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1.9.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

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158. Jahrgang

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Zlur Stadt und Land.

Gießen, 1. September 1908.

** Zur Landtagswahlbewegung. Die Ver- trauensmänner-Bersammlung des Bundes der Land­wirte im Landtagswahlkreis Schotten-Laubach hat einstimmig beschlossen, für den seitherigen Abgeordneten Forstmeister Tr. Weber- Konradsdorf einzulrctcn. Den Darmstädter L a n d t a g s w a h 1 k a m p s hat die sozialdemo­kratische Partei durch die Verleitung von zahlreichen Wahl- slugvlättern eröffnet. Es wurden ca. 20 Z-lngblattverteüeo uoii der Polizei ausgeschrieben, da angeblich zur Ver­teilung innerhalb der Hauser eine polizeiliche Genchnugung erforderlich sei, die nicht eingeholt war. Eine von dem Polizeiamt vorher erlassene Bekanntmachung, daß die Er­laubniseinholung notwendig sei, wird von dem hiesigen sozialdem. Blatt als ungesetzlich erklärt.

Personalien. Se. «gl. Hoh. dec Großherzog haben den Steuerkommissären Gg. Tag zu Alzey, Otto Müller zu Mainz, Ludw. Korf mann zu Alsfeld, Beruh. Wenzel zu Grünberg, Fritz Dölp zu Oppenheim und Gg. HooS zu Friedberg den Charakter als Regierungsrat verliehen, den Bezirkskassier dec Bezirkskasse Seligenstadt, Peter Bernh. Feuerbach zu Seligenstadt, in gleicher Dienst« eigcnschaft an die Bezirkskasse Kastel versetzt und den Lau­aufseher-Aspiranten Adam Schadt aus Banschheim zum Hoch­bauaufseher ernannt. Erledigt ist die Stelle des Bezirks- xassiers der Bezirkskasse Seligenstadt.

Ordensauszeichnung. Se. König!. Hoh. der Grobherzog hat dem Chef deL Gcoßh. HofmarstalleS, Oberstallmeister und Kammerherrn Major a. T. Moritz Riede sei Freiherrn zu Eisenbach, Exz., die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Kaiser ver­liehenen Kronen-Orden 1. Klasse erteilt.

Lehrerpersonalien. Uebectragen wurde dem Schulamtsaspiranten Joh. Wagner auS Ober-Erlenbach eine Lehrerstelle an der Gemcindeschule zu Zornheim.

For st Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog haben den Oberförster der Obcrförsterei Wald- Michelbach, Forstmeister Gg. Petith zu Wald-Michetbach,

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S,11? Frau Lina, $ Oberlehrer 2r.

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Nr. 205

Der Siebener Anzeige, erschetni täglich, außer SonnragS. - Beilagen: viermal wöchentlich LletzenerZamlltendlätter; zweimal wöchentl.Ureis. blatt kür den Ureis Gietzen lDiensrag undFreuag); ziveimal monatl. Land- wirischoktitche Leitsragen

Anschlüsse r ktion 112,

rlag tu Expedition 61

AL reise tüx Depeschenr «nzerger Gießen.

Lnnaym« von Anzeige» <ür bte Dagesnuminer M vormittags 10 Uhr.

st. Anfangskorse.

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Der Entwurf der Sttafprozetzordnung.

Die Ausarbeitung von neuen Gesetzentwürfen nimmt bei uns int deutsche Reiche viel Zeit in Anspruch. Man benlc nur an die jahrzehntelange'- Vorbereitungen zur Ausarbeitung des Bürger­lichen Gesetzbuckfes. Mit der Aendcrung der deutschen Straf- Prozeßordnung ist es nun nicht viel besser ergangen. Tie im Jahre 1879 in Kraft getretene Strafprozeßordnung stellte sich sehr bald als reformbedürftig dar, und bereits im Jahre 1883 wurde von den Freisinnigen im Reichstage eine Reform beantragt. Weitere Anträge der anderen Parteien folgten. Es kam zu end- loicn Kommissionsanträgen, aber die Reform der Strafprozeß- ordnung machte dabei doch so gut wie keinen Fortschritt. Jetzt eudliw liegt ein greifbares Resultat der jahrzehntelangen Be- ratungei« über diese Reform vor: Der Entwurf einer Strafprozeß­ordnung und VloDcIlc zum Gerichtsverfassungsgesetz, nebst Be­gründung, ist soeben in amtlicher Llusgabe erschienen. Der Ent­wurf enthält viele tiefeinschneidende Neuerungen. Eine solche ist dieZuziehungvonLaienzurStrafkammeridie bis­her mit 5 Berufsrichtern besetzte Strafkammer soll fortan aus 2 Richtern und 3 Schöffen bestehen.

