Ausgabe 
10.4.1908 Erstes Blatt
 
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tztadtv. Dr. Brermer nur insoweit nicht zu, als fw das Koalitionsrecht der städtischen Beamten beträfen, für das er jederzeit eintrete. Menn in der Eingabe von den Lehrern gesprochen werde, könne er nur sagen, daß die Lehrer bereit seien, mit den Beamten gleichgesteift zu werden. Tie Ein- aabe zeuge von geringem Erkenntnis der allgemeinen wirt­schaftlichen Lage der Steuerzahler und die Bewilligungen würden, wenii sie int allgemeinen bekannt geworden seien, mohl von vielen als zu weitgehend bezeichnet werden.

Stadtv. Löb er ist mit den Ausführungen des ötabtö. Dr. Biermer völlig einverstanden und meint, man solle ohne weitere Debatte dessen Antrag zustimmen. _

Die Versammlung nimmt den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung einstimmig an.

Omnibus und elektrische Bahn.

Wie Stadtv. Grünewald ausführt, hat die Generalver­sammlung der Omtubusgesellfchaft beschlossen, den Fahrpreis von 10 aus 15 Psg. zu erhöhen, was auf Grund der besiehenden Ver­träge von der Stadl zu genehmigen ist. Im Aulsichtsrat war man über die Erhöhung verschiedener Meinung, er selbst war dagegen, weil er burd) die voraussichtlich eüurelende Alinderüequenz eher eine Verringerung wie eine Steigerung der Einnahme erwarte. Ferner solle die stadl das Deftzll des letzten Jahres in Höbe von etwa 7800 Alk. übernehmen. Es ist hervorqern'en durch die teueren haierpreise, sowie durch die außerordentliche Abnutzung des lebenden und toten Inventars iniolge des üblen Zustands des enaßen» Pflasters. Ferner habe die Gesellschast beschlossen, die Ltadt davon zu benachrichtigen, daß spätestens bis 1. Oktober 1909 der Betrieb eingestellt werden müsse. Er könne nicht weiter geführt werden mit Rücksicht aui den Zustand des Inventars, sowie wen bis dahin das Gesellschaitskapital aufgebracht sei und bei weiterer Fortführung des Betriebs die gesetzliche Haftpflicht der Genossen in Anspruch genommen werden müsse. sDlan teile dies jetzt schon mit, weil bis dahin weiiigstens eine Lime der elektrischen Bahn fertig sein könne, wenn der Bari nut allem Eifer betrieben würde, ,voran fa nicht zu zweifeln sei (Heiterkeit). .

Leig. Georgi ist der Ansicht, daß man daS Defizit über­nehmen müsse. Die Fahrpreiserhöhung halte er sür keinen glück­lichen Gedanken, sie werde wohl kaum höhere Einnahmen bringen. Hebet die evtl. Einstellung des Betriebs solle man nach ferner Meinung heute nicht beschließen. Es sei wohl nicht möglich, bis zu dem angegebenen Termin die elektrische Bahn zu bauen, ivas an dem Zustand der Straßenherslellung liege. Weirn man den DnmtbuSbetrieb emstelle, bevor die elektrische Bahn gebaiit sei, werde das Fehlen des Verkehrsmittels unliebsam empiunden werden. Er sei der Ansicht, daß mit der Ankündigung der Belriebseinstelluug ein Druck aus die städtischen Behörden ausgeübt werden solle, die Bahn bald zu bauen. Aber auch ohne diese Aussicht werde dies so wie so geschehen.

