Nr. 30 Zweites Matt
158. Jahrgang
Mittwoche 5. Februar 1908
Erscheint täglich mti CuSna^mt befl ^omitagL
Die ^Stetzener Samihenbiatter" werden dem ytinjetger* viermal VÜckentltch beigelegt, das „Kretsblatl füi den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der ^hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
Rstottongbrucf tmb Verlag de, Br «blichen Uniserftiäto • Buch» unfc Stetnb ruderet.
Ä. Bange. Dietzen.
Redaktion. Expedition anfc Drudereti Schul- ftraBe 7. Erpedrtion anfc Verlag es?ö 6L Redaktion: «-SH I12. teL-äihu LtnjeigerGietzen»
Deutscher Reichstag.
9-4. Sitzung, Dienstag, den 4. Februar.
Nm Tische des Vundesratcs: S i x t v. A r m i n , v. V a 11 e t des Barres, v. Lochow, Linde, v. Gebsattel, von Salza, v. Dorre r.
Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten.
Der Militäretvt.
Zweiter Tag.
Zu den gestern mitgeteiltcn neun Resolutionen, die beim Ge. haltstttel des Ltriegsministers zur Beratung stehen, sind inzwischen noch «roci weitere Resolutionen eingegangen; eine Resolution Groc- bcr (Zentr.), betreffend Erhöhung der Bezüge der Gemeinen -gleichzeitig mit der Verbesserung der dienstlichen Bezüge der Cfft. ziere, Unteroffiziere und Militärbeamten", außerdem eine Rcsolu. tion Ablaß, betreffend Reform des gesamten Militärstrafrechts, des Beschwerderechts und deS ehrengerichtlichen Verfahrens.
Abg. Dr. Mugdan (freis. Vp.):
Ich will natürlich hier keine Wirtschaftsdebatte eröffnen. Fcst- stellen muß ich aber doch, daß mit der einen Hand, mit der Lebensmittelverteuerung, genommen wird, was mit der anderen Hand, der Erhöhung der Bezüge, gegeben wird. Fürst Bülow sprach, als er den liberalen Wünschen etwas entgegenkommen zu wollen erklärte, auch von Ersparnissen. Nun läßt sich ja bei Kolonien, Marine, Militär schwer sparen. Gewisse Ausgaben werden da immer blei, den. Umsomehr müssen wir nach kleinen Mitteln, um zu sparen, suchen. Und da meinen wir, -s ließe sich wohl etwas sparen an der Kavallerie. Tie Kavallerie-Frage sollte doch nicht so von oben herab wie gestern von der Militärverwaltung behandelt werden. Die historischen Rückblicke auf die Milizfrage, die uns gestern der Abg. Bebel gab, werden wohl niemanden überzeugt haben, zumal sie zumeist falsch waren (Sehr richtig!), weil sie zu weit in die Ver. gangenheit zurückgriffen. Auch das Beispiel der Schwei,zer.Miliz ist unzutreffend, denn die Schweizer Armee hat ganz andere Zwecke; sie soll nur die Neutralität der Schweiz wahren. Unsere Armee dagegen soll, entsteht einmal Krieg, das Unglück vom eigenen Lande abhalten, den Krieg in das Land des Gegners tragen. (Sehr richtig!) Hrer Bebel sagte unserer Armee nach, sie solle eventuell auch gegen unsere Arbeiter Verwendung finden. Nun, Herr Bebel, gerade in der Schweiz findet die Miliz tatsächlich auch auS Anlaß von Arbeiterkämpfen Verwendung! Cb, wie Sie verlangen, bei uns einjährige Dienstzeit eingeführt werden kann, ist Wohl jetzt noch fraglich. Nichtig aber ist, daß der Zug der Zeit, auch nach Ansicht meiner Freunde, auf Verringerung der Dienst, zeit geht. In dem Institut der Einjährig-Freiwilligen, dessen ?lb- schaffung ja schon früher wiederholentlich in Anträgen verlangt worden ist, liegt, darin hat Herr Bebel allerdings recht, sicherlich eine Benachteiligung der unbemittelten Klasien. Immerhin ist zu bedenken, ein gewisser, bescheidener Ausgleich liegt in der nachfolgenden öfteren Heranziehung der Reserveoffiziere zu Uebunaen. Bedauerlich ist die Herausbildung einer Offizierkaste, befremdlich die Zurückweisung von jüdischen Einjährigen, die sich zum Reserveoffizier qualifizieren, ebenso das Vorkommnis, daß ein Berg- werksdirektor nicht mit einem Knavpschaflsi'ekretär zusammen am Offiziertisch sitzen wollte. Eine solche Scheidung de? Volks in zwei Teile sollte unterbleiben. Es sollte bei der Beförderung nur auf die Tückttiakeit gesehen werden. An diesem Grundsätze, der schon vor hundert Jahren in der Armee galt und das Vaterland wiedererretten geholfen hat, sollte auch heute noch festgehalten werden. (Beifall.)
