Nr. 83 Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Dienstag 7. April 1908
Der Siebener Anzeiger ™ ” 3
erichenn täglich, außer O "WST <5Eh Bezugspreis:
tzonulagS. - Beilagen: K/'F monatlich 75Pß, viertel-
ütermal wöchentlich jg W A y^\ A, >•*. xA A A jährlich Alk. 2.20; dtirch
BäsWtcn^n^t zln^cioßt
wlNlchaMtcheöettfragen w W W ■ W W’ ■ Ar ■ Kr AA wF1 Zellerwrets: lokct.löPf^
yernwrech • Anfchlüffe: U M v <ar Ma W 3® X7 •&& & auswärts 20 Pfennig.
für bie Redaktion 112, Wr Verantwortlich
MN General-Anzeiger für Gberheffen WW
b „‘mStaglTout” Rotafioitt6nt< und Verlag der vrühl'schsn llniv.-Vvch- und Steindruckerei. R. Lang«. Ved-Man, Lxpeditian und Drucker-!- Schulstratze 1.
_______ ___________ Änzergentetl: p. Beck.
Imatiler-Krongreß durch den Profehor Lolterra eröffnet, r 1 —■■
kurzer Lebenslauf und eine schriftliche Auskunft des Vorstands der voin Bewerber besuchten Anstalt über Würdigkeit und Bedürftigkeit des Bewerbers einzureichcn. Die Ausantwortung beziehungsweise Auszahlung der zuerkannten Prämien erfolgt am 1. Oktober. Geeignete Bewerber haben ihre Gesuche bis einschließlich den 1. Juni an das Kuratorium der Joseph Joachim-Stiftung, Charlotten bürg einzureichen.
— Kleine Kunstchronik. Am 27. Juni tritt der Männer- gesangoerem „ Arion " in Brooklyn seine große Sängerfahrt nach Deutichland an. Sofort nach seiner voraussichtlich am 7. Juli erfolgenden Ankunst in Bremen ivird der Verein, der über einen der tüchtigsten Männerchöre Amerikas verfügt, seine Konzert- rour beginnen, die durch Berlin, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Weimar, Cisenach, München, Nürnberg Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Bonn und Köln führen und mit einem Konzert auf Schloß Wilhelmshöhe enden wird. Die Reisegesellschaft besteht aus etwa 230 Personen. — Die Dresdener Polizeidirektion ordnete an, daß eine Anzahl von Schutzleuten die Esperantosprache erlernen solle. — Der Generalintendant von Hülsen, der an einer Gallenblasenentzündung erkrankt ist, mußte sicl) in der ftlmit des Geheimrats Körte einer Operation unterziehen. — Am 2. ds. Alts, hat Dänemark sein erstes „Dichterhaus" erhalten: das Geburtshaus de? berühmten Märchendichters H. C. Andersen in Odense auf Fünen wurde am 103. Geburts
tage des Dichters als Andersenmuseum dem Publikum geöffnet. Am 100jährigen Geburtstage des Dichters, am 2. April 1905, beschlossen Stadtverordnete und Sladtrat von Odense, das bescheidene Geburtshaus Andersens käuflich 311 erwerben. Der Kauf tarn bei Festsetzung des Kaufpreises auf 7000 Kronen zustande. — Prof. Siegfried Ochs, der seither neben dem philharmonischen Chor in Berlin auch den Nützlichen ^Gesangverein in Frankfurt a. M. dirigierte, tritt Ende der Saison von seinem Frankfurter Posten zurück. Als letzte Anffül)rung dirigierte er am Montag die H-moll- Messe von Bach. Sern Nachfolger wird Prof. Schivickerath in Aachen. — In Wien wurde am 6. April i» Anwesenheit der Unterrlchlrminihers Tr. Morchel der 25. Kongreß f ü r innere Medizin durch Profeffor Friedrich von Müller aus München eröffnet. Hieraus begrüßte der Unterrlchtslninister die Teilnehmer namens des Staates, der Vizebürgermeister Dr. Neumayer namens der Stadl Wien und der Generalstabsarzt Dr. Uriel tiamete» des ?blchskr.egsmin.sters. - Dr. Fr. F. Heitrnüller beabsiästigt im Herbst dieses Jahres die gesammelten Briefe Otto Erich Hartle b c n 0 herauszugeberr. Einige dieser Briese, die an seine Braut erschienen bereits in der »Neuen Rundschau". - In Roin wurde am 6 im Belfern des Königs der Internationale Mathe- III CI r I i v V = W V A I» n >• a Sa« ...
