Ausgabe 
15.6.1908 Zweites Blatt
 
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Wächst die zu ihrer Äefferung geeigneten Wege erörtert werden. Ter Berichterstatter desTemps" erwähnt im Eingänge, daß er die Zahlenangaben über das Budget des Reiches und das Reichsdefizit vom Staatssekretär Svdow und Unterstaats­sekretär Twele erhalten habe. Die deutschen Blätter haben (hieraus die Folgerung gezogen, daß auch die Auseinander­setzungen des Berichterstatters über die zum Zwecke der Finanzreform zu ergreifenden Maßregeln auf Mitteilungen des Reichsschatzamts beruhen. Das ist nicht der Fall. Ein Einblick in den Artikel desSiempS* ergibt, daß der Berichterstatter bei der Erörterung der wahrscheinlichen Re­formmaßregeln lediglich das Ergebnis seiner persönlichen An- sichten und Studien zum Ausdruck bringt. Weder Staats­sekretär Sydow noch ein anderes Mitglied des Reichsschatz­amts hat gegenüber dem Berichterstatter desTempS" oder einem anderen Vertreter einer deutschen oder ausländischen Zeitung Mitteilungen über die in Aussicht genommenen Maß­regeln zur ReichSftnanzresorm gemacht.

Politische Tagesschau.

Schiffahrtsabgaben.

Ein Berliner Telegramm derKölnischen Zeitung" be­sagt: Die von der großen Kommission für Schifsahrts- abgaben im Jahre 1907 eingesetzte Unterkommission zur Vorbereitung der Prüfung einzelner Fragen, in der die Rheinuferstaaten vertreten sind, hielt in Bingen in der Zeit vom 1. Juni bis zum 6. Juni ihre Beratungen ab. Im wesentlichen erstreckten sich die Verhandlungen auf die Feststellung der Strombaukosten, auf den etwa cinzuführen- den Abgabentarif und die Organisation der Stromkassen und ferner auf die Erörterung des Planes zur Vertiefung des Rheines von St. Goar bis Mainz um einen halben Meter. Von der Fassung besonderer Beschlüsse wurde zunächst noch ab gesehen. Im Herbst wird die Kom- mission zu erneuten Verhandlungen zusammentretcn.

Zarenreisen.

Obgleich bindende Abmachungen noch nicht erfolgt sind, nimmt man in Berliner unterrichteten Kreisen an, daß Zar Mkolaus nach seiner Zusammenkunft mit dem Präsi­denten Fallieres mit dem deutschen Kaiser in der Ostsee zusammen treffen wolle und erst nach dieser Visite dem englischen König einen Gegenbesuch in Sandring- ham abstatten wird. Die Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm dürfte eventuell vor Kiel stattfinden, und zwar auf der Hinreise des Zaren nach England. An diesen Reisen wird die Zarin, wie es heißt, nicht teilnehmen. DerMatin" meldet nämlich, daß die Zarin Herz- leidend sei. Die Füße seien geschwollen; sie müsse den größten Teil des Tages liegend zubringen und sie werde auch der Zusammenkunft mit dem französischen Präsidenten Fallieres nicht beiwohnen. Unabhängig von dieser Meldung wird dann auch noch von anderer Seite berichtet, daß das Zarenpaar in diesem Jahre nicht nach D a r m st a d t kommen werde.

Deutsches Nerch.

Der Kaiser bestätigte den ehrengerichtlichen Spruch gegen den Generalleutnant z. D. Grafen Hohenau. Der Spruch lautet auf Verlust des OffizicrStitelS und des Rechtes zum Tragen der Militäruniform.

Eulenburg. Wie eine Berliner Korrespondenz nu5 angeblich ganz zuverlässiger Quelle erfahren haben will, hat der Untersuchungsrichter, der nach Briefschaften fahndet, die auf die Affäre Eulenburg Bezug haben, bei dem Zeugen Jakob Ernst ein Schreiben deS Fürsten Eulenburg mit Be­schlag belegt, daS die Kriterien des §159 des Str.-G.--B. enthält. Auf Grund deS erwähnten Briefes soll nun zur Anklage wegen Meineides auch die Klage wegen Verleitung zur Begehung eincS Meineides erhoben werden.

