Ausgabe 
6.10.1908 Erstes Blatt
 
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zeitige und weitgehende Vorbereitungen aller in Betracht lommenden Körperschaften iuirb der Arbeitslosigkeit und ihren schlimmen sozialen Folgen mit gutem Erfolge end gegengearbeitet werden können.

gemäß für die veränderte Situation am Balkan in t in Betracht kommt, der Türkei, zu überlassen. Eine Bestätrgung erfährt diese Auffassung wohl auch durch den Umstand, daß Reichskanzler Fürst Bülow seinen Aufenthalt in Norderney ernst­weilen nicht zu unterbrechen gedenkt, sowie daß dre Rückkehr des Staatssekretärs von Schön aus Berchtesgaden nicht beschleu­nigt werden wird. Die Entscheidung über bfrieg oder Frieden auf denr Balkan liegt in diesem Augenblick allein bei der Türker.

Die Bulgaren scheinen den Ernst der Lage kerneswegs zu verkennen, denn das bulgarische Kriegsministerium hat alle rm Auslande weilenden Offiziere einberufen, um Offiziersmangel zu decken, der durch die demnächst erfolgende Einberufung werterer 50 000 Mann entsteht. Die in Agram, lebenden mrlrtar- pslichtigen Bulgaren, hauptsächlich Studenten und landwrrtschaft- liche Arbeiter, haben Befehl erhalten, sofort in ihre Heimat abzu­reisen und sich bei ihren Truppenteilen zu melden. Agramer Blätter berichten, das 13. österreichische Armeekorps habe Befehl erhalten, vorbereitet zu sein, um jeden Augenblick in Bosnien einmarschieren zu können.

Eine beträchtliche Komplikation erfährt die durch die Unab- hängigkeitscrklärung Bulgariens geschaffene Lage jetzt durch die Meldung, daß Oestcrreicki-Ungarn heute die Einverleibung Bos­niens und der Herzegowina proklamieren werde. Wie in Agram verlautet, hat das 13. Armeekorps Befehl erhalten, sich für den Abmarsch nach Bosnien bereit zu halten. Das 7. Korps ser be­stimmt, das 13. Korps in Kroatien zu ersetzen.

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** Landtagswahlbewegung. Die National­liberalen stellten im Wahlkreis Lampertheim-Bürstadt den Gutsbesitzer Goebel von Groß-Nohrheim als Kandi­daten auf, während im Wahlbezirk Pse d dersh e in: der seitherige Abgeordnete Finger von ihnen wieder aufgestellt wurde. Beide Kandidaturen werden von den National- liberalen unterstützt.

"Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog haben dem Kreisbauinspektor des Kreises Groß-Gerau Albert Plitt den Charakter alsBaurat" verliehen.

"Bestätigt. S. K. H. der Groß Herzog haben die am 30. Septeniber d. I. diirch die Stadtverordneten- Bersammluug erfolgte Wiederwahl des Baurats Ferd. Albert Friede. Kuhn in Mainz zum besoldeten Beigeordneten bei Provinzialhauptstadt Mainz bestätigt.

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Die Inhaber von Gutscheinen seien darauf hingewiesen, daß Ludivig Fuldas liebenswürdiges LustspielZwillings- schwester" mit Frl. Claire Albrecht als Giuditta, das morgen als erste Mittivochs-Abonncinentsoorstellung in Szene geht, an den anderen Abonnements-Abenden nicht mehr wiederholt wird.

