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4.4.1908 Erstes Blatt
 
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Ze gen eine Feier wie die heutige. ^Man habe cs sich aber nicht nehmen laffyt, dein Manne eine Äoschiedsfeier zu bereiten, der 28 Jahre hindurch in verdienstvoller Weise im Kreise gewirkt habe. Die Tätigkeit in der Winterschule habe seinem regen Geiste nicht genügt; er hätte sich noch weiter betätigen müssen im Dienste der Allgemeinheit, der Landwirtschaft, die ihm denn aua) so viel zu danken habe. Umfassende Kenntnisse hätten Herrn Leithiger befähigt, mit Hilfe des Genossenschaftswesens hervorragendes zustande zu bringen; u. a. habe er bahnbrechend gewirkt auf den Ge­bieten des Saatbaues und der Viehzucht; er legte den Grund zur heutigen Blüte der letzteren. Tie Anerkennung seiner Verdienste um die Landwirtschast des Kreises, habe dann auch seine hervorragende Stellung in den Vereinen der Provinz begründet. Die Anwesenden seien beseelt von Gefühlen des Tankes gegen den Scheidenden; deshalb hätten sie sich' zu dieser schlichten Feier vereinigt. Ter landw. Bezirksverein habe Herrn Leithiger zum Ehrenmitglied ernannt. Im weiteren Verlaus der schonen Feier sprachen u. a. noch Oelonomierat Schade im Namen des Landwirtschaftlichen KränzMns- Landtagsaba. Korell, Gutsbesitzer Schrö­der-Elbenrod, 1. Beigeordneter Kurtz-Alsfeld, Alt- Bürgermeister Arnold-Alsfeld, Kreis-Kulturtechniker Buhl-Lllsfeld, denen Herr Leithiger nachher tiefbewegt dankte. (Tarmft. Ztg.)

R. B. Wimpfen, 3. April. Eine entsetzliche B l n t- t a t hat sich vorgestern in Biberach bei Wimpfen ereignet. Die schon vorbestrafte 37jährige Frau des Schneiders Sebastian Halter hat sich wieder irgend ein Vergehen zu Schulden kommen lassen, weshalb ein Gendarm bei ihr erschien, sie vernahm und Haussuchung abhielt. Daraufhin entfernte sich die Frau mit ihrem ein Jahr alten Knaben und ihrem sechsjährigen Mädchen von ihrer Wohnung. Vorgestern abend nun hörte man plötzlich auf der Landstraße bei Wimpfen ein lautes Gewimmer und fand, bei näherem Nachsehen das Mädchen mit mehrfach gespaltenem Schädel und den Knaben ebenfalls schwer verletzt vor. Beide Kinder wurden sofort ins Krankenhaus gebracht; doch erscheint ihr Zustand hoffnungslos. Die Mutter ist spurlos ver­schwunden, man vermutet, das; sie sich im nahen Neckar ertränkt hat. Die Mörderin ist am 24. Mai 1876 in Heilbronn geboren und heißt Karoline geb. Pfeiffer. Sie ist von schlanker Figur, 1.70 Meter groß, hat mageres Gesicht und blondes Haar. Sie trug dunkelbraunen Rock und Halbschuhe und war ohne Kopf­bedeckung. Die Auffindung der beiden schwer verletzten Kinder erfolgte auf einem Acker an der nach Heilbronn führenden Land­straße durch einen Metzger namens Neff. Er lud die Aermsten

auf feinen Wagen und fuhr sie direkt in das Krankenhaus nach Wimpfen. Die Frau sagte ihrem Mann beim Verlassen der

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Die Frau sagte ihrepr Mann beim Verlassen der Wohnung, sie wollte mit ihren Kindern nach dem Backhaus

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'* L a n d w i r t sch a f t S l e h r e r. S. K. H. der Groß- Herzog haben den Vorsteher der landw. Winterschlile zu Darmstadt aus sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen; feiner den Vorsteher der landw. Wintcrschule zu Michelstadt Landwlyffchafts- lehrer Will). Haug zum Vorsteher der landw. Wint'erschule zu Darmstadt mit Wirkung vo.n 15. April 1908 ab und den zweiten Landwirtscha'tslehrer an, der landw. Winterschule zu Alsfeld Will). .Th o ms geil zunr Vorsteher der landwirtschaftlichen Winterschule zu Michelstadt ernannt,