Stadtv. Grünewald wiederholt, daß über die Betnevs- einftellung noch kein Beschluß zu fassen sei. Es sei richtig, daß man mit ihrer Ankündigung einen gewissen Truck ausuben wolle, aber keinen illoyalen. Die Absicht der Betrieoscinstellung sei ge- r.cktfertigt, die Omnibusgesellschast könne nicht mehr aufrecht er- iten werden, weil man den Genossen nüfn Minuten könne, außer u;ren Antellen auch noch die gesetzlichen Hanpstichweitt^ge zu ver- lieren. Außerdem würden bei einem Welteroetrieb über den alt- gegebenen Zeitpunkt hinaus die Ausgaoen und damit das Dejiztt noch größer werden. Was die beabsicytigte Fahrpreiserhöhung aw belange, so sei die Meyrheit des Aufjichtsrates zu der er nicht gehört habe der Ansicht gewesen, daß deshalb nicht weniger gefahren werde, well sich ein gewisses Stammpublikum heran- gebildet habe, das wegen der Erl-öhung den Omnibus nicht meiden werde.

Der Oberbürgermeister weist daraus hin, daß die Stadt­verordneten wiederholt schon beschlagen hatten, zu verhindern, daß die Genossen der Omnibusgesellschast üoer ihren Äntell hinaus herangezvgen würden. Er bittet weiter um Auskunft, ob die im Voranschlag stehenden 3000 Mk. Zuschuß in den 7800 Ml. Defizit enthalten seien.

Stadtv. ber weist daraus hin, daß eine stattliche Minorität nn Aussichtsrat gegen die Erhöhung gewesen sei. Mit dem Be­schluß, 1900. den Bettieb einzustellen, hoffe man zu erreichen, daß endlich die Arbeiten für die elektrische Bahn ernstlich in Angrig genommen werden. Man solle nach Professor Dr. Sommers Vor­schlag jetzt wenigstens eine Linie vom Hauptbahn Hof durch die Stadt in Angriff nehmen. Mit der bevorstehenden Pilasterung dcL Straßen müsse unbedingt die Legung der Schienen für diese Linie erfolgen. Er sei für baldige Jnangriifnahme der elektrischen Bahn und meine, wenn man für den Omnibus 10 000 Mk. Zuschuß gebe, könne man für die elektrische Bahn ganz gut 10 00012 000 Mk. Zuschuß aus der Stadlkasse geben.

Stadtv. Haubach i)t für die Deckung des Defizits, aber dagegen, daß wettere Gelder ilir neue Wagen usw. ausgewendel werden. Er sei trotz des allseitigen Willens, die elektrische Bahn bald zu bauen, davon überzeugt, daß man am 1. Oktober 1909 sie noch nicht haben werde. Das Sorniner'sche Projekt sei zurn- ieil ganz gut, aber wenn es, wie Pros. Sommer meine, in zechs Jahren ausgeführt werden solle, werde man mit einem Zuschuß von über 100 000 Mk. zu rechnen haben. Gegenüber dem Stadtv. Löbep (der auf das Anervielen einer Firma, bie Bahn für 400 000 Mk. zu bauen, in der seinerzeitigen Bürgervereinsversammlung im Leib'schen Saal hingewiesen hatte), wolle er bemerken, daß eine Gesellschaft doa) auch nur die Bahn bauen werde, wenn sie ihre Rechnung dabei finde. Wenn gebaut ivetbe und die Stadt das Defizit zu tragen habe, solle man die Sache doch selbst machen. Gegen eine Erhöhung des Omnibus-Fahrpreises habe er nichts, wenn der Fahrpreis üt 2 Zonen verschieden sei. Vielleicht könne manchen Markt als Grenze nehmen.

Stadtv. Troß bemerkt, nach seiner Kenntttis seien die 3000 Mk., die als Zuschuß im Voranschlag stehen, nicht in den 7800 Mk. Defizit einbegriffen.

. Stadtv. Wallenfels schließt sich den Ausführungen des Berg. Georgi an, daß man das Defizit übernehmen müsse um> erwartet von einer Erhöhung keine Mehreinnahmen.

