Ausgabe 
10.10.1908 Erstes Blatt
 
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Vom Flottenverein.

Gegenüber dem Beschluß oes weunarischen Landesverbandes des Deutschen Flottenvereins vom 20. September, wonach dieser zur nächsten Tagung des Deutschen Flottenveveins in Nürnberg keine Vertreter entsenden soll, wenn die Vorstandsmitglieder des bayerischen Landesverbandes noch an der Spitze dieses Verbandes stehen, nahm eine Mitgliederversammlung der Eisenacher Orts­gruppe, der größten des Großherzogtums Sachsen, nachstehende Protestresolution an: Die Ortsgruppe Eisenach des Deut­schen Flottenvereins kann es nicht billigen, daß ihr Vorsitzender den: Beschluß des Landesverbandes vom 20. September 1908 ohne vorherige Beratung und Beschlußfassung des Vorstandes oder der Ortsgruppe baigetreten ist. Der Beschluß des Landes­verbandes vom 20. September entspricht nicht der Auffassung der Mitglieder der Ortsgruppe Eisenach, die in diesem Beschluß eine Störung des in Danzig geschlossenen Friedens erblicken. Der Vorstand der Ortsgruppe Eisenach wiÄ» beauftragt, solches zur Kenntnis des Landesverbandes zu bringen.

Aus Zentralostafrika.

Tie vor einigen Monaten gemeldete Eingebor'enel'bewegung in den zentralostafrikanischen Landschaften Turu und Jraku ist nach soeben an amtlicher Stelle eingetroffenen Nachrichten ohne weitere Störungen zum Abschluß gelangt. Tie Ruhe ist überall wieder hergestellt. Ter Tcmonstrationszug des Hauptmanns Chari- sius durch Turu ist bis auf wenige Schüsse einer Patrouille voll­ständig friedlich verlaufen. Die Anstifter der Bewegung wurden sämtlich verhaftet. Akide Mausa wurde zum Tode verurteilt. Der genannte Truppenführer ist nach Aruscha zurückgekehrt, wo die Expedition aufgelöst wurde. Eine Abteilung Askari unter Oberleutnant von Trotha wird noch kurze Zeit in den beruhigten Landschaften verbleiben. Es ist dann beabsichtigt, daselbst einen ständigen Militärposten einzurichten.

erleiden?

Die neuen Vorgänge auf der politischen Weltbühne haben für diesen Augenblick alle anderen Interessen zurück­gedrängt. Nicht einmal der deutsch-französische Zwischenfall in Casablanca findet besondere Erwah­rung. Aber ein Interesse hätte die Nation doch wohl daran, Zu erfahren, ob die Regierung diese. Angelegenheit ein» Wasen lassen will oder ob unsere Regierenden in ihrer Sommerfrische noch feine Zeit gehabt haben, sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen.

Einen gewissen Raum in den Erörterungen der Partei- tzresse nehmen nach wie vor die Steuerpläne der Reichs regieruna ein, deren Einzelheiten ja noch immer I geheim sind. Es scheint, daß Herr Sydow erst die Wirkung seiner Worte von der Sparsamleit abwarten will, bevor er tropfenweise weitere Enthüllungen über seine Steuerpro- jekte macht. Auf wie guten Boden Sydows Mahnung ge­fallen ist, lehren jetzt die V o r s ch l ä g e d e s Fr h r n. von Eiamp. Ter konservative Abgeordnete aus Hinterpommern möchte zunächst in der Post sparen. Nach seiner Meinung ijt unnötig, daß die Post in den'Städten mehreremal des Tages ausgetragen wird, in Berlin sogar achtmal. Au sninenl Gute erscheint der Postbote bestenfalls einmal täg­lich, und die Welt gerät darüber nicht inS Wanken. Die Gänge der Briefträger können also nach seiner Meinung auch in der Stadt sehr gut verringert werden. Wenn der Ge­schäftsmann durch Verzögerung in der Postbestellung viel­leicht hier und da schwere pelüniäre Verluste erleidet, dann hat er wenigstens das oeseeligende Bewußtsein, etwas auf dem Altäre des. Vaterland es geopfert zu haben. Nicht minder

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

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Gin neues Neichsversicherungsgesetz.

