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Nr.8S
Erscheint tSgttch mit Ausnahme des Sonntag».
Die „Sietzener ZamllienblStter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das '«relrblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Zweites Blatt 158. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Montag G. April 1908
Rotationsdruck und Verlag der Bruhlfchen UniversitälS - Buch» und Stemdruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: ey® 5L Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießcn.
4pole^idie Cagestzd)«rr.
Paasche und das Kriegsministerium.
Die „Bcrl. Korresp." schreibt: In den letzten Tagen wurde in der Presse vielfach der Vermutung Ausdruck gegeben, der Abgeordnete Paasche sei zur Abgabe seiner befanden Erklärung im Reichstag in der Sitzung vom 30. März durch Drohungen veranlaßt worden, die mit seinem Verhältnis als ehemaliger, mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform verabschiedeter Offizier des Beurlaubtenstandes zu- sammenhängen. Diese Vermutungen sind aber unbegründet; eine derartige Einwirkung hat nicht stattgefunden. Der Tatbestand ist vielmehr folgender: Rach der Rede des Abg. Paasche in der Sitzung des Reichstages am 3. De- zember 1907 ersuchte ihn da§ Kriegsministerium um da§ erforderliche Material, um der Angelegenheit nachgehen und eventuell die Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu können, hierzu erklärte sich Paasche bereit. Die Ermittelungen führten aber zu keinem Ergebnis, da, wie der Abg. Paasche in seiner Erklärung vom 30. März selbst hervorhob, seine Informationen sich nachträglich als nicht zutreffend erwiesen. Unter diesen Umständen sprach das Kriegsministerium dem Abg. Paasche gegenüber die Erwartung aus, daß er eine entsprechende Richtigstellung werde eintreten lassen, da da? Kriegsministe- nnm sonst gezwungen wäre, seinerseits im Reichstage auf die Sache zurückzukommen. Dieser Erwartung hat der Abg Paasche in der Reichstagssitzung vom 30. März in loyaler Weise entsprochen.
Ausland.
Rom, 5. April. Reichskanzler Fürst Bülow trifft, wie nunmehr feslsteht, am Sonntag den 12. April hier ein.
London, 6. April. Der schwer erkrankte Prcmiermi- ristcrCampbellBannermannhat gestern seine Entlassung gegeben, die vom Könige mit dem Ausdruck des Bedauerns angenommen nnirbe. Der Schatzkanzler Asquith, der zum Nachfolger des Premierministers ausersehen ist, wurde zum König nach Biarritz berufen und wird heute dorthin abreisen.
Stockholm, 5. April. Wie dem „Svcnska Telegrambhran" <m5 Helsingsors gemeldet wird, hat der Kaiser ein Manifest er- lstscu, durch das der finnische Landtag am 6. April aufgelöst iditö. Die Neuwahlen sollen am 1. Juli stattfinden und der niuc Landtag am 1. Augüst zusammentreten.
Lissabon, 5. April. Nach den bis heute abend 7 Uhr bekannt gewordenen Resultaten der Wahlen zur Deputierten- lammer gehören von den gewählten Deputierten 98 der monar- pfistischeu Konzentration an. Die Gesamtzahl der Mandate beträgt 146.
Naiionalliberale Sirmarckscirr in Lollar und ZrirnLerg.
Ter neugegründete nationaliberale Verein in Lollar drranstaltete am Samstag abend eine großartige Bismarckfeier. Der mit Fahnen und Tannengrün reichgeschmückte Zaalbau „Zur Linde" war nahezu bis auf den letzten Platz mit Festgästen gefüllt. Auf der Bühne war von Lorbeerbäumen umgeben das Bild des Altreichskanzlers aufgestellt. Eröffnet wurde das Fest mit einem von der Marburger 2tadtkopeile gespielten Marsche „Heil unserem Bismarck" ton Rixner. Dann begrüßte der Vorsitzende des national- liberalen Vereins Lollar, Herr Bartholomae, die Festgästc, insbesondere die von auswärts, so namentlich auch aus ließen, gekommenen Parteifreunde und dankte dem Gesangverein Liedertafel und dem Mannergesangverein Germania Pr ihre Bereitwilligkeit, an dieser patriotischen Feier mit- ^uwirkcn. Im weiteren Verlaufe des Festes hielt der Vorsitzende des Kriegervereins Lollar, Herr Lehrer D a a b, eine
Gietzener SLadttheater.
