Ausgabe 
15.8.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ft 30 Ta8« |zu Probt, I Echtes

I Pelz-

W Porte-

M m°nnaie,

W Sehpdaueb

S haft 1-nme, W *auber. M Aeu**eretao

genehm fragen.

*k0. S? dken Messing.

Utiei^Fh^ 10 S £ & Ebenso k4 att pStin;-angebracht

Lei Bestellt Messingbeschlagen

stundportofrei

wang: versenden wir auf s jedermann unseren i Pracht-Katalog, ^toenstände enthaltend beste Solinger Stahl- Küchengeräte, Garten- t, r ahrradzubehör und etten, Gold- und Silber- n, Haarschmuck, Seifen , Kinderspielwaren aller

elegante, gediegene

stütlgen Güte und

it, dass die vor kurzer 'n, sondern dass meine h stets an Ihre Firma igt -wieder Bestellung'

LMM

FABRIKMARKE

n und Kinder

i Qnalitäten.

Schirmen

ite bieten wir eins

ck

jfstrasse 64

4746

44? jjjillijj rössernDg^

Nr. 191 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Samstag 15. August 1908

Lachem! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener ZamilienblStter" werden dem ,AnzeigerE viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universitäls - Buch- und Steindruckerei. 9t Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: essS>51. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.

sandter.

Die neuen Plane.

Neues von Sven hedin.

Der 100jährige Todestag von Goethes Mutter soll am 13. September in Fr a n kfurt, wie uns von dort geschrieben wird, in besonderer Weise begangen werden. Vor allem will man durch eine Schulfeier eine Huldigung der Jugend für Goethes Mutter begehen. Ter Verband Frankfurter Frauenvereine will diese Huldigung inszenieren und jedem Kinde ein 9lndenken in Gestalt eines Buches übermitteln, das die Ju­gend mit dieser bedeutsamen Frau und Mutter bekannt macht. Bei den Schulfeierlichkeiten werden Vorträge gehalten werden.

Die z. Zt- in Hamburg weilenden Teilnehmer des Historikerkongresses unternahmen am 14. tx M. auf Ein­ladung der Hamburg-Amerika-Linie eine Hafenfahrt, an die ]idj ein Gabelfrühstück an Bord des DampfersPräsident Grant" schloß. Auf "eine Ansprache des Prof- Audollent-Clermont-Errnnd auf den Vorstand des Kongresses gab dessen Präsident Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Kvser dem Wunsche auf baldiges Wieder­sehen Ausdruck. In unserem gestrigen Bericht über den Histo- rikerkongreß hat sich ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen, indem der Setzkobold aus der isländischen Saga eineisrae­litische" gemacht, die es bekanntlich nicht gibt.

Zeppelin.

Das Reichskomitee

wendet sich abermals an die deutschen Sammelstelten mit der Bitte, ihm die für Zeppelin bestimmten Betrüge zu über­mitteln. Es erläßt folgendes:

Nach dem in allen Teilen Deutschlands Samm­lungen begonnen haben, um dem Grafen Zeppelin die Fortsetzung und Vollendung seines Lebenswerkes zu er­möglichen, ist das Deutsche Reichskomitee zusam­mengetreten, das den Mittelpunkt aller dieser Be­strebungen bilden und das Sammelwerk leiten will. (Es gesteht also zu, daß es post festum gekommen ist. D. Red.)

Es bittet die bestehenden Sammelstellen, die bei ihnen eingehenden Spenden, sofern hierfür nicht schon andere Emp­fänger endgültig bestimmt sind, ihm zuzuführen und ihm jedenfalls fortlaufend Mitteilungen über die Ge-

mar Liebermann-Ausstellung in Siehe».

