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17.8.1908 Zweites Blatt
 
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Montag 17. August 1908

158. Jahrgang

Nr. 19Ä

Zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversuätS - Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Dießen.

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DieSletzener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krctsblott für den Kreis Elchen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen 3ett- fragrn" erscheinen nronatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.

55. Deutscher ttatholikentag.

(Unber. Nachdr. Verb.) S. u. H. D ü sseidor f, 16. Aug

Mit einer Versammlung des ständigen AMÄOseS des Deutschen Katholikentages int Motel "^eidenbacher Mo, begannen gestern nachmittag die geschäftlichen Verhandlungen der oo. Oe- neralversanmtlung der Katholiken ^uttchla^. dre m den nächsten Tagen hier im Mittelpunkt des rhemne^weitsalilcyen Lndusttie-Reviers unter dem Zustrom einer »ach Tausenden zah­lenden Menge abgehalten werden wird U. a nahmen an den Verhandlungen teil vom Reichs- und Landtage di. Abgg^r. Porsch (Breslau), Bachem (Köln), Grober Heilbronn) Graf ^ppe^ dort (Schlesien) mit) Mibe (Münster), vom Volksv^rern mr das rlathottschc Deutschland Landesrat .Brandt und General,ekrewr Diever (M.-Gladbach., vom Bonifacms-Vereui ,ur das kat^rlilche Deutschland Präsident Nacken, vom Verband katholpcher,Ge)ellen-

Los von der Duma.

Ueber den abermaligen Versuch der Sch,varzen Banden, die Abschaffung der Duma zu erwirken, schreibt man uns aus Petersburg vom 11. August:

Neuerdings erhebt sich von neuem seitens aller reaktio­nären Elemente ein heftiger Kampf gegen die Existenz der Reichsduma. Man ist in hohen wie niederen Kreisen der Reaktion nicht abgeneigt, die Ferienzeit zu einem coup detat zu benutzen, und in Rußland, wo gegenwärtig nur die brutale Macht obenan ist, hat man stets mit allen Möglichkeiten zu rechnen. Vor einigen Tagen hatte eine hiesige Zeitung die sensationelle Nachricht gebracht, daß eine Reihe der bekanntesten reaktionären Staatsmänner, die von hohem Einfluß seien, sich zu einer konspirativen Gesellschaft znsammengetan hätten, um das Manifest des 17. Oktober rückgängig zu machen; sie nannte dabei einige Namen und darunter sogar den Verfasser des Manifestes selber, Witte. Wie weit diese jedenfalls über­triebene Mitteilung auf Wahrheit beruht, läßt sich nicht sagen, aber daß von neuem alle möglichen Treibereien im Gange sind, um die Reste des Konstitntionalismus in Rußland zu vernichten, unterliegt wohl keinem Zweifel. Dafür spricht auch die Tatsache, daß der .Verband des russischen Volkes" augenblicklich einen leidenschaftlichen Sturm auf die Duma entfesselt. In der gesamten Provinz sind die Gruppen an« gewiesen gegen dasaufrührerische" Parlament Proteste zu erheben und durch Massenkundgebungen auf den Hof cinzu- wirken. Dubrowin selbst, der Chef des Verbandes, bereist jetzt den ganzen Süden und predigt in diesem Sinne. In Kiew hat dieser Tage eine unter dec Leitung Dubrowins und des Priesters Wostorgow abgchaltene Versammlung beschlossen, einen Appell an die äußerst rechten Mitglieder der Duma und ihren Führer Graf Dorcer zu richten, in dem die Fraktion anfgefordert wird, in einer speziellen Deklaration innerhalb der Duma ihre Auflösung zu fordern und an den Zaren em gleiches Ersuchen zu richten. Momentan dürften alle solche Bestrebungen, selbst wenn sie wirklich in den geplanten De­monstrationen zum Ausdruck kommen sollten, von der Re­gierung hintangehalten werden. Denn mit der Duma in ihrer jetzigen Gestalt steht und fällt Stolypin. Mer wer garantiert, daß der mächtige Einfluß der Tnrnowo, ^chwanc- bach und Konsorten nicht doch bald durchdringen wird? Dann haben alle diese Experimente wiederum Sinn und Be- deutung gewonnen.