Gastspiel der Irene Triesch.
P. W. Gießen, 4. April 1908.
(Schluß.)
Zum Schluß leierte der zu lrüh verstorbene Otto Erieh Dartleben in der »Sittlichen Forderung", die in 'Hießen gleichlalls noch unbekannt war, einen posthumen Triumph *uev lächerlichen Prüderie und gesellschaftlichen Verlogenheit zum ^-rotz. Diese würzige und geistreiche kleine Komödie, die nach der ^aliplmannschen Tragödie wie eine wahre Eririschnng wirkte, ist •he iviiuqe Parodie oder die Variation des Sndermannschen ,yeinwt"-Molivs. Einer berühmten Ehansonettendiva, d. h. also *iner Tingeltangelgröße, präsentiert ihr Jugendfreund aus der ° einer Heimatstadt, wie der junge Werte in der »Wildente", die 'deale Forderung. Rita aber, die schöne Lebedame, die einst Erna -«eß, lach: ihn ob seines Vorschlages, chn zu heiraten, aus. Selbst- nerstandl.ch fällt es ihr gar nicht ein, ihre schwer erkämpfte, köst- . , Selbständigkeit auszngeben, nm als ehrsame Krämersgattm uach Rudolstadt zurückzukehren. Der gnte Friedrich dagegen (üb- jagens eine konstruierte Marionette ohne Fleisch und Blut, lediglich nolie für die aii§ sich selbst mit allen Alitteln zu Erfolg gekomniene ^erwnlichkett) vermutete, von seinem Standpunkte sehr richtig, das Stadel müsse sroh fein, von ihrem unsicheren Leben befreit zu s..en.und bei ihrer etwas anrüchigen Vergangenheit noch einen Inständigen Mann, einen echten unberührten Rubolstäbter zu be- ■ominen. Ans die sittliche Forderung des Freiers antwortet das -laoel trageiid: ,9),an muß sittlich sein, weil sonst die Sittlichkeit Bi’hort ?" Den Selbstzweck der Moral hat nur noch Wilhelm ^"Ich gleich scharf zit ironisieren vermocht. Doch Rita har em Deiches Herzchen. Als die Tochter so bornierter ivie brutaler Eltern, sie ni eme unsittliche Ehe jagen, sie schurkisch verschachern "ottten, um für den Kaufpreis ihre Schiilden zahlen zu können, Hal 'Ur diese freilich nur den frommen Wiinsch: .Nieder mo der anoe " Aber ihrem Jugend'reimdc. der jahrelang unter der sche ^"^agung seine Liebesglut für die Gespielin verborgen ge= R h * Qt' ^er gestrenge Herr Papa das Zeitliche segnete, hat Ar ooch noch eine kleine Schwäche in ihr neues freies Leben lüuüber- ^-reltet. Sie trällert ein leichtes Lied, der Strenenlockrui ent» llainnu Friedrichs des Ehrbaren Fngendblut und zieht ihn hinab.
s-, E^llüsiert ihm ins Ohr das Stojeivort: w2)u Esel!" und — e stuliche^ Forderung ist vergessen.
