Ausgabe 
15.10.1908 Erstes Blatt
 
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letzter Zeit auffallende Abgänge im Weibzeugschrank entdeckt. Auf die erstattete Anzeige hin wurde eine Durchsuchung bei einer mit Waschen in dem betr. Hotel beschäftigten Frau oorgenommen, wobei dann auch gestohlene Wäsche im Werte von 80 Mk. gefunden und beschlagnahmt wurde.

Wichtig für Fuhrwerksbesitzer. Trotz wieder­holter Bekanntmachungen des Polizeiamts wird immer noch fortgesetzt beobachtet, daß die Kutscher der Bäcker- und Metzgerwagen in überaus raschem und unzulässigem Tempo durch die Straßen der Stadt jagen, so daß Unglücks­fälle sich leicht ereignen können. Ferner wurde wahrge­nommen, daß dieselben Kutscher in den Zeiten, in denen sie die Kunden mit Brot :c. bedienen, den inneren Zugstrang ihres Pferdes nicht aushängen, vielmehr die Pferde durch schulpflichtige Kinder, die sie auf dem Bock mitnehmen, be­aufsichtigen lassen. Das hat kürzlich zu einem bedauerlichen Unfall geführt, bei dein ein 9 jähriger Knabe überfahren und schwer verletzt wurde. Das Polizciamt richtet deshalb an die Fuhrwerksbesitzer die dringende Mahnung, ihr Personal vor diesen unzulässigen und strafbaren Handlungen zu warnen, da die Schutzmannschaft zur uilnachsichtlichcu Anzeige - Er­hebung bei Zuwiderhandlungen angewiesen ist.

* Herbstaussaat. In früheren Jahren herrschten bei den Landwirten zahlreiche Volksbräuche, die sich auf alle ihre Arbeiten bezogen. So wurde das erste Korn an einem

SamStag gesäet. Man sprach dazu auch einen frommen' Spruch und glaubte, dann wäre das Korn auch gegen Schneckenfraß gesichert. Wenn der Landwirt den ersten Weizen säen wollte, ging er, ohne ein Wort zu reden, auf den Speicher und holte dort die Saatfrucht. Ebenso still- 'chweigend geschah das Säen und das Zurückbringen des Sackes auf den Speicher. Man glaubte, an solchen Weizen würden die Spatzen nicht gehen.

** Für Stotterer. Wie in einer heutigen Anzeige an- gekündigt wird, will die SprachanstaltPhöbus" hier einen Kursus für Sprachleidendc eröffnen. Für vollen Erfolg wird, wo ein solcher überhaupt noch Möglich i|t, von der Direktion garantiert. DieMühlh. Zeitung" schreibt über die Erfolge des Instituts folgend^: Wie uns ein Abonnent mitteilt, kann der Sprach Heil-Kurs ns für Stotternde, den das Phöbus-Jnstitut hier veranstaltet hat, nicht genug empfohlen werden. Es wird dort eine so einfache und natürliche Methode angewandt, daß selbst bei starken Stotterern schon nach einigen Unterrichtsstunden wefent- liche Erfolge -zu bemerken sind.

Maul- und Klauenseuche. Der bayerische Negierungsbezirk der Pfalz ist seit 4. d. Mts. frei von Maul- und Klauenseuche.

Friedberg, 14. Okt. Ein großer HoSpital- neubau für 160000 Mk. ist anschließend an das HoSpital zum heiligen Geist geplant. Der Neubail soll für 200 Per­sonen Raum bieten. Bürgermeister Stahl hat die Baupläne selbst ausgearbeitet.

= Bad-Nauheim, 1-1. Okt. Das Eleouoren- Hospiz war bis zum Schlüsse der Saison vollauf besetzt und hat damit den Beweis erbracht, daß diese Gründung einem tatsächlichen Bedürfnis entspricht. Tas Hospiz wird daher auch während des ganzen Winters seinen vollen Be­trieb aufrecht erhalten, worauf bereits bei der Gründung durch innere Behaglichkeit der Räume unb vorzügliche Heiz­anlagen in allen Zimmern und Gesellschaftsräumen Rück- icht genommen ist. Das während des ganzen Winters ge­öffnete fiskalische Badehaus sowie die Baderäume des Kouitzky-Stistes befinden sich in unmittelbarster Nähe des Eleonoren-Hospizes.

