Ausgabe 
11.9.1908 Erstes Blatt
 
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Freitag 11. September IDOS

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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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dahinten wie ein wüstes, totes Feld da muß ein

ixiatfen, nut neues Leben zu wecken. .

Za, mir war einen Augenblick z-vciselhaft, ob oic nicht mit ^hrnn optimisnschen Künsckcrblut und Künnleimut unserer gegen-

)Das Freie Wort", Franffurter Halbmonatsschrift für Aortjchritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Frankfurt c. M. Neuer Frankfurter Verlag.

n sollen Mittwoch to r, vergeben werden, ungen liegen zur Cw: le sind bis zum ge«v

r 1908. Bettenhausen.

Der deutsche Apothetertag.

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R. B. Dar m stadt, 9. September.

Die heutige Sitzung des Teulschen Apolhekertages ronrbe durch einen Vortrag des Geh. Hosrats Prof. Tr. S t a e d e l - Tarmsladt über ,2ie Umbildung 'esler Stosse" emgeleitet, in dessen Berlans Redner das Problem der Herstellung künstlicher Diamanten eingehend behandelte.

Bei Fortsetzung dec geschäftlichen Beratungen gab zunächst K u n tz e - Königsberg einen lieberblick über die Abrechnung für 1907. Tie Mitgliederzahl betrug im August d. I. 4361, die Rech­nung der Hauptkasse balanciert in Einnahme mib Ausgabe mit 860 403 Mark, an Unterstützungen, Stipendien, Prämien und Pensionszuschüssen ivnrden 29 985 Mark gezahlt. Ter dann vor­gelegte Voranschlag für 1900 schließt für die VkreinLkasje in Ein­nahme und Ausgabe mit 72 938 Mark; die Unterslntznngskasse er­fordert 19 000 Mark. Als Rasscnprüfer wurde Vrocktnijcn-Verli.i wiedergeivähit und dem Rechner Entlastung erteilt. Bei der Er- gänzungsivahl des Vorstandes wurde Tr. Bedall-Mnnchen als zweiter Vorsitzeilder wiedergewählt, ebenso Rnhak - Obernigk, während an Stelle von Tr. Fehn- Geseke, der eine Wiederwahl ablehnte, Apotheker Schnleioind-Elberield gewählt wurde; Dr. Jehn wurde in Anerkennung seiner Ibjährigen Verdienste im Vor­stand zum Ehrenmitglied ernannt.

Eine längere Debatte entspann sich dann über die R e f o r in des Kranken Versicherungswesens. Vorsitzender Tr. S a l z m a n n erstattete darüber ein längeres Referat. Tas Rranlenversicherungsgesetz habe ziveifellos viel dazu beigetragen, den Volkswohlstand zu heben und auch sonst manches Gute im Gefolge gehabt. Für den Apotheker habe es jedoch noch mehr Ungünstiges gebracht. Er stehe jetzt den Kranken­kassen machtlos gegenüber, besonders bezüglich der Kredil- geivährung und der Boykottierung einzelner Apotheken. Es sei auch außer Frage, daß die Einführung des Krankenkassen-

s Bundes der Landwirte. Möglich wäre auch

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Zusammengehen beider Bünde.

Koloniales. Wie verlautet, dürfte dem Reichstage

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politische Tagesschau.

Tie neuen Steuervorlagen.

liebet die balbamtlich bisher nur in allgemeinen Um­rissen angelünoigten neuen Steuervorlagen erfährt der L.-A." noch folgendes: Tast zu den modernen Einrich­tungen, die besteuert werden sollen, in erster Linie die Elektrizität und das Gas gehören, ist bereits be­kannt. Es soll dabei aber weniger die von diesen beiden Quellen ausgehende Straft, als das Licht besteuert werden, und auch nicht die Produltion, sondern diese Abgabe soll den Konsumenten auferlegt werden, wenngleich ihre Erhebung bei den Produzenten stattfinden dürfte. gewerblichen Interessen sollen nach Möglichkeit geschont werden. Ferner ist unter jenen modernen Einrichtungen auch an das Re- klam e w e s e n gedacht, das ebenfalls zur Besteuerung herangezogen werden soll, ob es nun in Gestalt von Plakaten, von Inschriften an Mauern, Bergen usw. oder von Zeitungs­inseraten auftritt. Was diese anlangt, so will man die minder leistungsfähigen kleineren Blätter zu der Jnseratensteuer nicht heranziehen, sondern sie lediglich von den grö­ßeren, ertragreichen Blättern erheben. Aeutzerern Vernehmen nach wird ferner die vor einem Jahre eilige- führte Fahrkarten st euer vollständig wieder aufge­hoben werden. Ein jüßer Tropfen im bitteren Kelche der neuen Steuern!

