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15.6.1908 Erstes Blatt
 
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Verantwortlich für den oolilifchen Teil: E. Anderson; f. Feuille­ton und ,93ermi|d)te5* P. Wittko; fürStadt u. Land" undGerichts-

Nr. 138 Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 15. Juni 1908

Der Siebener Anzeiger .

erscheint täglich, außer Ä

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General-Anzeiger für Oberhessen

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gj RotatlonsdruS und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei. R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Anrligentell^H^BeL

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

gibt es bei uns wohl faum eine einzige Brauerei, in welcher die Gärbottiche direkt mit Ammoniak oder Schweflig- säure gekühlt werden. Nun ist aber ohne weiteres einzu­sehen, daß dies indirekte Arbeiten, bei dem man die Kälte erst auf ein weiteres Kühlmittel, nämlich die Salzsole, über­trägt, einen gewissen Arbeitsoerlust mit sich bringt, der beim direkten Kühlen mit Kohlensäure oder Ammoniak ent­fällt, weshalb man neuerdings bestrebt ist, möglichst direkte Kühlung auszuführen. Ties gilt insbesondere für Schlacht­höfe, weil es sich hier in erster Linie um eine sanitäre Ein­richtung handelt, für welche man selbstredend nicht mehr Kosten aufwenden will, als unbedingt nötig. Auch ift bei der direkten Kühlung das Abtauen der Kühlrohre viel leichter ausführbar.

Die Kohlensäure ist nun das einzige Arbeitsmittel, das man ohne die geringsten Bedenken überall direkt an­wenden kann, weil es absolut nichts schadet, wenn durch Unachtsamkeit usw. Kohlensäure aus den Leitungen aus­strömt. Schenkt man doch überall mittels der eingangs genannten Kohlensäureflaschen in den Restaurationen Bier in der Meise aus, daß mau die Kohlensäure mit ent­sprechendem Druck auf das Bier strömen läßt, um ihm die Frische und den guten Geschmack zu erhalten.

Mit der Kohlensäure kann man also ohne jede Gefahr für das Kühlgut direkt kühlen und dabei sehr ökonomisch arbeiten, indem man den Arbeitsverlust der indirekten Kühl- weise erspart.

Bei Ammoniak- und Schwefligsäure-Maschinen dagegen sucht man die Gefährlichkeit für das Kühlgut dadurch zu mildern, daß man wenigstens die Flanschenverbindung der Rohrleitung nicht in den eigentlichen Luftstrom bringt. Verringert ist dadurch die Gefahr, aber nicht beseitigt, denn Materialfehler können auch erfahrungsmäßig in den Rohren selbst Vorkommen.

Auf die weiteren technischen und hygienischen Vorteile des in Rede stehenden direkten Kohlensäure-Luftkühlers, nämlich seine ungleich kürzere Abtauzeit, wegen Verwen­dung größerer Temperaturdifferenzen, die vollständige Ab­sperrung des abtauenden Teils aus dem Luftstrom, wodurch direkt die Trocknung und die Bazillenfreiheit des abtauenden Rohrsystemes in einem von anderer Seite nicht erreichten Maße bewirkt wird, sowie auf die Vorteile oes Rippen­rohrsystems können wir hier nicht weiter eingehen. Es

Zum (5. ZllNi.

Vergiß die treuen Toten nicht!" Es ist heute der Todestag Kaiser Friedrich HI., des Gütigen. Allzufrüh, nach einer Regierung von nur 99 Tagen, mußte er aus dem Leben scheiden. Ein tragisches Geschick! Müs der hohe Verblichene seinem Volke zu sein gedachte, hat er in seinen beiden Proklamationen, mit denen er seine Regierung er­öffnete, dargetan. Seit! hochherziges Programm auszu­führen, war ihm nicht beschieden.