§ Ober-Ohmen, 14. Okt. In unserer Gemeinde herrscht allgemeine Unzufriedenheit mit der neuesten Projektierung der Ohmtal-Bahn, die für unseren Ort statt eines Bahnhofes eine Haltestelle vorsieht, während die vorausgehende Lermessung einen Bahnhof in Aussicht ge­stellt. Die Gemeindevertretung hat sich deshalb mit einer Eingabe an das Ministerium gewandt. Da aber ein Bahn­hof zwischen hier und Ruppertenrod gn liegen kommen soll, so dürfte schwerlich in nächster Nähe wieder ein Bahnhof

Hm Freitag dem 16. und Samstag dem 17. Oktober werden den Hausbesitzern oder deren Stellvertretern die Hauslisten zur Personenstands-Aufnahme vom Trägerpersonal des Gießener Hnzeigers zugestellt.

Um die schnelle und möglichst sehlersreie Herstellung des Hdreßbuches bewirken zu können, bitten wir die Haus­eigentümer bezw. deren Stellvertreter dringend, die Listen unverzüglich

zur eigenhändigen Ausfüllung an die Hausbewohner weiterzugeben, den eigenen Eintrag vorzunehmen und die Liste dann

zur Abholung durch den Kevierschutzmann bereit zu halten. Um die Nachprüfung der Einträge an Ort und Stelle bewirken zu können, bitten wir, die Liste keinesfalls an uns zu senden.

Sollte in einem Grundstück keine Liste abgegeben werden, so bitten wir um freundliche Benachrichtigung, da­mit sie noch rechtzeitig zugestellt werden kann.

Adretzbuch-Verlag

Brühl'sche Unwersitätt-Vuch- u. Steinimiderei. K. Lange.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Freitag den

16. Oktober: Trübe unb nebelig. Geringe Regenfälle. .Temperatur wie heute. Steift windstill. ____________________________________

Vermischter.

* Verhungert unb erfroren. Missionare auf der Insel St. Laurenz im Staate Alaska, die nur einmal jährlich mit dem übrigen Teile der Welt in Verbindung kommen, berichten, daß eine Ortschaft von Eskimos infolge her Kälte gänzlich aus gestorben sei. In der Ortschaft waren keine Lebens­mittel mehr zu finden unb der Hunger ber Unglücklichen war so groß, daß sie Dachschinbeln unb ihre Kleidungs- stücke verzehrt. Die Leichen waren sehr gut erhalten unb hatten das Aussehen von Marmorstandbildern.

Stiebte Tageschronik.

Die Cholera ft ati st ik verzeichnet in Petersburg 54 Neuerkrankungen unb 27 Todesfälle. Die Zahl ber Kranken sinkt allmählich anb beträgt jetzt 1024. Ber ber Hanbels- unb Iw bustrielrank in Petersburg würben Unter schleifen von 150000 Rubel festgestellt. '

gelangen.

ch Dörte lweil, 14. Okt. Mit dem Neubauunse- r e s B a h n h o f s an der Main-Weser-Bahn wurde am Vcvn- tag begonnen. Tas Gebäude kymmt direkt neben die Stelle des seitherigen zu kleinen Empfangsgebäudes und wird massiv erbaut. Es soll noch im Spätherbst unter Dach kommen und am 1. April 1909 eröffnet werden.

0 Groß-Karben, 14. Okt. Die Erweiterung u n s e r e s B a h n h o s s geht der Vollendung entgegen. Das Ueberholungsplus für Schnellzüge, mehrere Rangiergleis, die Rampe nno die Bahnsteige sind ljergestellt. Das Tunnel ür die Personenuntersührung wird in einigen Wochen eben» alls fertig sein. Die genannten Erweiterungen sind etwa 200 Meter südlich vom Bahnhofsgebäude ausgeführt. Vom ursprünglichen Plan, das Empfangsgebäude durch einen An­bau zu erweitern, ist die Bahnbehörde abgekommen; es oll vielmehr nächstes Jahr etlna. 150 Meter weiter südlich nii neues Empfangsgebäude entstehen, da besonders der Personenverkehr fortgesetzt zunimmt.

? Büdingen, 13. Okt. Ein erst vor wenigen Tagen ans dem Krankenhaus entlassener Ha ndw erk§bu rsche von etwa 60 Jahren aus der bayerischen Pfalz wurde heute vor­mittag durch die hiesige Gendarmerie wegen Sittlichkeits-- vcrbrechenS verhaftet. In einer hiesigen Wirtschaft kehrte er ein, und als die Wirtin sich auf kurze Zeit auS der Wirtschaft entfernte, verging er sich in angetrunkenem Zu­stande an ihrem dreijährigen Töchterchen.