Eine Ausstellung von Radierungen Max Liebermanns, die recht viel Sehenswertes und Anziehendes bietet, hat die Hirzsche Kunsthandlung seit einigen Tagen veranstaltet. Es smd etwa 50 Criginalblätter, von denen die Kaltnadelradierungen wohl Die ansprechendsten sind, obwohl die übrigen, flüchtigeren Blätter sür ba£ Studium des Künstlers selbst vielleicht noch beachtenswerter sind. Die ausgestellten Arbeiten sind vorzugsweise Studien und zlvac Studien zu seinen bekanntesten und wohl auch besten Bil­dern, wieJudengasse in Amsterdam",Biergarten",Badende Mnaben",Die Bleiche",Das Ältmännerhaus in Amsterdam" und manche anderen, die den, Namen Liebermanns. berüMt gemacht

und ihm einen der ersten Plätze in der zeitgeschichtlichen Malerei gesichert haben. Liebermanns Ruhm ist ja nicht unbestritten und nicht unbestreitbar. Und er selber, der jetzt über 60jährige, ist ein Streiter. Dieser Zug leicht aufbegehrender, ruciuchls- loser Lebendigkeit gibt dem ganzen Schassen Ltebermanns seinen eigenartigen Stempel. Als Naturalist hat er in Deutschland mächtiger und anregender gewirkt, als alle anderen deutschen Mei­ster. EHektik ist als Kern seines Wesens auch der Kern seiner Kunst. All seine zahlreichen Anlehnungen haben aber auch Bezug auf die belebte Natur. Ob er sich nun an Menzel anschloß, oder Mittet bewunderte, ob -er Munkaczys Schawrzmalerei oder Eour- bets Tonmalerei in sich aufnahm und für sich verwertete, die lebendige Darstellung der lebendigen Natur war ihm immer die Hauptsache, nahm seine ganze Kraft in Anspruch. Freilich sie war in denGänserupserinnen" (1873) noch nicht voll vorhanden und auch noch nicht imZimmermann" (1877 , denn hier ist die Um­gebung immer noch nur Hintergrund. TieArbeiter int Rübenseld" sind die erste von Millet stark beeinflußte Stufe seiner weiteren Entwickelung, denn seitdem stellt er die Gegen­stände in ihren Beziehungen zueinander dar und er bemüht sich auch, Licht und Lust in ihrer eigenartigen Wesenheit zu schildern. Stark beherrscht von dem Holländer Josef Israels malt cr schlichte, einfache Vorgänge, hauptsächlich in freiem Licht. Ilm der stets wechselnden Beleuchtung nahe zu kommen, wandte er dann ein vereinfachtes Malversahren an, um mit fast unvergleichlicher Meisterschaft das Aeußere eines Natureindruckes zu gestalten. Und' nicht minder bewundernswert ist die Meisterschaft seiner Grissel- fum't, bei der der Eindruck von Schwarz-Weißkunst nicht aus-' kommt, bei der er mit großem' Geschick durch wenige Striche einen vollen Eindruck gibt; sie wirken wie farbig und sind direkt malerisch geschaut. Von den ausgestellten Radierungen erwähne ich außer den bereits genannten denKanal",Schafherde bei Gewitter",Gracht in Leiden",Tennis",Mittagessen sLaud- scliaft bei Noordwyk" und vor allem das vorzügliche Selbstbildnis. Ter Besuch der Ausstellung ist merklich interessant.

famtfumine der eingegangenen Gaben zu Händen seines geschäftsführenden Vorsitzenden »ukommen zu lassen. Tie einlaufenden Spenden werden Dem Wunsche des Grasen von Zeppelin entsprechend der Allgemeinen Rentenanstalt in Stuttgart zugeführt werden. Das Reichskomitee wird eine Gesamtübersicht aller Spenden veröffentlichen." Folgen die Namen der Zahlstellen.

Auf demselben Standpunkt wie wir steht fast die gc- amte deutsche Presse, solveit sie nicht von Berlin abhängig ist und sie erklärt allgemein die Umleitung über Berlin für ein Nonsens. So schreibt in Uebereinstimmung mit unseren gestrigen Ausführungen dieNeue Bad. Land.- Ztg.":

Das Reichskomitee gibt si chvergebliche Muhe. Unbe­dingt möchte e s dem Grafen die Nationalspende überreichen. Es willd a s Sammelwerk leite n". Wozu? Be­darf es denn noch einer besonderen Leitung. Gibt es denn etwas einfacheres, als daß jede Sammelstelle den bei ihr eingegangenen Betrag direkt nach 'Stuttgart an die vom Grafen Zeppelin selbst bestimmte Stelle sendet. Tas Reichskomitee will selbst auch diese Stelle zur Ablieferung benutzen. Was ist also der Effekt bei der ganzen Sache'? Daß dieLeitung der Sammlungen" in einer Umleitung über Berlin besteht. Und diese Umleitung halten wir für höchst überflüssig.

