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7.2.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 32

Redaktion, Expedition und Dnrckerei: 6 cf) ul* stratze 7. Expedition und Verlag: 51,

Redaktion: &&& 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGreßen.

Zweites Matt L58. Jahrgang Freitag Februar 190S

Glchevtt tSgNch mtt Ausnahme des Sonntags. aa * a a a T y* *a Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen

-- « y KD. iGU O M D Ä iRU v* OM /fei 5^ M UnwersitätS - Buch, und Slemdruckerei.

«* -Eictzeve- Kamtlienblätter" werden dem KHH D G5 UM tf H I ff 8 > j - J fe *<?, A | d R. Lange, Gießen.

Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das M- U L,.i w kj Kl m, V» V^, vjJa iX-

JUetstnatt für Ocn Kreis Netzen" zweimal V @ V V

M-chenilrch. DieLandwirtschaftlichen Seit» /y Ä < Ay * -

hNt=" ertoe-nen monatlt» sroeinmL GEMl'M-ÄNMDU fW

LagestzedaLL.

Aus der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft.

Der Einigungsausschuß der lintslioeralen Parteien hat am Donnerstag über die von der Fraktionsgemeinschaft des Reichstags ihm überwiesenen Angelegenheit verhan- delt. Es wurde mugeteilt, daß d i e H e r r e n D r. B a r t h Und v. Ger lach aus dem Geschäftsführer: den Ausschuß des Liberalen Wahl Vereins aus­geschieden sind. Daraus hat der Einigungsausschuß beschlossen, die Beschwerde, die zur Einberufung des Aus­schusses Veranlassung gegeben hat, als erledigt anzusehen. Das Schreiben an den Abg. Schrader, in dein .Herr Dr. Barth seinen Austritt aus dem Geschäftsführenden Aus­schuß unter dem 5. F ebruar motiviert, hat folgenden Wvrtlaur:

Als wir am 13. Jamiar zu einer Sitzung des Geschäfts- iuhrenden Ausschusses zusammentraten, um die Konsequenzen der Haltung unserer Parteifreunde im preußischen Abgeordnetcn- hause gegenüber der Bülowschen. Wahlrechtserklärung zu er­örtern, habe ich kein Hehl daraus gemacht, daß mir eine scharfe, vfsene Kritik auch innerhalb der eigenen Partei unerläßlich erscheine, um ein weiteres Abrutschen auf der durch die konser­vative-liberale Paarung recht glatt geworden Bahn nach rechts wenn irgend möglich aufzuhalten. Um für eine solche Kritik freien Raum zu haben, erklärte ich meinen Austritt aus dem Geschäftsführenben Ausschuß. Nur der lebhafte Wunsch unserer Kollegen im Geschäftsführcnden Ausschuß, den Schritt nicht zu tun, bevor nicht die Fraktionsgemeinschaft des Reichs­tags Gelegenheit gehabt habe, erneut Stellung zu der sogen. Bülowschcn Blockpolitik zu nehmen, bestimmte mich, von meiner Absicht einstweilen zurückzutreten. Die Haltung der Fraktions- gemeinschast am 22. Januar im Reichstage, die es Ihnen un­möglich machte, den Beschluß unseres erweiterten Vorstandes vom 19. Januar auszuführen, und die Bemühungen eines be­trächtlichen Teils dieser Gemeinschaft, eine freimütige Kritik an den politischen Handlungen der eigenen Partei einzuschränken, haben mich erneut zu der Ueberzeugung gebracht, daß es der demokrattschen Sack)e, welcher zu dienen ich bestrebt bin, förderlich ist, wenn ich durch Ausscheiden aus dem Geschäftsfühcenden Ausschuß jener Rücksichten enthoben bin, die ich bisher in dieser Stellung glaubte nehmen zu sollen. Ich bitte, danach die Erklärung meines Austritts aus dem Geschästsführenden Ausschuß mmmehr als eine definittve ansehen zu wollen. Meine sonstigen Beziehungen zum Liberalen Wahlverein bleiben von dieser Erklärung unberührt.

