Ausgabe 
12.5.1908 Erstes Blatt
 
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u. Land" undGerichts-

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

in

die Post Mk.2. oiertel- jährl. ausschl. Bestellg. tfeilcnpretS:

auSwäris 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton undVermischtes* P. Wittko; fürStabt

109 Be- Re-

Auslmrd.

Ter deutsche Kaiser spenden anläßlich seines Aufent­haltes in Wien 2000 Mk. für die Armen, 500 Ml. dem deutschen Hilfsverein und je 300 Mk. für das deutsche Erzieherinnen--

Vie Reichsmünznovelle von 1908. Don Professor Dr. M. B i e r m e r.

In meinem Aufsatze .Der Taler redivivus (Nr. dieser Zeitung) ging ich von der Annahme auS, daß die schlüsse des Reichstag? die Zustimmung der verbündeten gicrungen finden werden. Zuschriften auS dem Leserkreise machen mich aber darauf aufmerksam, daß große auswärtige Zeitungen im Gegensatz zu mir die Hoffnung hegen, daß dec BundeSrat in seiner Haltung der Talerfrage gegenüber fest bleiben und daS Gesetz nicht verabschieden werde. Ich vermag diese Auffaffung nicht zu teilen. Ich bin vielmehr der festen Ueberzeugung, daß noch in diesem Sommer mit den erfor­derlichen Silberankäufen, für die die Marktverhältnisse gegen­wärtig ganz besonders günstig sind, begonnen werden wird.

Die neue Münznovelle ermächtigt bekanntlich die Reichs- regierung, Silberscheidemünzen bis zum Betrage von 20 Mark pro Kopf der Bevölkerung auszuprägen. Der zulässige Silberumlauf war bis zum Jahre 1900 10 Mark pro Kopf der Bevölkerung. 1900 wurde er auf 15 Mark erhöht, und nunmehr soll er uh Maximum 20 Mk. betragen. Die neue münztechnische Maß­

schlüssen der Reichstagsmehrheit beitreten werden. Der Reichstag tritt erst Ende Oktober wieder zusammen. So lange kann die Reichsregierung nicht warten, denn sie braucht Geld, viel Geld. Nun ist aber der Silberpreis gegenwärtig ganz besonders niedrig. Er wird sich zwar wahrscheinlich etwas erholen, wenn Deutschland plötzlich mit großen Kauf­aufträgen auftritt. Aber annähernd 60 Prozent gewinnt die Reichskasse trotz alledem. Nun soll aber der Rein- gewinn ihrem Betriebsfonds zugeführt werden, und deswegen wird sich wohl Ctengel's Nachfolger, Exzellenz Sydow, be­eilen, die 111 Millionen Mark einzusacken. Dennbar Geld lacht", und die vorläufig als Notbehelf auSgegebenen Schatz­scheine sind gegenwärtig sehr preiswürdig zurückzukalifen. Man gewinnt also auf beiden Seiten. Da wäre es doch mehr als wunderlich, wenn die Reichsregierung sich wegen der lumpigen Talerfrage mit dem Reichstage überwerfen wollte und die Gelegenheit versäumte, einen schönen stattlichen Betriebsfonds zu bekommen. Aus diesen Gründen komme ich zu dem Schluffe, daß die Münznovelle sehr bald Gesetz wird. Die neuen Dreimarkstücke werden voraussichtlich bereits im Herbst in den Verkehr kommen.

Leider hat der Reichstag diesmal nicht ganze Arbeit gemacht. Denn er hätte gleichzeitig beschließen müssen, daß die Fünf- markstücke eingezogen und umgeschmolzen werden. Wir haben viel zu viel von diesen klobigen Dingern, nämlich 203 Millionen Mark, beinahe ebensoviel ivie an Zweimarkstücken. Man sollte, wenn der Reichstag wieder zusammentritt, eine Zusatz­novelle beschließen und die Fünfmarkstücke ganz beseitigen. Wir würden dann an Dreimarkstücken soviel bekommen, wie wir vor noch zehn Jahren an Talern hatten, nur daß die da­maligen Taler enorm entwertete Währungsmünzen waren, während die Dreimarkstücke verhältnismäßig harmlose Scheidemünzen, also nur Zcichengeld und Geldsurrogate sind. Geht man den hier vargeschlagenen Weg, so ist alles das­jenige erreicht, was ich seit acht Jahren so lebhaft befürwortet habe.

