Nr. 138
Zweites Blatt
Montag 15. Juni 1908
158. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberhesjen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: eg® 11^. Tel.-Adra AnzeigerGießen.
Die „Gießener §amillendl8tter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
des
wurde auf Beschluß
Horstmar; falls WuVi, m«/. |V..
miral v. Köster als gewählt gelten. Die Wahl des Fürsten Otto
zu Salm-Horstmar wurde mit großer Mehrheit angenommen. Bei der Abstimmung darüber, ob, wenn Fürst »u Salm-5^orstmar die Wahl nicht annimmt, Admiral v. Köster als gewählt gelten soll, kam zu einer stürmischen Debatte. Landrat Heydweiller beantragte, die Eventuellwahl heute nicht vorzunehmen. Von 190 stimmbevechtigten Mitgliedern waren 92 für den Antrag und gegen den Antrag 90. Der Antrag Heybweiller wurde somit abgelchnt. Der Eventualantrag, ob im Falle einer Ablehnung des Fürsten zu Salm-Horstmar Admiral v. Köster als gewählt gelten soll, 'wurde mit großer Majorität angenommen. Bankier. Deichmann-Köln hatte bei den nicht anwesenden Mitgliedern des früheren Präsidiums telegraphisch angefragt, ob sie eine eventuelle Wiederwahl annehmcn. Es liefen verneinende Antworten ein, auch vom General Keim aus politischen Gründen. Geheimrat Hamm-Bonn und Deichmann beantragten, ein Telegramm an K'eim abzusenden, in welchem ihm der Dank des Vereins abgestattet wird für seinen opservollen Verzicht, durch den der Friede in dem Verein von vornherein gesichert ist und in dem der Dank für, feine verdienstvolle Tätigkeit im Präsidium des Vereins ausgesprochen werden
Sijöows Steuerbouquet.
Man schreibt uns:
Eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums hat sich
stalten werden, lastet weit mehr auf die Beteiligten, als wenn diese wüßten, wohin die Fahrt gehen soll, sodaß sie sich nach und nach darauf einrichten könnten. Angesichts der Schweigsamkeit der maßgebenden Stellen ist e§ begreiflich, wenn allerlei Kombinationen auftauchen, indem sich einige Leutchen das Air geben, als ob sie genau eingeweiht seien, während sie in Wirklichkeit nichts wissen. Andere auftcmcheude Gerüchte sind lediglich dazu lanciert, auf den Busch'zu klopfen und durch Veröffentlichung von Vermutungen ein offiziöses Dementi heraus zu locken. So wollte ein rheinisches Blatt allerhand erfahren haben, und schon ist das Dementi da, indem es als unrichtig bezeichnet wird, daß sich unter den Sydow'schen Vorschlägen eine Quittungssieuer und eine Börsenumsatzsteuer befinden. Andere Mitteilungen des erwähnten Blattes werden jedoch nicht ohne weiteres in Abrede gestellt, insbesondere will man aus den Telephon- und Telegrainmgebühren mehr herausholen, auch die Zeitunasgebühren sollen ganz bedeutend erhöht werden, weil die Post angeblich bei ihnen zusetze. Dies alles trägt den Stempel der Wahrscheinlichkeit, ebenso wie mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist, daß nach den Andeutungen, die im Reichstage der Schatzsekretär selbst gegeben hat, Bier und Branntwein sowie Tabak werden bluten müßen. Dies dürfte, nach dem was man hört, den Hauptteil des SydowschenReformprojekteS bilden, denn während in Deutschland alles geheim gehalten wird, pflegen unsere hohen Reichsbeamten ausländischen Korrespondenten gegenüber weniger verschlossen zu sein, und so hat denn der Schatzsekretär dem Berliner Vertreter des „Temps" sein Herz ausgeschüttet. Gerade gegen die Hauptbestandteile dieser Reform aber dürste sich lebhafte Opposition erheben und zwar nicht blos im Reichstage, sondern vielleicht auch schon im Bundesrat, weil speziell Süddeutschland nicht so leichten HcrzenS seine Ztlstimmung zu einer scharfen Besteuerung des Bieres unb T '.'aks geben >vird. Was die Reform der Branntweinsteuer anlangt, so darf, nach dem waS durchsickert, mit ziemlicher Gewißheit angenommen werden, daß das SptrituSmonopol doch durchgeführt werden soll; ob freilich die Mehrheit deS Parlaments dafür zu haben sein