Schmutzer sowie die meisten großen Kupferstecher des 18. uitb 19. Jahrhunderts pflanzten und pflegten Willes Kunst in Frankreich und Deutschland fort.
Wille blieb während der Revolution in Paris unb derlor sein ganzes Vermögen; er hatte aber dabei noch das Unglück, fast ganz zu erblinden, so daß er zuletzt vvm Kunschandel leben mußte. Um seine dringendsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen, stichle der blinde Meister aus seinem Vorrat 36 Platten aus, die als Versuche in den verschiedenen Manieren seine Kunst zeigten. Er ließ diese abdrucken und gab die Stiche als Mappe unter einem von ihm selbst gezeichneten Titel herai'.s. Diese jetzt selten gewordene Titelzeichnung stellt Wille als blinden Bettler dar, von einem Hunde an der Leine geführt, wie er einem ehemaligen Freunde und reichen Gönner begegnet, der aber selbst zum blinden Bettler geworden und ebenfalls des Hundes als Führer bedarf.
Mit Wille ist vor 100 Jahren ein Deutscher aus dem Leben gegangen, von dem sein italienischer Kunstgeiwsse J. Longhi sagt, er sei ein Fürst der Kupferstechkunst gewesen. Andere Fackigenvssen habcii zwar dies Urteil angefochten, aber doch anerkannt, daß Wille ein bedeutender Meister war.
Die Berivandten Willes, welclre heute noch dessen Geburtshaus als Vätererbe im Besitz haben, ehrten das Gedächtnis chves großen Vorfahren und ließen an der Obermühle eine Marmortafel zum Getülchtnis an Joh. Georg Wille anbringen. Heute liegt die Obermühle nicht mehr so fern vom Verkehr, mancher Tourist wandert jetzt durch das ibyllischc Biebertal nach den Bergen des hessisäxn Hinterlairdes und dieser oder jener hält Einkehr bei den freundlichen Müllersleuten Wille, bereit blonde Tochter gern den Gast eine Treppe hoch in die gute Stube geleitet, um mit Stolz außer dem Selbstporträt des Meisters einige Stiche ihres Vorfahren zu zeigen, die an den Wänden hängen. Aber auch im Museum des Oberhess. GeschichtsverLins in Gießen befindet sich eine stattliche Anzahl Wille'scher Stiche, die des Betrachtens wert sind!
Eine hervorragende Sammlung von Willes Stichen soll sich im Besitz des Grasen zu Sollns-Laubach, int Laubacher Schlosse befinden. G. ft>. G.
— Eine Joseph Joachim-Stiftung ist errichtet worden, deren Zweck ist: unbemittelten Schülern Der in Deutschland vom Staate oder von Stadlgemeinden errichlelen oder unterstützten musikalischen Bildnngsanslalten ohne Unterschieb des Alters, des Geschlechts, der Religion und der Staatsangehörigkeit Prämien in Gestalt von Streichinstrumenten (Geigen und Celli) oder in Geld zu gewähren. Bewerbungsfähig ist nur derjeinge, welcher mindestens em halbes Jahr einer der genannten Anstalten an« gehört hat. Bei der Bewerbung sind ein vom Bewerber verfaßter
Zum 100 jährigen Todestag des Kupferstechers M Joh. Georg Wille.
'W S^utc, am 7. April, ist ein Jahrhundert verflossen, scit- 41 ^lu.dcr Aiüllersfohn von der Obermützle bei unserem Bieber, 41“JJ Kupferstecher Johann Georg Wille, in Paris verstarb. Wille, rTe *cr l';i dem weitab vorn Verkehr sich hinziehendm reizenden I ^ebcrtal am 5. November 1715 geboren wurde, entwickelte I 'S011 . in seiner Jugend Talent im Zeichnen. Die Wände des 11 6 Rettichen Besitzes wurden von ihm mit Bildern versehen, ja soll, wie feine heute noch aus der Obermühle ansässigen »41 Achten ^zählen, auf dem Fußboden einer Kammer einmal tne od’.lnnge mit solcher Natürlichteit entworfen haben, daß 'i2 -Nulter, die den Raum betrat, derartig darüber erschrocken j,i|| baß sie ernstlich erkrankte.
fi'll Wille hat bet einem Meister in Gießen das Büchsen- llji . erlernt und ging nach bestandener Lehrzeit auf die Enderfchast. Er kam nach Straßburg und machte die Be- I I A^I.chajt des später berühmt gewordenen Kupferstechers G. F.
