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9.9.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 212 Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch V. September 1908

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MS General-Anzeiger für Oberhesfen MZM Lauabme von Anzeigen V i I ! f u. Cantr unböendita-

im wimuSgT'iou» MaNonrbruck UN» Verlag »er vrühl'lchen Unlv..V«ch. VN» Sleintntlerel. R. lange. Reöafflon, Expedition UN« Druicrd: Schuistratze r. 6n«igmi.Ti:6VaVe

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Revisionisten und Sudgetbervilllger.

Der S.rcii int foArlocuiolratischen Lager dauert noch immer fort, ja das Berliner Zentralorgan der Sozialdernokrattc, der Vornüirls, erhebt wieder neue gewichtige Anklagen gegen die süd­deutschen Genossen, von denen sich, rvenigstens in Bayern und Baden, über 95 Prozent aller oen sozialdemokratischen Partei­organisation angeschlossenen Genossen gegen die Berliner Partei­leitung und für die Budpetbewilligung ausgesprochen haben.

Der Vorivürts meint jetzt, daß oic süddeutschen Genossen mit dorn Revisionismus im Bunde seien; ja die ganze Zrage der Budgetbewilligung sei im Grunde nichts anderes als ein erneuter energischer Vorstoß deS Revisionismus überhaupt. Ob der Vor­wärts twv seiner räumlicheit Nähe die Zusammenhänge da ganz richtig sicht, rvird man. immerhin bezweifeln dürfen. Im bürget lieben Lager war man bislang wenigstens geneigt, sich einer an­deren Terminologie zu bedienen. Unter Revisionismus begriff man eine kleine dünne Oberschicht in der Sozialdemokratie, aus die sich wohl auch die schic,-kokette Bezeichnungdie Intellek­tuellen" anwcnden ließe. In der Hauptsache Akademiker und andere Wurzellose auS bürgerlichem Stamm, die bet ihrem Ueber- teitt in die sozialdemokratischen Gefilde nicht zugleich auch alle Unbefangenheit des Denkens abgeschworen hatten. Tie für den Klassenhaß nicht die rechte Stimmung ausbrachten, die die chili- astischcn Hoffnungen der Massen leise belächelten: bei denen in zahlreicl)en Fällen der Sozialismus nur den aesthetischen und politisä>en Sport wvhlsituicrter Außenseiter darstellte. Die süd­deutsche Vudgetbewilltgung aber ist auf anderen Acckcrn erwachsen. Sic ist, tvie Kmtlsky das in diesem Stück unzweifelhaft zutreffeltd ausgefübrt hat, das Erzeugnis eines anderen politischen Klimas. Sie ist darum aber auch fester im Boden verankert als der Revi­sionismus der Mrddeutsclw'n. Der hat nie über irgenb welches Hinterland verfügt. Die,üddeutfcl)e Budgetbewilligung aber stützt sich allem Anschein nach auf die Empfindungen der großen Masse bet Bevölkerung. Daß die norböeutfdjcn Revisionisten sich des Vorstoßes aus dem Süden freuen, i,c ireilid) richtig. Daß sie mit ihm sympathisieren, nur allzu begreiflich. Sie haben so lange die stummen Hunde markiert, daß man es menschlid) wühl verstehen kann, wenn sie nun Morgenluft wittern und froh die Bundesgenossenschast, die ihre Hoffnungen schtvellt, begrüßen. Aber daß sie die Süddeutschen zu ihrem Vorgehen animiert haben könnten, daß sie bei all bent die eigentlich treibenben Strafte wären, dünkt uns nicht eben ivahrscheinlich: so hoch haben diese Preußen nie geschossen.

Allerdings: wenn die Berliner Ochlokraten unter Revisionis­mus alles verstehen wollet,, was der dumpfen MatLgläubigkeit widerstrebt, möchten sie recht haben. In diesem Sinne gehören zum Teil auch die gewerksd-aftltd-en Kreise zu ihm; ist alles zum Revisionismus zu zählen, was an dem terroristischen Regiment bet Berliner Zentrale Kritik übt. Und was schon durchweinen einfachen Bestand beweist, daß selbst die sozialdenwl'ratischen Bäume nicht in den Himmel wachsen könnten; daß auch die Sozialdemo- taatic in den Stuß der Zeiten gestellt ist.

