Ausgabe 
6.10.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Zweites Blatt

Nr. 335

158 Jahrgang

Dienstag «.Oktober 1908

Erscheint täglich mtt Ausnahme des Sonntags.

*

l\

M

DieGiehener Zamttienblatter" werden dem /Änjetgcr* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Folkething. Der von der linken Reformpartei und der gemäßigten Linken eingebrachte Antrag, der Folkething möge seinen Willen aussprechen, an der Milderung der Folgen des von Alberti begangenen Verbrechens mitzuwirken, wurde mit den Stimmen dieser Partei angenommen: die übrigen Parteien enthielten sich der Mstimmung. Die nächste Sitzung wurde auf den 13. Oktober festgesetzt.

Casablanea wird die Einschiffung von 3000 Mann französischer Truppen genieldet, die nach Algier zurückkehren. Es bleiben noch 8000 Mann ohne die spanischen Truppen im Schauja- Gebiete. General d'Amade wird mit seiner Beförderung nach Frankreich zurückkehren. Sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS - Buch- und Stemdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Drirckerei: Schul* straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

zahlreichen Revolveiffchüssen empfangen. Das Pferd eines Poli- ttiten wurde getötet. Die Polizisten machten von ihren Säbeln »Sebrauch nnb verletzten sechs Personen schwer. 14 Personen p-urden verhaftet und die übrigen Demonstranten zerstreut.

Das Befinden des Königs von Rumänien hat such so weit gebessert, daß der König sich wieder mit Staatsgeschäften beschäftigt.

heater-u.Bali-

L SalooonJJiL

*

Der Großherzogin Verkaufstag. Zur Orientierung des Publikums über den genaueren Zweck des am 14. November d. Js. im alten Schloß zu Darmstadt in Aussicht genommenen Verkaufstages I. K. H. der Groß Herzogin haben wir vom Hofmarschallamt die Nach­richt erhalten, daß der Erlös des Verkaufstages dazu dienen soll, unterstützungsbedürftigen Lungenleidenden des Groß- Herzogtums die Möglichkeit zu geben, hauptsächlich in den Wintermonaten Aufnahme in den Heilstätten oder Kranken­häusern zu finden. Besonders sollen die berücksichtigt werden, die kein Anrecht auf Krankenkassen-Unterstützungen haben.

Gefunden

der Sirchweihe zu Waben. ,'Ä Mderg wurde bei br wn -chimberg 1 Taschen- fleiunben. M

Burgemeisterei Wiele-t

Ein Hund ®

Karte zugclauseu. iuholenBabnboAakAM

>Ul.

kleines LenMewLL»

. Aus Mainz wird uns iintcnn 2. Okt. geschrieben: Davidoffs Musikmärchen ,,D i e versunkene Glocke" ging gestern über die Mainzer Bühne und erlebte damit zugleich seine deutsche Uraufführung. Als Hauptmanns gleichnamiges Märchen­drama, das dem Libretto zugrunde liegt, vor einigen Jahren ccichien, hielt man cs allgemein sehr zur Vertonung geeignet, Mnb tatsächlich find ja manche Szenen, die förmlich Musik vec- l.tngen, wie die Lieder des Rautendelein u. dergl. Als Ganzes cber weist das Draura doch zu wenig steigende Handlung auf, um rastlos in ein Mufitdrama aufgelöst werden zu können. Die ^Erarbeitung eines erprobten Schauspiels zur Oper ist an sich schon mit großen Schwierigkeiten verknüpft, und nun gar bei der tsrsunkeneu Glocke. Daß Davidoff den Versuch trotzdem wagte, ist nur aus seinem ausgezeichneten Charakterisierungstalent er- ü-örlich. Nun sind ihm auch einzelne Teile wundervoll gelungen, als Ganzes aber ist es zwiespältig uni) der poetische Gehalt des Dramas ist nicht nur nicht bewahrt, sondern sogar vernachlässigt Mb zum Teil verwässert worben. Als fraglos wirksamster Akt Miß ber erste gelten, als musikalisch wertvollster der dritte; der 5d)lufo aber fällt wiederum start ab und ist so ziemlich ohne ^npfindung und sonderliche Wirkung. Alles in allent ist es ein sarbenprächtiges Stimmungsgemälde von niedlicher und auch an- iprechender Melodik, einen tieferen Gehalt hat es aber nicht auf- r.iiroeil'cn. Davidoff hat es jedoch verstanden, die Zuhörerschaft iu fesseln und angenehm zu unterhalten, und so erlebte, sein 'Lerk eine recht freundliche, teilweise sogar begeisterte Aufnahme, 'd rektor B e h r e n d, dem die Mainzer Bühne manches zu danken bat, hatte auch diesmal keine Mühe gescheut, um eine wirkungs­tolle Aufführung zu sichern, und da außerdem Hofrat Stein­bach die musikalische Leitung hatte, so war diese neue Urauf» iijrung von bestem Gelingen begleitet. Die Ausführung, für die ich allenthalben großes Interesse rundgab, fand in Gegenwart des Komponisten statt, der schon nach dem ersten Akte stürmisch lot die Rampe gerufen wurde. O. N.