rwhme unterscheidet sich aber ganz wesentlich von den früheren. Seit Bestehen de§ Deutschen Reiches hat die Reichsregierung nicht für einen Pfennig Silber angekauft, wohl aber bis 1879, rvo mit Rückstcht auf den Silberpreissturz die Silberoerkälife sistiert worden sind, Silber auf dem Londoner Edelmctall- ruarkt verkauft. Wir hatten ja Silber mehr als notwendig, und in den neuen ReichSscheidemünzen aus weißem Metall der letzten 10 Jahre befand sich das Silber der ehemaligen, erst seit dem vorigen Jahre außer Kurs gesetzten, Vereinstaler. Sie wurden einfach in Scheidemünzen umgeprägt. Irgend ein nennens­wertes Geschäft hat die Reichskasse also dabei nicht machen können. Die gegenwärtige Lage ist eine andere. Unser Talervorrat i|t aufgebraucht. Wird die vor wenigen Tagen beschloffene Münznovelle Gesetz, so muß das Reich Silber­barren neu kaufen. Die verbündeten Regierungen wollen vorläufig nur einen Silberumlauf von 18 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Das Reich hat gegenwärtig rund 62 Millionen Einwohner. 3 Mark mehr pro Kopf der Bevölkerung bedingt also eine Mehrausgabe von. Silbermünzen im Nominalbeträge oon 186 Millionen Mark. Was bringt nun diese Operation dem Reiche ein ? Nach der letzten Notieriing stand in London der Silberpreis auf 24% Pence für die Unze fein. Das cnt- spricht in unserem Gelde gerechnet einem Preise von 71 Mk. für das Kilogramm. Ein Markstück ist also gegenwärtig nur 39 Pfennig wert, ein Fünfmarkstück noch nicht ganz 2 Mark (1,95 Mk.). Die Prägekoslen oder, richtiger gesagt, die Präge­gebühren betragen für Fünfmarkstücke 3/4 °/0, für Zweimark, yücfe 1V2 °/0 des Nominalwertes. Ich schätze, daß der Bundesrat die Prägekosten für die neuen Dreimarkstücke auf L% fest setzen wird. Ist diese Annahme richtig, so verdien: das Reich bei der Neuausgabe von Dreimarkstücken im Betrage von 186 Millionen Mark genau 60 %, also Lil,6 Millionen Mack.

Das ist aber gerade der Punkt, weswegen ich nicht daran zweifle, daß die verbündeten Negierungen den Be-

Mecklenburgische Verfassung.

An diesem Dienstag treten die Landstände beider Mecklenburg zu einer Sondersitzung und auch in dess Wortes übertragender Bedeutung besonderen Tagung »ufanunen; g-lt es doch, die von den neiden Greßherzögen vorgejchlngene Verfassung eingehend zu erörtern. Mecklenburgische Verfassung! Wie stolz und doch zu­gleich wie beschämend klingt dieses Wort! Deuffche Bundes- ftaaten, die noch int 20. Jahrhundert keine Konstitution besitzen, das ist ein Bild, das schwerlich in die modernen Zeiten paßt; wenn freilich zuzugeben ist, daß von einem modernen Leben in ^Mecklen­burg nur mit ganz oerscywindcnd geringen Ausnahmen gesprochen werden kann. Fast das ganze Gebiet liegtabseits vom Wege", beide Staaten tragen einen ausgesprochen agrarischen Charakter unb die Bevölkerungsdichte, die sich inr übrigen auch im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten nur sehr langsam vermehrt, ist sehr gering, sie übertrifft in dieser Beziehung sogar noch das schwach­bevölkerte Ostpreußen. Außerhalb der blau-rot-gelben Grenz­pfähle kennt man ja Mecklenburg zum Tell aus den launigen Schilderungen des unsterblichen Fritz Reuter, und seitdem haben sich die Verhältnisse biort nur umnerrlich geändert, trotz des Riesenaufschwunges, den andere Bundesstaaten nach dem großen Ernigungskriege von 1870/71 genommen haben. Mecklenburg blieb rückständig, auf politischem wie auch auf anderen Gebieten, die Großherzöge herrschten absolut, aber absoluter noch die Ritter­gutsbesitzer, die noch heute ein jeder ein König im kleinen sind.

