Ausgabe 
14.9.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 216

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Nationalliberale Landerverjammlung

chusscs waren naturgemäß vertraulicher Natur. Nach einer An.

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TieGießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Nreirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: es® 51. Redaktion: ezAl 12, Tel.-Adr.:AnzelgerDieben.

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sollen. ES m ja gegen unS, die wir uns auch nach bent Ur- jiril unserer Gegner durchaus liberal, freimütig gegen Regierung ^iib auch mit Tadel nicht zurüclhaltcnü bewahrt unb bewiesen Tfabcn, es muß euvaS gefunden, werden, das uns' in den Augen bcr Wähler Derbiidytigcn unb herabsetzeit soll. Gerade die Art, wie tnc in bei Summer aufgetreten find, Detbricßt die Gegner unb fie befürchten, bah ihnen bcr Wind aus' ben Segeln genommen Düb.

Zur Denunziation als Rückschrittler, als Reaktionär wirb i-nfere Haltung, unser angeblicher Umfall in der Wahlrechts- »orlage von den Gegnern benützt. Auch hier ist ihnen der Ä,ind aus den Segeln genommen.

Die Gegner mögen Anhänger des direkten Wahlrechtes sein, bttein auf ihre Weise kommen sie nie zu einem solchen in Lessen. Wir aber sind früher oder später überzeugte Anhänger Eiefcd Wahlrechtes in unserer größten Mehrheit geworden unb

Provtnzial-AuSschuß der Provinz Oberhefien.

L. Gießen, 12. September.

In Sachen Enteignung von Gelände in Gemarkung Klein-Linden zur Herstellung von Schneeschutzanlagen war durch Urteil be§ Pcovinzial-AuSschusses vom 2. Juni d. I. bic Enteignung des von der Künigl. Eisenbahndirektion Frank, flirt a. M. beanspruchten Geländes für zulässig erklärt worden. Nachdem inzwischen die Eifenbahnbirektion den Nachweis über die erfolgte Hinterlegung der Entschädigungssumme erbracht hat, wurde die Enteignung ausgesprochen.

Hierauf kam die Enteignung von Gelände zur Verlegung des Bahnhofs Vilbel zur Verhandlung und zwar war heute die Entschädigung festzusetzen. Da jedoch zwischen den Parteien Vergleichsverhandlungen gepflogen wurden, fetzte der Provinzial-Ausschuß bis zu deren 2U>schluß die Ver­handlung aus.

Tie Bürgermeisterwahl zu Rödgen, Kreis Fried, berg, hatte den Provinzial-Ausschuß bereits in seiner Sitzung vom 23. November 1907 beschäftigt. Diese Wahl war von dem Großh. Kreisamt Friedberg beanstandet worden, weil nach feiner Ansicht die Person des Gewählten keine Garantien für die richtige Führung des Bürgermelsteramtes bot. Der Provinzial-Ausschuß gab damals dem von dem Gewählten gegen das die Wahl für ungiltig erfläteiüjc Urteil des Kreis - ausschusses des Kreises Friedberg verfolgten Rekurs statt und bestätigte seine Wahl. Hiergegen wurde auf Veranlagung des Großh. Kreisamts Rekurs an Großh. Ministerium deS Innern verfolgt. Dieses wies die Sache zur anderweiten Entscheidung an die Vorinstanz zurück, well es die Sache für noch nicht genügend geklärt hielt. Nach Vernehmung einer Anzahl Zeugen kam der Provinzial-Ausschuß heute zu einer Bestä­tigung seines früheren Urteils.

