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14.8.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 190

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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TieEiehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Lreirblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Neue Kaiserbilder. Der Kaiser empfing dieser Tage den Maler Pros. Karl Röchling. Ter Künstler legte die Skizze <iir em grobes Bild vor, Las für das Ltflziersheim in Falken >tei n im Taunus bestimmt ist. Das Gemälde stelli in genrehait h u in o- ristischer Art eine Koslprove dar, die der Kaiser auS der modernen fahrbaren Feldküche entnimmt, während die Herren der Umgebung gespannt den Anstatt dieser Probe abwarten. Röch­ling hat die Studien dazu auf dem Uebungöplatze in Dobcril; gemacht. Für den gleichen Zweck malt Pros. HanS Bohrdl ein Marmebild.

- Kleine Kunst chronik. Ter ausgezeichnete Hess. Archi- tekt Georg Metzendors in Bensheim, der Berschönerer Bensheims mrd Auerbachs, wie überhaupt der Hess. Bergstraße (auf der hessischen Landesausstellung ist er in der Klernwohnungskolonie mit dem Zweifamilienhaus vertreten), hat einen Ruf nach Essen erhalten, um dort im 'Auftrage der yraii Krupp eine Arbeiter­kolonie zu bauen. Er wird wahrscheinlich dem Rute folgen. Ter Münchener Unwersilätsprofessor Arthur Korn konnte soeben den sernphotographifchen Betrieb zwischen Berlin und Kopenhagen eröffnen.

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UniversitätS»Buch- und dteinbrudeteL R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:113. Tel.-Adr^AnzeigerGießen.

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ÄticgdfabrscuQC auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen. Das Kommando besteht au-3 G Offizieren, 70 Unteroffizieren und Mannschaften, 95 Pferden und 18 KriegSfahrzeugen, dar­unter Vagen mit Pontons- und Brückeutrain, Lazarett-', Kranken-, Feldpost-, Proviant- und Bagagewagen. Die Uebung, die fünf Wochen dauert, findet am 14. August in der Rhön ihren Abschluß.

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das ber deutschen Presse zum Ehrenoenkmal gctculjl*, dem geeinten Volke zu dauerndem Gedächtnis unb der Wissensd-aft zu großem Nutzen.

Weitere Vorträge hielten u. a- Rach fahl (Gießen) über einige Grundfragen d c r l a nd stä n d is ch e n Ver­fassung, in der ©eftioit für Kirchengcschichte Lulves (Han- twver) über päpstliche Wahlkapitulationen sowie schließlich in der Sektion für historische Wisseniüiaslen, Wrede (Marburg) über bett Sprachatlas des Deutschen 'Reiches, Curschmann (Ärcisswald) über den Plan einem historischen Atlas ber allen Provinzen des preußischen Staates und Krabbe (Berlin) über 9lvrdeuropa in Der Vorstellung Adams von Bremen.

In ber sehr gut besuchten Schlußsitzung sprach Prof Rajna (Florenz). Er stellte einen Vergleich an zwischen Geschichie und Epos und wies u. a- darauf hin, daß das französische! Heldenlied ebenfalls germanischen U r s p r il ng s ist. Darauf sprach Prof. Bugge (Christiania- über Ursprung und Glaubenswürdigkeit Der israelitischen Saga.

Tie englischen Gelehrten laden den Kongreß zur nächsten im Jahre 1913 ftatiiinbenbcn Tagung nach London ein, was bankend angenommen wird. Damit halte der Kongreß sein Emde erreicht.

Hamburg, 13. Aug- AuS Anlaß der Amoesenheit der hier eingetroffenen Mitglieder des Historikerkongresses gab ber Senat ein Festmabi im Ratl)ause. Der präsioierenoe Bürger­meister Dr. Bnrchardr hieß die Erschienenen willkommen- Im Anschluß an daS F-eftessen sand im Uhlenhorster Fährl-ause ein von brr Hamburgischen Unlerrichisverwaltung veranstalteter Emp­fang für die Kongreßmitglieder und Deren Damen statt. Hierbei begrüßte der Senator Melle die Gäste, Ivorauf Professor Tr. von Heigel, der Präsident der bayerischen Alademie der Wissenschaften, erwiderte.

