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11.7.1908 Drittes Blatt
 
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Nr. 161 Drittes Blatt

158. Jahrgang

Samstag 11. Juli 1908

Sricf)eint täglich mH Ausnahme des Sonntags.

Die6tefiener Samtlienblättet werden dem .AnzelgerE viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatl für öen Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen** erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäls - Buch- und Sleindruckerei. ÖL Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag,' 5L Öieöaftwpje^ ^Ll-vldruAnzeigerDießen.

24. Deutscher landwirtschaftlicher Eenossenschaftrtag.

SH. Mainz, 9. Juli.

Unter |bcnt Vorsitz des Generalanwalts der Deutschen land­wirtschaftlichen Genossenschaften, Geh. Negierungsrat Haas- Darmstadt, wurde heute in der Stadlhalle der 24. Genossenschasts- tag des Reichsverbandes der Deutschen landwirlschastlichen Ge­nossenschaften eröffnet. Es sind landwirtschaftliche Korporationen aus Rußland, Lfterrcick,-Ungarn, Italien, Irland, Serbien und Holland anwesend. Groß her zog Ernst Ludwig in Be­gleitung des Ministers des Innern Brann erscheint und wird lebhaft begrüßt.

Der Gencralanwalt hebt die demokratische Grund­lage des Genossenschaftswesens hervor, durch welche die Mithilfe zchntausender opfer- und tatenfreudiger Mitarbeiter ermöglicht wurde. Weiter nenne er den Grundsatz der Selbst­hilfe, der allerdings nicht ausgefchlossen habe, daß auch die Staats- Hilfe zur Förderung wissenschaftlicher Zwecke und zwecks Aus­breitung des Genofsenfck;asls>refen2 in Anspruch genommen wor­den sei. Diese Stacttshils'e dürfe aber nie das Endziel, in wirt­schaftlicher Beziehung völlig auf eigenen Füßen zu stehen, vcr- gcffcn lassen. Im weiteren sei das Absehen von einem starren genossensck/astlichen Dogma als erklärende Ursache für das ge­waltige Aufblühen des Reichsverbandes zu bezeichnen. Allerdings an einem Grundsatz habe der Reichsoerband stets unerschütterlich sestgehalten, nämlich an dein Grundsatz völliger parteipolitischer und konfessioneller Ötentralität. Das Genossenschaftswesen sei das- jenige Gebiet, aus dem sich Angehörige aller Parteien und aller Monfeifionen zur gemeinsamen harmonischen Wirksamkeit versöhn­lich und friedlich die Bruderhand reichen.

Gewaltige Verbesserungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Landbevölkerung, nicht, minder aber auch auf sittlichem Ge­biet seien der schönste Lohn 25 jähriger Arbeit. Die Genosscn- sel.aftSbewegung habe die Landwirte rechnen und vernünftig wirt­schaften gelehrt, Selbstsucht, "Reid und andere üblen Eigenschaften des Landvolkes zurückgedrängt und den Gemeinsinn nachhaltig gefördert. Gewaltiges sei erreicht worden, aber schwerer fei die in der Zukunft liegende Aufgabe, daS zu erhalten, was ssenosfen- ichaftiicher Feuergeist gcfdaffcit habe. Er hoffe, daß auch die kommenden Generatioi'.en das Erbe treu wahren würden und sie stets der Mahnung eingedenk sein mögen:Seid einig, einig, einig!" Möge der Wahrspruch:Einiracht macht stark" immer­dar über unserem schönen Werke wallen.

Vorher Halle G r0 ßhe r z0 g Er n st L udw ig daS Ehren­präsidium übernommen, auch die Versammlung begrüßt und zu ihrem 25 jährigen Bestehen beglückwünscht. Er erkenne die Wichtigkeit der Tagung an, denn er wisse, was eine gesunde und fern ljafte landwirtschaftliche Bevölkerung für das Vaterland bedeute, denn aus diesem unerschöpf­lichen Quell strömten der Gesamtheit des Volkes immer neue strafte zu. Es sei deshalb das Gedeihen der Landwirt­schaft für die Wohlfahrt deS Vaterlandes über­aus wichtig, und er wünsche deshalb den Beratungen den besten Erfolg. (Lebhafter Beifall.)