Frankreichs Ehegesetze und seine Entvöl­kerung. Die erschreckende Abnahme der Geburtenziffer in Frank­reich, die zu stetiger Verringerung der Bevöllernngszahl führt und führen muß, wird schon sert längerer Zeit auf ihre Ursachen hin geprüft, da nur so eine Abhilfe geschaffen werden kann. Große schuld an dem Stande der Dinge tragen die iranzösischen Ehe- geietze, die noch vor einem Jahre eine Heirat berarr erschwerten rind verteuerten, daß sie den ärmeren Klassen unerschwmgbar mürbe, rind viele Paare, namentlich aus den unteren Volksschichten, lieber

auf die gesetzliche Weihe ihres Bundes verzichteten und in milder Ehe lebten, als daß sie sich in Schulden stürzten. Tas Gesetz ver­langte die Vorlegnng von neunzehn Dokumenten, unter denen die schriftliche Einwilligung der Eltern, Geburtsscheine und Aufenthalts­bestätigungen die wichtigsten waren. Der Bräutigam halte außer­dem noch zu beweisen, daß er seiner Militärpflicht genügt hatte. Waren die Eltern tot, so wnrde die Sache noch komplizierter. Dami waren die Totenscheine der Eltern und Großeltern beizubringeu. In Landgemeinden mit alteingesessener Bevölkerung waren die geforderten Papiere naturgemäß leicht zu beschaffen. 'In größeren eiäbten jedoch mit einer aus vielen Provinzen zujainmengeströmten Bevölkerung war dies nur unter großem Zeitverlust und enormen Kosten möglich; bei Ausländern kam zu diesen noch der häufig hundert Franks betragende Preis für- die amtliche Uebersetzung. Manch ein Maire drückte ein Auge zu und traute aui Grund un­vollkommener Papiere, Aber überall war dies natürlich nicht möglich. Im vorigen Jahre setzte Abbe Lemire, eines der wenigen geistlichen Mitglieder der Depntiertenkammer, eine kleine Er­leichterung der Formalitäten durch. Jetzt ist für den, der das dreißigste Jahr überschritten hat, die Einwilligung der Ellern nicht mehr ersoxverlich. So iinbebcntenb diese Konzession erscheint, so nnmiltelbaren, großen Eewlg hat sie anfznweisen. Tie Zahl der Eheschließungen schnellte in die Höhe und betrug int halben Jahre um 8000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ursprüng­lich hatte Abbe Lemire beabsichtigt und versucht, für alle vor dem bürgerlichen Gesetz Großjährigen die Möglichkeit einer freien Ehe- schließnng dnrchzusetzen. Ties erschien aber der Kammer als allzu kühner Vorschlag, und so mußte sich der menschenfreundliche Abbs mit dem Erreichbaren begnügen.