* Schenkung an das Tuberkulose-Wander- Museum. Der Vorstand der Medizinischen Poliklinik der König!. Universität Würzburg, Professor Dr. Matter- slock, hat dem Tubcrktilosc-Muscum eine Reihe wohl- gelungener Röntgen-Aufnahmen gesunder und tuberkulöser Lungen und anderer Körperteile in liebenswürdigster Weise dauernd zur Verfügung gestellt. Dadurch hat daS Museum eine äußerst zweckmäßige und wertvolle Bereicherung erfahren, die bis jetzt schon (in Würzburg und Schweinfurt) das höchste Interesse erregt und Bervunderung gefunden hat.

** Hunde-Ausstellung. Die am 26. d. Mts. aus der alten Aktienbrauerei stattfindeude Hundeausstellung wird, )uie uns geschrieben wird, ein Unternehmen allergrößten .Stils. Zahlreiche Ehrenpreise öfsentlicher und privater Verbände, sowie aller Spezialklubs und vieler Freunde und Gönner der Kynologie sind gestiftet, und täglich noch mehrt sich ihre Zahl. Weitbekannte, anerkannte Preisrichter haben ihre Mitarbeit zu­gesagt. Die treffliche Bahnverbindung, der nicht zu jrühe Be­ginn und der rechtzeitige Schluß der eintägigen Ausstellung, jdas luftige und geräumige Ausstellungslokal haben die Hunde besitzer in Nord und Süd, West und Ost veranlaßt, in großen Scharen mit ihren Lieblingen die Ausstellung zu beschicken. Fast alle Eifenbahndirettionen haben frachtfreie Rückbeförderung für bic Hunde gewährt. Tic Zusage der preußisch-hessischen Eisenbahn- gemeinfchaft steht allerdings noch aus, der sich, sobald dieselbe erfolgt, alle andern Eisenbahndirektionen anschließen. Aber auch keiner aus Gießen und Umgegend, der einen Hund besitzt, sollte versäumen, das Tier auszustellen. Die zahlreichen Geld- und Ehrenpreise wägen das geringe Standgeld aus: Anmeldungen bis spätestens 15. April 1908 nimmt Herr August Schwan, Seltersweg entgegen. Besonders bemerkt sei noch, daß die viel verbreitete Ansicht, ein auszustellender Hund müsse Stammbaum haben, satsch Ut; es wird auf solchen kein Wert gelegt, allein die persönliche -Schönheit des. Tieres entscheidet.

*' Die Erneuerung der Loose 4. Klasse der preußischen Klaffen-Lotterie lat bis heute abend zu erfolgen.

Alsfeld, 2. April. Tic Ab s chieds feier für den scheidenden Oekvnomicrat Leithiger, die am Samstag mittag imDeutschen Haus" stattfand, war eine Kundgebung herzlicher Dankbarkeit der Landwirtschaft des Kreises, der Behörden und Vereine sowie der ehemaligen Schüler. Man hörte es aus den Reden und Ansprachen, aus den Aeuße- rungen der Landlvirte: Oekonvmierat Leithiger hat vieles Und tüchtiges geleistet, er war lange Jähre die Seele der Landwirtschaft des Kreises, ja er ivirkte anregend und be­frachtend aus gewissen Gebieten auf die oberhessische und hessische Landwirtschast. Kreisrat H ö l z i n g e r sprach von dem bescheidenen Sinn des nunmehrigen Generalsekretärs der Hessischen Landmirtschaftstämmer, der sich gesträubt habe

1869 Flügeladjutant des Großherzogs, 1885 Oberst und 1886 als Flügeladjutant ä la suite zur Disposition gestellt, zu­gleich aber zum Ordenskanzler ernannt. 2(l§ solcher erhielt er n. d. D. Ztg. den Charakter als Generalmajor und trat 1903 gänzlich in den Ruhestand.

