Ausgabe 
9.12.1908 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

9Zr. 290 Drittes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

TieGießener $amiltcn,'lattcro werden dem »Anzeiger* viermal wöchen lich beigelcgl, das Krdsblott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Mittwoch 9. Dezember 1908

Merheßen

158. Jahrgang

Romtionsdruck und Verlag bet Drüh'.'schen UnwersilötS - Brich» und Siemdruckereu R. Lange, Gießen.

Redaktion, Exveditton und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: esssf 51. Liedaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigcrGießen-

SeKerm-MMZer

Zluffallend sind

gibt sogar Vielonen

müssen bei dec

Taufe Unter gelegt, Palen

das vierte Hauptslück hersagen, sie werden beschenkt, das Stopffifie» des Kindes wird ein Plappergroschen damit das Kind bald sprechen lernt. Außer den

so hats ein Pate nicht gern gehoben.

toe)i.ü<oiüß8fd)e Beoiruchrrmgeu der Statro» (ließet».

hessische Vereinigung für öollsfunöc.

An, Montag abend sand im Cafe Ebel der enie Mit- gliedecabend statt. Die Begrüßungsrede des Vorsitzenden, Pfarrers S ch u lte-Großcn-Lmdcn, war recht volkstünrlich gehalten. Wie in den Dörfern des nördlichen Vogelsbergs die Einwohner bei Besuch zu tun pflegen, so begrüßte er die Versammlung mit den Worten: »Seid auch willkomme". »Schön Dank*, antworteten die Gäste, und die Bekannten und Verwandten erwiderten: »Mir fein doch da". Das soll heißen: »Wir sind doch gekommen, wir gehören ja zu Euch*. Pfarrer Schulte führte weiter aus, die Volkskunde sei ein Hilfsmittel für die Wissenschaft, eine Brücke zwischen Vor­nehmen und Geringen; durch sie lerne man die Gedanken, Sitten und Bräuche des Landvolkes recht verstehen. Die Volts- künde sei also ein Mittel, die Stände etwas näher zu bringen. Die Vereinigung hat tin Oktober d. I. an der Versammlung der deutschen volkskundlichen Vereine teilgenommen. Dabei wurde der Beschluß gefaßt, im ganzen Reiche die Volkslieder zu sammeln nach dem Beispiele Oesterreichs, dessen Sammlung sich über ganz Oesterreich-Ungarn erstreckt und m drei Jahren beendet sein wird.

Pfarrer Moser-Wohnbach hielt nunmehr einen Vor­trag über »Sitten und Bräuche bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen m der Grafschaft Stolberg-Roßla". Der Redner war früher lange Jahre in der Grafschaft Stolberg-Roßla tätig und hat sich viel mit der Sammlung von Volks­liedern, Kinderreimen, Bräuchen u. s. w. beschäftigt. Viel­fach kreuzen sich dort altheidnische germanische und slavische Bräuche mit christlicher Vorstellungsart. Die Grafschaft liegt in der Goldenen Aue an der Helme, sie bestand aus den Teilen Roßla, seit 1341 im stolbergischen Besitz, und Kelbra. In alter Zeit wurden hier unter die Germanen slavische Kolonisten angesiedclt. Orte, Ausdrücke und Be­nennungen erinnern heute noch an diese. Ein Denkmal an