Kleine Chronik a u s Kunst und Wissenschaft. Detlev v. Lilie ncron läßt in den nächsten Wochen seinen Lebensroman erscheinen. Tie Prosa-Dichtung, deren Held vom Kriegsmann zum Dichter sich^ entivickelt, wird den Titel führen Leben und Luge" und bei Schuster & Löffler, Berlin, herans- rommen. Das Buch enthält nach der Ankündigung des Verlags u. a. die Kriegstagebücher Liliencrons, die hier zum erstenmal veröffentlicht werden, und daS Urteil des Dichters über sich selbst und andere Personen. Professor Franz Thorbecke in Heidel­berg ist am Samstag von seiner geographisch-geologischen Studienreise nach Kamerun mit einer reichen iviffen- schastlichen Ausbeute iiach Hause z u r ü ck g e k e h r t. Das griechische Feuer, das in der byzantinischen Zeit Kaiser. Konstantin VII. als Kriegswasfe verwarn"le und dessen "Rezept ver­loren gegangen ist, hat derUmschau" zufolge der deutsche In- Ingenieur R. Fiedler wieder erfunden.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhrgen

fließ ist gestern in Wien eröffnet worden.

Wahlrechtsdemonstrationen in Ungarn. In Zudapest haben gestern abend Demonstrationen für das allgemeine 'Wahlrecht ftattgefunben. Die Polizei wurde Vvn der Menge mit

K-

LKut,- Ä cn rur in maruTli

Politische Lcrgesschoru.

Ein neuer deutsch-französischer Zwischenfall

hat sich nach einer Meldung derKölnischen Ztg." am Sonn­lage in Rabat zugetragen. Der Bote der deutschen Post Muhamed F-ilali geriet in Streit mit den einem sranzösi- ichen Offizier unterstehenden Polizeitruppen. Als er ver- jaftet wurde und dem französi>cheit kommandierenden Osfi- ,ier zugeführt werden sollte, kam es zu einer Schlägerei zwischen den Polizeitruppen und Marokkanern, wobei Mu- ^amed Filali entwischte. Ter französische Offizier verlangte 2om deutschen Vizekonsul die Auslieferung des Postboten. Diese wurde verweigert, jedoch zugestanden, daß der be* treffende Offizier, Hcruv-tmann Reimont, der Vernehmung Les Postboten und der Zeugen beiwohnen könne. Bei dieser Vernehmung haben sich über den tatsächlichen Hergang Ab- toeichungen ergeben. Es ist zu hoffen, daß die weiteren Besprechungen zwischen dem deutschen Vizekonsul und dem sranzösrschen Polizeivffizier zu einer Beilegung des Zwi- sckensalles führen, der sich soweit bisher ersichtlich, nur als eine Schlägerei, zwischen Adarokkanern und Polizei­soldaten darstellt. Aber auch dieser neue Zwischenfall zeigt, daß sich die Franzosen in Marokko schon als Herren fühlen, als wären sie im eigenen Lande.

iriiiMWi

ihslti

** Ordensverleihungen. Se. Kgl. Hoh. der G r o tz- ff erzog haben das Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Hauptmann und Kompanie­chef Fett im Infanterieregiment Graf Barfuß (4. westfäl.) Nr. 17, seither im 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 168, und dem Oberleutnant v. Hoffbauer, Adjutanten der 30. Fcldartillcrie-Brigadc, seither im Großh. Artillcric- korps, 1. Großh. Hess. Feldartilleric-Regunent sJlr. 25, ver­liehen. Der König von Dänemark hat den Major a. D., Kurdirektor Fchrn. v. Starck zu Bad Nauheim, zum Kom­mandeur der 2. Klasse deL Dannebrog-Ordens ernannt.