" Der Turnverein Gießen hielt am Sonntag sein Ab turn en ab, das in allen seinen Teilen einen schönen Verlauf nahm. Am Vormittag maßen die Turner und Zög­linge ihre Kräfte in einem Wetturnen. Die Turner turnten die volkstümlichen Hebungen Freiweithochspringen, Weit­springen, Kugelstoßen, Hindernislaufen und eine Freiübung, die Zöglinge an Reck, Barren, Pferd und drei volkstümlichen Lieblingen. Am Nachmittag vereinigte dann ein Schauturnen, während dessen die Kapelle Bauer konzertierte, die Turnveceins- angehörigen in recht stattlicher Zahl. Von 50 Turnern sehr flott ausgeführte Stabübungen eröffneten die turnerischen Darbietungen, worauf Männerriege, Aktive und Zöglinge in einem Riegenturnen ihr turnerisches Können zeigten. Die Abendfeier war ebenfalls recht gut besucht und verlief in bester Weise. In ihrem Verlaufe begrüßte der 1. Sprecher Kaufmann Althoff die Anwesenden, um im Anschluß daran einen kurzen Rückblick auf die turnerischen Ergebnisse des Vereinsjahres zu werfen. Er sowohl, wie Turnwart Häuser betonte, welch guter Geist gerade jetzt den Nachwuchs beseele, und mahnten zur weiteren treuen Mitarbeit an den Veceins- aiifgabcn. Das von dem Turnwart verkündigte Ergebnis des Wetturnens war:

Turner:

1. Preis Karl Loos mit 59l/2, 2. Alex. Hild mit 5172, 3. Karl Köchlin und Theo Witlenvächer mit je 37, 4. Ernst Köttschau mit 35, 5. Gustav Pseiffer mit 26 72, 6. Kail Müller mit 24 Punkten.

Zöglinge, Oberstuse: 1. Georg Albold mit 1317,, 2. Enul Töpfer mit 128, 3. Ernst Rödel mit 115%, 4. Hugo Roienbaum mit 1157,. 5. Hch. Rathes mit 108, 6. Karl Gering mit 1037,, 7. Ludivig Klotz mit 101, 8. Friedr. Bellos mit 947, Punkten.

Zöglinge, Unterstufe: 1. Theodor Bäulke mit 1337,, 2. Heinrich Enders mit 132, 3. Peter Krcmmer mit 1277,, 4. Albert Leunmg mit 126, 5. Wilhelm Schwarz mit 122, 6. Georg Bellos mit 114%, 7. Heinrich Fritzfch mit 1067,, 8. Wilhelm Hahn mil 105, 9. Aböls Angermüller mit 100% Punkten.

Im weiteren Verlauf des Abends gab das Vereins­mitglied Redakteur Heß einen Bericht über das deutsche Turnfest in Frankfurt a. M., während die Turner durch eine Vorführung am Doppelbarren noch einmal ihre besten tur­nerischen Leistungen zeigten. Der nicht große, aber gut gc- schulte Sängerchoc sang unter Herrn Kastens zielbewußter Leitung einige hübsche Chöre. Ein flotter Tanz endigte das schöne Fest, das in echt turnerisch-fröhlicher Weise verlief.

" Hofrat Rothschild soll am Sonntag in der Med. Klinik einen Selbstmord versuch unternommen haben und daraufhin, wie gemeldet, in die Klinik für nervöse Kranke übergeführt ivorden fein.

** Selbst m o r d. Gestern nachmittag machte eine hiesige sehr beliebte Geschäftsfrau ihrem Leben durch Erschießen ein Ende. Die bedauernswerte Frau war

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u, wo es tatsächlich geschehen ist, reichen biese Ar- _______ oft kaum zur Beschäftigung der Hälfte aller Arbeits­losen aus. Auch für den kommenden Winter sind ähnliche Maßnahmen getroffen. Der preußische Eisenbahnminister hat meyreren Eisenbahndirel'oren im rheinisch-westfälischen Industriegebiet aufgegeben, zu prüfen, ob und in welchem Umfange es möglich sei, einen Teil der in der Industrie beschäftigungslos gewordenen Arbeiter bei der Eisenbahn Arbeitsgelegenheit zu verschaffen, und zwar soll beschleu­nigter Bericht erstattet und die in Frage kommenden Ar­beiter bei den bereits bewilligten Um- und Neubauten der Eisenbahn beschäftigt werden. Ferner werden einige Stadt­verwaltungen, die mit Rücksicht aus die winterliche Arbeits­losigkeit die nicht unbedingt in der warmen Jahreszeit aus­zuführenden Arbeiten prinzipiell in den Winter verlegen, auch in diesem Jahre diese Vorkehrung getroffen haben. Aber diese Maßnahmen bedeuten, zumal angesichts der gegenwärtigen Lage des Arbeitsmarttes und der Aussichten für den Winter, nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Um eine wirklich wirksame Abhilfe gegen die im kommenden Winter zu erwartende außerordentliche und durch noch ge­steigerte Lebensmittelpreise in ihren Folgen erheblich ver- jchlimmerte Arbeitslosigkeit zu schaffen, bedarf es daraus kann nicht oft und nicht dringend genug hingewieseti werden eines allgemeinen, unverzüglichen Vorgehens von Staat und Gemeinde in diesem Sinne, llkur durch recht-