die fremdländischen Namen, c» unter den Mädchen. Knaben

Blumenziicht und Volkslied stehen in Blüte. Burschen und Mädchen durchziehen singend die Dorfstraße zum Tanz unter der Torfiindc. Volksbelustigungen, Schmauß, Trinkgelage, f8crcin§meicrcicn stehen in Blüte. Die drei höchsten Ereig­nisse im Leben, Taufe, Hochzeit und Beerdigung werden sehr- gefeiert und viele Bräuche und Sitten umweben sie. Zur Taufe nimmt man 34 Palen, man sieht auf gutgestellte Paten, die reichlich schenken. Ein Patenbrief wird gesandt, Patengroschcn, 20 50 Pfg , iverdcu dem Kinde unters Kissen gelegt. Vom Groschen wird etwas abgeschabt und dem Kind gegeben, das soll gegen Krämpfe schützen. Paten- geschenle gibt cs alljährlich an Weihnachten bis zur Konfir­mation. Ein pietätvolles Verhältnis herrscht zwischen den Paten bis ins Alter. Sind Burschen und Mädchen Pateu, so beschenken sich diese, der Bursch erhält ein Halstuch, das Mädchen einen Strauß/ Eine Frau, die guter Hoffnung ist, darf nicht Patin werden, sonst stirbt der Täufling oder ihr Kind. Der Patenbrief muß versiegelt sein, ihn überbringt die Kinderfrau, d. h. Hebamme. Am Kaiireitag finden keine Taufen statt. Sie werden meist Sonntags abgehalten, Tie -Musik bläst die Taufgesellschast nach der Feier ins Taufhaus. Uneheliche Kinder werden m der Woche »weggemachl". Tas Kind läßt man in den Brotschrank gucken, damit ihm später nicht das tägliche Brot fehlt. Schreit das Kind bei der Taufe,

kommen auch die Freßgevattern, Rachbarn und Verwandten zur Kmdtaufe. Dec Vater bekommt beim Schmaus nur Kartoffelschalen und Knochen, die Mutter die besten Speisen. Bei der Hochzeit fragt der Bursche das Mädchen:Willslc mit mich gehn?" Sagt sic ja, so sind sie ein Paar. Der

1 ' ""r inn i1' 1______1ii|n| M||iB»o|B|j___!^l s

freikaufen durch ein Geldstück. Die Brant näht sich ein Geldstück ins Brautgeld, der Bräutigam nimmt ein Stück Brot in die Tasche, damit eS ihnen im Leben nicht fehlt. Schneit es, so wird die Braut.reich, regnet cs, so werden in der Ehe Tränen fließen. Am dritten Tage nach dcr Hoch­zeit geben die jungen Leute em Fest. Braut und Bräutigam müssen mit verbundenen Augen tanzen. Den Toten müssen Aligen und Mund zugedrückt werden, sonst stirbt bald noch eins. Den Toten gibt man ein Geldstück in Hand oder Mund, den Kindern ihr Spielzeug mit. Dem Vieh wird der Tod des Herrn angesagt. Ein eigentümlicher Sarg­schmuck den man aber auch noch im Kreise Gießen trifft sind die Kronen aus Blumen gciuunbcn für Mädchen und Jünglinge. Reicher Beifall lohnte den Redner. Geh. Justizrat Dr. Schmidt weist auf Ueberblcibfel vom alt- germanischen Frauenkauf und Frauenraub hm, an welche auch viele der angeführten Bräuche erinnerten. An der Tis- kusnon beteiligten sich ferner Dr. Koch, Pfarrer Moser, Hofrat Haupt und Dr. Holzapfel, der besonders auf Aehnlichieiten bei Griechen und Römern hiuwies.

Dezember

£

? o .S

5 B -

V. <- 72. c o

Temperatur der 2u't

Libsolu'.e Feuchtigkeit

o 2

II

ex»

Windlrichtuug

0, 's

72»

2

Wetter

1908

8.

211

75'. ,8

7,2

6.1

80

WSW

2

Aed. Himmel

8.

9

749,7

4,8

6,1

96

ENE

4

Bew. Himmel

0.

748,1

3,6

o,7

97

ti

4

Bed. Himmel

Höcl)| Aiedr

e Tenn

»cvaim

am 7

. bis

3. Tez.

+

7,4 0 C.

alle

»

. 7

8. »

-v

4.1v

die Wendenzelt ist noch ein eigentümliches Marienbild. Auch vlämische Stämme wurden dort angesiedelt, sie sollten die sumpfigen Distrikte kultivieren. Welch kräftiger Menschen- schlag diese Vlamländer waren, ersieht man heute noch aus der Redensart »das ist aber ein vlämischcr Kerl*, d. h. em kern Hafter, starker Mann. Man findet also dort ein Gemisch von slavischer Lebenslust und deutscher Sentimentalität.