* Vereinfachte Geschäftsordnung für Ge­rt ch t s s ch r c i b e r e i e n. Nachdem am 1. Januar d. Js. bei den Gcrichtsschreibereien der Aintsgerichte eine neue ver­einfachte Geschäftsordnung eingeführt worden, war vorgesehen, in Bälde die Geschäftsordnung für die Gerichts- schretbereien der Landgerichte ebcttfalls ztt reformieren, zu vereinfachen. Nunmehr hat das Mtnisterium der Justiz mit» geteilt, daß für die Gerichtsschreibereien der Landgerichte eine neue Geschäftsordnung erst mit der Zivilprozeßrcform ins Leben treten werde. DaS Ministerium überläßt es aber den Gerichtsschreibereien der Landgerichte, heute schon die Register, Terminkalender, Urteilsaushänge u. f. w. gleich denen der Amtsgerichte und ähnlich denen, wie sie an den preußischen Landgerichten geführt werden, zu fuhren, wodurch der Ge­schäftsgang und eine Menge Schreiberei erhebliche Verein­fachungen erfahren.

§ R u t t e r s h a u s e n, 5. Okt. Gestern sand in der Gastwirtschaft von Gemeinderat H. Schön II. dahier eine Sitzung der dem nationalliberalen Verein zu Lollar angegliederten hiesigen Ortsgruppe dieses Vereins statt. Parteisekretär Riedel, der zu dieser Sitzung erschienen war, hielt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die Entstehung, Entwicklung und Wirksamkeit der national­liberalen Partei, sowie über die heutigen Parteigruppierungen im Reichstage. Lehrer Wolf hier, der m früheren Jahren rege und mit Erfolg für die nationalliberale Sache tätig war, berichtet viel Jntereffantes aus dieser schweren Zeit und feine Mitteilungen fanden lebhafte Anerkennung. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Hüttenbeamter L. Bittendorf als Ob­mann und Gemeinderat Fritz Krämer als Stellvertreter gewählt.

|| Treis a. Lda., 4. Okt. In unserem Ort hat sich gestern abend ein 1) eite reS Stückchen zugetragen. Ein 21jähriger Bursche wollte seine Geliebte heimführen. Als er mit ihr an ihrer Wohnung angelangt war, hat ihm, wie er erzählte, ein Gespenst in weißem Gewände eine furchtbare Angst eingejagt, so daß er seine Geliebte stehen ließ und eiligst fluchtete. In Wirklichkeit ist das vermeinte Gespenst ein Kollege von ihm gewesen.

+ Alsfeld, 5. Okt. Zur Wiederherstellung des Rathauses. Das unter dem Denkmalschutz stehende hiesige Rathaus hat im Jahre 1912 ein Alter von 400 Jahren erreicht. Wenn auch schon im Laufe der Zeit kleinere und größere Reparaturen vorgenommen waren, so ist doch eine gründliche Renovierung, die sich auch auf die Jnnenräume erstreckt, zurzeit dringend geboten. So gut wie die Stadt Wernigerode im Harz ihr in ähnlicher Bauform errichtetes Rathaus als ein Denkmal aus der Blütezeit des Bürger­tums zu erhalten sucht, muß auch die Stadt Alsfeld unter Beihilfe des Staates lein Opfer scheuen, dieses Kleinod bürgerlichen Gemeinsinnes vor dem Verfall zu schützen. Im Jahre 1512 wurde mit dem Bau des Alsfelder Rathauses begonnen. Das im spät-gotischen Stile gehaltene Bauwerk wirkt ganz besonders durch seine architektonisch wertvollen Holzschnitzereien an den Balkenköpfen, seine kunstvollen Türen und Türgesimse, seinen mächtigen Steinbau des unteren Stockwerkes, sein reiches Holzfachwerk der Ober­geschosse und feine altehrwürdige Gesamterscheinung. Der im Jahre 1878 gefaßte Beschluß des Stadtvorstandes auf Niederlegung des Rathauses würde verhindert durch den Einspruch, den der damalige Kreisrat Hoffmann erhob. Ueber das von ihm gegründete Lokal-Komitee zur Erhaltung des Rathauses übernahm der Großherzog von Hessen das Pro­tektorat. Durch freiwillige Stiftungen, Sammlungen und eine für den Kreis Alsfeld genehmigte Verlosung wurden die Mittel aufgebracht, den Ban nicht nur vor dem gänz­lichen Verfall zu retten, sondern auch die vordere Fassade mit den Türmen und Helmspitzen wieder neu aufzurichten und die im Untergeschoß eingelassenen Arkäden von der das ganze Bauwert verunzierenden Einmauerung zu be­seitigen. Nach den Plänen des Großh. Baumeisters Klingel- höffer-Alsfeld wurde die Miederherstellung 1887 vollendet.