Vielleicht wird sich in Nürnberg übersehen lassen, wie groß diese Kreise sind. Daß sie groß und vor allem auch innerlid) stark genug wurden, um eine Spaltung der Sozialdemokratie herbei- zuführen, wird uns schwer zu glauben. Zwar auf dem sozial- benwkratisd).'n Parteitag der Provinz Sdstes.vig-Holstein soll der Gewcrkid-aj.ssührer Legten die Spaltung der Partei für wahr- scheinlid) crtlärt haben. Aber große Organisationen wie die Sozial- demokvattc pflegen ein starkes Beharrungsvermögen zu besitzen. Zudem ist, worauf imB. T." ganz richtig au « merksam gemacht wird, aud) im Parteileben der von Joannes Bodinus so benannte Nero aller Dinge" nicht zu entbehren, lieber den aber ver­fügt in der Sozialdemokratie allein die Berliner Zentrale, und burd) ein sehr sinnreiches System hat sie immer größere Scharen als Agitatoren und Partciangcstellte mit ihrer ganzen Existenz von sid) in Abhängigkeit gebracht. Sie alle werden mit dem Schwergewicht ihrer materiellen Interessen schon dahin wirken, baß die Antwort auf das Tivvryon? diesmal noch vertagt wird. Mit einer nahe bevorsdehcnden Spaltung jn der Sozialdcmokratte zu red,neu, ist Torheit. In der Fraktion Barth wäre ja aller­dings für allerhand Revisionisten und Bndgetbewilliger Platz genug, aber auf eine solche Verstärkung wird wohl nicht einmal Dr. Larth selbst zu Ijoffen wagen.

Deutsches Ueich.

Zusammenschluß deutscher und f r a n z ö s. Veteranen vereine. Neun französische Veterancn- vereine Deutsch-Lothringens haben gestern beschlossen, in eine Verstätldigung mit dem deutschen Bcterancnvercin ein- zutreten bchuss eines event. Zusammenschlusses beider Na- lionen. Man erblickt hierin allgemein eine Einwirkung des letzten Metzer Kaiserbesuchs.

Zum Kaiserbesuch in Ostpreußen wird deut Tag" gemeldet, daß der Kaiser die Absicht habe, gelegent­lich seines diesjährigen Hcrbstaufenthalts in Rominten aud) das Jagdschloß Pail (Kreis "Niederung) zu besuchen, um in der dortigen Umgegend auf Elche zu pirschen.

Ter deutsche Reichstagsabgeordnete Erz­berger beantwortet in einer Zuschrift an beitMatin" die in der Sonntagsnummer dieses Blattes von dem ftanz. deputierte« Gervais an Deutschland gerichteten Fragen. Lrzberger schreibt, man ist in Deutschland überzeugt, daß sZ-rankreich in Marokko auch die Interessen Europas ver­trete. Deutschland, so versichert Erzberger, erkennt auch die zweite Hälfte der Algecirasakte an. ^cutfchland ver­langt aud) keineswegs von Frankreich, daß es, um eine Latente mit Deutschland abzuschließen, seine bisherige franko - englische Entente einer Abänderung unterziehe, schließlich versichert Erzberger, in ganz Deutschland bestehe der Wunsch nach freundschaftlichen Beziehungen mit^Frank- reid), und alle gebildeten und kultivierten Geister in-Deutsch­land seien von Herzen für eine freundschaftliche Annähe­rung an Frankreich. .

Künstliche Fütterung der Bienen Mit Zuckerlösung ist Ra hru n g s m itte lfalschung. Der Imker-Verein zu Freiburg i. B. lveist auf em Urteil des Landgerichts Straubing vom 19. Ott. 190c uiw ein llrteil des Reichsgerichts vom 30. März 1908 hin, aufGrunc Lessen ein Händler wegen Betrugs bestraft worden ist, weil er die durch Fütterung der Bienen mit Zuckerlösung er* zeugte Masse als natürlichen Honig in den Handel gebracht hatte.

