Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
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(Ad-Anlage). »^8. Oktober 1908; ?'3®- Predigt.
LandLagrwahlbewegung.
Wa hlkreis Gießen-Stadt.
Ein Vorsiandsmitalied tve-r natliv. Partei ersucht uns um Aufnahme folgetrdcr Zuschrift: In Ihrem aestr. Leitartikel über „Die Landtagswahl in Gießen" besinnen sich einige Jrrtünrer, von denen ich zunächst die zwei folgenden richtig stellen möchte, um die Verbreitung und Festsetzung irriger Meinungen im Publikum zu verhindern:
1. Es ist nicht richtig, daß die von der hiesigen nationalliberalen Parteileitung getrojfene Entscheidung bezüglich Nichtunterstützung der hiesigen freisinnigen Wahlbewegung „offenbar von der Rücksichtnahme aus den Wunsch der Landesparteileitung beeinflußt" sei, da die Landesparteileitung sich ausdrücklich in die hiesigen Verhältnisse nicht eingemischt hat.
2. Es ist nicht richtig, daß die hiesigen Freisinnigen, bei -^bec letzten Reichstagswahl bedingungslos an der Kandidatur veyligyrstaedt festgehalten haben, was Ihnen, von der,
Die Urifis im Grient.
Die Verhandlungen zwischen dem Vertreter der rnssischeO Regierung, Jswolskh, und. dem der englischen, Greh, haben nun doch zu einer Verständigung geführt.
Die Konserenz findet statt.
In einem gestern abend vom Aus.o eckigen Amte zu London ausgegebencn Conmruniqus heiüt cs: Der Austausch der Ansichten zwischen den Ministern Iswolsky und Grey hat zu einer völligen Einigung über die angesichts der durch die längsten Ereignisse im Orient geschaffenen Lage zu ergreifenden Maßnahmen geführt. Man ist sich darüber einig geworden, daß hwrzu die Einberufung einer Konferenz nötig ist. Damit aber der beabsichtigte Zweck, die Wiederherstellung der Achtung vor dem Völkerveckst und die Schaffung von Genugtuung für die durch den Bruch der internationalen Verträge Geschädigten, erreicht werde, muß eine solche Konferenz genau umgrenzt werden und soll sich nur mit Fragen beschäftigen, die durch die jüngste Verletzung des Berliner Vertrages entstanden sind. Was die Beratungsgegenstände der Konferenz anbetrifst, so muß die erste Sorge die Entschädigung der Türkei sein, und über diesen Punkt scheint ein allgemeines Einvernehmen der Mächte zu bestehen. Es besteht die Hoffnung, daß Mittel gefunden werden, um den Wünschen der kleinen Baltänstaaten entgegenzukommen, mit dem Vorbehalte, daß dies nicht auf Kosten der Türkei geschieht. Es ist guter Grund zu der Annahme, daß die kretische Frage in befriedigender Weise behandelt werden, wird, obgleich sie vorläufig vom ."vnfcrenzprog-a.gan ausgeschlossen ist. da sie in erster Linie eine Frage ist, die ovn den vier Schutzinuchten mit der Türkei zu erörtern ist. Es ist zu hoffen, daß diese Ansichten sich durch ihre Mäßigung, Vernünftig leit und Uneigennützigkeit der Annahme der Signatarmächte des Berliner Vertrages von selbst mtpsehlen. Es besteht nicht die Absicht, die Dardanellen- Frage der Konferenz zu unterbreiten. Diese Frage berührt in erster Linie Rußland und die Türkei, und Rußland wünscht nicht, diese Frage in einem der Türkei feindlichen Sinne zu erledigen. Bei der Besprechung der englisch-russischen Konvention, die stattgefunden hat, ist eine völlige Uebereinstimmung der Ansichten festgestellt worden, so daß ein har.monisches Zusammengehen beider Regierungen bei der Erledigung der Zentralasien betreffenden Fangen gesichert erscheint.