** An der W a h l der Beisitz er zu m Kauf- nt ann s g eri ch 1, die gestern staktfand, beteiligten sich 15 selbständige Kaufleute und 130 Haudlungsgehilfen, gegen 41 und 102 bei der vorigen Wahl. Bon den 15 Stimm­zetteln der Kaufleute waren 2 ungültig; die 13 gültigen Zettel waren für die eingereichte Vorschlagsliste. Von den selbständigen Kaufleuten sind daher gewählt: Franz Hol­lerhoff, Adolf sJi oll, A u g u st Noll und Moritz Strauß. Von den Stimmzetteln der Handlungsgehilfen entfielen aus die Vorschlagsliste beginnend mit Hermann Will 49, auf die Liste Hugo Engel 19, auf die Liste Karl Weidig 56 und auf die Ergänzungsliste 6 Zettel. Von den Beisitzern waren daher zu entnehmen aus der Liste Will 1, aus der Liste Engel 1, aus der Liste Weidig 2 und aus der .Ergänzungsliste 0 Personen: gewählt sind: Hermann Will mit 62, Karl Ho sch mit 57, Heinrich Wahl mit 63 und Emil Abert mit 61 Stimmen.

Frankfurt a. M. über 12 Flaschen Wein für 75 Mark. Der Wem-' lellei Hirfcbels sei exquisit gewesen. Aufwand habe er überhaupt getrieben, dagegen sei er die Wohnungsmiete schuldig geblieben Ter General-Revisor S t r ü b i n d° Darmstadt ivurbc 1905 beaui- tragl, die Hauptgenossenschast zu revidieren und zwar die gesainis Geschäftsführung. Sie sei nicht exakt gewesen, eben weil d,e Ti- reftoreit keine Kaufleute waren. Tos Kassenbuch besonder?, öos Schlenke führte, wies unbegreifliche Fehler und Irrtümer aus.'Mair iab aber, das; die Fehler nicht geinacht ivarcn um eine Ver­schleierung herbeizuführen, sondern ar,s Unkenntnis. Beigeordneter Fend k-Büdingen, VoritandSmitglied der Hauptgenossen'schait, be­kundet, daß Schlenke wenig Gutes über Hirschel gesprochen. 6? habe out ihn den Eindruck gemacht, als ob Schlenke den Borstan!» zu Ungiliisten Hirschels deeiiiflusseii ivollte. Arif Grund des Re- visionsberichtes von Strübind habe der Vorstand am 15. Jule. 1905 beschlossen, die llnregchnäfügfeifen lediglich als eine Folge, von Nachlässigkeiten, nicht ober von Unterschlagungen anzusehen. Oekonom Fenchel-Griedel und Oekonoin Jttl. Philipp,. Wohnbach jvrechen sich über die Möbelaffaire auc-. Land- togsabgeordneter Bähr-Herrenhag beklmdet, Hirschel sei,nitGeld sehr leichtsinnig gewesen. Gelegentlich eines Besuches bei Hirschel habe dessen Frau in einem schwarzen Itock, den Hirschel vor sechs Wochen zum letztenmal getragen, einige Hunden Mark zufällig» gesunden und Hirschel wäre nicht in der Lags gewesen, zu jagen, woher eingentlich das Geld stamme. Gründung der Hauptgenossenschast habe er Hirschel vor Schlenk, gewarnt. Oekonom Karl Boltz, Burggräfeilrode, und Wbol Hens ch e l, Dortelweil, bezeichnen Hirschel als ehrlichen Mcw jchen. Sachverständiger, Direktor der Gewerbebank Gießen, Loo, hat auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Bücher revidiert Die Geschäftsbücher seien übersichtlich geführt. Tie Kassen- führung gebe zu Ausstellungen Anlaß. Aus dem Kassenbuw gehe hervor, daß die Anklageposten tatsächlich von Hirschel später, als er sie erhalten, abgeliefert worden seien. Öiertnir ist nm 6 Uhr die Beweisaufnahme geschlossen. Der Zeugc Wolf senior wurde hierauf nachträglich vereidigt, während Wolf junior, da er der Begünstigung verdächtig ist, un- vereidigt blieb.