Sozialdemokratische Frauen. In Mülhausen i. E. tritt, wie daS dortige sozialdemokratische Organ meldet, der Fr au en verein Reform om 1. Juli mit seiner ganzen Mitgliederschaft und feinem Kasienbestande zum sozial- dem akratischen Verein über.

Die KreiSregierung von Unterfranken eröffnete ein Disziplinarverfahren gegen den Lehrer und früheren Land- tagSabgeordneten Beyhl wegen seiner Stellungnahme in der Frage der Aufbesserung der Gehälter der Lehrerschaft Bayerns und wegen seiner Haltung als Redakteur derFreien Bayerischen Schulzeitung".

Ausland.

Kein Attentat. Die Meldung der PragerBohemia", wonach gelegentlich des Wiener Besuchs Kaiser Wilhelms auf dem Bahnhofe von Penzing zwei Damen wegen Attentatsverdachts verhaftet wurden und eine int Besitz einer Bombe gewesen sei, wirb von zuständiger Seite dementiert.

Herabsetzung d e s B r i e f v o r t o s. In einer Versamm­lung der Pariser englischen Handelskammer wurde mitgeteilt, daß in Uebereinstimmung mit der französischen Regierung beim eng­lischen Minister der Posten dringende Schritte unternommen wor­den sind zur Herabsetzung des Briefportos zwischen FrankreichundEnglandauflOCentime. Man glaubt, daß die Einführung des niedrigen Portos nach und nach in ganz Euwpa eingeführt werden wird.

Unbefriedigender Zu stand englischer Kriegs­schiffe. Ter Standard versichert, daß das englisch-atlantische Geschwader, das aus 6 Panzerschiffen und 6 Kreuzern zusammen­gesetzt ist, sich in einem äußerst unbefriedigendem Zustand befindet. Von 6 Panzerschiffen befinden sich 5 in Reparatur und von den Kreuzern sind 3 im Trockendock. Das Blatt wirft diese schlechte Wirtschaft der Admiralität vor und verlangt eine parlamentarische Untersuchung der Angelegenheit.

Aus Casablanca wird unter dem 12. Juni gemeldet: Von Mulay Hafid abgcsandte Agitatoren reizen in Stadt und Umgebung die unterroorfenen Stämme gegen die Fran­zosen auf. Nachrichten aus Fez vorn 9. Juni berichten von dem Erfolg, den Mulep 'Hafid durch seinen Einzug in Fez davon- getragen hat, bestätigen aber zugleich auch die Gerüchte von seinem Mangel an Geldmitteln. Man spricht davon, daß die im Januar abgeschafften Steuern wieder eingeführt werden sollen. . Buchta ben Bagdadi ist in Fez cingetroffen und von Muley Hafid emp­fangen worden. Die Unterhaltung zwischen dem Sultan und seinem Heerführer währte zwei Stunden.___________________

Ans Staöt nnd Land.

Gießen, 15. Juni 1908.

* * Tas Großherzogspaar ist gestern nachmittag 6 Uhr wieder von L i ch a b g e r e i st und im Automobil nach Darmstadt znrückgekehrt. Tas Hoflager wird in den näch­sten Tagen nach Jagdschloß Wolfsgarten verlegt werden.

* Hessische S t a a ts s ch u l d v c r s ch r c i b u u g e u- Für die heutige Vergebung von 20 Millionen 4 prozentiger hessischer StaatsschnldvxrschreibunZen toaren m b. DarM,

Ztg. 4 Gebote ein gelaufen mit Ueb ernahmekursen von 97,981 Prozent, 98,08 Prozent, 98,08 Prozent und 98,11 Prozent; die Großh. Regierung hat das höchste Gebot angenommen, abgegeben von der B a n k f ü r H a n b r undIndustrie in Gemeinschaft mit der Seehandlung, der Diskonto-Gesell- schaft, der Berliner Handelsgesellschaft, S. Bleichröder, der Badischen Bank, der Pfälzischen Bank, der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt, Sat. Oppenheim jun. u. Co., Ephraim Meyer u. Sohn.

