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13.3.1908 Zweites Blatt
 
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Freitag 13. März 1908

Zweites Blatt

Nr.63

Eichener Anzeiger

G^chetnl-N- mV Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gderheffen

158. Jahrgang

®te »Otehener ZamilienblStter" werden dem ,HUyeiQex* viermal wöchentlich beigelegt, das grtttölati für den Kreis Stehen" zweimal »ochenrltch. DieLandwtrtschaftlichea Seit- fftaaetT erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuk- straße 7. Expedition und Verlag: 6L

Redaktion:^4KII2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

pol8tiid?c Lorgesschatt.

Eine deutsche Patrouille von Hottentotten erschoßen.

AuS Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet: Am 8. März wurde eine deutsche Patrouille, die auS einem Sergeanten, drei Reitern und zwei Eingeborenen bestand, bei fiubub (zwischen Kocs und Gazis am Westrandc der Kalahari) oon etwa 25 Hottentotte n erschossen. Der nach Morden abziehende Gegner wurde durch Oberleutnant Müller mit Reitern verfolgt. Auch in diesem Falle dürfte e8 sich, irie bei den früheren Uebcrfüllen in jener Gegend, um Leute Iimon KapperS handeln. Die kleinen Karasberge wurden oon einer Kompagnie abgesucht, nachdem dort in letzter Zeit eine Hottentottenbande verschiedene Viehdiebstähle verübt hatte. Der Patrouille gelang es, der Bande sämtliches gestohlenes Vieh und Eingeborenengerät abzunehmen. Von dem Kom- -.iiando der Schutztruppe sind die erforderlichen weiteren Maß- nahmen zur Unschädlichmachung der erwähnten Banden in Die Wege geleitet worden.

Ausnahmebehandlung in Steuersachen.

Der Straßburger Mitarbeiter derFrankf. Zig/ berichtet im Anschluß an die Erbschaftssteuerangelegenheit des bisherigen StadthalterS Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg einen weiteren Fall der Ausnahmebehandlung in Steuersachen, und zwar handelt es sich diesmal um den Kauf des kaiser­lichen Schlosses in Urville in Lothringen. Die Mitteilung in der .Franks. Ztg/ lautet: Als Kaiser Wilhelm seinen Äohnsitz, Schloß Urville bei Metz, von mehreren Lothringer 'Familien erwarb, rvar der damalige Bezirkspräsident, Frhr. .Hammerstein, mit den Kaufoerhandlungen beauftragt. Der Kaufvertrag wurde von dem jetzt vorstorbenen Notar Bischoff in Kürzel verbrieft. Die gesetzlich beim Grundstücksverkehr lÜlligen Handänderungsgebühren sollen jedoch nicht entrichtet worden sein. Die elsaß-lothringische Regierung wird sich hier, wie im Falle Hohenlohe, der Pflicht der Aufklärung nicht entziehen können.

Aarlameirtnrisches.

Tie Heeresverwaltung mußte die Ausführung der Absicht, 4ein Reichstage einen Nachtragsetat r-nv Aufbesserung des Dienst ein komme ns für die unteren Grade einschließlich tunt Hauptmann aufwärts vvrzulegen, aus naheliegenden Grän- tun ebenfalls, bis zum Herbst verschieben. Es wird jc- tadj daran festgehalten, daß die GehaLserhölrung mit rück­wirkender Kraft vvm 1. April ab bewilligt werden und daß an ilr nicht nur die im aktiven Dienst befindlichen, sonderir auch die nach dem 1. April verabschiedeten Offiziere und bereit Hin- inbliebenen teilnehmen sollen, doch besteht nicht die Absicht, »ie vor dem 1. April verabschiedeten Offiziere und deren Hin- ittbliebeitcn an den Folgen der Gehalisaufbesserung teilnehmen m lassen.