Kronprinz Friedrich Milhelnr von Preußen gehört zu den Mitbegründern der deutschen Einheit. An den Kriegs­erfolgen von 1866 und 1870 hat er hervorragenden Anteil. Mehr noch hat er gewirkt durch die Macht seiner Persönlich­keit/ Die ritterliche Gestalt, das freundliche, leutselige Wesen, die Begeisterung für alles Gute und Schöne mußten jeder­mann einnehmen. Mit den Königen von Sachsen, Belgien und Italien, mit dem Prinzregenten von Bayern verband ihn innige Freundschaft. Nicht bloß den Großen der Welt toar er zugetan; er hatte gar oft auch für den schlichten Mann aus dem Volke, für den gemeinen Soldaten ein anerkennendes Wort. Unter seiner Führung hielten sich die Soldaten für unbesiegbar. Redlich teilte er mit ihnen Entbehrungen, Anstrengungen und Gefahren. Und auch die Ehren des Sieges wollte er nur mit denen ernten, die an dem Verdienste Anteil hatten. Wer erzählt all' die schönen Züge der Herzensgüte, die überall sich zeigte, wo er im Volke erschien? Er ist der Liebling des deutschen Volkes geworden,unser Fritz", den Bayern und Schwaben ebenso lieb und wert, wie den Pommern, Schlesiern, Branden­burgern und Rheinländern.

Ein Held im Dulden nnb Leiden! Weihnachten 1886 wurde Kronprinz Friedrich plötzlich heiser, und er fürchtete schon, beim Neujahrsempfang vor seinem Vater im Namen der Prinzen des königlichen Hauses nicht sprechen zu können. Aber die Stimme wurde wieder klarer, bis Ende Januar 1887 ein Rückfall eintrat. Sein Leiden war Kehlkopf- Krebs. Innigen Anteil nahm man überall, als im Früh­jahr 1887 die Kunde von der ernsten Erkrankung des da­maligen Kronprinzen in die Oeffentlichkeit drang. Eine Kur in Ems war ohne wesentlichen Erfolg. Auf den Rat . Lv.' Leibarztes begab er sich in <r Be^udlbng dbS eng­lischen Spezialisten Morell Mackenzie (sprich: Meckenzie), der leider die Symptome ' der Krankheit mcht er­kannte und das Leiden ohne operativen Eingriff zu heilen glaubte. Die Kur schien anfangs günstig; der Kronprinz erschien öffentlich bei den Festlichkeiten des 50 jährigen Re­gierungsjubiläums seiner Schwiegermutter, der Königin von England. Hierauf nahm er einen langen Aufenthalt in Schottland und begab sich dann nach Tobtach in Tirol. Eine Luftröhrenentzündung mit heftigeni Erstickungsanfall ver­anlaßte seine schleunige Abreise nach Italien, wo er zuerst in Baveno uni) dann in San Remo Aufenthalt nahm. So schmerAich auch diese lange Abwesenheit des Kronprinzen empfunden wurde, so kam doch bald beruhigende Nachricyt in die Heimat. Da, wie ein Blitz, traf tm November.1887 das ganze Volk die Nachricht, daß des Kronprinzen Zustand eine Berufung bedeutender deutscher Aerzte und Spezialisten notwendig gemacht hätte. Eine Exstirpation des ganzen Kehlkopfes hielten die Aerzte für lebensgefährlich, und )o tonnte sich die Behandlung nur auf lindernde, hinaus- schiebeude Mittel beschränken. Die Verschlimmerung des Uebels machte einen Luströhrenschnitt notwendig, der. von 2r. Braman aus Berlin am 9. Februar glücklich ausgesuhrt

Zur Errichtung der Gießener Uühlaniage.

Die Frage der Errichtung einer Kühlanlage bei unserem Schlachthaus beschäftigt gegenwärtig die Stadtverwaltung. Ter nachstehende, von sachverständiger Seite Herruhrende Aufsatz wird daher erhöhtes Interesse beanspruchen dürfen.

Tie Einführung maschineller Kühlanlagen in bte In­dustrie liegt jetzt schon etwa 35 Jahre zurück, emc für die rasch fortschreitende Entwicklung moderner Technik ver­hältnismäßig lange Periode.