Man fragt sich unwillkürlich: weshalb ist eigentlich dieses Reichskomitee konstituiert worden? Nur um die Sammlungen zu leiten? Das Volk braucht keine Leitung von oben, nachdem Zeppelin den besten Weg zu. Zentralisa­tion gezeigt hat. Aber das ist cs: man denkt schon beim bloßen Namen Reichskomitee an das im ganzen Volk ver­haßte Reichsaufsichtskuratorium und in dem­selben Reichskomitee soll jedenfalls auch jene berühmte Rathenausche Kontrolliustanz geboren werden. Nichts ist mehr zu bekämpfen, als dies. Daher werden alle Sammel st eilen den Um tu eg über Berlin zu ver­meiden wissen und das Geld direkt nach Stuttgart schicken. 470000 Mark sind dort bereits eingegangen (nicht aus Berlin). Bon überall her kommen Nachrichten, daß die Spender mit dem ausdrücklichen Wunsche sich an die Sammel­stellen wenden, das Geld direkt nach Stuttgart zu senden. Das Volk wein, was es zu tun hat."

Das Präsidium des Komitees setzt sich zusammen aus: Adolf Friedrich, Herzog "ju Mecklenburg, Ehrenvorsitzender. Fürst Bülow, Reichskanzler; Tr. v. Bethmann-Hollweg, Staatssekretär des Innern, Vizepräsident des Staatsmini­steriums ; v. Einem, General der Kavallerie, Staats- und Kriegsminister; Emil Selbcrg, geschäftsführcnder Vorsitzen­der; Alexander Schöller, Geh. Seehandlungsrat und Ge­schäftsinhaber der Diskonto-Gesellschast, Schatzmeister des Komitees.

Dem Komitee gehören u. v. a. folgende Herren an: Adickes, Oberbürgermeister, Frankfurt a. M., Andreae, Han- - delskammerpräsidenk, Franksurk, Braun, Minister des Jn- , nern. Darmstadt, Clasz, Rechtsanwalt, Vorsitzender des All- : deutschen Verbandes, Mainz, v. Neid Hardt, Hessischer Ge-

maschine und plappert dabei in rhythmisch singendem Ton:On mani padme hum." Als wir Schigatse verließen, wurden wir von einer tibetanischen und chinesischen Eskorte geleitet. Die erstere batte einen tragbaren Tempel mit, mit einem Altartisch für die Götterbilder und einem Votivtisch für die Schalen, Lampen und den Weihrauch. Das Innere ihres Temvelzeltes nahm sich wirk­lich sehr schmuck aus mit seinen goldglänzenden Göttern in der dämmerigen Beleuchtung, die durch die Weihrauchwolken hin­durchsimmerte. Und abend stimmten sic ihre Gesänge an, be­gleitet von Trommeln und Zimbeln. So ist das täglich Leben des Tibeters mit einer Reihe religiöser Gebote ver­flochten. Wenn er an einem Votivsteinhaufen vorüberreitet, legt er einen Opferstein auf denselben; wenn er einen Mane passiert, vergißt er niemals, denselben auf seiner rechten Seite zu lassen, denn sonst kann er sich die auf ihm in Stern gehauenen Gebete nicht zugute rechnen; wenn er einen von den heiligen Bergen erblickt, versäumt er niemals, vorüber mit der Stirn auf den Boden zu fallen, und wenn er feinem Pak die Last auflegt, summt er sein ewiges On mani padme hum. Diese Worte klingen beständig in meinen Ohren wider, ich höre sie, wenn ich mich zur Ruhe begebe und wenn ich aufstehe, und nicht einmal in der Wildnis kann ich mich von ihnen frei machen, denn auch meine Ladakis singen sie. Sie gehören zu Tibet, diese Worte, sie sind eins mit Tibet, ohne sie kann ich mir Tibets öde Hochgebirge nicht vorstellen, sie sind ebenso intim mit diesem Lande verbunden wie das Summen um einen Bienenstock wie der ewige Westwind und das Heulen der täglichen Stürme. Ter Sinn und Zweck aller dieser Wimpelmasten, Votivsteinhauien und Steinmaie ist, die bösen Mächte fernzuhalten, den Weg über einen hohen Paß glücklich zu gestalten, bet einem Flutz- übergang die Reisenden vor Ertrinken zu schützen, die böien Weien der Lüfte von den Wohnungen fernzuhalten und in den Einöden den Wanderer vor den Angriffen der Räuber und der Wölfe zu schützen. Sie spielen also in der freien Natur dieselbe Rolle wie die vier Geisterkönige in den Tempeln. Es gibt nämlich keinen Tempel in Tibet, in dem die Wände der äußeren Vorhalle nicht mit Gemälden dieser vier Potentaten geschmückt sind, die oft mit großer Geschicklichkeit und in schreienden orientalnchen warben au^gesührt sind. Sie sind mit Streithämmern, Schwertern und andern Waffen ausgerüstet, ihre Züge find diabolisch verzerrt und abschreckend, ihr Haar ist ein Wald von roten Schlangen, von ihren Leibern gehen brennende Feuerflammen aus alles, um die bösen Geister zu erschrecken, die foult in die «tempeliale eindringen und den Frieden der Götter stören würden.

