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Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 8. September 1808
erscheint täglich, außer ® vezugSpret-r
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ltaisermanöoer (908.
„ ak. Den Kaiserparaden von Metz (26. August) und Straß- bum (29. August) folgen, nachdem das 15. elsässische und 16 lothmrgifchen Armeekorps irf der Zwiscl-envit fricj5i]iinä§c Märsche «uSgefühvt haben, die sie m die Nähe des Manövergeländes bringen, in den Tagen vorn 8.—10. Septem bev die Kaisermanöver. Zu ihrem Schauplatz hat man diesmal das Geländeviereck Saargemünd, Metz, Saarburg, Zabern auSersehen. ein waldiges Hügelland, das für Hebungen großen Stils sehr geeignet ist. Wo die Hmlptschlacht stottfinden wird, läßt sich iwch nicht des näheren bestimmen; imüglich, daß wegen der im Westen dieses Vierecks befindlichen dichtere Waldungen und Küustwasserstraßen das kriegerische Schauspiel aus das mehr offene Terrain an der Eisenbahnlinie Straß- bnvg—Metz, südlich von St. Avold und Saargemünd verlegt wird. Beteiligt an ihnr sind das 15. und 16. preußische Armeekorps, doch hat man <rud> die in den Reichslanden stehenden Truppenteile anderer bundesstaatlicher Kontingente, wie Bayern, wachsen, Württemberger, Hessen und Badenfer, sowie die in der bayerischen Rheinpsalz garnisonierende 3. bayerische Division herangezogen, w day rede der beiden Kricgsparteien 3 Infanteriedivisionen und -eine Ltävalleriedivision stark sein wird. Führer der einen Partei ist der kommandierende General des 15. Armeekorps in Straßburg, General der Infanterie Ritter Hendschel v. Gilgenheimb, desseii Stabschef ein Kavallerieoberst v. Pappritz ist, Führer der anderen der kommandierende General des 16. Arnieekorps in Metz, das in diesem Jahve zum erstenmal am Kaiscrmanövcr teilnimmt, General der Infanterie v. Prittwitz und Gaffron, dem als Ches des Genera lstabes Oberst v. Falkenhayn, der vor acht Jahren die ostasiat!sä>c Expedition mitmachte, beigegcben ist.
Die taktischen'Bvrbereitungen zum diesjährigen Käisermanöver lagen zum erstenmal in der Hand des neuernannten Chefs der 'Dlanöverabteitung, Oberstleuttiant Bronsart v. Schellen do rf, der durch seine Teilnahme am russisch-japanischen Kriege und durch sein Buch „Sechs Monate beim japanischen Heere" auch dem größeren Publikum kein Fremder mehr sein dürste. Die vcrwaltungstec(iiische Seite der Manöver mit ihrer Verpflegung, ihrem Transport und ihrer Biwaksunterbringung ist auch diesmal dem aus den Reichstagsoerhandlungen befannten Generalmajor v. Loclzow anvertraut. Die allgemeine Kriegslage dagegen bat tvieder der Ches des Großen Generalstabcs, General v. Moltke, bearbeitet, dessen Arbeiten schon bei den Kaisermanövern 1906 lNiederschlesien) und 1907 (Weftsalen) wegen ihrer klassischen Eiu- sachheit und Allgemeinverstmdlichkeit das Lob aller Sachver- ständigen hervorriefen.
Obloohl die allgemeine Kriegslage, also die Operationsgrundlagen der beiden manövrierenden Armeen, den beiden kornman- dievenden Generalen fdjon am 1. September zugegangen sind, so werden sie doch, falls man nicht im Großen Generalstab über- ha'ipt von ihrer Vcrösfenttichuna durch die Presse absieht, nicht vor dem 9. September der größeren Oefsentlichreit bekannt gegeben werden. Cs erscheint daher ziemlich müßig, sich jetzt sckwn damit zu beschäftigen, ob, wie Manöverpropl/eten wissen wollen, durch die Mumöver die Kriegslage vom 7. bis 14. August 1870 hevaestellt werden soll, oder ob eine neue Lage dadurch geschaffen wird, daß man die Festung Metz als nicht vorhanden annimmt. Hlnb ebenso ungewiß niuß cs bleiben, wo die Entscheidung fällt. Immerhin aber laßt sich daraus, daß der Kaiser mit seinem Ge- ,folge von Fürstlichkeiten und der Stab der Oberleitung in Kürzel (Courcelles- liegt und die fremdländischen Offiziere in Saarbrücken einquartiert sind, schließen, daß die Entscheidungsschlacht etwa in der Gegend von Füllingen oder Gr. Tünchen stattfindet. Freilich, das Automobil könnte auch durch diese Rechnung einen Strich machen.