Abg. v. Licbert (Rp.):
Eine Milliarde für Heer und Marine, das ist gewiß eine erschreckend hohe Summe, für uns ein memento! Jeder Volksvertreter muß sich da fragen: können wir da nicht etwas sparen? Bei der Flotte ist er nickt möglich, also bei der Armee. Tn extenso soll sie nickr vergrößert werden, aber sie muß auf der Höhe bleiben. Wir haben uns gewiß redlicke Mühe gegeben, aber es sst sehr, sehr schwer, einen Baustein herauszuneh- men, und an dem Fundament dürfen wir nicht rütteln. Zwei schmcrzliche Abstriche, gerade bei den Offiziergehältern, sind gemacht worden; Sie sehen, wir auf der Rechten sind zu Opfern bereit. Ter Erhöhung der Mannsckaftslöhne stehen wir shmpatbisch gegenüber, nur wünscken wir nicht gerade einen Nachtragsetat. Die freie Heimatreise wünscken auch wir. Die Frage der zweijährigen Dienstzeit für Kavallerie und Artillerie ist durch die gestrigen glänzenden Ausführungen des bäuerischen Militärbevoll. mäcktigten vollständig erledigt. Wir wollen eS damit genug sein laßen, wir wollen dock hier das Hobe Haus nicht zu einer Kriegsschule machen. (Sehr wahr! rechts.) Auch die Frage der Kavallerieattacken gehört nickt vor dieses Forum. Der Redner spricht wie die gestrigen Redner für kleine Garnisonen; di? Heeresverwaltung hat da viel zu viel den militärischen, diel zu wenig den wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkt berücksichtigt. Man bat sich auch da schwer an den Ostmarkcn der- sündigt. (Sehr wahr!)
Aus der langen Rede DebelS habe ich leider feine neuen Gesichtspunkte entnehmen können. D'e Sacke liegt dock ein ganz klein wenig ander?, als sie sick in seinem kriegShistoriscken Erkurs darstellt. Als er von Cromwell sprach, wie der vom einfachen Pächter zum Feldmarschall avancierte, hatte ick so das Gefühl, als ob Herr Bebel selber sich noch einmal aufs Roß schwingen, den Pallasch ziehen und an der Spitze seiner JronsideS gegen uns losreiten wollte. Wir preußisch-deutscke Ropalisten .fürckten aber seinen Ansturm nicht, wir werden ihm begegnen mit unserem ölten Feldgesckrei: Mit Gott für König und Vaterland! (Beifall rechts.) Tie Milizfrage wollen wir vertagen bis zu dem hoffent- lich noch fernen Zeitpunkt, wo unsere Nachkommen einmal Experimente mit dem Zukunftsstaat machen. Daß Ihre Preße in die Kasernen nicht zugelaßen wird, darf Sie nickt wundern, Herr Bebel. Eine Partei, die beim Nackrus des Präsidenten für den ermordeten Träger einer befreundeten Dimastie den Saal verläßt, hat sick losgelöst von den Gefühlen, die unser Volk beseelen. (Lebh. Beifall.) v. Liebert bespricht Gehaltsverhältniße: Oberbüchsenmacker, Verwaltungsschreiber usw.
4lbg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg.):
Weise Sparsamkeit, aber nicht sinnlose Abstriche; technisch müßen wir uns auf der Höhe halten. Den Abstrichen der Kom- mission stimmen wir zu. nur beim Aggregiertenfonds wünschen wir Wiederherstellung der Regierungsforderung. Dem kleinen Rest von Veteranen, die wir noch au5 der großen Zeit haben, sollte man wirklich nicht das bißchen entziehen, was ihnen zu- kommt; eS sind da für den Reichstag beschämende Tatsachen zu unserer Kenntnis gekommen. (Zustimmung.) Mit der Forderung, inaktive Offiziere nicht in ihrer politischen Ueberzeugung zu beschränken, sind wir durchaus einverstanden. Als im letzt u Wahlkampf ein General gegen Wassermann kandidierte, schrieb die
„Natwnal-Zeitung", er ebne durch diese Kandidatur dem sozial, demokratischen Umsturz die Wege, und dieser Artikel tour De an das Generalkommando geschickt. Hoffentlich kommt das nickt wieder vor. v. Liebermann bespricht nunmehr sämtliche Resolutionen der Reihe nach in demselben Sinne wie gestern die Abgg. v. Byern und Graf Oriola.
