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14.1.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Dienstag 14* Jammr IDOS

158. Jahrgang

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irocunal iPociientLKreis» MK I.Ö$SfeA M "A trog jf ä8 Sw EH fi? M »?§> D monatlich 65 Pf.; durch

blatt für den «reis Gießen NM H fB B B^^ HA B B Hz B W W W W ivLz B B Ö die Post M.S.viertel [TienSiag und Freitag);® W Ifc3 W' W V5. s3 B W JT W M MZ. W W W M. g jährt, ausschl. Bei'lellg.

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General-Anzeiger für Oberhessen MW

Isflahmt von ünzetgen v Ar ? 6 M u. Land- und »Gerichts-

j2Jimma5nioniÄ RotationrdruS und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei. R. Lange. Redaitlon. Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. A^emeü^H."'Bech

Nv. 11

Der Giebrner

tzriMMUtigSötLd aus dem Reichstage.

Berlin, 13. Jan.

Die Abwesenheit des Herrn Tr. Müller-Meiningen, Les eifrigen Vorkämpfers für den Schutz des geistigen «Eigentums, bewirkte, daß schon wenige Minuten nach «Eröffnung der Sitzung die am Samstag abgebrochene Verhandlung über den Abzug der Krankenrente der Hand­lungsgehilfen fortgesetzt werden konnte. Die neuen Ab- Sommen über den Urheberschutz mit Belgien und Italien wurden nach kurzen Bemerbrngen des nationalliberalen Abg. Detto in zwei Lesungen erledigt. Die heutige Aus­sprache über die Verhältnisse der .Handlungsgehilfen brachte leine neuen Gesichtspunkte. Der Staatssekretär setzte noch ccinmäl vergebens seine Beredsamkeit ein, um das Haus Won der Berechtigung der Konzession zu überzeugen, die Wie Negierung den Interessen einzelner Prinzipalskreise glaubte machen zu müssen. Diese fanden freilich auch eine Vertretung durch den freisinnigen Abg. Karstens-Kiel, aber Loch mehr in referierender und informatorischer Art. Dr. Mugdan, der als Hauptvertreter der frei, innigen Volks- feoartei das Wort nahm, ließ keinen Zweifel daran, daß auch diese sich durchaus auf den Standpunkt der^Ver- - inigungen der Handlungsgehilfen stellt, den dann der _;6g. Schack als Vorsitzender des Deutsch-nationalen Hand- Lllngsgehilfen-Verbands noch eingehender begründete. Man barf wohl annehmen, daß aus dem Jungbrunnen der Llgliedrigen Kommission der Regierungsentwurf neuver- jüngt in der Fassung des alten Antrages Bassermann- Äblaß emportauchen wird.

Der zweite Teil der Sitzung brachte eine recht ein­tönige Debatte, die die Redner nur gelegentlich durch gewaltsame Scherze zu würzen suchten. Er galt der Ver- stärkung des Viehseuchenschutzes, die eine Abwechselung (oenigstens insofern brachte, als die Juristen auf der RedneLtribstne durch zünftige Landwirte abgelöst wurden. Natürlich spielte dabei die Maul- und Klauenseuche eine große Rolle und ihre Beziehungen zu den geschätzten Herren Kollegen.

Ktlmrüungsöttd uus ocm preuß.Avgeo dnelenyaus

Berlin, 13. Jan.