Die Schwurgerichte sollen unverändert bestehen bleiben. Abgclehm ist im Entwurf der Vorschlag, die Geschworenen an der Strafabmessung zu beteiligen. Schöffen und Geschworene sollen. Tagegelder erhalten, deren Höhe der Bundesrat jcftftcllt

Berufung gegen die Urteile der Strafkammern >oll fortan zu­lässig sein, doch soll die Mitwirkung von Laien in der Derufungs- iustanz ausgeschlossen bleiben. Der Berufungssenat, der aus fünf Richtern bestehen soll, wird dem Landgericht angegliedert. Ten Vorsitz soll in der Regel der Landgerichtspräsident sühren. Heber die sachliche Zuständigkeit der Gerichte enthält der Ent­wurf folgende wesentliche Aenderungen: Vor die Amtsgerichte sollen hinfort eine Anzahl Sachen gelangen, für die bisher die Strafkammer zuständig war, z. B. die gesetzwidrige Ausgabe von Schuldverschreibungen aus den Inhaber, der unbefugte Ver­trieb voll Inhaber- oder Prämienpapieren, die Vornahme der fircblidjcn Trauung vor der standesamtlichen Eheschließung, einige Verstöße gegen das Vankgesetz, Hausfriedensbruch, Körperver­letzung und Sachbeschädigung. In Fällen, wo eine Strafe bis zu (> Monaten Gefängnis ober 1500 Mk. Geldstrafe zu erwarten i|t, kann die Staatsanwaltschaft die Sache an das Amtsgericht ver­weisen. Vor das Amtsgericht gelangen ferner: Verbrechen der Personen unter 18 Jahren (Raub, Brandstiftung und Eisenbahn- transportgesährdung).

Vom Schwurgericht entfällt hinfort auf die Strafkammer die Murteilung einiger Fälle von Urkundenfälschung, der Amts- verbrechen, des betrügerischen Banterotts und der Depotunter-

T Verfahren gegen Jugendliche soll vor be­sonderen Abteilungen des Landgerichts stattfinden. Zu Für­sorgern dürfen auch Frauen zugelassen werden. Im Strafverfahren gegen Jugendliche werden Verteidiger zugelassen. Tie Unter» suchungshast kann unterbleiben, wenn ihr Zweck auf andere Weise erreicht wird. Die Oeffentlichteit kann auch für die Verkündigung der Urteilsgründe ausgeschlossen werden.

In Beleidigungsprozessen wird Msfchluß ber lOefjentlichkeit über das bisherige Maß hinaus ausgebehnt, jedoch nicht auf die Urteilsgründe. .. . ...

Gege die Urteile ber Berufungssenate ist die Revision zu­lässig: bet solchen, bie zur Zuständigkeit bes Einzelrichters ge­hörten, an das Öberlkrndesgericht, sonst an bas Reichsgericht.

Erheblich Einschränkung erhält die A n k 1 a g e p f 1 i ch t der Staatsanwaltschaft. Auch bas Vorverfahren er­fährt durchgreifende Aenderungen. Es wirb onerfnnnt, daß bie heutige Stellung bes Rechtsanwalts int Vorverfahren unwürdig und uilzweckmäßig ist. Die Akteneinsicht muß dem Vertetdiger grundsätzlich eingeräumt werden. Tie Korrespondenz zwischen Ter- tcibii;.". und Beschuldigten darf nicht aus dem Wege der Befchlag- nahme zur Kenntnis der Behörde gebracht werden.

