Ausgabe 
10.10.1908 Viertes Blatt
 
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Samstag 1V. Oktober 1908

Viertes Blatt

Nr. 239

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Die Proben nehmen Dienstag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, im Probelokal, Realgymnasium, wieder ihren An­fang. Die Mitglieder werden angesichts der dem Verein be­vorstehenden Aufgaben dringend um vollzähliges Erscheinen gebeten. Musikalische Gemeindeglieder sind zum Eintritt in allen Stimmen, besonders aber im Tenor, sehr erwünscht, und werden gebeten, sich bei dein unterzeichneten Vorsitzenden

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Meine diesjährigen Winterturse beginnen:

Montag, den 12., Dienstag, den 13., Mittwoch, den 14. Oktober.

Zur gefl. Beteiligung ganz ergebenst einladend, bemerfe ich, daß von heute ab Anmeldungen in meiner Wohnung Löberstr. 12,

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Allgemein verständliche Vorträge aus dem Gebiet der Naturwissenschaften.

Am letzten Donnerstag, 8. Ott. 1908, abends 81/2 Uhr sand im Hörsaal des Phvsikalischen Jnstiiuts die Haupt- versa m m Lung der Naturwissenschaftlichen Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und pzeil künde statt. In der gut besuchten Sitzung wurde die Frage über die Einrichtung allgemein verständlicher Vorträge aus dem Gesamtgebiete der Naturwissenschaften besprochen. Tie bisherigen Vorträge in der Oberhessischen ^Gesellschaft hatten größtenteils einen rein wissenschaftlichen Eharakter getragen: es wurden irgendwelche attuelle Fragen aus den modernen Forschungsgebieten besprochen. Solche Vorträge waren natürlich von großem Wert für die F-achkollegcn des Vortragenden. Sie fanden jedoch wenig Interesse über den engen Kreis der näher Beteiligten hin- oils und vermochten nur in den seltensten Fällen einen größeren Zuhörerkreis zu versammeln. Bereits im letzten Winter wurden deshalb im bisherigen Rahmen der Gesell­schaft eine Reihe von allgemein verständlichen Vorträgen über Radioaktivität von Herrn Tr. Schmidt gehalten, bie recht gut besucht waren und den Beweis erbrachten, daß sär wissenschaftliche Fragen in unserer Stadt auch außerhalb der Universitätskreisc Liebe und Verständnis vorhanden ist. Ebenfalls hatten sich zu dem Vortrag von Professor Dr. K'aiser über die geologische Entwicklung des Landschafts- l'ildes der Gießener Umgebung im Juli des letzten Sommers auf dem Gleibergturm zahlreiche Freunde der Naturwissen­schaft zusammengefunden. Der Oberhessische Verein glaubt deshalb einem von vielen Seiten gehegtem Wunsche entgegen- ziikommen, wenn er neben den Vorträgen rein wissenschast- iichen Charakters in jedem Winter ständig eine Reihe all­gemeinverständlicher Vorträge abhalten läßt.

Derartige Vortragszyklen sind in anderen Städten bereits längst eingeführt und zwar in Städten, die kleiner sind als Gießen und nicht den Vorteil einer Universität hoben. An solchen Orten macht die Einrichtung von Vor- tcägen große. Mühe und ist mit erheblichen Kosten verbunden, tie in einer Universitätsstadt ganz von selbst wegfallen. Immerhin ist bei uns in Deutschland vielfach noch ein ge­wisses Mißtrauen gegenpoprilür-wissenschaftliche" Veran­staltungen vorhanden. Manche Gelehrte halten populäre Borträge mit den Anforderungen der reinen Wissenschaft un­vereinbar; mancher Laie glaubt von vornherein, daß ihm die Ergebnisse der modernen Wissenschaft stets unverständlich bleiben werden. Unsere praktischen Vettern jenseits des Kanals denken anders darüber. In England sindpopulär lectures" bereits zu einer historischen Einrichtung gewor­den. Tort sind in vielen Städten Fonds vorhanden, die lediglich zu dem Zwecke dienen, in jedem Jahr einen be­rühmten Gelehrten zu einem allgemein verständlichen Vor-

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wie ohne staatliche Beihilfe lediglich durch vrivate Frei- aebigteit erhält,' ist vielleicht nicht zum mindesten diesem Zusammenhang zwischen dem engen Kreise der Forscher und einem weiten Kreise des großen Publitums zu verdanken.

trage aus seinem Forschungsgebiete zu gewinnen. Und Die nach- daß in England sich die Wissenschaft eines fo hohen Ansehens gehenden erfreut, daß sie die Mittel zu ihren Forschungen so gut drmf^nde Falle sicher anzutieffen

staatliche B-ihils- lediglich durch/wL-t- Frei- Dr B,chter Süd

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Die Vorbereitungen für die Veranstaltung der Vorträge in unserer Stadt liegt in den Händen des am Donnerstag neu gewählten Vorstandes, der Professor W. König, Geh- Schulrat Tr. Rausch und Dr. Cermak, und eines Ausschusses, in dem sich Herren aus den verschiedensten Kreisen der hiesigen Bürgschaft befinden. Einzelheiten sollen später bestimmt werden. Doch sind für diesen Winter vier Vor­träge und für den kommenden Sonntag ein Ausflug in die Umgebung geplant. Bei diesem Ausfluge soll entweder unter sachkundiger Führung ein industrielles Unternehmen besichtigt oder durch einen Fachmann eine naturwissen­schaftliche Frage aus dem Gebiete der beschreibenden Natur­wissenschaften direkt an Ort und Stelle erörtert werden. Der erste Vortrag wird Mitte November, voraussichtlich am 12., gehalten werden und zwar von Professor Dr. Köniy, der über Verflüssigung der Gase-sprechen und Versuche mit flüssiger Lust vorführen wird.

