Dienstag 13. Oktober 19081
158. Jahrgang
Nr. 241
Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».
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aus selbständige und zielbewutzte Arbeiten anzusehen, die so nur von deutschen Künstlern geleistet werden konnten. Am anziehendsten sind die Entwürfe von Maximilian Dasio, die freilich nicht alle auf derselben Höhe stehen. Am besten sind wohl die Münzen mit dem ausschreitenden, gekrönten Adler, mit dem Roland, der Eeres und dem Segelschiff. Die mit der Germania dagegen halte sich für die von allen am wenigsten gelungene. Die individuelle Auffassung des Künstlers weicht hier bedentlich von der brunhildähnlichen Vorstellung des Volkes ab und ersetzt es durch eine griechischromanische Mischgestalt mit einem faunisch-dummen Lächeln. Von den übrigen Entwürfen gefallen mir die Pfennige von Felix Pfeifer und von Friedrich Lolnmel am besten. Besonders den von Lommel hatte ich für sehr gut gelungen: das stilisierte Aehrenbüschel erscheint mir ganz vortrefflich. Von den weiteren Entwürfen nenne ich noch die von Benno Elkan und O. Aurich. Vterkwürdig ist es, daß von allen in Frage gelomrnenen Bildhauern keiner den heraldischen Adler verwendet hat. Das Ergebnis dieses Preisausschreibens beweist, daß wir auch in Deutschland herrliche Münzen haben könnten, wenn sich das Reich der Sache annähme und das, was der Dürerbund'irn Heinen begonnen hat, im großen fortsetzen wollte. Die Pflicht, dazu hätte es eigentlich. Aber es ist weit: von der Kunst bis nach Berlin.
Karl Neurath.
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— Aus Fran kfnrt a. M. schreibt man uns unterm 11.
politische Lagesschau.
Zur Abänderung der Cewerbeordnnug.
Neuerdings mehren sich die Fälle, in denen Jntereffeiiten- l wände, veranlaßt durch Zeitungsartikel, Auskunft iür beabsichtigte vÄnderungen der Gewerbeordnung vom Reichsanft des Innern l Hilten. Wie die Reichstagsverhandlnngen der letzten Jahre er- l Sen, werden von politischen Parteien und von Jnteresseiften Ab- LÜrimgeii der Gewerbeordnung aus mamiigiacbeii Gebieten er- ! ibt, und wiederholt ist vom Bundesratslifche ans erklärt ivorden, 5 Arbeiten über verschiedene solche Abänderilngcn eingeleitet Lovbcn sind. Sobald zur Publikation geeignete Entschlicßnngen l r Reichsrcgiernng gefaßt sein werden, wird die Oeffcntlichteil l.imtnis davon erhalten. Gegenwärtig ist dieser Zeitpuilkt noch licht gekomnien.
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schm UniversitätS - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
Die „Siehener Zamilienblätter" werden dem /Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Areirblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 5ett» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:S^I12. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Fladen enkolade
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Deutsche Studierende in Amerika.
An der Harvard-Universität 511 Cambridge U. S. A. ist vom .ginnenden Winter ab eine Einrichtung getroffen, die sür die ZÜderung des deutsch-amerikanischen geistigen Austausches erheb- iche Bederltung xu gewinnen verspricht. Die Korporation der Il,iversität hat sich nämlich vom 1. September d. IS. auf zehn i ihre bereit erklärt, eine Anzahl fortgeschrittener deutscher Studieren- 1, bis zu fünf im Jahr, die vom preußischen Untcrrichtsministe' ,111m empfohlen werden, in allen Abteilungen der Universität von den regelmäßigen Unterrichtsgebühren zu befreien. Ta diese Ge- iüchren je nach den UniversitätLabteilunaen 600 -bis 800 Mark jähr- ,k£j betrage»,, so darf darin eine wesentliche Erleichterung des -ludiums an der Harvard-Universität insbesondere für solche Lt edierende erblickt werden, die sich einem tieferen Studium auf (iiem einzelnen speziellen Gebiet widmen wollen- Es darf gehofft serben, daß von dieser Einrichtung, die dem freundlichen Eni- p.genFommen der Universitätsbchörde gegen deutsche Studierende Sprüngen ist, ausgiebiger Gebrauch gemacht »oird.
irich«, nächste Linastuude sw!' am 21. Oktober statt, stag den 17. er., ober1 ch Mri m unteren Lokal des Ü
Ebel. (y= aselbit Besprechung einer
»ountagstoor.