e., w 'e bwolnät dieser einaktigen Jokoserie ist nur scheinbar. n'1 ,Iectt in diesem „übermütigen Bohemescherz", ivie man • em stenannt hat, eine beißende Satire, die ihre Spitze i'iif lenl unsittliche Forderung kehrt, die einst das lebensfrohe, Älädchen and dem Elternhause trieb. Freilich Iiih «iv «/internationale Konzerlsangerm" gewiß nicht,
ikinin.» ii tzere Töchter sind ihre Ausführungen auch nicht be- elä . uuch nicht alle Manner, denen die lluschuld des Weibes yr lostlichster Schmuck erscheint, sind trottelige Friedrichs, son-
kernige, von edler Begeisterung getragene Ansprache. Er schilderte, wie Deutschland früher ein Bild der Ohnmacht und Zerrissenheit geboten habe und wie es dann durch Bismarck und Kaiser Wilhelm I. herrlich und mächtig aufgeblüht sei. Tann gedachte der Redner der kraftvollen und genialen Persönlichkeit unseres jetzigen Kaisers, der es glänzend verstanden hat, das Erbe seines Vaters und Großvaters weiter auszubauen. An uns sei es, unserm Kaiser in seinen idealen Bestrebungen zu unterstützen. Dankbar gedenken sollten wir in dieser Feststunde auch unseres geliebten Großherzogs, der seine Größe in der Wohlfahrt seines Hessenvolkes suche und so eifrig bemüht fei, die sozialen Gegensätze auszugleichen. Wo so Liebe gesät werde, wie durch unfern Großherzvg, da werde auch Liebe geerntet. Man könne unfern Großherzog mit jenem Eberhard von Württemberg vergleichen, der sein Haupt getrost einem jeden seines Volkes in. den Schoß legen dürste. Liebe, Treue und Vertrauen bringen uns unser Kaiser nnb unser Großherzog entgegen, Liebe, Treue und Vertrauen müssen wir ihnen darum vergelten. Nach dieser mit brausendem Beifall aufgenommenen Rede wurde „Heil dir im Siegerkranz" gesungen. Tie Festrede hielt Herr Oberlehrer Altendors aus Gießen. In seiner formvollendeten und von tiefstem Verstehen des Wesens und Wirkens Bismarcks zeugenden Rede, der auch das Pathos echter Begeisterung nicht fehlte, zeichnete er in kräftigen Zügen die Gestalt jenes treuen deutschen Dieners Kaiser Wilhelms I, der nun schon seit 10 Jahren in seiner Gruft im Sachsenwalde ruht. Damals, am 30. Juli 1898, als sein Ableben gemeldet wurde, da war die Trauer um ihn groß und allgemein und manchem tauchte bet wohl die bange Sorge um das weitere Schicksal des Deutschen Reiches auf. Wenn Bismarck damals auch schon seit acht Jahren aus dem Amte war, so erzeugte doch schon die bloße Tatsache, daß er lebe, eine gewisse Beruhigung. Die schlimmen Befürchtungen sind aber nicht eingetreten. Es ist manches sogar besser geworden, als es unmittelbar nach seinem Tode war. Wenn unsere deutsche Politik heute auch nicht mehr die Rolle spielt, wie zu Bismarcks Zeiten, so nehmen wir in der Welt doch eine Stellung ein, mit der wir zufrieden sein können. Redner schilderte bann, wie sehr man Bismarck zu Beginn seiner Laufbahn verkannt habe. Man sah in ihm nur den reaktionären preußischen Junker. In Wirklichkeit war die nationale Idee schon von Anfang an sein Leitstern: auf welchem Wege kann sich Deutschland einigen, und diese Einigung dauernd erhalten. Redner schilderte dann ausführlich und anschaulich, mit welchen ungeheuren Schwierigkeiten Bismarck fortwährend zu kämpfen gehabt hatte, bis dieses Ziel der Einigung und oer Sicherung Deutschlands erreicht wurde und wie er nach Gründung des Reiches darauf bedacht gewesen sei, die Reichs- Verfassung auszubauen. So wurden Bundesrat und Reichstag geschaffen. Er, der verschriene preußische Junker war es, der dem Reichstage das freieste Wahlrecht gab, das eS überhaupt gibt. Redner führte weiter aus, wie Bismarck sich gegen alle späteren Kriege gesträubt habe und wie sein ganzes Bestreben gewesen fei, dem neuen Deutschen Reiche eine friedliche Entwicklung zu sichern, durch Bündnisse mit den Grenznachbarn, den Russen, den Oesterreichern und später durch den Dreibund. Ohne diese verständige Politik Bismarcks wäre es auch nicht möglich gewesen, Kolonialgebiet zu gewinnen und zu halten. Weit auftegender und aufreibender war Bismarcks Tätigkeit int neuen Reiche auf innerpolitischem Gebiete, bei dem Ausbau des Reiches; auf wirtschaftlichen Gebiete vertrat er den Standpunkt der Solidarität der Interessen und daß vor allem die produktiven Stände, Landwirtschaft und Industrie, geschützt werden müßten. Unter feiner Amtsführung kam es auch zur Ar- beiterschutzgefetzgebung, und die deutsche Arbeiterschaft habe
beim die meisten von ihnen immer noch der Meinung, daß eine anständige Frau in jedem Falle achtungswerter ist als ein mehrmals gestraucheltes Mädchen.