. otynubt, mit dem er sich nach Paris begab. Dort anfangs, dem ■ wC^!cn -beruf treu bleibend grub Wille Verzierungen auf P. ^üallteile von Waffen urtd auf Uhrgehäuse, bis er unter !?. ^bttuug des Kupferstechers I. Doullß sich dessen Kunst wid- £te- ..Die ersten Arbeiten des späteren Meisters waren kleine ®U>m;fe, welche Odieuvre mit 6—20 Fr. an Doullä bezahlte, 71 diese für eigene Arbeiten ausgab. Später lernte Wille Maler Hpacinthc Rigaud kennen, der daS Talent des jungen ^•utiajen erkannte und der es sich angelegen sein ließ, dessen «Wen aus der Dunkelheit hervorzuziehen. Willes erstes Blatt, Sr3 thm einen Namen machte, ist das Bildnis des Marschalls ;jiuquet de Bellisle. Die berühmtesten französischen Maler seiner oü vertrauten Wille ihre Werke zum Stich an und bald er- ^ng ganz Europa von dem Rufe des heroorragenden Meisters Kupferstechttmst. Wille beschäftigte sich aber auch mit Wledcrgabe von Gemälden älterer Meister, die er so in . gieren Kreisen bekannt machte, untfo mehr, als unter diesen HW gerade hervorragende Perlen der Kupferstechkunst sich : • anfy ö^e ^ute ganz besonders geschäht werden.
. ärlllls Ruf stieg immer mehr, er wurde zum Mitglied Akademien von Paris, Wien, Berlin, Dresden rc. ernannt, ,C Ä^skupferstecher des Königs von Frankreich, des deutschen und des Königs von Dänemark, ohne jemals Paris m» k -”en' mit <iner Ausnahme. 1746 kam er vorüber- uc?£no ins lzeiinische Biebertal zurück zu seinen Eltern.
lehte Ehrung wurde dem deutichen Nleister zuteil, in- “J} Napoleon I. zum Ritter der Ehrenlegion ernannte.
<. ■äälle hat eine bedeutende Schule seiner Kunst geschaffen, *00 ES« blühte rrnd berühmt war I. G. v. Müller, Bcrvic
Gleich nachdem die Hohenzollern im Hafen sestgemacht hatte, begaben srch der deutsche Konsul und die Spitzen der Behörden an Bord, um das Kaiserpaar zu begrüßen. In den Hauptstraßen sind fast alle Häuser mit deutschen und italienischen Fahnen geschmückt. Das Wetter ist regnerisch.
Korfu, 7. April. Die Ankunft des Kaisers Unrd voraussichtlich am Donnerstag erfolgen. Ein Besuch in Wien lvird neuerdings in unterrichteten Kreisen für unwahrscheinlich gel-alten. Der Bürgermeister wird den Kaiser in einer griechischen Ansprache begrüßen.
Rom, 7. April. Das Gerücht, der deutsche Kaiser werde bei der Rückkehr von Bari anlegen und (Saftet del Monte und andere Hohenstaufensche Baudenkmäler besichtigen, findet seine Bestätigung. Der Aufenthalt der Kaiserfamilie in Bari soll einige Tage dauern.
*
Ein serbisches Komplott.