Tie Untersuchungshaft kann durch nii^ntthalt^be-

hat die Hörmuscheln um den Köpf gel-alten ooer gebunden und nimmt aus". Und dann: man kann in ein Paar Minuten so viel dem Stenographengeben", daß spallenlange Berichte über politische Verhandlungen, große Prozesse oder auch Theater-Vor­stellungen Wort für Wort mit allen Floskeln, Stilkunsten und Bosheiten, zu gleicher Zeit in vielen Blättern erscheinen können, gleichviel ob sich dec F-all in Berlin, Paris oder London zuge­tragen hat.

Sprechstunde auf der Redaktion.

Alle Vorväume, alle Sprechzimmer sind voll von Leuten, die ihren Besuch als äußerst wichtig für die Existenz' des Blattes betrachten. Ta ist der Eckensteher, der irgendeinem Vorfall zu- gesehen bat; vielleicht glaubt ihm ber lokale Teil seinen mündlichen Bericht, auf ein Zehntel veduzicrr natürlich wird er notiert. Man kennt ja seine Leute, kennt die Lügner, bie Entenjager, und bte anderen, die wirklich etwas erspäht haben, woraus man fünf, zehn Zeilenmachen" kann. Der Eckensteher bekommt gleich seine Anweisung an bie Kasse, eine Mark ober »wer ober auch zwanzig, wanns wasGroßes" ist. Tann ist ein Komitee ba, eine Abordnung aus beni VereinThalia", ber seine 25 fahrige Gründungsfeier begeht. Tie Herren erbitten eine Notiz, bie ehrende Gegenwart eines Nedaktionsmitgliebes": ein jüngerer Journalist notiert bie Sache für bte befreijenbe Rubrik. Aber auch düstere Geister nahen. Ein Anonymus, der durchaus den eriten Redakteur spreck-cn muß uns sich nicht abweisen laßt. Er, sagt er, weiß etwas von höchster Bedeutung unwahrscheinlich, zumeist ist's Zuträgerei, Rache cmes cntlasseiien Beamten, aber manchmal läuft doch Wissenswertes unter: so muß man ihn anhören, wenig­stens ein Weilck-en, nur tut» natürlich nicht der Chef, sondern ein Redakteur, der seine Leute kennt. Jetzt wartet ein Offizier ober Beamter a. D. Et möchte feine Kenntnisse verwerten, selten genug ist seine Mission von Erfolg bcglehet In ber Regel ver­tröstet man ihn wie so viele auf vage Empfehlungen hin Lun» nrtnbe Stcllensuchenbe auf eine ferne, schöne Zukunft und notiert höfticherweise ihre Adresse sonst gingen sie ja nie weg. Dann sind die Armen da, verschämte und unverschämte, oder ein Arzt, ein Pfarrer, der für eure unglückliche Familie Hilfe durch die Zeitung sucht. Es erscheint eine seidenrausck>enbe Dame: sie wirb morgen im Stadttheater spielen, singen, Mächte ihre Aufwartung machen. Diese, wie versichert wirb, peinliche Sille kommt ab. Der Kritiker ist ja fast nie in der Redaktion, er arbeitet meist ju Hause, und ist er ba, so empfängt er kaum. Ein Kollege tritt ein, dos Handwerk zu grüßen. Ein ivmb bringt bas Manuskript seines Vaters . . . und bann sind bie vielen Klienten des Feuille- ronrebatteur» ba, denn er ist ber Gesuchteste. Er hat ja nicht nur Geld zu dergeben für irgendeine akzeptierte Arbeit, er öffnet den Weg zum Ruhm. Zum kleinen Ruhm des Tages ein Meister