Der Borstatld.
Tücher Echarpes Ärs ärt^ Haarschniuck
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Zungliberakr Parteitag.
S.u. H. Elberfeld, 10. Ott.
Mit einer Begrüßungsversammlung int Festsaale des hiesigen Thaliatheaters begannen hiev die Verhandlungen des 10. Ordentlichen Vertvetectages des Rcichsverbandes der Vereine der nationalliberaleu Jugend, auf deren Tagesordnung wichtige Beschlußfassungen inbezug auf den Badischen, Bayerischen und Süd- wcstdeutschen Verband Jungliberaler Vereine sowie Vorträge und Anträge zur Stellungnahme der jungliberalen Bewegung inbezug auf die politische Lage und die Agrarfrage stehen.
Von den zum Parteitag eingegangenen Anträgen interessieren besonders drei Anträge dcs Vereins Frankfurt a. M., die von den Vereinen in Mannheim, Hannover, Marburg, Kempten, Darmstadt, Heidelberg und München unterstützt werden und die lauten;
1. Der Vettretertag spricht sein lebhaftes Bedauern aus, daß es nicht gelungen ist, bei den letzten Wahlen mehrere jungliberale Abgeordnete in die Parlamente zu entsenden. Er ist der Ansicht, daß es die Pflicht der nationalliberalen Partei wäre, und daß es deren eigenes Interesse dringend erfordere, dafür zu sorgen, daß der Jungliberalismus angemessene Vertretungen so- woyl im Reichstage wie inj den verschiedenen Landtagen der Bundesstaaten enthält. Der der nationalliberalen Partei fteiwillig dienende JungliberaliSmus hat ein Recht auf bessere Berücksich- tigung bei Der Aufstellung der Kandidaturen als dies bisher geschehen. 2. Ter jungliberale Vertretertag erwartet, daß die liberalen Parteien und vor allem die natioualliberale Partei sich bei der Vorlage zur Gesundung der Reichsfinanzen von vaterländischen Erwägungen letten lassen tverben. .Daneben darf aber seitens der nationalliberalen und anderen liberalen Parteien auch diese Gelegenheit nicht versäumt werden, um den Verbündetest Regierungen nachdrücklich klar zu machen, daß die Mitarbeit der liberalen Parteien in solchen Fragen von nationaler Bedeutung, wenn sie von den Wählern gebilligt werden soll, dringend die Verwirklichung der vornehmsten liberalen Forderung nötig macht, so vor allem die Schaffung eines Wahlrechts für Preußen, das deut Volksverlangen entspricht. 3. Der jungliberale Bertretertag verlangt von allen liberalen Parteien, insbesondere aber von der nationallibcralen Partei, daß sie ihr bestes tun werden, um die Besoldungsvorlage für die Staatsaugestellten int Reich und in Preußen mit größter Beschleunigung zu verabschieden.
Zu letzterem Antrag liegt ein Zusatzantrag Hannover vor, der lautet:
Der Vertreter tag erwartet, daß die Besoldungsreform den berechtigten AnfoiLerungen, die sich aus der allgemeinen gesteigerten Lebenshaltung ergeben, auspcick-end Rechnung tragen wird, und daß die Vorlage entsprechend den in der Thronrede des preußischen Landtages und den im Reichstage gegebenen Zusicherungen rückwirkende Kraft vom 1. Älpril 1908 eb erhalte. — Von
d. Mts.: Gestern hatten wir im Sck-auspielhause die erste Uraufführung: Gustav Esmanus, des vor einigen Jahren unter so tragt?dien Beglettersä-einungen verstorbenen Kopenhagener Dick)- rers, Lustspiel „Die liebe Familie" (deutsch von Koppel und Berg). Esmann scheint sich jetzt — wie überhaupt Die Dänen — die deutsche Bühne zu erobern. Er hat Qualitäten, aber seine Werke sind doch nicht alle gleichwertig. Und das gestern aufgeführte ist, ungeachtet mancher Feinheiten im Dialog, in der Charakteristik und in der Art des Komischen, eine gar zu harmlose native, so daß man sich die Mühe der Ueberfetzung und der Aufführung wohl hatte sparen können. Schließlich gibt es für eine d e u rsch« Bühne doch wohl dringendere Aufgaben.
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Ausland.
Der 8. itttevnatio n a le Arbeiterversicherungs- kongreß ist gestern vormittag auf dem Kapitol zu Rom eröffnet worden. Die deutsche Reick)svcgierung war durch den Präsidenten des deutschen Reschsversicherungsamtes Dr. Kaufmann vertreten.