Stadtv. Krumm spricht sich ähnlich aus und verweist auf die schlechten Erfahrungen, die man in dieser Hinsicht bei der Bahn mit der Fahrtartensteuer gemacht hat. Im übrigen meine er, daß der Obervürgerineiiter keine rechte Freude an der elek­trischen Bahn habe, wenigstens keine solche, wie beim Theatervau. (Heiterkeit.) Man solle wenigstens einmal eine Linie batd bauen, bann werde man sehen, wie sich die Sache finanziell madje. Gleich­zeitig fragt er an, wie es mit den Hausanschiüisen stehe, da doch deren Fertigstellung mit der Pflasterung der Straßen in iunigcin Zufammenhang stehe.

Der Vorsitzende erwidert, daß die Frist sür die Anschlüsse bis aus wenige gewährte Ausnahmen abgelausen sei und man die Säumigen dem Amtsgericht zur Bestrasung ang^eigt habe. Tie Vorarbeiten für die elektrische Balm seien soweit gefördert, daß er bis Zuni ober spätestens Juli der Versammlung hierüber Vorlage zu machen hoffe.

Stadtv. Tr. G u t f l e i s ch teilt die Anficht derer, die den Omnibusmhrpreis nickst erhöhen wollen. Was die Meinung betreue, baß bte Stammgäste die Fahrgelegenheit beshalb nicht weniger benutzen wurden, so sei dies ja möglich, aber die Haupteinnahmen brachten hoch die Massen, die den Omnibus benutzten. Es sei ja viel such üblich, die Stammgäste schlecht zu behandeln, aber bei einem solchen _ Unternehmen halte er es nicht für an­gebracht. ^jedenfalls müsse man das Unternehmen halten, selbst wenn es die erlabt etwas koste. Bezüglich der elektrischen Bahn sei er ber ..icinung, wenn man nicht damit ansänge, werde man nicht fertig. Man müsse jetzt energisch der Sack)e näher \ vafcan blc kommisfariscksxn Arbeiten ei|ng pfnh-Phm im ^-ublikiim cme geivisse Beruhigung

den ,->arkgang der Vorarbeiten müsse von Zett de richtet werden. Er sei daraus gefaßt daß cincc /olche Verbesserung der ganzen Be/kehrch oerhaltnisse und eine Hebung der Bedeutung der Stadt selbst be- teSi erreicht wero. n Änne, lieber die Höhe

-?u werden, sei schon etwas wert. Er bitte Pßji Oberburgeruieister, eine Kommiss um zu bilden, uild baldigst

Der Hauptgewinn b c r 9Jt a r t e n b u r

Bis zum Ersa;einen bec

in Höhe von GO 000 Mk. fiel auf von 20 000 Mk. auf Nr. 155 842.

rienburger £otterie Nr. 235 069; ein (ikuhnic

Universitäts-Nachrichten.

In W i e n ist am 8. April der Derinaiotoge posrat Prosesscik Franz Mraczek im 60. Lebensjahre gestorben.

Gerichtssaal.

B e r l i n, 9. April. In dem Prozeß wegen der Wahl, r e ch t s d e m o n st r a t i o n e n am 21. Januar fällte heute abend das Landgericht das Urteil. Von den Angeklagten erhielten die Haupträdelsführer Albrecht, Lillge und Matm chek wegen Aufruhrs je sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung von je zwei Monaten Untersuchungshaft. TKe anderen Angeklagten kamen mit geringeren Gefängnis­strafen dovan.

Landau, 9. April. Die Strafkammer verurteilte den Weinhändler Wingert er wegen Wein fälsch ung zu einer Gefängnisstrafe von 21/2 0 n a t e n. Zirka 63 000 Liter

Wein wurden eingezogen.

München, 9. April. Vor dem S ch w u r g e r i ch t be­gann heute der Prozeß gegen den Schutz mannSchauer welcher beschuldigt ist, seinerzeit den Studenten Mo­sch e l aus Lambsheim in der Pfalz gelegentlich einer nächt­lichen Sistierung e r s ch 0 s s e n zu haben. Tie Verhandlung, die drei Tage beanspruchen dürfte, wurde heute ausgefülli mit der Vernehmung des Angeklagten und einer Reihe von Zeugen.

