Ausgabe 
15.7.1908 Erstes Blatt
 
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das

Ge-IZehl ein- Archit«

besichtigen.

Leo Berg, der Berliner Literaturkritiker, einer der mar­kantesten Wortführer der neueren Tendenzen, ist, 46 Jahre alt, einein Gehirn schlag erlegen. Bero trat Ende der achtziger Jahre hervor, als die Losung von derRevolution in der Lite­ratur" ausgegeben worden war. Als Verfechter der Bedeutung Ibsens begann er, dein Individualismus hat er die Hälfte seiner Arbeiten gewidmet. Bergs wichtigste Aussätze erschienen im Llterar. Echo".

Das Vorgehen des Verbandes Bayerischer Melallindustrieller beschäftigte dieser Tage die in Berlin zu einer Vertreter- Konferenz versamnrelten Abgeordneten der imSozialen Ausschuß von Vereinen technischer Privatcmgestcllten" ver­einigten Technikerverbände. Es herrschte allseitige Ueberein- stinrmung darüber, daß der Geheimerlaß des Verbandes

Bayerischer Melallindustrieller einen unberechtigten Ein­griff in die gesetzlich gewährleistete Koa liti o nSfreih e i t der Privatangestellten darstelle. Ebenso war man sich darüber einig, daß die Aufrechterhaltung dieser Freiheit unumgänglich notwendig sei, um durch orga n i satoris ch en Zu sarn rn en - schluß die soziale und wirtschaftliche Lage der technischen Privatangestellten zu verbessern. Die Organisationen der technischen Privatangestellten waren bisher bemüht, dieses Ziel im Wege friedlicher Vereinbarungen mit den Unternehmern zu verfolgen. DaS Vorgehen des Verbandes Bayerischer Metallindustrieller aber ist nur geeignet, diesen Weg ferner­hin zu versperren. Wenn daher künftighin der Kampf um die Verbesserung der Daseinkbedingungen bei den Privatangcstellten schärfere Formen annehmen sollte, so würde diese veränderte Taktik dem Unternehmertum zur Last zu legen sein. Die im Sozialen Ausschuß vertretenen Tech­nikerverbände erklärten, daß sie zur Sicherung der Koalitions­freiheit die angegriffenen Organisationen, insbesondere den .Bund der technisch - industriellen Beamten" in jeder Weise unterstützen wollten. Es herrschte auch kein Zweifel darüber, daß der gegenwärtige Rechtszustand unzulänglich, daß es insbesondere notwendig sei, die Verhinderung am gesetz­mäßigen Gebrauch der Koalitionsfreiheit unter Strafe zu stellen. Die vorstehend skizzierten MeinungS - Aeußerungen wurden in einer Resolution niedcrgelegt.

Das Nürnberger Gemeinde-Kollegium ge-

Slickereien und neue Frauenkleider.

Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft. Im Leydener Cryogen-Laboratorium wurden 50 Kubikzentimeter Helium verflüssigt und zwei Stunden laug flüssig er­halten. Nun ist auch das Honorar bekannt, das dem Präsi­denten Roosevelt von den Brüdern Striben, den Besitzern von Seribners Magazine, für die Veröffentlichung seines afri­kanischen Jagdtagebuches gezahlt wird. Roosevelt erhält 300 000 Mark Anzahlung, dann werden die Berichte zu einem Bande vereinigt alsRoosevelts Jagdabcnteuer ' in den Handel gebracht, und Roosevelt erhält vom Barerlös dieses Werkes 25 Prozent. Bis heute hat Roosevelt, der sich schriftstellerisch häufig betätigt höi, an Honorar die Kleinigkeit von 600 000 Mk. verdient. Der 60jährige Historienmaler Wessely, der seit Jahren als Sonderling in Wien gelebt und mit niemand verkehrt hat, wurde in seiner Wohnung tot aufgefunden.

>ch aöcnS 67 Uhk.

Lungenkranken unb h.

& iinc in Heilstätten, igehörigen zur Bermrdi "Voil.

Botschafter Cambon über die politische Lage.

Der französische Botschafter in Berlin, Cambon, hat am Samstag beim Empfang der französischen Kolonie im Ber­liner Botschaftsgebäude, der aus Anlaß des französischen Rationalfcstes stattfand, über die allgemeine politische Lage sich geäußert.