Berlin, 12. Mürz. Die BürsengeseßkoMinission !»es Reichstages beenbete heute die erste Lesung der Bbrsen- fttiage. Sie stellte durch Annahme eines Zentrumsantrages bas ^örsenreg ister wieder her und führte scharfe Straf- b Stimmungen (Gefängnis und Geldstraie bis zu 10000 Mk.) ge- gtt einen Verstoß in Sachen des Vörsentermingeschäftcs ein. Liliidclsministcr Delbrück erklärte das Gesetz in dieser Form als «aannehmb ar, namentlich wegen der hohen Slrafbestim- «angen. Die zweite Lesung der Vorlage soll erst am 31. Mürz ftettiinben.

Tas Abgeordnetenhaus begann heute die Beratung des Eiats des Finanzministeriums, Nach längerer Debatte wurde der -Lite! des Ministergehalts bewilligt, desgleichen eine Reihe wei- btrer Titel. Ein Antrag Bachmann, für den Fall der -Verzögerung >»r Besoldungsvorlage den Beamten einmalige Gehalts­tagen zu bewilligen, geht an die Budget-Kommission, nachdem ch. der Finanzminister dagegen ausgesprochen hatte. Nach Er- 'iolgung weiterer Teile des iÄats wurde ein Antrag Arendt (frei-- «its.), den Mitgliedern des Abgeorditetenhauses Tagegelder «l.e deu Reich stags-Ab geordneten zu gewähren, der ^-ästsordnungs-Kommission überwiesen. Morgen Rest der zwei-

^iats-Beratung, dann Quellenschutzgesetz.

Die Budgetkommission des Abgeorbnetcn- Za u > e s nahm den Gesetzentwurf betreffend die w e i t e r e A u f - l t eßungdes staatlich cnBesitzesanStcinkoh le n- Fldern an, der der Staatsregierung einen Betrag, bis zu 55 -tulionen Mark zur Verfügung stellt.

AuslQNV.

Varis, 12. März. Nach einer Meldung des Generals SuhflT Ijat vollständige Niederlage der Mzab eine bebew- E?eJrl^nS* Ter General erhielt mehrere eigenhändige Schrei- -v vvnMuley Hafid und seinenMahallaführern, .? oenen sie um Aufschub der Operationen nachsuchen und um 'hnAa rcr Bitten. Außerdem boten die beiden Minister Mulch v1a,~=' Glaui und Tugi ihre Unterwerfung jetzt aller Form an.

-"Nachrichten zufolge, die hier aus Barcelona eingetrofsen dort gestern abend noch eine Explosion statt- rmmdeu zu haben, doch beißt es, es handle sich um die Ex- einer einfachen Petarde, der von den &> in N r.^nerlci Bedeutung beigelegt wird. Eine Person, die iung vrit dieser Explosion verhaftet worden ist, habe cd sich um einen Scherz gehandelt. Der ^getWsstu^ "fischen wohlbehalten in Madrid wieder vvwice, 12. März. Zur Verstärkung des mili- 'chen Schutzes der deutschen Einwohnerschaft L.6 *nl£t . fünf Kompagnien eingetrvffen. Es herrscht u n id i i I e darüber, daß diese Mililärlosten der Bürger- ^ast aufcrlegt werden.

Aus StaSt uuv LanÖ.

Gießen, 13. März 1908.

Tageskalender für Freitag, 13. März. Stadt- ?eater: Gyge s und sein Ring. Anfang 8 Uhr.

Samstag, 14. März, vormittags 9^ Uhr, zu Grün- ®a^auS »Zum Rappen": Ntusierun g der uumpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Beltershain, hT o ' ^^^^usen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kessel- *G^diraUteC' ^"^nstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen und

retpn ^er .58eri<^>t über die gestrige Stadtverord- * ersammlnng wird morgen veröffentlicht.

** In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Professor Dr Rachfahl und Beigeordneter Keller aus Gießen, sowie Pfarrer Lahr von Langd.