Was den diesjährigen Kaisermanövern ihre politische Bedeutung gibt, ist, daß sie in den Reichslanden, nur etwa 30 bis 40 Kilometer von der französischen Grenze statt finden. Die Ruhe, ja, Neugier und Bewunderung, mit der Frankreich bisher den Vorbereitungen zu den Manövern und den beiden Kaiserparadcn folgte, zeigt, wie loenig — trotz aller türkischen und marokkanischen tUcberrafd; ungen — heute für den Weltfrieden zu fiirchten ist ßm Zeitalter des Bonlangismus und im Deleasse-Jahr tvären diese Manöver ohne deutsch-französiscl-e Mißhelligkeiten nicht möglich gewesen. Heute dagegen sieht man in ihnen jenseits der Vogesen nur ein glänzendes Schauspiel, das von der — allerdings mit Neid anerkannten — militärischen Stärke Deutschlands Zeugnis ablegt. Eine ganze Reihe von Fürsten werden als Gäste des Kaisers dem Manöver beiwohnen, so der Erherzog Joseph von Österreich, die Könige von Sachsen und Württemberg, Prinz Leopold von Bayern usw. Ter König von Italien, auf dessen Erscheinen als Chef des 13. (Tiedenhofener) Hilsarenregiments man noch Anfang Juni hoffte, scheint allerdings ausbleiben zu wollen. Schließlich sei noch bemerkt, daß die beiden Paladine des deutschen .Heeres im Westen und Osten, Graf Häseler und General v. d. Goltz, nicht fehlen werden.
Eine große Bedeutung haben die diesjährigen Kaiscrmanövcr buch nach der taktischen und technischen Seite hin. So werden hier, um nur einiges anzuführen, zum erstenmal die neue Fcld- dieuft- und die neue Manöverordnung, also die Neuschöpsungen des Jahres 1908, die Feuerprobe zu bestehen haben. Es wird sich zeigen müssen, inwieweit ihre Veränderungen Führern und Mannschaften ui Fleisch und Blut übergegangen sind, und wo sich Verbesserungen nötig machen. Daneben wird zum erstenmal der ganze Apparat der neuen kriegstechnischen Errungenschaften in Erscheinung treten. Die Erleichterung des Jnfanteriegepäcks, die Bespannungen der schweren Artillerie des Feldheeres, die Feldfernsprecher, die Jeld- und drahtlose Telegraphie, die fahrenden Feldküchen, die §ttrchrichtcnübernrittelungZ)urcy Motor-Radfahrer, die Telefunkenapparate in Metz und Straßburg, die 40 Wagen des freiwilligen .Automobilkorps intb die 38 Kraftfahrzeuge der Betriebsabteilung der aus Berlin hwangezogenen Eisenbahnbrigade, der mit gemieteten Automobilen ausgerüstete Train, die SanitätSautontobile und die der Artillerie beigegebenen Vial- und Zeißapparate zum Markieren der Geschützwirkung find dabei ebenso wiclstig, wie die Tatsache, bafjjebent Armeekorps diesmal auch eine Lustfchisferabteilung mit 6 Fesselballons beigegeben ist. Nimmt man noch hinzu, daß alle Bataillone durch Reserven auf ihre kriegsgemäße Starke gebracht und die Regimenter mit zwei Bataillonen um ein drittes vermehrt sind, so kann man sich vorstellen, daß die Kaisermanöver diesmal ein Bild des modernen Krieges bieten, wie es grandioser nicht gedacht werden kann. Fast scheint es, als sollten mit ihnen die Begegnungsgefechte mit ihren langen schweren Nlärschen aus dem Programm verschwinden und an iyvcr Stelle ein längerer Positionskampf treten, wie ihn der russisch-japanische Krieg des öfteren zeigte.
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Kürzel, 7. Sept. Beide Parteien haben den Vormarsch ttngelreten. DaS Wetter ist schön und sehr warm. Tie Manöver l e i t u n g mit dem General der Infanterie v. Rttrltke an ter Spitze liegt in Kürzel, ebenso der ztriegsminister o. Einem atü feinem Stab. Oberster Schiedsrichter i)t der Kaiser. £ber> jchiedsxichter sind General der Artillerie o. Dulitz, .General der
Kavallerie v. Kleist, General der Kavallerie v. Pfuel und General der Infanterie v. Beseler; Schiedsrichter sind der bayerische Generalleutnant Graf Erbrecht von Dürckherm, Generalleutnant v. Deines, der württembergiscke Generalleutnant Frhr. v. Starkloff, die Generalmajore Kettembeil, v. Gucndell, v. Stangen, Matthias und v. Steuben, sowie die Obersten Stein und Wandel.