Polterabend wird tüchtig gefeiert. Kinder werfen Flaschen lind Töpfe an die Tür, sie erhalten Kuchen und Schnaps. Abends schießen die Burschen die Hochzeit an, so sollen die bösen Geister vertrieben werden. Bei dec kirchlichen Feier werden Blumen auf den Weg zur Kirche gestreut. Während des Zuges wird geschossen. Auf dem Heimweg wird von der Jugend durch Seile gehemmt, das Brautpaar muß sich

Am Gutesnbergdceikmal.

©emälele L. Bangem.

Fugenlose, massiv goldene

3F2

RodkeiuzerBtTasae 42

Sem«Ladt 56

In der letzten Saison 08 Stück vertäust.

6216

Biii

«S*o

wird billigst besorgt.

e--/

Ms? Schulze, KiWltz

.pparali

wyr heisstmmpr

in prima Qualitäten.

Ganz besonders empfehle sehr dauerhafte schwarze, lederbraune und farbige SC in d © t s t r li mp f e in allen Größen zu billigsten Preisen Steickwoll® -w per Piund von Mk. 2«50an.

Stricken und Anweben von Strümpfen

-. sowie

MS [treu, Gold- ud Siftaiaren, Besiege, einzelne Paleniöliel klk. als Sfihoaehlsffesibeake i empfiehlt in gr. Auswahl

Carl Schmidt,

Bahnhofstrasse 8. no.

Schildkröte Amerikanische liniversaiwäscbe verbesserte Gummi- Wäsche

Unübertroffene

Auswahl moderner Fayons, Außcrordenr- lich sparsam im Gebrauch, Immer sauber, unentbehrlich für Männer und Knaben, eine Erlösung tüt die Haus trau Erhältlich hei: an (neuen: xi.Sianii i r., '4i. (volbi en >a: X Heilbi.'omrci-, H. Notbichild, 7t. Schulze, Äug. Waag, Wilu. L6irsig,JranäBette, Friedt. Tcipei. In Grünberg: A.Bern­hardt, Pbilipp Lirovv Starbf., W. Lehmann, Georg slem. Lu Homberg a. d. Ohm: Gustav Jacob, Los. Weil.

Diese Benennung wird jede Hausfrau verstehen und billigen, wenn sie mit dem neuesten Raffee-LrsatzMOSyk1- m ihrer Rüche einmal einen versuch gemacht hat. Bei größter Aus­giebigkeit erzielt man mitMosyr einen Aufguß von tadelloser kaffeebrauner Harbe und angenehmem Aroma, sowie außerdem ein der Gesundheit außerordentlich zuträg­liches Getränke von hohem Nährwert. Letzterer wird speziell aus Protein, Nährsalzen und Eisen gebildet. Es kann sich sonach jeder geistig und körperlich angestrengt Arbeitende kaum etwas besseres zum täglichen Getränke wählen alsÜLosyr.

In allen besseren Detailgeschäjten zu 30 Pfennig das Paket erhältlich. (hv-/

Alleinige Fabrikanten: Pfeiffer & Ditter, G. m. b. H., Horchheim.

rund, mit drehbarem Fleischgestell, praktische und billigste Raucherei für jeden 'Haushalt von Mark <9. an empfiehlt

das beste existierende Waschmittel.

dessen

Wäsche

M

enorme Wasch- und Bleichkraft das höchste Ent­zücken der Hausfrauen hervorruft. Well seine wunderbare Wirkung scheinbar unerklärlich, fürchten manche Hausfrauen, da§ Persil der

schädlich sei, aber viele Tausende von Jausfrauen, haben sich durch fortgesetzten Gebrauch von der absoluten Unschädlichkeit dieses einzig dastehenden Waschmittels überzeugt und sind sogar zu der Einsicht gekommen, daß Persil die Wäsche schont, überzeugen Sie sich gleichfalls!

Alleinige Fabrikanten:

Mel ä Co., Düsseldorf

auch der weltbekannten Henkels Bleich-Soda.