Heer und jtotte»

K. Wetzlar, 13. Ang. In Ehar.oitenburg verstarb hochbetagt der Königs. Generalleutnant z. D. Theodor v. R i e f f, ein Sohn unserer Stadt. Riess wurde am 5. Juli 1816 hier geboren, trat 1835 als Fahnenjunker bei der 4. Artillerie-Brigade ein, avancierte 1838 zum Leutnant, 1856 zum Hauptmann und war als solcher zwei Jahre zum Gouvernement der Bundesfestung Mainz kommandiert. Im Feldzuge gegen Frankreich tat sich der Verstorbene hervor­ragend hervor, besonders als Kommandeur der Belagc- rungSartillerie an der Südfront vor Paris, wofür er mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse dekoriert wurde. Rieff ge­hörte zu den Militärs, die entschieden damals auf eine Beschießung von Paris drangen Roon und Bismarü ge­hörten dazu, während Blumenthal und der Kronprinz entschiedene Gegner waren. Kaiser Wilhelm und Ultöltfe waren anfangs in dieser Angelegenheit neutral, neigten aber nach einem Vortrag Rieffs auf die Seite derVe- schießer". 1873 wurde Rieff Komnianocur der 4. Feldart.- Brigade, 1874 nahm er den Abschied. Beim 25jährigen Jubiläum der Wiederausrichtung des Deutschen Reichs ge­dachte unser Kaiser der hervorragenden Tätigkeit des Ver­storbeneil int Feldzuge 1870/71 und verlieh ihm den Cha­rakter als Generalleutnant.

fc. Von der Rhön, 13. Aug. Am 10.. August ist ein F a h r v e r s u ch s k o in m a n d o >. e s Westfälischen Train-Bataillons Nr. 7 aus Münster i. W. in Gers­feld cingetrofsen, um voit dort aus in der gebirgigen Rhön auf den schwer passierbaren und unpraktikabeln F-cldwegen

lieber daS niederträchtigste Sklaveirleben ertragen, als sich ver­urteilt sehen, in Würzourg Kompendien zu lesen. Ter Gottes­dienst unb die Liturgie sollen zur Belehrung deS Volkes beitragen. ES soll daher möglichst die Muttersprache angeweirdet werden, vor altem aber soll der Volksgesang gepflegt werden. Run ist in M ainz ein Gesangbuch eingeführt nrorben, das neben der lateinischen auch die deuische Sprache zeigte. Da aber die Lieder numeriert waren, erinnere cS an das Gesangbuch LutherS und auS diesem Grunde wurde cs verworfen. An der Geschichte der Aufklärung fehle eigentlich noch sehr viel, und eS sei vor allem notwendig, eine energische Kritik der Quellen vorzunehmcn.

In der Diskussion wurden verschiedene andere Fragen an den Redner gerichtet, der bann nochmals auf die Zustande an der Universität Würzburg binwies. Dort ivurbc ein Student entlassen, weil er GeßlersIdyllen" gelesen hatte. Tamt wurde dort z. B- gelehrt, daß bei der Auferstehung alle Toten genau 6 Fuß 3 Zoll hoch sein werben, »veil Christus dieselbe Größe hatte.