< Wißmar, 5. Okt. Gestern feierte unser Turn­verein im großen Saale des Gastwirts Brück seinen dies­jährigen Rekruten ab schied, verbunden mit der Ein­weihung seines neuen Vereinslokals. Zn. diesem Zwecke war von Turnern und Jungfrauen ein Reigen ein­geübt worden, der die Freude aller Festteilnehmer hob und reichen Beifall erntete. Es war daraus zu erkennen, daß ein guter Turnergeist im Verein herrscht, der auch fernerhin erhalten bleiben möge. Auch trug unser neues Vereins- lokal viel zum Gelingen bei, denn in dem früheren war es infolge Platzmangels nicht möglich, etwas derartiges auf- zuführen. Das neue Tumlokal entspricht in jeder Hin­sicht den Anforderungen unseres großen Vereins. Den Schluß bildete dann noch eine schöne Pyramide, die eben­falls mit Beifall ausgenommen wurde. Bei Tanz und ge­selliger Unterhaltung blieben dann die Jestteilnehmer bis tn später Nacht zusammen.

Lützellinden, 4. Okt. Heute fand im Lokale von Friedrich Jung eine Kaninchenzüchter-Versammlung statt, welche von Freunden der Kaninchenzucht, sowie von Züchtern des Vereins Klein-Linden stark besucht war. Maurer­meister Joh. Franz-Lützellinden sprach seinen Dank für das rege Interesse aus. Hierauf sprach der VerbandSredner des Mitteldeutschen Kaninchenzüchter-Verbandes Fritz P an n e ck e - Klem-Linden über das Thema: .Worin liegt die nationale, volkswirtschaftliche Bedeutung der Kaninchenzucht?^. Die Ver-

21 us Statt und Land.

Gieße n, 6. Oktober 1908.

Gegen die Verunstaltung des Stratzenbildes.

In der Schlußsitzling des 9. Tages für Denk­malspflege in Lübeck sprach Geheimerctt Dr. Jng. Frei­herr von Biegeleben über die hessischen Orts- ftatute gegen die Verunstaltung von Ortschaften und des'Str en bild es, die seit vier Jahren erlassen worden sind. Sie enthalten einesteils allgemeine ästhetische Richtlinien, zum Beispiel, daß die neuen Bauten sich der heimischen Bauweise anpassen und den vorhandenen Platz- und Straßenbildern harmonisch einfügen sollen. Andernteils finden sich spezielle Vorschriften, wie: daß die neuen Bauten dem Stil und Charakter des Vorhandenen Rechnung zu tragen haben, daß bei Fachwerk das Holz sichtbar zu machen sei, daß gewisse Ballstoffe, wie Backsteinoerblendung, Zement- gliß in ä. verboten find. Besonders wichtig sind Vorschriften, die die Höhenentwickelung beschränken. Eine Generalisierung von Vorschriften letzterer Art für ein ganzes Stadtgebiet er­klärte Geheimerat von Biegeleben für bedenklich, dagegen fei es geboten, für einzelne Stadtteile, Straßen oder Plätze be­stimmte Vorschriften über die Höhenentwickelung zu erlassen. Eine indwidlialistische Behandlung sei dlirchans zulässig, aber auch notwendig. Hervorragend fei das Beispiel von Worms, wo für die Umgebung des Domes sehr sachgeniäße, die Höhen­entwicklung beschränkende Vorschriften erlassen seien. Für be­denklich hält der Redner auch die Anführung einzelner her­vorragender Gebäude in den Ortsstatuten, denn die Auf­fassung über die Auswahl fei wechselnd. Wahrend die vor­stehend erwähnten Bestimmlmgen in der Hauptsache unmittel­bar dem Schutz und der Erhaltung der Kimstdenkmäler dienen, ist in Taruistadt der Erlaß einer Vorschrift geplant, die da­rauf abzielt, daß bei Herstellungen an Bauten von künst­lerischer oder geschichtlicher Bedeutung auf tunlichste Erhalt­ung ihrer Schönheit uub Eigenart Rücksicht zu nehmen ist. Das wichtigste sei aber bei allen diesen Bestimmungen, daß die rechten, künstlerisch empfindenden Männer die baiipolizei- lichen Bestilllniungen der Örtsstatute handhaben müssen. Davon hänge ihre Wirkung durchaus ab. In Darmstadt soll die Verpflichtimg eingeführt werden, daß die Ballpolizei­behörde auf Ansuchen des Bauherrn einen namhaften Sach­verständigen anhören müsse; eine sehr nützliche, den Bau­herrn schützende Einrichtung, welche die Balipolizeibehörde zur Vorsicht anhalten wird.

