Ausgabe 
14.1.1908 Erstes Blatt
 
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französisch eZeitungsrorresp ondeuten von den fanatischen Mauren grausam getötet.

Die Weltreise der amerikanischen Schlachtflotte unter Admiral Coans hat einen unrühmlichen Anfang ge­nommen. In Pernambuco in Brasilien, wo die Flotte landete, gingen viele Matrosen mit Urlaub an Land. Eine große Anzahl von ihnen ist sofort desertiert. Bei der Abfahrt fehlten mehr als 100 Mann. Diejenigen, die nicht desertiert waren, veranstalteten große Unruhen auf den Straßen.__________________________

Aus Ktadt und Land.

Gießen, 14. Jan. 1908.

* * Die Kanalgebührenordnung. Die Großh. Regierung hat, wie man uns aus Darmstadt schreibt, das neue Statut im Prinzip genehmigt. Sie ist vor allenr damit einverstanden, daß die Lasten zu i/i durch Umlagen und zu % durch die Hausbesitzer aufgebracht werden. Dagegen hat sich die Regierung nicht damit einverstanden erklärt, daß dem Statut»- rückwirkende Kraft gegeben werde; auch sonst macht die Regierung auch noch einige weitere, unwesentliche Beanstandungen, so daß das Statut einer Abänderung unterzogen und der Stadtverordnetenversammlung zur abermaligen Genehmi­gung vorgelegt werden muß.

* * Vom Großh. Hofe. II. KK. HH. der Groß­herzog und die Großherzogin nahmen am Sams­tag an der E i n s e g n u n g s f e i e r für die am 8. d. M. verstorbene Hausverwalterin Frl. B e r b e n i ch in der Ka­pelle des Friedhofes teil. Die F ü r st i n von Hanau war am Montag zur Frühstückstafel im Neuen Palais geladen.

* * Empfangen wurden von S. K. H. dem Gro ß- Herzog am Samstag il a. der Pfarrer Kalb H enn von Bürgel, die Oberlehrer Vogel und D. Schäfer von Friedberg.

* * Allg emeine Kirch enstcuer. Nach den von dem Ministerium des Innern genehmigten Beschlüssen der kirchlichen Behörden sollen im Rechnungsjahre 1908 zur Bestreitung der Bedürfnisse a) der Gesamtheit der evange­lischen Kirche des Großherzogtums 11 Prozent; b) der Gesamtheit der katholischen Kirche des Großherzogtums 6 Prozent Zuschlag zu den direkten Staatssteuern aus- geschlageri und erhoben werden.

* * Der Gesetzgebungsausschuß der 1. Kammer trat am Montag nachmittag zur nochmaligen Beratung über die Versassungsartikel der Wahlrechtsvorlagc zusammen. Die Sitzung dehnte sich bis nach 8 Uhr abends aus. Ueber das Ergebnis der Beratung, das für die morgen nachmittag stattfindende gemeinsame Sitzung der beiden Gesetzgebungsausschüsfc als Richtschnur dienen dürfte, wird strengstes Stillschweigen bewahrt.

* * Zur Jagdgesetzberatung. Die Landtags­fraktion der Hessischen Bauernbündler hielt gestern nachmittag eine Sitzung ab, um über das Jagdgesetz, das heute im Plenum der Kammer zur Beratung steht, sich zu verständigen. Es wurden eine Reihe neuer Vorschläge gemacht, und es ist anzunehmen, daß hierdurch die Fertig­stellung des" Jagdgesetzes keine Förderung erfährt. <

* * NeueLehranltsassessoren. Durch Entschlie­ßung des Großh. Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsaspiranten Dr. Karl V ö l z i n g zu Darmstadt und Wilh. H a st e r zu Pfungstadt zu Lehramtsassessoren ernannt.

**Vonder Landwirtschaftskammer wird uns riritgeteilt, daß die gestrige Nachricht von der Berufung des Oekonomierats Dr. Müller nach Karlsruhe nicht den Tatsachen entspricht.

