Ausgabe 
10.9.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 213

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

des

Franklnrter Börte, 10. September, 1.15 Uhr.

Beichaanleihe

. 82.25

Italien. Bente .

4%

101.60

Tendenz: uneinheitlich.

-

Elektnz. Lahmejer . . Elektriz. Scbuckert . . Eechweiler Bergwerk .

240.00

62.70

147.40

Lanrahütte

Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd .

L'ilrkeidose . .

170.60

128.60

239.60

. 179.70

. 147.20

. 203.20

TieSiehener Zamilienblätter" werden dem ^Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

. 123.75

. 117.25

. 206.25

4>o Uesterr Goldrente. . 4*/6 % Uesterr. Silberrente 4?ö Ungar Goldrente . .

3 J£°/( 3% W/<

3 X°/t 3>i7c

do.

Konsols . do.

Hessen . . OLerbesseu

drtiHL «WS? .kßsztü

Bochum Guss . . . Buderus HW. . , Tendenz: lest.

Berliner

Canada E. B. .

Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

227.00

115.25

Börse, 10 . . 171.30

Berliner Hnndelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank . . Krcditaktieu . . . Baltimore- und Ohio-

Lisenlahn . . .

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul- straffe 7. Expedition und Verlag: eas®5L Redaktion.e-^112. Tel.-AdruAnzeigerGießew-

Klcinc Tagcechrourk.

In dem 14 Kilomettr von r.'uotm ' entfernten Torfe Lomaschowitze umsteiircit U Monopol.zisLu mit £)ilje eurer Sappeur- Patrouille die Mauser von zwei Meinbauern, die als Räuber bekannt waren und viele Morotaten und Pliinoerungen verübt hatten. Bei dem Mnmpf mit den Mubcrn wurde ein Mann und eine Frau erschossen, 2 Landpolizrsten verletzt. Tic Räuber wurden verhaftet.

flli- lllld ÄavM nit man m t -Al

61.60

62.60

96 95

92.50

94.20

147 10

52.10

85.75

65.40

98.00

83.95 92.25

83.85

91.00 90.00 9890 99.50

93.60

Vie ttaisermanöver.

Rach genaueren Meldungen hatte das. Armeekorps Vorgestern früh seine 31. und 30. Tivision in einer Kolonne auf der Straße Hellimer-Eappel hintercinandergesctzt, wohl mit der Absicht, durch Linkseinfchwenken den feindlichen Flügel zu umfassen, der im Vormarsch auf Fr^ibuß-Groß- Länchen- vermutet wurde. Daraufhin ordnete das 16. Ar meekorps die Entfaltung der 34. und 33. Division zwischen Groß-Tünchen und 5t. Maria, bczw. südöstlich von Vahl- Ebersing zum Angriff in östlicher Richtung an. Ter einhett- ttche Angriff der blauen, 31. Division, zwang die rote, 33. Tivision, trotz wirksamen Eingreifens der Kavalleric-Ti- Ivision auf den starken Höhen bei Vahl-Ebersing, zu weichen. Dagegen wurde die 30. Division auf dem linken Flügel von sehr erheblichen Kräften umfaßt und zum Zurückgehen auf Püttlingen genötigt. Ter Angriff der bayrischen Kavallerie- Tivision gegen den rechten Flügel von rot konnte daran nichts ändern. Der konlmandicrende General von blau sah sich daher trotz des Erfolges der 31. Tivision veranlaßt, den allgemeinen Rückzug des Korps hinter Dui Mutterbach bei Püttlingen zu befehlen. Am AdeKd standen demnach beide blauen Divisionen bei Püttlingen, die bayrische Ka­vallerie westlich davor bei kappelkinger, die 3. bayrische Ti­vision nordöstlich rückwärts bei 5aargemünd. Von rot stand die 33. Division bei Vahl-Ebersing, die 34. bei Fremers­dorf, die 8. bayr. Infanterie-Brigade unter Generalmajor Wening mit 6 Bataillonen und 3 Batterien schwerer Feld­haubitzen bei Hellimer und die Kavallerie-Division A bei 5t. Avold.