Breslau, 8. April. Die erste Strafkammer der Landgerichts verhandelte gegen den Arbeiter Paul Beiler aus (Santi) wegen Majestälsb eleidr gung. Der Genchtshoi war der Ansicht, daß der Angeklagte weder böswillig noch mit lleberleguiig gehandelt habe. Auf Grund des Gesetzes vom 17. Februar wurde deshalb auf Freisprechung erkannt.

Märkte.

§ (9 n berg, 9. April. Schönes, aber immer noch kalt^ Wetter begleitete unseren heutigen ersten Frühlrngsmarkl, Mu ,0 ft e r m a r 11*. Der Schiveinemarkt zeigte starke Auffahrt M Zungfchiveinen. Tie Nachfrage danach war sehr stark ; der paiuj- ging sehr fließend. Die Preije standen in keinem Verhältnis zu *- letten Schweinen; sie waren hoch.Es tauts", jagten Die Vertausch Bezahlt wurde für das Paar Ferkel geringster Sorte 40-bU zweiter 5060 Alk., erster 6070 Mk. Der Riiidviehnmrkt zenn schwache Auffahrt bei stockendem Handel. Tie Preise füriHmOUWj waren mäßig.

amtliMii Ziehungsliste find biefe Zahlen jedoch ohne Gewähr-

Ter P 0 st l 110 n Dlrosek vom Bismarckhütter Poflaml (Cbei- fchlesien), der ans dem von ihm geführten Postwagen 17 UOU DL geft oi) le 11 hatte, ist jetzt bei Königshütte ieftgeiiommen worden. In der Zwischenzeit hat sich Mrozek m Berlin, Leipzig und Franl- uirt awgebalten. Von dem Postranb sind 11000 Alk. veigrabein auigeiunden worden; weitere 4uüü 'JJif. fand man bei feiner Mini« versteckt. Alrozet hatte noch luou Alk. bei sich, sodaß der Gejani!- verlust der Postbehoide nur noch lOuO Mk, beträgt.

In dem Waioe bei M'u»teii (.«Lt/iveiz) ueryafiele die Zürichs: Polizei einen unter dem Namen Zigeunerkönig gefürch­teten Landstreicher namens Emil Hausmann aus Tübinger.,, per in Begleitung feiner 18 juijrigen Geliebten und einer 2U- iöpjigen ^tgeuiurbanbe jahrelang Wälder SüddeuhchlamÄ und der Schweiz unsicher machte. Bei der Verhaitllng lei|tf.- cr verzweisetten Widerstand und wurde erst überwältigt, nac^- bem er durch einen Reoolverjchuß verwundet war und fri dem lieben bringen eines Baches sich ein Bem gebrochen Hadi.

Berlin, 9. April. Aus noch nicht ermittelter Ursache kam heute in dem 9lenbau des , Alite-Hotel" Gro ßfeuer aus, das großen Schaden anrichtete. Drei Feuer wehr leuie wurden bei dem Einsturz eines Treppenhauses lebensgefährlich verletzt, von denen einer feinen Verletzungen im Krankenhause erlegen ist. Zwei weitere sind an R a u ch v e r g ttt u ng er­krankt. Heilte wurde in Plötzenjes die fast völlig verweile Leiche eines etwa Zbjährlgen Mannes aus dem Svandauer Schiffahrts- kanal gezogen. Der Unterkiefer war zertrümmert und die Wange aufgeschnitten. Wie die Ennittelungen ergaben, handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein Verbrechen.

Meine Tageschronik.

In Paris ist üu.|Ct -vage uic liije oes einstigen Kammer- diencrs, jetzigen päpstt. Grafen Jametel mit der Her­zogin Marie zu j>N eckle nb urg-S t r el itz geschieden iucEDen. Gras Jarnctel war zum Termin nicht erschienen, iväfr reild die Gväsin, die iuegen ehelicher Untreue aus Scheidung llagte, persönlich anwesend war. Der Graf wurde für schul­dig erklärt. Das älteste Kind, ein Sohn, der sich bei bei Mutter des Grasen tn Cannes aus hält, wurde dem Vater zugc- ipDoojen, wahrend das jüngere Töchtercyen bei ber Großherzrgui- Wltive von Meckleitburg-Serclitz bleiben wird.