iperchen.

chen Dr. Oetker1« 2 PM* er schaumig, gib den ld das mit dem Back- e den Teig dann in ?anz dünn ausgewelk hen werden. Drückt nit einer Stricknadel igen in die Scheiben ck Palmin ganz dünn den. Nach 10 bis 15 Zacken und werden <asten aufbewahn.

r Essig-Gurken, Sen!- in all den Geschäften er führen oder direkt nr.i

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längerer Diskussion sagte bet Vorsitzende zu, un Sinne der Ver­sammlung hinznwitken. Es folgt die Beratung über den Gesetz- entwurf, betr. ben Gehei nrmittel-Derkehr. Tr. Bedali - München hat über biese Angelegenheit m einer Denkschrift die Wünsche be§ Apothekerstandes zujammengefaßt, unb die Versamm­lung stimmte einer Resolution zu, in welcher sie bie Vorlage des Gesetzentwurfs mit Befriedigung begrüßt, unb eine Berücksichtigung ber Ausführungen Tr. Bedalls erhofft. Rach Erörterung einiger weiterer Fachsragen wird Berlin zum nächitjährigen Versamm­lungsort gewählt und daraus die Versammlung geschlossen.

Am Rachmittag begaben sich ca. 600 Teilnehmer mit der Tampfstraßendahn zur Besichtigung der Chemischen Fabrik von Merck nach Arheiligen.

Die letzte Sitzung des 3 7. DeutschenApothekertages war nur von kurzer Dauer. Zuerst kam der Antrag des Kreises NiederscUesien über den Verkehr mit Arzneimitteln zur Beratung. Er wurde nach langer Debatte dem Vorstand als Material überwiesen. Ein Antrag Schmidt-Rimgar: für das pharmazeutische Hilfspersoncl zeitgemäße Benennungen zu veranlassen, wird mit einigen Aenderungen angenommen.

Die Versammlung wurde um 10 Uhr geschlossen.

wesens viel dazu beigetragen habe, das gute Verhältnis zwischen den Aerzteii und den Apothekern zu stören. Jetzt solle nun eine Reform enolgen und das Rcichsamt des Innern habe deshalb auch den Vorstand aufgeiordert, seine Wünsche zu äußern. Tie Verhältnisse seien jedenfalls sehr verbesserungssähig.

z. B. vor, daß an Krankenkassen nicht nur 20 und 26, gar 30 und 85 Prozent Rabatt gegeben werden müßten, wäb- renb der Privatmann soviel höhere Preise zahlen müsse. Rach

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Deutsches Reich.

Der Plan einer Arbeitslosenversicherung ist auch in diesem Sommer im Reichsamt des Innern weiter erwogen worden. Ob sich die Arbeitslosenversicherung mit der Reform der Arbeiterversicherungsgesetzgebung verbinden läßt, ist noch zweifelhaft. Auch steht der BegriffArbeits­los" noch nicht im Sinne der Versicherung fest, vor allem ist noch unbestimmt, ob sich die Versicherung nur auf solche Ar­beitslosen beziehen soll, die tranken- und invalidenversiche- rungspflichiig sind.

Eine neue politische Partei. Wie eine Korre­spondenz meldet, find Vorbereitungen zur Gründung einer politischen Arbeirgeberpartet im Gange und bereits rüstig fortgeschritten. Im Spätherbst wird auch die öffentliä'c Agitation für den Bund ausgenommen werden. Man plant angeblich einen Bund der Arbeitgeber nach dem

nach Neujahr eine Vorlage zugehen, die weitere Mittel zum Ausbau des Hafens von S w a k o p in u n d in Teutsch-Südwestafrika fordern wird. Beabsichtigt ist der Bau einer größeren, weit in See laufenden Molenanlatze.

Erhöhung der Einkommensteuer in Preußen. Zur Deckung des Mehrbedarfs, der durch die -reußischen Besoldungsgesetze verursacht werden wird, soll, wie demL.-A." an wohlunterrichteter Stelle bestätigt wird, in erster Linie eine Erhöhung der Einkommen- teuer vorgcnommen werden.

Bismarck in der Walhalla. Wie dieTägliche Rundschau" erfährt, soll die Aufstellung dec Bismarck-Büste in der Walhalla am 18. Oktober erfolgen. Die Büste ist von dem Akademie-Professor Kurz aus tarrarischem Marmor bereits sertiggestellt.