Prof. Martin Spahn (Siraßburg), der Sohn des Zentrums­führers, hielt einen fesselnden Vortrag über:D i e Presse als Quelle der neuesten Geschichte und ihre gegen­wärtigen BenutzungSMöglichkeiten." Die Geschichtsforschungen sind im Lause der Zeit immer weiter ausgedehnt worden. Jetzt find die Geschichtsforscher auch darauf gekommen, die Zeitungen als Quellen zu benutzen, unb zwar kommen dabei die Zeitungen vom Jahre 1859 an in Betracht. Die Zeit vorher war nur ein Vor­spiel. Vom Jahre 1859 ab entwickelte sich aber die deutsche Presse in wunderbarer Weise. Wenn sie vorher nur Nachrichten- bla tt gewesen war, so wird sie nun iveiter vervollkommnet. Schon in den Tagen des Kampfes gegen Napoleon I. hatten die Zeitungen die Funktionen der Flugblätter übernommen. Dieses Gebiet wurde nun weiter ausgebaut. Dia Zeitungen erweiseir sich immer mehr als die Vertreter ber öffentlichen Meinung. Sie lind die Dol­metscher ber Gefühle der Nation unb ihrer Bestrebungen. Nach bm Erfahrungen der letzten Jahre müssen wir es uns aber einstweilen versagen, die Presse als Quelle für die allgemeine neueste Geschichte in starkem Maße in Anspruch zu nehmen. Vor­läufig muß vielmehr die Presse selbst der Gegenstand solcher geschichtlichen Untersuchung werden. Wir müssen erst sie selbst zu einem Gegenstand intensiver Forschung machen, ehe wir sie zu unseren Arbeiten benutzen. Wir werden fie aber immer nur benutzen können, roenn wir sie im Zusammenhang mit der deut­schen Parteigeschichte studieren, denn Partei und Presse gehören Äiifammcn. Sie decken sich nicht, aber sie bedingen einander, und sie illustrieren sich gegenseitig. Mit ber Erhaltung und Samm­lung ber Zeitungen in den Bibliotheken steht es außerordentlich )lvcht. Es sind sehr viele Lucken vorhanden. Dkeist sind die Zeitungen nicht eingebunden und fallen so dem Verderben anheim. £>icr muß dringend Wandel geschaffen werden. Die Presse ist nicht eine lästige Nebenabteilung unserer Bücherabteilungen, sie ist eine Sache für sich. Sie muß grundsätzlich gesammelt und verwaltet werben. Prof- Spahn hofft, daß die deutschen Verleger, viÄleicht unter Mitwirkung von Staatsmitteln, der deutschen Nation ein stolzes Reichs-Zeitungs-Museum schenken.

JnfernationflkrKongceß für historifcheWiffenschaflen.

S.H- Berlin, 12. Aug.