wird, muß ab- gewartct werden, da hiergegen sich nicht blos auf der Linken, sondern auch teilweise in den Reihen der Rechten Widerstand erheben dürfte. Auch die Regelung der Matri- kularbeiträge soll Herr Eydow in Aussicht genommen haben, aber bekanntlich haben sich bereits mehrere führende Minister der Bundesstaaten öffentlich hiergegen ausgesprochen, desgleichen auch gegen die Ausdehnung der Erbschaftslteuer, die von Herrn Sydow gleichfalls in Aussicht genommen sein soll, und so wird eine Blume nach der andern auS dem Steuerbouquet des neuen Schatzsekretärs herausgerissen werden, und es wird ihm vielleicht nicht viel anderes als ein kahler Strung übrig bleiben, mit dem nicht viel anzufangen wäre. Ebensowenig ist anzunehmen, daß die Volksvertreter Herrn Sydow ein neues, von ihnen selbst znsanmtengestelltes Bouquet überreichen werden, und aller Voraussicht nach dürfte des Reiches neuer Schatzsekretär im Winter eine schwere Arbeit zu bewältigen haben, deren Lösung man mit größter Spannung entgegensehen muß.
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Der „Berl. Lokalanz/ meldet aus Berlin: Schatzsekretär Sydow bringt zur Reichsfinanzreform unter anderem eine Elektrizitätsabgabe in Vorschlag.
J'm übrigen schreibt die „Rordd. Allg. Ztg.": Das Pariser Blatt „LeTempS" enthält einen ausführlichen Artikel seines Berliner Korresponden über die Finanzen des deutschen Reiches, worin deren Lage zahlenmäßig dargestellt und dem-
am letzten Freitag eingehend mit den Finanzreformvorschlägen Schatzsekretärs Sydom beschäftigt; man hat den dringenden Wunsch, die Vorlage sofort bei Zusammentritt des Reichstages einzubringen und darum tut Eile not, da im Bundesrat lange Beratungen erforderlich sein werden und überdies die Sommerpause dazwischen kommt. Rach welcher Richtung hin sich die Reform bewegen wird, weiß man noch immer nicht genau, man ist höchstens auf vereinzelte Andeutungen angewiesen, da in üblicher Manier auch hier eine Geheimniskrämerei befolgt wird, die bei einer derartigen Sache wirklich nicht am Platze ist. Die Ungewißheit, wie sich die Dinge ge-
Die 8. ordentliche Hauptversammlung der deutschen ziottenvereinr,
zu der 250 Vertreter von Landesvereineneu und Ortsgruppen aus allen Teilen des Reiches erschienen waren, wurde am 14. Juni in Danzig, vormittags von Geheimrat Buslcy eröffnet. Busley verlas zunächst ein Schreiben des Protektors des Vereins, des Prinzen Heinrich, der bedauerte, nicht anwesend sein zu können. Rach einem dreifachen Hurra auf den Kaiser ergriff Oberpräsident v. Jagow namens der Vertreter der königlichen Staatsregierung das Wort und führte aus: Die Lage des deutschen Flottcnvereins ist eine ernste. Tie königliche Regierung wünscht, der Flottenverein solle nicht verschwinden, sondern weiter ausgebaut werden. .Der deutsche Flottenverein darf nicht ein Appendix des Reichs- marineamts sein, sondern muß selbständig sein; er muß das Vertrauen des ganzen deutschen Volkes I*aben; er darf nicht als eine Organisation der Regierung angesehen werden, sondern als der Ausdruck des Willens des deutschen Volkes. (Lebhafter Beifall.) <Die Regierung wünscht, daß die heutige Hauptversammlung dem Deutschen Flottenverein den alten Frieden bringen möge und daß der Verein in seiner Selbständigkeit keine falschen Bahnen einschlagen werde, dagegen schützt ihn die Liebe zu Kaiser und Vaterland. Nach 1 vetteren Begrüßungen wurde dem geschäfts- sührenden Ausschuß die Zustimmung gegeben, zu folgendem Telegramm an den Kaiser: „Euerer kaiserlick-en und königlichen Majestät bringen die in Danzig zur 8. ordentlichen Hauptversammlung zusammengetretenen Mitglieder des Deutsüzen Flottenvcreins ihre alleruntertänigsten Huldigungen bar. Unverrückbar verfolgt der .Deutsche Flottenverein sein Ziel, unser Vaterland in den Besitz seiner Flotte zu setzen, welche den für seine Wohlfahrt nötigen Frieden sichert. Der geschäftsKhrende Ausschuß: Busley, Ravene."