Das Programm der Konferenz soll, nach einem übereinstimmenden Beschluß Frankreichs, Englands und Rußlands folgende 9 F-ragen umfassen:
1. Anerkennung der Unabhängigkeit Bulgariens, Festsetzung seiner ffnanziellen Verpflichtungen gegenüber der Türkei und viel- leickst auch Regelung der Orientbahnfrage. 2. Kvnstatierung der Annexion Bosniens und der Herzegowina. 3. Rückerstattung des Sandschaks Nowibazar an die Tüükei. 4. Anerkennung der Annexion Kretas mit Festsetzung dev ffnanziellen Verpflichtungen Griechenlands gegenüber der Türkei und die Erklärung, daß der Artikel 23 des Berliner Vertrages für europäische Provinzen der Türkei gegenstandslos wird, sobald die Türkei beiriebigenbe Bestimmungen erlassen habe. ö. Ebenso für 2lrtikel 61 betr. die von Armenier bewohnten Länder, sowie für Artikel 23 des Berliner Vertrages. 6. Beschränkung der Souveränitätsrechte Montenegros wäre aufzuhebcn. 7. Landesteile, die Serbien und Montenegro zuMerkennen wären. 8. Revision des Tonaureglements, wodurch die Uferländer größere Rechte erhielten. 9. Heber die Kapitulationen und die ausländischen Postbnreaus der Türkei wird eine besondere Deklaration erfolgen, die besagt, daß die
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Kleines Fenitteton.
— Ter Kaiserpalast in Trier, lieber einen höchst v ^wunderlichen Plan, den römischen Kaiserpalast von Trier nnitlels Slampsbetons zu rekonstruieren, schreibt man aus der alten s-_!oselstadt der Zeitschrift »lieber den Wassern": Allen Trierern if: es aus der Seele gesprochen, wenn im Heft 16 zu lefen steht, wie man „mit weggeworfenen Riesensummen . . » Ruinen ruiniert", toi dem römischen Kaiserpalaste hier, dem einzigen Denkmale römisch-gallischer Kultur das Schicksal droht, unter Aufwand von i nt 30 Millionen eine Rekonstruktion in Stampfbeton angeklebt zu ärkommen. Der unselige Plan, der in archäologischen Kreisen nicht i nindcr als in der Bevölkerung größte Erbitterung hervorgeruien hit und bereits in Berlin und Kiel als Absurdität berühmt ge- i wrden ist, stammt von Professor Gary (Charlottenburg, Technische Hochschule) und erfreut sich angeblich des Wohlwollens des Kaisers. Möchten diese Zeilen dazu beitragen, das einzigartige Baudenkmal wir dem Stampfbeton zii retten; das ist ihr Zweck.
- - 23 u n t e Dache r. Das württcmbergische Oberamt Sulz feit kürzlich folgende Verfügung erlassen, die auch außerhalb ä , Schwill)ens Beachtung verdient: „Der Unterzeichnete hält es im i ! Linteresse der äußeren Ausgestaltung des 23ezirks für seine Auf- gibe, auf eine in einzelnen Gemeinden mehr und mehr zutage tietende Geschmacksverirrung hinzuweisen, die darin bestehl, daß >ic Dächer der Gebäude aus Zementplatten hergcstellt werden, d'.c in Len versckstedensten Farben, im buntscheckigsten Durcheinander ■ prangen. Bald sind es Spitzenmuster, bald K'cenze und sonstige . Figuren, die auf den Dächern pent "Beschauer entgegentreten, bald wieder Jahreszahlen, Namen oder die Anfangsbuchstaben der T.amcn (b er Gebäudebesitzer. Daß dadurch aber die Harmonie des Octsdildes in gewaltsamer Meise durchbrochen unb dasselbe auf [etne Zeiten gröblichst, verunziert wird, bedarf einer weiteren ^Ausführung nicht. Wenir die schönen roten, alten Ziegeldächer einzelnen nicht mehr schön genug erjdeinen, oder die Verroendung v m Zementplatteii aus sonstigen Gründen vorgezogen wird,. so päge wenigstens daranf-gesehen werden, daß die Zementdachsteine
warten fei.
