Ausgabe 
16.9.1908 Zweites Blatt
 
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GeLdstrafe'üemrteUt, nachdem er m derVorinllän;treigetotocbtn rootben war. (rm G t anb e3M am t c r, bet auS Dersehen einen Minderjährigen zur Ehe ptgtfhficn hatte, tvnrde zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Vermischte».

D e rP a r s e v a l" v e r u n g l ü ck t. Kurz nach 8 Uhr stieg gestern friif) der Par seval zu einer 12stündigcn Probefahrt in Berlin auf. Das Luftschiff nahm seinen Kurs gegen einen Westwind von 8,3 m Stärke und fuhr längs der Hamburger Bahn nach Stendal. Bis jetzt ist die Fahrt glati von statten gegangen. Kurz vor Redaktionsschluß ging uns folgendes Telegramm zu: Berlin, 16. Sept. Der auf der Fahrt nach Töberitz begriffene Parscvalballon, der um 9i 2 Uhr vormittags über dem Hasenfee manövrierte, wurde von einem Windstoß erfaßt, geknickt und zum Sinken gebracht. Gegenwärtig liegt er auf dem Dach einer Billa in der Trabener Straße. Der Militärballon, der sich um 10 Uhr über Potsdam befand, konnte wegen des Sturmes nicht landen und kehrte nach Berlin zurück. (So hat sich also das nichtstarre System doch nicht bewährt! D. Red.)

* Die Dauerfahrt des deutschen Militär- b a l l o n s. Lberingenieur Basenach, ein Teilnehmer der letzten Fahrt des lenkbaren deutschen Militärluftschiffes am vorigen Freitag, gibt einem Mitarbeiter des Tags eine recht interessante Schilderung dieser Dauerfahrt. Er äußerte sich wie folgt:Sic haben die Schweizer Fahrt Zeppelins zum Vergleich mit dem letzten Aufstieg des Herrn Majors Groß herangezogen und festgestellt, daß von uns um mehr als eine Stunde jene Reise übertroffen wurde. Vielleicht darf ich hierzu noch erwähnen, daß die Windverhältnisse gestern für uns erheblich ungünstiger sich gestaltet hatten, als sie damals für Zeppelin gelegen haben. Ich darf sagen, daß wir einen geradezu unangenehmen windigen Tag hatten. Aber wir wollten mit der geplanten großen Tour nicht mehr länger zögern, da mit dem draherrückcn des Herbstes die Witterungsverhältnisse sicher nicht besser für uns geworden wären, äie lieaen in der Mark überhaupt wenig günstig, wo die flache Ebene jedem Windstoß schutzlos ausgesetzt ist, und viel besser steht es damit am Bodensee. Als wir am Freitag abend aufstiegen, waren wir allerdings gut daran. Tenn wir hatten einen Wind von nur 5 Meter Stärke in der Sekunde. Bald jedoch änderte sich das Bild, und wir mußten gegen einen Wind von 1011 Meter in der Sekunde an itiinpfcn. lieber Rathenau lagen wir fast zwei Stunden und konnten nicht von der Stelle kommen, so daß wir schon im Begriff waren, umzukehren. Wir waren dabei müßige Zu­schauer, wie unter uns ein Gehöft in Flammen aufging. Als um 6Vs Uhr morgens Stendal erreicht war, hatten wir nach achtstündiger Fahrt erst 100 Kilometer zurückgelegt. Beide Motore waren fast ununterbrochen bis dahin und weiter bis Magdeburg in Tätigkeit gewesen. Bis dort hatten wir gegen den Wind gesteuert. Nun machten wir .ftehrt und fuhren mit ihm. Jetzt brauchten wir nur einen Motor, und auch der war auf mäßige Kraft gesetzt. Dennoch durchflogen wir nun die Strecke Magdeburg Tegel in Zi/s Stunden, während wir für den Hinweg bei beinahe stän­diger Ausnutzung der ganzen Kraft beider Motoren 91/2 Stunden gebraucht hatten. Aber das Problem ist ja, gegen den Wind anzukämpsen und ihn zu besiegen. Darum ist es auch nicht angebracht, bezüglich der Schnelligkeit der verschiedenen Systeme Vergleiche anzustellen. In dieser Be­ziehung gibt es zwischen Zeppelin, Parseval und dem Mili- tärballoii nur geringe Unterschiede, und wenn Zeppelin da­mals so schnell bis Mainz gelangte, so gelang es einfach deshalb, weil er mit dem Wind gesegelt war. Auch sonst möchte ich sagen, daß diese drei Systeme nach meinem Er messen einander gleichwertig sind; das heißt jedes hat feine Vorzüge vor dem anderen, aber ebenso hat es feine Schatten feiten. Von unserer Fahrt selbst möchte ich noch erwähnen, daß sie gegen 1 Uhr nachts sich am schönsten gestaltete, als der Mond über uns stand und die Landschaft weithin be­leuchtete. Geschlafen hatte keiner von uns, obwohl wir dies gut hätten tun können, da zwei Mann vollauf genügen: einer, um das Steuer, der andere, nm den Motor zu be­dienen. Aber die Spannung und die Erregung waren doch zu groß, und so sind wir alle munter und aus dem Posten geblieben/'