* * Der offizielle Landtagsschluß ist nunmehr auf Samstag, 20. Juni, festgesetzt worden.

* * Geflaggt haben di? Kasernen aus , Anlaß des zwanzigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers.

* * Ordensverleihung. S. K. der Gr o ß - Herzog haben dem Präsidenten des Großherzoglich Ba­dischen Ministeriums der Finanzen, Wirklichen Geheimen Rat Tr.-Jng. Honsell, das Großkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* V erleih ung der S taats m ed a ille für Aus­stell ungen. Durch Entschließung des Großh. Ministerium? deS Innern wurde auf Vorschlag des Preisgerichts der Fach­ausstellung für das Gastwirtegewerbe Kochkunstaus­stellung 1908 in Gießen verliehen: Die Bronzene Staats­medaille an 1. Konditormeister Heinrich Hettler in Gießen; 2. Bahnhofrestaurateur Ernst Riemann in Gießen; 3. Selters-SprudelAugusta Viktoria", G. m. b. H., in Selters a. d. L.

* * Zur Rechts anwaltschaft beim Landgericht in Darmstadt zugelassen wurde Rechtsanwalt Dr. Max Gold­schmidt zu Offenbach. Geh. Justizrat Purgold in Darm­stadt hat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft beim Ober­landesgericht aufgegeben.

* * Ein Jubiläum. Geheimerat Profeffor Dr. Rich. Heß konnte dieser Tage die 50. Wiederkehr des Tages feiern, an dem er seinerzeit in Herzoglich Sachsen-Koburg-Gothasche Forstdienste trat. Da Geheimerat Dr. Heß z. Zt. von hier abwesend ist, hat ihm der akademische Senat schriftlich zu diesem Tage gratuliert. Auch von Gotha wurden ihm Glück­wünsche zugesandt.

* * Ihre 50jährige Tätigkeit als Rechts­anwalt feiern am Dienstag den 16. d. Mt§. die Justizräte Purgold und Dr. Schüler in Darmstadt.

* * Ein alter hessischer Parlamentarier t. In Darmstadt starb am Freitag abend Dr. jur. Bernhard Schröder im hohen Alter. Der Verstorbene, der in den letzten Jahren ziemlich zurückgezogen lebte, spielte lange Jahre im öffentlichen Leben Hessens eine große Rolle. Er war in den 70 er Jahren Mitglied des Reichstags und von 1872 ab fast drei Jahrzehnte lang als Abgeordneter des Wahlkreises Oppenheim-Wörrstadt Mitglied des hessischen Landtags, bis er als Anhänger der Wtzinsteuer durch die Stimmung in seinem Wahlkreis sich veranlaßt sah, das Mandat niederzulegen. Er gehörte der nationalliberalen Partei an. Auch als mehrjähriger Vorsitzender des Pro­testantenoereins, sowie als eifriger Förderer der Volks- bildungsbestrebungen und des Landesgewerbevereins stellte er seine reichen Gaben in den Dienst der Allgemeinheit.

* * Aus dem 93ureait des Stadttheaters. Auf zahlreiche Anfragen auch von auswärts sei mitgeteilt, daß zu der Dienstag-Aufführung vonLustige Witwe" nur noch Plätze in Loge, erstem und zweitem Parkett sowie erstem Rang-Rückplah zu haben sind; es sei gleichzeitig darauf hin- gewiesen, daß eine Wiederholung derLustigen Witwe" nicht möglich ist.