vereine Deutschlands Matthias Wiese (Verden), vom Augustinus- Verein zur Pflege der katholischen Presse der Verleger der Krefelder Volkszeitung, vom Charitasverband für das katholische Deutsch­land Mosign. Werthmann (Freiburg i. Br.) und vom vorbereiten­den Komitee für die (Generalversammlung dessen Vorsitzender Erb- gras zu Troste-Vtschering und Direktor Elkan (Köln). Tie i Zer Handlungen waren verttaulicher Natur und betrafen die letzten Vorbesprechungen für die Organisation und Durchführung des diesjährigen Katholikentages, der sich nach dem Beschlüsse des Zentralkomitees zu einer großen Kundgebung des latholischen Deutschlands anläßlich der Feier des goldenen Priesterjubiläums des Papstes gestalten soll. Sämtliche Reden sollen demnach aus diesen Ton gestimmt ivcrden und ebenso ist für die erste ösfentliche Versammlung eine Resolution vorbereitet, in welcher die deutschen Katholiken dem Papst eine Huldigung bar bringen und ihm ihre unwandelbare Anl>änglichkeit versichern. Weiter wird wie all­jährlich die territoriale Unabhängigkeit des Heiligen Vaters als Vorbedingung für ein ungehindertes und segensreiches Wirken gefordert. Eine Reihe weiterer Resolutionen werden in den Ver­sammlungen vorgelegt werden. Sie betreffen die schwebenden sozialen Tagesfragen, so den Schutz des Mittelstandes, Hand­werk und Gewerbe, der Landwirtsck)aft und der Arbefterichaft, die Fürsorge für Auswanderer, Arbeitslose und andere Fürsorge- bedürftiger, die Unterstützung christlicher Liebesarbeit, die Be­kämpfung des Mkoholmißbrauchs, die Wohlfahrtspflege aus dem Lande, die Frauenfrage u. a. Der Abgeordnete Roeren ist wieder mit mehreren Anträgen vertreten, in welchen die durchgreifende Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Blld sowie die Unter­stützung der Arbeit des Deutschen Männervereins zur Bekämpfung der Unsittlichkeit verlangt wird. Auch der Missionsarbcft im Reiche und Auslaude sowie in ben Kolonien finb mehrere An­träge unb Resolutionen gewidmet. Für bie Beratung aller bieder Anträge sind die Vormittage der vier Verhandlungstage in Aus­sicht genommen. An den vier Nachmittagen werden in der mengen Festhalle am Rhein die hervorragendsten Führer deS katholischen Geisteslebens über bie verschiedenen Togesfragen sprechen..

Für die Generalversammlung ist bereits ein Schreiben des Papstes P i u s X. bei dem Lokalkomitee eingetroffen, in welchem der Papst seinen Dank für die ihm zugegangene Einla­dung ausspricht, feiner Freude über die Liebe der deutschen Katho­liken zuin Heiligen Stuhle Ausdruck gibt und allen TeilnelMern den päpstlick-en Segen spendet. Ferner sind Begrüßungen ernge- gangen vom Kardinal Fürstbischof Kopp (Breslau), vom Erz­bischof von Münchcn-Freysing, vom Erzbischof Grosckm (Wien), sowie fast allen Bischöfen in Deutschland. Von bekannten Per- sönlick)keiten sind bereits eingetroffen der Präsident des Bayerischen Abgeordnetenhauses Dr. v. Orterer, bie Führer der Badischen Katholiken Geistlicher Rat Wacker (Zähringen) und Oberlandes- gerichtsrat Giesler (Mannheim), ferner Abg. Dr. Schäfer (Bam­berg-, Abg. Gerstenberger (Würzburg), Oberamtsrichter Rohr, Abg. Erzberger, die Herausgeber derKölnischen Volkszeitung' Gebr. Bachem und bie Verleger und Chefredakteure aller hervorragenden Zentrumsblätter Deutschlands. In dem Lokalkomttee sitzen u. a. Abg. Landesrat a. D. Fritzen, Abg. Reg.-Rat Dr. Fervers, Abg. Amtsgerichtsrat Kirsch, Oberlandesgerichtsrat Marx, Abg Geh. Justizrat Dr. Am Zehnhoff und Schloßhaupttnann Graf

Heiner Samilie. iS

Weil-Anlage 28, vm

politische Tagesschau.

Erneute Zunahme der Zahl der Medizinstudierenden.