Auch Herr v. G e r l a ch hat mit einer ähnlichen Be­gründung seinen Austritt angezeigt.

Dent'Zcher Aeechstag.

96. Sitzung am 6. Februar. 1 Uhr.

Tie Beratung des Militürelats wird fortgesetzr.

Abg. Potthoff (freis. Dgg.) tritt für die Angestellten bei der Heeresverwaltung, die sich noch immer nicht in einem Beanrtcnverhältnis befinden, em.

Ohne daß hierauf Antwort erfolgt, wird das Kapitel ge­nehmigt.

Beim Kapitel Militär-Justizpflege erörtert Abg. Groeber (Ztr.) die Ergebnisse der Kriminalstatisttk im Heere.

Abg. Stückle n (Soz.) stimmt der Resolution betr. Aus­dehnung der Krinrinalstatistik für Heer und Marine zu und insbesondere dem Verlangen nach Angabe der Anzahl der Fälle des Ausschlusses der Oeffentlichkeit.

Nach kurzen Erklärungen des Generalleutnants Sixt von Armin polemisiert Abg. Wagner (f.) gegen die .Sozialdemo­kratie.

Abg. Roth (wirtsch. Vgg.) beklagt sich über mannigfache Zurücksetzungen der Militärbeamten, auch der oberen, gegenüber den Offizieren.

Abg. Stücklen (Soz.): Dem Abg. Wagner gebe ich zu, daß Unvollkommenheiten immer und überall Vorkommen.

Abg. Stadthagen (Soz.), der mit Stößen von Material die Tribüne betritt und mit Ohorufen empfangen wird, trägt einen Fall in Stolp vor, um daraus zu beweisen, mit welcher Befangenheit von den Militärgerichten vorgegangen werde.,

Generalleutnant Sixt v. Armin : Ter Fall wird untersucht werden. 1

Die Debatte schließt und die AentrumSvesolution wird ange­nommen.

Mit der Beratung des KapitelsHöhere Truppen­befehlshaber" wick» die Beratung eines Titels für Offi­ziere in besonderen Stellungen verbunden. Hier ist an demAggregiertensonds" von der Kommission ein Ab­strich vorgenommen worden. , , _

Abg. v. (Siern (kons.) empfiehlt als Referent diese Be­schlüsse, beantragt dagegen als Abgeordneter die Wicder- erhöhung des Aggregierterlfonds.

Abg. Erzberger (Ztr.) bekämpft den Antrag v. (Siern. Ebenso Südekum (Soz.) und Neumann-Hofer. Für ihn treten Graf O r i 0 l a und Tr. Eickhoff ein.

Generalleutnant Sixt v. Armin erklärte, er habe bereits früher ausgesprochen, daß die Kürzung dieses Fonds die In­teressen der Armee sehr schädige, wo gerade jetzt die Armee ganz gewaltig gewachsen sei. Auf die Mobilmachungsfrage rönne er hier nicht eiugehen. Aber die Herren aus der Kom­missionssitzung werden den Ernst der dortigen Darlegung des stricaSministers nicht verkannt haben.

Rach weiterrn kurzen Bemerkungen der Abgg. Neumann- Hofer, v. Nick)thofen-Tanrsdorf und Eickhoff ivird die Besprechung Über diesen Punkt geschlossen.

TitelBeamten und Unterzahlmeifter" tritt Wer­der (Recht.) für Besserstellung der Unterbeamten ein.

Nach kurzen Erörterungen wird der Titel bewilligt.

Görckc(Natl.) bittet die Militärverwaltung, ihr Augen- nteri der den Zivümusikcrn durch die Militärmusiker gemachten Konkurrenz zuzuwenden.