Recht lebhaft ging es Lei der ersten Lesung des preußischen Etats im Abgeordneienhause zu. Nicht, daß es eine Etatsdebatte großen Stils gegeben hätte. Aber die Sonntagsdemonstration txr Berliner Sozialdemokraten und die noch junge Feindschaft zwischen den Nationalliberalen und dem Finanzminister sorgten sÄr interessante Momente. Ter Eisenbahnminister eröffnete den Neigen der Redner. Er sprach leiden, chaftslos und sacl,lich, iini) seine Rede brachte nur eine kleine Scn.arion: Seine un- b»chingte Verurteilung der Fahrkartensteuer und seine Ankün- d»iguug, daß dieses unbrauchbare Geldgewinnungsinftrument durch e inen zweckmäßigeren Apparat ersetzt werden solle. Tann kam Frhr. v. Zedlitz von den Freikonservativen, der Herrn von (j.heinbaben kurz und bündig erklärte, bei der Etatsaußtellimg s'ä teilweise mit unsicheren, teilweise mit u n r i ch t i g e n Vor- iLHssetzungen operiert worden. Das Aufsehen, das diese Kritik Es konservativem Munde erregte, war recht beträchtlich. Aber i.machst kam der Minister des Innern v. Moltke. Auf eine Frage oes Frhrn. v. Zedlitz gab er eine knappe Tar-- L'.llung Der Vorgänge Lei der sozialdemokratischen Wamrcchts- kvimonitration am Sonntag. Die Verantwortung für die Zu- 'Lmmenstöße zwischen Polizei und Publikum schob er der sozial- dc;mokratischen Parteileitung zu, die trotz der Warnung des berliner Polizeipräsidenten die Massen auf die Straße gelockt ^ibe. Und er betonte mit Nachdruck die besonnene Haltung der Schutz-

Der neue Hauptmann.

Man schreibt uns aus Berlin: .

Tas neueste Werk Gerhart Hauptmanns, das Legendenspiel , Kaiser! Karls Geisel", das am letzten Samstag int Hessing-Theater seine Uraufführung erlebte (die Buck-- amdgnbe erschien gleichzeitig bei S. Fischer in Berlin), verwebt w.^.rchenhaste Züge mit historischen Eindrücken zu einem phan­tastisch-berückenden Bilde. Zuerst mochte rhii wohl die Zeit erster wrmmrischer Größe gelockt haben, die dämmernd geheimnisvolle Stimmung, in der durch die Gewalt einer einzigen Personlich- k ät entbunden die Morgenröte einer jungen Kultur aussteigt und milde Kräfte heidnischen Lebens, vom leisen Anhauch dec Antike gisänstigt, geläutert durch den christlichen Seeleng,auben, in einer tzöh.rcn Form sich entfalten. Das war es, was einst auch Goethe

einem Stoff aus der Epoche des großen Karl hingezogen. Sann dcr große Kaiser selbst! Sein Heldenleben wächst luie dois Luthers, wie das Friedrichs des Großen im Alter zu ein» |.cmtr Tragik aus; von allem, was sie Ijeifc geliebt, verlassen, Muß diese Feuerseele den schweren Kamps weiter sechtcn mit den Mtseln des Ledens, dem Alter, mit den dämonischen Gewalten in eignen Innern. .

Diese Geilalt des gealterten Karl hat Hauptmann in den Mittelpunkt seines Werves gestellt und um sie eine Handlung ge­achtet, einfach wie ein Volkslied, vieldeutig wie ein V^ärckien. Sie Geschichte von einer letzten, einer wundersamen späten Liebe d°.S 'Kaisers. Ter leidenfchastliche Franke, der m Karl sich löwenhast träte, hat die Frauen Zeit seines Lebens genommen wie em kostbares Wild votl ungestümer Liebe und trotziger Getvalt. Außer stl.nen urei Frauen hatte er viele Geliebten, die ihm 17 von ihm örtlich geliebte Kinoer schenkten. Noch der GOja^ige ließ, sich mch dem Tode der geliebten Liutgard von drei Frauen emen Sohn und drei Töchter schenken. Ta l-at nun so geht des Dichters Sang das glül-end starke Herz des Kaisers noch, eine merfiüür'oigc Neigung erfüllt zu einem (djonen lungen Sach- sLiiMädchen Geriuind, deren blondes Haar wie ein feuriger Strom i.- umfloß und deren Gestalt eine unheilig wilde auflodernde Klamme durchzuckte. Und sie gab sich ihm Nicht wie die anderen, mllenlos, halb ängstlich, scheu und zärtlich wie die Taube, son^rn si- stieß ihn zurück, sie höhnte seines Alters, lachte feiner Maiestat. So unterwarf den großen Herrn der Welt die alluberwindende rätselvolle Macht des Weibes, der etnfr Herkules, der Starke, und Aristoteles, der Weise, sich demütig, erniedrigt hatten beugen nrüssen. Und des Kaisers Leidenschaft rang mit beuiuiiQcberDigen Sinn der Time, die ihn betrog, in schamlofem Gelust sich aui \fri Gasse und der Schenke preisgab und traft feiner Liebe gewann