Oberstaatsanwalt Theobald begründet hierauf die Anklage. Er geht die einzelnen Fälle, die fast alle gleichgeartet, ei» »ein durch und sagt, daß fämtliche den Tatbestand der Unter­schlagung zeigten. Ter Angeklagte sei mit dem Gelde bei Hauptgenossenschast strafbar umgejprungen. Nicht mit Vergeß­lichkeit könnte man derartiges entschuldigen. Ter Angeklagte habe die Gelder vereinnahmt, für sich verwendet, da er in Geldverlegenheit, und später erst abgeliefert. Es mag Nach­lässigkeit, Schlamperei hier mit vorliegen, aber auch Unter­schlagung. Die Vermögensverhältnisse des Angeklagten waren zur fraglichen Zeit ungeordnete. Wegen der Möbelaffäre lasse er die Anklage fallen, alle anderen Punkte jedoch halte er aus­recht, er beantrage unter Annahme mildernder Umstände eine Geldstrafe von 300 M k. uni) Tragung der Kosten.

Verteidiger Rechtsanwalt Brentano -Offenbach führte an-', daß der Oberstaatsanwalt alles geschickt zusammengetrageir, uir die Anklage zu konstruieren, jedoch habe die Hauptverhaiid- hing eine glänzende Rechtfertigung Hirschels er­geben. Hirschel habe sich nicht strafbar gemacht. Die kolossale llitoränung, die in Friedberg geherrscht, die jeder Beschreibung spottete, hätte Hirschel den Ueberblick genommen. In einer Notlage habe der Angeklagte sich nie befunden. Der heutige Tag mit feinem Aufwand an Sachverständigen und Zeugen habe ergeben:Ridiculus mus". Er plädiere nicht für mildernde Umstände, sondern für Freisprechung von Strafe und Kosten. Nachdem Oberstaatsamvalt Theobald kurz repliziert und bemerkt, daß eine gegen Schlenke gerichtete Anzeige von Mitgliedern der Hauptgenossenschaft sich als völlig hall- und grundlos erwiesen, erhielt der Angeklagte das Schlußwort, in dem er um Freisprechung bat. Das Gericht wird das Urteil am 10. April, vormittags 8 Uhr, verkünden.

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Hamb u r g, 4. April. Ter Hamburger <senat hat gestern zunr 1. Bürgermeister deir Bürgermeister Tr. Burchardtuni znm 2. Burgernreister den Senator O ' S w a t d.gewählt. ^cu vielen Jahren ist mit O'swald zunr ersten Riale wieder ein Kans' mann ui Hamburg zum Bürgermeister gewählt worden. Seit Jahr­zehnten waren dies ausschließlich Juristen.

London, 4. April. Sir Campbell Bannerinan hat den Wunsch geäußert, von seinem Posten als Premier« Minister zurück zu treten. Dieser Wunsch wurde den'. Könige übermittelt. Die Temijsion und die Erneimung des bis­herigen Schatzkanzlcrs Asquith 511 seinem Nachfolger durtte schon in den nächsten Tagen publiziert werden. Tie übrigen Aenderungen im Kabinett werden erst zu Ostern bekannt gegeben werden.

Die nach- A r f o sind Sonntag den 5. April nut stehenden ü vl h l v von 12 Uhr nm tags bis 12 Uhr nachts für dringende Fälle sicher anzutreflen. IDV«

H. Arndt, Bahnhofstr. 39. Dr. 2£ipper, Wilhelmstr. 2.

Dr. Jleyerhoft. Süd-Anlage 7..

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Giessen, den 4. April 1908. Grossh. Polizeiamt. Beinhart. " "

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gehen; er ließ jedoch das älteste Mädchen von 11 Jahren nicht mit gehen, weil es ihn beim Viehfüttern Helsen müsse. Die Frau hatte infolge einer neuen Untersuchung gegen sie in den letzten Tagen Spuren von Tiefsinn erkennen lassen und in diesem Zustande wohl auch die Bluttat ansgesührt, wobei sie sich eines sogen. Waldmessers, wie sie zum Schälen von Baumrinden benutzt werden, bediente. Man fand es tun anderen Morgen in einem Baum eiugehackt.

Der Hirsche!, in.