Dählcrsckast der offiziellen Partei nicht folgt. Haben wir dies bei den lebten RcichstagSw^hlen in Darmstadt gesehen, so dürfen wir auch weiter hoffen, daß auch diesmal bcr Verstand bcr Wähler weiter reicht, als bic Worte der Führer. Wir in .Hessen können uns eine Bereinigung des Liberalismus unter Einschluß der Sozialdemokratie nicht den­ken unb verstehen es nicht, wie ein fold?er Gedanke erst in den letzten Tagen von Stuttgart aus in bic Welt getragen wurde. Wir kennen aus jahrelangem Kampf bic Sozialdemokratie, wir haben ihr Wirken in nuferem Lande verspürt, mir sehen tagtäglich in ihrer Presse die Art der Ausheyung und persönliä)en Be­schimpfung. Wir begreifen den tessischcn Freijinn in seinen Ful>- Tcm nicht; es loitb auch die Zeit kommen, wo er wie Naumann im Laufe der Jahre cs cingcsehen hat, zu der lieber Beugung kommt, daß cs für das Bürgertum eine Verbindung mit der Sozial­demokratie nicht gibt. Auch nicht mit den revisionistischen, bic nur mit ber Budgetbewilligung nichts als Fang ber Stimmen unkundiger Mähler betreibt. Wir sehen neben dem radikalen Offenbach Slbgcorbnctcn Ulrich'den Revisionisten David, sehen aber auch nid/t den geringsten Unterschieb m dem aus­hetzenden unb leidenscl-oftlichen Siu,treten der beiden. Wir sehen im Reichstag den Revisionisten Frank ans Baben, den Revisionisten Hildebranb ans Stuttgart sich in nichts von dem labikalstcti Lete- bour und Singer unterscheiden. Wir lassen uns über den wahren Charakter ter Sozialdemokratie, der Massenhcrrfchaft, bcr Partei bc5 KlasscnkampfcS, nicht tauschen.

Mir rechnen auf unsere Frcunbe und Anhänger im Lande, auf die Unterstützung der Alten unb Jungen Mögen auch mandte AieinungSoerfchicdcnhcitcn bestehen, in dem Großen sind wir einig, daß wir oicnen wallen mit ganzem Herzen und treuem Sinne un­terem Vaterlaiide.

Der Vorsitzende Gras Oriola druckte feine Freude über die kraftvollen Worte Dr. OfannS und dessen entschiedene Stellung nähme gegen bic Sozialdemokratie aus unb die Versammlung banfic bem Redner unter lautem Beifall durch Erheben von ben Plätzen. Tann sprach Abg. Dr. G l a s s i n g über bic hessische Wahlrechtsvorlage. Wir werden auf diese Rehe morgen näher zurückkommen.

ichnng.

iibfcrenbc; feier bas tn ubierenbe ist bas eres- V« ablK" uler der Gymnasien t1.-' bievcnbe ber Unioerä- ule 3U Tarmfiabl, fer. v-lchen ein selbslgeM. mg über Familien- ut v innme und die Erklimc^ tragen werden, bis IM len Behörde einrenhe

zialdirektion Rheins v. Krug.

Darrn stabt, 13. Sept.

Der LanbcSausschuß bcr Nationalliteralen Partei im Groß- b-r,cgi.im Hessen hielt heute vormittag Hierselbst eine allgemeine <.nraiicni>mauncrDerfammlung ab, bic aus allen Teilen bc^ Lan­de^ namentlich auS Lberhessen, aus Mainz, Worms, Offtn- >am usw. sehr stark besucht war; auch bie nationalliberale Kammer- Million war zahlreich vertteten. Die Verhandlungen bcs Aus­

wem Gesang gegeben! unb jetzt fingen sie allmählich alle, einerlei ob ihnen Gesang gegeben ist, ober nicht!"

P. H ü b e ii e r.

mDie Erziehung in ber Familie. Soeben ist in Paris cm Buch beS Pädagogen P. F. Thomas erschienen. Der In­halt verdient auch in Deiitschland Beachtung zu finden. Thomas

betont nicht mit Unrecht, daß das Verhältnis von Vater unb ^ohn sich getvanbelt habe, daß bet Vater nicht mehr ein ab- foluter, sondern ein konstitutioneller Herrscher sei. AuS diesem Empfinden heraus stammen viele Fehler unb Lücken in der Er­setzung des Lbinbes, oft burch die Schuld der Eltern un­vorbereitet hinaustritt in ben Kamps um das Leben unb mit bem Leben. Es ist ein schädlicher Glaube vieler Eltern, daß sich ihre Sorge für die Kinder in erster Linie auf materielle Dinge SU critrctten habe. Die Kräftigung des Körpers soll gewiß nicht unterbleiben, aber Hand in Hand damit muß bie Äroralischc Erziehung gehen. Die Gespräche, bie ost bei Tisch geführt wer­den, zerstören die Harmlosigkeit kindlicher Gemüter. Es handelt sich dabei um Fragen deS gesellschaftlichen und geschäftlichen Le­bens. Alle die tausend Kompromisse, zu denen der Drang des -r.ages uns zwingt, alle die sozialen Lügen und bie Widersprüche «wischen Grundsätzen und Handlungen all' dies sollte dem Kinde möglichst lange verborgen bleiben, schon im Interesse der Eltern selbst, bie bem kinblicl>cn Gemüt, bas gläubig unb oertrauenb ju ihnen emporblickt, feinen Anlaß geben sollten, Mängel unb Unvollkommenheiten an ihnen zu erblicken. Es lag daher ein richtiger Kern in ber Gewohnheit früherer Zeiten, Eltern unb Kmber vielfach von einander getrennt zu halten; die allzu mensch­lichen Züge der elterlichen Charaktere traten den Kindern nicht so vor Augen wie jetzt.