Die Zahl der Medizinstuoierenden an deutschen Hoch­schulen, die seit 1905 ständig zugenommen hat, ist im Sommersemcster 1908 auf eine geradezu auffallende Höhe gestiegen. Sie beträgt nach den neuesten amtlichen Ver­zeichnissen zurzeit 8250: dazu kommen noch die Studierenden der Kaiser-Dilhelms-Akademie in Berlin, die bekanntlich einen Teil des Ersatzes für das Sanitätsoffizierskorps der Armee liefert. Der Bestand betrug im Sommersemester 1905 6032 studierende Mediziner; demnach beträgt die Zu­nahme in den letzten drei Jahren mehr als 36 v. H. Unter diesen Umständen erscheint es äußerst bedenklich, wenn aus nicyt unterrichteten Kreisen nach wie vor das Studium der Medizin als aussickftsvoll und einträglich empfohlen wird: Wiederholt ist in den letzten Jahren in der Tagespresse darauf hingewiesen worden, daß aus der nicht erheblichen Zunahme der Gesamtsumme der deutschen Aerzte in den letzten Jahren nicht auf einen Mangel an solchen geschlossen werden darf. Zahlenmäßig wurde nachgewiesen, daß der aus der Zunahme der Studierenden zu erwartende lieber« fluß noch vermehrt werden wird durch eine mehr als reich­liche Reserve beschäftigungsloser Aerzte aus früheren Jahren. So steht zu befürchten, daß der wirtschaftliche und soziale Notstand, der sich nicht nur in den Kreisen der jungen Aerzte in bedenklicher Weise fast überall geltend tnacht, in absehbarer Zeit nicht nur keinen Ausgleich, sondern eine erhebliche Vergrößerung erfahren wird, wenn auch die Rück­wirkung der oben besprochenen Zunahnte der Studierenden auf den Aerztestand erst in etwa 4 bis 5 Jahren eintreten wird. Auffallend groß ist übrigens die Zahl derjenigen jungen Aerzte, welche von der Ergreifung irgend eines Spezialfaches eine Erleichterung ihres wirtschaftlichen Fort- kvmntens vergeblich erhofft haben; nach mehrjährigen Spe- zialstudien, nach erheblichen Opfern an Zeit und Geld sehen sich die meisten gezwungen, sich wieder der Ausübung all­gemeiner Praxis zuzuwenden, .da auch die Spezialfächer überfüllt sind und ohne die kostspielige Unterhaltung einer Privalklinik heutzutage eine spezialärztliche Tätigkeit faupt denkbar ift Daß die Entwicklung der deutschen Kolonien bis aus weiteres noch nicht so fortschreitet, daß in absehbarer Zett Aerzte dort ein Unterkommen finden könnten, ist be­kannt. Unter diesen Umständen sprechen die eingangs er­wähnten Zahlen eine beredte Sprache; sie enthalten die eindringliche Mahnung an Eltern und Erzieher, daß der angehende Studierende bei der Wahl seines Berufs nicht nur von Neigung und Veranlagung sich möge leiten lassen, sondern and) von Erlvägungen, die auf dem Gebiete der rauhen Wirklichkeit liegen. Die Zahl der Enttäuschten int ärztlichen Berufe ist heute schon groß genug.

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Wt 1908.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhejfen

Entgegen den Gepflogenheiten früherer Jahre tritt der Katho­likentag diesmal gleich mit der vollständigen Rednerliste für bie vier öffentlichen Generalversammlungen an bie öcffentlupEeit. Danach werben sprechen: 1. Rechtsanwalt Dr. Bitter (föef) über ben Segen des Katholizismus, 2. Direktor Dr. Brauns (M.-Glad- bach) über die Selbsthilfe der Katholiken im wirtschaftlichen und sozialen Leben, Landgerickftsdirektor Larmann (Eilen) über die Wahrung der katholischen Ideale bei der studierenden Jugend, Oberlandesgerichtsrat Marx (Düsseldorf) über die Lage der Katho­liken in Deutschland, Professor Dr. Mausbach (Münster) über die Bedeutung der Enzyklika über ben Mobernismus, besonbers ur bie deutschen Katholiken, Pros. Dr. Meyers (Luxemburg) über die Stellung der Katholiken zur modernen Kunst und Literatur, Stänberat Wirz (Sarnen-Schweiz) über das Papsttum, Prof. 2.r. Zahn (Straßburg i. Els.) über Frauenbildung und J-rauenbe- tätigung, Pfarrer Dr. Janssen (Bünnik) über Katholiken und Protestanten in Holland und schließlich Fabrikbeiitzer Matthias Wiese (Verden-Ruhr) über August Reichensperger. . .