Landesökonvinierar Johanußew-Hannover, der Senior der land­wirtschaftlichen Genossenschaftssöroerer, dankt dem Landesfürsten für die freundliche Gesinnung, die seine Worte zum Ausdruck brach­ten. Vorher hatte die Versammlung daS Kaiserhoch und ein Hoch auf den Grobherzog von Hessen ausgebracht.

Minister des Innern Tr. Braun heißt die Delegierten namens der Regierung willkommen. Seine Reverenz macht er dem Generalamvalt Haas, der 40 Jahre für die Sache tätig sei und sich um deren Förderung große Verdienste erworben habe. Heute umfasse Hessen 65 000 Genossenschaftler, die den Segen ter Selbsthilfe erkannt hätten. Auch der Großherzog sei setzt Genossenschaftler geworden. ^Lebhafter Beifall.) Helfen sei alfo voll geeichter Baden für die Genossenschaftssache. Der Redner teilt alsdann Entennuilgen durch den Großherzog mit; u. a. erhält G e u e r a l a n w a l t HaaSden Charak­ter als Geheim rat.

Johannßen-Hannover überreicht 7 0000 M k. für eine Wilhelm Haas-Stiftung, die zugunsten des deutschen Landwirtschafts-Benoffenfchaftswesens verwendet werden soll und damit dem Generalanwalt für seine Verdienste um den Reichsver­band.

In die eigentliche Tagesordnung wird hierauf eingetreten, lieber das Thema:Haben sich die fundamentalen Rechlsgrund- sätze unserer Genossenschastsgeietzgebung bewährt?" spricht der Ver­bandsdirektor Rechtsanwalt Bangratz-Landau. Er bejaht die Frage unter Hinweis auf die erzielte Einigung der Geitosfenschaften, die gedeihlich in dem Reichsoerband hätten arbeiten können.

Verbandsdirektor Landesölonomierat Dr. Havenstein-Bonn spricht hieraus über die R c v i s i 0 n s p f l i ch t derBerbände, ihre gesetzliche Grundlage und praktische Durchführung. Er faßt seine Ausftihrungen, die er im einzelnen aus der Praxis begrün­det, wie folgt zusammen: Tie int Genosfenschaftsgesetz vorgeschrie­bene Revision der Genossenschaften soll in einer Prüfung ihrer Einrichtungen und Geschäftsführung durch einen fachverstän­digen Revisor bestehen. Bei der Revision sei zu prüfen, ob dte Einrichtungen und die Geschäftsführung der Genossenschaften deut Gesetz und der Satzung entsprechen, dagegen sei es nicht die Auf­gabe des Revisors, auch, die Zweckmäßigkeil der geschäftlichen, insbesondere der faufniännifdjeii Maßnahmen der Genossenschaft zn prüfen. Der Verband habe dafür zu sorgen, daß nur solche Revisoren bestellt werden, die genosftnschaftlich und kaufmännisch wenigstens rechnerisch vorgebildet und aud) int übrigen der ihnen gestellten Ausgabe gewachsen seien Er habe ferner darüber zu wachen, daß die Revision in jedem zweiten Jahre, und in der durch das Gesetz und das Statut des Verbandes gebotenen Art und Ausdehnung erfolge. Jedenfalls habe der Revisor kein Recht, aktiv einzugreifen, er solle lediglich prüfen; der Verband aber könne keine Haftpflicht für die Richtigkeit der Bilanzen über- nelymen. Die Tätigkeit des Revisors fei also durck)aus verhütend.

Gegen diese Auffassung erhebt sich Widerspruch, der aber vom Referenten zurückgewiefen wird, weil das Gesetz dem Ver­band keine Verantwortlichkeit aufbürbe. Auch der Generalanwalt ist der Meinung, daß die Frage 110d)i nicht spruchreif ist und ein­gehender Erwägung würdig sei. Ec beantragt deshalb, die Leit­sätze des Referenten den Verbänden als Material zu überweisen. Die Versammlung beschließt in diesem Sinne.