Aus der weiteren Zeugenvernehmung ist zu erwähnen:

Der Zeuge Möbclfabriiant Martin R e u ß - Friedberg er­klärt, der Angeklagte habe Möbel bei ihm gegen Wechsel getauft. Als einer der Wechsel fällig war, bat Hirschel um Prolongation, worauf der Zeuge jedoch nicht einging, weil er Ungünstiges über die Vermögensverhältnisse des Angeklagten gehört hatte.. Es war allerdings damals dasKesseltreiben" gegen Hirschel im Gange. Daß Neuß eine Rechnung über die Möbel für die Landwirtschaftliche Hauptgenosfenschaft, nicht auf Hirschels Namen ausgestellt habe, sei auf Betreiben des Öefonomieratb Schlenke geschehen. Reuß habe aber stets das Gefühl gehabt, daß H. die Möbel für sich gekauft habe. Die Zeugen Karl Jungk, Gastwirt Joh. Adam Huth, Mineralwasserfabrikant Befort, Leo Suitter, sämtlich aus Darmstadt, und Johannes Kautz­mann - Groß-jstohrheim bekunden, Gelder, die aus einer Kar- tofselltefernng herrührten, an Hirschel bezahlt zu haben. Sie hätten das Geld dem Angeklagten aber angeboteu. Buchhalter Johannes E i d m a n n-Darmstadt, früher Buchhalter bei der iynebbergee Hauptgenossenschast, meinte, daß Oekouomierat L-chlenke keine Ahnung von kaufmännischer Buchführung und dem Genossenschaftswesen besitze. Adolf Wolf fcn., Leutnant a. D., früher Leiter derVolkswacht" in Friedberg, jetzt Generalsekretär u?. ^fbelbcrg, äußerte sich dahin, daß der Angeklagte sich um Redaktlon und GeschäftSsührung derVolkswacht" sehr wenig bekümmert habe. DieVolkswacht" hatte mit der Hauptgenossen- ichast nichts zu tun. Es wurden aber häufig Zahlungen, die für die Hauptgenossenschast zu leisten tvaren, an dieVolkswacht" SLandt. Hirschel selbst sei in Geldsachen sehr nachlässig geroesen. (Der Zeuge bleibt vorläufig unvereidigt.) Nunmehr wird Reichs­und Landtagsabg. Geh. Rcgieruugsrat H a a s-Darmstadt vor- gerufen. Er sagt aus: Um das Genossenschaftswesen in Ober- Reifen zu zentralisieren, sei 1903 die Landwirtschaftliche Haupt- genoffemchaft in Friedberg gegründet worden. Hirschel und schlenke Kien zu Direktoren gewählt worden, zumal ersterer großes Ansehen bei der ländlichen Bevölkerung genoß. Bereits drer Tage nach Bestehen der Hauptgenossenschast hätte Schlenke sich bet dem Zargen beschwert über verschiedene Meinungsdifse- rengen, bic. er (Schlenke) mit Hirschel gehabt habe. Später seien Klagen von Schlenke eingelausen, daß die Geschästsführimg Hir- Ichelv straffällig, ]et. Ter Zeuge habe selbst daraufhin an Ort arrr.jr c ^vidieren lassen, aber gefunden, daß bei H. die Absicht der Veruntreuung nicht bestanden habe, bodenlos leicht fertig habe er allerdings gehandelt, furchtbar nachlässig sei er in der Geschäftsführung gewesen. Der Zeuge hält den Ange­klagten sür viel zu intelligent, um eine solche Dummheit, bic nun ihnl vorwirft, bic jeder Zeit entdeckt werden fonnte, zu be- gcljen. Verbandsdirektor I hrig - Darmstadt sagt in ähnlichem emne wie Haas aus. Hieraus tritt eilte zweistündige Pause ein.