** Eine beachtenswerte Anregung wurde gestern in der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung zu Darm­stadt gegeben. Im Hinblick auf die in letzter Zeit vor- gekommenen Schädigungen hessischer Städte bei Finanz­operationen wurde von dem Stadtv. Reinemer die Bildung eines Revisionsverbandes der hessischen Städte zum Zwecke dec Revision aller städtischen Haupt- und Neben­kassen angeregt.

** DieDiensträume d'er Handwerkskammer HU Darmstadt sind vom 14. l- Mts. ab nach Georgen- straße 9, I. verlegt. Für die Sprechstunden wird die Zeit von 9111/2 Uhr beibehalten.

** Von der Wettertalbahn. Zwischen der Fär- ma Lenz u. Co. und der Stadt Bad Nauheim ist jetzt über die Linienführung der WettertalbahnGriedel- Bad Nauheim eine Einigung hergsstellt. Die Bahn soll von Norden in den Bahnhof Bad Nauheim einführen, ohne Rödgen und Wisselsheim zu berühren. Die Finan­zierung ist soweit erledigt und auch die Geländestellung zugesagt. Sobald der für die Strecke in Aussicht ge­nommene Staatszuschuß bewilligt ist, was noch von dem jetzigen Landtag erhofft wird, steht der alsbaldigen Aus­führung der Strecke nichts mehr im Wege.

* Die Zahl der Konkurse in Oberhessen mehrt sich in erschreckender Weise. Den Konkurserklärungen des Bankhauses Wertheimer in Büdingen, des Ob er-Mock­städter Spar- und Vorschuß-Vereins, des Leo­pold Neu in Ober-Mockstadt und des Referendars Burk hier ist inzwischen die Konkurserklärung der Frau Emilie Burk hier, der Mutter des Vorhergenanntcn, ge­folgt, die ebenfalls eine Folge des Büdinger Bankkrachs ist. Außerdem ist das schon angekündigte Konkursverfahren der Firma Bindewald in Friedberg inzwischen amtlich publiziert worden, sowie ferner der Gerbermeister Gg. Sparwasser II. zu Butzbach in Konkurs geraten.

* Den Haupttreffer der letzten Preußischen Klassen lotterie-Ziehung mit 100000 Mk. gewannen zehn Wagenmeister im Hauptbahnhof zu Frankfurt a. M., die zusammen ein halbes LoL spielten. Jeder erhält 4225 M. bar ausbezahlt.

-j-Leihgestern, 12. MärH. Nachdem! nach längeren Schür- fungsarbsiten auf dem Hvhenzug nach Gvüningen zu große Menge besten Tränkwassers gesunden worden sind, ist jetzt b1e Herstellung der Wasserleitung endgültig gesichert. Mit den Quellfaj- smtgsarbeiten wird schon inu April begonnen. Tie Fertigstellung soll im Sommer erfolgen. AruH die Felbber e in igu n g ist in Angriff genommen. Der Neubau d er Kirche ist im inneren Ausbau begriffen. Die Vollendung ist iml Herbst zu erwarten. Die Kirche erhält Zentralheizung.

W. Bab Nauheim, 12. März. Zum Besten der neu zu erbauenden Kin berste ilst ä tte sand gestern vor überfülltem Saale eine Wohltärigkeitsauf- führung statt, welche ungeteilte Anerkeimung sand. Fräulein Irene Oxenius aus Marburg trug, ab­wechselnd mit dem jugeudfrischen Kranz ihrer Schülerinnen, mehrere mit großem Beifall ausgeuommene Lieder vor, welche durch leberwe Bilder toirknngsvoll unterstützt wurden. Frau Ztechtsanwalt Seriba und Fräulem Marie Lorenz, deren temperamentvoller frischer Vor­trag von Gr ie g's5zochzeilZmorgen" Alle feffelte, hatten sehr zu Dank die Klaviervorträge, welche durchweg auf künstlerischer Höhe standen, übernomnten. Den Schluß bil­dete R e i n e cc e 's dramatisiertes Märchen Schneewitt­chen mit Chor, Sologescntg, lebenden Bildern und die von Fräuleui Abee sehr ausdrucksvoll vorgetragene De-^ klamation. Der Beifall, mit dem alle Zuhörer hierfür dankten, war lÄchrrft.