Ter nächste VerbandStag soll in Stettin stattfinden.

Verbandüdirektor , Landesökonomierat Johannßeit - Hannover spricht über die geiwsscnsd-astliche Arbeit int Dienste der Milch- versorgung der Städte und Jndustriebezirke. Tie Versorgung der Ätädte mit einwandfreier Milch lasse sich am vollkommensten lösen durch einen lückenlosen und genossenschaftlichen Zusammen­schluß der an der Milchlieferung in den einzelnen Absatzgebieten beteiligten Landwirte. Gerade hier hätten sich Mißstände gezeigt, die beseitigt werden müßten, schon aus Gründen der Hygiene. Auch der Preis werde burdj den Zwischenhandel und durch die unnötig Hoheit Transportkosten u it a 11 g c m essender- teuer L Eine Kontrolle müsse ausgeübt werden, aber über­trieben dürften die Maßnahmen nicht sein, da hierdurch die Preise so verteuert würden, daß sie für den Großkonsum nidst mehr in Frage komme. Jedenfalls müsse der Einfluß des Milchverteilers auf die Qualität ausgeschlossen werden. Die Versammlung erklärt sich mit den Ausftihrungen einverstanden.

Das Vorstandsmitglied der Landwirtschaftlichen Zentral-Dar- lehnskasse für Deutschland in Neuwied, Tr. Mlden-Neuwied, spricht über den Reichsverband in ^>übrocftafrifa. Seine Ausführungen werden durch den Afrikander Dr. Erdmann-Windhuk ergänzt, der in Neu-Deutschland den Grundstein zu zukunftsreichen Unter­nehmungen legte. Schließlich werden mehrere Anträge des Re­ferenten angenommen. Südwestafrika eignet sich danach als Be­siedlungskolonie zur genossenschaftlichen Lrganisalion seiner weißen Ansiedler (Farmer, Gewerbetreibende, Handwerker usw.)

Hierauf vertagt fick) die'Versammlung auf morgen.

Eine £>oftäfel fand heute nachmittag im Mainzer Schlosse statt aus Veranlassung der Genossenschaften. An ihr nahmen u. a. teil: Die Ehrengäste des Verbandstages, darunter die Ver­

treter der einzelnen Staaten und Genossenschasönt, Minister Braun, die Ministerialräte Tr. Best, Süsferi, Usinger, Provinzialdirektor Freih. v. Gagern. Es waren 36 Gedecke aufgelegt. Am Wend fuhr der Großherzog im Auto nach Wolfsgarten zurück.

Meteorologische Beobachtungen

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Juli

1908

der Station Gießen

Höchste Temperatur

Niedrigste ,

am 9. bis 10. Juli = 4- 20,5 0 C.

, 9. 10. = 4- 8,8u C.

Machte Gehversuche.

Wenn ein 3 Jahre altes Kind noch nicht imstande ist zn gehen, so muß dein ernstliche körperliche Schwäche zn Grunde liegen. Der folgende Brief beweist, wie die in solchen Fällen so unbedingt nölige Kräftezunahute sich dank der An­wendung von Scotts Eutulsion einstelltc.

Berghausen b. Turlach i. Baden, 16. Juni 1907.

Mit 3 Jahren konnte unser Töchterlein Minna noch nid)t lausen. Ein Versuch mit Scotts Emulsion fiel so überraschend günstig aus, daß »vir dem Kinde nun längere Zeit regelmäßig davon eingaben. Die Kleine machte zusehends Fortschntte, die Knochen wurden fester, es stellte sich wieder Appetit ein, und gar- groß war unsere Freude, als sie anfing, Gehversuche zu machen; sie kräftigte sich dann immer mehr und springt nun mit ihren gleichaltrigen Gespielen um die Welte.'J

(gez.) Anton Schmuck.

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trän den Ansatz gefunden, festen Fleisches bc- S günstigt. Tie Leichtverdaulichkeit des Leber-

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