Wie dieSozialpolitische Rundschau" mitzuteilen in der Lage ist, plant die RLichsregierung ein neues Reichsversicherungsgesetz, das die bisher bestehenden Einzelgesetze über Kranken-, Unfall- unb Jnvalidenversicherung zu einem ganzen vereinigen soll. In diesem neuen Gesetz sollen speziell die Beziehungen zwisckien den Aerzten und Krankenkassen eine von den bisherigen Bestimmungen abweichende Neuregelung erfahren. Die Reichsregierung plant so­genannteArztordnungen", die bei jeber Krankenkasse die Be­ziehungen zwischen Kassenärzten und Kässenvvrstand in ähnlicher Weise fixieren sollen, wie dies die Tarifverträge bezüglich her Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Industrie tun. Diese Slerzteordnungen sollen einmal die Voraus­setzungen enthalten, unter denen die Aevzte überhaupt zur Kvssen- pcaxis zugelassen werden, alsdann die Höhe und Verteilung der zu vereinbarenden Pauschbeträge, sowie Bestimmungen darüber, wie eventl. Streitigkeiten ihren Ausgleich finden sollen. Derartige Aerzteorbnungen müssen sowohl von der Kasse wie auch von den Aerzteorganisationen, ober, wenn eine solche fehlen sollte, von jedem bei der Kasse zugelassenen Arzt unterschrieben werden. Damit wird die Regelung des Verhältnisses zwischen Arzt und Vereinbarung überlassen. Sollten aber

Krankenkasse der freien Vereinbarung überlass en. Sollten aber bei freiwilliger Einführung ber freien Aerztewahl Streitigkeiten entstehen, so plant die Regierung die Einsetzung von Einigungs- mstianzen, die wie folgt zusammengesetzt werden sollen: Erstens ein Einigungsausschuß, der bei jeder Kasse errichtet werden kann und aus einer gleichen Anzahl von Aerzte- wie Krankenkassen­vertretern zusammengesetzt ist. Sollten sich die Parteien bei dem Beschluß des Einigungsausschusses nicht berichigen, so steht ihnen die Berufung an die zweite Instanz, nämlich an einen Schieds­ausschuß, frei, der im Bezirk eines jeden Versicherungsamtes neu errichtet werden soll. Gegen die Beschlüsse des Schiedsaus­schusses steht den Parteien die Berufung an Schiedskammern zu, deren Entscheidungen die Wirkungen eines rechtskräftigen gericht­lichen Urteils haben. Diese Schiedsinstanzen können auch zur Fällung von Schiedssprüchen herangezogen werden. Insbesondere ist geplant, daß wenn ein Aerztestreik die Versorgung der Kassen­mitglieder gefährdet, d-ie L-andeszentralbehörde die Schiedskammern um einen Schiedsspruch ersuchen kann. Die Entscheidung der Kammer hat dann wieder die Wirkung eines rechtskräftigen Urteils.

Deutsches Reich.

Zur Schückingaffäre. TieSchleswiger Nachr." melden, daß das Gesuch des Bürgermeisters Schücking-Husum um Suspendierung während der Disziplinaruntersuchung von dem Regierungspräsidenten abgelehnt worden sei.

Bismarck in Walhall. Wie dieKorrespondenz Hoffmann" meldet, hat der Prinzregent an den ältesten Enkel des Fürsten v. Bismarck, Fürsten Otto v. Bismarck, sowie an den Schwiegersohn des Fürsten, Grasen zu Rantzau, Einladungen zur Teilnahme an der Enthüllungsfeier der Bismarckbüste in der Walhalla ergehen lassen.

Die Kreisregierung der Pfalz erläßt auf Grund des Seuchengesetzes umfassende Vorsichtsmaß­regeln gegen die Einschleppungsgefahr der Cholera aus Rußland.

Der Ausschuß desW einbau-Vereins Rh ein Hessen" hat sich in seiner letzten Sitzung mit der projektierten Weinsteuer befaßt. Einstimmig war er der Ansicht, daß die Flaschenweinsteuer geeignet ist, den rhein- hessischcn Weinbau auf das schwerste zu schädigen, da die Mehrheit der Weine Rheinhessens als Flaschenweine ver­braucht werden und der Handel die Steuer sicher auf den wirtschaftlich schwachen Winzer abzuwälzen wissen wird. Es wurde deshalb beschlossen, bei der Großh. Regierung und dem Reichsamt des Innern dahiu vorstellig zu werden, daß von der Einführung einer Weinsteuer Abstand genommen werden möge.

politische Wochenschau.