In Breslau ist der Vo l ks schull e hr er Franz Grzegorz, der den R e ch t s t a n b i d a t e n H ä n i 1 dj im ©treu erstochen hatte, aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Es wird angenommen, daß er in der Notwehr gc- handelt hat.

Im ganzen Riesen-, Fichtel- und Erzgebirge: ist ein Wvtnrsturz eingetreten. Es herrschen Schneestürme.

Arruft unö Wissenschaft.

Die Heimatschutzbewegung ist, wie uns gt*- schrieben wird, derart gewachsen, daß die Satzungen des Bundes Heimatschutz eiucr Neugestaltung bedürfen. Ztt: Vorberatung fand jetzt in Berlin eine erweiterte Vo» standssitzung statt, an der 22 Herren außer Vorstand^-!' Mitgliedern Gäste und Vertreter einzelner lokaler.Heima. schutzoereine teilnahmen. Die neue Organisation fickt'! einen Bund von landschaftlichen Heimatschuf" vereinen unter Beibehaltung einer festen Zentralstes vor. Die Gebiete der Landesvereine sollen mit den G-' bieten der Bundesstaaten, für Preußen mit denen der Pr:-»- vinzen zusammenfallen. Eine Reihe dieser EinzelvereiW bestehen bereits oder sind in Vorbereitung.

Kleine Kunstchronik. Alphons Friedrich Dürr, d»r Verleger Ludwig Richters, Bonaventura Genellis, Friedrich Prellt-- des Aelteren uud anderer Künstler ist im Alter von 80 Jahren v. seiner Vaterstadt Leipzig gestorben Frau Herrnme E l a ai»> Delia, die Gattin des Frailkfurter Schauspielmdeulanieii, cse früher an den Bühnen zu Hamburg, Leipzig und Berlin, auch 0 ' Gastspielen sich als ausgezeichnete Salondame zeigte, beging ari 8. d. M. ihren 60. Geburtstag. Eine nitcrehaiite Klage iu'-j deninächst 111 Ü)l ü 11 ch e 11 zur Verhandlung kommen. Ter fruhesir bekannte Dirigent des Keim-Orchesters S ch u e e v 0 g e l klagt geg-^ 5 Alitglieder dieses Orchesters, ivcgen Beleidigung. Dabei ivi'-ck wird vermutlich die Atünchener Musikkrisis eine recht gründlic°r Besprechung erfahren. ~

Mriginal-DraytmeLHungen.

Berlin, 10. April. Der Vertrag über oie Nenreg < * lung der Grenze zwischen Dentsch-Kameruw und d e r f r a n z ö s i s ch e ri K 0 n g 0 - K 0 l 0 n i e ist ge|te^ abend von den deutschen und französischen Delegierten ur" terzeichnet lvorden. Der erste Vertreter der jran5o|W' Delegation, Tuchesne, ist bereits gestern abtnb wieder m" Paris abgereist, nm dem Kolonialminister noch vor ocsM Abreise in die Kolonien Berichl zu erstatten.

mit den Vorarbeiten zu beginnen. In 14 Tagen ttwa könne die Kommission wohl gebildet werden. Unter allen Fragen, die die Stadt in der nächsten Zett zu beschäftigen hatten, fei diese fo groß und -richtig, daß man sich ihr unter feinen Umstanden langer entziehen dürfe. (Lebhafte Zustimmung.) .

Wie der Vorsitzende mittcilt, ist bte mit der Frage be­schäftigte verstärkte Verkehrskommission mit ihren Vorarbeiten so wett gediehen, daß bis spätestens Juli eine Vorlage zu erwarten ist.

Stadtv. Heichelheim meint, man solle bezüglich ber Om­nibusfahrpreise einmal einen Versuch mit 15 Psg. machen. .

(Schluß folgt.) 4

Aus Stafci und Lund.