Die „Voss. Ztg." meidet aus Wien: Die bosnisch- herzegowinische Landesregierung kam einem von Belgrad aus ein g efäd e lten Komplotte aus die Spur, das durch.revolutionäre und terroristische Mittel die Autonomie Bosniens und das Ende der österreichischen Herrschaft in Bosnien erreichen wollte. Die Terroristen sollten gegen die Landesbehörden mit Bomben vorgel-en und die Serben und Montenegriner zum Aufruhr verleiten, wobei sich Serbien angeblich bei den Berliner Liguatarmächten ins Mittel legen wollte. Haussuchungen förderten einen belastenden Schriftwechsel mit Belgrad zutage. Mehrere Serben wurden verhaftet. Es wurden ganze Sendungen mit Bildern König Beters und Aufschriften „Zar von Serbien und Bosnien" beschlagnahmt. Ferner erhielt die Behörde Kenntnis von geheimen Wasfenuieder.agen. Wettere Verhaftungen stehen bevor.
*
Araberausstand.
Unter den Arabersta m m c n im Amaradistrikt am Tigris ist ein Aufstand ausgebrochen. In der Nähe des türkisa>n Lagers, unweit der Stadt Amara, erhielt am Donnerstag der englische Dampfer „Blosse Lynch", der den Tigris von Bagdad her herunterfuhr, zweimal von den Aufständigen heftiges Ge- wehrseuer, wodurch zwei Passagiere getötet und mehrere verwundet wurden. Ein ttirkiicher Regierungsdampfer, der bei dem Lager stationiert ist, begleitete den „Blosse Lynch" auf der gefährdeten Strecke und erwiderte das Feuer der Araber. Die britische Regierung wi^s den Botsck)after in Kvnstantinopsl sofort telegraphisch an, von der türkischen Rxgi-'rung die Bestrafung der Schuldigen zu verlangen und erhielt daraus die Versicherung, daß die Türckei alles tun werde, dem Verlangen zu entsprechen und die Schiffahrt auf dem Tigris zu sichern.
DettLsehes Nereh.
Berlin, 6. April. Der Staatssekretär des Reichst marineamts, v. Tirpitz, tritt einen bis zum Ende dieses Monats dauernden Urlaub an, den er auf Sardinien zu verbringen gedenkt.
Wilhelmshaven, 6. April. Für Generalmajor Wyncken, der die 82. Infanterie-Brigade übernimmt, ist Oberst v. Glasenapp zum Inspekteur der Biarine-Jnfantene ernannt worden. Der Ztachfolger v. Glasenapps ist Major v. Schloliha, bisher Kommandeur des 2. Seebataillons.
Hamburg, 6. April. Der Syndikus des Senats, Dr. Arnold Die fiel, wurde zum junstischen Mitgliede des Senats gewählt.
Reue Vorschläge zur Wchlrechtrvorlage.
Staatsminister Elvald hat gelegentlich der gemeinsamen Beratung über die Wahlrcchtsvorlage die Erklärung abgegeben, bap die Großh. Negierung zur Vorlage eines neuen Wahlgesetzentwurfs in der nächsten Tagung deö Landtags bereit sein werde, wenn sich die Gesctzgebungsansschüsse beider Ständekammern über geeignete Grundlagen dafür verständigen würden. Die infolgedessen vom Ausschuß der ersten Kammer gemachten Vorschläge über die Neugestaltung der Art. 67 und 75 der Verfassung haben aber nicht den Beifall des Ausschusses der 2. Kammer gefunden, dagegen beschloß er mit 4 gegen 5 Stt, Gegenvorschläge auszuarbeiten. Diese vom Abg. Dr. Glas sing verfaßten Gegenvorschläge haben nun heute nachmittag den Gesetzgebungsausscyuß in einer dreistündigen Sitzung beschäftigt und sind bei der erfolgten. Abstimmung mit 5 gegen 2 Stimmen genehmigt worden. Da das sozialdemokratische Ausschuß- Mitglied Dr. Fulda erklärte, auch diesmal keine Dis- krerron darüber bewahren zu wollen, sehen auch wir keine Veranlassung, diese neuen Beschlüsse unfern Lesern vorzuhalten. Die beiden Vorschläge des Ausschusses bilden ein einhettliches Ganzes und lauten:
Vorschlag A.
Art. 6 7. 1. Ohne Zustimmung der Stände kann Teint direkte ober indirekte Auflage ausgeschrieben oder erhoben werden.