* *18. Vorstandssitzung der hessischen Land­wirt s ch a f t s k a m m e r. In der am Montag abaehaltenen Sitzung des Vorstandes der Hess. Landwirtschaftskammer wurde u. a. über folgende Eingänge verhandelt: Ter Mittel­deutsche Arbeitsnachweisverband zu Frankfurt a. M. hatte an die hessische Landwirtschaftskammer ein Gesuch um Unterstützung gerichtet. Das Gesuch wurde ab­gelehnt mit der Begründung, daß die Kammer am 1. Febr. o. I. selbständig in Frankfurt a. M. ein Arbeitsnachweis- Lureau eröffnet. Der Assessor Dr. jur. Braun in Schotten, geb. aus Gedern, wurde als juristischer Bei­rat der Kammer angestellt. Dr. Braun soll sowohl ju­ristische Fragen in der Kammer beantworten, als auch Vor-

Gießener Häusern, aus den Neuen Bauen (Frey), der Walltor- straße, dein Kircheiiplay, das Buchsche Haus an der Mäusburg, das Leibsche Haus an der Kirchslraße, das Weiselsche Haus uiib andere Häuser der Sonnenstraße rc. Ferner seren aus der Fülle der schönen Vorführungen noch erwähnt ein ganz in niedersächsischem Jachwerkstile 1562,63 erbautes Langs- borier Haus, Häuser aus der Schtoßqasse zu Lich. aus Großen-Linden, Münzenbera, Grüirberg, Rieder-Wenel rc. ic. Er zeigte dabei auch die Einflüsse der Renaissance und selbst der Gotik (Rathaus in Büdingen) aus den oberhess. Fachiverkbau und wres nach, daß die Einflüsse des Ibüriirgischetr Fachbaues nur bis zum Vogelsberge reicheir, diesen aber nicht überschrelien, mähreird tm westlichen unb südlichen Oberhessen sich rheinische Einflüsse bemerkbar machen. Das letzte Bild stellte damr Kaichens Amts Haus dar, von dem er mitteilen konnte, daß das Minisle- rimn nach langen Untersuchungen soeben entschieden hat, daß es nicht an Private verkan.il , sondern in Gemeindebesitz erhalten bleiben solle. Prof. Walde schloß seinen Vortrag mit dein Bemerken, daß er keineswegs em rigoroser Befürworter der Wiederherstellung aller alten Fachwerlbaruen sei. Er plädierte nur zu Gunsten der Eliliernung alles Putzer da, wo nicht bereits erhebliche konstruk- twe Äenderungen das Schone und ruhig Harmonische des Alten, Ursprünglichen zerstört haben und wo das Bedürfnis nach neuer Herrichtung besteht. Stets aber solle man bei Restaurierungen mit möglichster Schonung vorgehen. (Liepen könnte, iachwerktich rekonstruiert, unter Umständen voll so reizvoller architektonischer Schönheiten werden wie etwa Hildesheim. Tie Neueriveckung des Fachioerkbaues sei aus voltswirlschaitlichenGründen aiisgeschlossen, er werde aber bei uns voraussichtlich niemals verschwinden; dann aber möge er nie die Erfordernisse der Schönheit, der Erfahrung und der Volkswirtschaft außer acht lassen. Wir glauben in einigen Tagen noch ausführlicheres im Anschluß an diesen Vortrag mit- teilen zu können.

Die Kultur aufg ab cn leid en nichts Der Finanzausschuß der zweiten Hess. Kammer hat, wie wir be­reits mitteilten, für die Historische Kommission im Großherzog­tum den geforderten Betrag von 2000 Mk. bewilligt. Vor­erst bezieht sich die Begrenzung des Arbeitsgebietes auf das Mainzer Urkundenbuch, die Chronik und das Güter- verKeichnis des Klosters Lorsch und das Biographische Wörterbuch von Hessen.