KleineKunstchronik. Seltsame Ehrungen werdeii au­genblicklich, wie aus Petersburg gemeldet wird, Tolstoi zuteil. So hat die P e t e rs b u r g e r S ch u h m a ch e r z u n i t beschlösset,, den Tlchler zu ihrem Ehrenmitglied zu ernennen. Zu diesem Zweck wurden an den Grafen bie drei Zunftältesten zur Ucberrcichung eine» EhieiidiplomS nach Jaßnaja Poljana gesandt. Schwedische Forfchungöreifenbe, die von ber schwedischen Regierung nach Chile entsandt wurden, um besonders bie Insel Juan-Zernande; zu de- fiichen, würben von ber chilenischen Regierung auf bas hebens- würdigste empfangen unb erhielten von bieser zu ihrer Reise nach Juan-Hernandez em Kriegsschiff zur Verfügung gestellt. Professor de Geo in ^tokholm bereitete für 1910 eine neue Expedition "ach Spitzbergen vor, woran eine größere Anzahl auslän­discher Geologen teilnehmen soll.

wir, bie wir alle Feinbe bes bireften Wahlrechtes verschrieen waren, wir versuchen mit möglichen Mitteln c-5 zu erreichen unb wir ttrerben es bem banach strebenden Do l kc bringen. Und wir werden eS ihm geben trotz der Frank­furter Zeitung, deren Artikel vom Freitag wiederum vom Aus- geben der Volksrechte spricht, die aber bod) nur mit Unwahr­heiten operiert.

Weitere Vorlagen werten btt Kammer in ber Gemein be- fteuertefoim, in ber VerwaltnngSgcsetzgcbung ge­geben werben. Schon zu lange schwebt die Gcmciiitestrucrrcsorm, sie muß endlich kommen. Nicht allein, daß ausger-nimt wird mit der Grundsteuer, bie noch auf ben Bestimmungen ber 1820er Jahre basiert, fonbern auch, bannt gerabc bei der Gemeindesteuer Landwirtschaft unb gewerblicher, wie kaufmännischer Mittelstanb, babei gerate das .Handwerk entsprechende Berücksichtigung sinden. Die Verwaltungsgesetzgcbung ans dem Jahre 1874 ist ein Werk der nat.-lib. Partei, wie auch unser freiheitliches Schulgesetz aus dem gleichen Jahre. Neue Vorlagen umfangreicher Art be- schästigten bereits den verflossenen Landtag unb konnten bei bem großen Umfang bcr Materie nicht vollständig bewältigt werden, fragen der Bestätigung der Bürgermeister unb Beigeordneten, des Verwaltungsgerichlcs müssen entschieden werden.

Wenn ich nun meinen Blick aus die L a n d t a g S w a h l c n Werse so habeii wir 10 Sitze zu verteidigen. Wir wollen alles auf» bieten, diese zu halten unb finden eine Gewähr dafür in unserer Tätigkeit im letzten Landtage. Aber wir wollen auch neue Platze gewinnen und damit unsere Macht im Parlamente stärken. Nicht um unsere Partei, wie die Gegner sagen, zur allein herrschen­den zu machen Herrschsucht ist uns durchaus fremd, wir wolleii aber auch außerhalb bcs Parlamentes bewährte neue Kräfte dem Landtage zufügen, damit dem Bürgertum eine ausgedehntere Betätigung möglich wird. Wir sehen in dieser Beziehung nach bat Städten Mainz unb Offenbach. ES ist ein Unbing, daß bicse Plätze _ vertreten werden durch Anl-änger einseitigster Klassenherrschaft. Unb Offenbach hat bereits die Schön­heit solcher Herrschaft gefühlt, als die Sozialdemokratie dorten in bcr Stadtverwaltung bie Mehrheit besag. Damals konnten die Offenbacher Bürger fühlen, wie wohl es ihnen unter sozial­demokratischer Herrsä)aft ergehe, bei ber nicht das Wohl bcr Ge­samtheit, fanbern nur baS Gedeihen einer Klasse bcr Bevöl­kerung entscheibet. Auch Mainz hat bei den Stavlverordncten- wahlen das Feld für die Bürgerlichen behauptet. Unb so strht zu hoffen, baß in diesen beiden Städten bic Beseitigung ber Sozial­demokratie erreicht wird.