* Zeppelins Luftschiff-Unternehmen beschäftigt nicht weniger als 100 Personen. An der Spitze der technischen Abteilung steht Oberingenieur Dürr, dem vier weitere Ingenieure und 82 Monteure, Schlosser und Tagelöhner unterstellt sind. Ein Ingenieur ist lediglich mit der 9)iateriaiprüfunß betraut, die übrigen haben die Konstruktion und den Betrieb zu leiten. Angc ftellt sind ferner zwei Luftschiffkapitäne und mehrere Bootsführer, die fast sämtlich aus der Kriegsmarine hervorgegangen sind. Wenn Zeppelin seinen Plan wahrmacht, sich mit der fabrikmäßigen Her­stellung von Luftschiffen zu beschäftigen, wird die Zahl der in }einem Unternehmen beschäftigten Personen wohl rasch auf das Drei- und Zehnfache anwachsen.

* Willi Stöwer als Spion. Ein heiteres Mißver­ständnis ereignete sich nach derOstseo-Ztg." kürzlich am Strande von Swiuemunde in der 'Nähe der Westbatterie. Dort machte ein gutgelleideter Herr" zeichnerische Aufnahmen in ein Skizzen­buch, was bei zivei Unteroffizieren den Verdacht erregte, daß der Herr hier sicher etwa» aus,Pionieren wolle und wohl Karten­aufnahmen über die Festungswerke mache. Unter Hinzuziehung eines Polizeibeamten wurde denn auch der verdächtige Herr ge­stellt und um Vor^igung seines Buches und seiner Legitimation ersucht. TerSpion" kam dieser Aufforderung unverzüglich nach. Unter aufmerksamster Beobachtung durch das interessierte Publikum zeigte er dem Beamten seine Legitimation. Sie lautete: Willi Stöwer, Marinemaler.... Willi Stöwer als Spion, das ist gar kein übler Witz: der ganze Vorfall löste natürlich beim Pub­likum ein homerisches Gelächter aus.

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Durch den Tod meines Sohnes Äarl Sack beabsichtige ich, meine über 30 Jahre bestehende gute

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Es ist Reflektanten reelle ttaufgclegenheit geboten. Heinrich Sack I. Ww., Mühlgasse 5.

Nähere Auskunft Schanzenstr. 22 pari. 5485

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Die Sprechstunden, in denen unentgeltlich Rat u. Aus­kunft erteilt wird, finden nun wieder regelmäßig Mittwochs von 57 Uhr statt. pi«/e

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-intgung <yrantfurt i .xanksurt und IW? Jl)t bat der seiiheiu!

angelegen fein S »vom 1. Oktober d?