Frau Triesch spielte natürlich auch dieses Stückchen ganz ausgezeichnet. Ta mar erstaunlich viel Inhalt, Leben und Wahrheit in jedem Ton, in jeder übrigens fortwährend kapriziös wechselnden Geste, geschmeidige Grazie in jeder Bewegung, dazu ein leicht ironisch kichernder Humor, und vor allem neckische sieunb- (iche Ueberlegenheit ohne peinlichen Beigeschmack. Die andere Seite, die Erinnerung an das üble Vergangene, meisterte sie mit der rechten selbstverständlichen Gleichgültigkeit.
v. d. B e ck e hatte den Vorzug, neben ihr den braven Rubol- städter darzustellen. Er tat es mit rechter Talmiwürde und dem rechten unsicheren korrekten Ernst höchst lobenswert. Allerdings mag sich der Autor seinen „wonnigen, goldigen" Rudolstädter doch em wenig anders vorgestellt haben, trotz aller steifen Philistrosität doch ein bischen gewinnender im Aeußeren, so daß die neu er- machende Schwäche der Rita für ihn glaubhafter wird. Ich denke mir den lieben Fritz groß, blond, ungelenk, schwerblütig.
Gießen, soweit es iheatersreundlich ist, tvirb die Rita Revera der Triesch, diese kecke Loloraturpartie in ungebundener Rede, ebenso iveniq vergessen, wie ihre Elga. Tie Dankesschuld Gießens gegenüber dieser großen Künstlerin wächst inS Ungemessene.
— Einen empfindlichen Verlust hat die Berliner Mufikwelt zu verzeichnen. Pro'. I o s e p h Sucher, der frühere Berliner Hoskapellmeister, ist im Alter von 64 Jahren einer Artcrienver- falfung erlegen. Das tvirb besonbers alle die schmerzlich berühren, die sich der Kunstgenüsse erinnern, die sie Joseph Sucher und seiner ßJattht Rosa mährend der gemeinsamen Wirksamkeit dieses Künstlerpaares am Berliner Opernhause zu danken hatten. „Tristan" und „Die Walküre", überhaupt „Ter Ring" unter Suchers Leitung iind mit Rosa Sucher als Isolde und Brunhild waren Ende der achtziger und Anfang der nemiziger Jahre Ereignisse, beiien beizuwohnen man keine Mühe scheute. Sucher stammte aus St. Gotthardt an der Raab in Ungarn, wo er im Jahre 1843 geboren war. In Leipzig heiratete er die gefeierte dramatische Sängerin Rosa Hasselbcck, mit der zusammen er dann nach Hamburg und Berliii ging.
— Graf Tolstoi der „alte Depp" ober bie Sitten i m o st e r r. Paria m e n t. Ter österr. Abg. Bielolawek nannte am 3. d. 3)1. im legislativen Ausschuß den Grasen Tolstoi, den großen russ. Duetcn und Propheten, einen „alten Deppen", wa§ der Abg. DaSzynski im Plenum mitteilte, woraiü Bielolawek die Schmähung iviederholte. Am Samstag vor der Sitzung ersuchten zwei Abgeordnete den Präsidenten Weißkirchen, B. möge wegen der Beleidigung Tolstois öffentlich sein Bedauern aussprechen. Ter Präsident erklärte, mit den Parteien beraten zu wollen. Im Abgeordneten ';anfe wies dann der tschechische Agrarier Urdrzal die Beschimpfung Tolstois auf das entschiedenste ziirück und bedauerte, daß dies n'cht sofort von der Seite geschehen sei, vcm der die Beleidigung gekommen sei.