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S Müllern und Wti. Die Lachlage ist geeinigt,^ dast die aleien Ji mit Lack werden ;u- Mufer den Sack liefert, c Kilogramm Aeie !tamm für Ware, die er c wollen nur eine Per- Leben rufen, der be- nnfdjl. des Lackes erfolgt, chten der Händler laust, l mitbezahlen. Auch hier gcn.^Was der Landwirt ine Lache. Wir machen W) .für sie nur das eine laufen, also auch nur die chalten. _ Lei den landw. eser Weife eingeführt und

3ar Ferdinand I. von Bulgarien.

In Tirnowo, auf denr Hügel, wo einst der Palast der bul- garischen Zaren stand, ist Bulgarien geftern zum unabhängigen Königreich proklamiert worden. Fürst Ferdinand hat den Titel Seine Majestät König Ferdinand der Erste" angenommen. In ganz Bulgarien ist die 'Mchricht von der Proklamierung des Landes zum Königreich mit großer Begeisterung ausgenommen morden. Ueoevall herrscht lebhafte Bewegung; alle Verwaltungs­behörden trafen Maßregeln, um das Ereignis festlich zu begehen. Die Städte sind beflaggt. Im ganzen Lattde tourden Gottes­dienste abgehalten. Nach Tirnowo geben unausgesetzt zahllose Glückwunschdepcscl)en ab. Alle Bureau sind geschlossen. Der Unterricht in den Schulen fällt drei Tage aus. König Ferdinand sieht sich endlich am Ziele seiner Wünsche. Nach Erlangung der ü'önigskrone hat er während seiner ganzen Negierungszeit ge­strebt. Frei zu werden von dem Vasallcuverhältnis zur Türkei, das war seine Hoffnung. Gar zu viele Sympathien hat Fer- dinand aus dem Hause Coburg während seiner zwanzigjährigen Regierungszeit in Bulgarien nicht gewonnen. Er blieb seinem Volke ein Fremder, obgleich er seine frinber nach den Lehren der bulgarischen Kirche erziehen ließ. Sein Verhältnis zum Volke hatte sich in letzter Zeit sogar eher verschlimmert als verbessert. Vielleicht anbat sich oas letzt; vielleicht gelingt es Vein Könige, was bem Fürsten versagt blieb, nun auch die Sympathie des Volkes zu erringen. Alle Schwierigkeit sind für König Fer­dinand nun freilich noch keineswegs bejeitigt. Noch weiß man nicht, wie sich die Türkei zu der Unabhängigkeitserklärung Bul- gariens stellen wird. 9toch weiß man nicht, was die Signatar- mäctste des Berliner Vertrages zu tun gedenken. Die Orient­frage, der man jahrzehntelang sorgsam ans deut Wege ging, ist Lufgervllt. Wird sie nun dauernde friedliche Regelung finden oder den Krieg bringen, wer verinaa das in diesem Augenblick -ju sagen. Für die Beurteilung der Lage ist der Bericht von der pariser Börse nicht ganz uninteressant. Die Börse eröffnete unter dem Einfluß der aus Bulgarien vorliegenden Nachrichten in großer Erregung. Die Kurse gaben durchweg erheblich nach; besonders gedrückt waren türkische, serbische und russische Werte. Später ivurde der Verkehr ruhiger, die Stimmung blieb aber matt. Die einzelnen Staatsanleihen konnten sick) jedoch erholen. Schließ­lich besserte sich die Tendenz allgemein etwas. DerTemps" spricht die Ansicht aus, daß die Ereignisse im Orient, insbesondere die Proklamation der Unabhängigkeit Bulgariens, den Stttbinetten Don Paris, London und Petersburg die Pflicht auferlegen, Europa fcaran zu erinnern, daß der Berliner Vertrag nicht zerrissen, sondern nur rellisiziert werden könne. Für die Rektifikation sei das Einvernehmen aller Mächte notwendig, das nur durch die Einberufung eines jßongresses erzielt werden könne, auf dem olle Dbächte offen die Gründe ihrer Haltung darlegen müßten. Alan sei um viel geringerer Dinge willen nach Algeciras gegangen. Die französische Regierung fcheint diesen Standpunkt ebenfalls zu teilen, denn sie Has sich den Anschauungen Englands uno Rußlands angeschwssen. In London aber hat man die Erklärung der bulgarischen Unabhängigkeit mit feindseligem Gefühl ausge- rwrnrnen. lieber das, was nun zu geschehen hat, scheint man jedoch noch im Unklaren zu sein, zumal der Staatssekretär und andere Minister abwesend sind. Jedenfalls wird England eine sehr scktarfe Haltung einnehmen, und Petersburg und Rom für sich tu gewinnen suchen. Einstweilen hat die englische Admiralität )rbrc erteilt, daß die gesamte englische Mittelmeerflotte sich in Malta zu vereinigen habe, um dort weitere Befehle abzuwarten. Äis Dienstag abend werden in Malta vereinigt fein: 6 Linien­schiffe, 4 Panzerkreuzer, 3 geschützte Kreuzer mit Ausnahme des Lireuzers Barham, der zurzeit in Therapia bei Konstantinopel ist und 13 Torpedobootszerstörer und Torpedoboote.