Bad-Nauheimer Brief-

IV.

Run sieht man wieder die Kurgäste auf allen Wegen und die Seifen der Kurkapelle klingen wieder von der Terrasse aus in iwn Park hinein. Tas ist bei uns ein sicheres Zeichen für öes Ende des Winters als Blütenduft und Vögelzwitschern, wenn- Mch es auch an letzterem hier gewiß nicht fehlt.

Der offiziellen Saison gingen diesmal einige Vorspiele voraus. Am Ostersonntag fand der übliche Go ttes-dienst i m F r e i e n <nif dem Johannisberge statt, da wo jetzt der Aussichts- tuan aus den Ruinen der alten Kirche sich erhebt unb wo in noch früheren Zeiten unsere Vorfahren dem Frühlingsgotte Balder das Fest begingen. Der Bläserck)or des evangelisck>en äUlnglingsvereins begleitete die Feier. Pfarrer Wissig erinnerte in der.Predigt daran, daß gerade 300 Jahre jetzt vergangen feien, feit das Osterfest durch eine solche Andacht auf dem Nhannisberg gefeiert wird. Diefe Erinnerung ist freilich zu- Mch eine Erinnerung an den Kämpf, den Katholiken und Vwtestanten damals nm den Besitz der Kirche geführt haben, eur kleines Vorspiel des blutigen dreißigjährigen Kampfes, der ans dem Glmibenshader hervorgehen sollte. Auch unserer Zeit reift es an Glaubens kämpfen nickt und wird es wohl nie bamn fehlen, solange denkende Menschen auf Erden wandeln. Wenigstens aber hat er jetzt humanere Formen angenommen. Sud Ziel freilich, geistige Gegensätze nur mit geistigen Waffen ui^utragen, ist ein Ureal, das auch uns noch fern liegt.

Wie eine Wunderinsel im Weltmeer, so lautete ein an- beser Gedanke der Predigt, sei unser Städtchen zu betrachten, '«hin von allen Enden der Erde die Leidenden kämen, um ifa? Lebens- und Arbeitskraft neu zu starken. Eine Wunder- nrsel und eine J-riedensinsel! Denn mögen draußen un ötrom *3 Weltgeschichte die Nationen mit ihren Sonderinteressen sich JMj so sehr reiben und stoßen, hier führt sie gemeinsames unb gemeinsame Hoffnung zu friedlichem Nebenelnander- lebm zusammen. Auch das läßt wieder, Ideale in uns auf» laichen, denen unsere Zeit noch manches schuldig ist. _

1 Wie sehr übrigens unsere gute Luft ge|undcr Lebenskraft 'öiberlich ist, dafür erbrachten jüngst iiuei hiesige Ehepaare kr Beweis, deren eines die goldene, das andere die silberne öochzeit feierte: Unb der Ehegatte des Silber lwchzeits paar es üerte seinerseits dies Fest sogar schon zum zweiten Male. n Am Dienstag, den 21. April, fand im Kurhaus die eiste «ranstaltung statt. Hosschauspieler Hermann Knrspel aus tcrrmstadt erfreute das, leider noch wenig zahlreiche Publikum j® Rezitationen, aus deren erstem Teil das Tanzliedan den L'stral" von Friedrich Nietzsche dem Künstler besonders Ge- Mnheit gab, seine Hcrrschafr über die Sprache zu beweisen, ^einigere Dichtungen im Pfälzer Dialekt füllten den zwecken

geht. Er gibt dem Platz am Musrklempel mit seinem breiten Altan schon jetzt einen malerischen Abschluß unb es wirb ein großer Fortschritt für unfern Saifonbetvieb sein, wenn mir nicht mehr nut^Konzeiten, Theatervorstellungen unb Reunions auf einen einzigen Saal angewiesen fein werden.