Man wirst uns cm Bündnis mit bem Zentrum vor, unb gc- rube bic, bic uns einen solchen Dorwurs machen, sind in früheren Jahren eifrig bemüht gewesen, sich die Zentrumsstimmen zu sichern. Es ist kein Bünbnis mit dem Zentrum durch das ganze Land angeschlossen worden; wir fteljen in heftigem Kampfe mit dem Zentrum in Dieburg, in Wald-Michelbach. Aber luanim soll cs ausgesastosscn fein, daß in einzelnen Bezirken eine ge­meinsame Bekämpfung dcS gemeinsamen Feindes, der Sozialdemo­kratie, statt)intet? Sinb nicht auch jüngst in Elsaß-Lolhringen Freisinnige unb Demokraten mit dem Zenttiust zusammengcgangcn, um die Sozialisten zu besiegen; sind nicht in Colmar zugunsten des Demokraten Blumenthal Demokraten unb Zentrum zusammcn- getreten gegen Liberale? Wir wollen burch diesen Kampf gegen unb ben erhofften Sieg über bie Sozialbemokratie bem Bürger­tum, das für alle Klassen der Bevölkerung eintritt, auch unb wahrlich nicht in letzter Linie für bie Arbeiter, wir wollen dem Bürgertum Festigkeit unb K'raftbcwußtsciii, lieber- zeugung seines inneren Wertes geben.

. Wir legen aber auch ein Hauptgewicht darauf, in Ober- Hessen wieder Fuß zu fassen und toerben dort unsere Straft anwenden. Wir haben niemals verkannt, welch einen wich­tigen Faktor bie Landwirtschaft in unserem Staaisleben bilbet unb haben inSbcsontere bei ben Beratungen tes Zolltarifs gezeigt, baß unsere Sorge für die Lanbwirtschaft eine tatkrästigc und wirksame war. Tics muß auch die Bevölkerung Oberhesscns einsehen und wir hoffen, daß |ie sich im Lause der Zeit von bem extremen Aarariertum horten abroentet.

Mit Bebauern erfüllt unS die Haltung bcr hessischen Freisinnigen. Sind wir im Reicks mit ihnen unb anderen Parteien, insbesondere ben Konservativen zu einem Blocke ver­einigt, so ist es nicht begreiflich, warum sie in Hessen ui bitterster Feinbslliaft stehen unb mit ben Sozialtemokraten gar Bcrbinbung suchen, vielleicht schon ein Bünbnis gcschlofscn haben. Unb dies bei ben Beschimpfungen, bie bem Freisinn im Reiche svrrwährcnb von ter Sozialdemokratie angetan werten. Ist dies ter Ersolg dcS Rufes nach einem geeinten Liberalismus? Kann eine Einigung auf solcher Grundlage geschehen.

Ein Glück für unser Land ists, daß die Führer beS Freisinns üt Hessen, bie bcr Sozialtemokralic zuneigen, allein stehen unb bie

Aus Stadt und Land.

Gießen, 14. Sept. 1908.

** Herr Rebakteur Paul Witt ko ist am 12. b. Mts. aus bem Rebaktionsveroante besGießener Anzeiger" ge­schieben, um bie Feuilleton-Rebattion bes Stuttgarter Tag- dlattes unb ber 'iRoraenpost zu übernehmen. Am gleichen Tage ist Herr Karl Neurath in unseren Redaktions- oerdanb eingetreten.

Verlag besGießener Anzeiger".

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** Zu ben Lanbtagslvahlen. Die nationale- liberale Partei in Worms wirb an ber Kanbibatur ihres bisherigen Lanbtagsabgeorbneten N. A. Reinhart sestl)Qlten unb gedenkt ihn in einer demnächst ftattfinbenben Wahleroersammlung als Landtagskanbidaten zu prokla­mieren. Der Tarrn st äbtersozialbernokratische Verein nominierte einstimmig den Kassenbeamten Friebrich unb ben .Stabtverorbneten Stephan als. Landtagskanbidaten für Darmstadt.