Nach dem Rechenschaftsbericht des. Präsidiums wurde dem geschästsf-ührenden Ausschuß die Entlastung erteilt. Hierauf wurde der Voranschlag für 1908 angenommen, desgleichen der Rechenschaftsbericht des Kuratoriums für den China- und Südwestafrika- fonds. Dann wurde ohne Widerspruch die Aenderung des § 11, Absatz 3 der Satzungen angenommen. Hiernach müssen in Zukunft nur der geschäftsführende Vorsitzende, dessen Stellvertreter, und der Hauptschatzmeister in Berlin nwhnen (früher mußten auch 4 Beisitzer in Berlin wohnen). Es folgte eine Debatte über den Antrag auf eine Aenderung der Satzmtgen, durch die der Deutsche Flottenverein als national-politischer Verein erklärt wird. .Demgegenüber wurde vom Bankier Deichmann-Köln^beantragt, ans juristischen Gründen von der Aenderung der Satzungen abzu- sehen und folgende Resolution anzunehmen: „Die Hauptversammlung vom 14. Juni 1908 erklärt, der Deutsche Flottenverein ist und bleibt ein national-politischer, also ein vaterländischer Verein, der über den Gegensätzen der Parteien und Konfessionen steht, unb daher teilt: Parteipolitik treibt. Um das Verständnis für bie Notwendigkeit einer starken Flotte im Volke
zu fünen, sieht der deutsche Flottenverein seine vornehmste Aufgabe darin, bie Betätigung des Nationalgeftihls zu heben. Der deutsche Flottenverein nimmt für sich das Recht in Anspruch, zu Fragen des schnelleren Ausbaues der Flotte Stellung zu nehmen." Nach kurzer Debatte wurde die Resolution mit über wiegender Mehrheitangenommen. (Stürmischer Beifall.) Alsdann folgte bie Wahl des Präsidiums. Vorgeschlagen * Beschluß des gesamten Vorstandes Fürst Otto zu Salm- falls dieser die Wahl nicht annimmt, soll Groß-Ad-
Hochweisen Magistrats. Wird allhier anwesende Königl. Pohlen u. Churfürst. Sachs. Privileg. Teutsche Gesellschaft abermahl einen Schauplatz eröffnen, Und auf selbigem eine Sehenswürdige u. mit vielen Auszierungen des Theaters angefüllte Tragödie vorstellig machen. Betitelt: Ex Doc- trina interitus oder die unglückselige Gelehrsamkeit. Dar- gestellet in dem Leben u. verzweifelten Tode D. Johannis Fausti, Mit Hanswurst u. einem von vielerley Gespenstern verfolgten Famulo. — Avertissement: Ob ein F-aust jemahlen in der Welt gewesen, ist bei vielen noch streitig; eine erdichtete Sache wird öfters zur Wahrheit gemacht, wie es die Tägliche Erfahrung bezeiget. Ich will zwar nicht widerlegen, daß diese Historie von einem Zauberer herrühre, welche man unter den Nahmen F-aust eroidjtete: Ob er aber also geheißen, stehe ich mit meinem Gedanken stille, dem seh nun also oder nicht, so verdient doch diese Tragödie gesehen zu werden. Tie darinnen vorkommenden Auszierungen sind besonders, u. unser Hanswurst bemüht sich, seiner Wenigkeit nach, durch seinen aufgeweckten Schertz einen -jeden zu vergnügen. Den Beschluß macht ein Ballet u. eine recht lustige Nach-Comödie. Der Schauplatz ist auf dem Roßmarkt. Sambstag d. 4. Oktober (1756)/' Der junge Wolfgang Goethe kann dieser Vorstellung beigewohnt haben.