Gießen, 10. Oktober 1908.

Jahrzehntelang ist man der Balkansrage klug und vorsichtig aus dem Wege gegangen. Man wußte es, daß hier Explosivstoffe genug angehäuft waren, um eine Welt aus Iden Angeln zu heben. Es gibt kaum eine Großmacht, die bei einer Neuregelung der Dinge auf dem Balkan neutral bleiben könnte; so groß sind die direkten oder indirekten In­teressen der Mächte. Was ist uns Kreta? Und doch hat die Kretafrage seinerzeit alle Großmächte mobil gemacht. ' Und jetzt, ba die Lösung der Balkansrage nicht mehr aus­zuschieben ist, kracht das alte Europa in alten seinen Fugen. Der vermag es zu sagen, wie die jetzige Krisis im nahen Orient ausgehen luirD. Die Türker hatte angefangen, sich aus seine alte Kraft zu besinnen, die dem westlichen Europa schon einmal verhängnisvoll gewesen ist. Aber noch bevor die Türkei jetzt die Misslichkeit gehabt .hat, den alten, morschen Staat zu erneuern, und sich zu kräftigen, sind Schlag auf Schlag Katastrophen eingetroffen, deren Wirkungen noch xar nicht abzusehen sind. Bulgarien hat sich von der letzten Fessel freigemacht, die es an den Sultan gebunden hatte. Oesterreich-Ungarn hat dem Türkenreiche zwei seiner Pro­vinzen entrissen. Kreta hat sich dem Griechenreiche an» : gegliedert, Samos will dasselbe tun. Albanien will dem

Beispiele Bulgariens folgen und unabhängig werden. Italien verheimlicht keineswegs mehr seine Absichten auf Tripolis und Serbien will ebenfalls entschädigt sein und ein Stück vom Besitze des kranken Mannes haben. Daß England unter diesen Umstanden nicht zögern wird, Aegypten end­gültig in Besitz zu nehmen, ist selbstverständlich, und Ruß­land wird schwerlich leer auSgehen wollen. Vielleicht darf | es bann hoffen, das Testament Peters des Großen zu voll­strecken und auf der Hagia Sofia zu Konstantinopel das griechische Kreuz aufzurichten. Die Teilung der Türkei Hal | begonnen. Ob eine Balkankonferenz, wie sie von der Pforte - und einigen Großmächten gewünscht wird, dieser Teilung

Qinhalt gebieten wird, erscheint fraglich. Es erscheint über­haupt fraglich, ob diese Konferenz wirklich zustande kommt, für die Frankreich schon Brüssel als Ort der Verhand­lungen vorschlagt. Gern wird die Türkei jedenfalls nicht rlle Hoffnung auf ihre Waffen setzen, denn diese sind ja im L^ufe der Zeit recht stumpf und schartig geworden, und an Selb zum Kriegführen fehlt es den Türken natürlich auch. Entscheidend für die weitere Entwicklung ber gegenwärtigen Krisis wird das Verhalten Englands und Rußlands sein, die in allem, wie es scheint, von Frankreich und Italien * unterstützt werben. Deutschland allein sitzt zwischen zwei Stühlen. Es will nichts gegen den Sultan unternehmen, dessen Freundschaft seinerzeit laut genug in die Welt h.naus- posaunt wurde, es will aber auch das verbündete Oesterreich- Ungarn nicht verlassen. Deutschland will es mit keinem verderben, will wieder einmal der selbstlose Freund aller J fein, und es wird man muß es leider befürchten mit allen verderben. In der Türtei wächst die Mißstimmung H gegen Deutschland von Tag zu Tag, dank der rührigsten