uni 3 Uhr beginnt die Nachmitlogssitzimg mit der Vernehm- una bc§ Lckonomieilit Schlenke- Friedberg, dem ci-de-vant 1. Tircuor der Hauptgenossenschaft. Schl, hat s. Z. die Anzeige gegen Hirschel erstattet. Die Kassenführung der HauptgenossenschaTl tag aus Veranlassmig des Gcheimerats Haas' in den Häiideii Lchlenkes. Tie Direktoren waren verpflichtet, alle Eingänge 011 öte ^.andwirtschaflliche Genossenschaitsbank in Darmstadt abzn- 'uhren. In einzelnen Fällen wurde leider, auch von ihm, dagegen verstoszcu. Daß Hirschel allein die Quittungen zu tmterschreiben gehabt habe, sei nicht an dem. Wegen des Falles Kalbheiin habe -Lchlenke Hirschel zur Rede gestellt. H. habe kurz geantwortet: Kalbhenn irrt fiel)". Auch wegen der Kartoffellieierung nach Darm­stadt habe Hirschel inkorrekt gehandelt. Er habe geleugnet, das Geld datiir empfangen zu haben, obwohl er es bereits ad saccum genoumien halte. In der Vorstandssitzinig vom 22. Juni 1905 habe Schleiike die Vermutung ausgesprochen, daß H. das Geld ein- kajsiert hätte. H. war nicht anwesend. In der Vorstandssitzinig am 15. Juli 1905, in der Hirschel anwesend gewesen, sei fcftgcflellt worden, daß- H. merkwürdigerweise kurz nach der VorstandssiNimq am 22. Juni das Geld htr die Kartoffeln bezahlt habe. Weitere kleine Posten, die Ende 1904 von Hirschel für die Haiipkgenossen- schaft tu Empfang genommen, seien erst am 17. Januar 1600 obgeliefert worden. Was die Rlöbelaffäre mit dem Fabrikanten Reiß betreffe, so habe er Hirjchel 400 Tlarf gegeben, um die Möbel dcr Hauptgenossenichaf:, denn für diese seien sie angeschafft worden, zu bezahlen. Hirschel habe jedoch das Geld zur Bezahlung einer anderen L'köbel- schuld verwendet, die Vermögensverhältniffe des Angeklagten seien ungwislig gewesen, Poslausträge, Tretbriefe, Rechnungen fonieu sortgesetzt. Emmat habe er auf dem Pult Hirschels 5 Wein- rechnungen liegen sehen, darunter eine von der Firma Schepeler-

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Ein Unglücks fall in der englischen Marine. Bei den Flvtten-Manövern auf dcr Höhe der Insel WighI ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Torpedoboots' Zerstörer ^Tiger" versuchte, vor dem Bug des Kreuzers Bergwick vorbei zu kommen, verrechnete sich ober in der Ab« schätzung der Entfernung und wurde von dem Bug des Ber­wick, der mit voller Wucht gegen ihn anfuhr, in zwei Teilt zerschnitten. DcrTiger" sank augenblicklich. 9!ach den bisherigen Feststellungen sind 36 Mann dcr Besatzung er­trunken. Nach späterer Meldung ereignete sich das Unglück beim Angriff der Torpedobootzerstörer gegen bic übrige Flotte, als die Schiffe ohne Lichter beimpften nnb fein Mond- schein war. TerTiger" beimpfte mit einer Gcschwinbigkeil von 24 Knoten und wurde von denl ebenfalls in guter Fahrt befindlichen KreuzerBerwick" Bkilschiff gerammt und in zwei Hälften geschnitten. Der vordere Teil deS Schiffes, in dem sich der KomniandanL und der größere Teil der Mannschaften befanden, sank sofort, der Hintere SchiffSteil innerhalb drei Minuten. Hier gelang es der Geschützbedienung das Teck zu erreichen, von dem sic in die schnell herangedrachten Booic desBerwick" aufgenoinnien wurden. Andere Schiffe be­mühten sich nm die Rettung der mit den Wellen kämpfenden Biannschaften.

Kleine Tageschronik.

Ter O b er s e tu n ö attc r Pustlülst des Biclescldw Gnmna- siums hat sich im Walde erschossen, weil er nicht versetzt war.

Freiherr R0 i tz v. Fr e n tz, Bürgermeister in Eschern a. d. M. der vor einigen Monaten auf feine Frau einen Schuß mit dem Jagdgewehr abfeuerte, und ite am Arm verletzte, sodaß dieser amputiert werden mußte, wurde damals zur Beobachtung seines Geisteszustandes interniert. Man scheint zu l er Ucberzcugting gekommen zu feilt, daß Frhr. v. Freutz unzin.'chnitngsfäsüg ge­wesen fei, denn das ocrichtliche Verfahren gegelt ihn ist ein­gestellt worden.