Durch die Polnn r-1 n-Neäar-Vthnhose c - lg.bewußtlosem 1 jw eine Zelle unb J Wen und zu W-\ 1,1 Darmstadt zu sei-' heim sei und am 8e- ragt wurde, Luppe?.! Er sei dann noch h hm jedes Beimßtsem nach Tarmstadt geb-- ^gebracht hat.

lasche. Kvpsschüttelm':» gt worden war, ber.. W

Zur Feier des 80.. ' lrduard Sonne tf:

ohiiung mehrere Tevur ?r der Tech», hochsch^ ©utmniitl) die l feiner vWkchen miss'. >n auf dem (äebic/e v derer WerMtzm- W X und seiner großen ÄM , ule die Würde eines I: wird. Namens der L. oi. Wegeie, ob? Lerlrein - . Lchmiil ÖlfirfimW- itbe und der Landes-Eck chnenden burd) Jlejitr roerbcblaites'1, bic das r. ö ein Kapitel aus seinu:^' luilragc des Miem^ -

Ithrenmilgliede bekannt­er sich «>« den Verein, n-- aorbeu.' In langem^ Iwickluug der rech>' ^-- ...stedes'ruherenStaaknr-

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Aus ds: Grube Äauta hei .^cerkii an ber holländischen Qtanrrc IJat stcst an< ^ni:-rag* rfne wigcnfdpv.-re K'esfel-Er- Plofion ereignet. xnt ber Zentral Anlage flog ein Kassel in die Luft. Ein daneben bcfinblidß r Stefict wurde samt der ft-.'ne- rung weit fortgeschlc udert Ern Teil flog bis in den 500 Meter ditfemt liegenden Garten des Direktors. DaS Wasser in der mit ernt Sohle stieg mehrere Meter bnb. 5 arg verstümmelte Leicben würben aus den Trümmern bcnwrgewgen. Außerdem wurden 16 verletzt, darunter 6 fdnoer. Zwei von den Nacht- schichten heim lehren de Bergleute nnrrben burd) em bcrumfliegenbcfli Stück des Kessels schwer verletzt. Tic Arbeit auf der Grube muß vorläufig ruhen, wodurch über 700 Bergleute beschäftigungslos werden.

Kleine Tagcöchroitir.

Unter dem dringenden Bcrdaau der Beteiligung an dem Tod des in der Pleiße kürüicb zerstückelt aufgefunbenen TienstmädckwnS Heine, wurde der Tischler Robert Lehnuinir aus Leipzig in A 11 e n- bürg verhastet. Seine Fran befindet sich bereits seit längerer Zeit in Untersuchungshaft.

Ein Antrag auf Haftentlassung des wegen Sittlichkeits verbrechens verhafteten katlvlifchen Pfarrer- Reumann aus Zabrze gegen Hinterlegung einer Sieherheitsfumnie von Imnbert- taufenb Mark ist oberschlefischen Blätteni zufolge abgelebnt worden.

Ter deutsche Tourist Rudolf Wessel auS Eckcrstld in Preußen wurde vou einem Gondoliere in einen entlegenen Stadt­teil Venedigs gefahren und um 1500 Mk. beraubt.

Ter Dampfe r ,(S a 6 c o g n c", aus Bordeaux fonunenb, der zwei Schiffe im Schlepptau führte, ist im A c r m c l f a n a t infolge einer Kesselexplosiou gesunken. Der Kapitän und drei Piatrosen sind ertrunken.

Zu Petersburg ist die Cholera in beständigem Wachs­tum begriffen. Von Montag auf Dienstag sind 340 Personen er- krankt und 60 gestorben. Die Gesamtzahl der Erkrankten be­trägt 516.

Ter drille größere P r o b e a u f st i e g des russischen lenk« baren Lufts chiffks ist mißlungen. Ter Motor versagte, so daß der Lenker des Ballons, Hauptmami Echabski, landen mußte, wobei Schornsteine unb Telephondrahte bejchädigt wurden.

Tie englische Regierung hat die umfaffenbften Maß­regeln ergriffen, um die Emschleppimg der Eholcra aus Ruß­land zu verhüten. In allen englischen Häfen wird die ftreugfte Kontrolle ausgeübt.