Agitationsarbeit gewisser deutschfeindlichen Zeitungen. Es darf nicht verkannt werden, daß die Lage Deutschlands gegen- | über der Türkei und gegenüber Oesterreich-Ungarn nicht gana leicht ist, aber etwas weniger Tatenlosigkeit wäre doch j auch von unseren leitenden Staatsmännern zu wünschen z gewesen. Reichskanzler Fürst Bülow weilt freilich noch i-mmer auf Urlaub und wird erst am Montag nach Berlin Zurücklehren, während der Staatssekretär des Auswärtigen | doch schon am Donnerstag zurückgekehrt ist. Eile haben diese beiden höchsten Beamten des Reiches jedenfalls nicht gezeigt, auf ihren Posten zurückzukehren. Das erklärt wohl auch das mancherorts peinlich empfundene Schweigen der deutschen Reichsleitung. Es ist leicht möglich, daß durch die Saumseligkeit unserer Staatsmänner wieder einmal der günstige Augenblick zum Handeln verpaßt worden ist, wie schon so oft. Aber was wird aus unseren kommerziellen Unternehmungen in der Türkei, wenn die Aufteilung dieses Reiches wirklich fortgesetzt werden wird? Sollen wir wieder einmal leer auSgehen, oder gar alles verlieren, was wir tu türkische Unternehmungen hineingesteckt haben und dazu noch an Freundschaft und Sympathie in der Welt Einbuße

Ans Stafct und Land.

Gießen, 10. Oktober 1908.

Unsere Gewerbebank

eiert heute unter Anteilnahme weiterer Kreise ihr fünfzig­jähriges Bestehen. Das heute so segensreich wirkende Jn- titut wurde am Ende einer Zeit politischer und wirtschaft­licher Stagnation von einer kleinen Zahl zielbewußter Mit­bürger gegründet, die damals nicht voraussehen konnten, daß wenige Jahre später eine Zeit wirtschaftlichen und staat­lichen Aufschwungs begann, die in der Geschichte beispiellos dasteht. Daß die Stadt Gießen in dem daraus entstehenden Wettbewerb nicht zurückblieb, verdankt sie nicht am wenigsten der segensreichen Wirksamkeit der Gewerbebank, die nach den durch zahlreiche Erfolge erprobten Grundsätzen Schulze- Delitzsch's, den Grundsätzen der Selbsthilfe und des ge­nossenschaftlichen Solidaritätsgefühls, errichtet und seitdem in diesem Sinne geleitet wird. Der frohe Wagemut der Gründer, die damit denselben unabhängigen Bürgersinn be­wiesen haben, der die Gießener Bürgerschaft zehn Jahre vorher in den großen politischen Kämpfen erfüllte, ist durch einen vollen Erfolg belohnt worden. Von Jahr zu Jahr nahm die Zahl der Mitglieder und der Umfang der von ihnen abgeschlossenen Geschäfte zu und so hat sich die an» fänglich auf Kreuzerbeiträgen aufgebaute Genossenschaft zu einer wirtschaftlichen Macht entwickelt, die für das Gießener Erwerbsleben schlechterdings nicht mehr zu entbehren ist. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle ein umfassendes Bild des Werdegangs der Gewerbebank zu geben, zumal das heute bei der Gedächtnisfeier der Gründung aus bc- rufenerem Atunde geschehen wird und auch die Festschrift hierüber eingehende Mitteilungen enthält. Wohl aber sei heute dankbar der Männer gedacht, die vor 50 Jahren das segensreiche Institut ins Leben gerufen haben, sowie derer, die seit dieser Zeit als Vorstands- ober Aussichtsratsmitglie« der ihm ihre Dienste geliehen haben. Vor allem sei ehrend gc- dacht des jetzigen Vorstands der Bank, sowie des hochverdien, ten Aufsichtsratsrnitaliedes Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch und des Seniors und Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Stadtv. Petri. Sie vor allem feiern heute den Ehrentag des gemein­nützigen Instituts als ihren Ehrentag mit. Ter Gewerbe­bank aber wünschen wir auch für die Zukunft eine weitere gedeihliche Entwicklung zum Segen und Nutzen der Stadt Gießen und ihrer gewerbfleißigen Bürgerschaft!

" Ordensverleihung.. S.K. H. der Großherzog haben dem Finanzrat Herrn. Spam er zu Darmstadt auS Anlaß seines Ausscheidens aus dem Staatsdienste das Ritter­kreuz 1. Klasse des Lerdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Eisenbah n-Personalien. S.K. H. derGroß- h erzog haben den Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor Hch. Koch zu Ratibor zum Vorstand einer Betriebsinspektion in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft ernannt.