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Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Sonntag den 0. April: Abnehmende Bewölkung, wiederholt Regenschauer, kühler, wiederholt nördliche Winde.

eine blonde Bestie, routendelcinhast, lieblich, in ihren äußeren Manieren bestechend, harmlos scheinend, von jener triebhaft un­bewußten Verdorbenheit, die alle ihre Niedertracht mit selbit-- oerstäudlicher Anmut übt. Die ist um so gefährlicher, als sie nichts aur tod)Qu trägt von der raffiniert graufameu Häßlichkeit dieser Weibfecle, mit der Frau Triesch, wohl um bfe Grellheit des Träumbildes zu betonen, die ganze Bühne nachsichtslos überflutete. Uebrigens hat die Elga Hauptinmms einmal Gewissensbisse. Ticie Lzene, mit ihrer Zofe in der Kemenate, ist die schwächste der Frau Triesch. Das Wunderbarste jedensalls war das Leben ihrer großen, dunkeln, schmalgefchnittenen, verborgene Welten beutenden Augen, in der durch ihre Kunst unheimlichsten Szene zwischen Gatten und Beliebtem. Hauptmann sagt von seiner Eiga Augen:Ans ihnen hervor kam zuweilen ein Licht, bas bcn Mond verdunkelte. Aus ihnen hervor quoll dann wieder der Tod und bic Nacht". Kami man mit besseren Worten der Triesch seltsame Augen zeichnen? Zum Schluß entfesselte sie in ihrer entsetzlichen Angst, unlcr- mischt mit abscheulicher frecher Offenheit, erbärmliches Tvbes- grauell. Jedenfalls erweckte ihre Elga in mir einen wahren Heitzhunger danach, sie einmal als Shakefpeares Cleopatra zu sehen

Von den heimischen Tarstcllern noch viel zu reden noch dieser langen Rede ist nicht angebracht. Es sei vor allem gesagt, daß unserm Goll, als dieser Art von Othello int Rechte, warmes Lob gebührt. Er zeigte Kraft und Leidenschaft, Wucht, selbst Größe wo es draus aukam, Lcbcnssülle und furchtbaren Zorn, im Zu-' sammenfein mit der Mutter kindliche Ratlosigkeit, ve^weisetiide Demut, vertrauende Kindesliebe. Taß in der ersten Szene Lotz den Grafen-Vlönch, übrigens ganz leidlich, wenn auch nicht durch die Jahre geieftet genug, mit allzu lebhaftem FatbCiiaufltaq bar- stellle, anstelle von Goll, war nicht verstäiidlich. Die von Haupt­mann sehr sein emgeiügte Gestalt bev ergebungsvoll frommen Mutter Staricheilskis saub in Helene Schumann eine ge­schickte, in geraben Linien zeichnende Darstellerin. Das Traum­hafte, Schemenhafte war von Garcis, als dem Verwalter, allein getroffen. Er.bot einen prachtvollen, echten Earmcitenkopf und das Urbild des still ciitfchlosseneii getreuen Eckart, klassisch in ferner Ruhe, bedacht in der Sparsamkeit und Größe seiner Gestcn Wie cm rächender Todesengel stand er vor der Bettstatt des , ermordeten Oginski. Und die balladenartige Erzählung am Schluffe brachte er wirkungsvoll zum Bortrage. Dem Ogmski verlieh No den tue sympathischen Züge, bic ihm Hauptmann im Gegen- faü zti ^^llparzer verliehen hat. Nur schien er mir etwas »zu wrich. A.usbrucklich wirb übrigens von bev Achnlichkcit des

,nTt 'hm gciprochen, von beit gleichen Haaren z. B. Man hcUtc felts am erweise unterlassen, diese Aelinlichkeil iveniqsteiiZ an- S rfVm$r|Ui>Clr l(7l9-a§ durch v. d. Becke und

leböa,te Vertreter. Sie hatten da-- rechte 0U ' slümrc11 abcc S" grell und mehr heitere als

wübe Kameiadei^ nnb DeSperabos. Die verschlagene Toitka lUttch°?ÄLmmu> wäJtrC£' tu41B« ci" ,unl)rl)üit

(Schluß folgt.)