Deutjehes Reich.

Vom Flotten verein. In der gestrigen Ausfchußsitznng Les Landesverbandes des Flotteiwereins München gaben die Vor- slandsmitglieder Spieß, Freih. v. Würtzburg und v. Brann die Cttklärnng ab, zurückzntreten. Diese Erklärung wurde nicht an­genommen.

AlsKandidatdersozialdemokratischenPartei für den Landtagswahlkreis Kaiserslautern wurde der Volksschullehrer Hofftnann definitiv allsgeftellt. Lebrer Hoff- ' inann hat sein 9hnt niedergelegt um sich ganz der poliliscyen Tätig­keit widmen zu können.

Reorganisation der Ansiedelungskommif- ,'i o n. Im Laufe dieser Woche wird eine Kgl. Verordnung über , die Reorganisation der Ansiedelungskommission erscheinen. Als einschneidendste Beftinrmung ist anzusehen eine weitere Ausdehnung aes Wirkungskreises des Präsidenten der Ansiedelungskommission, »er in Zukunft vollständig selbständig über jeden einzelnen An- 7 kauf entscheiden soll. Den Oberpräsidenten steht lein Einspruchs­recht mehr zu.

Fürst Bülow wird int Laufe der nächstfolgenden Woche, zwischen dem 12. und 14. Oktober, zum dauernden Aufenthalt itacb Berlin zurückkehren. Die Einberufung des Landtags für i>cn 20. Oktober hat seine Rückkehr beschleunigt. Es verlautet | auch, daß Mitte Oktober eine wichtige Plenarsitzung des Bundes­rots stattfinden soll, der Fürst Bülow persönlich beiwohnen will.

Die Privat klagefache des Bürgermeisters Schücking gegen Bürgermeister Markull ist aus den 22. Okt. .»ormittags 11 Uhr vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte anberaumt 1 morden.

Eine neue Marinevorlage? DemB. T." zufolge soll dem Reichstage für den nächsten Winter eine neue Marine- > orlage mit einem Gesamtaufwande von 200 Mill, zugehen.

Der König von Spanien ist gestern in Dresden zum Besuch eiitgetrossen.

Ausland.

", Die Deutschen O ester r e i ch s und die Regierung.

Wie dieNeue Freie Presse" meldet, wurden auf den doutsch-böh- H wiiyhat Städtetagen in Eger, Teplitz und Reichenberg Resolutiorien $ besaßt, in denen die Politik bei? Regierung scharf gcmißbilligt '.utb von den Abgeordneten verlangt wird, daß sie in der Ob- ibrultion bis zur Sicherstellung der nationalen Uimbhängigkeit der Deutschen Böhmens verharren und zur Verweigerung der Landcs- , Umlagen auf gefordert wird.

Der zweite intevnationale Mittelstandskon-

' Giessen.

St"«'Uhr.

^.GonneiN'*" ICIÄJ' n L.-p11

WS-

1,8 Vo«*191 rood), dt" 7 M

-S"S

II

icl

-H6T.

Prospekt gratis.

pÄÄ Airchettplatz 9.

ilc Perliu, Passage. Host, w* ; Woche ausgestellt.

ildcrung durch dieutalc- k jichßch-Schmiz ,tat Wart»