Notfälle von der Hiebwaffe und trotz | rung der Beziehungen handelt. Zeugnis legen dafür vor n Schüsse nicht von Revolvern Ge- bcr Oesfentlichkeit die in England und in Deutschland fortgesetzten Bestrebungen ab, bie Verständigung von Na.

Mannschaft, die nur im

der auf sie abgefeuerten

v. Moltke kündigte eine Vorlage wegen Dezentrali­

sation der solche betr. terer nicht

Gesamtverwaltung, der Kultusminister Holle eine Dezentralisation der Schulverwaltung an. Letz- ohlie festzustellen, daß an eine Trennung von Schule nicht zu denken sei. An der geistlichen

ArrrSavtS,

Paris, 13. Jan. Es wird hier viel bemerkt, daß zwischen dem Zaren und dem Präsidenten der Re­publik in diesem Jahre keine Neujahrswünsche ausgetauscht wurden.

L o n D o n, 13. Jan. Die Zahl der französischen Truppen in Casablanca soll so,ort auf O O 00 M a n n erhöht wer­den. General Damade ist in Rabat angekommen, um die dort lebenden Europäer zu schützen. In Fez wurden zwei

brauch gemacht habe. _____ __________ ____

der Minister, die Negierung werde künftig jedem weiteren Ver­such, die Ruhe und den Verkehr zu stören,mit den äußersten Mitteln" entgegentreten. Lebhafter Beifall im ganzen Hause folgte dieser Antwort auf die sozialdemokratische Ankündigung weiterer Wahlrechtsdemonstrationen. Ein Zivischenspiel leitete zu dem zweiten Hauptstück der Debatte, zu dem partamentarisdien Duell zwischen den Nationalliberalen ^und dem Finanzminister über. Herr ~~ ~

lichkeiten reichen Werkes nur zwiespältig fein unb das Publikum nahm ihn trotz des üblichen Beifallgelärms mit ruhiger Be­fremdung auf. . , . . , . Tr. P. L.

Wallen st ein-Volksschaufpiele in E g e r. In Eger, wv das Wallensteinsche Drama einen so tragudjen Ab­schluß sand, werden im Juli d. Js. zum ersten Male Wal en- stein-Festspiele stattsinden. Nach dem prunkvotlen Einzüge Wallen­steins in Eger und einer feierlichen Begrützung am Markt­plätze gelangt das FestspielGründung Egers"' auf der Ruine Kaiserburg zur Aufführung, woran sich dann Wallensteins Lager auf der Brühlwiese im Egertal ansckstießen wird. En_ der Veranstaltung dürften mindestens 1OOO Personen in Kostümen mitwirken. Der Enttvurf der Festlichkeiten, sowie das Drama Gründung Egers" haben Tr. Tittmar in Nürnberg zum Ver­fasser ; die Musik zu einem großen Festzuge und für den Einzug Wallensteins wird vom Seminardireklor Tr. Schmidt m Bayreuty komponiert. Außer dem Festspiel-Aussckiuß mit Vize-Vurger- meister Tr. Vernardin an der Spitze haben sich aud) der Landes­verband für Fremdenverkehr in Teutsch-Vöhmen und der Verein Deutsckie Heimat" in Wien in den Dienst dieser nationalem. Sache gestellt.