Kleine Chronikaus Kun st und Wissenschaft. Regierungspräsident Fromme aus Hildesheim legte b i oer Bersetzungsseier Wilhelm Buschs im Auftrage oes a i- iets einen prächtigen großen Kranz am Grabe nieder.

träge in den einzelnen Städten und Ortschaften Mer Agrar- recht, eheliches Güterrecht usw. halten. Zwei Landwirte in Lich hatten der Kammer mitgeteilt, daß sie von einem Händler in Hungen Chilisalpeter gekauft hätten, der nach der Analyse des Apothekers Weber in Lich und der Versuchsstation in Darmstadt nur 0.22 Prozent Stickstoff enthielt, während der Chilisalpeter 15 Prozent Stickstoff enthalten müsse. Die von den Geschädigten beantragte Straf­verfolgung des .Händlers sei von der Amtsanwaltschaft ab gelehnt wordem Die Geschädigten baten die Kammer um Rechtsschutz. Der Vorstand lehnte heute das Gesuch aus prinzipiellen Gründen ab, erklärte sick) aber bereit, den Geschädigten mit Rat an die Hand zu gehen. Die Straf­verfolgung des Händlers wird nunmehr von der landwirt­schaftlichen Versuchsstation beantragt werden. Der Land­tagsabgeordnete Köhler-Langsdorf hatte schon im September o. I. veranlaßt, daß die Pf e r de v o r m u st e r u n g im Bezirk Hungen vom Kriegsminister verlegt wurde. Der Vorstand beschloß, das Plenum der Kämmer mit der Frage der Pferdemusterung zu beschäftigen und eventuell eine Petition an den Reichstag zu richten des Inhalts, daß 1. der die Viusterung vornehmende Offizier in jedes Dor, kommt und 2. die Musterung möglichst im Winter statt- ftnden möge.

* * Vortrag. Im Anschluß an unseren Bericht über die zweite Hauptversammlung derFreien landeskirchlichcn Vereinigung" erinnern wir an den heute abend im Neuen Faalbau slattsindenden Vortrag des Pfarrers Lic. Fuchs über das Thema:Brauchen wir eine Kirche?"

* * Po st Verbindungen von Grüningen. Vom 15. Januar ab wird der Ort Grüningen von dem Land- besteltbezirk des Postamts 1 in Gießen abgezweigt und dem­jenigen der Postagentur in Steinberg (Kr. Gießen. zugeteilt. Dies hat u. a. zur Folge, daß für Postsendungen, Die zwischen Gießen und Grüningen gewechselt werden, nicht mehr die Ortstaxe (für Briefe z. Bi 5 Pfg.), sondern die Ferntaxe (10 Pfg. für Briefe) zur Anwendung kommt. Da­gegen kosten Briese von Steinberg, Garbenteich und Hausen nach Grüningen und umgekehrt künftig nur 5 Psg. Die Postverbinduiigcn von Grüningen bleiben im allgemeinen unverändert, nur verkehrt nachmittags die fahrende Land­post nach der Haltestelle Schifsenberg künftig nicht im Sommer-, sondern im Winterhalbjahr.

* * Verl; astet wurden der von der kgl. Staatsanwalt­schaft Elberfeld wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgte Joh. Kilian von Wülfrath und der vom Amtsgericht Hamm steckbrieflich verfolgte Adolf Wüster aus Barmen.

* * Flüchtig. Nach Unterschlagung eines Korbes mit Hausierwaren wurde geftern der Hausbursche eines hiesigen Gesästistsmannes flüchtig. Ferner verschwand aus einem hiesigen Hotel ein älterer Reisender, angeblich Agent, ohne seine Zeche vorher zu berichtigen. Jedenfalls handelt es sich um einen Hochstabler.