Gestern morgen um 7 Uhr setzte das 16. Armeekorps den Angriff aus der gciuoiuicncn Stellung fort. Tic drei Batterien schwerer Feldhaubitzen wurden dazu mit der ersten Abteilung des Rhein. Fußartillerie-Regimcnls Nr. 8 der 33. Division zugeteilt. Auch das 15. Armeekorps ging zu gleicher Zeit zum Angriff vor. Es überschritt die Imüc ^.'uppershausen-Kappellingcr mit der Absicht, den feindlichen rechten Flügel zu umfassen. Dje kavallericdivisionen be­gannen den Vormarsch auf den Flügeln bereits um 6 Uhr früh.

Der Kaiser begab sich gestern morgen zunächst auf die Höhe südlich von Leyweiler und nach einem kurzen Aufent­halt dort auf die Höhe südwestlich von Hellimer, die einen ausgezeichneten Rundblick gewährte. Hier beobachtete der Kaiser die Umfassungsbewcgungen des linken Flügels des 15. Korps. Der Kaiser verfolgte hier, wie durch das gleich­zeitige Vorgehen der 30. Division von Süden und der 60. Jn- santeriebrigade von Osten der rechte Flügel von rot geworfen wurde. Hierauf begab sich der Kaiser nach den Höhen nord­östlich von Fremersdorf und beobachtete den Rückzug der 31. Division von rot sowie das erfolgreiche Vordringen der 33. Division und der Reserve des 16. Korps über Maxstadt und den Büdinger Wald. Die Entscheidung des Schiedsgerichts ging dahin, daß blau durch seine um­fassenden Angriffe ben rechten Flügel von rot zurückgeworfen habe und daß durch das erfolgreiche Vorgehen des linken Flügels von rot in der Linie Maxstadt-Barst das .Gefecht zum Stehen gekommen sei. Ter Kaiser erhielt die Mel­dung, daß der kommandierende General des 16. Armee­korps (rot) aus Grund des Gefechksverlaufs sein Korps hinter Deutsch-Ried zurücknehme, linier Flügel südlich St. Avold, rechter Flügel bei Tettingen. Der Kaiser verließ hierauf^das Manöverfeld und traf um 6 Uhr mit dem Erz­herzog Franz Ferdinand auf Schloß Uroille ein.

Gestern vormittag stürzte Prinz Heinrich von Bayern im Manöver mit dem Pferde. Der Prinz wurde nach Groß-Tänchen gebracht; er hat bei dem Sturz leichte lioiilujioueu des Kop,es nut Hautaoschürfu,igen erlitten.

TeäefoBische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Bandel und Industrie, Glossen.

sag) MMPM' iebiten, bei aUcinfL aitre stfcriftl. AnMie Mi- )ie ivrucb. bei

.s. Ul»

des Bürgermeisters zu Niedcr-Eschbach und nahm verschiedene. Kleidungsstücke aus dec unbewachten Parterrewohnung. Als er die Sachen im nämlichen Ort zum Berkaus anbot, machte er sich vetchächtig, wesl-alb ihn der Polizeidiener dem Bürgermeister vor- sührte, der die Lackten ais ihm gehörig anerkannte. Bei feiner Einlieferung in das Haftlokal zu Vilbel ließ er sich aus den Flamen seines Bruders Ernst eintragen, da er annahm, sein Bruder sei noch nicht bestraft, um so eine gelindere Ltrafe zu bekommen. Als ihm aber die Anklageschrift zugcstelll wurde und er daraus ersah, daß sein Bruder ebenfalls wegen Diebstahls rückfällig ist, gao er seinen richtigen Namen an. Tie Einträge im Gefangeneuregister waren aber bereits vollzogen und somit eine falsche Beurkundung erfolgt, weshalb gegen ihn die Anklage neben Bettelns und Diebstahls auch auf Intellekte Urkundenfäl­schung ausgedehnt wurde. Wegen der zwei Vergehen wurde auf eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten und wegen Bettelns auf 4 Wock>en .v>aft erkannt. Die Haftstrafe und 1 Monat Gefäng­nis wurden durch die Unicrsnchungshast für verbüßt erklärt.

Schlagfertige Frau.