Gießen, 10. April 1908.

**Tageskalenberfür Freitag, 10. April. Stab t- Theater: Der große Tag. Anfang 8 Uhr.

** E x z. D e r n b n r g, der zur Beerdigung feiner Groß­mutter nach feiner Vaterstadt Darmstadt gekommen war, reifte von dort gestern nach Rom, da er seinen vierwöchent­lichen Urlaub in Italien verbringen will. Er wird Anfangs Mai die Amtsgeschäste wieder übernehmen.

** Eine Sitzung des Provinzial-Ansschus- sus findet am Mittwoch, den 15. d. M., Dorrn. 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: Enteignung von Gelände zur Durchführung des Ortsbauplans der Stadt Friedberg.

* Ausgestellt. Die vom Kellner- und Lohn- kellner-Verein Gießen auf der Kochkunst-Ausstellung erworbene Goldene Medaille und Ehrenpreis der Dank für Handel und Industrie (Depositenkas>e Gießen) ist im Fenster des Herrn Julius Schulze im Seltersweg ausgestellt.

" Diebstähle. Gestern nachmittag rouube in der Licherstraße em Fahrrad gestohlen. Der Eigentümer hatte es vor eine Wirtschaft gestellt und sich auf kurze Zeil in das Lokal begeben und als er heraus kam, war sein Rad verjchwuiideii. Eine Bauersfrau halte gestern hier in einem Laden Einkäufe gemacht und das Paket im Laden an die Türe gestellt, ohne dein Geschäftsführer davon etwas zu sagen. Sie entfeinte sich, um in einem anderen Geschäft noch etwas zu besorgen und als sie zurückkam und ihr Paket nehmen wollte, war es spurlos verjchivunden.

* Der Esel und seine Verwendung im W i r t s ch a f t s b c t r i e b. Im letzten Drittel dieses Monats erhält der Tierschutzverein zu Wiesbaden einen Transport von mehr als 30 ungarischen und italienischen Eseln, der schon voii,ländig öergrinen ist. Es zeigt dies, daß immer wettere Kreise den Nutzen erkennen, den die Verwen­dung des genügsamen, willigen und ausdauernden Arbeits­gefährten gerade den kleinen Landwirlen und Gewerbe- ireibenben bringt. In vielen Fällen haben die Geschäfte nach Anschafjung eines Efels einen solchen Aufschwung ge­nommen, daß die Leute schon nach wenigen Jahren sich Pferde kaufen konnten. Vielfach werden jetzt auch Maul­tiere an Sielle der Pferde uni) Och,en zu lanowirischastlichen Arbeiten verwendet, und wer einmal den Versuch mit solchen Halbpferden gemacht hat, ist voll des Lobes und prophezeit ihnen eine große Zukunft. Leider bricht fich das Gute nur sehr langsam Bahn, und der Bestand an Eseln und Maul­tieren ist nach den Ergebnissen der letzten Viehzählung in Deutschland ausfallend gering. Frankreich und Italien z. B. Verwenden Hunoerttan,cnde von Eseln und Maultieren m allen Wirtschaftszweigen, während wir einen Bestand von kaum mehr als 8000 Stück haben. Auffallend ist, daß in Preußen der Regierungsbezirk Wiesbaden die größte Zahl ausweist, was jedenfalls auf die Bemühungen des Tier- fchutzbereins zurückzusühren ist, nur allerbeste Ware zu im­portieren.

Grünberg, 8. April. In einer früher abgehaltenen Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte wurde Oekonom Ludwig Emmel auf dem Marthof bei Grünberg n. d. Grünb. Anz. beinahe einstimmig aufgeforbert, eine Kandidatur zur bevorstehenden Landtagswahl für den Wahlbezirk Grünberg anzunehmen. Er erbat sich dazu einige Wochen Bedenkzeit und erklärte, einer später anzu­beraumenden Versammlung Mitteilung machen zu wollen. Diese Versammlung fand am vorigen Sonntaa hier statt. Die Abstimmung ergab eine bedeutende Mehrheit für Herrn Emmel, worauf dieser sich zur Annahme einer auf ihn laHenben Wahl bereit erklärte.