* *Verein Großh. Hess. G e f a n g e n - A u f s e h e r". Die diesjährige Hauptversammlung deS Vereins Gr. Hess. Gefangen-^Aufseher sindet Sonntag, 28. Juni, nach­mittag 1 Uhr im Vereinslokal der OrtSpruppe Butzbach Gast­haus ,.Zuin goldenen Löwen" in Butzbach statt. Dem noch jungen Verein gehören alle Gefangen-Aufseher der Strafan­stalten Marienschloß und Butzbach, sowie der Provinzial- Arresthäuser Darmstadt und Gießen und der Haftlokale Offen­bach und WormS an. Die Gesangenen-Aufseher vom Provinzial- ArresthauS Mainz sind dem Verein leider noch nicht beige­treten. Alle anderen Gefangenen-Aufseher an den Haftlokalen der Amtsgerichte (mit Ausnahme von Offenbach und WormS) bilden eine Kategorie für sich und haben einen besonderen Verein.

* * Der Vogelsberger Höhenklub hielt gestern bei sehr zahlreicher Beteiligung seine Hauptversammlung in Nidda ab. Sie nahm einen sehr befriedigenden Verlauf. Mit Befriedigung wurde daS starke Anwachsen des Vereins im letzten Jahre begrüßt und festgestellt, dcß das Interesse für unser heimisches Gebirge sehr in Zunahme begriffen ist. Die nächste Hauptversammlung findet in Frankfurt a. M. statt. (Näherer Bericht folgt).

* * Felbbergfest. Das am Sonntag auf dem Feld- berg abgehaltene Turnfest führte am Morgen etwa 730 Turner am Bruni.ildisselsen zusammen, die in 17 Riegen antraten. AuSschußu ilglied Nöbig begrüßte in trefflichen Worten die Turner und brachte auf die deutsche Turnsache und auf den Turner Münch, der am gestrigen Tage 25 Jahre lang Mitglied des Feldberg-Ausschusses war, ein begeistert aufgenommenes Gut Heil auS. Die daran anschließenden Freiübungen machten auf die zahlreich erschienenen Zu­schauer einen mächtigen Eindruck. Geturnt wurden folgende Hebungen: Schnellauf über 100 Meter mit einer Mindest­zeit von 16 Sekunden: Weithochsprung, Freihochsprung und Kugelstoßen mit Anlauf. Wenn auch fein Regen das Turnen störte, so beeinträchtigte ooch der starke Wind, der auf der Höhe blies und manchmal sich bis zum Sturm steigerte, das Turnen sehr, namentlich den Freihochsprung, der gegen den Wind ausgeführt werden mußte. Auch der Schnellauf, der bergab ausgeführt werden mußte und deshalb viele Stürze herbeiführte, war schwierig, so daß viele Turner nur sehr vorsichtig liefen. Alles dies mag wohl auch der Grund sein, daß von ca. 730 Turnern nur etwa 460 Kränze er­warben, also mehr als i/8 durchsielen. Immerhin war das Gesamtergebnis gut, wurde doch die höchst erreichbare Punktzahl 40 von drei Turnern aus Frankfurt, Mainz und Homburg erturnt. Diese erhielten den ersten Preis mit dem goldenen Eichenlranze. Auch die Gießener Turnvereine hatten Turner zum F«ldbergturnfest entsandt. Es erhielten Preise: J. Ldg. Kabey, M. T. V., 33 Punkte, 13. Preis, 2. Max Hecker, M. T. V., 28Vr P., 22. Pr., 3. Willy Weis, M. T. B., 28 P., 23. Pr., 4. Carl Loos, M-T. V., 2672 P., 26. Pr., 5. Adolf Trautwein, M. T.V., 2572 P, 28. Pr., 6. Ldg. Lenz, M. T. V., 25 P., 29. Preis- Schon um 472 Uhr konnte die Preisverteilung von dem 1. Vorsitzenden Theo Kleber- Biebrich oorgeuommen werden, der in glänzender Rede die Sieger feierte. Auch von weither waren Wett­turner epschienM, so. aus ChaZLoLtenhWg,. HLSchüpg,

Altena, Leipzig, Mannheim^ Meb, Pforzheim, Heidelberg' Köln u. a. m.