In der Sektwn für Geschichte des Orients sprach Professor h. Gunkel-Gießen überEg optische Parallelen zu m alten Z e (tarn ent". Er wies darauf hin, daß man m längster Zeit gelernt habe, die Geschichte des Volkes Israel nicht als eine isolierte zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit anderen orientalischen Völkern der gleichen Zeit, xie engften Beziehungen bestanden zn Egypten. Erman behauptet, nicht bloß Handwerk und Handel, sondern auch Poesie und andere Gclstes- inobuftc wanderten von Egypten nach Kanaan. Auch die cgyp- nschc Sprache beeinslußle die hebräische. Aber selbst da, wo von direktem Einfluß nicht die Rede sein kann, sind Parallelen von Interesse znm Verständnis des alten Teftaments. Redner iveift Ui» an einer großen Menge von Beispieleit nach. Parallelen bieten z. B. Best! neidung und Fasteir. Wichtiger sind genicimamc Sagen. Die Egypter als gute Erzähler bieten viel Stoffe zur Nachahmung. Zn der Geschichte mit Potipharö Frau, einem Motiv, das vielfach wieder lehrt, ist fraglich, was Original, was Nachahmung ist. Nimrod, oer Zagdhetd, der vervfeyer babi)- lonischer und Gründer assyrischer Städte, wird von Eduard Meyer auf Grund des in Libyen sehr häufigen Namens nach Egypten -ersetzt. Der Prophet Ezechiel und dieApokalyse Z.ck-annis weisen ^launigsach nach Egypten hin. In der Lyrik finden sich bei frer Vergleichung der ägyptischen Llebespoc,le mit Dem £Wn .liebe und einem Erinkliede ,,Weisheit SalomoB ) zahlreich: Be- mihrungspmikle, ebenso b.i Erauergesängen. Motive der hebrä­ischen Psalmen finden sich gleichfalls bei den Ggtjptern und er­geben, daß daSIch" der Psaluien die nirlnchc Perion des betenden, nichc, wie vielfad. irrig angenommen, die Gmiemde bedeutet. Die hebräisch Spruck-dichtung ift höchst wayrichiulich .unter dem Einfluß dex egyptischn entilaiiDen die Warnungöutc 2ich vor dem fremden Weibe" kehrt in beiden wieder). ~ay Jud) .\?iob, das sonst in der Bibel ganz isoliert dastehl mit feiner Diskussion per optimistischen und pessimistischen Welianichauung, ist auf egyptischn Einfluß zurückzuführeii. Leviathan unp Sehe- Dvth, die beiden ruilDen Tiere, weisen direkt auf egyptifiM Ilitder hin. In Bezug auf Die Eschiwlogie .Anws, EeiaiaS, Jeremias- hat Greßmami den Naäpreis geführt, das der von ien Propheten geweissagte Weltuntergang im -Schema mit dem «ayplischen übereinftimnu, wenngleich die kosmifchn Buder nicht Lieselbeii sind. Gewisse.Vorstellungen vom Leben nach dem -pode Kimmen in der egyptischn wie in Der jüdischen und urchrift- lidjcn Auffassung überein. Redner wollte mehr Fragen aufroerjen Tls Antworleu bieten, was ihm jedenfalls in geiftreicher und ßyselnder Weise gelungen ist. m .

Vor einem außerordentlich zahlreichen Publikum mut Der Lus dem Schell-Streit bekannte Würzburger Pvofefsor Merkle &incn Vortrag über: Die katholische Beurteilung des Zeitalters der Aufilüruiig. Ein aufgeklärter Katholik ui) er er Zeit hat erklärt, man solle mit den Jünglingen in den Priester-Seminaren Mitleid haben und ein anderer fagte, als ec die Zustände Der Universität Würzburg kennen lernte, er wolle

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Angelpunkt jeder liberalen Aktion darstellen muß. Hier ver­treten die National liberalen ein Besitz- und Bildungswahlrecht, das durchaus unvereinbar mit der polilischn Gleichberechtigung ist, wahrend die Fveisinnigen das allgemeine, gleiche, birefte und geheime Wahlrecht angebrachter Maßen als Pnnzipiensrage verfechten. Wie soll da ein Ausschuß einen Ausgleich f nden? Und wie soll bei so tiefgehenden Gegensätzen eine einheitliche, nachdrückliche Aktion zu erzielen sein'? Allerdings haben setzt nationalliberale Blätter vereinzelt die Lösung der Wahlrechts- fragc sogar als Vorbedingung der Finanzreform bezeichnet, aber sie verschweigen dabei, in welchem Sinn die Lösung erfolgen soll. Sind die Nationalliberalen bereit, in eine Revision ihrer Stel­lung zum Wahlrecht einzutreten oder nicht? In solchen Grund­fragen muh man umsomehr einig sein, als sich ein s2lu5einanber» fallen in vielen anderen Dingen nach Lage der Verhältnisse von selbst ergeben wurde. Ehe eine solche prinzipielle lieber ein ftinr mung in Fragen der liberalen Weltauffassung nicht herbeigeführt ist, versprechen wir uns von einem Gesamt-Ausschuß leinen Nutzen. Wir würden es auch für töricht halten, wenn die Linke mit Rück­sicht auf die rechtsstehenden Nationalliberalen sich etwa in der temperamentvollen Vertretung ihrer Ansichten beeinträchtigen lassen wollte. Tas würde den Wünschen der Wähler durchaus nicht entsprechen, die mehr denn je eine zielbewußte und energische Politik beanspruämi."