* * Ter Verein der Po st--Unterbeamten ersucht uns um Aufnahme des folgenden Nachtrags zu dem am Sams­tag mitgeteiltcn 'Festbericht. Bei dem humoristischen Gesangs- spicl sowieTer Amatcurphowgraph" ist noch zu erwähnen, daß sich Frl. Ochs, Briesbote L. Beck II. sowie die Herren Zinn und Pitz dem Spiel in geradezu amüsanter Tarstellung Hingaben.

i. Klein-Linden, 13. Jan. Abermals bewegte sich ein stattlicher Trauerzug durch unser Dorf, es galt wiederum einem K r i e g s v e t e r a n e n von 1870/71, nämlich dem Schmiedemeister Georg Schimmel, das letzte Geleite zu geben. Hinter ben vier TämbourS, die das Gießener Regi­ment stellte, schritt die Gewehrabteilung des Kriegervereins, dann folgte der Verein selber. Hinter dem Sarge folgte ein langer Zug Leidtragender. Pfarrer Schulte schilderte in ergreifenden Worten die hohen Verdienste der Veteranen um das Vaterland, die Strapazen des Feldzugs und den festlichen Empfang der rüükchrenden Krieger. Ter Krieger­verein erwies seinem langjährigen Mitgliede die letzte Ehre durch Abgabe dreier Ehrensalven. Der Vertreter des Vereins widmete ihm einen herzlichen Nachruf und schilderte den Verstorbenen als braves Mitglied und guten Kameraden. Ter Vertreter des Kriegervereins Hörnsheim legte am Grabe einen Kranz nieder. Schimmel fyittc den Feldzug bei der 2. reitenden Garde-Artillerie in Potsdam mitge­macht und nahm teil an den Schlachten bei St. Privat, la Montagne, Beaumont, Sedan, le Bourget und an der Belagerung von Paris vom 29. Sept. 1870 bis 28. Ja­nuar 1871.

P Grünberg, 13. Jan. Ein Gruppen wasser- w e r k wollen die Nachbarorte Lumda, Beltershain, Bersrod und Rein Hards Hain erbauen. Tie Ar­beiten werden im März in Angriff genommen. In der Nähe von Reinhardshain wird ein Wasserturm erbaut, der 12 000 Mark kosten soll. Das Maschinenhaus ist zu 5000 Mark veranschlagt.

-t- Friedb erg, 12. Jan. Von Veranstaltungen zur Pflege von Kunst und Volksbildung steht zunächst in Aus­sicht für nächsten Donnerstag, 16. Jan., abends im Saalbau dahier ein Vortrag von Professor Walz hier über seinen Besuch der Ausgrabungen von Pompeji. Zahlreiche farbige Lichtbilder werden die Anschaulichkeit des Vorgetragenen erhöhen. Sonntag, 19. Jan., folgt in demselben Lokal ein sog. deutscher Abend, eine alljährlich stattfindende, immer stark besuchte Veranstal­tung, bei der Ansprachen vaterländischen Inhalts mit Vor­trägen eines Gesangvereins und des Posaunenchors ab­wechseln. Der Musikverein, der den Ruf hat, unter vorzüglicher Leitung Hervorragendes zu leisten, beging gesternt bei gutem Besuch und mit einem seiner Qualität entsprechenden, reichhaltigen Programm sein Jahresfest. Als nächste größere Ausführung wird zurzeit das Oratorium Paulus einstudiert.

O L a u b a ch, 13. Jan. Im großen Saale des Solmser Hof hielt gestern abend der Zweigverein des Evang. Bundes eine Versammlung ab, die sich eines sehr starken Besuches' zu erfreuen hatte. Ursache dazu bildete ein Vor­trag des. in der Baseler Mission tätigen Pfarrers F l a d aus Schwaben, der auf Grund langjähriger (Äfahrung in China über das dortige Missionswesen, besonders in Kiautschou, sprach. In China sei die Mission zuerst von den Jesuiten eingeführt worden, daher läge die Ausbreitung des Christen­tums dort noch jetzt in den Händen der Katholiken. Durch die im letzten Jahrzehnt unter Einwirkung des Zentrums im deutschen Reichstag gefaßten Beschlüsse sei die Macht der katholischen Missionäre befördert, die der evangelischen ge­hemmt worden. Die Verquickung mit Politik, die Tendenz der katholischen Mission sei, rufe beständige Wirren hervor. Nur aus den Südseeinseln, wo die evangelische Mission 30 Jahre früher tätig mar, sei sie dreimal der katholischen überlegen. An der Hand aktenmäßigen Materials wies Redner ferne interessanten Ausführungen nach. Den unter­