Was nun die am meisten beteiligte Macht, die Türkei, zu tun gedenkt, darüber herrscht in diesem Augenblicke noch Unklar­heit. Besonders unangenehm scheinen die Jungtürken von der Unabhängigkeitsertlärnng Bulgariens berührt zu sein, da sie be­fürchten, daß die Alttürken ihnen die Schuld beimessen, durch die Oiegierungsumwälzung die Unabhängigkeitserklärung für die Türkei Sein großer Verlust sei. Das gegenseitige Verhältnis werde hier­durch geklärt. Der erste Eindruck von der Nachricht der Unab­hängigkeitserklärung auf die Anhänger des Großwesirs war der, daß feine Stellung erschüttert fei, da man ihm die Schuld beimessen werde, dura; die Provozierung des Geschow-Zwischenfalles die UnabhcingigUitserklärung gezeitigt zu haben. Die Jungtürken verkennen die Schwierigkeiten der türkischen Regierung teines- wegs. Einerseits fei es ihr unmöglich, weiterhin in ihrer ab­wartenden Haltung zu verbleiben ohne den Unwillen der Be­völkerung und der Armee zu provozieren. Die türkische Regierung ist nicht ohne ernste Besorgnis bezüglich der Miilitärstaatsfertig- kcit, angesichts der feit Jahren andauernden Vernachlässigung der Armee, die in den letzten Jahren keinerlei Manöver und Ar­tillerieschießübungen vorgenommen hat. Eine Offensive Bulgariens würde jedenfalls vorläufig mit Erfolg gefrönt jein und ein Vorgehen der bulgarischen Truppen in Adrianopel wäre schwer zu verhindern. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß im Falle d:s Ausbruchs eines Krieges das erste Opfer der Sultan werden wird, der wegen der militärischen Vernachlässigung der türkischen Ärme verantwortlich gemacht werden wird. Man befürchtet ander- fiits in Konstantinopel, daß Mazedonien im Falle eines Krieges v:r Schauplatz werden wird. Man hofft trotzdem, daß sich ein Ausweg findet, um einen Krieg zu meiden.