-s- Laubach, 12. März. In welch raffinierter Weise der Hosrat Rothschild vvvgegangeu, zeigt folgender Lorfatl: Ein Lehrer aus unferer Nähe hatte vor Iahten, als er noch in der Gegend von Büdingen in Diensten stand, von Hofrat Rochscknlb für 4000 Niark Wertpapiere bezogen. Dessen erinnerte sich Roth­schild und schrieb im Januar b. I. an ihn, er solle ihm sofort die Wertpapiere senden, denn es biete sich eine sehr vvrteichakL Austauschgelegenheit. Dem Lehrer kam das sonderbar vor und er teilte es feinem in Büdingen wohnenden Schwager mit. Dieser antwortete, er solle den Umtausch lassen, denn es sei mit Rothschild nicht ganz geheuer. Zu seinem Glück hat er den für Rothschild so vorteilhaften Tausch nicht gemacht.

cp Groß-Felda, 12. März. Einer der dienst- ä l t-e st e n Le h r e r H c s s e n s ist der hiesige erste Lehrer Heinrich Schmier mund. Er absolvierte Ostern 1854 5as Lehrerseminar zu Friedberg und fand noch im sel­ben Jahre dienstliche Verwendung. Am 1. April ds. Js. wird, wie gemeldet wurde, der alte Herr in den wohl­verdienten Ruhestand treten. In unserem Orte hat er den größten Teil der Einwohner unterrichtet.

tp Alsfeld, 12. Mürz. Seit September herrscht hier eine Scharlachepidemie. Bis jetzt sind bereits 120 Scharlacherkrankungen und 11 Todesfälle an Schar­lach vorgekommen, und die Epidemie ist noch keineswegs abgeschlossen. Seit Jahrzehnten hat Alsfeld eine solche Eptdemie nicht gesehen. Tie allgemeine Verbreitung der Krankheit ist im wesentlichen durch die schlechten Wohnungs-Verhältnisse der Durchschnitts-Be­völkerung verursacht, demr die neu gebauten, frei liegen­den Arbeiterhäufer sind verschont geblieben. An die Frage der Schaffung gesunder Arbeiterwohnungen müßte unbedingt l)erangetreten. werden.

Darmstadt, 12. März. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde u. a. beschlossen, an das städtische Realgymnasium ein besonderes natur­wissenschaftliches Institut von schöner künst­lerischer Wirkung anzubauen, für dessen Baulosteu 220000 Marl bewilligt wurden. Weiter beschloß die Versamm­lung, zur größeren Sicherheit des sich in den schönen Jahreszeiten in den herrlichen Wäldern der Umgegend ergehenden Publikums eine Anzahl weiterer Forftauffeher anzustellen. Endlich wurde noch beschlossen, einen zweiten Automobilkrankenwagen, von der Firma Opel-RüMsherm anzuschaffen.

--Offenbach, 13. März. (Tel.) Der Direktor des städtischen Gas- und Wasserwerks, König, hat sich heute nacht im Hofe des Gaswerks erschossen. Die Ursache des Selbstnwrdes dürfte in dienstlichen Schwierig­keiten zu suchen sein. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetncn-Versammlung wurde die von der Bürgermeisterei eingebrachte und in dem Aus­schüsse durchberatcne neue Staffel für die städtischen Be­amten, die eine allgemeine Gehaltserhöhung in sich schließt, einstimmig genehmigt. In der Sitzung wurde von der Bürgermeisterei mitgeteilt, daß die rürz- lich den städtischen Beamten, Lehrern und Arbeitern be­willigten Teuernngszulagen für 1907 den Betrag von rund 42 000 Mk. erforderten.