Di Hingen a. d. Saar, 7. Sept. Der Kronprinz traf heute nadjmütag 12 Uhr 36 Minuten mit dem Schnellzuge von Trier hier ein, wo er die Panzerplattensabrik der Dillinger Hüttenwerke besichtigte. Um 3 Uhr 35 Minuten erfolgte im Automobil die Weiterreise nach Saarbrücken.
St. Johann-Saarbrücken, 7. Sept. Der Kronprinz traf cheute nachmittag 4 Uhr 15 Minuten im Automobil von Dillingen zur Teilnahme am Kaisermanöver hier ein.
St. Johann, 7. Sept. Prinz Leopold von Preußen ist heute nachmittag um 5 Uhr 50 Minuten zur Teilnahme an den Kaisermanövern hier eingetroffen. — Um 6 Uhr 30 Minuten traf der Großherzog von Baden mit Gefolge hier ein, int gleichen Zuge der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, ebenfalls nebst Gefolge. Die Herrschaften begaben sich ist Begleitung ihres Ehrendienstes zu den Quartieren.
St. Johann-Saarbrücken, 7. Sept. Außer den bereits bei den Paraden in Metz und Straßburg genannten hohen Offizieren nehmen noch an den Manövern teil und sind hier ein» getroffen: der Chef des Generalstabks der bayerischen Armee Generalleutnant Fasbender, der großbritannische Ärigadier-Ge- neral Stuart-Wortley, der amerikanische Generalmajor Wood, die vier Herren der brasilianischen Delegation, der scl-weizerischc Divi- sionär Sprecher von Bernegg, der schweizerische Major Creseole, der Kvinmandeur der Luftschisferabteilung Major Groß, ferner die Militürataches Oberst Wisser-Amerika, Major Toranzo-Ar- gentrnien, Major Ostvrnol-Chile, Oberst Trench-Großbritannien, Oberst Pamanashi-Japan, Oberst Monluori-Jtalien, Oberstleutnant Klepsch-Kloth von Roden-Oesterreich und Generalmajor von Tatis chef s-Rußland.
Ur Ville, 7. Sept. Die Fahrt des Kaisers ging heute morgen von Straßburg über Zabern-Finstingen-Großtänchen. Hierbei überholte der Kaiser zunächst bei Saarburg die 30. Divi- swn und die bayerische Division, beide zur blauen Partei (15. Korps) gehörend, und begegnete später der aus Metz äusmar- schierlen 34. Division von der roten Partei 16. Armeekorps). Mit dem 'Kaiser hat in Ur Ville das Hauptquartier Wvy- nung genommen. Hierzu sind außer den früher genannten Herren getreten: Generaloberarzt Dr. v. Jlberg, der Flügeladjutant Kapitän zur See v. Rebeur-Paschtvitz und der Ordonnanzoffizier des Kaisers, bayerischer Oberleutnant Frhr. von Thüngen. Nachmittags 5 Uhr 50 Minuten traf auf Bahnhof Kürzel Erzherzog Franz Ferdinand von Oester re ich-Cste mit Gefolge, Kammervvr- fteber Frhr. von Rumerskirch, Alaior Brosch Edler von Aareiiau und Haupttna-.in Gras Gudehts, ein. Zum Empfang Hatter sich eingefunden der Kaiser, der die Uniform eines österreichischen Generals trug, Prinz August Wilhelm, der Fürst zu Fürstenberg und daS Gefolge. Nach herzlicher Begrüßung schritt der Kaiser die Front der vom lothringischen Infanterieregiment Nr. 135 gestellten Ehrenkompagnie mit feinem hohen Gaste ab, der die Uniform seines preußisck-en Ulanenregimenls trug, und nahm den Vorbeimarsch^ab. Darauf begaben sich die Herrschaften im Automobil nach Schloß Urville, luo der Erzherzog Wohnung nahm. Zum Ehrendienst beim Erzherzog sind befohlen General der Kavallerie v. Deines, und Rütmcister Graf von Kügeneck, der Militär- attackte in Wien, der ebenfalls zum Empfänge anwesend war.
Deutsches rreich.
Der 15. Internationale Straßen- und Kleinbahnen-Kongreß wurde gestern vormittag in München eröffnet.
Neuer türkischer Botschafter in Berlin. Die Ernennung Ghazi Osman Nizami-Paschas zum Botschafter in Berlin wird amtlicl) bekannt gegeben.
Ausland.
