Nr. 105
Dienstag 5. Mai 1908
Erscheint täglich tt.it Ausnahme deS Sonntags.
Rotationsdruck und Verlag der Brüyl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Dte „»tehener Fmntlienblätter- werden dem .Anzeigen/ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsbkrtt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 5L
Reöaktton LMA' ta ^Li.Lldr.iAnzeigerGießen.
Zweites Blatt 158. Jahrgang
Gietzener Anzeige
Seneral-Anzeiger für Gderhchen
Koletrsche Tagessebou.
Zur Privatbeamtenversicherung.
Von mehreren Privatbeamten ist die Frage aufgeworfen TOurben, ob an der demnächst zu erwartenden Privatbeamtenversicherung auch über 40 Jahre alte Privatbeamte beteiligt würden. Die „Köln. Big/ glaubt nun aus Grund eines sachverständigen Berichtes erklären zu können, daß diese Be- sorgnis wohl auf einem Irrtum bertlht; denn die Pensionsversicherung der Privatbeamten wird alle Altersklassen nm- saffen. Für die älteren müssen natürlich Uebergangsbestim- mungen getroffen werden entsprechend denen, die man 1889 im JnvaliditätS- und AlterSversicherungSgesetz vorsah. Eine Altersgrenze wird nur insoweit eine Rotte spielen, als Personen, die erst nach Vollendung des 40. oder 50. Lebensjahres (das ist der Wunsch des Hauptausschusses) Privatbeamte werden, von der Versicherung ausgeschlossen sind. Das ist durchaus zu billigen, aber etwas anderes als van den Privatbeamten besorgt wird. Ebenso wird man, entsprechend den Vorschriften des heutigen Jnvalidenvecsicherungsgesetzes, daS Recht jur freiwilligen Versicherung davon abhängig machen, daß der Versicherungskandidat daS 40. oder ö'O. Lebensjahr bei Beginn der Versicherung noch nicht überschritten hat. Sollte jedoch, was wir für ausgeschlossen halten, die Besorgnis der Prioatbeamten irgendeinen triftigen Grund haben, so wird die nationalliberale Partei an der Beseitigung einer solchen Harte arbeiten.
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Die Ausbreitung des Poleutnms.
ES scheint, daß jetzt in den an die Provinz Posen grenzenden Kreisen die Preistreiberei auf dem Gütermarkt beginnen wird, die man in Posen und Westpreußen ja genügend kennen gelernt hat. Die Polen gehen jetzt mit Eifer daran, in jenen Kreisen Grundbesitz zu erwerben, um ihre westlichen Grenzen weiter zu stecken. Seit Jahren arbeiten sie darauf hin. Güter erhalten sie, weil bei dem Kaufpreise nicht gespart wird. Ein Beispiel: Das Rittergut Schönborn im Kreise Züllichau-Schwiebus ist von dem deutschen Besitzer, der vor Jahresfrist 245 000 Mk. gezahlt hat, für 355 000 Mk. an einen Polen verkauft worden. Es werden sich noch viele Rittergutsbesitzer in der Mark, in Schlesien unb Ostpreußen finden, die diese „Konjunktur" gern ausnützen. Schon jetzt zeigt sich, wie verfehlt es war, die Novelle über die Kontrolle der Parzellierungstätigkeit und die anderen gesetzlichen Maßnahmen zur Befestigung des Grundbesitzes in den genannten Provinzen um ein Jahr zu verschieben.