Tarauf wird die Resolution der Vudgetkonmussion, bald tunlichst bis zum nächsten Jahre eine LöhnungSerhöhung der Gemeinen usw. vorzunehmen, angenommen, dagegen die den gleichen Gegenstand betr. Resolutionen des Zenttums und der Sozialdemolraten abgelehnt und die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr vertagt. Außerdem zweite Lesung der Zuckerkonventiou und Resolution Kanitz betr. Herabsetzung der Zuckersteuer.

Schluß gegen 61/2 Uhr.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Febr. Der Bundesrat hat heute den Gesetzentwurf betreffend die B e st r a f u n g e n d e r M a j e ft ä t s- beleidigungen nach den Beschlüssen des Reichstages end« gütig genehmigt.

Der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages war der Staatssekretär deS Rcichsschatzauftes, Freiherr von Stengel, fern geblieben. Die Tat­sache ist viel beachtet worden. Indessen soll das Fernbleiben

des Staatssekretärs nur daraus zurückzuführen sein, daß Herr von Stengel auf die Detailfragen in Sachen der Steuer­reform nicht mehr antworten wollte. Btorgen werde er wieder erscheinen, um die Zuckerkonvention selbst zu ver­treten.

München, 6. Febr. Der Papst hat über den Uni­versitäts-Professor Dr. Schnitzer-München wegen seines Artikels in der ^Internationalen Wochenschau" das Dispen- sis a divino verhängt.

Dresden, 6. Febr. Finanzminister Rueger er­klärte heute im Landtage, daß die sächsische Regierung sich dcr Zigarren-Banderolensteuer und dein Spiritus M 0 n 0 p 0 l gegenüber zustimmend, dagegen direktcn Reichssteu.ern und einer Veredelung der Aiatri- k u la r beit rüge gegenüber ablehnend verhalte.

Ans8<liUH.

Paris, 6. Febr. Tie befürchtete Ausdehnung der französischen Marokko-Expedition zu einem allgemeinen Kriegszuge scheint plötzlich näher gerückt zu sein, als man nach den jüngsten Erlllirungen der Re­gierung vermuten konnte. Tas gesamte, in Frankreich gar- nifonicrenbe Kolonial-Armee-Korps wird zur Zeit mobilisiert. Es zerfällt in drei T-ivisionen, die sich auf Paris, Toulon und Brest verteilen. An der gestrigen Börse wurde das Gerücht von einer Schlacht kolportiert, in welcher die Franzosen 40 Tote und 60 Verwundete gehabt hätten. Dies Gerücht wird aber energisch beinentiert.

Alfred Levy, der Grvßrabbiner von Lyon, wurde anstelle des verstorbenen Zadoc Kvhn zum Großrabbiner Von Frankreich gewählt.

London, 6. 5-ei)u. Tas Unterhaus hat die Adresse angenommen.

Petersburg, 7. Febr. Die Adelsversammlung von Kursk hat die Mitglieder der 1. Tuma, Fürst D0 lg 0- rucki. Von Nutzen und Jakuschlin wegen Unterzeichnung des Wiborger Manifestes aus der 5lursker Adels-Korporation ausge- stvßen.

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Parlamentarisches ans Hessest.