Deutschland und die Türkei.
DaS volkstümliche türkische Blatt „Tanin" veröffentlicht einen Bericht über eine Unterredung seines Chefredakteurs mit benti deutschen Botschafter Baron Marschall. Nachdem Baron Marschall das wirtschaftliä)« Band zwischen Deutschland und der Türkei auf das eingehendste erörtert hatte, stellte er fest, ttne vielfach auch Deutschlands Freundschaft für die Türker auf politischem Gebiete sich gezeigt hat. Für die Hllse Dentschlaiws in der mazedonischen Frage ließen sich jederzeit bestimmte Be> weise erbringen. Auf politischem Gebiete bestehe eine Jnterestcir- geineinschast beider Reiche, und darum werde die Freundsck)ast Deutschlands für die Türkei niemals eine Vernrinderung erfahren, oder ihre Bedeutung ändern. Der Botschafter sprach serne Ucber- zcugung aus, die öffentliche Meinung werde bald ihren Irrtum inbezng auf die wahren 2lbsichten Deutschlands einsehen.
Die G'ährung gegen Oesterreich
bauert in den Balkanländern fort. In Beirut wurde gestern der Ausschisfung der mit dem österreichischen Lloyddampser von Port Said eingetroffenen. Passagiere ernste Schwierigkeiten bereitet. Die Gärung gegen Oesterreich steigert srch bedenkliche Der bekannte türkisck-e Großhändler Said Bey hat von der Pforte die Konzession für eine einheimische Fez-Fabrik zur Lahmte gung des österreichischen Fez-Imports erbeten. Bisher wurde die in der Türkei so beliebte nationale Kopfbedeckung lediglich aus Oesterreich bezogen. Neuerdrngs fordern auch die serbischen Blätter die Bevölkerung auf, alle österreich. Waren und Erzeugnyse zu boykottieren und auch Die österreichischen Zeitungen nicht zu lesen. Auch fordern sie zur Zerstörung österreichischer ,Geschäftsniederlagen auf.
Tie Stimmung in Serbien
iit nach wie vor österreichffuidllch. Tie Demonstrationen gegen Oesterreich nehmen ihren Fortgang. Gestern waren auf dem Theaterplatz ctiua 10 OOO Menschen versammelt. Von dort zog die Menge nach dem Konak, wo Hochrufe auf den König ausgebracht wurden, der sich aber nicht zeigte. Vor dem Palais des Kronprinzen wurden die Demonstrationen fortgesetzt. Der Kronprinz erschien am Fenster und dankte für die ihm bar- gebrachte Ovation. Er erklärte, daß er allein nichts unternehmen könne. Wenn jedoch der kritische Moment eintrete, sei er bereit, fein Blut für das Vaterland zu vergießen. Sheien Worten folgten Hochrufe auf den Kronprinzen und Drohrufe gegen Oesterreich. Dann zog die Menge vor die Wohnung des jranzösischen Geschäftsträgers, der sich jedoch nicht zeigte. _ Alsdann ging die Menge auseinander. Wie aus Belgrad ferner berichtet wird, hat der Kronprinz im Offfzierkasino vor cuter Anzahl Offiziere erklärt, daß er die laue Haltung Serbiens gegen Oesterreich, das zwei serbische Länder gestohlen habe, niemals billigen werde. Es wäre Pflicht gewesen, diesen Länderraub mit der Kriegserklärung zu beantworten. Ein großer Teil des Heeres steht auf fetten des Kronprinzen.
Die Abdankung des Königs Peter
scheint bevorzustehen. Mehreren Freunden sagte er, daß er nicht die Kraft fühle, die für das Land verhängnisvolle kriegerische Bewegung aufzuhalten und fürchte, ermordet zu werden. Der König soll in Wien Schritte unternommen haben, um sich unter österreichischen Schutz zu stellen. In serbischen Abgeordneten- kreisen bespricht man ernst die Frage, die Resideitz nach Kragu- jewatz zu verlegen. Aus alle Fälle scheint die innerpolittsche Lage Serbiens sehr ernst zu sein, und von einer Thronbesteigung beS Kronprinzen wäre wenig gutes zu erwarten. Man maa)t darum auch schon Stimmung für einen englischen Prinzen, den Prinzen von Connanght, als zukünftigen König Serbiens.