Darmstadt, 12. Dlärz. Wegen einer höchst eigene artigen Totfchtagsaffäre hatte sich vor dein Schwur- gerichr heute der 21 Jahre alte Handlungsgehilfe Hans Diehl ans Marburg zu verantworten. Es war wegen Scheckiätschnng ein gerichtliches Verfahren über erschwindelte Gelder von mehr als 16 VOO Mk. im Gange nnd das scheint den jungen Menschen in das abfolnte Gefühl derWurschtigkeit" versetzt zu haben- Er besuchte mit seinem Freund Dollhofer in der Nachl znm 12. Jcmnar bas Stiftungsfest des Stenographenverems Stolze-Schrey in der Turnhalle zu Offenbach und dabei kam es zu einigen unlieb- jamen Auftritten, weil Diehl eine in der Tombala gewonnene Büchse von der Gallerie in den Tan-saal warf, imchdem beide Freunde stark Sekt gemmFen hatten. Früh 3*/8 Uhr setzte sich der Streit fort nnd als Diehl dabei einen Schlag aus die Nase erhielt, daß sie blutete, zog er plötzlich einen geladen Broivning-Revolver nnd schoß blindwütig um sich, wobei ein Schuß seinen Freund Vorholzen tot zu Boden streckte, ein anderer Schuß einem gewissen Hitz die Hand dnrchbohrte und drei andere Schüsse glücklicherweise iehl gingen. Der Angeklagte behauptet Henle, m Notwehr gehan­delt zu haben. Er wurde jedoch des Totschtags für schuldig erkannt und unter Verneinung mildernder Umstände zu sieben Jahren Zuchthaus und JO Jahren Ehrverlust verurteilt.

Elberfeld, 12. Ntärz. Tie Straikanimer verurteilte die Polizeisergeanren Stumm und Poll wegen Mißhandlung int Amte zu 6 und 8 Monaten Gefängnis. Sie halten einen Fabrikarbeiter, der rnhestörendcn Lärm beging, ohne Ver­anlassung gleich mit dem Säbel geschlagen und schwer verletzt.

rrttZver^itüLs-Nttchrsehten.

Geh. Negier'.mgsrat Prof. Dr. Wilhelm Will, Mitglied des Neichs-Patentamls, konnte am Toitnerstag das 25jährige I n b i l ä n m als Berliner Uiüversilätälehrer begehen: Am 12. Marz 1883 trat er als Privatdozcitt für Chemie in den Lehr­körper der philosophischen Faknltat em, der er jetzt als außerordentl. Professor angehört. Ter Gelehrte, der int 54. Lebensjahr steht, war längere Zeit Dorlesnngsasststent bei dem verewigten A. W. von Hofmann. Ursprünglich pflegte Will, der aus einer Gießener Eh e'm i k e r-Fa mi t t e finntnue, die analytische Chemie und auch die Geschichte der Chemie. Er war einer der ersten, der an der Berliner Universität über Geschichte der Chcmie las. Bald pflegte er bestimmte Sondergebiele der Kohlenstoffverbindnngett und befchästigte sich eingehend mit der Natur explosiver Ver­bindungen. Seit Jahren leitet er das wissenschaftliche Laboratorium der vereinigten Waffen- und Dtunitionsfabriken.

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Arrnft rind weKen-chafr.

Zu der M e l n i il g e r H o f l h e a t e r t a st r 0 p h e wird imWiesd. Tageb." eine beachtenswerte Anregung gegeben. Das Vlall schreibt u. a. wie folgt:Aleiniugen ist zu klein, um allein seinem Herzog, durch den es berühmt geworden ist, seine Tankes- fchuld mit der Sammlung eines Geldfonds für den Neubau ab­tragen zu können. Wäre da dem ganzen gebildeten Deutschland nicht eine Gelegenheit geboten, eine alte Ehren- und Dankesschuld abziitragen, indem es seinem Meininger fürstlichen Kmrstprotektov ein aus begeistertem Herzen gesammeltes Kapital zur Verfügung stellte, da8 dazu beitragen würde, das Verlorene in schönerer Form wiedererstehen zu lassen? Hat doch der edle Fürst ernst sein Theater durch die Verbreitung der neuen Ideen iit der gesamten Schauspielwelt dem ganzen deutschen Volke geschenkt. Mögen die Theaterfreimde Zusammengehen, einen Fonds zu sammeln, bannt der Gedanke emesMeiningers, eines deutschen Schau­spiel-Fe st Hauses verwirklicht werden könne."