— In La u ch stä d t bei Merseburg erfolgte am 13. Juni die feierliche Wiedereröffnung des Klassikertheaters. Nach einem Prolog Wildenbruchs, der von Ed. Weiser aus Weimar (einem geb. Alsfelder. Rd.) in der Maske eines trauernden Barden gesprochen wurde, folgte die Aufführung von Goethes „Iphigenie", die bei der geladenen Zuhörerschaft, unter der man zahlreiche Vertreter studentischer Korporationen in Wichs bemerkte, außerordentlichen Beifall fand. Amanda Lindner-Berlin spielte die Iphigenie, Rudolf Christians den Orest, Hermann Böttcher den Pyladus u?ib Wilhelm Diegelmann (bekanntlich bis vor kurzem in Frankfurt, jetzt bei Remhardt in Berlin) den König Thoas. Die Regie lag in Händen des Hosratcs Richards-Halle. Der Aufführung wohnten viele Theaterdirektoren bei.
— Ein hinterlassenes Werk Ibsens! Der Herausgeber der Hinterlassenschaft Ibsens in Christiane entdeckte ein bisher unbekanntes Manuskript Ibsens, eine
romantische Arbeit, betitelt „Ter Gefangene von A ck e r s h u s".
— Heiteres aus der Künstlerwelt. Von den Schwierigkeiten, welche C h o r i st i n n e ii und anfängliche Schauspielerinnen in M ä n n e r r o l l e n _ dem Regisseur bereiten, haben Laien keine Ahnung. Zuerst kommen sich die jungen Damen in dem neuen Anzug sehr glücklich vor, denn sie konstatieren alle, daß ihre Füße außerordentlich klein aussehen. Wenn sie sich hierüber genug gefreut haben, versuchen sie, eine „männliche Haltung" anzunehmen. Ties geschieht dadurch, daß sie die Hände in die Hosentasche stecken und sie, wenn es nach ihnen ginge, überhaupt iftcht wieder zum Vorschein bringen. Große Schwierigkeiten macht es den meisten, in Beinkleidern zu gehen. Ein Kardinalfehler der Neulinge ist es, mit unmenschlich großen Schritten oder Sprüngen die Bühne zu durchmessen. Andere versuchen ihren Gang dadurch männlicher zu gestalten, daß sie bei jedem Schritt lärmend auf den Boden stampfen oder auch jedesmal eine kleine Sprung- oder Hopsbewegung machen. Mühe macht es den Anfängerinnen, mit einer Waffe umzugehen. Ein Schwert wird gewöhnlich rechtwinklig zu der Brust unterrn Arm getragen, und es erregt große Verwunderung, daß alle in der Umgebung sich daran verletzen. Macht man sie darauf aufmerksam, so verfallen sie in den entgegengesetzten Fehler und tragen ihre Waffe steif wie eine Fackel. Gibt man ihnen ein Gewehr in die Hand, so fassen sie es oft aus Aengftlichkeit an der Mündung. Hüte ober Mützen werden mit Konsequenz derartig in den Nacken ober auf das Ohr gesetzt, wie man es im gewöhnlichen Leben nur bei Landstreichern sieht. Besonders großes Entzücken erregt immer ein Schnurrbart, an dem sie dann so lange herumzwirbeln, bis er abfällt.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Der Hofopernsänger Hermann Jadlowker vom Hoftheater zu Karlsruhe ist nach erfolgreichem Gastspiel unter den günstigsten Bedingungen an das Kgl. Opernhaus in B e r l i n engagiert worden. — Wie aus Newyork gemeldet wird, hat der Erfinder Maxim ein geräuschloses Gewehr erfunden. Er soll das Gewehr einer Kommission des amerikanischen Kriegsministeriums zeigen. Die amerikanische Regierung soll die Absicht haben, es anzukaufen.