Ein ^echter, schöner Ftühlingsfonnlag, der dem Kurleben auch auf der Terrasse ben rechten Hintergrund gab, war der 3. Mai, an dem die Gießener Regimentskapelle im Freien konzertierte, wahrenb im Saale abends ein großes Wagnerkonzert geboten würbe. Man konnte sich eine ganze Charakteristik bes 'großen Meisters aus bem zusammengestellten Programm herauslesen. Tie mutige Energie aus bemKaifermarsch", bie Sehnsucht ber Liebe ausTristan unb Jsolbe", höchstes Glück unb schwerstes Leib aus bemSiegfriebiby'l" unb aus bem Trauermarsch berGötter- bäminerung". Das künstlerische Glaubensbekenntnis aus benMeistersingern" unb schließlich zum Abschluß von allem religiöse Reue- unb Erlösungsstimmung aus berTannhäufer- oiiuerlüre". DasSiegsriebibyll", ein felbstänbigcs Werk neben bem BühnenstückSiegfrieb", ist ivohl. ben meisten Hörern noch neu geweseii. Es spiegelt bie Seligkeit bes Vaters über feinen Erstgeborenen in entzückenb lieblicher Weise. Die Streichmusik Halle es stellenweise schwer, neben ben Blechinstrumenten ihren Rang zu behaupten. Etwas ungünfiig wirkt ferner ber Umstanb, baß bie Kapelle auf einer Bühne plaziert ist, bie ihr nicht bie besten akustischen Bebingungen bietet. Ein Blumenstrauß ehrte ben Dirigenten unb in ber Fürstenloge wohnte bie Herzoginmutter von Anhalt mit Gefolge bem Konzert bei. Ain Mittwoch, 6. Mai, würbe ber Geburtstag bes Kronprinzen burch ein Elitekonzert bei Lampionbeleuchtung auf der Terrasse gefeiert. Es war ein wunder­voller, von allen Blütenbüiten durchzogener Frühlingsabenb. Als wir nach bem Konzert uns noch ein Weilchen zu stillem Träumen am Ufer des großen Teiches nicbergelaffen hatten, ließ uns das fchöne Lanbfchaitsbilb lange nicht los. Mond und Sterne spiegelten sich neben ben Lampen bes Teichhauses in ben blenbenb aufblitzenben Wellen. Daneben lagen die schwarzen «chattenmasien ber Ufer unb ber Inseln unburchbringlich auf dein Wasser. Eine Flöte ließ aus der Ferne schlichte Volkslieder herüber­tonen. Morgenslunbe hat Golb im Mundc, sagt man so oit. Mir find von jefjer bie stillen, gebankenvollen Abenbe lieber gewesen unb ich glaube auch, bie Schule, bie bei uns mit Rücksicht auf ben Baubetrieb schon um 7 Uhr beginnt, hat von biefer ersten Morgen- ftuube noch keinen allzu großen geistigen Geivinn.

Der heutige Sonntag mit bem Konzert ber Darmstäbler Dragoner ist leider wieder etwas verregnet. 2ln solchen Tagen Spurt man recht ben Wert ber geschützten Wanbelhalle, bie doch ermöglicht" noch einen ungestörten Genuß der Musik