Zu einer Abänderung der Bestimmungen über den Ausschluß der Oeffentlickkeit oder des Verfahrens brbei sehen wir keine Ver- anlaßung. Eine Reform beS Militär! rafrecht? wünschen auch wtr, aber nickt vor der Reform des gemeinen Strafrechts. Die Rede deS Abg. Häusler war ungewöhnHh geschickt; es waren die Erfahrungen des alten Soldaten mi. advokatorischer Hilfsarbeit. Daß fein Vorschlag durchführbar ist, daran habe ick gar keinen Zweifel (Gröber: v-ört! Hort!) — ja. .er. "str bann, wenn Sie ein entsprechendes Unter- o f f i z i e r p e r s o n a l dafür einstellen mit gesickerten Zukunfts- aussickten. Wollen Sie einen solcken Antrag durchführen, dann — tue Geld in Deinen Beutel! Ich verkehre mit den Landwirten feit vielen Jahren, habe aber von einer Mißstimmung über da§ dritte Dienstjahr nichts gemerkt. Unsere Landbevölkerung tragt Patriotisch die Lasten für die allgemeine Wehrpflicht, sie ist stolz darauf, in Ehren gedient zu haben. Aber ick fürchte, wenn solche Yin trage sich öfter wiederholen, diese Behauptungen von der Un- zumebenbeit, bann wird sie tatsächlich entstehen. Der sozial- demokratische Antrag auf Einführung der einjährigen r: 1 e n ft z e i t ist vom ganzen Hause einmütig verworfen worden, ist N'ckts als ein Agitationsantrag. Ich sage, wir wollen den Einiabrig-Freiwilligen-Dienst abfehaffen und alle zweijährig dienen laßen, dann werden wir untere Einjährigen zu besseren Reierveofsizieren heranziehen; die Sozialdemokraten sagen umgekehrt: weil wir die Einsährig-Freiwilligen haben, geht eS bei der ganzen Armee — ein Trugschluß. Mit seiner Milizrede bat Bebel das Gegenteil von dem bewiesen was er beweisen wollte Wir können dock nickt nur deshalb lange Kriege führen, um da- durch brauchbare Truppen heranzubilden. Eine militärische I u g e n d a u § b i I d u n g wäre nur zu wünschen, aber Herr Bebel wurde daran wenig Freude haben; eine Ausbildung die tucktige Beamte heranzieht, die Gott tm Herzen und Treue zum König hat, nicht Schutzleute nach portugiesischem Muster.
Abg. Schrader (freis. Vgg.):
Was gesagt werden konnte, ist gesagt. Die technische AuS- b'Idung stellt immer größere Anforderungen; dadurch wachsen die Kosten immer mehr. Es scheint ja so zu kommen, daß wir weiter pumpen müßen; bis jetzt habe ich noch feinen annehmbaren Vor- fchlaq rur die Beseitigung des Defizits gehört. ES wäre jetzt ernste Aufgabe für unsere Militärverwaltung, nachzudenken, ob nicht, wie der Reichskanzler angekündigt bat. Ersparnisse gemacht tnerben muffen, und zwar große Ersparnisse. Schrader bespricht den Fall Gaedke. Ich nenne ihn mit Absicht Oberst roeil ein rechtskräftiges Erkenntnis noch nicht vorliegt; es steht ja jetzt das sechste Erkenntu-s in Aussicht. In feinem Briefe „ r ?en Konflikt zwischen Treueid und vaterländischen Inter- effen ist etwas Boses nicht zu finden. Er hat bann eine Vor- rc&e zu ben Kriegserinnerunaen be? Generals b. Kretschmar geschrieben ; sie find von ber Tochter des Generals, einer Sozialdemokratin, herausaegeben, eher etwas sozialdemokratisches steht 'n der Vorrede nicht. Das sind die Gründe für das Vorgehen gegen Gaebke. Er hat dann kurzen Prozeß gemacht und auf lerne Un form verzichtet, das war sein Recht; aber dem Ehrengericht sollte er unterstellt bleiben! Ehrengerichtsv^r- Ordnungen nur durch Armeebefehle zu erlaffen, ba§ halte ich für bedenklich. Auch in Offizierskreisen wird da? n!