Hahn von einer sozialdemokratischen Bank zur Tribüne herauftlang: Wenn der Hahn kräht auf dem Nist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist!
parlamentarifd?cs-
Diehseuchenkomm»ssion. Heine vormittag hielten saft alle Fraktionen des Reicvslciges Sitzungen ab. Dover wurde bie auf heilte auberaitmle Sitzung der Auioinobilkoimnislion abbcfteUl. GS tagte nur die Viehfenchenkommissiou. § 44 a lautet nach der Vorlage: „Für einen versengten Ort ober einen bestimmten ge- 'äljrbcien Beziik kann der Verkehr von Personen aud) in Räumlichkeiten tGehöit, Stall, Standort, Ho raum. Weideslöche, Vteh- ansslellling, Maikiplatz ufw.l, in denen sich für die Seuche emp'äng- liche Tiere befinden, beschränkt oder tn'oiDCit ausgeschlossen werden, als er nicht zur Wartung und Pflege des Viehs er'orderllch ist.' Ein Antrag auf Streichung des Wortes Gehöft rourbc abgelehnt, dagegen hmzugefügt: .Sowie zur E nbrmgung der Ernte'; hierauf soll also bei Erlast des Verkehrsverbots aud) Rücksicht genommen werden. Weiter wurde auf Antrag der Rouferuüiioen dem § 44u folgender Absatz hmzl,gefügt: .Innerhalb eines gefährdeten Bezirks dürfen iinbeschadet der nach den allgemeinen Voischrliien Auläifigcn Beschränkungen des Verkehrs mit Tieren öfsemltche Wege ooruber- gehend gcgcii den Verkehr auch von Personen gesperrt werden, wenn dadurch die Brnutzniig von Tieren, die einer Sperre (§ 22) unterliegen, zur Feldarbeit oder der Auftrieb solcher Tiere auf die Weide ermöglicht oder erleichtert wird.' Tie nächste Sitzung bei Kommission ist unbestimmt.
politische «Jaacsi^au.
Tie innere Krisis.
Die Norddeutsche Alig^meme Zeitung beschäftigt sich in ihrer Wocl-en-Rundichau mit den 3ieick)stags-Vrrhandlungcn über das Kaifev-Julcrvrew unb sagt in diesen i-iusführungen u. a.: Mehrfach wirb Bedauern darüber geäußert. dast Fürst Bülow am zweftrn Tage des Diskussion nicht mehr das Wort ergrisscu hat. Es konnte nicht der Wunsch des Reichskanzlers sein, durch erneutes Eingreifen in die Diskussion noch 'oie Möglichkeit der Verlängerung bet)ciben um einen dritten Tag herbcizusuhrcn. Wir glauben nicht, der Sache einen Dienst -zu tun, wenn wir gegenwärtig t-ol)cr auf Rekriminationen eingeben wollten. Der Schtverpunkt der Situation liegt in der Besprechung, die der Kaiser am MoiUag mit dem Fürsten Bülow Haden wird. Ihr Ergebnis warten wir in Ehrerbietung vor der Krone und in dem Wunfck-e ab, dast es bald gelingen möge, zwischen Kaiser und Volk das alte Verhältnis yertzlichcn Vertrauens in vollem Umfange wieder herzustellen.
Zu dieser Besprechung in Kiel wird es nun, wie an anderer Stelle mitgetcibt mürbe, nicht kommen. Der Kaiser unb der Kanzler werden sich in Berlin sprechen. Dem B. T. zufolge lösten in der vierstündigen Sitzung des Bundesrats-Ausschusses die Vertreter der Bundesstaaten Einspruch gegen die Rundreise-Politik, die seit einigen Jahren bei uns üblich ist, erhoben. Die hahen den entsch'ed-.'.en.Wunsch geäußert, der Kaiser und die Vertreter der ausmärltgen Poliric möcksten nicht anbaucTito aus verichiedcnen Weligegeuocn regieren, haben audj über das viele Festefeiern einige Bemerkungen gemacht unb haben ben Fürst.u Bütow ersucht, dem Kaiser diesen Wunsch der Bundesstaaten &u überbringen.
Graf Hülfen Häseler r.
Jftmitten einer fröhlichen Festlich leit ist der General- abjukuit des Kaiers.und Chef des Militärkaüinetls, Graf v. Hülstn-Häseler am Samstag abend p.östlich infolge eines Schlaganfalls gestorben. Der Graf hatte noch morgens dem Kaiser Vortrag gehalten unb bann ben ganzen Tag munter unb frisch aus der F-uchsjagb verbracht. Auch bei dem geselligen Zusammensein am Abenb fühlte er sich burch- aus wohl. Es geschah ohne jebes Zeichen eines bevorstehenden Anfalls, baß er plötzlich mitten im Streife ber Gesellschaft um siel unb aus seiner Ohnmacht nicht roieber erwachte, obwohl ärztliche Hilsc sofort zur Stelle war. Gestern, um 10 Uhr vormittags fanb im großen Saale bes Schlosses, wo bie Leiche bcs Grafen von Hül,en-Häfeler aufgebahrt war, ein Trauergottesbienst statt, an bem ber Kaiser teilnahm. Nach ber 'Feier legte ber Kaiser einen .Kranz nieder. Der Kaiser war auf bas höchste bestürzt. Als ihm bie Trauerkunbgebung gebracht würbe, eilte er an bas Bett bes Grasen unb sank bort nieber. Alle Festlichkeiten würben sofort ausgehoben. Der Kaiser hat, wie bas „Berl. Tagebl." erfährt, infolge bes plötzlichen TobcS, ber den Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen-Häscler ereilte, bie Reise nach Kiel zur Rekrutenvercibigung unb zur Besprechung mit bem F-ürsten Bülow ausgegeben. Der Reichs- läuzler hat insolgebesfen seine Reise ebenfalls aufgegeben. Der Kastor wirb heute in Donaueschingen.bleiben unb Dienstag in Berlin eintreffen. Die Besprechung mit bem Fürsten Bülow wirb bann im Berliner Schlosse srattsinben.