Aus bem Alicepkatz springt nun enblich ber langumstrittene unb

: der in seinem Lande fast unbeschränkt herrscht. Es ist darum . nicht weiter verwunderlich, >venn man in Mecklenburg für kulturelle l Zwecke bisher nicht viel übrig gehabt hat, und daß namentlich Schule und Lehrerstand unter schweren Zurücksetzungen zu leiden I haben. Etwas wie eine Landesvertretung Halle man ja bisher, I die sogenannten Stände, die aber eben, wie ihr Name schon , besagt, eine Jntercssengruppenvertretung waren, aber nicht die > Vertretung des Volkes selbst. In dieser Stäirdevcrsammlung sind nicht weniger wie 600 Rittergutsbesitzer stimmberechtigt, denen nur 48 lairdtagsfähige Städte gegenüberstehen, und jede dieser i Städte, selbst größere, wie Sästverm, Rostock und Wismar, haben nur eine einzige Stimme, genau so wie jeder einzelne Rittcrguts- . besitzer. Derartige Zustände sind in einer modernen Zeck un­haltbar, und nachdem seit Jahr und Tag für die Einführung einer Verfassung _ in Mecklenburg gekämpft worden war, konnte sich auch schließlich die Regierung nicht länger gegenüber diesen ; Wünschen verschließen, und eines Tages überraichte ein Edikt beider Großhcrzöge die Welt mit der Nachricht, daß sie geneigt seien, ihren Ländern eine Verfassung zu gewähren, lleberaus lange hat die Ausarbeitung dieser Verfassung gedauert, immer und immer wieder wurde die Einberufung der Ständeversammlung vertagt, bis schließlich der 12. Mai zum Zusammentritt angesetzt wurde. Im Augenblick, wo wir diese Zeilen schreiben, ist über die Art unb Weise, wie der Ausbau der mecklenburgischen Ver­fassung gestaltet werden soll, noch nichts bekannt, nur das eine kcmn man mit voller Sicherheit Voraussagen, daß die liebertragung des Reichstagswahlrechtes auf Mecklenburg kaum zu erwarten steht. Ebenso gehört nicht viel Prophetengabe dazu, vorauszuahncn, daß die mecklenburgische Verfassung, selbst wenn sie wenig dem Volke bringt, keine schnelle Erledigung linden wird. Es wird zu hitzigen Debatten kommen, da die Ritterschaft schwerlich ge­sonnen sein dürfte, ihre Privilegien in ihrem heutigen Umfange ohne weiteres aufzugcben. Welches Schicksal der Entwurf haben wird, läßt sich daher in keiner Weise Voraussagen, und man darf daher mit Interesse der weiteren Entwicklung der Dinge ent­gegensetzen, jedenfalls wäre cs ein Monstrum, wenn eine Re­gierung eine Verfassung geben will, während die augenblicklich vorhandene Vertretung der Bevölkerung von einer solchen nichts wissen wollte.

Deutsches Reich.

Das Kronprinzen paar wird am 21. Mai in Trier eintrcsfen unb nach dreitägigem Aufenthalt sich zum Besuche des Oberpräsidenten v. Schorlemer aus Schloß Lieser begeben.

Die Bis chöfe von Straßburg und Metz haben durch gemeinsamen Erlaß an den Klerus die allgemeine Aus­nahme des Kaiscrgcbcts in das liturgische Kirchenamt der katholischen Kirche angcordnct.

Telegraphie-Konferenz. Im Reichsamt des Innern findet Ende dieses oder Anfang des nächsten Monats eine Kon­ferenz von Vertretern der bundesstaatlichen Regierungen zunr Zwecke der Festsetzung eines Modus procodendi für die in Aussicht genommene amtliche Telegraphie-Konferenz zur Er­reichung eines einheitlichen Telegraphie-Systems statt.

Fürst Eulenburg in der Charite. Nachdem Fürst Eulenburg die Anstrengungen des Transport» von Liebenberg nach Berlin überstanden hat, scheint es ihm bedeutend besser zu gehen. In der Charite ist dem Fürsten nur ein kleines Eck z i m m e r ch e n eingeräumt, vor dem ein Beamter Wache hält. Der Fürst scheint den Eindruck zu haben, als ob da» Schlimmste nunmehr überstanden sei und die Zutunst für ihn nichts Schlimmes bringen könne. Die Aerzte der Charite, denen die Behandlung des Fürsten obliegt, haben ihn eingehend un­tersucht und ebenso wie sein Dausarzr Arterien-Vrr- k a l k u n g , die sich insbesondere an dem einen Beine bemerkbar macht, festgestellt.