d. Lieh, 12. Juni. Für ba§ Gauturnfest, das in den Tagen vom 20.22. Juni in unserem Städtchen ftatt- findet, ist eine Turnerzahl zu erwarten, wie sie bisher im Gau noch nicht erreicht worden ist. Es haben sich für das Schauturnen am Festsonntag bereits 56 Musterriegen an« gemeldet, während sich im vergangenen Jahre in Bad. Nauheim nur 42 beteiligten. Hoffentlich wird die Ein­wohnerschaft alles tun, um den vielen Turngästen ein ge­mütliches Heim zu bereiten. Man braucht das eigentlich gar nicht besonders zu erwähnen, da ja die Licher Bürger von früheren Festen her durch ihr freundliches Entgegenkommen schon längst bekannt find. Obwohl der WohnungSauSschuß erst kurze Zeit bei der Arbeit ist, sind doch schon für mehr als 300 Turner Quartiere bereit gestellt worden. Die weitere rührige Tätigkeit des obigen Ausschusses wird noch in vielen Häusern für Aufnahme und Unterkunftsgelegenheit sorgen. Auch die Vorbereitungen auf dem Festplatz, der sich an der Grünbcrger Chaussee hinzicht, beginnen jetzt. Auf der einen Seite von einer schattigen Lindenallee, auf der -andern von prächtigen Obstgärten und der Wetter begrenzt, läßt die große und breite Wiesenfläche aber doch den Blick in das obere Wcttcrtal offen. Bei gutem Wetter bietet sich eine herrliche Aussicht dar. Der Natur­freund kann von hier aus ein prächtiges Bild in sich auf­nehmen: Im Vordergrund erscheinen die ausgedehnten Wälder der Laubacher Gegend greifbar nahe; dahinter winkt bann in weiterer Ferne der flache Rücken desHohen Vogelsbergs" mit dem Taufstein und dem Hohcrodskopf. Daneben laden die Wälder und Berge der näheren Umgebung, die das Wettertal zu beiden Seiten einschließen und die idyllische Lage unseres Städtchens bedingen Helsen, zu kleinen Ausflügen und Spaziergängen ein. Dem Freund der Geschichte bietet die Feststadt selbst eine Fülle von Erinnerungen au§ alten Zeiten. Mittelalterliche Häuser, die sich im bunten Festgewand be­sonders schmuck ausnehmen werden, und Reste des Festungs­walls wissen viel zu erzählen aus der früheren Geschichte unseres Städtchens, die eng mit derjenigen des Fürsten- Hauses verknüpft ist. Die erwähnte Bevorzugung in der Lage und bann vor allem bic rührige Tätigkeit der einzelnen Festausschüsse lassen einen Verlauf des Festes erwarten, der wohl alle erscheinenden Gäste voll befriedigen wird.

r. Obbornhofen, 15. Juni. Das 12jähr. Mädchen deS Konr. Schneider war gestern mit Kaffeekochen beschäf­tigt, dabei kam es dem Herdfeuer zu nahe, so daß seine Kleider Feuer fingen. Schrecklich verbrannt, gab das Kind kurze Zeit daraus seinen Geist auf.

Laubach, 14. Juni. Einen Schüler der hiesigen Untersekunda, vorher Realschüler in Alsfeld, packte vor sieben Jahren der Wandertrieb derart, daß er unter Mitnahme seines Hauskollegen heimlich in der Frühe entwich, um den Buren in Südafrika zu Hilfe zu eilen. Während es gelang, den Verführten von Köln auS in fein HauS und in die Schule zurück zu bringen, war und blieb Ewald Falls, gebürtig auS Eudorf bei Alsfeld verschwunden. Eine Wochen­schrift berichtet, daß er Archäologe in Arabien geworden und vom Christentum zum Islam übergetreten ist. Wenn der Glaubenswechsel schon ein ungewöhnlicher ist, so hat sich auch Falls, der ben Namen Miua Effendi Mohamed führt, ganz muhamedanische Sitten und Kleidung der Beduinen zugeeignet. Das zeigt sein Bild, bas ihn hoch auf bem Pferde, in ara­bischem Mantel mit der Flinte auf dem Rücken in fein Zelt znrückkehrenb, aufweist.