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Heber die Bücherproduktion in Deutschland enthält der soeben veröffentlichte Jahresbericht der deutschen Buchhändler folgende interessante Angaben: Es erschienen Werke in deutscher Sprache:
darüber sind die Ansichten geteilt. Einmütig hat sich der Deutsche Handelstag dahin ausgesprochen, das; die Stelle, wie der Referent angebcutet, nicht eine Vorsehung für den deutschen üandel und die Industrie, sondern im wesentlichsten eine Auskunstsstelle werden müsse, lieber den Umfang sind die Ansichten noch vielfach geteilt, der Deutsche -öandelstag ist daher bislang nicht in der Lage gewesen, die Aufgaben dieser Außenhandelsstelle zii befinieren oder Zu begrenzen. Der Gescha'iSgang des Deutschen Handclstages lasse es auch nicht zu, daß heilte ein Mitglied seinen Eintritt in einen Ausschuß erklären könne. Erst müsse sich der Ausschuß des Deutschen Handelstages mit der Angelegenheit beschäftigen. Nachdem dies geschehen, wird sich der Deutsche Handelstag eine Ehre daraus machen, diejenigeii Mitglieder, die delegiert seien, zu einer Beratung einzuladen. (Beifall.) — Kommerzienrat Hecht, vom Zentralverein Deutscher Exporteure schließt sich den Ausführungen von Bueck unb Kaempf an. — Bergrat Reichstagsabg. Golhe'in vom Handelsvertragsverem steht der Angelegenheit in höchstem Grade skeptisch gegenüber. Der Export werde nicht gefördert, daß eine bureankralische Behörde gute Ratschläge gibt. Die Wege muß der Exporteur selbst finden. Es sei im höchsten Grade gefährlich, den kleinen Industriellen zum Export zu animieren. — Är. Bruns von der Handelskammer m Nürnberg meint, er habe den Eindruck gewonnen, daß die Errichtung einer Auskmistsstelle noch in weiter Ferne sei. Die bayerischen Interessenten und msbejonöcrc die Nürnberger Industrie hätten das größte Interesse an einer derartigen Stelle. Als eine nutzlose Zersplitterung der Kräfte müsse es aber angesehen werden, wenn man dem Reich mit feinen reichen Mitteln eine solche Einrichtung zur Seite stellen ivolle. Ehe man Beschluß faste, nü'iste man die Steifung des Deutschen Handelstages abwarten. — Damit war die Besprechung beendet; von einer Absti m in u ng o d e r B e s ch 1 u ß f a f s u u g wurde A b - stand g e n o m m e n und der Vorsitzende erklärte als Resiiltat der Versammlung, daß ein Ausschuß gebildet werden wird in dem Augeilblick, wo der Deutsche Handelstag der Sache näher tritt. — Da weitere Gegenstände nicht zur Beratung standen, ivurde um 2 Uhr die Verfammlmig geschlossen.
Ans SiaOi nrrd
Gießen, 5. Mai 1908.
Aus der Sitzung der Stadtverordneten.
Die große Debatte, die in der vergangenen Woche über die Hunderttausendmark-Zuweudung an die Universität stattfand, nötigte unsere Stadtväter, von dem durch die Gewohnheit geheiligten Brauch abzugehen, nur an Donnerstagen zum Wohle der Stadt zu sitzen. Die gestrige Montagssitzung war gut besucht. Es ivurde auch fleißig gearbeitet unb so das alte Wort Lügen gestraft — wenigstens für den hohen Rat unserer guten Stadt — daß der Montag in erster Linie dem Ausruhen von den Sonntagsstrapazen bienen soll. Zunächst gab es eine Aufklärung über bie Gründe, warum der Bebauungsplan für das Slktienbrauerei- Gelä n dc so lange als nicht festgestellt galt, was vor etwa 4 Wochen dem Stadtv. Grünewald Anlaß zu energischer Reklamation gegeben hatte. Nach der damaligen Auskunft des Oberbürgermeisters mußte man annehmen, daß die Verzögerung der Fertigstellung des Ortsbaliplanes dem Ministerium zur Last falle. Das Ministerium bestritt dies und wies darauf
tragen — zum anderen aus dem vom Stadtv. Dr. Gutfleisch entwickelten größeren Gesichtspunkt heraus, daß der Staats- gebaute iwtlciben müsse, wenn man alles in Einzelinteressen auflöse. In der Beurteilung dieses neuen Planes waren unsere Stabträte von Dr. Biermec bis Krumm von erfreulicher Einigkeit erfüllt. Eine Eingabe der Grundbesitzer am A ulweg, die vor der Durchführung der Feldbereinigung im bärtigen Gelände den Ortsbauplan für die Gegend festgestellt haben ivollten, sollte öffentlich verhaiidelt iverdcn. Aber die Oesfentlichkeit war nicht weit her. Die Debatte spielte sich vor der Tafel deS Hauses ab und es herrschte ein solches Stimmengewirr, baß schlechterdings nicht viel gu verstehen war. Der Wunsch soll berücksichtigt werden und die Mitteilung des Stadtv. Simon, daß bann bie Anlieger das Straßengelände umsonst geben wollten, wurde mit großer Befriedigung aufgenommen.
** Richterpersonalicn. S. K. H. der Großh erzog» haben den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg (3g. Dief,fenbach zum Oberlandesgerichtsrat. bei dem Oberlandesgericht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I Karl Schmahl zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, den Staatsanwalt an dem Landgericht der Provinz Starkenburg Adolf Müller zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Gerau Paul Schreiber gum Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Starkenburg ernannt.