Den Berichten Sven Hedins über seine große Reise durch 1 Tibet? die, mit zahlreichen von dem Forscher selbst photographisch angenommenen Bildern ausgestattet, im 22. und 23. Heft der ! Zeitschriftlieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags- : Anstalt) erschienen sind, entnehmen wir folgende interessante Aus­führungen über das religiöse £ eben de s tibetani­schen V olkes : Tibet ist wahrlich ein religiöses Land. Aber es ist nicht genug mit diesen Tempeln, die gewöhnlich auf der Küppe eines pittoresk gelegenen Berggipfels erbaut sind, von helfen lotrechten Abhängen ihre weiß und rot gemalten Steinmauern euiporgewachsen zu fein scheinen und von deren DachplaUsormen man immer die wunderbarste Aussicht über die Täler, Flüße und Seen hoben Tann, die sich in der Tiefe wie auf einer Land­karte vor dem Auge ausbreiten. Nein, Heiligenbilder gibt es überall; auf jedem Paß, wo nur die allerunbedeutendste Straße sich hinzieht, ist einHla" errichtet, eine Steinpyramide, die von mehreren Steinhaufen umgeben ist. In diesen sind Stangen sestgesetzt, zwisck>en diesen Stangen lausen Schnüre, die mit flattern­den Wimpeln behangen sind, alle mit der heiligsten aller Ge- betsformcln beschrieben:On mani padme hum." Aus Fclien- vorsprüiigen längs der Wege hat man kubischehortens" in Rot und Weiß errichtet, stets mit Lappen, JVabofa", und andern Opfergaben behängt; in den Seiten der von Wind und Wetter glatt polierten Granitfelsen findet man oft gigantyche Buddhabilder eingehauen, und auf herabgestürzten Blöcken lieft man in riesen­großen Buchstaben die ewige Formel:On mani padme hum , die sechs Silben, von denen jede einzelne ein ganzes Meer tiefer, unergründlicher Bedeutungen besitzt und die zusammengenommen den Weg zu einer höheren und glücklicheren Existenzform onnen. Und säst täglich reiten wir anManer ingnws" vorüber, Stein­mauern, die mit dem Weg parallel gehen, oft 100 Meter lang uiid dicht belegt mit Schiefertafeln, in Die mit unglaublicher Muhe die heilige, wundertätige Formel eingemeißelt tft:Dn mam padme hum." Diese Manes sind oft tri hohem Grade pittoresk, an den beiden Enden erheben sich oTt Heine kubische -vurme mit einer Nische, in deren Halbdunkel der 23anbercr ein ^tein ge schnittenes Götterbild von oft großer kunstlerücher ^llenbung erblickt. Auf diesen zahllosen Cbfcrbugeln stnd «uh Massen von Yakschädeln und Kramien von Wildlchafen und -Attlopen niedergelegt. In den Hörnern des Yaks und leinen oeblncksten Stirnknochen ist die ewige Formel emgeichnitten und die SWftben mit Not oder einer andern der heiligen Farben ausgcfültt. Auf allen Hausbüchern in Städten und Dörfern ist ein ö<Wt Wald von Stangen mit Wimpel schnüren dazwuchen ausgebaut, und da die Wimpel sehr bunte und ^retenbe ^arben .l^ben, erinnert das Ganze an eine Sammlung von Ruten, wie wir sie in der Fastenzeit daheim haben. An allen ben 4-unnen, wo Verkehrslttaßen über ben -tianpo und ttnbere t)I n geb und wo Lederfähren für die Karawanen bereültegen, finb itoun» pelstangen undHla"steinhaufen errichtet. In leber narawan hat wenigstens einer, gewöhtttich mehrere ^vn den t