Der Papst empfing gestern tausend französische Pilger und hielt dabei eine heftige Rede gegen die fran- z ö s i s ch e R e g i e r u n g. Er erklärte, daß die französischen Republikaner die Freiheit mit Füßen träten, obgleich sie unaufhörlich dieses Wort im Munde führten.
Prag. Bei den gestrigen Beratungen des internationalen Handelskammer-Kongresses über die Vereinfachung der Zoll-Formalitäten ereignete sich ein Zwischen faltt Herr Berg vom Warschauer Börsenkomitee stellte die Forderung auf, daß die Zoll-Formalitäten nicht zu politischen Zwecken mißbraucht werden sollten und behauptete, daß Deutschland die Einfuhr von russischem Vieh unter dem Vorwande von Gesundheitsrücksichten verhindere. Darauf erhob sich Generalsekretär Sötbeer aus Berlin und protestierte gegen diese Insinuation und betonte, daß die deutsche Regierung keineslvegs die Zolloerträge umgehe.
» Prinz Arthur von Connaught, der Bruder des Königs von England, wurde in Glasgow nach einer Revue über 10 000 Kadetten beim Verlassen des Rathauses, wo ein Festmahl stattgefunden hatte, von tausenden Arbeitslosen mit wüsten Rufen und Pfeifen empfangen. Als das Orchester „God fave the king" spielte, blieben alle Häupter bedeckt, wogegen das Abspielen der Marseillaise und sozialistischer Melodien Begeisterung hervorrief. Weiter wird aus Glasgow noch berichtet: Nach einer Versammlung, in der heftige Reden gehalten worden waren, versuchten etwa zweitausend arbeitslose Sozialisten in die Kathedrale einzudringen, gerade als der Nachmittags-- gottesdienst beginnen sollte. Die Polizei, die gewarnt worden war, war in großer Stärke zugegen und trieb die Menge mit ihren Knütteln zurück, wobei mehrere Ruhestörer ernstlich verletzt wurden.
Rußland und Finnland. Auf Antrag Stolypins beschloß der Ministerrat, wegen eingetretenex Ruhe den Kriegszustand in Finnland aus zu heben und durch den Zustand des verstärkten Schutzes zu ersetzen.
Herabsetzung des Teeaussuhrzolies. Die chinesischen Behörden beabsichttyen die Herabsetzuiig des Teeausfuhrzolles, um den Teehandel mit Europa zu förderii.
Aus Stadt und Lau-.
Gießen, 8. September 1908.
** Zur Landtagswahl. Tie in Grebenhain abgehaltene Vertrauensmänner-Versammluna des Bundes b;er Lan't>nmtH. beschtvß Zbei den öepoDtehenden
Landtagswahlen im Wahlkreis Herbstein - Ulrich- ftein den seitherigen Vertreter Bürgermeister .Schmalbach in Crainfeld zu unterstützen.
• • Pfarrperfonalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Pfarrer Wilhelm Hotz zu Schlitz die evang. Pfarrstelle zu Dietzenbach übertragen.
"Der Hessische Landeöausschuß des Deutschen Flotten-Vereins hielt am SamStag zu Frankfurt a. M. eine Sitzung ab. Der Vorsitzende, Dr. Willy Merck, erstattete eingehenden und anschaulichen Bericht über die bedeutsamen Vorgänge im Flotten - Verein, die sich seit der letzten AuSschußsitzung vom 21. Dezember vor. Jö. abgespielt haben. Einhellig wurde der von dem Engeren Ausschuß in seinem Rundschreiben vom 4. Juli eingenommenen Haltung zugestimmt, dem neu gewählten Präsidium Vertrauen entgegen zu bringen, im übrigen aber zunächst eine abwartende Stellungnahme einzunehmen, wie sich die Verhältnisie weiter entwickeln. Tie nächste Sitzung soll Anfang Oktober in Darmstadt stattfinden.