Alldeutscher verbandrtag.

S.u. H. Berlin, 6. Sept.

Ter heutige »tueite Tag der Hauptversammlung des All­deutschen Verbandes wurde mit einer Huldigungsseicr am Bis­marck-Ten kmal vor dem Reichstage eingelcitct.

Tie Hauptversammlung, die im Bant'ettsaal desRhcingvld" lattfanb, war außerordentlich -ahlreich von Herren und Damen besucht.

'JJlajor a. D. Freiherr v. Stössel (Potsdam) hielt einen Vortrag über das Tljcma:Gesetzgeberische Maßnah­men für die notleidenden Invaliden, speziell diejenigen vom Dentsch-Südwest-Afrika Kriege".

Der Berichterstatter legte zum Schlüsse feiner mit lebhaftem Beifall aufgenmnmenen Ausführungen dem Verbands tage folgende Entschließung vor:

Ter Verbandstag des Alldeutschen Verbandes ljat auf Grund eines umfassenden, durchweg behördlich beglaubigten Materials an Unterstutzungsgcsuchcn die lieberyugung gewonnen, daß die Pensionsvcrhältnisse der Invaliden aus dem Südwest-Afrika- Kriege in vielen Fällen weder den Zeit- und Teuerungsverhältnissen entsprechen, noch der Ehrenpflicht genügen, welche das Reich gegen eine tapferen Söhne und freiwilligen Zvämpfer zu erfüllen hat. Ter Verband ist der Meinung: 1. daß die Pensionen an und für sich zu niedrig bemeffen sind, 2. daß die Pensionen nicht nur auf Grund des Dienstgrades und des Grades der Erwerbsunfähigkeit bemeffen werden sollten, sondern daß man unbedingt auch die Be- russvorbildung, die praktische Erwerbs- und Entwicklungsfähig­keit des Beziehers in gesunden Tagen eingehend berüdfidjtigt, 3. daß endlich in besonderen Füllen die Möglichkeit geboten fein mufj, höhere fortlaufende oder einmalige Unterstützungen sowie Gelder für die ost so notwendigen Badekuren zu gewähren. Für die fdpmerigen und besonders vertraulichen timt)(Reibungen zu Punkt 2 und 3 wäre die Einrichtung einer Zenkralstelle für das Reich mit besonderer Vollmacht und mit Unabhängigkeit von den sonst als 9iorm dienenden rein schematischen Bestimmungen des Jnvalidengesetzes erwünscht."

Die Entschließung wurde einstimmig angenommen.

Der Vorsitzende btechtsanwalt Elaß (Mainz) beantrag le hierzu, den bisherigen vom Hauptausschuß erlassenen Auftuf zugunsten der Invaliden aus dem Südwest-Asrika-K'riege als von dem ge­samten Vorstande ausgehend, erneut zu veröffentlichen. Der Verbandstag stimmte aud) diesem Antrag ohne Diskussion zu.

Hierauf sprack) Regierungsrat Dr. Regenborn (Düssel­dorf- überDie Mtwendigkeit staatsbürgerlicher Erziehung". 3mn Schlüße seiner wiederholt von Beifall unterbrochenen Aus­führungen legt der Redner dem Berbandstage folgende Ent­schließung vor:

Mangel an politischem Sinn und politischem Verständnis, ein Erbteil dcS Deutschen aus der Zerfahrenheit und SchlvLche in vergangenen Jahrhunderten sind wesentlich eine Folge unzu­reichender rolittscher Bildung. Bewnders auch in den oberen Klassen. Es ist ein Widerspruch, daß im deutschen Reiche jeder vom 25. Lebensjahre ab zur Mitwirkung an der Gestaltung unserer Geschicke berufen ist, daß aber von staatswegen nicht ge­nug geschieht, den Deutschen zur Ausübung dieses höchsten staats­bürgerlichen Reckstes reif zu machen und ihn früh darauf hinzu­weisen, daß Rechten Pflichten gegenüb erstehen, ohne deren Er­füllung das allgemeine Wohl Sck>aden leiden muß. Es ist deshalb an der Zeit, daß alle Schuleinrichttmgen des Staates bis hinauf zur lcwchschule einschließlich der Lehrerbildungsanstalien mehr als bisher in den Dienst der Aufgabe treten, die Jugend zu ver- slöndnisvoller Mitarbeit an den Angelegenheiten des Staates zu erziehen. Diese Arbeit kann geleistet werden ohne die Schule dem Partcigetriebe auszuliefern und ohne der Stellungsnahme der Einzelnen zu den politischen Parteien vorzugreifen, wenn sich der Unterricht darauf beschränkt, durch unparteiische Tarstellung von Tatsachen die KennttiiS unserer Staalseinrichtungen zu ver­mitteln und wenn daduvck) die Neigung zur Beschäftigung mit öffentlichen Angelegenheiten geweckt und die Entwicklung staats­bürgerlichen Gemeiusinns gepflegt wird. Das Verständnis für die dem deutsck>en Volke geftelltai politischen und nationalen Aus­gaben mixt» dann von selbst zunehmen."

Die Resolution wurde einftinimigi angenommen.

Darauf referierte Graf E. v. Reventlow über die Reichs- sinanzrcsorm als nationale Frage. Der Referent legte zum Schlüsse Seiner Ausführungen, die mit großem Beifall ausgenommen wurden, olgende Resolutton vor:Der Alldeutsche Verband erblickt in er durchgreifenden und sofortigen Regelung der deutschen Reichs­finanzen eine nationale Frage ersten Ranges. Er ist der Ansicht, daß ein Weitergehen des bisherigen Systems, zumal der Borg- wirtschast, bei Unmöglichkeit einer regelmäßigen Schuldentilgung nicht nur wirtschaftlich verderblich ist, sondern schon in kurzer Zeit zu einer schweren nationalen Gefahr werden muß, welche die Sickierheit des Deutschen Reick-es politisch und mililärifd) in Frage stellen wird. Diese Gefahr mir einem Schlage und für immer aus der Welt zu schaffen, ist wolst möglich, sobald das deutsche Volk fick) bewußt wiro, daß cs sid) um feine eigene nationale Sache handelt. Diese Erkenntnis zu verbreiten unb zu ver­tiefen erachtet der Alldcutsdw Verband als seine Aufgabe. Der Alldcutsd,e Verband erachtet cs als Pflicht der Reichsregierung, daß sie ihr volles Ansel-en und ihre ganze Kraft mit rücksichts­loser Entschlossenheit ein setzt, um ganze Arbeit zustande zu bringen; er glaubt, daß es die Aufgabe der zum Block gehörigen Parteien ist, die Regierung hierbei ohne Rücksicht auf die Parteiprogramme zu unterstützen und damit den Beweis zu erbringen, daß ihnen das Vaterland über der Partei steht."