4- Ilbeshausen, 14. Okt. Ein Spenglermeistec aus Altenschlirf war gestern mit dem Anschlägen einer Kandel am Hause des Hch. Müller beschäftigt. Dem Lütapparat wurde hierbei nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet, so daß ein Balken Feuer fing, das so stark um sich griff, daß baS Haus nebst Nebengebäuden ein Raub der Flammen wurde. Der Feuerwehr war e§ nur möglich, ein weiteres Umsichgreifen dcS Feuers zu vermeiden. Müller ist nicht versichert.

[] Marburg, 14. Okt. Ein recht sonderbares Nachtquartier' hatte sich gestern ein zugereister Hand-

ffug hätten sein wollen, hätten sie lagert müssen, wir wollen bas direkte Wahlrecht, aberwirwollendieErsteKammer ab schaffen. (Heiterkeit. Beifall.) Redner erörtert dann noch­mals die beiden Paragraphen und den Antrag Glässing unb meint, selbst wenn bic agrarischen Herren mit ihrem Anträge durch kommen unb bic Versassungsänberung zum Nachteil ber Volks­rechte burchsetzen, sei noch keine Garantie gegeben, daß dem Volke bann auch das direkte Wahlrecht zuteil wird. Er fürchte, baß bann an ganz anberen Wider stäuben das direkte Wahlrecht schettern würbe. Mit einem Appell an bic Frauen imb Männer, tätig mitzuarbeiten an ber freisinnigen Sache, schloß ber Rebner unter lebhaftem Beifall. Es folgte eine kurze Diskussion.

Wahlbezirk Offenbach- Stabt.

Offenbach, 15. Okt. Der Verein ber freisinnigen Partei (Linksliberale Vereinigung) entschied sich nach der Franks. Ztg. gestern abend in einer sehr stark besuchten Mitgliederver­sammlung dafür, bei der Landtagswahl den Sozialdemokraten Ulrich zu unterstützen, nachdem Rechtsawvalt Dr. (Sui au und Elösser (Darmstadt), ber Vertreter bes Geschäftsführenden Par­teiausschusses, nachdrücklich die Notwendigkeit bargelegt hatten, zum Schutz ber bedrohten Volksrechte bem schwarz-blauen Block eine schlagfertige geschlossene Linke entgegenzufetzen.

Wahlbezirk Wald-Michelbach.

Wie verlautet, soll das Zentrum im Wahlkreise Wald- Michelbach-Fürth gewillt sein, auf eine Kandidatur zu verzichten, da ein geeigneter Kandidat zunächst nicht zur Verfügung stehe. Das Zentrum, das in diesem Wahlkreise recht gute Aussichten hat, würde also, falls die Meldung zuttifst, dem ausgesprochenen Gegner des direkten Wahlrechts Dr. Heiden­reich das Feld räumen.

In dem gestrigen Bericht über den jungtiveraien DiStußtons° erbend ist ein Druckfehler enthalten. Es ist in der 5. Zeile der 3. Spalte d. Bl. vondeprimierte n" liberalen Gruppen die Rede, während es selbstverständlich dezimiert heißen muß.

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 15. Okt. (Tetegr. Orig. - Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Vielnnarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 30 Ochsen, 30 aus Oesterreich 3 Bullen, 0 aus..Oesterreich, 108 Kühe, Fersen, Stiere und Nmder, 892 Kälber, 249 Schafe und Hammel, 1138 Schweine, 8 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 3 Schallämmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 8084 Mk,, 2. Qualität 7577 Mk., 3. Qualität 6065 Mk.: Bullen: 1. Qual. 6668, 2. Qual. 6264; Kühe 1. Qualität 7476 Mk., 2. Qual. 6667 Akk., 3. Qual. 5456 Mk., 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlacht­gewicht: Kälber 1. Qualität 92 bis 95 Pfg., Lebendgewicht 5556 Psg., 2. Qualität 7886 Pfg., Lebendgewicht 46-51 Pfg., Schlachtgew. 6870 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 78 bis 80 Vsg.,' 2. Qual. 6488 Pfg. Schweine: 1. Qual. 7172 Pf., Lebendgewicht 55,556 Pf., 2. Qual. 6970 Pf., Lebendgewicht 55,0-00 Pfg., 3. Qual. 6268 Pfg., Lebendgewicht 00 -00 Pfg, Geschäft bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ucberstand^EE^^

Origittal-Drahtmel-uirgen.