Märkte.

B. Ulrichstein, 15. oept. Unser M i ch a e I i - M a r k t war vom Wetter äußerst begünstigt. DaS Rindergeschäft ent­wickelte sich langsam und schleppend. Ter Auftrieb war im Ver- haüiiis zii den vorigen Jahren ziemlich stark, jedoch blieb viel Vieh Unverkauft, weil fremde Käufer nicht am Platze waren. Ebenso wie das Rindergeschäft ging der Handel mit ben cdiwcinen flau; es wurden niedrige Preise bezahlt, infolgedessen blieb auch hier erheblicher Ueberstaud.

fc. Frankfurt a. M., 16. Sept. Schiveineniarkt. (Drg.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkaufe sianden 1339 Schweine. Bezahlt würben: für Schweine 1. Qual. 7200 Pfg., Lebendgewicht 57,0 bis 00 Pfg.; 2. Qualität 7071 Pfg., Lebendgeivicht 56,0-00 Pfg., 3. Qiial. 6268 Pfg. Geschäft gut, Ueberstaud unbedeutend.

Voraudsichtliche löUtcrnng für Hesteu am Donnerstag den 17. September: Wechselnde Bewölkung. Leichte Regenfälle. Tem­peratur wie heute. Westliche Wiude.

Original-DrahtmelSnnsen.

Ludwigshafen, 16. Sept. Das c n d g i l t i g c Wahlresultat bei der ReichstagScrsatzlvahl ist: lBuyl (tiatL) 12156, Binder (Soz.) 19 251 Stimmen. Zersplittert waren 608 Stimmen.

Stuttgart, 16. Sept. In Rosenfeld (Obcramt Sulz) fielen heute nacht 8 Wohnhäuser einem Groß feuer zum Opfer.

Paris, 16. Sept.Echo de Paris" berichtet aus Tanger: Der deutsche Konsul Vas sei habe immer häu- igere Unterredungen, nicht nur mit Muley Hafid andern auch mit den Vertretern des Maghzen. Das Blatt ügt in tendenziöser Absicht hinzu, die Bevölkerung sei der Ueberz-eugung, daß Muley Hafid von den europäischen Mäch­ten bereits anerkannt worden sei und daß die In i t i a t i v e Deutschlands diese Anerkennung erzwungen habe.

Paris, 16. Sept. Nach einer Meldung desMatin" aus Tanger hat der österr. Kon sular-Age n t Löhr seine Reise nach Fez angetreten, um Muley Hafid aufzu­suchen.

Paris, 16. Sept.Petit Parisien" schreibt in seiner Besprechung der f r a n z ö s i s ch - s p a u i s ch e n N o t c neuer­dings, daß es keineswegs die Absicht Frankreichs fei, die marokkanische Regierung durch unmäßige Entschädigungs- Ansprüche zu belästigen. Das Blatt erklärt weiter, es h ä n g e v o u D e u t s ch l a n d a b, ob leine weiteren Schwierigkeiten entstehen.

Newyork, 16. Sept. Telegrammen aus Manila zufolge sind wahrend der letzten 48 Stunden 3 54Cholera- fälle festgestellt worden. In den letzten 29 Stunden waren 210 Todesfälle zu verzeichnen, davon 14 in der Stadt selbst. Tie Gesamtzahl der Eholerafälle im letzten Jähre beläuft sich auf 16 788 Erkrankungen und 7681 Todesfälle.

Tic Ursache der Darmkrankbcitcn bei Flaschenkindern bilden sehr oft die durch unzweckmäßige Milchernährung verursachten Taringarungen, welche am leichtesten durch die Ernährung mit Äufcte*' und Kuhmilch verhütet werben.Stufeto" macht die Kuhmilch fcinflodiaer gerinnbar und dadurch leichter verdaulich, erhöht auch deren Rährwert.