Montenegro ist für Krieg.
Die montenegrinische Skuptschina hat in geheimer Sitzung mit großer Majorität sich für den Krieg ausgesprochen, icdoch die endgültige Enffcheidung dem Fürsten überlassen.
Bulgarien flieht nach!
i Wie in Sofia verlautet, hat der letzte bulgarische Ministerrat beschlossen, die materiellen Forderungen der Orientbahn-Gesellschaft voll zu befriedigen, jedoch betreffs des Tributs von Ost- r um dien jede weitere Zahlung zu verweigern, da mit ber erfolgten Unabhängigkeitserklärung alle diesbezüglichen Verpsttch-. hingen für Bulgarien erloschen seien.
Tie neuen Freunde des Sultans.
Ans Pfortekreisen verlautet, daß der englische Botschafter dem Großwesir im Namen Englands und Frankreichs eine Anleihe angeboten habe, unb daß ber Botschafter dem Großwesir bad Programm für die einznberufende Konferenz mitgeteilt habe, über das der Großwesir sehr bestürzt gewesen sei. Der Scheck ill Islam hat seine Entlassung gegeben, die jedoch von dem Sultan nicht angenommen worden ist.
einfarbig gehalten werden. In weniger auffälliger Weye zeigt sich die gerügte Geschmacklosigkeit auch bei den Gebändeverschin- delungen; auch hier sollten die scheckigen Muster wegbleiben und die an sich im Rahmen des Landschaftsbildes nicht unschön wirkenden praktischen Schindelschirme eine einheitliche, nicht zu grell hervortretende Farbe zeigen."
— Heine und Nietzsche. In dem lange erwarteten, nunmehr in Druck erscheinenden Werke Nietzsches „Ecce homo", ber Lckbensbeichte des Philosophen, findet sich ein Urteil Nietzsches über die Lyrik HeineS, ein Urteil, das gewiß den Heineverächtern, die rassentheorettsche Kunstkritik treiben, viel Unbehagen verursachen wird. „Den höchsten Begriff von Lyrik" — schreibt Nietzsche — „hat mir Heinrich Heine gegeben. Ich suche umsonst in allen Reichen der Jahrtausende nach einer gleich süßen unb leidenschaftlichen Musik. Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag. — Und wie cd das Deutsche handhabt! Man wird einmal sagen, daß Heine unb ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind."
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. EinStandbildfürAlbrechtvon Haller, der als Botaniker, Anatom, Physivlog, Arzt und vor allem auch als Dichter eine hohe Bedeutung besitzt, wurde gestern, anläßlich seines 200. Geburtstages, in seiner Vaterstadt Bern enthüllt. — Die Columbia-Universität zu Washington richtete einen Kursus für Aeronautik ein. — Die Station für drahtlose Telegraphie in Göttingen ist soweit fertig, daß die Versuche nach den Azoren demnächst angestellt werden können. — Der Zen - tral-VerbatldDeutscherTonkünstlernndTon- künstler-Vercine veranstaltet ein Preisausschreiben in Höhe von 1OOO Mk. für eine größere ein- oder mehrscitzige Komposition für Violine und Orchester.
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Mächte im Hinblick auf Die neue o Ito man nische Verfassung bereit sind, mit ber Pforte in Verhandlungen zu treten, um das Regime ber alten Kapitulationen durch Verträge zu ersetzen, rote tno jenigm, die Beziehungen zwischen modernen brachten regeln.
Deutschland uud die Konferenz.