Die Pforte hat übrigens bereits vorgestern abend von der bevorstehenden bulgarischen Unabhängigkeitserklärung Kenntnis er­halten. Der Großwesir arbeitete die ganze Nacht. Der Minister

Aeußern fuhr um Mitternacht nach dem Bosporus und be- s achte die Botschafter Deutschlands, Englands, Franhceichs und Rußlands, um von ihnen Rat zu erbitten. Die Botschafter er­härten, keine Nachricht zu haben und versprachen anzufragen. Gegen 3 Uhr nachmittags erhielt die Pforte die Depesch über die Unabhängigkeitserklärung. Die Botschafter Deutschlands, Eng- Icnds, Frankreichs und Italiens erschienen persönlich bei der Pforte; von den übrigen Botschaftern tarnen die ersten Drago- mane. Der Minister des Aeußern teilte einigen Diplomaten mit, daß die Türkei Einspruch erheben und zunächst den Leiter ds Sofioter Kvmmissariats abberufen werde. Heute mittag soll ein außerordentlicher Kriegsrat stattfinden. Jnzwisck)en waren in Konstantinopel die vorläufig unkontrollierbaren Nachrichten - v irbreitet, daß zwischen Muftapha Pascha an der türkischen Grenze ob Tirnowo Seimenli an der bulgarischen Grenze heute ein »Blutiges R e n f o n t r c zwischen türkischen und bul­garischen Truppen st a 11 g c f u n b c n habe.

Mit größtem Interesse werden die politischen Folgen der Vorgänge auf dem Balkan in allen europäischen Hauptstädten erörtert, lieber Deutschlands Beurteilung der Lage in Bul­garien, und die sich daraus für das übrige Europa ergebenden Konsequenzen erfährt derLok.-Anz." von zuverlässiger Seite, daß Deutschland entschlossen ist, im allgcnteinen Zurückhaltung zu beobachten und die Entscheidung derjenigen Macht, die natur-

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Nr.335 Erstes Blatt 158.Jahrgang Dienstag «.Oktober 1908

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2\. GeneralversammLung öes Evangelischen Bundes.

Braunschweig, 4. Oktober.

In Braunschweig ist der Eoangelisck-e Bund zur Wahrung der deutsch-protrstantisck/en Interessen zu feiner 21. Generalver­sammlung susammengetreten. .

Mehr als 700 Delegierte auS den Haupt- und Zweigveremen des Bundes in allen Gauert Deutschlands haben sich eingefuiu- den. Eingeleitet wurde der Tag durch vier FestgotteSd>lenste. So­dann folgte die B e g r ü ß u n g s v e r s a in m l u n g, die von mehr als loOO Personen besucht war. Zur Begrüßung nahm zunäckift der Vorsitzende des Braunschweigischen Hauptvereins und des Fesb- komitees, Professor' Dr. Viereck, das Wort.

Dann entbot Minister Wolfs der Generalversammlung des Bundes den Gruß des HLpzog-Regenten.