Tas heißt mit anderen Worten, daß auf linksliberaler Seite wenig Verlangen nach einer liberalen Einigung mit den National- liberalen vorhanden ist. Das bestätigt, wenigstens bei uns in Hessen, auch schon zur Genüge das Verhalten der demokratischen Presse gegen die Nationalliberalen. Wir stehen nicht auf dem Standpunkte, daß die vorhandenen Gegensätze nicht zu überbrücken oder daß bei einigem guten Willen nicht doch wenigstens eine Verständigung möglich wäre. Eine solche Verständigung wird aber unmöglich, wenn man sich gegenseitig in solcher unsachlichen Weise bekämpft, wie es gegenwärtig beispielsweise in Worms der Fall ist. Wir haben keine Veranlassung uns in den Streit der Wormser Volkszeitung mit der Wormser Zeitung zu mischen, aber sym­pathisch berührt die Kampfesweise der Volkszeitung wohl keinen. Eine temperamentvolle Vertretung seiner Ansichten wird man gewiß keinem Menschen verübeln können, aber man fällte doch auch im politischen Kampfe immer die Sitten und Gepflogen­heiten der gebildeten Menschen bewahren.

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Die liberale (Einigung.

Der Generalsekretär des Reichsv.roandes der nationalliberal'n Jugend, Tr. Köhler, schreibt derKöln. Ztg.":

Schon ehe der Nationalverein für das liberale Deutschland den Enniguiigsgedanken innerhalb des deutschen Liberalismus pro­pagierte, hatte sich seit seiner Gründung der Reichsverband der Vereine der nationalliberalen Jugend um Die Einigung im liberalen Lager bemüht, und dieses Streben nach dem Zusammenschtuß aller liberal denkenden Muimer zu einem seiner Prvgrammpunkte erhoben. In den letzten Jahren ist nun die Förderung der Eini­gung des deutschen Liberalismus immer starker und lauter von allen liberalen Parteien betont worden. Der F-ranksurier pro- lanunatlsche Zusanunenschluß der linkslibcralen Parteien, das Nurtiberger Eungungsprogramm des bayerischen Liberalismus bil­den Marksteine auf dem Wege zur gemcini'ameu Arbeit d.s deut­schen Liberalismus. Seit Jahresfrist dient nun auch der National- verein dem sicher großen Gedaulen der liberalen Einigung. Tie Blockpolitik Uetz des weiteren das Gefühl des ZusammeiigehörenS der liberalen Parteien bentlidxr werden. Nur find die Wege, die zu dieser Einigung führen sollen, verschieden. Während ber ^011^10(0(^11 das_ l'toloe Gebäude von unten beginnend aus- führen will, das heißt, ivährend er glaubt, diese begehrte Einigung dadurch zn errewtym, daß er den einzelnen für Den liberalen Eini- gungsgedanken gewinnt, sucksten die linksliberalen Parteien durch ei» gemeinsames Programm lwlitisck>er Forderungen dem er­strebten Ziele der Einigung zu dienen. Bei dem letzten Bemühen zog man die nationalliberale Partei nicht hinzu. Tas mußte auffallen, da ja doch der nationale Liberalismus die bei weiten, größte Anhängersckiast im deutschen Volke besitzt. Es war des­halb auch kein Wunder und Durdjaud zu verstehen, ivenn die nationalliberale Partei sich zu den Einigungsoersuchen der andern nicht drängte. Es war dies Verhalteit Der nationalliberalen Partei taktisch ebenso rid)iig als praktisch Ung. Der Reichs- verband der nationalliberalen Jugend stellte sich in Kol.erslautern auf denselben Standpunkt »Die die alte Partei. Mait toDelte, daß die linföiiberolcn F-raktfonen sich bei ihren Frankfurter Eini- yuugsbemühungen nicht aud) mit der größten liberalen Partei ins Einvernehmen gesetzt hätten, und stellte es den Mitgliedern der nationalliberalen Jugend frei, ob sie dem Nationalverein beitreten wollten.