Es war berechtigt, wenn man damals der allgemeinen Leistungsfähigkeit des Maschinenbaues von ganz anderen Gesichtspunkten aus Rechnung trug, als dies heute geschieht, wo die Hüttenkunde in der Raffination und Verarbeitung von Stahl und Eisen und die Herstellung von Legierungen Fortschritte gemacht hat, wie auf wenig anderen Gebieten. Mir erinnern hier speziell an die mittlerweile großgewvrdene Industrie der Rohre von Mannesmann und anderen, welche mnen ständigen Truck von 500 Atm. und darüber aushalten mU1 Ohne diese Entwicklung wäre es weniger leicht ge­worden, Kohlensäure in Stahlflaschen zum Hausgebrauch und in Gastwirtschaften ganz allgemein zu benutzen. Auch wäre es wohl nicht so rafch dazu gekommen, daß Kliniker unb viele Gewerbe Sauerstoff für ihre Zwecke gefahrlos und heilbringend verwenden, «nachdem zur Ge­sinnung des Sauerstoffs ein Druck von 200 Atmosphären sicher gehandhabt werden muß. Auch die hohe Voll­kommenheit unserer heutigen Feuerwaffen, die Fahrrad­industrie und der Automobilismus wäre ohne die genannten aroßen Fortschritte der Metallindustrie einfach undenkbar.

Vor 35 Jahren hat man eine derartige Entwicklung nicht als so selbstverständlich voraussetzen können, wie wir dies heute tun. Deshalb wird man es verstehen können, daß die Industrie der Kältemaschinen, als sie in ihrem Ansang-stadium war, mit Vorliebe zu Uebertragungsmitteln

Am 9. März 1888 starb sein Vater, Kaiser Wilhelm, und sofort eilte der todkranke Sohn in die Heimat, um seiner Regentenpflicht zu genügen. Tie anstrengende Reise, die aus dem sonnigen Süden in den rauhen Norden ging, wir hatten gerade heftiges Schneegestöber taten ihm nicht gut. Die Last der Regierung machte ihm Sorge; denn trotz seiner Krankheit ließ er es sich nicht nehmen, mit dem Rest seiner Kraft für das Wohl des Vaterlandes zu arbeiten, lieber seinen ju|tanb war er nch klar. Er wußte, was ihm bevorstand, Beim Beginn d^r Krankheit äußerte er:Im Kriege hätte mich eme Kugel treffen Eönnen; aber fie hat mich verschont. Diese Krank- heil ist eine Kugel, die langsam auf Mich zukommt und mich treffen wird, früher oder später, tote Gott will.

Durch sein heldenmütiges Dulden ist Kaiser Friedrich seinem Volke, ein Lehrer geworden. Mit kindlicher Gott­ergebenheit ertrug er sein Geschick, tote denn setn -tebltngs-

lieb war: . _ ,,.

Wem der Herr em Kreuze schtckt. Laßt es uns geduldig tragen, Gläubig zu ihm aufgebltckt. Wird den Trost er nicht Verlagen, Denn es t'jmme, wie es will.

Seine KLbWl^LZLstatt mahnt:Lerne IC ^eb ] ein er* ttergebenheit war es die unbedingte Pflichttreue, die ihn bei oll seinem J-mmer immer wred-r ÄMSWÄtfoS» Ke % ä ssästäK

Baier dem Jüngling, als er ihn rn das OfftzleErps ein- sührte, sagte i2a tue Schuld gkert! hat nie ein Sohn treuer und gewrstenhaster cquiit.

Bevor Kaiser Friedrich von Charlottenburg nach Pots­dam übersiedelte, besuchte er noch einmal die alten Plätze, die ihn an eine glückliche Zeit erinnerten. Wehmütig nahm er Abschied von ihnen. Im Schloß Friedrichskron, wo er geboren, ist er auch gestorben. In der Friedenskirche zu Potsdam hat er Frieden und Ruhe gesunden an der Seite seines großen Ahnherrn, des Königs Friedrichs II.

Dem königlichen Dulder ein dankbares Angedenken! e

Uongretz derüvangelischen Arbeitervereine.