haltenden Teil hatte Konzertsängerin Frl. Stammler aus Gießen übernommen, die mit wohlgeschulter, kräftiger Sopranstimme mehrere Sologesänge aussührte und in un­eigennützigster Weise ihr Talent in den Dienst der guten Sache stellte. Ter 1. Vorsitzende, Pfarrer Volp, schloß mit Dankesworten an den Vortragenden sowie an die Sän­gerin den Wend, der sich würdig an eine gleiche Verarg staltung im Vorwinter reihte.

X Nidda, 13. Jan. Gestern abend 6 Uhr geriet der Bahnarbeiter Berk von hier, der gegenwärtig auf der Strecke der Nebenbahn Nidda-Schotten beschäftigt ist, an der Halte­stelle Unter-Schmitten durch Ausgleiten unter die Räder der Maschine und wurde ihm der eine Fuß halb abgefahren. Er wurde sofort nach Gießen zur Klinik verbracht. Er hat eine Frau und ein Kmd. Kaisers Ge­burtstag wird durch einen K o m m er § mit musikalischen und theatralischen Darbietungen am Wend des 26. Januar hier gefeiert werden.

X Fauerbach bei Nidda, 13. Jan. Mitte Juli d. I. findet hier em O oppel - Fa hn e nwe i h fe st des Gesang­vereinsEintracht" und des Kri egervere-ins statt. Beide Vereine haben sich geeinigt und feiern das Fest auf einen Tag. Die Anfertigung beider Fahnen ist bereits der Fahnensirma Hisgen m Lich übertragen worden.

cP Alsfeld, 13. Jan. Gestern fand imDeutschem Haus" eine Versammlung statt, in der der Geschafts- sührer des Rheiu-Mainischen Verbands für Volksbildung, Lehrer Volk-Offenbach, über Ausgabe und Organisation des neueren Voltsbildungswesens sprach. Es sollen in Zukunft nach dem Muster anderer hessischer Städtchen, wie Laubach, Butzbach usw. Vortragsabende, klassische Thea­tervorstellungen und Volkskonzerte stattfinden, das Biblio­thekswesen soll gefördert und ein Bolksbildungsverein ge­gründet werden.

§ Vom Vogelsberg, 12. Jan. Tie von Friedberg gemeldete Beobachtungderauffallendgeringen Zahl unserer Winterftandvögel findet auch für unseren Vogelsberg ihre Nichtigkeit. Eine so geringe Zahl dieser Vögel konnte noch in keinem vorausgehenden Winter bemerkt werden. Fehlten auch seither die Scharen der Buch-, Tannenfinken u. a. in ihrer ftüheren Stärke, so waren doch Goldammern und Feldsperlinge noch gut ver­treten. Aber gegenwärtig ist die Minderzahl auch dieser Vögel ganz auffallend. Obschon so die Zahl unserer ein­heimischen Vögel stetig schwindet, räumt das Raubzeug noch ständig unter ihnen auf, wie folgendes Vorkommnis beweist. Vor den Fenstern meiner Wohnstube hatte ich Fleischreste zur Fütterung von Meisen gelegt. Von einem unmittelbar vor den Fenstern stehenden Akazienbäumchen flogen die Meisen zum Fensterbrett. Gestern schoß nun ein großer Sperber herab und holte sich eine Meise, die er in seinen Krallen forttrug. Den frechen Räuber genierte also die Nähe der menschlichen Wohnung nicht im ge­ringsten. Unsere Jäger müßten aus diese Raubvögel ener­gisch Jagd machen.

b O f f e n b a ch, 13. Jan. Zu der M o r d a f f är e in der Turnhalle wird noch gemeldet: Der Mörder Biehl wurde sofort auf die Polizeiwache abgeführt. Der Polizei­wachtmeister wollte den Revolver des V. 'entladen, als vlötzlich qin S ch n ß l o s g i n g und dem Polizeiwachtmeister mitten durch die Hand ging. Ein Kaufmann, der als Zeuge vernommen werden sollte, wurde durch den Schuß am Ellenbogen verletzt. Die Verletzungen sind jedoch keine gefährlichen.