Gebetszylinder in feiner Hand, Mit Hilfe eme§ ®eroigt3 rottfrt derselbe um die Achse des Schafte-; er ist vollgepftopft mtt Papierstreifen, auf denen die heilige ö_ormel taufet* und aber tausendmal gedruckt i|t. Die ^Nöen ^ag^e hmbuick), wie mg^ d(e .Reise auch währen mag, dreht der fromme lerne Geoeis-

Anerkennung der Presse.

In der letzten O arm sk ü b t e r Stadtvervrdnetcufitzuug berührte der Oberbürgermeister Morneweg bei der Emp­fehlung der Zeppelinfpende von 5000 Mk., die außerordent­liche dankbare Tätigkeit der Presse, insbesondere der hessi­schen Presse, welche sofort nach dem Bekanntwerden des Ballonunglücks ohne jede weitere Anregung von außen in impulsiver Weise zu einer freiwilligen Spcnde ausgefordert und damit die Begeisterung zu einer mächtigen Höhe ent­flammt habe, wie sie seit den Zeiten von 1870/71 nicht mehr vorhanden war. Die Presse habe sofort die Stimmung des Volkes richtig erkannt und ihr allein habe man den Erfolg zu verdanken. Er habe deshalb diese Stimmung nicht durch bureaukratische Vorschriften beein­flussen wollen und mit einem Aufruf zuruck ge­halt e n, den er dann später mit dem Hinweis erscheinen ließ, daß auch die Stadtverwaltung das Vorgehen der Presse in geeigneter Weise unterstützen werde.

Ein Konzert zugunsten Zeppelins hatten die Kapellmeister der beiden Darmstädter Artillerie-Kapellen veranstaltet und nach der Abrechnung wurden 174 Mt. für die Spende abgeliefert. Wie sich jetzt herausstellt, wurde bei dieser Abrechnung für jeden der 60 mitwirkenden Musiker dcr übliche Tarifsatz von 4 Mk. und für die beiden Kapellmeister je 20 M5, zu-

Ein rheinischer Industrieller, der feit Jahren mit der Sache in Fühlung stand, ist derFr. Ztg." zufolge als leitender kaufmännischer Direktor engagiert, und neben den alten wissenschaftlichen Mitarbeitern sind neue um ihre Mitwirkung ersucht worden. Es wird sich naturgemäß zu­nächst darum handeln, die Werkstätten und Hallenanlagen ju erweitern, ehe man an den Bau lveiterer Luftschiffe geht, für die Platz und Hafen geschaffen werden muß. Der Wiederaufbau des zerstörten Schiffes kann nicht von heute auf morgen beschlossen werden, da man den gemachten Erfahrungen gemäß Verbesserungen plant, die jetzt in Ruhe konstruktiv überlegt werden können. Zunächst wird das Modell 1907 einem Umbau unterzogen werden, wodurch es ca. 900 Kilogramm mehr Tragkraft und einen entsprechend vergrößerten Aktionsradius gewinnt. Im H e r b ft können mit diesem dann Fahrten gemacht werden, die man aber als Fernfahrten nach bestimmten Zielen auszuführen keine, Veranlassung hat. ES drängt eben 511111 Gluck keinerlei Notlage mehr. Da die Aufsafsung der Daimler-Werke, es seien durch mangelhafte Oeluug die Ntotordefekte verursacht, nicht ganz von der Hand zu weisen ist, wird eine positive erste Verbesserung dahin erstrebt werden, durch geeignete Vorrichtungen eine ausreichende Leluuy der Lager auch bei Schräastellung des Fahrzeugs zu erzielen.