2. Das Finanzgesetz, das immer auf ein Jahr gegeben wird, soll mit dem HaupNwranschlag der Staatseinnahmen und -Ausgaben zuerst der 3 weiten Kammer vor gelegt werden. Zwischen den Ausschlüssen der beiden Kammern findet zunächst eine vertrauliche Besprechung statt. Jede Kammer hat hierauf selbständig über den Haupworanschlag und über das Finanzgesetz zu beschließen. Die Erste Kammer legt ihrer Beschlußfassung die ihr mitgeteilten Beschlüsse der Zweiten Kämmer zugrunde und ist berechtigt, auch über die einzelnen Telle des Staatsvoranschlags und des Finanz gefetzes aesondert zu beschließen.
3. Wird über das Finanzgesetz nebst Hauptvoranschlag oder einzelne Telle desselben, auch nach wiederholter Abstimmung zwischen den beiden Kammern eine Uebercinftimmung nicht erzielt, so hat die Erste Kammer das Recht, das Finanzgesetz und ben Hauptvvranschlag im ganzen ahzulehnem In diesem Falle wird in bei Versammlung der vereinigten Kammern, die unter dem Vorsitze des Präsidenten der Ersten Kammer ftattfinbet, über das Finanzgesetz nebst Hauptvvranschlag in der ihnen von der Zweiten Wammer gegebenen.Fassung beraten und im ganzen abgestimmt.
4. Bei dcr Abstimmung in Der Versammlung der bereinigten Kammern entscheidet Die abpüite Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Präsidenten der Zweiten Kammer.
b. Macht bie Enste Kammer von dem Rechte, das Finanzgesetz und den Hauptvoranschlag im ganzen abzulehnen, keinen Gebrauch, und ist über einzelne Teile des Finanzgesetzes auch nach wiederholter Llbsttmmung in beiden Kammern eine Uebereinftimmung nicht erzielt worden, so geht daS Finanzgesetz nebst Hauptvoranschlag an die Zweite Kammer zurück.
Die noch nicht durch über?uiftimmenbeu Beschluß der Stände erledigten Posllioueu werden in den, dem Finanzgesetze anzuschließenden ^staaisvoranschlag so eingestellt, wie sie bei der nun- mehr endgültigen Beschlußfassung der Zweiten Kammer festgestellt h/crben.
Eine Durchstimmung im Sinne der Bestimmungen der Absätze 4 und 5 findet auch statt, wenn die Zwecke Kammer das Finanzgesetz nebst Haupworanschlag im ganzen abgelehnt hat.
Art. 7 5. Wenn auch nur eine Kammer gegen einen Gesetzes- Vorschlag stimmt, so bleibt das Gesetz ausgesetzt. Wird aber ein solches Gesetz auf dem nächsten Landtage von der Regierung den Ständen wieder vorgelegt und wieder von der einen Kammer ab- gelehnt, von der anderen aber angenommen, so kann die Regierung verlangen, daß in einer Bersanrmlung der beiden Kammern unter
tollt
•ind.amtLListftiny )beid.Anithkte^ t^Str. 43. to
stwirte
ld
Baff
ipiwli ■
ut 5 ! lestrionsi. ich-Mascfc i nnont z. Gaem i
Kirchsnakel! frei. Mimim | u eingetroti im-r - Keif.Jiho I leinsr.Resi<mM
i. weisse ici 10 MA la. gelbe», ici 10 *ib. a.weis.Schmitfii™ iillOWA
a.gelb.SchspJ >ei 10 N: »Wr [,. steinhäu«f.ri bleuen An* J1 zeliersM -*■
AS
ÄS®»
Start;
irl Ger«ner
!ll>ß
Li."":ierkljarc,V
HaiisßJ äs®! M
Geisel
?an
icrÄn^
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten
Der Röckttitt des englischen Premierministers.