Ausland.

Militärexzesse in Bosnien. Zu der Meldung eines Grazer Blattes über einen Militärexzcß in Bosnien wird von offiziöser Seite folgende Darstellung gegeben: Die Urlauber des Bosnischen Infanterieregiments Nr. 1, erbittert darüber, daß sie mehrere Tage und Nächte in einem Militärzüge transportiert wurden, verlangten in der Sta­tion Maglai, wo ein Postzug hielt, durch letzteren befördert zu werden. Sie koppelten die Maschine des Militärzuges ab, um ihn an der Weiterfahrt zu verhindern. Schließlich gelang es, die Soldaten zu beruhigen, worauf sie nach ihren Bestimmungsort befördert werden konnten.

Todesfall. Der ehemalige ungarische Reichstags- Abgeordnete und frühere Chefredakteur des Pester Lloyd, Dr. M ax Fa l k, ist gestern früh in Budapest gestorben.

Vorzeitige Entbindung der König in Wil­helm ina. Nach bisherigen Mitteilungen wurde für den April die N-iedertnnft dec Königin Wilhelmina erwartet. Die frohen Hoffnungen, die das niederländische Volk hieran zu knüpfen begann, sind aber wiederum jäh schmerzlich enttäuscht worden. Nach einer Depesche aus Apeldoorn wird dort die Meldung von der vorzeitigen Entbindung der Königin bestätigt. Die Entbindung soll bereits am letzten Samstag abend stattgefunden haben. Das Be­finden der Königin ist zufriedenstellend.

Neues englisches N i e s e n s ch l a ch t s ch i f s. Zn Portsmouth wurde das SchlachtschiffSt. Vincent" vom Stapel gelassen. Es ist mit 19 250 Tonnen das größte Schiff der Dreadnoughtklasse.

nxirtigen Welt in ihrem Ringen und Schossen allzuviel Verehrung entgcgenbcäc^en. Denn das, was wir auch im Volk brauchen, | Vertrauen zur Frühlingskraft der rrinderseelen," ist, wie nur scheinen will, nur wenig in der gegenwärtigen Generation vor- haiiden. Was die Priester jahrhundertelang vcmapst haben, die Lehre von der fünbigat, von Kindheit an verderbten Menschheit, ist beim Volke verdickte Wahrheit geworden, und ein oberfläch­licher Liberalismus, ber das Wasser von der Macht des Wissens hinzutat, hat sie nicht schmackhafter gemacht. Niemals hörte man so viele Klagen über Zugendverderblheit und -Torheit. Anderer­seits dieses Knicrutschen vor abgesbe:npelten Zeugnissen und Be­rechtigungen! Ich Ivar viele Jahre auf dem Lande bei sonst sonst gesundem, klugem Vaucrnoolk. Es war dieselbe Meinung wie hier in der Staat der Schulen: Kinder müssen gedrillt werden und sei es unter Zuhilfenahme des Stocks. Ja, als ich vor ctiua seck)s Jahren in meiner Landschule beit Stock zerbrach und die M'inbcr frohlockend nach Hause stürmten, die Mnute sei ab- geschajft, da bin ich noch nach Jahren, als sich das neue Regi­ment schon sehr gut bewährt batte, starkem Kopfschütteln be­gegnet:Jungs möt Hau hemm!"

Unb hier? vier wiro der Rektor von feinen Lehrern und von feiner Behörde eingeschitzt nach der Harte seiner Disziplin! (Hört, l-vrt!) Inder Tat laßt sich darüber leichter etwas Ueblcs sagen, als es besser machen. Das Fachsystem ist leider auch hier selbst an den Volksschulen mehr als nötig verbreitet. Da muß der eine Lehrer hier, der ander: dort zwei ^ixr drei Wochenstundeu in einer anderen Klasse geben, deren Sck/ülereigenarten er nicht kennt, auch [amu kennen lernen kann.

Der Unterricht fesselt die Schuler nicht genug, teils weil er über ihre Jnterejsenfpl)äre und ihre Gedanken kraft hinausgeht, teils weil auch der Lehrer oft noch kein Meister ist. Wenn aber 60 iTinbcr länger als eine halbe Stunde sich langweilen, bann rebelliert zuletzt faie gesunde Lebenskraft in ihnen, die Disziplin lockert sich und der Lehrer ist dankbar, wenn des Rektors Stock letzter Richter unb Unterrichter zugleich wird.