Der UnivevsiLLtsstreik in Petersburg. Die Versuche mehrerer Professoren, in der Universität Vorlesungen zu halten, wurden durch Abwesenheit der/Zuhörer sowie durch Lärm der auf den Korridoren versammelten streikenden Studenten verhindert. Die Versuche einer Gruppe des Studentenvereins des russischen Volksveckbaiidcs, den Prorektor Professor Baum gewaltsam zu beioegen, ein Kolleg zu lesen, indem sie das Katheder umringten und mit Knüppeln Drohten, mißlungen.
Mißstände in der Verwaltung. Die vom Grasen Pahlen im Turkestan-Transbaikal-Gebiet erst kürzlich begonnenen Senatorenrevision zeigt schon zum Beginn, daß in Taschkent sehr vieles in der Gemarkung faul ist. Eine ganze Reihe Polizeibeamten ist von Graf Pahlen bereits entlassen und dem Gericht übergeben worden. Nachdem festgestellt ist, daß Unterschlagung von Staatsgeldern, Bestechung und Erpressung bei einer Reihe höherer Beamten eine gewöhnliche Erscheinung ist und unter den Augen des Generalgouverneurs ausgeführt wurden, erscheint dieser Anfang so vielversprechend, daß man annhnmt, daß auch in der oberen Verwaltung dieses Gebietes manches nicht ganz stimmen wird.
Marokko. Den unrechtmäßigen Grundstücksverkäuseu in Casablanca wurde Einhalt getan und die bereits vollzogenen rückgängig gemacht. Dabei stellte sich heraus, daß die ehemaligen Minister Abdul Asis diese Verkäufe regelten. Eine Meile von Rabat wurden drei desertierte deutsche Legionäre, Schäffer, Luthi und Miessuweith, von französischen Polizisten ergriffen und gefangen nach Casablanca gebracht. Bekanntlich reicht das von Fran-osen besetzte Gebiet nicht so weit.
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L B. V. 1885.
tcreitafl, den 15. Oklodc ereinslolal ftottl Schiüj ü'-teek Tages'OrdvEi 1 des Lochmsev; ma»ablaae;
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teleien, die im Schoße der „lieben Familie" unter dem Deckmantel der geschwisterlichen und kindlichen Liebe ihr Wesen treiben. Ver- ntutltd) ist das Sttick, das jedes dramatischen Kerns und der festen Strucktur entbehrt, aus einem Roman zurechtgemacht. Bei einer sehr sorgfältig vorbereiteten und durchgearbeiteten Ausführung mag es immer bin ganz fesselnd wirken, denn einzelne von den Charakteren lassen sich zu dankbaren Rollen gestalten. Aber bei der Hetzjagd, die auf unserer Bühne, um den Hunger der lieben Abonnenten zu befriedigen, abgebalten wird, ist an solche sorgfältigen Durcharbeitungen nicht zu denken. Die Aufnahme war geteilt. Zum Schlüsse hörte man verschiedentlich zischen.
— So muß e s kommen. Vor einigen Jahren nahm der Kaiser Veranlassung, der bekannten Verfasserin vieler künstlerisch höchst minderwertiger, vorn breiten Publikum aber gern gelesener Romane, Natalie 0. E s ch st rn t h, seine besondere Zu'rieden- beit auszusprechen. Tas verursachte damals erhebliches Aufsehen und Kopfschülteln. Ter geschäftskundige Verleger der Eschstruth ließ sich die persönliche Aenßerung des Kaisers nicht ungenutzk entgehen, sondern verwandte sie zu Reklamezivecken. So kam es, daß eine der Leserinnen bei „Welt am Montag" dieser Tage ein bemerkenswertes Renkontre mit einer jener Agentinnen erlebte, die die gesammeften Romane der Eschstruth aus den Hintertreppen herrschaftlicher Häuser an die Tienstboten verschleißen. Die Gewährsperson öffnete in Abwesenheit ihres Tienstinädchens einer solchen Agentin und wies sie, als ihr ein Eschstruth'sches Roman- hest angeboten wurde, entschieden ab mit den Worten: .Lassen Sie ' mich mit dem Zeug in Ruh!" Unter höchster Entrüstnng antwortete da die Agentin: „I ch w e r d e S i e w e g e n At a j e st a ts- bet e i d i g n n g a n z e l g e n. Seine 'Df a j e ft ä t lieft die Romane!" Und erst, nachdem sie nochmals energisch abge- wimmelt worben, trollte sich bieEschstruth-Propaganbistin patriotijch schimpienb bie Treppe hinunter.