Infolge semeS schweren Leidens hat nunmehr Sir Campbell- Bannerman den König gebeten, ihn seine? Postens zu entheben und nach Lage der Sache mußte König Eduard VIL diesem Verlangen Rechnung tragen. Der bisherige Schatzminister Asquith ist nach Biarritz, wo der König zur Kur weilt, berufen worden, da er «um Nachfolger für die Premierschaft in Aussicht genommen ist. selbstverständlich wird dies auch weitere Veränderungen im Kabinett jur Folge haben, wenngleich eine Gesarntdemission höchstens nur pro forma vorgenommen wird, ohne daß wesentliche Veränderungen erfolgen. Die Rekonstruktion des Kabinetts hat daher kemerlei politischen Charakter, die Liberalen sind ja noch am Ruder und ein Systemwechsel könnte ja nur kommen, falls Neuwahlen ausge- ichrieben werden, die für die jetzige Regierung nicht günstig aus- fallen. Fällt so das hauptpolillsche Moment zwar weg, so ist selbstverständlich ttotzdem der Wechsel im Vorsitze des Kabinetts nicht ohne Bedeutung, da doch von dem leitenden Staalsmanne mehr oder miuoer bie Richtung bestimmt wird und eine energische Persönlichkeit an dieser Stelle eine erome Macht in sich vereinigen kann. Der nunmehr von der politischen Schaubühne abtretendc Sir Campbell- Zannerman gehörte zu ben hervorragendsten englischen Politikern kt Jetztzeit, er war seit langen Jahren der Führer der liberalen bartki und hat mit aller Zähigkeit gekämpft, bis feine Partei die konjeroative ablöstc und ihm selbst die Premierschaft übertragen ourdc. Der SyftemweckMl war ein vollständiger, und wenn auch m dcr letzten Zeit man hie und ba der jetzigen Regierung über-- taüiiig zu werden schien, und bei ben Ersatzwahlen oppositionell gewählt wurde, so verfügt das Kabinett doch immer noch über eine gewaltige Mehrheck und bie Konservativen dürften nicht so- °ald wieder zur Herrschaft gelangen. Im Innern sind mancherlei erfreuliche Fortschrckte namentlich hinsichtlich bet Behandlung Irlands zu verzeichnen und auch nach Außen war bie Politik Englands erfolgreich, obwohl gerade auf diesem Gebiet ein völliger Umschwung unter Campbell-Bannerman eingetreten ist. Wahrend seiner Amtsführung verlor der Gegensatz zwischen Deutschland und England an Schärfe, ja sogar eine nicht unbeträchtliche Bessc- rung der Beziehungen wurde angebahnt und sic fand beim Premier eine wirksame Förderung und Unterstützung. Nicht etwa daß Campbell- Bannerman ein außerordentlicher Deutschenfreund gewesen närc, er war nur Deutschland gegenüber gerechter und sah daher, dist cs keinen Zweck habe, daß zwei Staaten, die im Grunde genommen, soviel wechselseckige Beziehungen besitzen, einander befehden. Campbell--Bannerman ist ein offener elf-rlicher Charakter, »mb als solcher bewährte er sich auch gegenüber Deutschland, so daß grade wir seinen Rücktritt in hohem Maße bedauern müssen. Frei- 1 h darf erhofft werden, daß in dieser Hinsicht der bisherige Schatz- kLnzlcr Asquith den Fußtapfen seines Vorgängers folgen werde; ncfjriad) bei Parlameutsdevatten, wo es sich um Deutschland hrrdelte, hat Herr Asquith ellrgegrifsen und hieroei nicht nur kicks eine korrekte Haltung eiitgenommyt, sondern auch recht oft e«e ctioas freundschaftlichere Tonart hindurchklingen lassen, so biß wir in dieser Hinsicht wohl ziemlich ruhig in die Zukunft blicken formen. Wie Herr Asquith sich auf feinem neuen Posten bcwährcn loiri), muß abgcwartet toerben, jedenfalls gilt er als e^.ne umsichtige und energische Persönlichkeit, die sich schon bisher übet ben Rahmen ihres eigentlichen Wirkungskreises hinaus einen grünen Einfluß auf bie Gestaltung der politischen Dinge zu ver-
I schaffen gewußt hatte.
KsLötsdche ScrgeSscharr.
Die Reise des Kaijerpaares.
Palermo, 7. April. Gestern gegen 5 Uhr ist die -chohenzottern" mit der kaiserlichen Familie an Bord hier «"gekommen, geleitet von dem italienischen Kriegsschiff Larese und dem Kreuzer Hamburg sowie dem Torpedojäger Eleipner. Der Bürgermeister von Palermo begrüßt in Liaueranfchlägen dieses Ereignis mit herzlichen Worten.