Die Behauptung eines Blattes, Deutschland habe die iit. London gefaßten Beschlüsse über die Balkanfrage bereits adoptiert, entspricht, wie der „L. A." an zuständiger Stelle erfahren hat, nicht den Tatsachen. Der russische Munster des Aeußern. Iswolsky, der ursprünglich am 17. d. Mts. in Berlin ]em sollte,, wird erst im Laufe Der nächsten Woche in Berlin eintreffen und mündlich den in London ausgearbeiteten Prograinmenttours kommentieren, von allen ins Auge gefaßten Möglichkeiten sprechens und darzulegen trachten, daß kein 2lusweg besser als der naq) emsigem Suck>en glücklich gefundene den Bedürfmffen nicht bloß Rußlands, sondern aller an der Fortentwicklung des Schwarzen Meer-Verkehrs interessierten Staaten entspreche. Die Sicherheit unb Wohlfahrt der Türkei habe man so sehr berücksichtigt, datz saus 5l'onstanttnopel kaum irgendwelche scharfe Kritik zu er-
teuer nicht schneller, schmerzloser und ergiebiger zu dem gelangen kann, was es wirklich braucht, als mit der immerhin doch komplizierteren Veredelung der Matrikularbeiträge. Die Matrikularbeiträge, dieses Ge,chenk der föderalistischen Zentrumspartei an das Deutsche Reick, lind nicht beliebt bei den Einzelstaaten. Es fragt sich, ob der weitere Ausbau dieser Institution dem Reichsgedanken förderlicher sein kamt, als der Ausbau der Erbschaftssteuer, der nach menschlichem Ermessen und nach den guten Erfahrungen, die große Staatswesen, wie England und Frankreich, damit gemacht haben, doch über kurz oder lang kommen muß. Man vergleicht ja so gern die Steuersysteme des Auslandes und unsere Verhältnisse, warum geht man von der rechten Seite an diesem Punkte geflissentlich vorüber?" Auch die „Nat.- Ztg." meint, daß man erst abwarten müsse, welche Stellung die Konservativen zu dem Sydowsa-en Projekt ein- nehrnen und ob die verbündeten Regieruiigen geneigt seien, dem Versuchsballon ein stärker befrachtetes Luftschiff folgen zu lassen. Erst dann werde eine Erörterung im einz-elnen zweckmäßig sein.E- A.
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Die tionseroatwen und die Nachlatzfteuer.
Noch vor nicht allzulanger Zeit hatten die Konservativen ben Gedanken einer Besteuerung von größeren Vermögen i <cht energisch bekämpft, aber jetzt scheinen sie diesen Wider- i:anb aufgegeben zu haben. Die „Kreuzztg." meint, es werde immer wahrscheinlicher, ,chaß sich die große Mehrheit des Reichstags mit der Regierung auf eine Vermögenssteuer i inigt, die nicht in die Finanzhoheit der Einzelstaaten ein- r,-reift." Die „Kreuzztg." denkt sich diese Vermögenssteuer i llerdings nur als Ersatz für die von deii Konservativen auch jetzt noch bekämpfte Nachlaßsteuer. Die „Deutsche Tagesztg.", das leitende Blatt des Bundes der Landwirte, iDoltte nur die Nachlaßsteuer auf Erbschaften, die an Kinder ober Ehegatten fallen, beseitigt wissen, schätzte ihren Ertrag auf 45 Millionen, während die gesamte Nachlaßsteuer 80 Millionen ergeben solle, bewilligte -also den Rest von
Millionen und rechnete daraus, daß sich über einen zweckmäßigen Ersatz" für die anderen 45 Millionen ein .invernehmen sowohl mit den Liberalen wie mit dem Neichs- chatzsekretär Herstellen lassen werde. Anscheinend dachte also auch die „Deutsche Tagesztg." bei dem „zweckmäßigen Ersatz" an die Vermögenssteuer. Nun hat aber der Gedanke der Vermögenssteuer, wie aus der gestrigen Mittei- .img der „Nordd. Allg. Ztg." hervorgeht, im Bundesrate feinen günstigen Boden gefunden. Der Gedanke, die Nachlaß- fteuer ganz oder teilweise „durch eine Vermögenssteuer zu e rsetzen, bat," so heißt es dort, „keine Aussicht auf Erfolg." W ist also in dieser Frage eine direkte Absage des Staats- . kretärs Sydow an die Konservativen. Exzellenz Sydow