Pastor a. D. Kötzschke weist auf die hohen Lebensmittel­zölle in Deutschland hin und empfiehlt die Einführung einer direkten Rcichssteuer. ^.Widerspruch.- Tcr Redner verlangt bann den Uebcrgang zum parlamentarischen System. Wir feien ba£ einzige Volk in Europa, das das parlam.entarifche System noch nicht be- fitzt. iStürmiidjc Unterbrechung.) Als Steöner noch den Fall Schücking erörtern will, wird er zur Sache gerufen. Er schließt: Ich wollte nur andeutcn, wie schwer es gewissen Parteien wird, mit der Regierung -usammenzuarbeiten, wenn sie der Regierung nichts zu sagen haben. (Widerspruch und Zischen.) Der Referent wendet sich gegen den Vorredner und sucht )eine Ausführungen zu widerlegen. Die vorgeschlagene Resolution wird bann ange­nommen. Wegen der vorgerückten Zeü nimmt Professor Lang­hans (Gotha) von seinem Vortrage Abstand und begründet kurz seine Leitsätze zu der Frage der Einwanderung fremder Elemente in das Reich. Die Leitsätze lauten: Angesichts der sittlichen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und vor allem völkischen Gefahren der ftammfremben Einwanderung erhebt der Alldeutsche Verband folgende Forderungen an Gesetzgebung und Verwaltung: 1. Allen Maßnahmen zur Besthrächkung unb mög­lichsten Unschädlichmachung der fremden Einwanderung muß als Endziel die Schließung der Grenze vorschweben. Bis zu ihrer Verwirklichung dürfen 2. die zuwandernden fremden Arbeiter stets nur eine Ergänzung der heimischen Arbeitskräfte darstellen, niemals letztere verdrängen. Allen Unternehmern öft'enllicher Bau­ten ist daher die Einstellung von in erster Linie deutschen Ar­

beitern zur Bedingung zu machen. Die Ausdehnung dcs Lcgc- timationdcerfaljrend auf alle im Reick) beschäftigten ausländischen Arbeiter ist dringend erforderlich 3. Der Er)atz der national-- politisch befonders gefährlichen Wanderarbeiter, nnc der polnuchen, durch deutsche (aus Polen, Galizien, Ungarn^ vocr iiattoiialungc- fährliche (Ruthenen, Letten und andere) muß nach wie vor ge­fördert werden. 4. In den Lstprovinzen ruht die Hossnung auf Beseitigung deS Landarbeitermangcls auf der uinfaugrcitiKit Ansiedelung beuifdwr Kleinbauern unb Landarbeiter auf gründ der Rentengutsgefetzgebuiig. Tas Mcnschenmaterial für biefe Mliin- ficbclungcn und damit für die Sckwffung deutscher Sachfenganger bieten bie Landtagelöhner der Heimat und die beutfdjen 3iüd- toanbercr aus dem flavifchn Osten.

Die vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen.

Als Ort des ndd;ften Berbandstages wurden Sckwndau, Tüfscl- botf, Köln, Stuttgart und Karlsruhe vorgcfchlagen. Tic Ent­scheidung wird der Hauptausschuß treffen. Damit waren die Verhandlungen beendigt, und der Vorfitzende, Reckstsamvalt Elaß, schloß um 6 Uhr den Verbandstag.

Sin hessischer Schulmnseum.

Eine der erfreulichsten Erscheinungen unserer zu Un­recht Dielfadi als materiell verschrienen Zeit ist die erhöhte Fürsorge, die man der Schule cntgegenbringi. Denn auf feinem Gebiet des öffentlichen Lebens gilt so sehr das Wort, daß Stillstand Rückschritt bedeutet, als auf dem der Schule. Immer höher werden die Anforderungen, die das Leben an den Einzelnen stellt, und damit immer vielseitiger die Auf­gaben der Schule, das Heranwachsende Geschlecht mit deut Wissen und Können auszurüsten, um im Kampf ums Dasein mitlommen zu können. Es ist nidjt das geringste Verdunst unseres engeren Heimatlandes, dies rechtzeitig erkannt zu haben und dementsprechend zu handeln. Staat und Selbst- Verwaltungskörper wetteifern miteinander, die Daseinsbe­dingungen der Schule immer besser zu erfüllen und neben der von jeher erkannten Pedeutung des höheren Schul­wesens ist es ersreulidstwweise neuerdings die Volksschule, bencu diese im besten Sinne des Wortes eine Kultnrtat bedeutende Fürsorge gilt.