Im Alsfelder Armenhaus kam es zwischen dem Schneider H. SV. und einer mit ihm verfeindeten Frau zu einem Wortwechsel, der in eine Schimpferei und Rauferei ausartete. Tic Frau be­schuldigt K., der übrigens eine gerichtsbekannte Persönlichkeit ist, er habe ihr mit einem Stein und einem Eimer über Arme und Schulter geschlagen. Das Schöffengericht verurteilte K. wegen Körperverletzung -u 8 Tagen Gefängnis, trotzdem er bestritt, die Frau verletzt zu haben. K'., der nach wie vor feine Unschuld be­hauptete, focht das Urleil an, indem er angab, die Frau müsse sich die Verletzungen bei der Rauferei zugezogen haben. Er beschuldigt die Verletzte der unwahren Angaben und beantragte in der letzten Sitzung die Erhebung weiterer Beweise, wcShalb auch zu diesem Zweck die Vertagung erfolgte. Es stellte sich dann tatsächlich auch heraus, daß die Verletzte alles aufbot, um K. in Strafe zu bringen. Jugendliche Zeugen waren von ihr un­zweifelhaft beeinflußt, weshalb das Gericht zum Schlüsse kam, ihr trotz der Beleidigung keinen Glauben zu schenken. Das Urteil des Schöf^ngerichts wurde ausgehoben und es trat mangels Be­weises Freisprechung ein.

Zechprellerei.

Der Taglöhner A. H. von Sonderhofen, ein wegen Zech­prellerei vielfach bestrafter Mensch hat sich in Rödgen b. Bad- Nauheim und in Friedberg in einer Reihe von Wirtschaften Ge­tränte und sonstige Sachen verabfolgen lassen, und zwar unter Verschweigung seiner Mittellosigkeit. Hier wie auch in früheren Fällen gab er seine Zahlungsunfähigkeit erst an, wenn er das Bestellte verzehrt hatte, und versprach dann Zahlung mit der unwahren Angabe, er stehe da oder dort in Arbeit, was aber nirgends der Fall war; auch hat er nirgends nachträglich be­zahlt. Er wurde wegen Betrugs int Rückfall in fünf Fällen zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt.

Blutschande.

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fern gelegen. Zu dem Versetzen o..' Lladcs Jen sie dadurch getont- men, daß der jüngere B. mehrmals Dom Rad fiel uno nicht mehr weiter fahren konnte, und es ihnen an Geld seh!;?. Aus Grund der Beweisaufnahme stand für das Gericht fest, daß die Zungen die örtlichen Vcrft.iltn'.sse des Tatortes sclwu -rnher gerannt haben und daß sie am Abend vor der Tat ben Diebstahl ausgeinndfckaftet hatten. Es stand auch sesl, daß sie vor d.r Wegnahme d.s Rades abgewartet hatten, biS in der Wirtschaft sich alles zur Ruhe be­geben batte, auch nar kein Zweifel, d- die Waschküchenlure i. >- schlossen nar, weshalb der Tatbestand d.s schweren Diebstahls gegeben ist. Weiter sind die Angeklagten veidacht.ig, verschiedene Weindiebstähle ausgeführt zu Haven Obwohl scstitand, daß ui der Nackt, in der das Rad gestohlen ivurbe, der Keller kuS Wirtes um einige Flaschen Wein und sonstiger Spirituosen gelichtet winde, erfolgte in dieser Beziehung mangels genügender ..nyaltSpunktc keine Anklage, weshalb die Lache bei der Verl-andlung nur ge­streift wurde. V., der wegen Diebstahls bereits bestraft ist, und W. B. wurden zu je 3 Monaten und X'. B. zu 4 Wochen Gefäng­nis verurteilt.

vermischter.