ES folgte eine Begrüßung des Bundes im 9ta_men des Landes- konsistoriumS durch den Präsidenten Sievers-Wolfenbüttel:Wenn man in Düsseldorf ausgevusen hat, daß der KütholiziSrnus die lebettdige Fortdauer der ruhmreichen Vergangenheit deS deutschen Vaterlandes fei, so dürfen wir als ruhmvollste Tat des deutschen Volkes die Reformation in Anspruch nehmen. (Stürmischer Bei­fall.) Für den Magistrat der Stadt Braunschweig sprach Ober­bürgernreister Retemeyer, der insbesondere das lebhafte In­teresse der Einwohnerschaft an der Tagung hervorhob. Auf ihn folgten mit Begrüstungsansprack/n der Generalsuperintendent Dc- gering und namens der rheologischen« Fakultät Göttingen Prof. 1). Titius. Die Antwort auf diese Ansprachen übernahm seitens' des Zentralvorstandcs der erste Vorsitzende Generalleutnant z. D. von Lessel. Die Quintessenz unseres Programms lautet, daß wir andere Ueberzeugung ehren, aber für uns das gleiche fordern. In Düsseldorf rief man aus:Katholiken in Deutschland voran In Ansehung der unerhörten Angriffe, die dieser Tage von der­selben Seite gegen den evangelischen Könfirmandenunterricht und unsere Partei gerichtet wurden, klingt das wie ein Signal, das dem Einbruch vorangeht. Das veranlaßt den Gegenrus:Habt acht!" Wir wollen keine Vorherrschast, aber wir wollen auch nicht als Hörige hinter anderen Herkommen. . (Minutenlanger, stürmischer Beifall.) Mag man uns für Wegekraut halten, das wegen seiner Unscheinbarteit nicht geachtet und wegen seiner Be­scheidenheit mißachtet wird. Ein niedersächsischer Mann von ganz besonderer Art, Herr von Bismarck-Schönhausen, hatte denWahl- spruch!

Das Wegekraut sollst lassen stahn. Hüte Dich, 's sind Nesseln dran. (Stürmischer, immer wiederholter Beifall.)

Schließlich wurden die Telegranime bekannt gegeben, die vom Präsidium an den Kaiser und Herzog-Regenten abgesandt wor- den sind.

Aus und Land.

Gießen, 6. Oktober 1908.

Wintersorgcn.

Tie Saison ist vorüber und wirst wieder einen großen Teil von Arbeitskräften auf den Arbeitsmo.rkt zurück. Dazu kommt die Lage der von der Teprefsion schwer bedrängten Industrie. Die Nachrichten lauten fast durchweg ungünstig: überall schlechter, höchstens aber mittelmäßiger Geschäfts­gang. Zahlreiche Prvduktionseinschrüncnngeu, ja Betriebs- eillstellungen! Arbeiterentlaffungen lassen sich nur schwer vermeiden und werden gegen Wintep das ist mit Sicherheit anzunebmen in erheblichem Maße eintreten. Die Zahl der Aroeitslosen allein in Berlin schätzte man schon Mitte September auf 60 bis 70 000. Das find die schlimmen Wirkungen des Zusammentreffens von Saison und wirt­schaftlicher Depression. Mit Rücksicht auf diese Gestaltung des Arbeitsmarttes sehen wir einem sehr schweren Mnter entgegen, der durch die hohen Lebensmittelpreise ganz be­deutend verschlimmert wird. Wir erheben daher, schreibt dieAllg. Ztg.", ernsthaft und dringend die Forderung, daß die öffentlichen Körperschaften, ländliche wie städtische, unverzüglich die Frage der Arbeitslosigkeit in die Hand nehmen, daß sie sich unverzüglich und eingehend über die zu erwartende Ausdehnuicg der Arbeitslosigkeit orien­tieren und entsprechende, quantitativ und qualitativ aus­reichende Arbeitsgelegenheit vorsehen müssen! Die bei den Verwaltungen und Arbeitern gleich übel berüchtigten Not- standsarbeiten sind nur ein Notbehelf dagegen und zwar wegen des armenpslegerischen EharatlM^ ein sehr schäd­licher. Besser als diese NotstandSarbefVkn haben sich die sogenannten freien Arbeiten bewährt. Sie find zunächst produktiv. Ferner ermöglichen sie dem Arbeiter auch in Zeiten wirtschaftlicher Depression auf Grund des freien Arbeitsvertrages (im Gegensatz zur Notstandsarbeit), also unter normalen Verhältnissen, in seinem oder einem diesem verwandten Berufe zu arbeiten. Schließlich verursache,! sie keine Mehrkosten. Ihre Ergebnisse sind daher überall zu­friedenstellend gewesen. Leider aber Ijaben sich während der einzelnen Dcpresfionsperioden immer nur wenige Körperschaften zu dieser einzig wirksamen Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit enls.öließen können; und

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