Die französische Kolonie in Berlin, so sagte er, sei eine Gemeinschaft friedlicher Arbeit in Handel und Industrie; sie repräsentiere in Berlin das arbeitsame Frankreich und ge­reiche ihrem Vaterlande zur Ehre. Dann fuhr er fort:

Es hat den Anschein, als ob man sich im Augenblick darin gefiele, die Ruhe Europas durch allerhand beunruhigende L ä r m g e r ü ch te zu störe n. Man dürfe sich aber dadurch nicht a u s r e g e n lassen, denn alle Regierungen seien aut den Frieden angewiesen: sie kennen seinen Preis. Darum lassen Sie uns den Pejsimisinus fernhalten, lassen Sie uns nut bestem Vertrauen in Zukunst schauen, mit dein Vertrauen, das alle Schwierigkeiten dec Lage Hinwegräumen wird bei allen denen, die den guten Willen dazu haben. _____

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Hesse«, rantsurt a. M. bejiit )skar Müller, Frank

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versteigert

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nehmigte folgenden Antrag:

Ter Stadtmagistrat Nürnberg wolle bei Vergebung seiner Arbeiten und Lieserungen nur solche Unternehmer berücksichtigen, die ihren technischen Angestellten, Handlungsgehillen und Arbeitern ' Koalitionsrecht gewähren und es nicht beschränken."

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Ausland.

Das österr. Abgeordnetenhaus nahm eine Re­gierungsvorlage betreffend die Entschädigung der Familienangehörigen von zu einer Waffenübung einberufenen Reservisten an.

Mit der Entvölkerung Frankreichs, die von denkenden Franzosen so viel beklagt wird, befaßt sich Fouillse in einem Buch. Im Laufe von 45 Jahren hat Frankreich im Vergleiche zu Deutschland an Bevölkerungszahl sozusagen neunmal Elsaß-Lothringen verlor-n. Fouillöe gibt hierfür in sehr bedeutendem Maß auch dem Alkoholisrnus schuld, der in der Tat bei unseren westlichen Nachbarn sehr stark zugenommen hat, namentlich in Form des ganz besonders verhängnisvollen Absinthgenusses, der z. B. in den zehn Jahren 18851894 sich fast verdreifacht hat. Dies wiederum hängt offensichtlich zusammen mit der durch ein Gesetz vom Jahre 1881 gewährten völligen Schankfreiheit, durch die Frankreich um 100 000 neue Schankstätten bereichert wurde.

Römischen Nachrichten zufolge beschloß der ital. Kriegs­minister die Errichtung einer großen Kanonenfabrik in Turin. ,

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. Juli 1908.

**VomGroßh. Hof. Prinzessin Heinrich von Preu­ßen traf gestern pon Kiel kommend in Wolfsgarten ein. Heute früh reist die Prinzessin nach St. Moritz weiter.

** Landtagswahlen. In Bu tz b a^ch kandidieren der seitherige Abgeordnete Joutz, Oelönorn Fenchel-Griedel (Bund der Landwirte), Oekonom und Bezirksvorsitzender des Bundes der Landwirte W. Fenchel-Oberhörgern (Deutsch- sozial). In Groß-Umstadt-Dieburg der seitherige Abgeordnete Hauck-Schaafheim (Teutschsozial und Bund der Landwirte), Oekonomierat Walter-Lengfeld (nat.-lib.). In Darmstadt-Stadt voraussichtlich Rechnungsrat Götz (Deutschsozial), in Groß-Gerau event. Amtsrichter Mahr (Deutschsozial). Oberlehrer Werner-Worms kandidiert nicht.

** Die diesjährige Rekruten ein st ellung findet nach den Bestimmungen des Generalkommandos vom 7.10. Oktober d. I. statt.