** geradezu freudig angesehen; das Militärkahinett genießt nickt das Vertrauen, das es dazu haben müßte. Da? gebt nicht bloft die Offiziere an, sondern auch die bürgerlichen Kreise. Den Ehrengerichten unterstehen auck die Offiziere des Beurlauhten- stand-'s- dm weite Vcrbreituna des Duells in unseren bürgerlichen Irenen ist darauf zurückzufuhren. Der Fall Gaedke zeigt uns daß lo manches in unserem militärischen Wesen den Anforderungen des Verfassungsstaates nicht entspricht. Das alte Mauerwerk aug den Zeiten des absoluten Staates muß abgetragen werden baS M-litcirkabinett. Es. ist möglich, daß die Entscheidung geaen öen voerften ©orbfe ausfällt, aber wir haben ihm in jedem Falle dan.bar zu sein. Er hat als Ehrenmann ernst seine Ehre ver- teidigt, aber er Hat uns Mänoel in unserem Militärwesen anfge- fleigt, die beseitiat werden müßen, ein Nebeneinander von einem unverantwortlichen und einem verantwortlichen Fall, der die Handlungen des unverantwortlichen Teils zumeist mit zu vertreten Hat. (Beifall links.)
Preußischer Generalleutnant Sixt v. Armin:
Dem Abg. Dr. Mugdan muß ich recht geben, daß ick als Per» trekr be5 Kriegsministers nickt in der Lage bin, ben Minister in affen /raffen geniigenb zu vertreten. ES liegt auf der Hand, daß ich über alle möglichen und unmöglichen Fragen, die hier vielleicht auf. geworfen werden können, nicht orientiert sein kann, in Fragen, bereu Vertretung ber Minister sich zweifellos selber Vorbehalten Haben tviirbc. Es kommt Hinzu — bas werden Sie begreifen — daß ich in der Zeit der Vertretung mir eine gewisse Reserve auf, erlegen muß. (Sehr richtig! rechts.) Ich kann nicht den Minister unb bie Heeresverwaltung für die Zukunft festnageln. Ich bitte das berücksichtigen zu wollen, unb ich habe die Zuversicht, daß, wenn in einzelnen Fällen meine Vertretung eine unzulängliche sein sollte, das Haus das nicht die Sache wird entgelten lassen. Abg. Schra, der ist auf unser Ehrengerichtsverhältnis, auf die Zustande, die in der Armee herrschen, eingegangen. Bis auf den heutigen Tag sind die Verordnungen über die Ehrengerichte ber Kommanbogewalt Vorbehalten gewesen. Ick) kann mich auf biefen Punkt darum nicht mehr einlaßen. (Bravo! rechts.) Was speziell ben Fall Gaedke anbetrifft, so hat der Abg. Schrader zwar gesagt, die Sache schwebe ja noch, aber es schadet nichts, deshalb können wir ihn doch erörtern. Ich bin anderer Ansicht. Ick meine, daß gerade bei der Bedeutung dieses hohe., Hauses die Erörterung von Fragen, die in schwebende Prozesse eingreifen, vermieden werden soll. (Sehr richtig 1 recht».) Ta der Abg. Schrader auf den Fall Gaedke aber näher eingegangen ist, will ich ihm, soweit ich darüber orientiert bin, unb soweit ick mir ein Urteil darüber habe bilden können, folgen. Gewiß kann ein Offizier in einen sckweren Gewißenskonflikt kommen, wie der Abg. Sckrader sagte. Das ist das Schwerste, was dem Offizier im Leben passieren kann. Tic Stellung aber, bie der Herr Gaebke in dem Konflikt, in ben er geraten mar, eingenommen hat, ist für einen deutschen Offizier unmöglich (Sehr richtig! rechts) unb bas deutsche Offizierkorps leidet Offiziere, die in solchen Fragen die Stellung des Herrn Gaedke einnehmen, nicht unter sich. (Beifall rechts.) Es ist gesagt worden, wie kann man Gaebke bem Ehrengericht unterstellen, weil er die Uniform noch trägt; er hat ja ge. sagt: ich verzichte auf die Uniform! Gewiß kann er, wenn er auf sein Ehrenkleid keinen Wort legt, es oblegen. Dann muß er es aber tun, ehe er Schritte unternimmt, die ihn in Konflikt bringen mit Pflichten, die mit bau Rock Dcrbunbcn iinb