Von dem italienifdfen Kardinal-Erzbischof Ferran von Mai­land, welcher der Kölner Jubiläumsversammlung der beut)eben Katholiken beiwohnte und damals eine vielbemerlle Ansprache an die deutschen Katholiken namens des Papstes hielt, ist, eben­falls ein längeres Begrüßungstelegramm eingetroffen, eben)o von dem Kardinal Vanutelli (Rom). _ .. . ,....

Am heutigen Sonntag leitete em vom ftbrbinaXmbtfctpT von Köln Dr. Fischer zelebriertes Pontifikalamt zu Ehren der Jungfrau Maria als der Patronin der Generalversammlung und in Verbindung damit ein Tankamt zum 50 jährigen Priefter- jubiläum des Papstes Mus X. mit einem feierlichen Tel^m unter Beteiligung der Fahnendeputationen aller kacholochen Ver­eine der Stadt Düsseldorf in der Pfarrkirche zum Meiligen Lam- bertus den ersten und Hanptfesttag der 55. Generalveriamm- lung der Katholiken Deutschlands ein. Im Laufe des Vormittag- trafen aus dem ganzen Jndustrierevier dichtbesetzte Extraziige nut verschiedenen Deputationen der Arbeiter-, Handwerker- und Käravp- sckiastS-Vereine an. Ein ungeheuerer Menschenstrom bewegte sich durch die Stadt. Fahnen in den Reichs-, städtischen und papftlichcn Farben wel-en von allen Häusern, an denen sich außerdem ein reicher Girlandenscl muck hin zieht. Besonders prächtig find bie Gartenanlagen der Feststabt geschmückt. Audi die staatlichen und ftäbtifd-cn Gebäude hatten sich an der Ausschmückung beteiligt. Desgleichen die nrt Düsseldorfer Rheinhafen liegenden Schisse. An der altbekannten HafenkneipeWichsdos" war folgende poe­tische Inschrift zu lesen:

Wlllkommen Ihr Katholiken, Hier könnt Jhr^Euch er quieken!"

Auck) das Geburtshaus des Dicksters derWallfahrt nach Keve- laar" Heinrich Heine in der Bvlkerstcaße o3 war festlich ge­schmückt. Tas altertümlidjc Haus gehört jetzt einem Düsseldorfer Sckslächtermeister. Gegen Mittag erschienen die Präsidenten der Krttholisäxm Stubentenkorporationen in einem langen Wagenzuge vor dem'ersten Hotel der Stadt, demBreidenbacher Hof" und gaben dort ihre Karten bei den Zeittrumssühvern ab. Die Aus­fahrt machte einen sehr feudalen Eindruck.

Um 1 Uhr nachmittags versammelten iid> die Teilnehmer an dem großen Festzuge der Arbeiter-, Gesellen- und Knappen- B er eine durck) die verschiedenen Straßen der Stadt. Zu dieser aro6artigen Veranstaltung hatte sich eme ungeheure Menschen- menge, über 600 Vereine mit ca. 60 000 Mitgliedern ein gesunden- Infolgedessen machte sich eine Teilung in einen Nord- und einen Süd-Zug notwendig. In den prachtvollen Hosgortenanlagen der Stadt Düsseldorf vereinigten sich beide Züge, um darauf an den Geistlichen und weltlichen Ehrengästen vvrüberzuziehen, die dort Ausstellung genommen hatten, an ihrer Spitze der Kardinal-Erz­bischof von Köln Dr. Fischer, der Oberpräsident der Rheinprovinz Frhr. v. Schorlemer-Lieser, sowie der Oberbürgermeister, von Düsseldorf Marx. Der Vorbeimarsch der gewaltigen Menschen­menge nahni mehr als zwei Stunden in Anspruch und bot ein interessantes Massenbud, bas durch die etwa 70 Musikkafxllen, die sich über den gan'.-n Zug oertellten, durch die bunten Uni­formen der Bergknappen und die zahllosen Fahnen der im Zuge