Die Krise im Flottenverein

scheint den Verlauf zu nehmen, den wir voraussahen: die aufgeregten Wasser beginnen langsam zu verrinnen. Wohl sind mehrere Austritte erfolgt. Daneben fehlt es nicht an mancherlei Kundgebungen des Vertrauens und die Kühleren, Bedächtigeren meinen: man müßte sich zunächst einmal die Dinge ansehen und abwarten, wie der Groß­admiral v. Koester und die man ihm beigesellte, sich geben werden. Auf der andern Seite verlautet: die Ausgeschie­denen bereiteten einendeutschnationalen Bund" vor, dem dann wieder General Keim und Fürst Salm vor­stehen würden, einen Bund, der seine Tätigkeit aus alle nationalpolitischen Lwensgebiete erstrecken will. Aehnliches hat auch bereits zu Ende der vorigen Wocheein Herr, der jahrelang im Flottenverein eine leitende Stellung inne» gehabt hat" (wie ihn ein Berliner Blatt einführte) einem Ausfrager verraten. Die Herren also meinten, als sie so lärmend auf die Bayern losfchlugen und auf alle, die nicht mit ihnen gleichen Sinnes waren, gar nicht mehr den eigent­lichen Flottenverein. Ihnen ging es um etwas Neues, um das Gebilde ihrer heißen Wünsche. Daß wir in Deutsch­land zu den bestehenden polit. Parteien unD vaterländischen Verbünden noch unbedingt einer neuen Organisation bedürf­ten, die sich durch ein besonders reizbares Nationalgefühl kennzeichnet, das wird kein ruhig Deutender zugeben können. Ganz im Gegenteil, eine solche Institution tonnte nur un­nötig böses Blut im Auslande machen, und wäre also nicht sowohl überflüssig, als vielmehr schädlich.

z [ e n b o r < bei Berlin geführt, eine Schöpfung der rchitekten Campbell & Pullich. Es ist eine ganz her­vorragende Leistung, die nn§ in diesen 19 Abbildungen und Plänen als Verkörperung der Lebenslust und Natur'reude entgegenirilt. Dieses Haus ist zugleich ein Charakteristikum iür dessen Besitzer, den Begründer und Inhaber der weltbekannten Auskunstei, und dessen Gattin, die älteste Tochter des Nibelungensängers Wilhelm Jordan. Etwas Neues bringen die nächsten Seilen: Tie Wieder­verwendung der lange vernachlässigten Terrakotta in^ einem weichen mattorange Ton zum Schmuck der Gärten und als archi­tektonisches Einzelmaterikil. Tie Arbeiten sind ausgeführt von der Großh. keramischen Manusaktur in Darmstadt, dem Material sind höchst charakteristische Fornien gegeben. Auch über das Wieder­aufleben der Wiener Porzellanbearbeitung erhalten wir Ausschluß und nehmen wahr, daß in der gediegenen, breit und krästig wirken­den Arbeit der Breslauer Kunstschule unb Direktor H. Poelzig unb I. Taschner eine wertvolle Grundlage zur Hebung der schlesischen Industrie sich heranbildet. Es folgt endlich die ganze Serie der neuen österreichischen Briefmarken in ihrem von Pro­fessor Kolo Moser entworfenen schmucken Gewände, unb zuguterletzt

kleines FeuMeton.

Vom Museunr des Oberhessischen Geschichts­oereins zu Gießen. Dank dem Entgegenkommen der Stadt­verwaltung war der Oberhejsische Geschichtsverein in der Lage, 22 Porträts von Gießener Ratsschöffen aus dem 17. unb 18. Jahrhundert, sowie einige Wappentaseln in Stanb zu setzen. In anerkennenswerter Weise hat Carl 2 e i b een. biese Arbeit ausgesührt. Unter den Bildern befinden sich charakteristische Köpfe unb Trachten, bei teilweise sehr guter Aussühmng. Alte Gießener Nameii von gutem Klang, wie Balthasar Schupp, Oswald, Ebel, Kempf u. a, lesen wir. Freudig wäre es zu begrüßen, iveiin im nächsten Jahre nochmals Mittel zur Renovierung der letzten 50 Bilder bewilligt würden. Ter Wilhelm Gatl-L-tiftung ist eine schätzenswerte Bereicherung durch eine größere Ama hl Fayencen aus dem 18. Jahrhundert zuteil geworden. Aus demselben Zeitalter stammt ein schönes Kruzifix mit Perlmutter­auflagen , Gescheiik eines Gießener Bürgers. Auf dem Trieb imirben in diesem Monat mehrere vorgeschichtli ch e Gräber geöffnet. Tie Aiisgrabimg eines Hügels war bejoiiders interessant. Es trat eine regelrechte viereckige Steiiipackung zutage, die 2 Bieter tief und 3:2 Meter breit war. Am dem einen End^ befand sich em auffallend großer Stein, mit noch unausgetlärten Schriitzeichen (Runen?) versehen, die römischen Zahlen ähneln. Im Verlaufe der Ausgrabung kamen noch mehrere derartige, aber kleinere Steine vor. In unmittelbarer Nähe dieser Fundstätte sind im vorigen Jahre mehrere Brandbestattungen aiis dem 5. nachchristlichen Jahr­hundert aufgedeckt worden. Die Mittel für diese Forschungen stellte, wie seither, eine hiesige Dame in fremtdlicher Weise zur