R. B. T a 1 m |t au t, t>. $cui. o i .1 u 11u nsschuß der zweiten Kammer hatte heule wieder eine nahezu sechsstündige Beratung mit den drei Mmistern und mehreren anderen Regierungsvcrtretern. Mit den Kapiteln 8897 des Justizetats wurde auch die Beratung über die ent­sprechenden Titel 129 und 130 des Vermögensetats ver­bunden, und dabei die Forderungen für den Neubau des Justizgebäudes und des Provinzialarresthauses zu Mainz (1189700 Mk. als zweite und letz-te Baurate), für den Neu­bau eines Amtsgerichtsgebäudes zu Gießen für Erwerbung von Gelände 6u 000 Mk., für daS Amts­gerichtsgebäude zu Büdingen 1600 Mk., für das Amts­gerichtsgebäude zu Nidda 32300 Mk., für das Amtsgc- richtsgebäude zu Ober-Ingelheim 52 000 Mk. und für die Zellenstrafanstalt zu Butzbach 1570 Mk. bewilligst Im Laufe der Debatte sprach Abg. M 0 l t h a n sein Bedauern darüber aus, daß beim neuen Mainzer Justizgebäude das Gefängnis so nahe an die Hauptstraße gelegt wird; da­durch würden die neuen Häuser in der Gegend erheblich an Wert verlieren. Zu dem gesternt von einem AuSschuß- mitglied zur Sprache gebrachten Vorfall des Metzgermeisters aus Nierstein, der trotz seines kranken Zustandes zur W- büßung einer mehrmonatlichen Gesängnisstrafe nach der Butzbacher Strafanstalt verbracht wurde und daselbst ver­starb, gab Justizminister Ewald eine eingehende Dar­stellung über den ganzen Sachverhalt, aus der hervor­geht, daß die Behörden durchaus korrekt gehandelt haben und sic an dem traurigen Verlauf keine Schuld trifft. Zu Kap. 36, Landes Universität, hatte Abg. Dr. Weber den Antrag gestellt,hohe Kammer wolle be­schließen, die Stelle eines außerordentlichen Professors der Forstwissenschaft nur auf Inhaber zu bewilligen." Der Antragsteller begründete seinen Antrag damit, daß die Negierung im Falle der Neubesetzung nicht mehr freie Hand habe, um den Bestrebungen Rechnuna zu tragen, die darauf abzielten, das Jnstiwt evcnt. in Gemeinschaft mit anderen Staaten weiter auszubauen, oder ferne Verlegung anzubahnen, um vielleicht ein gemeinsames Institut an einer süddeutschen Universität, etwa Heidelberg, zu errich­ten. .Der Antrag wurde der Regierung zur Erwägung Überwiesen, nachdem Abg. Dr. Gut f leis ch beantragt hatte, daß der Senat der Universität über diese Sache gehört werden soll und ihr natürlich auf andere Weise voller Ersatz geboten worden ist. Der Ausschuß genehmigte weiter noch die rückständigen landwirtscyastlichen 5l'apitcl 60 und 7075, über die Abg. Hirsche! referierte. Tie beiden Anträge des 2lbg. Dr. Weber, die Entschädigungs­grenzen für an Milzbrand usw. gefallene Ziegen und Schafe angemessen zu erhöhen und im südwestlichen Teil des Kreises Schotten eure Gestütsstation zu errichten (etwa in Ulfa) gelangten zur Annahme, lieber Art. 30, Provinzial­direktionen und Kreisämter, Kap. 62, Jnvalidensonds (wo­bei die Kreisblattfrage mit zur Erörterung kommt) und einige Restkapitel aus dem Vermögensetat soll nrorgen noch beraten werden, womit »alsdann der gesamte Staats­haushaltsetat vom Finanzausschuß bis auf die Ge­nehmigung der einzelnen, von den Ausschußberichterstattern fertigzustellenden Finanzberichten erledigt ist. Gleichzeitig gedenkt der Ausschuß auch noch die Regierungsvorlage über die Ruhegehaltsverhältnissc ?c. der im Gcmeinschastsdienst angestelltcn Staatseisenbahnbeamtcn zu erledigen.

Ans Stadt emO LanS.

Gießen, 7. Februar 1908.

Bad Salzhausen Bad Selters.