Biel wichtiger als biese Erörterungen sinb aber anbere Punkte, auf bie ber Abg. Schraber eingegangen ist. Er tat so, als sei bas Militärkabinett eine antibiluvia« Iische Er s ch e i n u n g. Ich möchte mit ein paar Worten auf die Entstehung dieses Instituts eingehen. Es hat früher im reußiscken Kriegsministerium ein Kabinett für Personalangelegenheiten bestanden. Das war in ber Zeit, in ber auch ber preußische Kriegsminister lebiglich dem absoluten König verantwortlich war. Diese Institution hat mannigfache Wandlungen erfahren. Immer hat ber Chef biefer Abteilung eine exzeptionelle Stellung eingenommen, bie eklatant baburch in bie Erscheinung trat, daß er über Angelegenheiten seines Reßorts jederzeit unmittelbar persönlich Vortrag bem Könige halten konnte. Gewiß 'st woh! anzunehmen baß der Abteilungschef sich über wichtige Punkte mit dem KriegLminister verständigt haben wird. Immerhin liegt auf ber Hanb, baß baS Verhältnis ein unklares war unb eS mußte noch unklarer werben, nachdem durch bie Verfassung Die Stellung preußischen Kriegsministers eine anbere geworden war. Unklare Verhältnisse führen immer zu Schwierigkeiten unb Störungen Das ist hier eingetreten. König Wilhelm I. hat bas mit feinem Scharfblick für solche Verhältnisse erkannt unb bat durch einen Erlaß vom Jahre 18G1 bie Angelegenheit geregelt Er hat daraus hin-icwiesen, welche mannigfachen Störungen De3 Di-mstes. welche Mißgriffe welche Mißverstöndüisse durch diefeß unklare Verhältnis eingetreten feien und er hat deshalb anqe- orbnet baß ein für allemal in Ai Gelegenheiten ber Kommando- Gewalt der Chef des Militärkabinetts die Befehle von .seiner Majestät allein empfängt unb sie auch o h ne Gegenzeickniing b e 9 Ministers erpebiert. Dieser Erlaß beruht auf durchaus ocf-'tzmäßiaer Grundlage und besteht b'? heute zu Reckt. Auch sind hier und da Me'nunaSv-'rschieben- beiten über bie Kompetenzen beS MilitärkohinettS aiifoetaiicht. Ueherhaupt scheinen bie Ansichten barüber im oräßeren Publikum auf durchaiiS falscher Grundlage zu beruhen. König Wilhelm T. hat bann nochmals Geleaenheit genommen, durch eine K/?hinettsord-'r klar auszusvrechlm, wie die ^acke eigent» lich zu verstehen sei. Er hat gefönt- Ach hraucke für dieieniaen militärischen Angeloaenheiten. die nickt zum Ressort des KricgS- ministers gehören, eine Bureauorganisation, eine Dienststelle, die meine Befehle und Anorbnunaen in dem Sinne, wie ick es haben will, bearbeitet und Der Armee übermittelt. Die Stelle ist da? Militärkahinett. Das Militärkahinett ist aber keinesweaS eine Behörde mit iraenb welchen Befugnissen nach außen. Also mit einem Wort: dos Militärkahinett ist die Kanzlei des König? in Kommandoanaeleaenheiten. Der Chef des Militärkahinett? ist auch felhstverständlich lediglich dem König verantwortlich, denn er Hat ja lediglich dessen Befehle nuSzuführen und der Armee zu übermitteln. Der Chef des Mili- tärkabinetts ist ledialich das Craan deS KöniciS auf dem Gebiete der dem König allein und unumschränkt zustehenden Kommanbogewalt (Sehr ricHia! rechts.)