Um sv bemerkensiverler ist wohl ein von dem Aesamtvorstand des Reic^svervande^- zu der diesjährigen Vertrererversammiung in Elberfeld (10. unb 11. Oktober- ocriretener Antrag, der die nationalliberale Parteileitung auffordert, die nötigen Ver­handlungen mit den anderen liberalen Parteien cinjuleiten, um einen gemeinsamen Ausschuß zu s d) a f f e n, in dem die einzelnen liberalen Gruppen je nach ihrer Stärke vertreten sein sollen. Dieser Ausschoiß soll dazu dienen, alle den deutschen Liberalismus interessierenoen Fragen gemeinsam zu bespred-en und, wenn nur irgend möglich, so ein gemeinsames Vorgel-en der liberalen Parteien von Fall zu Fall !i sichern. Wir glauben, daß die nationalliberale Parteileitung fiel) um die Einigung des deutsd-'en Liberalismus, die von dem dcutsd-en Volke sehiilichckt erwünscht wird, ein Verdienst erwerben kann, wenn sie dem Bvrsdstage des Reichsverbandes ber Vereine der nationalliberalen Jugend zur Schaffung eines gemeinsamen Ausschusses sämtlicher liberalen Parteien nicht nur näher tritt, sondern die Verwirklichung dieses Vorschlages tätig betreibt."

Was hier über die Sehnsucht nach einer Einigung des GesämtliberalisMus gesagt wird, entspricht, so bemerkt hierzu dieFranks. Ztg.", einer tatsächlich vorhandenen Strömung, ber ja audi der Nationalverein sein Entstehen verdankt. Man wird aber nicht übersehen dürfen, daß dieser Verein bisher die Stellung in unserem politischen Leben dnrd-aus nicht erreicht Hot, von ber seine Gründer träumten, baß er vielmehr in ber Praxis auf ziemlich ausgesprochene Zurückhaltung stößt. Wie kommt das? !us bloßer Stimmung heraus lassen sich eben solche Probleme nicht lösen, es ist dazu vor allen Dingen eine ausreichende Ueber- einfiimmung in den Grundanschaunngen von nöten. Man wird nun nicht behaupten wollen, daß eine solche innerhalb der libe­ralen oder sich liberal nennenden Dtidftungen bereits hergestellt lei. Nicht einmal in Fragen, die für den Liberalismus Deckst cigentlid) zu den programmatischen gehören, ist bas der Fall. Nehmen wir nur das preußische Wahlrecht, das gegenwärtig den

Zweites Blatt 158. Jahrgang Freitag 14. Angnst 1808

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Ans Stadt ubiö LaiiS.

Gießen, 14. August 1908.

Bichhof und Bichmarkt.