Wien, 15. Okt. Die neuerlichen Vorstellungen des österreichisch-ungarischen Botschafters in Kvn stantinopel wegen dcS Boykotts und der Angriffe auf die österreichischen Geschäfte war sehr nachdrücklich, in­dem der Botschafter die Pforte für Leben und Eigentum dec österreichischen Staatsangehörigen in aller Form verantwort­lich machte. Dieser Schritt erfolgte auf Verfügung Aehren« thalS, der hiervon den Bund der Industriellen verständigte.

Wien, 15. Okt. DasNeue Wiener Tageblatt^ er­fährt von maßgebender Seite, daß eine Reise des Erz­herzogs Franz Ferdinand nach Rom weder geplant sei, noch daß diesbezügliche Verhandlungen stattgefunden hätten.

London, 15. Oktober. DieTimest veröffentlicht einen Artikel über die Haltung Rußl andS in der Balkan frage. Es heißt darin u. a.: Rußland wünsche die jetzige Lage zu benutzen, um eine Kompensation in Form der Dardanellen-Durchfahrt zu erhalten. Die russische Re­gierung wünscht jedoch nicht, daß diese Kompensation in da? Programm der Konferenz aufgenommen und gewissermaßen der Türkei aufgezwungen würde. Vielmehr würde Rußland sich mit der Türkei unter Zustimmung Englands und Frank« reichs darüber vorher verständigen.

London, 15. Okt.Globe" meldet aus Rom: Ein alba« nesischer Führer, der zum Albanesenkongreß nach Monasbl reifte, wo die Frage ber Unabhängigkeit Albaniens zur Sprache gelangen sollte, erklärte, daß man in diesem Falle den Hcrzoz ber Abruzzen zum Könige von Albanien prokla­mieren würbe.

L o n b o n , 15. Okt. WieGlobe" aus Konstantinopel meldet sei bic Ätrkei geneigt, in ber Dardanellenfrage Entgegen' kommen zu zeigen, indem sie zulassen würbe, baß binnen 24 Stunben immer nur ein einzelnes russisches Kriegsschiff passiere» dürfe.

London, 15. Okt. Daily Telegraph meldet aus dem Haag: Ein Luftballon, worin sich anscheinend eine Dame und zwei Herren befanden, sei gestern über ber Pro« vinz Groningen gesichtet worben. Man vermutet, baß el zu den in Berlin aufgestiegenen. Ballons gehört.

Paris, 15. Okt. Nach einer Meldung des Echo de Paris aus London ist bas Programm für bic Balka n-Kon« ferenj nunmehr enbgültig zwischen Jswolki unb 6fte» vereinbart wofiren. Das Programm wird in den nächsü» Tagen den Signatarm-ächten unterbreitet iverden.

Konstantinopel, 15. Okt. Der Kriegsminister unter­zeichnete einen Kontrakt wegen Lieferung von 2500 russischen und 1500 ungarischen Pferden zu mili­tärischen Zwecken.

Madrid, 15. Okt. Die englische Gesellschaft, bic Eigentümerin ber Kohlen-Depots in Gibraltar ist, soll beabsichtigen, biese Depots im Einvernehmen mit der panischen Regierung nach (Senta zu verlegen. Dies so" oeshalb geschehen, weil die Gesellschaft die andauernden lästigungen seitens ber englischen MM:2«Gehörden vel- meiden wolle.

Aus Statt und

Gießen, 15. Oktober 1908.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Joh. Schröder zu Ober-Erlenbach eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Bensheim; dem Schulamts- asprranten Phil. Mauer in Wöllstein eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Brauerschwend; der Schulamtsaspi- rantin Maria Jung aus Mainz eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Hechtsheim. Erledigt sind an der Volks­schule zu Offenbach 7 Lehrerstellen, von denen 3 mit cvang. unb 3 mit kath. Lehrern besetzt werden sollen und chic mit einem deutsch-katholischen Lehrer zu besetzen ist, sowie 3 Lehrerinnenstellen, von denen 2 mit evang. Lehre­rinnen besetzt werden sollen und eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzen ist.

** Die Prüfung i in Hufbe s ch l a g bestanden aus Oberhessen: Karl Becker aus Maar, Gust. Bindings- haus aus Unter-Widdersheim, Hch. Haas aus Annerod, Wiilh. .Hch. Adolf Hahn aus Ruppertsburg, Adam Müller rus Glashütten, Hch. Schmidt aus Kaulstoß, Hch. Schmidt aus Butzbach, Hch. Traum aus Freienseen und Christoph W a g e u b a ch aus Großen-Buseck.