lieber den ,.Fach werkb au in Oberh essen" sprach ani Montag abend in der neuen Ansa zu Gießen vor zahl­reichen Niitgliedern und Gästen des Oberhessischen Geschlchlsvereuis und der Hess. Vereinigung üir Volkskunde Pioi. Tr. W a l b c nu5 Tarnistadt. Ter leider akustisch zienilid) erheblich getrübte, sehr instruktive Vortrag bebandelte zuuäch das am häufigsten bei uns in Cbeihelfen auzutrefjende Fachiverkhaus, das zngleich das schönste ist, das Haus, dessen Eckp'osten einenivilden Vtaun" dar- zuitellen pflegen, irgend eine in kunstvoller Holzschnitzerei oiK-geüilnte kühne Phantasiegeiiall. Er zeigte eingehend die ganzen konstruk­tiven Eigenheiten mehrerer solcher in ihrer Art vollkommen künst- leriichen Fachiverkbauten in Bild und Wort, u. a. auch die be­rühmteTeuielsmühle" bei Jlbeshauien, die 1691 Hans Muth aus Lauterbach erbaute. Dann ging es zurück zu den ersten heute noch exlltierenden Fachiverkbauten in Oberhessen aus dem Atis- gange deS. Jahrhuudeils und iührte die gesamte Entivickelung des Fachiverkbaties von semen Anfängen bis zuiii 19. Jahrhundert vor. Recht interessant ist es, daß man in Oberhessen bet diesen Bauten last zu allen Zeiten die gewundene Linie bevorzugt hat, sodaß man, wie Pro'. Walde inenue,Hessen das Land der krilinmeu Hölzer" nennen könne. In feinen überaus zahlreichen, von größtem Sammelfleiße zeugenden Lichtbildern iührte er Häuser aus nuferer ganzen Gegend vor, aud) eine ganze Reihe von

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Schulaufsicht, bie nach Ansicht der Regierung von der welt- üdjen doch allmählich verdrängt werde, soll gesetzgeberisch vor­derhand nicht gerüttelt werden. Tann begann der national­liberale Feldzug gegen Herrn v. Rheinbaben. Herr Tr. F r ie b- b e r g kritisierte die Etatstechnik des Ministers sd)onungslos: Er warf ihm neben manchem anderen nickst mehr unb nickst minder als einezwar nicht subjektive, aber objektive" Bi­lanzverschleierung vor. Ein Vorwurf, wie er gegen einen Fi­nanzminister kaum schlimmer erhoben werden kann. Tas und die Ankündigung des nationalliberalen Redners, seine Partei werde vor einer anderen Gestaltung des Etats für feine neuen Steuern zu haben fein, rief bcn Finanzmmister auf den Plan. In sichtlicher Erregung wies er Herrn Friedbergs unb nebenher des Herrn v. Zedlitz Kritik an dem Etat zurück. Aber manj takte den Eindruck, daß er selbst wohl weiß: die Nationalliberalen sind noch lange nicht besänftigt. Eine kurze Mitteilimg ybe§ Kultusministers, der eine Denkschrift über die Frage dcr.a en- schulreform in Aussicht stellte, machte den Schluß. Am L.e S- tag geht die Debatte ivei.er, unb wenn nicht al.es trügt, wird der zweite Tag der ersten Etatslesung eine neue Häkelei zwischen dem Finanzminister und den Nationalliberalen bringen.

politische Lage-scds«.

Piofcfsor Dr. ph 1. Ernst Haste, Direktor des ftaliftifchen Amts der S>.u.or Leipzig und Extraordinarius für Statistik und Kolonialpolirik in der Leipziger philosophischen Fakultät, ist am 22. ds. im 62. Lebensjahre gestorben. Hasse war Mitbegründer der rm Jahre 18<8 einsetzenden tolonialen Bewegung, Vorstands­mitglied der deutschen Kolonialgesrl.schäft, Vorsitzender des Alldeutschen Verbaiides, sowie Gründer, 187906 auch Vorstand des Vereins für Handelsgeographie und Kvlonial- polilik in Leipzig. In den Jahren 18j3190ö vertrat er die Stadt Leipzig im deutschen Reichstag.