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marschierenden Vereine eine reiche Abwechselung bot. ^Bei fast allen Vereinen zogen Geistlick>e im Marschscknitt mit vorüber. Etwa 100 Radfahrer mit schvngesdmiückten .vabrrabert Hantierten t>?n Festzug, der bei bedeckte IN Himmel, aber durchgängig gutem Wetter von statten ging. Besonders eindrucksvoll gjtaltete jid> die Huldigung vor dem Erzbischose von Köln. Dieser hatte in großem Ornat unter einem purpurgeschmucktcn Baldachin auf einem Sessel im Jägerhof Platz genommen, ^andlags-.lo- georbneter Strafanstaltszcistticher Schmidt (Tüiielbor' hielt eine iurze Ansprack-e, in der er darauf hin wies, daß sich die «Laujenbe unb Zehntausend: der katholischen 9lrb-iterfdxHt eingefunben h.ittcn, um zu beweisen, daß sie gut: katholisch: Manner, aber and) treue Untertanen und Patrioten sticn (stürm. Beoall. dir ihrer Ver­ehrung für d:n Kardinal und die Vertret.r der Behörden Ausdrua geben nwllten. Marbmal Dr. Fifck>er crlyob sich bacain und dankte mit einigen Worten, in denen er die treue Liebe der kl hol ischen Arbeiter zur Kirch« hnworhob. Hieraus setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Spater trennte er sich wieder, woran! die einzelnen Teilnehmer nach den ren'd icbcnen Versammlungslokalen der etabt logen. Solcher Versammlungen waren im ganzen 29 anberaumt, >ie alle gut oesuckst maren.

Zu der HauPtversammlung ' n dcr Festha11e hatten, sich etwa 15 000 Arbeiter, Gesellen und Knappen Angefunbcn.

Die Festhalle ist nach einem Entwurt von Pros. Kleesattet mit einem ztosteiuiufwand von 65 000 Mark erbaut, in früh­byzantinischem Stile gehalten und mit 8 Türmen gefrönt, ^jm Innern der Halle umrahmen geräumige Galerien bie Wände. Für die Post und die Presse ist reichlich gesorgt, leider aber nur ür die Vertreter bet katholischen Presse, ivahreiid die Korrespon­denten nichtkatholischer Organe in einer Vertiefung unter der Präsidialloge postiert finb, ivo sie die Redner weder sehen noch

hören können. ,

Bald nack) dem Einzüge der Arbeitervereine, unter denen fuf> in der Mauptiad* die des Essener unb Dortmunder JndustriebezirkS befanden, erschienen, stürmisch begrüßt, der Karbinal-Erzbischof von Köln Dr. Fisck^er uiü> der Weihbisck)of von Munster auf bet Präsidialttibüne. Miet hatten sck-on vorl-er in der ersten Reihe die Abgeordneten Gröber (Heilbronn), Trimdorn (Köln), Hitze Münster u. a- Platz genommen. Der Vorsitzende, Landtags- Abgeordneter Schmidt, eröffnete die Versammlung und übertrug ine Leitung dem Erbgrasen Max zu Drosü>Viskh2rlng, dem Sohne des Vorsitzenden des ständigen Aussck.iisses der KuthoUkentage. Hieraus nahm, von dem jubelnden Beifall der Versammlung be­grüßt, Kardiiial-Erzbischof von Köln Tr. F-isck-er das Wort- Et dankte für die herrliche Kundgebung, die ihm uorljer gebracht mor­den sei. Jedem einzelnen der 60 000 Arbeiter, bie an bet Ver­anstaltung teilgenommcH hätten, mödte er gern die Hanb schütteln, um ihnen feinen innigfUn Dank auszusprechen. Die -tausende unb Abertausenbc katholischer Männer, die fast ausschliesstick) dem Arbeiter stände angehörten, hätten durch ihren Vorüberzug vor ihrem Bisck>os äußerlid) luntgetan, baß sie fest zur katl^lischen LUrche staiiden. Er danke dem lieben Gott, daß er dem katholischen Volle diesen treuen Sinn bewahrt habe. Ec habe den innigen Wunsch, daß Gott aud) ferner den arbeitenden Katholiken den ^Glauben bewahren möge, die Liebe zur heiligen Kirche und das 2krtrauen zu denen, bie der Heilige Geist gesetzt habe, die Kitd-e Gottes zu regieren. Es seien jüngst in einet Versammlung, die sich mit Acbeiterinteressen beschäftigt habe, inbezug auf die Bischöse einige Worte gefallen, die sein für bie Arbeitetbevolkerung warm schla­gendes Herz tief ergriffen hätten. Et wolle indessen annehmen, daß diese Worte nid>i so gemeint waren, wie sie gesprochen worden. Et wifse, daß das eigcnttiche arbeitende katholisch: Volk treu zu den Bischöfen unb ihren Priestern stehe. Sie seien bie besten Freunde des Arbeiters und nxinn schlage ihr Herz für das ar­beitende Volk. Er buffe, baß bie Arbeiter auch in Zukunft treu zur heiligen katholischen Kirche stehen unb daß sie diese Liebe zur Kirck-e niemals aus ihrem Herzen reißen lassen würden. Er wünsck-e, daß alle katholischen Arbeitervereine blühen unb gedeihen mögen unb benutze diese Gelegenheit, ben wackeren Priestern, die die Vereine leiten, feinen innigsten Dank auszusprechen für ihre Tätigkeit. Zum Schluffe erteile er den auf bie Knie gesunkenen Teilnehmern ber Versammlung seinen erzbischöflichen Segen.