• • Vogelsberger Höhen-Club. Vom denkbar besten Wetter begünstigt unternahm am Sonntag der V. H..C., Zweigverein Gießen, mit 22 Mann feine Septemberwanderung nach dem schönen Hinterland. Von Münchhausen, bis wohin die Bahn benutzt wurde, begann zunächst der Marsch über Berghofen nach dem schön gelegenen Battenberg, wo gegenwärtig die tapferen Krieger der hiesigen Garnison in Quartier liegen. Nach Besichtigung der Ruine und nach ge- nosienem herrlichem Rundblick von der Kaiser-Wilhelms-Eiche erfolgte der ziemlich anstrengende Weitermarsch nach dem reizenden Edertal. Der Weg führte mit vielen Windungen, die immer neue, entzückende Aussichten ermöglichten, über uiehrere Höhenrücken wieder in das Tal, durch friedliche Dörfer und zum Schluß über einen mächtigen Felsen, auf dem die Ruine Hatzfeld liegt, nach dem Dorfe gleichen Namens. Unterwegs fiel den Wanderern das Charakteristische der dortigen Bauernhäuser auf, die mit ihren hohen Giebeldächern und ihrem weißen Verputz, von dem die dunklen Balken wohltuend sich abhoben, einen überaus freundlichen Anblick ge- währten. Von Hatzfeld, das malerisch, an den oben erwähnten Felsen sich anlehnend, gelegen ist, begann nach einstündiger Rast der Aufstieg nach der Sackpfeife, dem höchsten Punkte im Hinterlande und der Wasserscheide zwischen Lahn und Eder, bezw. Rhein und Weser. Da der seither dort befindliche Holz- turm wegen Altersschwäche eingestürzt und ein neuer noch nicht erbaut ist, so war die Aussicht, welche die Wanderer füi den mühseligen Aufstieg hätte entschädigen können, nicht zu denken. Mit ziemlicher Ermüdung ging es nunmehr nach dem Endziel Biedenkopf, von wo aus nach einem Schluß- trank das Dampfroß die Teilnehmer ihrer Heimat wieder zuführte.
" Die Generalversammlung des Evang. Kirchengefangvereins für Hessen findet Donnerstag, 17. Sept., vormittags 10 Uhr, in Darmstadt statt. Neben den geschäftlichen Verhandlungen dürfte besonders der Vortrag des Pfarrers Marx-Walldorf über „Die Schwierigkeit dei Kirchengesangoereinsarbeit, speziell auf dem Lande' interessieren, dem eine Diskussion folgen wird.
• • Besihwechsel. Schumachermeister Ioh. Kneipp kaufte das Anwesen Großer Steinweg Nr. 3, seitdem dem Bauunternehmer Will). Seipp III. gehörig, zum Preise von 25 500 Mk.
• • Ruhestörungen im Neuenweg. Zu dem gestrigen Eingesandt über nächtlichen Unfug sei mitgeteilt, daß vor etwa acht Tagen sechs hiesige junge Leute wegen ähnlicher Vorkommnisie zur Anzeige gebracht wurden. Möglicherweise handelt e§ sich um dieselben lieben Leute, die das gestrige Eingesandt meinte. Da die Polizei nicht überall sein kann, werden solche Vorkommnisse auch in Zukunft nicht ausbleiben. Jedenfalls würde aber die Mithilfe des anständigen Publikums erheblich dazu beitragen, solche Vorkommnisie zu vermeiden.
** U«getreue Arbeiter. Eine hiesige Fruchte hanLlung beschäftigte einen Arbeiter ans einem benachbarten Dorfe schon einige Jahre ständig. Vor einiger Zeit sagte der Arbeiter zum Lageristen, daß seine Schwiegermutter wieder wie auch im vorigen Jahre vier Sack Weizen geerntet und diesen zum Verkauf bringen wolle. Ter Weizen stand denn auch eines Mittags auf der Laderampe des Lagerhauses und der Arbeiter gab an, die Schwiegermutter habe ihn daselbst abgeladen. Der Weizen wurde verwogen und dem Lager einverleibt, es stellte sich aber heraus, daß ihn der Arbeiter zuerst vom Lager gestohlen hatte und bann verkaufte. Die Geschichte mit der Schwiegermutter war erfunden, wie auch der verkaufte Weizen im vorigen Jahre nicht von derselben stammte, sondern ebenfalls vom Lager gestohlen und an den Bestohlenen wieder verkauft worden war.
** Diebstahl. Einem hiesigen Einwohner wurde gestern mittag auf seiner Wiese am Wiesecker Weg, wo er mit Grummetmachen beschäftigt war, Rock, Weste, Uhr und Geld gestohlen.
Unhaltb.are Zustande. Zu dem Ausbruch der fünf zur Beobachtung ihres Geisteszustandes Aufgenommenen aus der Landesirrenanstalt bei Hofheim erfährt man, daß nach dem Geständnis des Hartwig dieser aus einem Stud Draht, den er bei einem Spaziergang im Hofe fand, sich einen Sperrhaken für die Oeffnung des Schlosses zu. recht machte. Von maßgebenden Persönlichkeiten wird Der» Nchert, daß jeder Schlosser oder sonstige Fachmann bei den jetzigen Zuständen in Hofhe.im mit Leichtigt'eir in der Lage je.:, mit einem Draht»usw. die Türen zg öffnen^ da für