»
Großfürst Alexis von Ruhland f.
In Paris ist am Samstag früh ein Onkel be§ Zaren, ber 57 Jahre alte Großfürst Alexis am Herzschlage, infolge eines Lungenlcibens gestorben. Ter verstorbene Großfürst war zur Zeit des russisch-japanischen Krieges Großadmiral der russischen Flotte, unb nach ber unglücklichen Schlacht bei Tschufchima entlub sich aus ihn ber Unwille bes gesamten Votkes. Dian machte ihm, nicht mit Unrecht, ben Vorwurf, baß die Mißwirtschaft in ber englischen Marine allein durch seine Sck-ulb eingerissen sei. Der Großfürst mußte feinen Posten aufgeben unb Rußland verlassen. Es hatte sich nämlich in der Tat herausgestellt, daß Großfürst Alexis, ber als Lebemann noch größer war als in seiner Admiralseigenschaft, bie für ben Bau eines russischen Schlachtschiffes bestimmte Summe dazu verwendet halle, seiner Freundin, der sehr schönen französischen Sck-auspiele- rin Fräulein Barletta ein Perlenkollier unb anbere Schmuckslücke zu schenken. Es war zu einem öffentlichen Stanbal gekommen. Fräulein Barletta, bie bem sranzöfischen Theater in Petersburg angehört hatte, würbe bei ihrem Erscheinen in einer Loge vom Publikum cmsgepfiffen unb mußte am nächsten Tage über bie Grenze geleitet werben. Auch Alexis verließ alsbalb Petersburg und zog sich nach Paris zurück, wo er bereits vorher ben größten Teil bes Jahres verbracht unb auch eine eigene Wohnung innegehabt hatte. Auch in Monte Carlo gehörte ber (Großfürst zu ben bekanntesten Erscl-eirmngen bes Spielsaales. Ter Großfürst war mit einer Tochter des Dichters Schukowsky verheiratet, bie Frau nxrr aber frühzeitig gestorben.
Tie löctner Konvention.
Nachdem bie Unterzeichnung des neuen Vertragsiustcumentcs der Berner Konvention zum Schutze der Werke der Lttecatur unb Siünst im RcickStagsgebaude staltyesunden Hal, miirden am ^air.s- tag in der fünften Plenarsitzung die Protokolle der letzten cikuingcn genehmigt. Hierauf wurde die Skonferenz von Berlin von ihrem Präsidenten v. Studt für beendet erklärt. Das neue Vcrtrags- in ihm ment enihäli 30 Artikel. Sie behandeln hauptsächlich sol- gcnde Punkte: Gleichstellung des Ueberietzungs.echtcs nut bem yieditc am Crininaliüerfc, Einbeziehung der potittschen Zeitungsartikel in den Schutz, Skicitigung des musikalischen AussülirungS- vvrbchaltcS, Sck)utz gegen die Wiedergabe von Köinppsttwncn mittel» mechaniscljer Musikinstrumcnle unter Berücksichtigung der ivohlerworbenen Reckpc der Fabrikanten, Schutz der Merke der Literatur und Sttinst gegen die Wiedergabe durch Slineniatographen, andererseits Sck>utz der Originale kinematvgraphischer Merke gegen unerlaubte Wiedergabe, Feststellung der Wecke, die absoluten Schutz genießen, Beseitigung der Formalitäten innerhalb des Ber- pandcs, Unabhungigkeit des SckMtzcs in ben übrigen Vertrags- staaten von den gesetzlichen Borfchciftcn des Ursprungs.andes, joroie einlxitliüjje SckMtzinst Von 50 Jahren unter Voruehalten für diejenigen Vcrtragsländer, die kürzere Sckmtzftisten haben.
Aus StaSt unS LauS.
Gießen, 16. 'Jtooember 1908.