Vom Prinzen Heinrich ging dem Grafen Zeppelin aus Fredenkshavn folgendes Telegramm zu:

Mit inniger Teilnahme erluhr Flotte auf hoher Cee Miß­geschick, welches Ihr Luftschiff betroffen. Tie mir unterstellten ÖlsizierkorpS, durchdrungen von Wert und Zukunft Ihrer Be­strebungen, haben aus freiem Antrieb sofort -Sammlung als Bei­trag zum Neubau veranstaltet, deren Ergebnis ich Ihnen von Kiel zttstellen werde, und die ich Sie bitte anzunehmen als Zeichen unentwegten Vertrauens zu Ihrer Person, sowie zu Ihrer Lebens­aufgabe. Heinri ch, Prinz von Preußen,

Admiral und Ehef der Hochseeflotte.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hörte gestern vormittag auf Schloß Wilhelms- hvhe den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Grafen von Hülsen-Häseler.

Neuer englischerBotschafter. Dem Vernehmen nach ist als Nachfolger des im Herst aus dem Tienst scheidenden großbritanniscken Botschafters Sir Frank Lascelles, "ber groß­britannische Botschafter in Wien Sir William Gescheu in Aussicht genommen.

Die Mitglieder des badischen Landtages wurden gestern mittag um 12 Uhr vom Großherzig im Residenzschloß emp­fangen, wo um V22 Uhr Frübftückstafel ftattfanb.

Der bayerische Landtag vertagte sich gestern bis auf Weiteres.

Der Kaiser wird Ende September gelegentlich seines Jagd­aufenthaltes in Rominten, voraussichtlick, zweimal in Caoinen weilen. Bevor bet Vkonarch in Rominten eintrifft, wird cr mit der Kaiserin und den jüngsten Kindern in (Sabinen den zehnjährigen Besitz dieser Herrschast festlich begehen und zu der "Feier zahl­reiche Einladungen ergehen lassen.

Zur Affäre Schücking hört daSB. T", daß der Schleswiger Bürgermeister Plewka seine Aussage über feine Unter­redung mit Dr. Schücking beeidigt hat-

Graf Zeppelin hat bereits Schreie getan, um gewisser­maßen als Beauftragter des deutschen Volkes fein Unter­nehmen weiterzusühren, wozu ihn die reichen Mittel der Volksspende in

Ausland.

Deutschland und England. Die Tatsache, daß bei dec Enttevue zu Ervnberg ein Staatsbesuch des englischen Königs­paares in Berlin verabredet wurde, erregt in London lebhafte Be­friedigung. Die unionisttsche Daily Graphic erklärt das Ereignis für umso erfreulicher, als kein Staatsbesuch König Eduards bei Kaiser Wilhelm fällig sei. Er sei deshalb dem berühmten Ver­söhnungsbesuch König Eduards in Paris im Jahre 1903 zu ver- gleidyen. Es sei zu hoffen, daß er dieselben Folgen einer politischen Entente von der festesten und dauerndsten Art nach sich ziehen werde.

Die Gerüchte, daß der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand dem König von England in Vkarienbad einen Besuch abftatten werde, werden von informierter Seite als un­begründet bezeichnet.

Der deutsche Kronprinz hat nach den in Ischl ein» getroffenen Meldungen die Absicht, nach Ischl z u kommen, aufgegeben. Er begibt sich über Possenhoien direkt nach Berlin-

Der König von Schweden trifft am 17. oder 18- 9to» öember zum Besuch in Frankreich ein. Seine Anwesenheit wird eine Wock>e dauern. Von Paris aus fährt der König nach England-

Die belgische Kammer nahm gestern den letzten Ar­tikel des Kvlonial-Gesetzes an und beendete damit die erste Lesung der Vorlage.