Grbgraf Droste zu Bische ring führte dann aus, daß bie katho­lische Kirche im Kampfe gegen den Umsturz stets bie Führung bt> Ijdtcn werde. Sie habe ben Halbmond überwunden, und sie werde auch das moderne Heidentum besiegen. Ter Redner wies dann nock) aus die besondere Bicheutung^ der diesjährigen General­versammlung hin, bie gleichzeitig das 50 jährige Priesterjubiläum des Papstes Pius X. feiere-

Es folgte bann die Festrede, die der Düsseldorfer Stabtoer- orbnete Arbeitersekretär Meyer hielt. Er führte aus: Die ganze katholische Welt stehe heute unter dem Eindrücke ber Jubelfeier. Tie Arbeiterschaft beteilige sich mit Freuden daran, unb ihr heutiger Massenfestzug habe il-r Gelegenheil gegeben, vor ber breiten Masse in ber Oeftentlichkeit von ihrem Glauben Zeugnis abzu­legen. (Stürm- Beifall.) Nock) kein Katholikentag habe einen solchen Festzug erlebt, i Der Düsseldorfer Festzug habe jeden Rekord gesdflagen. (Stürm- Beifall.) Die lätholisehen Arbeiter hätten von neuem ihre AnhanglickKit unb Treue zur Kirche bekundet, und so lange das der Fall fei, braud>: man um Deutschlands Zu­kunst feine Sorae zu hegen. (Stürm. Beifall.) Der Festzug habe gezeigt, daß die Lockungen gewissenloser Agitatoren an dem frommen Sinne der katholischen Arbeiter abprallen. (Stürm- Beifall.,

Der Redner besck-äffigte sich bann mit ben sozialpolitischen Fragen, betonte, daß die katholisch: Kirch: bie Arbeiter bei ber Losung der sozialen Frage als Mitarbeiter gern unb freudig an­erkenne, unb bestritt, daß die katholisck-o Vlrbeiterbcnxgung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung gleich zu achten sei. Tie katholisckxn Arbeiter würden stets für Kirch: unb Vaterland cin- treten. Damit schloß die imposante Riesenversammlung- Auch in den übrigen 29 Versammlungen wurden ähnliche Ansprachen gehalten. In allen diesen Versammlungen erschien, von den Teil­nehmern stürmisch begrüßt, Kardinal-Eitzbischos von Lköln Dr. Fischer unb spendete auch dort den Versammelten seinen bischös. ttchen Segen.____________________________________________ _____

Aus Statt und Land.

Gießen, 17. August 1908.

Scharfschießen. Während im Vorjahre die Scharf­schießübungen des Infanterie-Negiments Kaiser Wilhelm zu Gießen bei Erda stattfanden, hat man sie in diesem Jahre in bie Gemarkung Groß-Rechtenbach verlegt. Das gewählte Schießgelanbe liegt am Ausgang nach Weibenhausen mit ber Schußrichtung nach dem Stoppelberg. Donnerstag wurden bie Langschläfer in aller Frühe burch ein heftiges Gewehr­feuer aus ihrem Schlafe geweckt, denn die ersten Schützen trafen schon bald nach TageSgrauen ein. Wahrend an ben beiben ersten Tagen in ben Zügen der Kompagnien Schieß­übungen stattfanden, wurde am CamStag aus den drei Bataillonen des Regiments je eine kriegsstarke Kompagnie gebildet. Die Ziele stellten in erster Linie Kopf- und Brust­scheiben bar. Auf Entfernungen von 12- bezw. 1300 Meter waren ferner noch Maschinengewehre aufgestellt. Auch das Butzbacher Bataillon traf am Samstag ein, um Schieß-

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