In der Presse sind letzter Tage verschiedene Nach­richten über Bad Salzhausen ausgeiaucht, die letzte dieser "Nachrichten behandelt wieder die Bevorzugung Nauheims vor Salzhausen; es wird darin sogar angedroht, eine diesbezügliche Beschwerde an die Landstände einzureichen. Bei aller Liebe für den schönen Ort Salzhausen dürfte es zwecklos erscheinen, von staatswegen noch mehr Geld­opfer für das Bad zu bringen, als es seither geschehen. Wenn die gegentvärtige Bohrung den gehofften Erfolg

......................................... II HUI IHIBII l|l| Uli ||||lil |1| bringt, dann ist dem Bade geholsen uno gleichzeitig auch den verschiedenen Sperulanten, die sich nun einmal vertan haben, indem sie ins Ungewisse Hotels und Häuser bauten, ohne daß dafür eigentlich ein Bedürfnis vorhanden war. Jetzt ist Salzhausen vorwiegend noch einArmen- und Paisanten-Bad", das beweist die Abnahme der Bäder im vorigen Jahre, als die Preise erhöht werden mußten. Die Hauptfrequenz des Bades erfolgt von Tagesreisenden aus der Umgegend, die den Hotels fast keinen merklichen 9Uttzen bringen, indem sic nach genommenem Bad sogleich wieder entweder nach Nidda oder Salzhausen zur Bahn gehen. Was für das Bad an Verbesserungen der Anlagen, Kon­zerte 2C. getan wird, ist so vielfach, daß dadurch im Verein mit einem neuen Badehaus ein voller Erfolg möglich wäre, wenn das Bad eben begehrt wäre jetzt ist es noch Ausflugsort und wird es auch bleiben, wenn keine neue ergiebige Heilquelle erbohrt wird. Ein in der Presse gemachter Vorschlag, den Sprudel bei Selters (Ortenberg) nach Salzhausen zu leiten, wird hinsichtlich der Aussührbarlcit zwar zugegeben, doch dürfte der Kosten­punkt so groß tocroen, daß dadurch eine Nentabilität von vornherein ausgeschlossen erscheint. Dieser Sprudel be- sindet sich nämlich in Händen einer Gesellschast, die dem­nächst Baulichkeiten in Angrifs nehmen wird, nm zunächst die Kohlensäure des Sprudels zu verwerten, serner steht die Erössmmg eines Bades und Luftkurorts Selters in nicht zu ferner Zeit bevor. Die Besitzer würden deshalb wohl dem Staate eine Forderung stellen, die für Salzhausen noch anzulegen sehr gewagt erschiene.

* * Landesuniversität. Se. Kgl. Hoh. der Groß- Herzog haben den ordentlichen Professor in der evangelisch- theologischen Fakultät der Landesuniversität D. Paul Drems ui Gießen auf sein 9!achsuchen mit Wirkung vom 1. April 1908 an aus dem Staatsdienst entlassen.

* * In Audienz empfangen wurden von Sr. K. H. dem Grobherzog am Rlfttwoch u. a. KreiLstraßenmeister Zörb von Friedberg und Bürgermeister Hofmann von Wölfersheim.

* * RuhestandSversetz u n g e n. Se. K. H. der G r 0 ß- h erzog haben den Bahnhofsvorsteher in der Hessisch-Pceuß. Eisenbahngemeinschaft Slonr. Arnold zu Lauterbach auf sein Rachsuchen wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand versetzt und ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Pedellen an dem Lehrerseminar zu Friedberg Hch. Hofmann auf sein Rachsuchen in den Ruhe­stand versetzt.

* Gerichtspers0nalieu. Se. Kgl. H. der Groß­herzog haben den AktuariatSassisteuten bei dem Amtsgericht "Alzey Karl Pfeiffer zum Aktuar bei dem Amtsgericht Wörrstadt ernannt.

* * Uebertragen wurde dem Lehrer Joh. Flach zu Groß-Karben eine Lehrerstelle an der Gememdeschule zu Harxheim.

** Gießener Industrie. Die Firma C. Klingspor kaufte die altbekannte Zigarensabrik von A. Heß Söhne in Schotten. 9)iit der Uebernahme des Betriebs dieser Fabrik am 1. April steigt die Zahl der bei der Firma Klingspor beschäftigten Arbeiter auf über 1000; die von ihnen erzeugte Wochenproduktion beläuft sich auf über eine Million Zigarren.