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letzt. Bald darauf stellte sich Blutvergiftung ein, an deren Folgen ba5 Mädchen starb. Die letzte Simulvankirche im ehemaligen Herzogtum Nassau, die in Neuenhain steht, geht ein. Die katholische Gemeinde hat einen Bauplatz für eine Kirche erworben. Bei Mann he im stieß auf der Heimfahrt von W-iefentl-al der DetriebSassistent Ries aus Schtvetzingen mit seinem Mowrrad mit einem unbeleuchteten Fuhrwerk zu­sammen. Er flog mehrere hundert Meter weit von seiner Maschine und blieb mit zerschmettertem Schädel tot liegen Der Fuhrmann, Landwirt Albert Schmitt aus Wiesenthal wurde ver­haftet. >

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 15. September. Reisende erster Klaffe.

Im letzten Herbst traten die Arbeiter L. R. und M. S. auS Wetzlar von einem Besuch in Frankfurt a. M. die Rückreise mit Fahrkarten vierter Klaffe an. Ter von ihnen benutzte Zug hatte in Friedberg etwa eine Viertelstunde Aufenthalt, da der ihiii folgende Eilzug dort vorbeigelaffen wirb, Ta sie bei Benutzung des EilzngeS eine beffere Verbindung von Gießen nach Wetzlac halten, verließen sie ihren Zug unb fliegen in cm Abteil erster Klaffe des Eüzuges ein. Raum hatte sich ber Zug in Bewegung gefetzt, als der Schaffner zur Revision der Fahrkarten erschien, die he beim auch zögernb hervorholten. Es erfolgte alsbald ihre Ver­bringung in einen Wagen dritter Klasse unb in Gießen mußten sie die übliche Strafe von 6 Tlf. entrichten. Gleichzeitig wurden sie bei der Staatsanwaltschaft wegen Betrugs angezeigt unb das Schöffengericht Friedberg wurde mit Aburteilung der Sache be­traut. Hier gaben die Angeklagten an, sie hätten nicht gewußt, daß der Zu^ ein Eilzug sei unb keine vierte Shajje führe. (£r habe auch nur eine Minute Aufenthalt gehabt: wc-jbalb Eile geboten gewesen sei, so daß sie sich nicht lange nach Wagen 4. Klasse haben umfehen können. Das Sck)össengcriÄt gelangte zum Freispruch indem es ausführte: Die AngcNagten haben zwar vertragswidrig gehandelt, da sie nur berechtigt waren, auf Grund ihrer Karten die vierte Klasse ;u benutzen, es fehlt aber an dem Tatbestände der schuldhastrcchtswidrigcn, der strafbaren Handlung, die nur bann Vorgelegen hätte, wenn die Angeklagten die Aviicht gehabt hätten, die Balm z»t schädigen. Der Schaffner sei auch nicht ge­täuscht worden, da sie ihre Fahrkarten bereitwillig vorzeigtcn. Es fehle somit an den Tawestandsmerkmalen des Betrugs. Gegen dieses Urteil wurde von der Staatsanwaltschaft Berufung verfolgt und die Strafkammer kam auf Grund der eigenen Angaben der Angeklagten zu der Ucberzcugung, daß sie planmäßig vorgegangen sind; sie wußten, daß sie in Gießen einen besseren Anschluß nach Wetzlar haben, wenn sie den Eilzug benutzten. Für das Gericht stand fest, daß die Angeklagten wußten, daß in der Siegel die Fahrkarteil zwischen Fcanksurt und Gceßen nicht revidiert werden, sondern daß diese, gewöhnlich nur an der Sperre vorgezcigt werden müssen. Woraus srck) die Annahme rechtfertigt, die Aitgeklagten haben geglaubt, unbemerkt dnrchzukomri.en. Rach einer Reicks gerichtsentscheidung ist in dem Verhalten eines Reisenden eine Tauschungshandllmg zu erblicken, wenn er ohne, oder mit einer für bte betreffende Äagenklasse nicht gültigen Fahrkarte ein steigt unb darin verweilt, ohne einem Beamten davon Mitteilung zu iirachelt; auch ist die Bal/n um die Differenz der Falirpreisc ge­schädigt worden. Unter diesen Umständen hielt die Straflammer alle Erfordernisse zum Betrug für vorliegend. Bei der Straf- auomessulig wirkte die Jugend der Angellagtett cs sind beide noch nicht 18 Jal/rc alt strafmildernd Der wegen eines Vemwgensdeliktes vorbestrafte R., der aud) den Einschlag ge­bildet ljat, wurde zu 25 unb S., der einen beschränkten Eindruck wachte, zu 15 Mark Geldstrafe verurteilt.