Cs wird sicherlich eine der allerschwersten Fragen bei ber kommenden Schule bleiben: Woher für etwa 9 Millionen Kinder Meister der Schule" zu finben, wie Eilen Keys harter Forderung: Jeder Uulerrickst ohne Strafe" gerecht werden können? Kann doch der preußische Staat nicht einmal jetzt die Zahl ber Zuchlmeistcr vvllkriegen. Nicht nur, daß die Zahl der Seiner etwa verdreifacht werden müßte, vor allem müßte die Qualität ganz erheblich ge­steigert werden.

Ja, kann die Stadtschule, dieses oft 1632 fiaffige Unge­heuer so weit sind wir glücklichenveise noch nicht überhaupt m die kommende Schule umgeroaiibelt werden? Oder müßte, wie die Stadt zur Kiuderftadt, nicht auch daS jetzige System zur Einklassigen" dezentralisiert werden? Noch kenne ich die Stadt zu wenig, aber mir will scheinen, als ob auf ih.-m dürftigen Grunb der Zuruniismensch überhaupt nicht geboren cherden könnte. Werte, die hier wachsen, scheinen nur immer dem biologischen Gesetz zu entsprechen, daß ein Organ sich um so besser bilde, je mehr ein anderes verkümmert.---

Gurlitt bemerit zu diesem Briefe:So schreibt heute einer, der Bolksschullehrer ist<nur" Voltsschullehrer. Durch die jetzt in Aktion tretende antikulturelle Schulpolitik wird sich bald die Schar der Opfer mehren, der Opfer im Sinne der Schulverwaltung gesprochen, der Kulturkämpfer in unserem Sinne. Tas Verlangen, in den Dienst dieser dem Leben abgcwandten Schule ctnzutreten, wird immer noch meh-ä schwinden und somit der Lehrerschwund, die Ent­völkerung des Lehrrrbcrufs, die Reaktionäre zur Einsicht und Umkehr zwingen. Daß das so kommen wird, so kommen muß das ist gewißlich wahr. "

Prof. Gurlitt hat Recht. irs liegt hier ein Problem vor, eine Frage von schwerwiegender Bedeutung, eine Frage, die man je eher, je besser lösen muß. Bei uns in Hessen hat man la darin erfreulicherweise einen Anfang gemacht, und auch Die anderen Bundesstaaten werden sich dieser Aufgabe nicht lange mehr entziehen können. E. A.

Nur volirschullehrer.

Wir haben in diesen Tagen wieder der stolzen Siege -er deutschen Waffen im Jahre 1870 gedacht, und in Fest­reden hört man es bei solcher Gelegenheit mitunter, daß cs eigentlich der deutsche Volksschullehrer gewesen ist, dem diese Siege zu verdanken gewesen sind. Man erkennt damit an, daß die aufopfernde Kleinarbeit unserer Volksschullehrer m ben späteren tapferen und siegreichen Kriegern einstmals )ie Grundlage gelegt hat zu der inneren Tüchtigkeit unseres Heeres. Heute ist nun leider vielfach die Neigung vor­handen, die Tätigkeit unserer Bolksschullehrer zu unter- Ichätzen. Man unterschätzt auch die immer größer werden- 6en Schwierigkeiten, unter denen der Doltsschullehrer so häufig seinen Beruf auszuüben hat. Man verallgemeinert, Uo man doch nur unter Berücksichtigung aller gegebenen Verhältnisse urteilen sollte. Ueberfüllte Massen, schmales Inntommen, Druck geistiger Fesseln, das sind häufig genug die traurigen Umstande, unter denen mancher berufsfreu- fcige Lehrer allmählich zu einer äußeren Drillmaschine fcerabfinft. Das sind aber auch die Gründe, die mand}en tüchtigen jungen Mann davon abhalten, sich dem Lehrer- ßanbe zu widmen. Nicht ohne Beschämung tonnte man es trzlich in einem Berliner Blatte lesen, daß ein Herrschaft licher Kutscher, nach seinem Einkommen befragt, stolz er Märte:60 Mark Gehalt monatlich, 2 Morgen Kartoffel ader, freie Heizung und Kleidung und die vielen Trink- Felder für Besuchefahreu und beim Servieren aus Gesell- fiaften. Außerdem fällt noch manches für meine Familie Öd.Wieviel betragen wohl die Trinkgelder durchschnitt­lich?"Mindestens 1 Mark bis 1.50 Mark täglich," war :ie Antwort. Da der Kutscher von feinem Einkommen erzählt hatte, wollte er das eines gleichaltrigen Leh­rers luijfeu. Als der ihn befragende Lehrer sagte. ,,840 Mark und freie Wohnung," antwortete er: , Wenn ick Sie nid) kennte, globte ick Ihn' bat nid). Jaüor arbeite ick nid). Dann sagen Sie man Ihren Kol- Iegen, er soll sich uff'n Ki'.tscherbock setzen, da verdient er »nehr."