Dem Geh. Negierungsrat Dr. v. T s ch u d i, dem verdienst--, vollen, dem Modernen verstäiidnisooll zugeneigten Dkrcktor der Königl. Nationalgalerie zu Berlin, ist ein einjähriger Urlaub auf sein Ersuchen bewilligt worden. An diese Tatsache knüpfen verschiedene Blätter bedauernde Betrachtungen über die Zukunft her Nationalgalene, welche indes von derN. allg. Ztg." als mindestens verfrüht bezeichnet werden, da in maßgebenden Kreisen die teste Annahme besteht, daß der verdienstvolle Neuordner der ölationalgalerie nach Ablauf seines Urlaiibes ziir Stätte seines Wirkens zurückkehrt. Es wäre, so schreibt bemerkenswerter Weise das offiziöse Blatt, ein Verlitst für das deutsche Kunstleben, ivenn Dr. v. Tschudls große Kraft brach gelegt würde. Die einmütig« Bewunderuitg internationaler Kunsikeimer für das reorgamfatorifch« Wirken Hugo v. Tfchudls wird osfizioserseits voll anerkannt. Es wird aber andererseits hervorgehobcu, daßauch der General­direktor der fgl. preuß. Museen, Bode infolge der Desavouierung des Generaldirektors v. Tjchndi zurücktrete". Also scheinen doch Strömungen tvieder einmal in Berlin die herrschenden zu werden, jbie auf einen Wandel in der Behandlung der Kimstfragen in Preußen deuten. Vielleicht steht dann auch Bruno Pauls 11. a. Rücktriit bevor.____________________________ ______

Vermischte». ~

* Berlin, 12. März. Heute wurde durch dis Kriminal­polizei der Schriftsteller Dr. Riedel verhaftet. Vor andert­halb Jahren nahm sich seinetwegen ein 16 jähmges Mädchen das Leben, indem es sich in den Landwehr-Kanal ftüHke. Gestern hat sich ein Dienstmädchen um seinetwillen durch Vergiften das Leben genommen. Gestern nachl spielte sich in Moabit ein Liebesdramlaab. Ein irntged Mädchen rang mit einem jungen Manne, dcr einen Schuß auf sie abgegeben hatte und sie von Neuem mit der Waffe bedrohte. Als sich Menschen angesammelt hatten, floh er und feuerte eine Kugel auf sie ab. Beide wurden! schwer verwundet ins Krankenhaus gebracht, wo der junge Mann bald darauf starb.

* lieber das Ergebnis der irrenärzklichen Un-» tersuchung, der sich dieMürderinihreSDräutigams,! Grete Beier aus Brand in Sachsen, während der letzten Wochen im Zuchthaus zu Waldheim zu unterziehen hatte, verlautet jetzt, daß die PMörderin zwar geistig minderwertig und als hysterisch veranlagt besundcn worden ist, jedoch soll sie bei Begehung der' schrecklichen Tat mu vollen Besitze ihrer Zurechnungsfähigkeit ge­wesen sein. Grete Beier wird also infolgedessen in nächster Zeit! vor das Schwurgericht gestellt werden.

Unnötige Sorge.. . . Sie haben ganz recht,' Herr Leutnant, oie KOmteffs bekommt em kvlch-ales Ver­mögen sder mif eim^ möchte ich Sie aufmerksam machen: sie hat einen etwas gebogenen Rücken V* ich nehme so leicht nichts krumm!" '