— Kleine Chronik aus Kunst u nb Wissenschaft. Vic10rien Sarbou, der bejahrte französische Schriftsteller, dessen Gesundheitszustand in den letzten Wochen viel zu wünschen übrig ließ, ist abermals schwer erkrankt — Dem Di a l- Ca|te n der berühmten Künstleroereiiiigung in D ü s s e l b 0 rf ging von bem chinesischen Vizekönig Tuanfang em Dankichreiben für em ihm zur Erinnernng an seinen Besuch 1906 iiberfanbtes Künstler- album zu. — Der riis|lsche Minister für Botksaniktärung ueitätiqte die Wahl Leo Tolstois 511m Ehrenmitglied der Petersburger Universitär.
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Politik der Regierung, deren unst.'te, bard^allzu heftig vordringende, von den Vereinen in Cannstadt und Feuerbach):
1. Die fortschreitende Entwickelung Deutschlands im Innern beruht vor alleni auf der Sicherheit seiner Sage nach außen. Statt dessen hat sich des deutschen Volkes in den letzten Jahren ein zunehmendes Gesühl der Unsicherl>cit mehr und mehr bemächtigt. Die Sckmld hieran trägt vor allem die auswärtige Politik der Regierung, beten uustäte, bald allzu heftig üDrbringcnbe, bald überängstlich zurückweick)ende Behandlung der auswärtigen Fwgen burd; eine Politik der ruhigen aber festen Hand ersetzt werden muß. Nötig ist aber auch eine eindringlichere Anteilnahme breitester Massen des Volkes an den Fragen der auswärtigen Politik, denn nuc so kann die Regierung zu einer den Bolksinteressen dienenden Führung der Geschäfte gezwungen werden. Zur nattonalen Betätigung in diesem Sinne ruft der Ver- tteteriag alle Deutschen, insbesondere die uationalliberale Partei des Reichstages und die Atitglieder dcs Reichsverbandes auf. 2. Der Vertretertag erblickt in der ungehinderten Organisation aller Arbeitnehmer, insbesondere auch der Privataugestellteu die unbedingt erforderliche Grundlage einer niodernen, auf liberalen Prinzipien ruhenden Gestaltung des Anftellungsverhältnisses. Er spricht daher die Erwartung ans, daß Eiugrifse in das Qrgani- sattonsrccht künftig unterbleiben und bittet die Fraktion der natto- nalliberalen Partei für ausreichenden gesetzlichen Schutz desselben, im Reichstage cinzutreten.
Vom Verein Jena liegt folgender Antrag auf Schaffung - eines Arbeitsprogramms vor:
Die Vertveterversammlung der jungliberalen Vereine uwlle die Ausstellung eines jungliberalen Aröeitsprogramms beschließen, das, auf dem Boden der Gesanrtpartei stehend, die Richtlinien für die Arbeit im Reichspevoand wie in den Einzelvereinen weist.. Als Grundlage der Beratung wolle sie den folgenden Enttvurf benutzen : Auf dem Boden der nationalliberalen Partei erstreben wir folgende Ziele: 1. Politische Verjüngung der Partei: Zellgemäße Fortbildung des Parteiprogramms. 2. Brechung der Reaktion im Reich und den Einzelstaalen: Zweckverband der gesamten bürgerlichen Linken. 3. Energische Machtpolitik nach außen:.Er-, Haltung der Wehrmacht; Verstärkung der Flotte. 4. Reform । veralteter Verfassungen; allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht: seine Einführung in den Einzelstaaten, neue Wahlkreiseinteilung im Reich, Proportionalwahlen. 5. Stärkung! der Reichseinheit: Lvampf gegen rückständigen Partikularisrnus. 6. Reichssinanzreforrn: finanzielle Unabhängigkeit des Reiches; direkte Steuern; energijche Schuldentilgung; Verstaatlichungs- Politik. 7. Eintreten für alle Aufgaben moderner Kultur: für J-reiheit des Glaubens, der Forschung und des künstlerischen Schaffens; Hebung der Volksbildung; Förderung der ästhetischen Kultur in unserem Vaterlande; Unterstützung aller Bestrebungen, die körperliche Tüchttgkeit der Nation zu erhöhen. 