** Ordensangelegenheit. S. K. tz. der G r o ß - Herzog haben bem Gg. V!aus, Gefchüftssührcr in ber Teuisck-en Landwirtjchaiis-Gesellschaft zu Berlin,, bie Erlaubnis zur Annahme unb zum Tragen des iljm vom König von Preußen verliehenen Kronen-Orbens 4. Klasse erteilt
** Finanzpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Hauptsteueramtskoiitrolleur bei bem Hauplsteucramt Gießen, Phil. W e i ß zu Gießen zum 5)aupt- Iteucramlsrendanien bei bem Stäupt ji euer amt Worms, ben Hauptileucramtskonlrolleur bei bem.Hauptsteucramt Mainz, Franz S ch c il ke l b e r g zu Mainz zum Hauptjicueramts-- cenbanlen bei bem Hai'prsteuerarnt Dingen unb ben Dczirls- kasscasjistenten Gg. Veit zu Darmstabt zum Buchhalter bei der Haupt staats lasse ernannt.
Fo rsl person ali en. S. K. H. der Grobherzog haben den Forslassislenten Eduard Gro o8 zu Odenberg zum Oberförster der Oberförsterei Viernheim, sowie die Forslassessoren SI'qcI Thum aus Laubach unb Gustav Buß aus Butzbach zu Jorstassistenlen ernannt.
** Lanbw. Vorträge für Solbaten werden im Einvernehmen ber Regierung mit ber 26. Division auch in bem Winterhalbjahr 1908/09 wieder abgehalten, unb zwar in ben Garuifonert Darmstabt, Ostend ach, Butzbach, Gießen unb Worms. In jeher biejer Garnisonen werben 16 Vorträge gehalten aus bem Gebiete der Pflanzen-, Boben-, Tier- unb Wirlschaststunbe. Der erste Vortrag sinbct heute nachmittag von 5 bis 6 Uhr abenbs statt. Wegen der Vorträge in Mainz wirb vom Gouvernement bas Erforberliche veranlaßt.
•* Erlebigt sind an ber Gemeindeschule zu Heusenstamm, zwei Stellen, von denen die eine mit einem cuang. Lehrer, die andere mit einer kath. Lehrerin zu besetzen ist.
""Bei ber Landesversicherungsan st altGroßh. Hessen sind ttn Oktober l. I. 2 5 1 Rentengesuche (233 Invaliden- und Krankenrentenanträge, sowie 18 Altersrentenanträge) eingegangen. Unerledigt wurden in den genannten Monat übernommen 349 Renlengcsuche, so daß 600 Gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 237 durch Rentenbewiüignng (217 Invaliden-, 7 Kranken- unb 13 Altersrentengesnche); 35 durch Ablehnung, weil unbegründet (23 Invalidenlentengefuche); 13 durch andere Weise — Zurücknahme usw. — (11 Invaliden- und 2 Altersrentengesuche), zusannuen 273, so daß 327 Gesuche als unerledigt ailf den RionatNovember übernommen werden mußten. Ferner wurden im Atonat Oktober l. I. 317 Anträge auf Beitragserstattnng gestellt, und zwar 273 infolge Heirat weiblicher Versicherter (H), 39 infolge TodeS oersicherter Personen (2) und 5 wegen Bezugs von UnfaQrente (11.). Unerledigt wurden in den genannten Monat übernommen 87 Erslailungsanträge, so baß 311 bearbeiten waren 404 Gesuche. Bewilligt wurden 234 Anträge (200 H. und 32 T, und 2 T.), abgelehnt wurden 19 Anträge (12 H., 9 T. und 1 U.). Unerledigt blieben 151ErslattungSanträge(113H., 29T.und9U ), die auf den Monat November übernommen wurden. — In welchem Umfange die Landes-Versicherungsanstalt Großh. Hessen Heiloeifahrenßkosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich aus noch tehenben Erläuterungen: Ende Oktober 1908 waren in den nachverzeichneten Anstalten untergebracht: in der »Ernst Ludwig-Heilstätte* bei Sandbach i. O. 110 Versicherte, in dec .Eleonoren-Heilstätte* Wmterkasten 79 Versicherte, in der Göttmannschen Heilanstalt in Reichelsheim 32 Versicherte, in Lindenfels 38 Versicherte, in Bad 91au- heiin 26 Versichette, in Bad Lippspringe 18 Versicherte, in der Dr. Lossenschen Älnstalt hier 1 Versicherter, in der Klinik von Dr. Grein 7 Versicherte, in Krankenhäusern, Kliniken unb sonstigen Anstalten 8 Versicherte, zusammen 319 Versicherte.
-ft Lollar, 14. Nov. Gestern abenb hatten einige von auswärts stammende Arbeiter in der Gastwirtschaft und Metzgerei Hch. Moos V. den Geburtstag eines Slollegen gefeiert. Als nun heute morgen der Besitzer der Wirtschaft seinen Vichllall betrat, fand er den aus Krofdorf gebürtigen unb zu Wißmar verheirateten, in den 30er Jahren stehenden Arbeiter Becker tot vor. Wie der Genannte in den Stall gekommen ist, steht dahm. Eine gerichtliche Koniniission weilte bereits heute nachmittag hier behufs UntersuchunZ. Jedenfalls sind die Angehörigen, bezw. bie Familie, denen auf solch unerwartete Weise der Ernährer entrissen wurde, tief zu bedauern.
--Lauterbach, 15. Nov. Unserem hessischen LandS-s mann, bem Kaiserlichen Gouvernement»-At<yitdien Alfretst