Schöpfungen aus den 80 er und 90 er Jahren, darunter diel sandtschait" von 1881, bis zu den neuesten Werken, wie der Wem bergsvilla von 1907, überall unterstützt und ergänzt durch ein reiches Material von Skizzen und Entwürfen. Daneben findet man eme Auswahl Zeichnungen und Studien des Meisters, Arbeiten, die ziim Teil noch nie öffentlich gezeigt sind. Bon plastischen Hauptiverken enthält die Ausstellung neben dem erst jüngst in Bronzegnß vollendetenAthlet" die farbige Büste der Frau Aseni- jefi, die überlebeiisgroßen Porträts von Liszt und Nietzsche, das große ReliefSchlafendes Mädchen" und vieles andere. An Radierungen sind neben den wichtigsten Einzelblättern die Folgenden Rettungen ovidischer Op'er",Dramen",Eine Liebe",Vom Tode I und II",Brahms Phantasie", rc. zu sehen. Die Ausstellung, zu der ein illustrierter Katalog mit Vorwort von Prof. Dr. Julius Vogel, dem Direktor des Leipziger Museums, erschienen ist, bleibt bis zum 27. September geöffnet und ist bi5 dahin täglich zu

Das Julibeft der ^Deutschen Kunst und Deko­ration" (Herausgeber Hoirat Alexander Koch-Darmstadt) bringt die erste illustrierte Publikation über die Darmstädter Hess. Landes-Ausstellung, in deren reichem Bilderinaterial die vielseitige Gestaltung der Ausstellungs = Architektur zur Geltung kommt. Der zweite Aussatz des Juli-Heftes macht uns mit einem interessanten Künstler-Ehepaar Mebiz-Pelikan in Dresden bekannt. Während die kürzlich verstorbene Emilie Mediz ihre Kinder- porträts und Landschaften mit einer gewissen mütterlichen Innig­keit behandelt, jucht Carl Mediz sein mächtiges Temperament an Urgebirgs-Zirbelstämmen mit starkem Pathos auszuleben. Darnach werden wir in das heitere Landhaus Schimmelpfeng in

nung unter diesen Umständen unmöglich ist, so hat er eine Abreise angetreten.

Frauen von Odde hatten gebeten, am Montag abend in der Landestracht von ihren Booten aus dem Kaiser ihre Huldigung darbringen zu dürfen. Ter Kaiser nahm sie mit Interesse entgegen und ließ den Be­teiligten danken.

Minister Breitenbach hat angeordnet, das; auf den Eisenbahnen die Eil güterzügc bedeutend vermehrt lverdcn sollen. Er wünscht, daß sowohl die Schnellzugslokomotive als auch die durchgehende Luftdruck­bremse, künftighin als Regel bei allen Güterzügen ein geführt werden soll. Ter Wunsch des Eisenbahnministers geht dahin, daß der fahrende Eil-Güterzng Personen Schnellzugsgeschwindigkeit erreiche und daß in den bisher stagnierenden Güterverkehr neues Leben ge bracht werde. Noch im Herbst soll man zur Ausführung dieser Verordnung schreiten.

Dem Königsberger Oberlandesgerichtspräsidenten Wirtl. Geheimrat Dr. v. P l e h w e ist die Würde des Kanzlers im Königreich Preußen verliehen worden.

Die neuen Dreimarkstücke drohen das gute Ein­vernehmen der Bundesstaaten zu stören. Nach einer Zei­tungsmeldung sollen sie auf dem Avers das Bild d e * Kaisers tragen. Süddeutsche Blätter erheben nun leb­haft Einspruch hiergegen in der Annahme, daß die künftigen Taler" das Bildnis des Kaisers ausschließlich tragen sollen. Wir halten diese Annahme für irrig und den Protest schon aus diesem Grunde für gegenstandslos. Selbstverständlich werden wie bei allen anderen Münzen so auch beim neuen Dreimarkstück die Bundessürsten und Freien Städte das Recht haben, ihr eigenes Bild und Wippen zuverewigen".