Mainz, 12. Jan. Bei der Konstituierung der Han­delskammer wurde Kommerzienrat Dr. Bamberger zum 1. Vorsitzenden und Kommerzienrat Schmahl zu dessen Stellvertreter gewählt. Die Reklamation gegen die Wahl des Realschullehrers Fuchs zum Stadtver­ordneten wurde vom Kreisausschuß als unbegründet kostenfällig abgewiesen.

W o r m s, 13. Jan. Wie dieWormser Volksztg." hört, wurde der natronalsoziale Pfarrassistent Worißhoffer der hiesigen Organisation plötzlich nach Dietzenbach bei Offenbach versetzt.

Ober-Ingelheim, 12. Jan. Der seitherige Re­dakteur des Rheinhessischen Beobachters, Hans Appels- Häuser, gebürtig aus Weinsheim bei Worms, der es in seinen Studienjahren bis zum Kaplan gebracht hatte, war seinerzeit aus der katholischen Kirche ausgetreten. Er machte sich dann in seiner Position als Redakteur durch die heftigsten Angriffe auf die katholische Religion bekannt. Appelshäuser, ein intimer Freund des bekannten Freiherrn Zueco von Cuccagna, ist jetzt wie derMainz. Anz." berichtet ebenfalls wieder zur katholischen Kirche zurückgekehrt. Dieser Tage meldete der als kon­fessionslos bezeichnete A. seinen Wiedereintritt in die ka­tholische Kirche auf dem hiesigen Amtsgericht an. Vor einigen Tagen erregte sein Selbstmordversuch in den Main­zer Anlagen, wo er sich durch einen Schuß in den Kopf lebensgefährlich verwundete, großes Aufsehen.

W Bingen, 12. Jan. Die Erbauung eines Bis­marck-Denkmals gegenüber dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald ist in Vorbereitung. Ein Platz auf der Elisenhöhe ist bereits erworben. Die Sammlung des Baukapitals wird emsig betrieben.

() Marburg, 13. Jan. Unsere Elisabethkirche. erhält jetzt einen herrlichen Schmuck durch die vom preu­ßischen Staat gestiftete neue Kanzel. Sie ist aus fein­stem Vogesensandsteitl von: Bildhauer Riedel in Straß­burg hergestellt, während der in voriger Woche ein* Sene Schalldeckell vom Bildhauer Klemm in Kolmar ellt wurde. Die Kosten der Kanzel, die als ein Kunstwerk ersten Ranges bezeichnet werden kann, betragen etwa 25 000 Mark.

Frankfurt, 13. Jan. Bei der Feier zur Einweihung des Jnstitutsgebäudes des Physikalischen Vereins teilte Oberbürgermeister Adickes mit, daß die Tornowschen Erben, Herr und Frau Major Kremski, ein Kapital von 4 7 0 000 Mark als Eugen Tornowsche Stiftung der hiesigen Akademie, zur Förderung der Naturwissenschaften, überwiesen haben. Aus Anlaß der Feier wurde Kaufmann Leo Elliirger zum Kommerzienrat ernannt, der Dozent Dr. Deguisne zum Ehrenmitglied des Physikalischen Vereins. Den roten Adlerorden 3. Kl. erhielten Geh. Kommerzienrat Lev Ganz nnd Wilh. Bonn, den roten Wlerorden 4. Kl. Pros. Eugen Hartmann uni). Prof. Petersen.