Dieses Gcschichtchcn spielt allerdings in Preußen, aber i i könnte ebenso gut für manchen anderen deutsd)en Bundes i :aat passen und es ist leider typisd) für die Wertschätzung l e» Voltsschullehrers in der öffentlichen Meinung. Um so i cwundemswerter ist cs nun, daß sich im deutschen Volks- schullehrerstaude trotzdem ein so bewundernswerter Jdealis- i.ius erhalten hat. Prof. Ludwig Gurlitt gibt hiervon ein i übsches Pröbchen im zweiten Septemberhefte der Zeit­schriftDas freie Wort".*) Der mutige Vorkämpfer auf bem Gebiete der Schule unb ber Erziehung schreibt bort u. a.:

Bei ber geistigen Neugeburt, die nötig ist, um unsere Kultur vor lirftarrung zu retten, haben wir vor allem auf bie Mitarbeit der Voltsschullehrer zu rechnen. DieAka- bemischen" haben fid) bisher von ber Reformarbeit ziemlich serngehalten. Als bie Schulunterhaltungsvorlage jetzt Dor 2 Jahren beraten würbe, versagten sie ihren bebräng- ten Brudern vom Lehrfach den Beistand und sahen schweigend frit, wie die deutsche Volksschule wieder zu einem Schritt fciirüd ins Mittelalter gezwungen wurde. Seitdem lastet auf ihr der Druck kirchlid)-orthodoxer Bevormundung nod) s chwerer als zuvor. Der von der Lehrerschaft bekämpfte Kultusminister v. Studt wurde von Kaiser Wilhelm II. Sr seine lonservative Schulpolitik mit dem Schwarzen blerorben geehrt. Der Kaiser ist mit ben Volksschullehrern anzufrieben. Er hat sie nod) nie mit ehrenden Worten be­sucht, wiederholt aber feiner Mißstimmung gegen sie beut* l'.djen Ausbruck gegeben. Er hält sie für verantwortlich j ar bas Anwachsen der Sozialdemokratie unb für die weite Ausdehnung modernenUnglaubens". Er meint, wenn bie Lehrerihre Pflicht täten", so wie er diese Pflicht versteht, | o stände es besser mit der inneren Politik in Deutschland . . . Daher ber Volksschullehrerstanb amtlich bisher unb gerade 7.tzt als minderwertig eingesd)ätzt wird:Elementarlehrer ! .nd halbgebildete Handwerker", äußerte sich kürzlich ein Loher preußischer Politiker. So denkt man vielfach in jenen Lohen Regionen. Es wäre gut, wenn ein preußischer Kultus­minister einmal and) seine Entdeckungsreisen machen wollte, nicht wie Ternburg nad) Afrila, sondern ins deutsche Volk Einein, in die deutsche Volksschule. äTenn Minister Dr. Holle Line Ahnung von dem Bildungsstande des deutschen Volkes Rütte, |o lonnte er unmöglich bas Liegnitzer Bück)erverbot erlassen haben. Unter den ihm unterstellten Volksschul- Rchrern gibt es viele, die es bei ihrer vermeintlichen Halb­bildung aus einen Wettbewerb mit einem preußischen Kültus- rrinister getrost würden ankommen lassen. Otto Ernst war Äolksschullehrer, desgleid>en L. Tews unb Wilhelm Schwa- per; Karl Goetze ist es nod). Wer darf diesen und ähn- r:d)en Männern gegenüber vonHalbbildung" sprechen r

Gurlitt gibt dann ben Inhalt eines Brieses nneber, 3en ihm ein Bolksschullehrer geschrieben hat unb den er dd typisch ansieht, für die Begeisterungsfahigkett im.beut- sihen Volksschullehrerstande. In diesem Briefe heitzt es il a.: . - 3 .

Ein Neues ist im Werben unb Wacpsen, ein Neues, Darauf i die Slaatsmäuner und alle Berannvoriliä-en ihre gaiize Ver- atür-ortlid)fcil richten sollten. Aber Diclieian ist es bester ff,: beim alle gesunden Reformen steigen quellenb von unten Herauf. Es möchte anders wieder ein .Halbes geboren iverden, nie einst zu WiitenberZ .... v

Wo alter Glaube stirbt auch m meinem Leben liegt er

9h?. % Erstes Blatt 158. Jahrgang

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General-Anzeiger für Oberhessen rWS

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