* TaS künstlerische n fu.nd zwa nzig- p f e n n i g ft ü cf. ImReickS anzeigcr" Icjcn wir zu dem von uns seinerzeit gemeldeten Preisausschreiben für ein neues Fünfundzwanzigpsennigstück folgenden Kommentar: Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob für den Entwurf eines Fünsundzwanzigpfeunigsiückes an Stelle des in dem Preis ausschreiben vom 17. Fuli 1008 verlangten Modells in der Größe der Münze (Turcymesser 23 Millimeter) ein solches in einer vielfachen Vergrößerung eiligereicht werden könne. Demgegenüber ist darauf hinzuweiscn, daß ein Modell gerade in der Münzgroße nötig ist, um die praktische Veriuendbar- keit der Entwürfe zu erkennen, insbesondere um beurteilen zu können, ob das Fünfundzwanzigpfennigslück in der vor geschlagenen Ausführung sich hinreichend leicht von anderen Münzgattungen, nanientlich von dem Zehripfennig und Ein­markstück unterscheiden würde. Es ifc aber den Künstlern unbenommen, ein größeres Modell neben dem Modell in der Münzgröße einzureichen und für die Herstellung des letzteren sich einer geeigneten Hilfskraft zu bedienen. Auch steht ihnen frei, für die den Modellen beizufügenden Zeich- iiungen oder Photographien einen beliebigen Maßstab zu wählen.

* Ein tragisches Auto mobil Unglück wird uns aus Genua berichtet. Ter Ingenieur Galori, der in dem Dörfchen Albenga zur Sommerfrische meine, war auf dem Wege zu seiner Villa, als fein einziges Kind, ein sechsjähriger Knabe, ihm freudig ciitgegcngelaiifen kam. Fn demselben Augenblick brauste ein Automobil, in dem außer dein. Chauffeur die beiden Töchter des Marquis Revedin saßen, mit rasender Schnelligkeit um die Straßenecke. Ter Vater sah den Wagen nahen, und verzweifelt schrie er dem Kinde eine Warnung entgegen. Ls war zu spät. Ter Wagen brauste über das Kind hinweg, das tot im Straßenstanbe liegen blieb. Den unglücklichen Vater übermannte verzweis- lungsvolle Wut. Er reißt einen Revolver aus der Lasche und feuert blindlings auf das davonsausende Automobil. Der erste Schuß geht fehl, der zweite aber durchbohrt den Oberkörper der jüngeren S ch w e st e r, die tödlich verwundet wird, und dringt dann in den Kopf des Chauffeurs, der sofort leblos zur Erde sinkt. Seines Führers beraubt saust das Automobil weiter. Tie ältere der beiden Schwestern, entsetzt und fassungslos, macht nicht einmal den Versuch, die Katastrophe auszuhalten. Einige 300 Meter weiter und das A u t o ni o b i I r a ft mitten hinein in die Felsen der Meeresküste und zerschmettert in Stücke. Schwer verletzt und furchtbar verilümmelt trug man das verunglückte Mädchen aus den Felsen: es ist kaum Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Ter Ingenieur wurde ofort verhaftet; man fand ihn immer noch uuer Oer Leiche eines einzigen Kindes liegend, die er nicht aus den Armen assen wollte.

Kleines Feuilleton.