Verfügung. ,

Eine Klinger-A us st ellung wirdinFrank- f u r t a. M., wie man uns von dort schreibt, am 16. Juli im Kunstoerein eröffnet, bie einen Ueberblick über baS gesamte Schassen des großen Leipziger Meisters als buller, Zeichner, Radierer unb Bilbhauer gibt unb als eine der größten Ausstellungen gelten darf, bie bisher von Klingers Werken veranstaltet wurden. Die Reihe der gezeigten Gemälde beginnt mit dem Erstlingswerk3er Neber- urgeüugs-oiiueinuminc.i mn <a(t" (1877) und sübrt vorbei an einer Reihe der interessantesten! werden wir m das heitere L

Nr. 164 Erstes Blatt 158.Jahrgavg Mittwoch IS. Juli 1908

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Sonntag». - Beilagen: A fr fr.fr mR fr fr fr Jfr fr jfr fr fr jährlich Mk. 2.20; durch

viermal wöchentlich M fr AB Abhole- u. Zweigstellen

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wtrlsthaMtche Settiragen Nr iS V ® V auswarrs 20 Pfennig.

SS Seneral-Anzetger für Oberheffen

8ofafloitsönt<! HhO Verlag Oet VMeichen Univ.-Vach. nnö SteinOrnierel. R. £attge. Kcöattbn, (Erpcöttion und Druckerei- Schulstratze ?. Ameigenteil: H. Beck.

Hl vormittags 10 Uhr. - -

Eine neue Verschwörung gegen den Zaren.

In dem polnischen Fabrikorte Sosnovice an der schlesischen Grenze wurde am 13. d. M. eine Verschwörung gegen daS Leben des russischen Kaisers entdeckt. Die Ver­schwörung war planmäßig angelegt und weit verzweigt, ihr Hauptsitz Sosnovice. Am Montag abend wurden mehr als hundert Personen, Männer wie Frauen, ver­haftet, weitere Verhaftungen stehen bevor. Der Bahn­hof ist mit Gendarmen und Kosaken besetzt, der Grenzverkchr sehr erschwert. Gestern sind 130, seit dem 1. d. M. 350 Personen aus gewiesen worden.

Deutsches Nesch.

Aus Drontheim in Norwegen wird gemeldet: König Haakon weilte hier, um Kaiser Wilhelm, der Don­nerstag kommen sollte, zu erwarten. Er hat jedoch er­fahren, daß der Kaiser erst Samstag eintreffen kann. Der König kann solange nicht warten und da die Begeg-

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

politische Lagesschau.

Liberale Einigung in Theorie und Praxis.

Der freif. Abg. Dr. Müller-Meiningen hat am letzten Sonntag im ,2ag* einen Artikel über die Einigung des Liberalismus veröffentlicht. Den 2lnlaß dazu hatte ihm bet Gesanitliberale Kongreß" von München geboten. Er hält nicht viel von den Bemühungen, aus ein Losungswort hin die liberalen Massen aller Schattierungen zufammenzufchließen. Und eS ist ja auch kaum ein Zweifel, baß die an sich so wünschenswerte Einigung be§ Liberalismus nur auf dem Wege langsamen organischen ZufammenwachfenS erzielt werden kann. Dr. Müller-Meiningen möchte bie Anfänge dieses Prozesses in die Parlamente verlegen und denki dabei, scheints, zunächst an eine Weiterbildung und Ausdehnung des Jnsü- luts der FraktionSgemeinschaft. Dazu schreibt die ,Rat.-Lib. Korresp.":

Darüber würbe sich vielleicht reben lassen. Nur müssen wir berSiationalztg." recht geben, baß wie bort von einer parla­mentarischen Feber bargelegl wirb bie preußischen Lanbtags- wahlen in ber Beziehung viel verdorben haben. Es ist währenb des Aufmarsches mancherlei von hüben und brühen gesündigt worden, worüber wir nicht weiter rechten wollen, weil es |id) am Ende kompensiert. Ader der Fall des Dr. Tuns bleibt, auch wenn noch lo mild und in verzeihender Stimmung rechnet und richtet, als äußerst gravierendes Faktum bestehen. Unb diesen Treubiuch barüber kommt man doch nun einmal nicht hinweg hat bie frei­sinnige Partei schließlich gebilligt, inbeni sie Dr. Duus in die Fraktion aufnahm. Nach unserem Gefühl dürfte es den 91a tional- liberalen schwer werden, auch nur die bisherigen Be­ziehungen zu einer parlamentarischen Gruppe aufrecht zu erhalten, die Dr. Tuns als vollwichtiges. Aiitglied ziert. Woraus man wieber einmal sieht, wie recht bie Engländer haben, wenn sie lehren: ebarity beging at hörne. Auch die Einigung hat damit anzufangen, daß man zunächst eimnal aufhört, einander die Fenster emzuwerfen.