** Le hrerPersona Heu. Uebertragen wurde dem Lehrer Wilh. Beichert zu Hainhausen eine Lehrerftelle an ber Gemeindeschule zu Jügesheim; dem Lehrer Herm. Jos. Laube zu Jügesheim, eine Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Seligenstadt, und dem Lehrer Jak. Male­ton zu Jügesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Herrnsheim. Uebertragen wurde dem Schulaints- aspiranten Ludw. H a m mann aus Wolfskehlen eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Bauschheim. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mörfelden.

* Kunstverein. Ein großer Teil der neu aus- zustellenden Gemälde sind bereits eingetroffen; die Eröffnung der Ausstellung wird am Sonntag, 18. Oktober, er­folgen. Von da ab wird wieder alle 3 bis 4 Wochen ein regelmäßiger Wechsel der Gemälde vorgenommen.

* Gewerbepolizeiliche Revisionen. Vom Juli bis Oktober l. I. wurden folgende gewerbepolizeiliche Revi­sionen vorgenommcn: 1. Die Arbeits-, Verkaufs- und Auf­bewahrungsräume in den Schlächtereien in Bezug der vorgeschriebenen Reinhaltung. 2. In den Betrieben, in denen künstliches Mineralwasser hergestellt wird. 3. Die Anzeigepflicht bei der Aufstellung von Motoren be­treffend. Die Gewerbetreibenden find gehalten, vor der Auf­stellung solcher Anlagen der Ortspolizeibehörde Anzeige zu erstatten. 4. In den Sandgruben und Steinbrüchen bezüglich des Abbaues. 5. Den Verkauf von Backwaren in Spezereigeschäften. 6. Die Ruhezeiten der Ge­hilfen und Lehrlinge in Gast- und Schankwirt schäften betreffend. Von den einzelnen Betriebsinhabern wird viel­fach in der Führung der Verzeichniffe für Eintragung dec Ruhezeiten gefehlt, was wiederholt zu Bestrafungen der Säumigen geführt hat. 7. In den zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Anlagen. 8. Den Verkauf von Essigsäure (Essigessenz) betreffend. 9. Die Lagerung und Aufbewahrung von Mineralölen, insbes. Petroleum, Benzin und dergl.

** Milchkontrolle. Aus Grund der Mikchverkauss- ordnung für den Kreis Gießen wurden eine größere Anzahl Milchrevisionen vorgenommen. In drei Fällen wurde ent­rahmte Milch und in zwei Fällen gewässerte Milch vorgc- funden. Gegen die Milchpanscher ist Anzeige erhoben worden.

** Defieutliche Lesehalle. Im September wurden 196 7 Bande ausgeliehen. Davon kommen aus: Erzählende Literatur 1094, Zeitschriften 228, Jugendschristen 246, Vers- dichtungen 57, Literaturgeschichte 10, Länder- und Völkerkunde 64, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Biographien 94, Kunst» geschichle 19, Naturwissenschaft und Technologie 43, Heer- und Seewesen 9, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 20 Religion und Philosophie 13, Staatswissenschaft 13, Sprachwissen­schaft 12, Fremdsprachliches 23 Bände. Nach auswärts kamen 69 Lände.

bemerkenswert ist ein zweiter Vorschlag des Frhrn. von Gamp: die Passagiere auf der Eisenbahn könnten, so meint er, sehr gut etwas enger beisammen sitzen. Man spart dann Magenmaterial und Personal. Der Vorschlag ist ja sehr schön, aber Herr v. Gamp, der als Abgeordneter selbst nur erster Klasse fährt, kennt offenbar nicht die qualvoll- fürchterliche Enge, die schon heute in den anderen Wagen- c lassen häufig genug herrscht. Ernst zu nehmen sind solche Vorschläge zur Sparsamkeit, wie man sieht, nicht. Herr v. Gamp täte besser, mit der Opferfreudigteit bei der Sa­nierung unserer Reichsfinanzen an geeigneter Stelle und in geeigneter Weise selbst voranzugehen. Sein eigenes gutes Beispiel würde sicherlich Nachfolger finden. E. A.

politische Lagesschau.

Nr. 23» Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 10. Ottober 1808

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