" Studentische Unterrichtskurse fürArbeiter und Unterbeamte. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Eröffnung der Kurse heute abend 9 Uhr in der Universität ftattgefinbet. Wer seine Karte schon erhalten hat, wird gebeten, sie mitzubringen; wer sie noch> nicht erhalten hat, ivird gebeten, einige Minuten vor 9 Uhr zu erscheinen. Reiie Anmeldungen, die nach Möglichkeit noch berücksichtigt werden sollen, werden von y39 Uhr ab ent*' gegengenommen. Für bie Teilnahme an jedem Kurs (d. h. zivölsmal zwei Stunden) wird eine einmalige Gebühr von 50 Pfg. erhoben.
** W er den Kine in atographe n im Seltersweg bisher' noch nicht besucht hat, follie sich das Programm dieser Woche uid)tl entgehen lassen. Landwirtschaft in Dänemark könnte imferen Land- löirten empfohlen fein, sie wird niis hier in wunderbar schöner Weise iviedergegeben. Auch die „Slrait des Mediums" wird uns gezeigt unb wer etwa Liebesschmerzen ober bergl. Beschwerden hat, kann sich eine reizende Frau Dr. konsültieren. Ja wem es an nötiger Bewegung fehlt, kann sich hier am Wettlauf eines durchgebrannten Wagenrades beteiligen. Auch französische Kavallerie ivird uiis vorgeführt. Sollte noch ein Zweifler da fein an diesem lehrreichen Institut, der wird diese Woche anders belehrt, beim ba& Programm Dürfte als eines der schönsten bisher dagewesenen be-1 zeichnet werden.
** Das Ende. Der vor ungefähr zwei Jahren wegen!
Mehr
gegen Vorjahr:
Jahr:
Werke:
Werke:
Prozent:
1901
25 331
539
2,17
1902
26 906
1575
6,22
1903
27 606
700
2,60
1904
28 378
772
2,80
1905
28 886
508
1,79
1906
28 703
——
—
1907
30 073
1370
4,77
Welche
unendliche Summe von 'Arbeit
und Fleiß schließen
diese trockenen Zahlen ein
Schabe nm
, baß die Statistik
nicht auch Angaben über
bie Zahl ber
verkauften Bücher
enthält.
Zentralverband Deutscher Industrieller.
S. n. H. B e r l i n, 2. Mai.
Der Zentralverband Deutscher QiibuftrieUer hielt heute vormittag im .Architektenhause" eine Versammlung ab. Gegenstand der Beratungen bildete der von dem Zcutralverbaud Deutscher Industrieller, der Zentralstelle zur Vorbereitung von Handelsver- trägen unb dem Bunde der Industriellen seit längerer Zeit verfolgte Plan, zur Förderimg des deutschen Außenhandels eine Reichsha nd els - u n D A uskunstssteile zu errichten. Bei den mit dem Reichsamt des Innern geführten, die Gewährung einer finanziellen Beihilfe feilens des Reiches betreffenden Verhandlungen ist von dieser Behörde der Wunsch geäußert ivorden, daß zur Begründung einer AußenhanbelSstelle weitere an dem deutschen Außenhandel beteiligte Kreise herangezogen iverden möchten, um dem bedeutungsvollen Unternehmen eine mehr sichere und seste Grundlage zu geben. Diesem Wunsche nachkommend, ist die heutige Versammlung "cinberiücn worden. Nachdem Direktor 'Jtoctger (Essen) die Versammlung eröffnet hatte, berichtete der Geschäftsführer des Bundes der Industriellen Dr. W e n b 11 a n b t über bie bisherigen Vorbereitungen und Beschlüsse. Unsere Produktion nimmt im Verhältnis zu dem Absatz in bedeutend höherem Maße zu, unb es ist Acht ausgeschlossen, daß bald eine Stagnation eintritt. Nun hat sich allerdings in den letzten Jahren unser Export von 4,3 auf 6,3 Milliarden gesteigert, aber während die Einfuhr 70,3 9)h(harben betrug, stand nur emc Ausfuhr von 68,7 Milliarden gegenüber. Unsere Handelsbilanz hat sich demnach verschlechtert unb die Massiven betrugen 1905: 1,4 Milliarden, 1906: 1,6 Milliarden unb 1907: 1,9, also fast zwei Milliarden. Z u r ü ckg e g a n g e n sei b e r Export insbesondere nach Japan, Südamerika, L-üdafrika, Wen, China, Marokko ufro. Von der Interessengemeinschaft ist «in ©runbplan ausgearbeitet worden, der die Grundlage für die Verhandlungen mit der Regierung abgeben soll. Der Redner 'mpsiehtt, die im Reichsamt des Innern bestehende AnSkunstsstelle für Exportwesen durch eine Kommission aus praktischen Kreisen zu n'flänjen und zu einem selbständigen Amt, etwa nach dem Muster des Neichsgesundheitsamtes auszubauen. Zmii Echttiß teilte der Mner mit, daß für eine Reichshandels- unb Anskunstsstelle von Fabrikanten und Exporteliren bereits 80 000 Mk. gezeichnet worden lind und empfahl die Einsetzung eines Ausschusses aus den beteiligten Körperschaften unb der Interessengemeinschaft. ES folgte Eine Besprechung. Als erster Redner in der Diskuision sprach ch. A. Bueck vom Zentralverbande Deutscher Industrieller. 