Kkincs LerrMeton.
— Der Evangelische Kirchengesangverein für Hessen wird sein 29. Kirchengesangsest am 28. Juni rn L a u t e r b a ch abyalten. Es wurde folgendes Programm aufgestellt: Hauptprobe der beim Festgottesdienste mitwirkenden Vereine unter Leitung des Kirchenmusikmeisters Professors Arnold Mendelssohn. Mittagessen, F-estgottes- dienst, in dem die Kirchengesangvereine von Alsfeld, Altenschlirf, Crainfeld, Engelrod, Lanzenhain, Lauterbach und Schlitz mitwirken werden. Die Festpredigt wird -ber- konsistorialrat D. Petersen von Darmstadt halten, dre Liturgie Oberpfarrer Müller-Lauterbach versehen. Nach dem Festgottesdienst soll eine gesellige Vereinigung mit Ansprachen und Gesängen das Fest beschließen.
— In Weimar fand am 13. Juni die Generalversammlung der Goethe-Gesellschaft in Anwesenheit des Großherzogs statt. Den Festvortrag hielt Professor Alb. Koester aus Leipzig über „Goethe und sein Publikum". Zur Ergänzung des Vorstandes wurde Professor Heuer vom Goethestist in Frankfurt a. M. gewählt. Die Jahresrechnung erstattete Bürgermeister 2r. Toendorf, den Bericht über die Goethe-Bibliothek und das Goethe-Archiv Geh. Hofrat Professor Suphan, über das Goethe-Nationalmuseum Geh. tzoftat Koetschau-Leipzig. Ein Antrag, die Generalversammlung im nächsten Jahre am Samstag vor Pfingsten abzuhalten, um den Lehrern Gelegenheit zur Teilnahme zu geben, wurde abgelehnt. Schließlich bewilligte die Gesellschaft für die Ausgabe „Volks-Goethe', der im Jnselverlag erscheinen soll, 20 000 Mk. ä fonds perdu. Zum Schluß vereinigte man sich zu einem Festmahle.
— Alte Dokumente. In dem Katalog eines Antiquars in Frankfurt finden wir u. a. zwei Raritäten angezeigt. Zunächst Goethes Taufanzeige. Ev ist em amtliches Zeitungsblatt: „Anhang zu denen ^anksur er Frag und Anzeigungs-Nachrichten lc49 . Dre .Anzeige lautet: „F-reytags d. 20. Aug. (das falsche Datum rst durch einen Druckfehler entstanden- 1749- S. T. Hr. Joh. Cassx Goethe. Jhro Röm. Kayserl. Maiestat lvurcklrchev Rath einen Sohn Joh. Wolfgang". — In einer alten Frankfurter Theaterzetteln besindet sich em bisher unbekannter Zettel mit folgender Ankündigung einer „Fa u st"-Ausführung: „Mit gnädigster Bewilligung emes
soll. Mit der Abfassung des Telegramms wurden die beiden Herren beauftragt. Dann folgte die Wahl des übrigen Präsidiums, während deren Feststellung um 1 Uhr eine Frühstückspause eintrat.