Ein Jugendfreund Schillers. Heule,nm 10.Sep­tember, sind 150 Jahre vergangen, seitdem der Maler P h 111 v p Friedrich Hetsch das Licht der Welt erblickte. Seine großen McmälDe aus der mucken Sage und Geschichte, die den großen Zug des Tavidschen Klassizismus nur zu oft durch ein hohles Pathos ersetzten, sind heule vergessen; aber seine charakteristische niib edle Bildniskunst erlebte in der vorgestrigen Berliner Jahr- <iti'.dert-AilssteUuiig eine Auferstehung, jo daß wir ihn Henle nieder zu den tüchtigsten Talenten seiner Zeit rechnen dürfen. Am befannteften ist Heisch als ein Jugendfreund Schillers, mit dem er lusammen die Kar 1 sschule besuchte. Sein Vater, der Stadt- niikenift und Hoinuisikus Heisch in Stuttgart, hatte den Sohn für innen eigenen Beruf bestimmt; aber in dem Knaben regte sich ,iii'th die Üuft am Zeichnen, und jo entlief er ohne Wissen der Litern nach der von Herzog Kari von Württemberg gegründklen AilNär-AkaDenue, wo er feinen künstlerischen Neigungen folgen durfte. Mil Schiller, der nicht lange nach ihm in die Karlsjchnle tintrat, verband ihn die Jünglingsfremidschast, die um die Karls- ichüler em so enges Band schloß und die in ihren ans Befehl des Herzogs verfaßten Urteilen über einander zum Ausdruck kommt, schiller rühmt hier Heisch eine ausgesprochene künstlerische Be- ^abmig nach, wahrend der Maler über den späteren Lichter das trüge Urteil fällt: ,Er ist gutherzig, luftig und dichtet gern.* hetsch hat sein Bestes in seinen Fruhiverken geleistet; sie atmen ilivas von dem edlen Schivmig und dem freimütigen Oeniewefen, äas auch aus Schillers Jugendiverken zu uns spricht. Bei aller Hose zeigen sie doch eine scharie Beobachtung und sind in einem ^.'inen oarbengefül)! zusammengeftimmt. Wohl unter dem Einfluß ^es angehenden Poeten wandte sich der Maier von der Landschaft, Sie er später nur zu fein ansgesührter Staffage benutzt hat, den iroßen Themen der Geschichte zu. Später ist Heisch in eine allzu glatte Planier verfallen, jo daß Schiller ihn weit unter den anderen Künstlerjreund der Jugend, unter Damiecker, fleUtc. Immerhin mar ihm der trüb|nmige, mit sich und der Welt zer- flillene Meister, der sich m Den letzten Jahrei: jeines Bebens dann einer stumpfen Untätigkeit Ijmgegeben hat, noch 1804 jo wert, daß s: ihn Eotla zum Schöpfer eines Titelbildes für den Teil vorjchlug.

T o 1 st o i. Ter russische Ministerpräsident S t o l v p i n 'Bat eine Ztrkiilar-Tepejche an die Gouveriienre mit der ausdrück- l-chen Weisung gesandt, jede T o l st o l - F e i e r z n g e ft a 11 e n luib alle Hindernisse irgend einer Ehrung des Dichters ivegzil- riumen. Wie von inforniierteu Leite mitgeteilt >var, hat Der gar, iiachdern er Die Erklärung Des Heiligen SynoD gelesen nute, selbst Den Wunsch ausgesprochen, Daß allen StäDten unD Korporationen volle Freiheit in Der Ehrung Tolstois zuge- fiuiDen werbe. Zum Jubiläum Tolstois veröffentlicht Die ,Frkf.

I N."n&

Zttz." einen Aufruf an die russische Gesellschaft, von aimähernD 20u russischen Künstlern, Schriftstellern, Politikerii und Gelehrten rc. imterzeichnet, in dem Protest gegen die Hinrichtungen in Rußland erhoben wirb.

Augen erkrankung durch Kunstdünger. Tas stzusstreuen lünstlicher Tüngemittel läßt Die Möglichkeit, daß m diesem ober jenem Falle etwas bauen ins Ange gelangt, recht be- trächtlich scheinen, sofern nicht dejonbere Vorsichtsmaßregeln er­griffen werden, die nicht dringend genug anempsohlen werden tonnen. Tie Wirklingen von Superphosphat, Thomasjchlacke und ähnlichen Stoffen sind unter Umständen sehr heftig und gefährlich. TieAlünch. Aiedizin. Wochenschrift" berichtet neuerdings über einen Fall, wo einem 62 jährigen Arbeiter durch Super- phosphat eine außerordentlich schwere Schädigung des red)ten Auges erwachsen war. Bet Der Aufnahme in die Klinik von Pro- 'esior Eversbusch in Alimchen ragte das betreffende Auge nut Den "Wern um etwa 2«/. Zentimeter gegen das andere vor. Cber- imd Unterlid erschienen blaurot gefärbt und Derart geschwollen, daß Die U'iDspalte um 8 Millimeter offen stand. Ter innere Be­fund, sowie der Verlauf der Erkrankung, die nach ichiverem mit hohem Fieber verbundenen Eiterprozeß in etwa 4 Wochen been­digt war, zeigte, baß ber gesamte Orbitatinhalt in Mitleidenschaft gezogen war. Es lag das Bild dec Panophthalmitis vor, wah° rend m den früher beschriebenen nicht allzu reichen Fällen Die Er- krankimg viel milder verlausen und Die Sehschärfe mehr oder mmDer gut erhalten geblieben war. Es ist ohne Zwci'el bisher viel zu wenig nut Der Gefahr beim Gebrauch von künstlichen Dünaemitteln, besonders Superphosphat, gerechnet worden. Tas Aiisitreuen sollte möglichst mit Maschinen vorgenommen werben, und bie Arbeiter sollten Dabei Schutzbrillen tragen.