2er Präsident des Deutschen Handelstages, Stadtrat Kaempf führte «ns: Der Deutsche Haudelstcig habe sich seit etwa 7—8 Jahren mit «mer Anßenhandelsstette beschäftigt und erst kürzlich sich dahin au§= gesprochen, daß eineAußenhandelsstelle nur vorn Reiche und innerhalb 2er Einreihung in das Reich geschaffen werden könne, lieber die Trage, ob überhaupt eine Außenhandelsstelle errichtet werden solle,
hin, daß es das mit dem Bebauungsplatt beschlossene Orts- baustatut für überflüssig erklärt habe. Der Oberbürgermeister aber hat damals eine Rückfrage an das Ministerium gerichtet, auf die er eine Antwort erwartete, die indessen ausblieb. Das Ministerium hielt eine Antwort nicht für nötig und so blieb die Sache ruhen. In dec Tat hat also ein Mißverständnis zwischen Ministerium und Bürgermeisterei bestanden, das die Verzögerung verschuldet hat und ein Vorwurf der überflüssigen Verzögerung konnte nicht aufrecht erhalten werden. Freilich hätten beide Stellen sich besser verständigen können. Jedenfalls ist die Sache jetzt nicht nuthr „ruhend", sondern erledigt und das verdankt man in erster Linie dem Stadtv. Grünewald und in zweiter der bei den Gießener Stadtratssitztingen im allgemeinen durch die Presse repräsentierten Oesfentlichkeit der Verhandlungen. — Gießen hat den redlichen Willen, im Laufe der Zeit Großstadt zu werden, und richtet sich so nach und nach darauf em. Diesmal war eS die Schlachthoferweiterung, für die ein großzügiger Bebauungsplan ausgestellt wurde,
der für die Stadt selbst vorläufig noch fehlt. 2)1 it
dem Bauen soll hübsch nach und nach vorgegangen werden. Ziinächst wird das Schlachthaus und die neu zu errichtende Kühlanlage für eine Bevölkerung von 50 000 Einwohner vergrößert und auch das nicht auf einmal, sondern dem jeweiligen Bedürfnis entsprechend. Auch so kostet die Erweiterung „nur" 600 000 Mk., die allerdings aiisgcivendet werden müssen, wenn Gießen auf diesem Gebiet nicht bedenklich hinter anderen Städten zurückbleiben will. — Wie schwierig hier vielerorts die Besitzoerhältnisse für die Straßenregulierungen liegen, kann man aus der Tatsache ersehen, daß für Straßcngelände u. a. mit einem Besitzer ein Kaufvertrag über 0,2 Quadratmeter abgeschlossen iverden mußte, ein Kaufvertrag, der dem glücklichen Verkäufer die horrende Summe von 22 ober 23 Pfennigen einbringt. Es ist ein Glück, daß die Wertzuwachsstetier nicht rückwirkend ist, sonst hätte ein findiger Zahlenmensch es vielleicht fertig gebracht, hier ein neues 23uicaufratcn|tücflein zu schaffen. Die Zuwendung an die Universität beschäftigte gestern insofern nochmals die Gemüter, als der Vorsitzende mitteilen konnte, daß der in der letzten Sitzung geäußerte Wunsch, der Kliniksvertrag wegen der kranken Stadtarmen möge auf 10 Jahre für die Universität unkündbar gemacht iverden, wenigstens halbwegs in Erfüllung gehen ivird. Außer der Bindung auf 5 Jahre erreichte die Stadt den weiteren Vorteil, daß die seitherige halbjährige Kündigungszeit in eine dreijährige umgcmanbelt wurde. Den Erfahrungsfatz, „der 2lppetit kommt mit dem Essen", scheint übrigens unser Finanznrinister aufs neue betätigen zu wollen. Stadtv. Dr. Biecmer erzählte non Plänen, daß jetzt, nachdem die Stadt Gießen 100 000 Mark gegeben hat, der Kreis und die Provinz für die neuen Kliniken bluten sollen. Man wird es verstehen, daß Gießen hiergegen energischen Einspruch erhebt, einmal aus egoistischen Gründen — es hätte hiervon wiederum den Hauptanteil zu
Brandstiftiing vom hiesigen Schivilrgericht zii zivei Jahren Zuchthaus verurteilte Dachdeckermeister Earle hier ist gestern oormittag gestorben. C. befand sich schon längere Zeit in der Psych. Klinik hier, doch mar sein Zustand derart, daß eins Rücklransport in die Anstalt schon lange Zeit in Frage ge- slettt mar.