daher allen Grund, ihm dankbar :u sein. Redner skizzierte' dann Bismarcks wechselnde Stellung zu den einzelnen Parteien, insbesondere zur nationalliberalcn und konservativen Partei. Bezüglich des Zentrums war Bismarck zeitlebens der Meinung, daß ein ewiger Frieden mit dieser Partei ebensowenig möglich sei, wie mit Frankreich. Der Volkessrühling, der mit dem deutsch-französischen Kriege angebrochen war, hielt nur wenige Jahre an, so daß Bismarck sagte, der Partcigeist überwuchert, er ist es, den ich anklage, wenn das ganze herrliche Werk wieder verdorben wird. Solche beweglichen Klagen genügten ihm ober allein nicht, er suchte der Parieizersplitterung aber auch praktisch abzuhclfeit. Er brachte u. a. das Kartell der Konservativen und Nackonal- liberalen zustande. Nachdem der Redner so in großen Zügen die politische Tätigkeit Bismarcks dargelegt hatte, des einzigartigen Mamres, der seine Zeit so weit überragte, schloß er mit dem Wunsche, daß das nationale Gefühl im deutschen Volke immer mehr Geister erwecken möge, die so wie Bismarck bereit feien, Gut und Blut in die Schanzen zu schlaaen. — Die nächste Ansprache hielt Herr Oberlehrer Dr. Krausmüller au5 Gießen. Er dankte dem nationalliberalen Verein in Lollar für seine Einladung. Während der junge Verein vor wenigen Wochen in seiner ersten Veranstaltung die politische Lage im Reiche erörtert habe, läge der heutigen Veranstaltung der parteipolitische Hintergrund fern. Man sei heute nicht zusammengekommen, um Mitglieder zu fangen, wie die gegnerische Presse behaupte, sondern zur Feier des ersten und größten deutschen Kanzlers. Daß diese Feier einen so schönen Verlauf genommen habe, dafür gebührt vor allem dem Festredner des Abends Dank, der in so klaren und markigen Worten ein Bild des großen Kanzlers vor Augen geführt habe. Redner dankte dann den verschiedenen Vereinen für ihre Mitwirkung, den beiden Gesangvereinen für die schönen Vorträge und dem Vorsitzenden des Kriegervereins für feine begeisterte Rede auf den Kaiser und den Großherzog. Redner schloß mit einem begeisterten Hoch auf alle, die zum guten Gelingen dieses schönen Festes beigetragen haben. Abwechselnd trugen im Laufe des Abends die beiden eingangs erwähnten Gesangvereine Lieder in schöner und eindrucksvoller Weise vor. Besonders gefielen die Silcherschen Soldatenlieder, die der Gesangverem Liedertafel vortrug, und die Lieder „In der Fremde" von I. Pauly und „Sehnsucht nach der Heimat" von Brodt, die der Männergesangverein Germania fang. Welchem von beiden Vereinen bei diesen schönen Vorträgen der Preis gebührt, ist schwer zu sagen. Mit herzlichster Freude hörte man sowohl die Liedertafel als auch die Germcnria. Sie haben beide offenbar sehr tüchtige Dirigenten, verfügen über ausgezeichnete Stimmen und verraten Interesse und Liebe für den Gesang unserer schönen Heimatlieder. Zwischendurch spielte die Marburger Stadtkapelle. Das schöne Fesf fand erst in später Morgenstunde sein Ende und wird sicherlich allen Teilnehmern in angenehmster Erinnerung bleiben.
Wie wir erfahren, hat am gestrigen Sonntag auch in Grünberg eine harmonisch und schön verlaufene nationalliberale Bismarckfeier stattgesunden, in der wiederum Herr Oberlehrer Altendorf die Festrede hielt.