8. Kawpf dem Ultramontanismus: Unterstützung dem nationalen Katholizismus. 9. Trennung von Staat und Kirche: Unterstützung des kirchlichen Liberalismus in der protestantischen Kirche. 10. Befreiung der Schule von Kirche und Konfessionalität: Simultanschulen; Fachschulaufsicht. 11. Höchste Vervollkommnung des Erziehungswesens : Behandlung der Erziehung des Heranwachsenden Geschlechts als die vornehmste und veranttoortlichste Aufgabe der deutschen Nation; Freiheit der Hochschulen; Erleichtenmg des Hochschül- besuches; tatkräftige Reform des höheren Schulwesens; Ein^ firhrung eines staatswissekisck-aftlichen Unterrichts; obligatorische Fortbildungsschule und Ausbau der Fachschulen; Einschränkung der Exannna. 12. Energische Förderung des Lehrerstandes: wirtschaftliche Hebung; Reform bei) Seminarien; Behebung des Lehrermangels; Reform der Llusbildiing der höheren Lehrer. 13. Grundlegende Reform der gesamten Verwaltung: ZurücÜ>räuguug des Zenttalismus durch bie Selbstverwaltung, des Kastenwesens und der überwuchernden Anzienuität durch fteien Wettbewerb; Stärkung des Laieuelimrents und der Nichtjuristcu; Vereinfachung des Geschäftsganges, insbesondere in bei) Rechtspflege; Reform des Strafvollzuges; wirtschaftliche Hebung des Beamtentums. 14. Kamps' allen Mißbräuchen int| Hesr: Kampf gegen Feudalismus im Offizierkorps, gegen Korruption im Unteroffizierkorps, gegen Mißhandlung der Mannschaften; Verwirklichung des Gedankens einer großen nattonalen Erziehungsanstalt in Heer und Flotte. 15. Bekämpfung jedes Gewissenszwanges: des politischen wie dcs religiösen in Schule, Heer und Verwaltung. 16.. Wirtschaftlicher Schutz dem Bauernstände: Pflege intensiver A>benfu[tur und des landwirtschaftlichen Bildungswesens; innere Kolonisation; kulturelle Hebung des Lanblebens. 17. Förderung dem gesunden Mittelstände: dem selbständigen Handwerke wie beit Privatangestellten ; Linderung den im Existenztampf unterliegenden Berufszweigen. 18. Den 2(tbeitem jede mögliche Verbesserung der । Arbeitsbedingungen; Förderung alles dessen, was den Arbeiter , kulturell hebt; paritätische Arbeitskammern. 19. Ausbau des Versicherungswesens: Arbeiterversicherung, Privatbeamtenversicherung. 20. Den Frauen: rechtliche Gleichstellung und bessere
Derrt?ehes Resch.
Der Reichskanzler und Gemahlin sind gestern früh wieder in Berlin eingetroffen. Um 1 Uhr empfing der Reichskanzler ’?.i\ Besuch bes Kaisers, der sich zum Frühstück bei ihm angeiagt ^ilte. An dem Frühstück nahmen ferner noch Teil die Staats- "(heiäoe von Schön und Bethmann-Hotliveg, der Gesandte J-rh. ) Janisch, der UntevstaatSsekretär von Loebell und einige Herren iu J dem militärischen Gefolge des Kaisers.
Die Bürgerschaft von Husum nimmt int Gegensatz p dem Stadtverordneten-Kollegium gegenüber dem Bürgermeister bis. Schückiug eine günstige Stellung ein. Es scheint ein Kon- [lilt zwischen der Bürgersckiaft und den Stadtverordneten bevvr- i islehen. Die Erregung in jener ist groß. Dian glaubt, daß bie Stadtverordneten aus ihrem Verhalten die Konsequenzen ziehen leiben.
Der Münchener Nunzius hat die übliche Einladung px Genevalversamm'üing des katholischen Preßvereins abgelehnt, reä zwei iuttansigente Münchener Zentrumsblätter heftige An- pfffe auf den Münchener Erzbischof wegen seiner polittschen Zurückhaltung gebracht haben.
Der regierende Bürgermeister Dr. Schön hat einen Schlaganfall erlitten, her eine rechtseitige Lähmung zur Folge Vtte. Dein Zustand ist sehr ernst.
Todesfall. Tie „Ostpreußische Zeitung" meldet: Ritter- Iplsbesitzer Hermann v. Sperber-Grauden, Mitglied des Herren- DM'ses, ist geswrben.