** Prinzessin Eli fad eth-Ge büch tniS-Spenbe. «er der Verteilung der Zinsen ber Prinzessin Elisabeth- Gebächlnis-Spende haben bie Kleinkinberschulen zuAllen - borf a. b. Lba., Groß-Zimmern, König i. £>., Nibba, Ober-Wöll st abt, Röbgcn, Sprenblingen unb Wal­lertheim Zuwendungen von je 200400 Mark erhalten. Im ganzen sind n. d. D. Ztg. 2400 Mark zur Verteilung gelangt.

** Vom Manöver. Die letzten Tage ber Bri- gabemanöver brachten für bic Truppen in bem ge­birgigen Terrain anstrengenbe Märsche. Als Neuerung würbe am Freitag bas Schlachten von Ochsen ben 3Ttfantetie^Regimentern vorgeiwmmen. Kurz vor Ab­bruch ber Gefechte würbe bas Schiacl)ttier am Biwaksplatz von beionbers bestimmten Mannschaften geschlachtet Vr* -5^ , cu^ verschiebene Arten zuberertet. Zahlrewl^

Lchlachtenbummlcr verfolgten biqeHebung" mit acofknr ^ntercHe. Das Hauptgefecht fanb um Battenberg im Eder- statt unb zog sich samstag weiter norbwarts bis ins we,tsali,che und walbeckifche Gebiet. Die nörblichste Stel- ung nahmen bie 116er bei Hallmberg unb Winterberg, die lloer bet Metebach unb Medelon ein. Am Dienstaa trifft öie ganze 49. Brigade im Lahntal ein, bas Regiment 115 ^osphe, 116 nach Bieben köpf, 168 nach Brei- bejibßd) und Wallau. Nacb Biedenkopf allein tojmnen neun

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vtLimuLiuM ouuur. oiaa) einer ÄN- pnrcue des Voriitzcnten ber Partei, Reicks- unb Lanbtagsabg Dr ß 1 ann, wurde der Wahlaufruf für bic bevorstehenbe Laut» togswahl verleicn unb genehmigt. Dann folgte eine Besprechung über bic Hattung der Partei unb btren Aussichten in ten Der- schiebenen Wahlkreisen, die als durchaus günstige bezeichnet tvur- bau Nach einem Dortrag teS Abg. Dr. Glas sing über bie Beratungen betreffs ter WahlrcchtSvorlagc wurde unter lebhafter Zustimmung aller Anwesenben eine Resolution angenommen, warm der Landesausschuß der K-ammerftaktion sein volles Ein­verständnis aussprickst. Die Resolution lautet:

Der LandeSausschuß der Nationalliberalen Partei erklärt sein volles Einverftändnis zu der Haltung ter Fraktion im Land­tag; er erklärt ausdrücklich, daß er bezüglich ter WahlrcchtSvorlagc ui ben Vermittelungsvorschlägen des Abg. Dc. Glässüig eine brauchbare Grundlage zur Verständigung erblickt unb erwartet hiernach bestimmt bie Einführung teS bireften Wahlrechts für bic hefsischcn Landtagswahlen. Der Landesausschuß proteAcrt entschieden gegen die wahrhcitSwidrigc Unterstellung ber F-rci- finnigen unb Sozialbemotraten, daß durch Annahme bcr Ser* * nrittelungSoorschlägc irgenbmeldje ivichtigen Volksrcchtc preis- gegeben würben."

Die allgemeine öffentliche Lanteövevsammlung, bic nach­mittags im großen TurnhaNensaal am Wvogsplatz ftattfanb, l-attc fid) eines außerordentlich zahlreichen Besud-cs zu erfreuen. Auch eine Anzahl Mgcordnetcr, sowie die ReichStagsabgg. Dr. Osann, Gcheimerat Haas, Graf Oriola, Justizrat Dr. Junck-Lcipzig unb Dr. Stresemann-Dresden waren zu­gegen. Der Dorsitzente deS Lantesaue-schusseS, R.-A. Dr. Osann, begrüßte die Lersammlung mit herzlid-cn Worten. Ta die Lanb- lagSwahlen vor ter Tür stehen, habe es der Ausschuß für not- wendig gel-altcn, in Darmstadt einen Parteitag abzuhalten und dazu alle Gesinniingsgenosscn, aber auch die Wähler aller Art, einzulaben, damit unsere Gedanken unb Bestrebungen in ber größten Oefsentlichkcit bekannt werten unb damit alle Wähler, ob iurtionalliberol oder nicht, wissen, locldye Absichten unb Grunb- [äße bic UlatiDnallibcrakn im nächsten Landtag vertreten werden. Redner bankt der Versammlung für das zahlreiche Erscheinen, das ein erfreuliches Zcid>cn für das Wicocrerwachcn teS Interesses an der politisd-en Tätigkeit sei. Nachdem alsdann Graf Oriola ben Voiffitz übernommen hat, führt Abg. Dc. Osann aus:

Unser Wahlanfrus, der in Ihren Händen ist, gibt Auskunft über unsere Taten unb Ziele. In ben heutigen Tagen kann eine l'axtei ihren Rückhalt im Volke nur er halten, wenn sie fort- schreftet mit den Bebürfnissen teS sich entwickelnden Lebens. Wie 'lliancher hat die Achseln gezuckt über daS Wort unseres großen Führers Benningsen: die Partei müsse die Zeichen ter Zeit be­ichten und oerfolgen unb bod) loic ist bieS Wort wahr unb bc- Ldstenswert. Wir in dem Lanbtagc, in tem Reid)Stage tonnen rersicheru, baß wir uns bemühen, einzubringen in bie Politik tes Reiches, der Einzelstaaten mit frischem Mute unb mit ter festen 'Zuveriichl, bic Ziele cd)ten nationalen Bürger- unb Baueru- lumS zu vertreten und an tem Wohlergehen teS ganzen Volkes mltsuarbcitciL Vielfach finb die Ausgabe^ aud; in unserem Lande; Leute können nicht alle Aufgaben unserer Volksvertretung im ein­zelnen behandelt werden. Ich will nur auf bas Unwahre Hin­reisen, mit dem man unS versolgt, die auf Grund von Verhand­lungen mit bcr ersten Kammer das direkte Wahlrecht erreichen

Uhland-Anekdoten.

i.

Tübingen stellten sich eines Tages bei Uhlanb seine I uanbsleute unb Freunde, die Dichter Kerner und Schwab, als Gäste ein. Im Laufe der Unterhaltung kam man auch auf die kurz vorher erschienene Ballade des Dichters Aug. E>raf von Platen:Der Pilgrim von St. Just"' zu sprechen. Platen hat darin einmal in bezug auf das Haupt des Pil­grims «Kaiser Karl V.) ben AuSbruck gebraucht:Mit i ancher Krone war's bebiabemt". Dieses Wort fanden bie b:ei Schwaben bod) etwas zu frei und ungebräuchlich, und llmge stritten sie sich darum, ob es überhaupt zulässig sei. Die Disputation fand ihre Fortsetzung auch nod) auf dem Spaziergang, den die Freunde später machten. Als sie dabei die Neckarbrücke überschritten, kam ihnen ein angetrunkener Miami entgegen, der bedenklich hin und her wackelte. Unb 1 :ckelnd, mit bem Finger nach ihm hiubeutend, sprach Uhland:Do gucket an, der ist bebiaduselt!"

II.

Uhlanb war in seinem Wesen sehr befcheiben unb trug u such in seinem Aeußecn sehr einsacy, unb mancher, ber ihn rr.cht kannte unb ihm in Gesellschaft ober auf ber Straße ein­mal begegnet war, äußerte, wenn er nachher erfuhr, wer es ptoefen, ganz erstaunt: ^,Wie, bas ist Uhlanb'?" Wührenb ftines Aufenthaltes in Paris würbe er für einen deutschen ILHrmachergesellen gehalten, und selbst in ber Nähe seiner Vaterstadt wurde er oft verkannt. So stand er eines Tages, «[c)on in vorgerücktem Alter, nicht weit von Tübingen vor ciuter Pcchiermühle in Betrachtung derselben versunken, als ciiii Vorübergehender fid) zu ihm gesellte und mit der Frage: 'Sie sind gewiß auch so ein Papiermachersgesell?" ein Ge- i stiäch anknüpfte. Uhlanb aber antwortete:Papier verberbt h»cbe id) schon viel, aber gemacht noch keins!" Ta er von allen möglichen Leuten, roelche ein paar Reime ober Verse zustanbcgebracht hatten, mit Zusenbungen bieser Geistes- probnkte und der Bitte um gefL Beurteilung angegaiigen oder vielmehr belästigt wurde, so brach er einmal beim Ein­treffen einer neuen, gar zu großen Sendung in bie Klage- Rortg aus: ,/Jiun habe ich doch ausdrücklich gesagt: finge,

Zweites Blatt 158. Jahrgang Montag 14. September 1908

Ä A aa a a Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schm

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General-Anzeiger für Oberhessen