Kleine Kunst chronik. Ter Bildhauer Professor Max Klein ist in feinem Grünewald - Hause bei Berlin Dieser Tage gestorben. Sein letztes Werk war ein Fontane-Tenkmal. schlicht unD phrajenlos ist sein Bismarck-Tenkmal im Grünewald, Das Den Schloßherrn von Friedrichs ruh fern von jeber heroischen Pose barfteüt. Unter seinen Porträibüsten zeigt bes heff. Tichters Stefan George Charakterkops die Höhe seines künstlerischen schaffens. Berthold Auerbach soll in den Kursaal - Anlagen von C a n n ft a 11 ein Denkmal erhalten. Professor Bolz (Karlsruhe) hat ben Auftrag erhalten, eine Auerbach-Büste in über­lebensgroßer Aus'ührung in Erz zu gießen. Aus Tarmstabt wirb uns geschrieben, baß eine Konferenz der Regierungsvertreter zur Schaffung einer Teutschen Ein Heils st enographie vor- aussichtlich Ei.de Tezember in Berlin stattsinden wirb. In Frankfurt a. Ai. hat sich em .Verein Volksbüh n e" konstituiert. Er hat den Zweck, billige dramatische Volks- Vorstellungen zu veranstalten.

Gießener Straftamuter.

Rückfälliger Tieb. )( Gießen, 8.Sepl.

Jin vorigen Monat laut der Gärtnergehilfe M. E. W. ans Kreuznach gelegentlich DcS Bettelns in bie offenstehende Wohnung

Unter Ausschluß der Ocssentlichkcit wurde gegen den Stein­brucharbeiter H. D. I. und dessen Schwiegertochter, die 18 jährige Ehefrau seines Sohnes H. D. II. von Nidda wegen Blut,chandc verhandelt. Das öffentlich verkündete Urteil, nach welchem die Angeklagten auf Grund deS § 173 Ziffer 2 verurteilt worden find, lautet gegen den alten D., der als der Verführer betrachtet wurde,, auf 1 Jahr Gefängnis und dreijährigen Ehrverlust, wäh­rend Frmt D., die den Eindruck einer nicht hervorragend be­fähigten Person machte, mit einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten durch kam.

Jugendlicher Leichtsinn.

Drei hiesige Jungen, die Schlosserlcl/rtinge F. V., W. B. und L. B-, wollten im 5)lat d. I. eine Radtour machen. V. wußte, daß ihm von dem Bruder seines Meisters ein Rad über­lassen wird und der ältere der Brüder B. konnte das Rad seines VaterS benutzen; der jüngere B. Dagegen konnte feine auftreiben. Am späten Abend vor der geplanten Tour, begaben sie sich auf den Hof der Restauration zumF-eldschlößck-cn" auf der Rwdheiincr Straffe, wo sie in der Waschkucs>e zwei Räder sahen. Die ver­schlossene Türe wurde geöffnet, V. und der ältere B. holten eines ber Räder und versteckten cs in einem Kanal, während c-et jüngere B. aufpaßte. Am wühen Pchrgcn des anderen Tages fuhren die Jungen nach Frankfurt und auf dem Rückweg versetzten sie das entwendete Rad bei erneut Wirt zu Nieder-Weisei gegen einen kleinen Geldbetrag zur Rückreise hierher. Anfänglich leugneten sic die Wegnahme des Rades, gaben dieses aber später unter dem Drucke des Beweismaterials zu: behaupteten aber, die Wasch­küche habe offen gestanden. Das Rad wollen sie sich nur ,,gc« lehnt" Haven zur Fahrt: die Absicht, cs zu behalten, habe ihnen

September. Anfangskurse.

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Ile,iir 1. Lltober. u ii Weisienbach, üreuuA

Zweites Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 10. September 1908

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General-Anzeiger für Gberhefftn

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