Wie man sich die n.umiid)e ^renuung von Viehhösen unb Viehmärkten an Schlad-iHöfen beult, davon hat die Stadtver- vrdnetewVcrsammlung unserer Stadt vor 6 Jahren etwa ein klassisches Beispiel erlebt. Damals balle der Landwirtschaftliche Verein für b.e Provinz Oberhe>sen besd-lossen, in Gießen einen großen Zuchtviehmarkt cinjuria tcn, auf weld-em nur von Laub- wirten gezüchtetes ober gehaltenes rassereines Rindvieh für Zud>t- zwecke (£)crbbud,ticrc) zum Berkaus gebracht werben sollten. Händ­ler sollten bei diesem Markt wobt als Käufer, selbst aber mit Öerbbuchtieren nicht ats Verkäufer zugelassen werden, gegen tocldjc Bestimmung Stad.v. Kirch damats in öffentlicher Sitzung lebhaft protestierte. Der Prvvinzialvcvetit verlangte damals von Der Stadt Gießen für diese 12 mal wahrlich von ihm zu oerauftaltenbcn 'JJLärftc die kostenlose Vergabe eines besonderen Platzes mit allen wm Marklverkchr eiforbcrlidxn Einrichtungen. Begründet war das allerdings sonderbare Verlangen damit, daß man den Land- ivirte:: nicht jumuten könne, ihre wertvollen Tiere auf dem städti­schen Diehntarklplatz auszutreiben, auf welchem alle 14 Tage tau* jenbe von Ländlervieh auigetricben würde, weil damit Die Ge- ahr oerbunben sei, die SGlanl* unb Zk'tauenseuche in die Ställe der Landwirte etttgesckKeppt zu erhalten. Ter Antrag ging an die städtische Marklkomntijsion mit ber Direktive, tunlichst dem Provinzialverein entgegenzukommen. Mait verhandelte mit dem Brauereibesitzer Georg Bichlev unb dieser erflärlc sich int Interesse ber oaefte bereit, am Fuße der Hardtt.-rrasse den damaligen Sport­platz für den geplanten Zuck-tviehntorit zur Verfügung zu stellen. Die Stad: aber war bereit, die erforderlichen, immerhin nicht sehr billigen Einrichtungen auf ihre Kosten herzu stellen. Der Provut- zialv:r-in hieß jedock) den Plan nicht gut, dessen Vorstand er­klärte, baß die S)arbt zwar vom Gießener Viehnutrltplatz und and) vom Schlachthaus genügend weiträumlich entfernt liege, daß aber, um mit dem Vieh nad) dem Sportplatz an der vardt zu gelangen, die Landwirte dieselben Straßen und be­sonders auch die Lahnbrücke benützen müßten, lockte auch vvn dem Handelsvieh und dem Vieh der Metzger benutzt iccrbc, wenn diese nach Dem Viehmarktplatz ober Bahnhof getrieben werden und daß damit die Scudfenveri'chleppung gegeben fei. Damit war für die Stadtvcrordneten-Versammlung vor 6 Jahren die An­gelegenheit erledigt. Tie Landwirte hoben diese Zuchtvichmärkte zersplittert in kleineren vberhessischen Orten abgcholte^i, der ge­plante Zentralmarkt kam nicht zustande, fidyer zum Schaden der Viehzüdster in Lberhessell, weldf^e ihre Tiere ohne F-roge ba am höchsten auf den Preis bringen, wo durch eine große Auswahl Kaufliebhaber in Masse ungezogen iuerben und dies kann auch nur an einem Platz geschehen, der bequeme Verkchrsoedingungen nad) allen Richtungen bietet Nun noch ein Wort über die ver­meintliche Seucl engesohr beim sogenannten Händlervieh: Der ver­storbene Kreistierarzt Schmidt, der jahrelang als iokijer die Gießener Viehmärkte überwacht und kontrolliert hat, wurde lur-z dor seinem Ableben vvn unserem GewährSmaiine gefragt, ob tti bei feiner Tätigkeit unter dem Auftrieb zum Gießener Markt schon einmal seuchenverdächtiges Rindvieh angetroifcn hat. Herr Schmidt äußerte fick) verneinend, meinte aber, dies komme daher, weil die Händler, die nach Gießen auf den Markt Vieh bringen, wissen, daß sie hier sehr scharf kontrolliert werden, daher seien biefe Leute vorsichtig unb bringen mir gesunde Tiere auf den Markt. Jedenfalls bleibt die Tatsache bestehen, daß bisher (in Gießen werden jährlich ca. 25 000 Stück Rindvieh auf den Markt gebracht), fein seuchenverd.ichtiges Stück Vieh unter dem Häirdler- vieh gefunden nrorben ist. Andererseits aber steht fest, daß in Ober Hessen in den Stallungen von Landwirten die Seuche schon ausgebrock-en, unb damit ist sicher dargetan, daß die .Handelsleute,

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