Wir bemerken, daß der Jahresbeitrag für die Ober­hessische Gesellschaft 3 Mark beträgt. Mitglieder, sowie Angehörige der Mitglieder, haben nach wie vor freien Zu­tritt zu allen Sitzungen der Gesellschaft. Für Nichtmitglieder ist der Preis für eine Einzelkarte, die zum Besuch der allge­meinverständlichen Vortrüge und zur Teilnahme am Som­merausfluge berechtigt aus 3 Mk., für eine Familienkarte auf 4 Mk. festgesetzt worden. Ter Eintritt zu einem einzelnen Vortrag soll 1 Mk. betragen. Studenten haben für den ganzen Zyklus 2 Mk. zu bezahlen. Ein etwaiger Ueber- schuß aus den für dieVorträge eingegangenen Gel­dern sollstetsnurwiederfürspätereVorträge verwandt werden. Die Gesellschaft hofft auf diese Meise, über kurz oder lang einmal einen bedeutenden Ge­lehrten von auswärts für einen Vortrag heran ziehen zu können.__________________________

Spidplan der Neuen Gießener Stadttheatrrr.

Sonntag den 11. Oktober, nachmittags 31/, Uhr, bei kleinen Preisen:Maria Stuart." Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen: Im weißen Rößl/ Hieraus:Als ich wiederkam/ Ende l08/4 Uhr. Dienstag, abends 8 Uhr:Simfon." Komödie in 4 Akten von Henry Bernstein. Ende 10% Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Rita Sacchetto-Gastspiel. Dazu:Kurmärker und Pikarde/ Genrebild mit Gesang in 1 Akt von Louis Schneider. Freitag, abends 8 Uhr:Ter Kompagnon." Ende 10% Uhr. Samstag, nachmittag 37. Uhr, bei Vollspreisen: Schiillervorstellung:Maria Stuart." Ende gegen 67, Uhr.

Auszug a. d. Standesamtrregiftern der Stadt Gieren.

Aufgebote.

Okt. 3. Friedrich Christian Fabel, Schmiedemeister in Hirsch­hausen, nut Helene Panz, geb. Frey, in Gießen. 5. Heinrich Dörner, Mctzgermeisler in Lauterbach, mit Emilie Häuser in Gießen. 6. Jakob Jung, Taglöhner, mit Luise Plitt, beide in Gießen. Georg Lotz, Kauimann in Gießen, mit Emilie Mühl- bach in WonSheim. 7. Peter Trechsler, Fuhrmann, mil Augtisle Klaus, beide in Gießen. Johann Heinrich Ziegler, Former in Kassel, mit Karoline Lehnert in Gießen. 9. Johann Wilhelm Funke, Schlosser in .Gießen, mit Elisabetha Jung in Klein-Linden. Jakob Eise, Glaser, mit Anna Lißmann, beide in Lich.

Eheschließungen.

Okt. 3. Adolf Heinrich Best, Unternehmer in Gießen, mit Katharine Wagcnbach in Alten-Buseck. Richard Bräutiganr, Bürstemnacher, mit Elisabeth Schubecker, beide in Gießen. Heinrich Erdmann, Ersendreher in Frankfurt a. M., nut Sophie Wrßner in Gießen. Rudolf Hurrg, Bankbeamter, mit Henriette Wigandk, beide in Gießerr. Richard Wackwitz, Glaser, mit Marie Beppcrling, beide in Gießen. 7. Max TetrSe, Sergeant, mit Emma Otto in Gießen.

Geborene.

Sept. 28. Dem Güterbodenarbeiter Adolf Enrnrel ein Sohrr, Walter Adolf. Dem Buchhalter Adolf Staudt eine Tochter, Mathilde Katharine Johanna Emilie. 30. Dem Schuhmacher Adam Döbus ein Sohn, Heinrich Karl Adam. Dem Spengler Karl Schneider cirr Sohrr, Narl Wilhelm. Okt. 1. Dem Sergeanten Adam Hahn ein Sohn, Willy. 2. Dem Glaser Wilhelm Kreß em Sohn, Heinrich Wilhelm. Dem Maschinisten Friedrich Müller eine Tochter, Klara. Dem Karrfmamr Emrl Geismar ein Sohn. Kurt. 3. Dem Kaufmann Adoti Baer eine Tochter, Margareta. 4. Dem Lackierer Hugo Hisgen ein Sohn, Karl Hugo Louis. Dem Kaufmann Max Hermann Blau eine Tochter, Erna Marie Elisabeth. 5. Dem Schlosser Heinrich Simon Gunther ein Sohn, Heinrich Karl. Dem Wirt und Spezereihändler Ludwig Gräf eine Tochter.

Gestorbene.

Okt. 2. Marie Katharine Nagel, 32 Jahre alt, Westanlage 58. 5. Gerda Wedel, geb. Alliller, 44 Jahre alt, Kaiser-Allee 27. 6. Christoph Steih, städt. Arbeiter, 50 Jahre alt, Walltorstr. 67. 7. Lina Luise Bourkarde, 15 Jahre alt, Schillerstr. 27.

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