Als Ort für die Hauptversammlung int Jahre 1909 war Weimarin Aussicht genommen; der Vorschlag mußte auf ein Jahr zurückgestellt werden. Als Ort imtrbe Nürnberg festgesetzt. (Stürmischer Beifall.) Generalmajor v. Thäter-Fürth begrüßte die Wahl aufs herzlichste uitb bat. Vergangenes vergessen sein zu lassen unb ausdrücklich zur Notiz zu nehmen, daß dies die einzigen Worte seien, die Bayern am heutigen Tage gesprochen habe. (Lange anhaltender, stürmischer Beifall.) Für Lehrerfahrten wurden 13000 Mark bewilligt und die Fahrten auf 4 biss 5 Tage festgesetzt. Die bisher angemeldetcn S ch ü l e r f a hr t e n wurden genehmigt. Der Antrag der Landesverbände für Sachsen-Weimar-Eisenach unb Gotha-Schwarzburg- Rndolstadt wurde in folgender veränderter Form angenommen: Tie Hauptversammlung spricht den hochverdienten Mitgliedern des Präsidiums, die in Kassel ihr Amt niedergelegt haben, für die umsichtige Leitung des Deutschen Flottenvcreins, durch welche dieser zu der jetzigen Blüte gelangt ist, ihren uneingeschränkten berzlick-en Dank ans. Der Antrag auf Ernennung des Fürsten Otto zu Salm-Horsttnar zum Ehrenpräsidenten und des Generals Keim zum Ehvimmitglicd wurve von der Tagesordnung abgesetzt und dem neuen ssZräsidium überwiesen; die anderen Anträge mürben zum größten Teil zurückgezogen. Unter stürmischem Beifall wurde dem Rest des alten Präsidiums der Dank des Vereins abgestattet. Geheinrrat Busley bat, auf den guten Geist im Deutschen Flottenverein und auf den Flottenverein selbst ein Hoch auszubringen, das begeistert und stürmisch angenommen wurde. Schluß der Sitzung 3 Uhr 15 Minuten.
Das Telegramm, das an General Keim ab gesandt wurde, lautet: An General Keim in Wehlen (Elbe), Elbterrasse. „Die Hauptversammlung des Deutschen Flot-envereins spricht Ihnen für Ihre unvergleichliche Tätigkeit, durch welche Sic wesentlich zur Blüte unseres geliebten Flottenverems beigetragen haben, den herzlichsten unb wärmsten Dank aus und gibt ihrem dankbaren Empfinden Ausdruck für Ihren hochherzigen Entschluß, welcher die Einigkeit her^eftellt hat."
Beim Festmahl des Deutschen Flottenvereins lief folgendes Telegramm des Prinzen Heinrich von Preußen ein: Herrn Geheimrat Busley. Ihnen unb Herrn Ravene danke ich zunäck-st für bie bisherige Mühewaltung, bie Sie aufwandten zur Weiterführung der Geschäfte des Flottenvereins. Ferner bin ich dankbar unb hocherfreut über das glänzende Ergebnis des heutigen Tages, das bie Gesamtinteressen des Vaterlanoes über Sonderintereisen stellt. Mit dem Wunsche, daß cs dem Flottenverein gelingen möge, in stiller einmütiger Arbeit, das deutsche Volk von der Notweickngkeit der Stärkung eines nationalen Werkes aufklärend zu überzeugen, verspreche ich dem Flottcnvcrcin auch ferner ein treuer Schlitzer fein zu wollen, unb ich entbiete der Hauptversammlung meinen aufrichtigen Dank und sehr herzlichen Gruß, (gez.) Heinrich Prinz von Preußen, Protektor.
Ferner lief folgendes Antworttelegramm des Groß-Wmirals v. Köster ein: Hocherfreut über den erhebenben Verlauf der Hauptversammlung beglückwünsche ich die anwesenden Mitglieder für den glänzenden patriotischen Erfolg unb gebe mich zunächst noch der Hoffnung hin, daß.Fürst Salm, gestützt.auf dic.chervor-. ragenbeit Leistungen des Verwais ürfrer seiner Seituftg, die Wiederwahl annehmen wird. Das in mich gesetzte Vertrauen gereicht mir zu hoher Ehre, (gez.) Köster.