Was für die Volksschule bei uns geleistet wird, ba£ zeigen die stattlichen Schulbauten, die überall im Lande in Städten und' Dörfern entstehen, und die zweckent- spred)ende Ausstattung, die man ihnen gibt. Fast täglich mehren sid) die Hilfsmittel, die die private Initiative für unsere Schule auf den Markt wirst, und nicht leid)t wird es, aus der Fülle all dieser Gegenstände das hcrauszn- finben, was im Einzelsa'! den bestehenden Verhältnissen am besten entspricht und oabei mit der finanziellen Lei- stungssähigkeit der betr. Gemeinde im Einklang steht. Es bedeutet deshalb ein unzweifelhaftes Verdienst der Hessi- schenLehrmittelanstalt (Emil Roth) zu Gießen, eine Einrichtung geschaffen zu haben, die eine bequeme lieberj sicht über das bietet, was auf diesem Gebiet vorhanden ist und allen Beteiligten .Gelegenheit gibt ohne Kauf­zwang, das für sie passende herauszusuchen. Lor wcnigerr Jahren wurde die Anstalt gegründet unb inzwischen mehr und mehr ausgebaut, so daß sie nunmehr, nach abermaliger wesentlicher Erweiterung, zu einem praktischen Schul­museum geworden ist, wie es in gleicher Vollständigkeit und Uebersichtlichkeit sonst nirgends zu finden ist.

Jn systematischer Anordnung enthält dieses Schul­museum alles, was der Schule zum Nutzen gereichen kann, und neben den Lehrern und den übrigen Personen, die berufsmäßig mit der Schule zu tun haben, wird auch das übrige Publikum mit Interesse und Nutzen die Samm­lung besichtigen. Im nachstehenden sei ein kurzer Ueberblick über den'Inhalt der Sammlungen gegeben, r*r eine Be­sichtigung des Museums nicht ersetzen, sondern vielmehr zu ihr anregen soll.

Zunächst betreten wir ein Schulzi m m c r, das vor allem die verschiedenen Schulbanksysteme, insonderheit die in Hessen am meisten eingeführten, enthält. Alle Ein­richtungsgegenstände, wie Katheder, Schulschrank, Schul­tafeln us'w. sind auf Grund des hessischen Schulgesetzes ausgewählt, um zu veranschaulichen, was mindestens in einem Schulzimmer vorhanden sein muß.

Hieran reihen sid) verschiedene .Schultafeln, Karten­ständer, Ausbewahrungsgestelle und sonstige Schulgeräte zur Auswahl der für jede Schule am geeignetsten erschei­nenden Gegenstände.

Zur Ausschmückung der Schulzimmer oder der Flure größerer Schulen wird dann'eine große Auswahl von billigeren Kunstblättern geboten. Ein vollständiges Lager der bekanntesten Künstlersteinzeichnungen wird jedem Interessenten guter Steinkunst gerecht. Die Bilder werden in einem großen eigens konstruierten Bilderschrank auf« bewahrt. Der Schrank ist in einem besonderen Zimmer untergebracht und ist 5 Meter lang und 3i/g Meter hoch. Aus drehbaren Rahmen von 2 Xfleter Länge und 3 Meter Höhe werden dann die Bilder vorgeführt. Vor dem Schrank sind Tisck) und Stühle gestellt, so daß der Beschauer in aller Muße die Bilder betrachten kann. Eine große Reihe von Rahmenmustern bietet die Gewähr, daß für jedes Bild ein geeigneter Rahmen gefunden wird. Jn dem Zimmer liegen stets die neuesten Nummern der wichtigsten päda­gogischen Zeitungen und Zeitschriften Deutschlands aus. Es ist Gelegenbeit geboten, sich mit der Lektüre dieser Zeitungen beliebig lang und gänzlich ungeniert zu unter­halten.

Für den ersten Anschauungs- und Sprach­unterricht sind alle dafür gebräuchlichen Bilderwerke vorhanden.

Eine große Reihe von Bildern, teils biblische Ereig­nisse, teils aber aud) Landschaften aus Palästina dar­stellend, sind als Hilfsmittel für eine anziehende Gestal­tung des Religionsunterrichts vorhanden. Fast alle Karten und Pläne ermöglichen die Erwerbung einer umfassenden Kenntnis der geographischen Verhältnisse der biblischen Länder.

Für den Rechen- und Leseunterricht finden wir eine Zusammenstellung der wichtigsten Hilfsafiparate