Rücktritt des englischen Botschafters Lascelles.

Die neuerdings aufgetauchte Nachricht, daß der bri­tische Botschafter in Benin, Lascelles, sich mit der Absicht trägt, seinen Posten zu verlassen, wird an unter­richteten Stellen, derDarmstädter Zig." zufolge, als richtig bestätigt. Der Botschafter hatte schon seit längerer Zeit und namentlich nach dem Ableben seiner Gemahlin, den Wunsch, sich aus dem diplomatischen Dienst zurückzuziehen. Wenn er bisher aus Erfüllung dieses Wunsches verzichtet hatte, so geschah dies aus dem Grunde, weil er feine Stellung nicht eher aufgeben wollte, als es gelungen wäre, die Spannung, die die Beziehungen zwischen Deutschland und England mehrere Jahre hin­durch belastete, zu beseitigen. Dieses Ziel ist dank den Bemühungen einflußreicher Kreise diesseits und jenseits des Aermelmeeres in erfreulicher Weise erreicht worden, so daß hüben wie drüben die Zuversicht hat feste Wurzeln fassen können, daß es sich nicht um eine vorübergehende Klärung des Verhältniftes, sondern um eine dauernde Besse- er den Sieg, brach den trotzigen Sinn, der fid) im Sterben zu ihm bekehrte, unb sah mit ber Toten fein letztes Glück, bas Kinbeslanb feiner Träume, aus ewig entgleiten, hmziehen mit ihrem Sarge bcn stolzen, feurigen, junggeblicbenen Karl unb nur ein Greis blieb noch zurück, ein Diener der Pflicht, em trotziger, starrer, innerlich erkalteter Mann ...

lieber diese Handlung hinaus schwingt fid) nun Hauptmanns Phantasie in unendliche Weiten, rührt an tiefe Symbole, ge­heime Ahnungen. Gerfuind, die Sachsengeisel Karls, ist nicht nur ein wildes Ding, das aus ber Hut frommer Klosterfrauen sortverlangt zu F-reiheit unb Glück, sie ist ein heidnischer Dämon zugleich, in dem noch ungebrochen urweltliche Mildste eines triebhaften Begehrens leuchten, unb mit ihr kämpft Karl gleich­sam den Kampf seines Lebens um Kultur und Gesittung, aber nicht um Land geht es diesmal unb Völker, sondern um etwas Höheres, um eine Seele. Dem spielenden Schlänglein ist sie verwandt, den Schmetterlingen, die trunken von Blume zu Blume gaukeln, und neben der Wildheit des heidnifchen Sachsenmädchens scheint in ihr ein Etwas von der griechisd)en Teuseline Venus zu wohnen, wenn sie die Eftlase eines üppigen Raufd)es überkommt und ihre Raserei sie antreibt, nactt zu tanzen So tritt alles aus dem Historischen ins Romantisck)- «egenbäre Auch Karls Gestalt wird von dem Sagenlichte um­spielt, das sich im Mittelalter um ihn breitete und ihn nut Wotan selbst, mit einem dämonischen Sonnengott und einem gütigen Erdgeiste vermischte