Erstes Blatt 158.Jahrgang DiensSag 12. Mai 1968

erscheint täglich, außer W Ä Bezugspreis:

MMchener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

HS vormittags 10 Uhr. RotaflonrdruS und Verlag der vrMl'fchen Unw.-Vuch- und 5teindruSerei. R. Lauge. Heddftton, Lrpeditton und Druckerei: Schulftrafie 7. E. Heß; für bei mm ii .ojl. 1 u Anzeigenteil: H. Beck.

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Teil aus. Ter Bad Nauheimer Gesangverein Fwhsinu unter der Leitung des Herrn Lehrer Bechtolsheimer erwarb sich mit seinen guten Leistungen gleichfalls die Anerkennung aller An­wesenden.

Eine zweite Vcranstallling folgte am Samstag, den 25. April. Von ersten Soloiräften dcs Darmstädter Hoftheaters wurde ein heiterer A be u d" in Liedern und Deklamationen geboten. Auch diesmal war der Besuch noch schtvach, und so hatten es die Künstler schwer, in den rechten Schwung zu kommen; denn ein gähnender Saal hat etwas so Frostiges an sich, das sich hemmend auf die Gemüter legt.

Wer am Sonntag Unterhaltung suchte, konnte sich nach- mfttags ben Wettkampf des hiesigen FußballvercinS gegen den freilich schon besser trainierten .Hanaucc Verein ansehen, unb seine Stimmung durch die fröhlichen Weisen ber lllanenkapelle, die im Sprudelhotel konzertierte, erfrischen lassen. Am Dienstag den 28. April spielten dieJbanauer Ulanen nachmittags auf der Terrasse und abends im Saal. Immer noch ließ der Besuch der Kurgäste zu wünschen übrig. Der Versuch der Kurdirekliou aber, fdjon vor dem 1. Mai das Badelebeu hier anzuregen, verdient trotzdem sicherlich alle Anerkennung. Wenn es durch öftere Wiederholung erst weiter bekannt wird, daß hier auch schon vor dem 1. Maietwas los ist", bleibt bie Wirkung auf den Besuch sicher nicht aus. Ob diese Wirkung aber nicht vielleicht noch erheblicher sein würde, wenn an Stelle der über längere Zeit hin verzettelten einzelnen Vorspiele lieber eine kürzere Zeit anssiillende, aber zusammenhängende Kette von verschiedenen Unterhaltungen träte? Zur Mitwirkung würden, wie der Frohsinn, so gewiß auch noch andere Vereine hier (Vortragsverein, Bildungsverein) gern bereit sein, so baß die Kosten keine zu erheblichen sein brauchten.

Tie eigentliche Eröffnung ber Saison fa»b am Freilag, 1. Mai, durch ein Konzert ber Kurkapelle statt. Leiber nötigte bie Witterung bazu, es im Saale abzuhalten, ber bieSmal nicht nur bis auf ben letzten Platz besetzt war, foubeni auch noch manchen stehenben Hörern Platz bieten mußte. Der Dirigent, Herr Winberstein, würbe in banfbärer Erinnerung an bie trefflichen Leistungen in ber vorigen Saison mit Freuden willkommen ge­heißen. In bet Besetzung ber Instrumente ist zwar manche Aenberung eiiigctveten, boch haben sich bie neuen Kräfte mit ben alten schon ziemlich wieber eingespielt. Konzertmeister Kaufmann ist burch Herrn Hofmann erfetzt, ben wir inzwischen auch als fein- fühlenben unb ohne alles Affektierte sicher ivirkenben Dirigenten kennen gelernt haben. Das Programm bes Eröffnungskonzertes war naturgemäß gewählt. Leiber litt bie Stimmung im Publikum burch bas häufige Aus- unb Eingehen währenb ber Stücke, sowie burch bas Hereintönen ber Hammerschläge von ber Baustelle aus, auf bet der neue Konzettfaal feiner letzten Vollendung entgegen-