* * 2er herein der Großh. Hessischen Dom a- nialforstwarte hatte kürzlich in Darmstadt seine Hauptversammlung. Der 1. Vorsitzende Kolb aus Lorsch, wies auf die Bestrebungen des Vereins hin und hob beson­ders hervor, daß außer der Forderung materieller Inter­essen und Pflege der Kollegialität und Berufsliebe als Devise obenan zu stehen habeLiebe und Treue zum angestammten Herrscherhause". In das auf den Großherzog ausgebrachte Hoch wurde begeistert eingestimmt. Den Hauptpunkt der reichhaltigen Tagesordnung bildeten die Gehaltsverhältnisse Der Domanialforstwarte, die als unhaltbar zu bezeichnen seien. Die Gehälter der Domanialsorsttvarte ständen in feinem Verhältnisse zu der gegenwärtigen LebLnsmittelteue- runa. Der Ertrag vom Dienstgelände sei nach Abzug der Pacht und der hohen Arbeitslöhne sehr gering. Wie ein Alp mirtc die bedrängte finanzielle Lage auf die Diensifreudigkeit. Man gab sich der Hoffnung hin, daß Regierung und Land­stände die Wünsche der Forstwarte berücksichtigen unb in Anbetracht der Verantwortung und der Anforderungen, die der Dienst an die Domanialforstwarte bei der bestehenden intensiven Forstwirtschaft stellt, ihre Lage verbessern werden, zum mindesten durch Gleichstellung im Gehalt mit den übrigen Beamtenkategorien mit gleicher Vorbildung. Zu besonderem Dank verpflichtet seien die hessischen Domanial- forstwarte dem Vorstand der Ministerialabteilung für Forst- und skameralverwaltung, Herrn Geheimerat Wilbrand, für bas, was er zur Verbesserung ihrer Lage insbes. bezüglich der Dienstwohnungen seiner Forstwarte bis jetzt getan habe und man dürfe sich auch fernerhin dessen Wohlwollen, ver­sichert halten.

* Stabttheaier. Die Inhaber von Gutscheinen werden darauf hingewiesen, daß L'ArrongesCompagnon", der bei der Erstaufführung sehr angefprochen hat und in der morgigen Abonnementsvorstellung wiederholt wird, an den Dienstag- und Mittwoch - Abenden nicht gegeben werden wird.

* ' Schießerei. In verfloffener Nacht wurde in einem hiesigen Cafe der Kellner von einem Studenten in das Knie ges-choffen. Die Ursache ist bis jetzt noch nicht naher festgestellt, jedenfalls wird ein gerichtliches Nachspiel folgen.

Diebin. In einem hiesigen Hotel wurden in

werksbursche ausgesucht. Ec ging heimlich in ein HauS big ins oberste Stockwerk und fetzte sich dort auf den Abart. Dort wurde er in später Abendstunde zufällig entdeckt und der Polizei übergeben. Um die herrliche Lage Marburgg immer mehr zur Geltung zu bringen, haben die städtischen Behörden Mittel für Slusarbeitung eines Planes zwecks Ausgestaltung der städtischen Anlagen bewilligt. Insbesondere soll den Talpromenaden erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden.

h. Frankfurt a. M., 14. Okt. Nach Mitteilungen des statistischen Amtes für den Stadtkreis Frankfurt ist die Volkszahl am 1. Oktober mit rund 359 000 anzu- nehinen. Bei der Volkszählung 1905 waren es 334 778.> Der Großindustrielle Loms Bruegmann, der Vor- sitzende des Verbandes deutscher Holzinteressenten, ist heute im Alter von 54 Jahren gestorben.

Geriehtssaal.

Hamburg, 14. Okt. Das Seeamt Hamburg ver­handelte heute über den am 9. Oktober ftattgchabten Zusam­menstoß des DampfersPretoria" der Hamburg-Amerika- Linic mit dein Stettiner DampferNipponia", wobei die NipPonia" gesunken war und 13 Mann von ihrer Besatzung, darunter der Kapitän und die 2 Steuerleute, sowie 2 Maschinisten, den Tod fanden. Das Seeamt fällte seinen Spruch dahin, daß der Unfall auf den herrschenden dichten Nebel zurüc^uführen sei. Auf beiden Schiffen sei den Vorschriften über die Navi, gierung im Nebel entsprochen worden. Der Schiffsleitung keines der beiden Schifte sei eine Schuld an dem Unfall beizumessen.