Wenn der sslba. Sckrader ar.beutet, daß das verfassunnsmaßig werben muß, baß der Kriegsminister die Verantwortung für alles was auf militarifckem Gebitte geschieht, übernehmen soll, so betritt er damit einen sehr bedenklicken und nefährlichen Weg. Der Zustand, in bem wir uns befinden, ist einer der festesten Grundpfeiler unseres Heeres und damit unferes Staates. ^Beifall reckts.) Wir sollten Gott danken, daß unfer Heer ein ^iffe und ein Befehl beherrscht, und daß es ausaeschlosseii ist, daß ha? deutsche Heer politischen Schwankungen unb voli- k'fcksn Parteien unterworfen ist. (Bravo! rechts.) Wenn wir auf andere Länder blicken, werden wir Gott danken, daß wir diese Grundvf-'iker noch haben. Ick kann nur vor einem Weg warnen, der dahin führen soll, diese Pfeiler zu unteroraben. Der So^iab- s mnh-atie würden damit gewiß gute Dienste geleistet werden. lGeläcbter bei den Soz.) Sie hat das Gefühl, daß baS H^er doch refff der festeste Damm geaen ihre Agitation ist. Ich olmibe auch nickt, daß da? hohe Haus Lust bähen wird, diesen Weg zu be* schreiten. Ilesierzeugt aber bin ich davon, daß der König von ^reußen sick die Neckte und Pslickten der Kommanbogewalt, bie in rc’ncr Hand Hearn, solange es ein vreußi'cke? Heer und preußische Könige g-'hen wird nicht au? der Hand nehmen lassen wird. (Lebhafter Beifall reckts.) Und der vreußiscke Kriegsmini- ster, der die Hand dazu bietet, an diesen Pfeilern zu rüt fein, müßte erst noch geboren werden. (Lebhafter Beifall reckts.) Der Redner kommt dann in- tffne b-r Bemerkunaen des Aba. Mugdan auf die Bedeutung der Kavallerie zu sprechen. Ach verrate kein Mobil- u>ackiinasaebeimnis. wenn ich ausspreche, daß beute bei der Mohil- mackima der Aufmarsch der aroßen Heere sick in einer ganz kolossalen Geschwindigkeit geaen früher vollzieht. ES ist von der größten Bedeutung, daß gerade im ersten Moment de? Krieaes den Gegnern der Einblick in liniere Maßnahmen verschleiert und uns seihst die Aufkläruna über die o-’anerifchen Maßn/ihmon ermöglichst wird, denn das bildet bie Grunblaoe für bie Entschlicckuna ber Führung, unb bie ersten Eutsckließunaen ber Führung sind oft bahnbrechend für ben ganzen Verlauf deS Feldzuges.
Es wird gesagt, große Kavallerieaffacken gibt eS nicht. Gewiß, gegen intakte Infanterie reifet keine Kavallerie. Aber bei dem gesteigerten Feuer der Waffen wird es in einem künftigen Kriege zahlreiche Momente in (Schlachten geben, in denen eine geschickt geführte Kavallerie mit Erfolg eingreifen kann. (Sehr richtig! rechts.) In ben Manövern muß eben gelernt werben, im Gelänbe zu reiten unb die große Masse zu attackieren. Nach der Schlacht, wo die Infanterie nicht mehr die enffcheibenbe Waffe ist, kann auch ber Erfolg nur mit ber Kavalle - rie ausgenutzt werden, wenn nach einer siegreichen (Schlacht der Feind abzieht. Auf die von Dr. Mugdan anaeregte Umgestaltung deS Verfahrens für die Befugnis zum Einjährig- Frei w^i l l i g e n b i e n ft e erklärt ber Redner, daß auf Grund eines früheren Antrages des Abg. Müffer-Sagan Verhandlungen mit bem Reichskanzler und dem preußischen Kultusminister gepflogen seien und gibt zu, daß die PrüfunaSbestimmungen nicht klar seien. Eine einheitliche Fassung dieser Bestimmuna fei gewiß wünschenswert. Junge Leute, die nickst die wissenschaftliche Befähigung haben, aber auf anderen Gebieten Tüchtiges leisten, sollen mehr als bisher bei der Gewährung ber Befugnis zum Ein- jahrig-Freiwilligendienste berücksichtigt werben. Also die Erörterungen über eine moderne Gestaltung dieses Verfahren? schweben. Aber eine gesetzliche Regelung ist nach den ffattgefunbenen Erwägungen nicht in Aussicht zu st"llen. Auf die Beschwerden über bie Zurücksetzung Einjähriger jiibischen Glaubens ertoibert ber Reb- ner: wenn das geschieht, so ist eS selbstverständlich im höchsten Krade zu mißbilligen. Die Wahl ber Reserveoffiziere liegt in Der ßanb des Offizierkorps selbst. Diesem muß es in den einzelnen Fällen überlassen bleiben, die Momente pflichtgemäß und gewissen, haft zu erwägen, die ausschlaggebend sind, ob der Betreffende auch Relerveofizier werden soll oder nicht. Daß Subalternbeamte eo ipso von ber Ernennung zum Reserveoffizier auszuschließen sinb, bavon ist nickt bie Rebe. Schmerzlich hat mich bie De-