P. Schlitz, 14. Juni. Ein unverbesserlicher Verbrecher ist der 26 Jahre alte, hier geborene Adam Mühling. Schon zweimal wurde er wegen Einbruch bestraft, ^as letztemal zu zwei Jahren wegen eines solchen bei der Firma Fr. Jager, seine Ent­lassung aus dem Zellengesängnis Butzbach erfolgte int April d. I. Mühling, der ein Stelzbein trägt, machte seither die Umgegend unsicher und vollführte in der Nacht vom 9. aus '10. Juni wieder einen schweren Einbruch in die Wirtschaft der Witwe Geßner zu Rimbach. Trotz seines körperlichen Gebrechens hat er es auf raffinierte Art verstanden, eine Leiter aus der Scheuer zu schaffen und daraus ben ersten Stock zu ersteigen. Dort druckte er eine Fensterscheibe ein, stieg ein, erbrach mit einer Axt Tisch und Schrank, erbeutete aber nur 2 Mark in bar sowie für 2 Mk. Briefmarken. Tie Bewohner hatten nichts von dem nächtlichen Besuche gehört (so vorsichtig arbeitete er> und traten am andern Morgen höchst erschrocken, jedoch froh, daß dem Diebe nicht mehr in die Hände gefallen war. Wieder gelang cs dem Wachtmehteri Ohl von hier, die Spur des Einbrechers sofort aufzunehmen und mit Hilfe des Telephons und r.ach einer sehr anstrengenden Rad­tour wurde er schott in Hersfeld ertappt und von Ohl festgenommen/ Da die Straftat in Hessen erfolgte, wird er hierher ausgeliefert und geht diesmal einer Zuchthausstrafe entgegen.

"R. B. Darmstadt, 14. Juni. Die Hessische Landesausstellung hatte sich bei dem heutigen präch­tigen Sommerwetter eines außerordentlich starken Besuchs, namentlich von auswärts, zu erfreuen. Es waren größere Gesellschaften von Frankfurt, Mainz u. a. O. herbcige- i'ommen, so daß auch das Ausstellungsrestaurant schon am Mittag stark besetzt war. Am Vormittag traf das gesamte Personal der Möbelfabrik von Philipp Merkel aus Dals­heim bei Worms, etwa 400 Teilnehmer, hier ein und begab sich unter Vorantritt einer eigenen Musikkapelle zur Aus­stellung. Nach eingehender Besichtigung unter sachkundiger Führung (die genannte Firma hat auch auf der Ausstellung ein Einfamilienhaus errichtet und die innere Einrichtung für die Zweifamilienhäuser des Frhrn. v. Hehl zu Herrns­heim und der Firma Dörr & Reinhart in Worms geliefert) begaben sich die Teilnehmer in den Restaurationsgarten, wo unter bem prächtigen Platanenhain Erfrischungen ein­genommen wurden, während der mehrfach preisgekrönte Gesangverein der Firma eine Anzahl Liedervorträge zum Besten gab, denen das zahlreiche Publikum mit Interesse lauschte. Für den späteren Nachmittag war noch ein ge­selliges Beisammensein mit Konzert und Tanz im Garten der Nummelschen Brauerei vorgesehen.

sd. Darmstadt, 15. Juni. (Tel.) Der wegen großer Betrügereien in Untersuchungshaft befindliche Rechtsanwalt und Notar Link von Dieburg wird auf Antrag seines Ver­teidigers auf seinen Geisteszustand untersucht und zu diesem Ztvecke in die psychiatrische Klinik nach Gießen ge­bracht werden.

sd. König i. O., 15. Juni. Die Königin Wil­helmine von Holland, sowie ihr Gemahl Prinz Heinrich befinden sich feit einigen Tagen hier zu Besuch ihrer Ver­wandten.