Der m e ck l e n b u r g i s ch e Landtag wurde gestern um 1? llhr eröffnet. In dem von ben Kvmmissarien eingerichteten Iiberhöck)steu Reskript wird ausgeführt: Die Landesherren traten in eine erneute und eingehende Erwägung der Frage ein, welcher 11*8 für die Durchführung der Verfafsungsrefvrm der gangbarste |< ba ber von der Ritterschaft gemachte Vorschlag für die Re- <{i^rung unannehmbar erachtet werden müsse; letzteres wird ein- pljenb begründet. Sodann schließt das Reskript: Wir müssen I^Giinad) unsere Vorlage in unveränderter Gestalt zur erneuten ^eaitung stellen. Wir wollen aber dabei nicht unerwähnt lassen, 14 vir an Einzelheiten nicht unbedingt festhalten. Sodann wurde l«h längerer Debatte beschlossen, Deputierte der Ritterschaft und Lr Landschaft zu wählen, um mit den Vertretern der Regierung sieTrhanblungeii zu pflegen.
Reblaus. Der „Pfalz. Kurier" konstatiert die sensationelle ratsache, daß ans den reblausverseuchten Säubern Trauben in jjäiiern in die Produkttousländ:r eingeführt wurden. Diese Fässer si-ai von oben bis unten und ringsherum mit Wriubergerde ver- Ich'iiiert, wodurch die Einführung der Reblaus unbedingt gegeben |ii. Das genannte Blatt fordert die Regierung auf, gegen diese ösfähibung des deuffchen Weinbaues die notwendigen Wlaßnahmen )U ergreifen.
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x:: neuzeitlichen Kunst bemerkbar macht und die Ahncn- ii-tft als die Kunst unserer Zeit betrachtet wissen will. Lidurch ist in gewissen Kreisen eine haltlose Verwirrung migerichtet worden und man läßt alles gehen wie es geht, iotyie sich um ideelle Gesichtspuntce zu bekümmern. Jnsolge- x ijen war es möglich, daß unsere neuen Marken samt pnferen neuen Banknoten ohne jeden tünstlerischen Wert find und im breiten Publif.un eine unheilvolle Begriffs- iäaischung verbreicen. Gege.. diese Mißwirtschaft hat sich lei Dürerbuno seit seinem Bestehen mit aller Entschiedenheit gewendet und das Preisausschreiben des Reiches für Entwürfe eines So-Pfennigstückes ist als erster Erfolg dieser Attrbearbeit zu betrachten. Im neuesten Hefte des Kunst- vcirtes sind nun die besten Entwürfe zu deutschen Reichs- Kilmzen veröffentlicht, die, wie Aüenarius schreibt, nach ieai ersten Preisausschreiben des Dürerbundes mit ein- jäMmigem Spruche der Preisrichter als die besten bezeichne! wurden. Sie zeigen aufs schärfste, wie weit unsere der- Mgen Atünzen unter ber Kunst stehen, sie zeigen aber tu.1), was deutsche Künstler leisten können. Freilich, manche _
Münzen lehnen sich nicht unwesentlich au antike und an Den Inhalt des Stückes' kennzeichne'vor Name.'"Es"ist eine Mizösifche Vorbilder an, aber die Mehrzahl sind als durch-1 gutmütige Verspottung her lleinlichen Zänkereien uub Eifersüch-
ttünftierische Reichrmü-izen.
Seit Jähren schon hat Frankreich nicht nur künstlerisch nertboHe Marken, sondern auch Bauinoten und Mnaen, äe ungleich schöner sind als die aller übrigen Schwer, .kanz im 5^intergrunde aber steht Deutschland, das in seiner üaistlerischen Wesen-.art voll-iändig zerrissen ist. Wir haben »' eine offizielle Kunst, deren Wert und Bedeutung sich sh tagend aus der Siegesallee beweifen läßt, und wir haben ine freie, rückgratfeste Kunst, die sich in Darmstadt eine Dchburg geschaffen hat. Diese beiden Kunstrichtungen, deren time sich mehr durch Knust, deren andere sich durch ihre .Tiichtuug" auszeichnet, stehen sich scharf gegenüber und etämpfen sich sogar heftig, wodurch es möglich gewesen st, daß die diesjährige Kunstausstellung in Paris von keiner e^chickt wurde. Diese mißliche Sage ist um so schlimmer, ils sich an leitender Stelle eine merkwürdige Wlehnung