II die Vermögenssteuer nach wie vor den Einzelstaaten aberlassen. Die „Voss. Ztg." meint nun, daß das letzte Aort in dieser Angelegenheit zwar nod) nicht gesprochen iet, aber es werde doch lehrreich sein, zu beobachten, wie Sie Rechte sich zu dieser bündigen Absage Sydows stellen iDerbe. Das genannte Blatt meint, daß der ganze Finanz- p-ian Sydows leicht an dem Widerspruch der Rechten wie der Linken scheitern könne, aber es ließe „sich vielleicht ein Kompromiß dahin schaffen, daß Vermögenssteuer und Nach- lafcfteuer kombiniert werden, die Vermögenssteuer, die von den Einzelstaaten erhoben, aber in der vorbestimmten Höhe an das Reich entrichtet würde, die Nachlaßsteuer, die nur bei einer höheren Wert grenze auf Kinder und Gatten ausgedehnt würbe." Von diesem Gedanken will Sydow, wie gesagt, einstweilen noch nichts wissen, er will keinerlei Vermögenssteuer und die ganze Nachlaßsteuer. „Das heißt, ber Wirrwarr ist vollkommen, und es ist vorerst an dem
Nr. 244 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 1L. Oktober 1908
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erichemi tägttch, außer rSrag« ö monatlich75Pi.,viertel-
SonntagS. - Beilagen: Y ▲ fcv a. a a a a a. a lährlich Mk. 2.20: durch
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iroeimal monatl. Land- ■ HL ■ ■ B ■ BL ■ Bw UL HyA & Zellenpreis: lokal 15P^
lvirtschaftliche Settfragen W < auswärts 20 Pfennig,
'.Zernfprech - Anschlüsser K «ä Verantwortlich
'fix bie Redaktion 112, für den politischen Teil,
«LS- General-Anzelger für Oberhefien MM
Annahme von Anzeigen v tnQr. G «eir für den
ffir dle Tagesnummer Rotationsbrud und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch» und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: ZchnlstraZe 7. Anzeigenteil: H. Beck.
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Schatzsekretär und den Konservativen, sich über die Grnnd- lagen der Finanzreform auseinanderzusetzen."
Nach Meinung der „Naiionalztg." haben die Konser- v-aüven einzusehen begonnen, daß der Standpunkt, alles d urcl) indirekte Steuern und durch Besteuerung der Industrie u_iib des Verkehrs, durch 5zeranziehung der eigenartigsten j Sleuerobjekte, wie z, B. Klavier unb Grammophon, auf- b Hngen zu wollen, auf die Dauer nicht gehalten werden x tonn. Sie erkannten, daß der Besitz wirklich noch fteuer- < fiäftig sei. Freilich wollten sie nicht jene nachträgliche Mrmögeussteuer des Verstorbenen, als welche sich die Nach- loßsteuer darstelle; sie wollten auch nicht Die Besteuerung sM d es Vermögens bei Lebenden direkt Durch das Reich, sondern »glauben, den Einzelstaaten die volle Autonomie belassen i| rai können, freilich mit der Einschräntttng, daß sie dem 1 Reiche abgeben sollen, was dieses nach Zustimmung des u Bundesrates, worin die Einzelstaaten vertreten sind, verlangt. Ob auf diesem Wiege wirklich das Ziel: zweckmäßiger Ausgleich zwischen Verbrauchs- und Besitzesbelastung, er- r eicht werden könne, stehe noch sehr dahin. Aber ein Aus- slluß von Hochmut und unnahbarem Stolz sei der Vorschlag nicht. Die Konservativen feien auch im Druck, wenn der 8?loif an der Finanzreform zugrunde gehen sollte. „Man
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