X Klein-Linden, 4. Mai. Am Sonntag fand die! Einsegnung der diesjährigen Konfirmanden statt. Es mar dies das letztemal, daß Pfarrer Schulte von Großen- Linden diese Hatidlung in unserer Gemeinde vornahm. Von/ Sonntag nach Pfingsten ab wird für Klein-Linden ein Pfqrr» asst st e n t bestellt, der außer dem sonntäglichen Nach-s mlttagsgottesdienst die Katechismuslehre, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, den Konfirmandenunterricht und die Abend- mahlsfeier abzuhalten hat.
Bad 2t au beim, 4. Mai. Ein junger Arzt, der von München nach Bad 2laul)eim reifte, machte dort bei seiner Ankunft die Entdeckilng, daß aus seiner Handtasche ein- größerer Betrag in Obligationen abhanden ge- kommen mar. Dafür lag eine Rolle Draht m der Tasche. Der Arzt hatte in Würzbiirg und hier kurzen Aufenthalt ge-i nonunen unb sein Gepäck zur 2(ufbema()rung gegeben. In Nauheim ließ er sich bas Gepäck in feine Wohnung tragen.. Ob ber Diebstahl in Würzburg, Frankfurt ober Nauheim ausgeführt ivorden ist, konnte nicht festgestellt iverden.
n. Nidda, 5. Mai. In den Orten Oberlais unb- Rabertshausen sind öffentliche Fernfprechstetten errichtet' worden, bie dem hiesigen Poslamte angeschlossen worden sind.
u. Ulfa, 5. Mai. Mit dxr Aussicht auf em t)ot)e$ Alter geradezu erblich belastet ist ein dieser Tage hier zur Welt gekommener strammer Erdenbürger. 2lußer Vater unb Mutter, die beide noch verhältnismäßig jung sind, stehen zwei' Großväter unb zwei Großmütter an seiner Wiege, ein sehr rüstiger Urgroßvater und zwei Urgroßmütter fingen dem Kleinen Schlummerlieder aus längst vergangener alter guter Zeit, und endlich kann noch eine 84jährige Ururgroßmutter den hoffnungsvollen llrurenfet in ihren Armen halten.
Darmstadt, 4. Mai. Eine aus allen Teilen Deutschlands beschickte außerordentliche Generalversammlung des sozialistischen Verbandes der jungen Arbeiter unb Arbeiterinnen Deutschlands hat gestern hier liattgefunben unb beriet über bie durch das neue Reichs-' Vereinsgesetz geschaffene Lage der Jugendorganisationen. Ais- Vertreter des sozialdemokratischen Parteioorstandes nahm an den Verhandlungen teil Mütter-Berlin, als Vertreter der Wahlkomniission der Gewerkschaften 2(bg. Schmidt-Berlin. Abg. Dr. Frank-9Rannheim begründete eine Resolution, die sich dahin ansspricht, den Verband in seiner jetzigen Form- aufzulösen unb an allen Orten Agitationskomitees aus über 18 Jahre alten Genoffen zu bilden. Die bisher bestehendem Ortsvereine sind womöglich in unpolitische Bilbungsvereinei umzuwanbeln. Die Resolution wurde mit 47 gegen 5 Stimmen angenommen. (Frkf. Ztg.)