S. u. H. Hall e, 12. Juni.

Der Gcfamtvcrband b?r evangelischen Arbeiter-Verein: Deutschlands trat hiev zu seiner 18. Hanptversannnlunng zu­sammen. Nach den üblichen Begrüßungen erstattete der Vor­sitzende Sic. Web er den Jahresbericht, in welchem er das ruhige Fortschreiten des Verbandes hecvorhob. Der Verband umfaßt jetzt 580 Vereine mit über 90 000 Mitgliedern, lieber die soziale Tätigkeit des Verbandes teilte der Referent mit, daß an vielen Orten evangelische Arbeitersekretäre neuangesttllt wurden. Die dem Verbände angeschlossenen Spar- und Bauvereine, Rechtsaus­kunftsstellen, die Kranken- und Sterbekassen hätten sich ebenfalls erfreulich weiterentwickelt. Die Kranken- und Sterbekasse besaß int Jahre 1907 136 Verwaltungsstellen und umfaßte 8396 Mit­glieder. Einen ganz bedeutenden sozialen Fortschritt bringe das seit Jahren angestrebte Arbettskammergesetz, wodurch die Arbeiter­schaft zum ersten Mal eine gesetzliche Vertretung erhalte. Zum Schluß wies der Referent auf den Rücktritt des Staatsministers Grafen v. Posadowsky hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sein Nachfolger ein ebenso treuer Freund der evangelischen Ar­beitervereine werden und die von Posadowsky begonnene soziale Arbeit weiter fortsetzen möge. An diese mit lebhaftem Bestall aufgenommenen Ausfüllungen schloß sich eine längere Debatte, in der die Stellung der evangelischen Arbeitervereine zu den Ge­werkschaften eingehend erörtert wurden. Mehrere Redner krttstier- ten hierbei scharf den Reichsverband zur Bekämpfung d e r S o z i a l d e m o k r a t i e , der mit seinen Schriften den evan­gelischen Arbeitervereinen in den Rücken gefallen sei. Der Reichs- verband unterstütze systematisch die gelben Gewerkschaften und schädige so die evangelischen Arbeitervereme. Enn Beschluß in dieser Hinsicht wurde ober nicht gefaßt. Reichstagsabg. Dr. Stresemann referierte sodann über das Thema: Arbeit e r und Kolonialpolitik und legte die Vorteile der Kolomal- volitik für die Arbeiterschaft dar. In der zweiten Sitzung re- jerierte Generalsekretär Martin (Witten) über das Karte ll- wesen. Er legte folgende Leitsätze vor:Die wirstchaft- liche Entwicklung vom reinen Aararstaat zum Agrar- und Indisttrie- stvat so? u die Busammenbali'fv. des .'"ls u.t. do?

der Großindustrie hat schon recht früh in den beteiligten Kreisen den Wunsch auskommen lassen, den Konkurrenzkampf durch frei- willige Vereinbarungen abzuschwächen. Schon im vorigen Jahr­hundert entstanden die ersten losen Bereinigungen von Unter­nehmern, die sich durch die rapide Bildung der Großindusttie wirt­schaftlichen Krisen ausgesetzt fallen. Die Unternehmerverbande (Syndikate, Kartelle usw.) zur Regelung der Produktion und des Preises sind, weil sie Instrumente zur Bekämpfung einer Ueber- produttion und Schlenderkonkurrenz darstellen, grundsätzlich be­rechtigt und erwünscht, da jede Ueoerproduktion Krisen zeitigt, und die Schlenderkonkurrenz auf Kosten des Arbeiters ihr Ta,ein fristet Ter gewaltige Umfang der Unternehmerverbände ,owre die immer schärfer durchgeführte Organisation läßt aber ander­seits die volkswirstchaftlichen Gefahren erkennen, die iedes Privat- monopol in sich bürgt. In Anbetracht der Uebergriffe der Kartelle nm Syndikate, die vielfach eine dirette Schiidigung unserer vater- ländischen Industrie und des Handels darstellen, halten nur em Kartell- und Syndikatsgesetz für unentbehrlich." Zum Schluß wurde eine scharfe Resolution gegen den Bund vaterländischer Arbeitervereine angenommen. Ob­wohl dieser Bund bei seiner Gründung erklärt habe, er wolle an solchen Orten, wo bereits konfessionelle Arbeitervereine bestehn, seinerseits keine Vereine begründen, habe er doch in Dresden, Zittau unb anderen Orten sogenannte Vaterländische Arbeitervereine ge­gründet Fahre der Bund in der Gründung von Vereinen fort, ,o würden die evangelischen Arbeiter-Vereine darin eine Feindselig­keit erblicken müssen. Nachdem noch Hannover als Ort für die nächstjährige Vcrtteterversammlung bestimmt worden war, wurde der Kongreß geschlossen.________

griff, die mit niedrigem Druck arbeiteten und so auf das Ammoniak und auf Schwefligsäure kam, trotzdem diese Sub­stanzen äußerst giftig sind und leicht lebensgefährlich toerden.