() Selters, 9. April. Auf dem Gutshofe Konrads- dorf zogen Vor einigen Tagen polnische Arbeiterin» n e n ein. Eine davon gab einem Kindedas Leben. Gestern fand man unter einem Reisighaufen das Kind tot vor. Die Arbeiterin gestand ein, daß das Kind lebend zur Welt ge­kommen. Gericht und Kreisarzt Dr. Meßner waren gestern schon an Ort und Stelle und nahmen den Tatbestand aus. Die Mutter wurde ins Haftlokal in Ortenberg gebracht. Die Tat kam gelegentlich der Impfung, die an den Arbeitern vorgenommen werden sollte, an den Tag.

Das Urteil im Prozeß Hirschel.

Gießen, 10. April.

Tie hiesige Strafkammer verkündete heute vormittag daS Urteil in der Strafsache gegen den Landtagtzabg. H r r f ch e l.

Hirjchel wurde unter Annahme mildernder Umstände zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt. Tas Gericht hält ihn der U u r e r j ch l a g u u g in 6 F ä l l e n für schuldig, während cs bezüglich der übrigen 8 unter Anklage gestellten Fälle mangels ausreichender Bewerfe zum Freispruch gelangte.

Ter Gepflogenheit der Slrattammer enlsprechend, war es nicht angängig, mif die van der StaatsanwaUjchait beantragte Geld­strafe von 300 Mark zu erkennen, schon wegen der Hohe der ver­untreuten Summe, die den Betrag von nahezu 1200 Mark erreicht bat. Dazu kam der große Verlrauensnilßbrauch, da man dem Angeklagten allseits daS größte Vertrauen entgegen gebracht hat Tie Erkennung einer Geldstrafe hätte als Akt der Gnade angesekien werden müssen. Die Veruriellung erfolgte in den 2 Fällen «alb- henn, je ein Fall Huth, Befort, Luiker und Jungk, in ivelchen Fällen er Gelder für StartsfjeUieferiuigcn vereinnahmt und ver» 1 ratet zur Kasse gebracht hat. Es bestaub fein Zweifel, baß bte Manipulation nut dem (Selbe, bas durch Wolf jun.-Friebberg unter unrichtigem Namen von Darmstadt nach Friedberg geschickt wurde, ui der Absicht enolgt ist, darzutun, das Geld fei von ihm nicht vereiiiiiahmt geroejen, woraus |em Schuldbewußljein zu ent­nehmen ist. Tie Angabe Hrrjchels, er habe geglaubt, das Geld behalten zu dürfen, ist dadurch widerlegt, baß in den Büchern die schuld auf den Namen der Käufer fleht. Ob die VermögenL- uerbdltnifie Hirjcheis ungeordnet oder geordnet waren und ob er zu jeder Zeit gute Freunde hatte, bte ihm Gelb vorgejchofsen hätten mtcreilierte bet Beurteilung ber Sache nicht, da ber Tatbestand öcr Unterschlagung trotzdem gegeben fein kann. Eine solche An- »ahme ist nicht zu rechnertigeu, fönst wäre es ausgeschlossen daß em üermögenbev Mann eine Unterschlagung begehen konnte. Für dcn ersteren Fall tfalbbcnn, in welchen, es sich um 589 Btt han­delte, wurden 3 Wochen Gefängnis in Ansatz gebracht; der wettere Fall Kalbhemi mib die Fälle Huth, Sutier und Jungk wurden mit le einer Woche geahndet, während für den Fall Befort 4 Lage ©e- längniS aitgejetzt wurden, welche Strafen auf eine Gesamtstrafe von o Wachen zurückgeiiihrt wurden. S t r a t m 111 d e r u 0 wirkte der e'Äi'Äauöeu llL,'tVCU,C<SClil U"Cb CVie!i "U> -u-uu-no cm