Ein Wüstling.

Wegen eines an einem dreijährigen Mädchen verübten Sitt­lich kectsverbrechens wurde ocr bei einem hiesigen Bäcker als HauSburfche beschäftigte 21jährige F. Sch. aus Büdingen zu zehn QJl o n a t e n Gefängnis unter Anrechnung von drei Wochen UnterfuchungShaft verurteilt. Strafmildernb wirfte, daß dem Linde weder ein bauernd moralischer, noch em körperlicher Schaden entstanden ist.

Eine Warnung für Raufbolde.

Am brüten Cfterfeierlag d. I. befanden sich eine Anzahl junger Leute auf dem Marktplatz zu AlSfeld, als ber wegen feiner Gewalttätigkeiten bekannte Erdarbeiter W. Tft. ans'A n g e n- rod mit feinem Fahrrad schimpfend auf sie zufuhr. Nachdem er von seinem Rad abgesprungen war, versetzte er einem HaudlungS» szehilfen mehrere Stöße, daß er sich auf der Erde überschlug, (iimge junge Leute wehrten sich gegen den Angreifer unb ver° folgten ihn. Nachbem sie von ihm abgclafien hatten, ging er ben Wüten wieber nach und versetzte einem Schreibgehilien mit einem Schlagring mehrere Schläge ins Gesicht und auf ben Kops, daß er außer einer Reihe anberer Verletzungen über dem einen Auge vier Wunden davontrug, die ärztliche Hülfe beanspnichten. Das Schöffengericht hielt in Anbetracht der acht Vor-slrafen wegen Ge­walttätigkeiten eine exemplarische Strafe für angezeigt und verur­teilte den Aiigeklagten'wegen Körperverletzung zu ein Jahr Ge- i ä n g n i s. Eine von ber Strafkammer erkannte, noch nicht ver­büßte Gefängnisstrafe von G Monaten wurde einbezogen unb auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 4 Monaten erkannt. Wie cs die Gepflogenheit bes Angeklagten ist, verfolgte er auch hiergegen Be- ruiung, inbem er angab, bie Leute hätten sich ihm in den Weg gestellt unb hätten ihn vom Nabe heruntergerissen. Von ihm be­nannte Zeugen, die seine Angaben bestätigen sollten, konnten nur ungünstiges über ihn bekunden, insbesondere bestätigte der eine die von dem Angeklagten bestrittene Tatsache, baß er einen Schlag­ring benutzt hat. Unbeteiligte äußerten ihre Entrüstung über das unücranlaßte Vorgehen des Angeklagten und meinten, es sei nur )er Friedensliebe der Angegriffenen zu verdanken, daß ihm nicht auf der Stelle ein gehöriger Denkzettel verabfolgt worben ist. La5 Berufungsgericht verkannte nicht, daß die Strafe recht hoch ist; c5 war aber mit dem Schöffengericht einig, daß nur eine chwere Strafe den Angeklagten zur Besserung bringen kann, ininal bie früheren Strafen bei ihm nichts fruchteten. Ta em Anlaß zur Aenderung bes Urteils nicht vorlag, sand es seine B e - [tätigüng.

(BcridHsfacil.

[] Marburg, 16. Sept. Gelegentlich des KriegersesteS in Molfgruben zahlte ein Glucksbndenbesitzer ben Spielern bie Ge­winne in Geld au§, anstatt daß er ihnen bie Gegenstände verab­folgte. Ter Aiaim wurde wegen Veranstaltung einer Lotterie angezeigt unb heute von ber ©traifammer zu 25 Al k.

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