W. Stuttgart, 3. April. Die Strafkammer verurteilte den verantwortlichen Redakteur deS SimplizissimuS, Hans Gulbransson, wegen Beleidigung des Ofs'izierkorps de§ Deutzer Kürassierregiments zu 100 M k. Geldstrafe. Dem Kommandeur des Regiments wurde die Publikationsbefugnis zugesprochen.
ttlernc Tageschrouik.
In Köln ist ein Betrug an ber Staatskasse, wie et wohl einzig bastelst, seit Jahren an der Zeugengeb ührcw- auszahlungs stelle des Schöffengerichts verüb! werden. Der Amtsgerichtssekretär Cramer, dem die Auszahlung der Zeugeugcbühren allein übertragen ist, wurde wegen Betruges, Urkundenfälschung und Unterschlagung amtlicher Gelber verhaftet: bisher wurde die Veruntreuung von 25 000 M. festgestellt. In vielen Füllen hat er Zahlen auf GebühreTranweisungen gefälscht, größere Beträge daraus gemacht und die Gelder eingesteckt.
TeSeSosiiseSw
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giesse#.
Frankfurter Hör»©, 6. April, 1.15 Uhr.
3>£e/e Beichsanleihe . . 91.501 Elektriz. Lnhmeyer . . . 119.50
u% do. . . 81.70 8)4°/, Konsole . . . . 91.50 3% do 81.65
B^°/o Hessen 90 85 8^°/, Oberhessen . . . 91.90 4?z Oesterr. Goldrente. 98 40 4l/e % Oesterr. Silbenente 99 30 4% Ungar. Goldrente . . 99.50 456 Italien. Rente ...--
8 5-6 Portugiesen Serie I 61.10 356 Portugiesen „ III 61.65 4>6°/e russ.Staatsanl. 1905 95 00 4üe,, Japan Staatsanleihe 87.70 4 56 Conv. Türken von 1903 95.70 Titrkenlose 150.60 4% Griech. JIonopol-Anl. . 49.20 49s äussere Argentinier . 85.50 d°/0 Mexikaner . . . 67.00 4 v/, Chinesen .... 94.95
Aktien:
Bochum Guss 212 70 Buderus E. W. . . . 112.20
Tendenz: unentschieden.
Berliner Aiorse, 6
Elektriz. Schuckert . < . 105.00 Eschweiler Bergwerk . . 208.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 290.70 Hamburg - Amerik. Paketl 112.80 Harpener Bergwerk. . . 198.00 Laurahütte 215.00 Nordd. Lloyd 98.60 Obeischles. Eisen-Industrie 99 50 Berliner Handelsges. . . 1 CO 00 Darmstädter Bank . . .128 30 Deutsche Bank ... 233 80 Deutsch-Asiat Bank . . 137.20 Diskonto-Kommandit. . , 175.60 Dresdner Bank .... 139 10 Kreditaktien 199.50 Baltimore- and Ohio-
Eisen! ahn 82.50 Gotthard bahn .... — Lombard. Eisenbahn . . 24 9J Gestern Staatsoahu . . . 146.30
Pnnce-Hcnn-Eisenbahn . 121.00
ApriL An'angskurse.
Canada E. B. . . . . 149.00
DarmstÄdtef Bank . . . 128.70 Deutsobe Bank .... 284.10 Dortmunder-Union C. . . 59.10 Dresdner Bank .... —.— Tendenz: fest.
Harpener Bergwerk. . . 197.80
Laurahütte .....214.00
i.ombarden E. B. ... 24.90
Nordd. Lloyd 98 40
l'iirkenlose 150.80
Durch btc Verdünnung der Kuhmilch mit Wasser triic, nn Vergleich zur Muttermilch, ein Ausfall an Fett und Zucker ein. Dtefer Atangel an Stichrstofsen wird am besten durch den L>ujav von „Äufeke"-5iinbermehl ausgeglichen, welches nicht nur den Nährstoffgehalt der Kuhmilch erhöht, sondern and) deren Gerinnung in günstigster Weise beeinflußt und ihre Verbauliebteit erleid')^n.
C'haaOeiik-UurKe.
......
Technikum Bingen ÄÄJ»■.