** Ob er hessische Gesellschaft für Natur- u n b Heilkunde. Am 30. Januar fand die General­versammlung der Gesellschaft im physikalischen Institut statt. Bei Erledigung des geschäftlichen Teils wurde von dem Rechner der Gesamtgesellschaft der Rechnungsbericht vorgelegt. Es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß in Anbetracht der regeren Tätigkeit, die die Gesellschaft in den letzten Jahren entfaltet, die Mitgliederzahl, die durch Fort­zug von Mllgliedern gesunken ist, sich wieder heben rverde. In seinem Vortrag über Radioaktivität führte Privatdozcnt Dr. Schmidt etwa folgendes aus:

Kurze Zeit nach Enld.'ckiing der X-Strahlen durch Röntgen im Jahre 1895 tonnte ber französische Physiker Becquerel be- rid)ten, baß von einem Uranialz Strahlen ausgingcn, die durch sckpvarzes Papier hindurch eine photographische Platte beeinflußten. Becquerel konnte weiterhin zeigen, baß alle Uranvcrbinbungen derartige Strahlen ausfend.n und daß man die Stärke dieser Strah­len quantitativ mit dem Elektroskvp messen kann. Später wurde in Deutschland und Frankreich beinahe gleichzeitig gefunden, daß auch das Element Thoriumradioaktiv" ist. Toch ein eigentlicher Aufschwung dieses neu erschlossenen Gebietes setzte erft dann ein, als das Ehepaar Curie in Paris aus Pechbleudcrückständen, die bei der technischen Fabrikation des Urans als wertlos bei Seite geworfen waren, zwei neue sehr stark radioaktive Substanzen, das Poloniund und das Radium, hergestellt hatten. Bon anderen Forichem wurde noch das Aktinium, das Rabioblei und das RadivteÜur entoeckt. Bon diesen Substanzen ist Radium zweifel­los ein neues Element, M es ein wohldefiniertes Spektrum und das Atomgewicht 226,5 hat. Bei den anderen Substanzen ist ein Nachweis ihres elementaren Charakters auf diese Weise nicht ge­lungen. Tie radioaktiven Substanzen senden dreierlei ver­schiedene Strahlenarten aus: a-, ß=,unb ^-Strahlen. Die «-Strahlen sind positiv geladene wlasseteilchen, die mit einer Ge­schwindigkeit Von zirka 30 OOu Kilometer in der Sekunde iveggL- jchlenderl werden, die chTeilcheu sind Elektronen, d. h. ne­gative elektrische Elementareuanta, die mit einer ungeheuren Ge- Ichwinbigkcit von 200 OUO Kilometer durch den Raum fliegen und die ^-Strahlen eine Art sehr harter Röntgenslrahleil. Tiefe drei Strahlenarten unterscheiden iici) materiellen Körpern gegenüber durch ihre Turchonngungssähigteit. Der Vortrag wurde von einer Reihe lehrreicher Experimente begleitet.

Obgleich an demselben Abend noch zwei andere Vor­träge stattsanben, war ber große Hörsaal des physikalischen Instituts fast ganz gefüllt. Der zweite Vortrag über Radiv- attivität es sind ber Gesellschaft int ganzen drei Vor­träge von dem Redner zugesagt worden siubet Donners­tag, 13. Febr., 81/2 Uhr abends, ebenfalls im Physikalischen Institut statt. Der Vortragende hat sich bereit erklärt, jeden einzelnen Vortrag so zu gestaiten, baß er auch ohne Kenntnis des vorhergegailgenen verständlich ist. Wie zu dem ersten, jo sind auch zu den übrigen Vorträgen Gäste willkommen.

* Wohltätigkeits-Konzert des Kronbauer'schen Quartett-AereinS. Frau Anna Jiaempcvt, die schon einmal