Der Grad der Gefährlichkeit des Ammoniaks wird da­durch gekennzeichnet, daß schon ein Gehalt von Prozent in der Luft sehr lästig und ein solcher von 1/2 Prozent bereits lebensgefährlich ist; Ammoniak hat eine starke Affinität zum Wasser, es dringt deshalb schnell in die Schleimhäute der Augen und der Atmungsorgane zerstörend ein und macht so die Menschen wehrlos gegen weiteres Unheil, tocil sie geblendet und betäubt toerden, so daß sie zur Flucht aus den vergifteten Räumen meistens keine Zeit mehr haben und darin erliegen. Ernstliche Schädigung und dauernde Arbeitsunfähigkeit treten auch in, solchen Fällen ein, in denen es gelingen mag, die Betroffenen vor dem Tode zu bewahren.

Zu den sonst so streng gehandhabten Betriebsvorschriften unserer Fabrikinspektion steht dieses Arbeiten mit giftigen, scharfen Gasen eigentlich in krassem Widerspruch. Die Un­fallstatistik beweist unwiderleglich, daß die vorgeschriebenen Retttmgsapparate hier nicht ausreichen, die Gefahren wirk­sam zu beseitigen.

Haben wir doch hier in Gießen erst vor anderthalb Jahren selbst einen solchen Fall zu beklagen gehabt, bei dem an einer Kühlmaschine mit schwefliger Säure zwei Arbeiter der Brauerei der Herren Friedel & As Prion so ver­unglückten, daß der eine Arbeiter sein Leben einbüßte und der" andere ernstliche Schädigung davontrug. Erst wieder im Januar dieses Jahres wird ein ähnlicher Fall aus Wien an Ammoniakmaschinen und ein gleicher vor wenigen Tagen aus Hamburg gemeldet, und einer erst am 4. Juni aus Ludwigsburg. Das sind warnende Beispiele, die unter allen Umständen Beherzigung verdienen.

Ebenso ist bei Verwendung von schwefliger Säure- und Ammoniak-Maschinen das Kühlgut stark gefährdet.

Alle Lebens- und Genußmittel, besonders Fleisch, toerden von dem widerwärtigen Geruch, den namentlich das Ammoniak hat, im Geschmack verdorben.

Daß trotz bester Ausführung und Wartung auch bei geringstem Betriebsdrucke Undichtheiten auf die Dauer nicht zu vermeiden sind, zeigt folgendes Beispiel:

Wo eine Leuchtgasleitung liegt, riecht trotz dem dichten Verschluß der Leitungsrohre mit der Zeit das ganze Erd­reich nach Gas: das hat jeder schon bemerkt, wenn in der Stadi die Straßen aufgewühlt toerden.

Als die Ammoniakmaschinen vor 35 Jahren aufge­nommen wurden, sanden fie ihr erstes Arbeitsfeld bei den Brauereien. Da lag der Schwerpunkt noch nicht so sehr in einem ausgeprägt großen Wirkungsgrad der Leistung und der Absatz der Kühlmaschinen war trotzdem reichlich, weil die sehr kapitalkräfttge Brauereiindustrie an sich großen Nutzen aus der künstlichen Kühlung zog.

Man kühlte die Bierkeller usw. indirekt, indem man innerhalb der Maschineneinrichtiing zunächst Salzwasser ab­kühlte und diese kälte Sole dann in die Keller schickte. Die Kühlung des Bieres in den Gärbottichen aber besorgte man durch gekühltes Süßwasser, damit beim Undichtwerden des Kühlers nicht das Salzwasser in das Bier kommen kann. Diese Vorsicht übt man heute noch allgemein, trotzdem in diesen Kühlern nur ein Druck von etwa V2 Atm. ist. Man ist sich eben darüber klar, daß Undichtheiten durch Zufällig­keiten überall auftreten können, und riskiert nicht gerne einen Sud Bier. Weit schlimmer als Salzwasser wirkt aber Ammoniak und Schwefligsänre auf das Bier, deshalb