Tas Hin- und Hersd)wanken zwischen Phantaftisch-Sym- bolischem unb Historisch-Realem ist der größte Feister des Dramas. Tie Szenen mit bem Kanzler Ercambald, in dem bie trag.idjc sittliche Gewalt, die das Schöne, Schamlos-Freie vernichten mutz' symbolisiert ist, haben viel von Historiendrama alten Stils, ebenso das Schlußbild, in dem Kaiser Karl, Mit .dem Schwert in der Rechten, durchs Fenster eine Rede an sein Volk halt. Zwisck)en solch leeren Volks- und Staatsaktionen blulstii die Szenen mit Gersuiiid wie üppige Märck-enbliimen im schwulen, fahlen Herbst, eint sich der Duft dieser exotl,d>en Traumstimme mit dem sein empfundenen ersten Erglänzen der Antike, der Karolingischen Renaissance", als deren zart gezeichneter Ver­treter Alcuin erscheint. Und über diese ungewiß schillernden Fäden der Handlmig ist das gleitzende Gold einer Wortpracht gebreitet, wie sie nur Hauptmann unter den Heutigen ertönen lassen kann. Auch von ihm haben wir feit demArmen Heinrich" so schöne, wundervolle Verse nicht mehr gehört. Ties fein kostbarstes Gut war freilich bei bcn Schauspielern in schlechten Händen. So konnte ber Einbruck bes an Wunbern wie Wunber-

lion zu Nation weiter zu fördern unb zu vertiefen. Herr Lascelles hat sich während ber ganzen Zeit feiner Wirk­samkeit am Berliner Hose stets als zuverläsfiger Vermittler im Sinne einer aufrichtigen Annäherung zwischen den beiden Mächten bewährt und sowohl bei Kaiser SSilljetm als auch beim König von England volle Anerkennung für fein Wirken gesunden. Bei seinem Ausscheiden, das für den Herbst dieses Jahres in Aussicht genommen ist, wird der Botschafter in Berlin 'nicht nur zahlreiche persönliche Freunde hinterlassen, vielmehr auch bei den amtlichen Kreisen, mit denen er in lebhafter Berührung stand, in gutem Gedenken verbleiben.

Dcutdche» Ueid>.

Berlin, 13. Jan. Wie derL.-A." hört, werden, in bcn nächsten Tagen bie Finanzmini st er ber Sin* ze 1 staaten in Berlin zusammenkommen, um an ben Beratungen ber Bunbesratsausschüsse über bie neuen, bem Reichstage zu unterbreitenden Sleuervorlagen teilzuneh­men. Bis jetzt hat in ben Bunbesratsausschüssen nur eine Vorbesprechung stattgesunben.

Der General ber Infanterie unb kommanbierenbe General bes 17. Armeekorps v. Braunschweig ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit ber gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt worben.

Bei ben gestrigen Wahlrechtsbemonstratio' iten wurden insgesamt 106 Personen sistiert, bar- unter sechs Frauen. Verletzt wurden etwa 30 Personen, von denen vier namentlich festgestellt werden konnten.

Wilhelmshaven, lo. Jan. Admiral Fischet wurde zum Ches der Marinestation der diordsee ernannt Der bisherige Stationsches Vizeadmiral v. Ahlcfeld wurde zur Tispositivu gestellt

Breslau, 13. Jan. In der heutigen Sitzung der Breslauer Handelskammer wurde einrtimmig eine Re­solution angenommen, bie sich gegen Die geplante Aenberung ber Fernsprechgebühren richtet. Die Vorschläge des Rcichspostamts wuroen e.ne berartiae Ver­teuerung bes Fernsprechverkehrs zur Folge haben, baß, ba- durch der wirtschaftliche 9äiyCn des Fernsprechers stark beeinträchtigt werbe.

Hannover, 13. Jan. Die Hanbelskammer Han­nover nahm gegen bie geplante Neuregelung ber Telephongebühren Stellung. Sie beschloß, beim Staatssekretär Krälke vorstellig zu werden, da die Nesvrm eine Schädigung von Handel unb Industrie zur Folge haben iniiffe. ..

Dresden, 13. Jan. Der Antrag des sächsi­schen Flottenverbands auf Vertagung ber Kasseler Hauptversammlung, um Zeit zu Vermitiiungsversuchen zu gewinnen, ist vom Berliner Präfibium als verspätet ab- gelehnt worben.