unseres Metiers, Ludwig Sfxidel, bat das Feuilleton bie Un­sterblichkeit eines Tages genannt und vielleicht zum Grvßenr auch: Denn in seiner Land liegt die Entscheidung, welche Romane gebracht ivacben und bas ist nickst nur bie J-rage von einigen laufen!) Mark, sondern auch bie sichere Stufe zur Berühmtheit.. In einem gelesenen Blatt durch 9Jlonate, Tag für -tag,- an erster Stelle genannt unb gelesen sein, bas fdjeint manchen! vergeblichen Weg unb manche durcharbeitete Nacht wert. Darum, ist der F-euittetonredakteur der gesuchteste, aber auch geplagten«! von allen Kollegen. Denn ihn bestürmt die Echar der Talenh- losigkeiten, die Legion der nichts als Ehrgeizigen. Zu den andern Redakteuren treibt Not, treibt ber Wunsch, etwas zufällig Ge-, scheues tu blankes Geld umzusetzen, ihm setzen bie lächerlichen, tragikomischen unb manchmal auch 3orn herausfordernden Dichttr- linge, Tüettanten unb Größeirwahnsinnigen zu. Was für Ge­stalten hat in biesem Zimmer der Stuhl neben dem hoch mit Manuskripten unb Briesen geladenen Schreibtisch unb Regal schon! getragen! Ständig, unermüdlich, trotz aller Abweisungen wieder^ lehrende Gäste, die auf den Nerven des F-euilletonredalleurS tanzen, zufällig Mut fassende, aber von "Natur aus schüchtern« Leute mit dem dicken Aranuskript als Dolch im (Gewände, lang­haarige Dichter, die regelmäßigen externen Mttarbeiter des Blattes/ die da kommen, um ihre Stosse mit dem Chef zu besprechen unds das Technische darüber (lang, kurz? heute, morgen ?) zu erfahren, Tann die vielen Frauen. Gott ehre, der Himmel schütze das weibliche Geschlecht, es bringt uns Sonne ins Leben. Aber nicht in die Redaktion. Hier ist die Frau meist, um nicht zu sagest immer Quälgeist (Im Gegenteil! Wir sind bamit zu fr jedem, Ter Redaktionsichwernöter.) Am häufigsten tritt sie in ber Ge­stalt ber Ueberfetzerin auf. Alt, jung, nut allen, fast allen itünften; zu wirken bereit. Die Arbeit bes Uebersetzers scheint ja am leich- usteii getan. Ein paar Brocken der fremden Sprache kann doch jedes gebildete Mädchen, und nun los! Aus alten französischen Zeitschriften, neuen Romanen, aus der englischen, italienischen^ aus der skandinavischen, bisher noch ungeschützten Literatur ttnrd übersetzt. Meist schlecht genug. Denn die große Frage geht ja nicht nach dem besten Ausdruck für ein fremdes Dichterwvrt,' sondern nach der bestenPlazierung" der Uebersetzung. Und wer weiß, wie viele Gänge nötig sino, um etwas anzuvringen, wie schlecht so eine Uebersetzung bezahlt wirb, und daß bie paar eintrög-s lichen fremden Literaturwerk von Agenten il Verlegern angekauso werben, die dann pro Bogen ein paar Mark Uebersetzungsgebühr zahlen der malt sich wohl gelegenttich bie Nächte aus, bie fo, ein armes, oft schon grauhaariges Ding am Tische sitzt; er würde nicht spotten wenn nicht die Uebersetzerinnen so unmäßig viele Sünden gegen den heiligen Geist der deutsch. Sprache begingen.

O Ehrgeiz, Ruhmsucht, o traurige Befangenbeft im Dichter- wahne euch lernt man in der Feuilletonreoaktstm kennens

Aur dem Leben einer Tageszeitung.

In Velhagen u. Kiasings Nronatslstften plaudert W. Fred- Wien im September hefte recht anziehend über den -Betrieb in Zeitungswesen, dem wir folgendes entnehmen. Von den Mittwnen Menschen, bie ihre Zeitung lesen, mit oen Naaricksten über Er­eignisse, die kaum geschehen fiiib, und vielleicht gar Bememungen dazu, Erklärungen, bie manchem das kurze Telegramm auch schon auf seine Bedmttlng hin anslegen, von ihnen weiß ferner wie bie Sache wird, dec Bau geschieht, das Kind auf die -velt kommt. Ja selbst Leute von Vilbnng, die -Lag für Tag mehrere Blätter lesen oder doch durchselyen denn eine unserer großen Zeitungen wahrhastig lesen vom Anfang bi- zum End«, das könnte sich nur ein Müßiggänger leisten und auch der hatte dann auf diesen Titel keinen Anspruch mehr also auch von den tkach- denkenden, ja gar von Leuten, die, selbst schon Hw und da etwas haben drucken lassen, weiß doch mit keiner wie die Rader sehen, wie der 5?ase läuit, hat kaum einer eine Ahnung von der Ver­zweigtheit journalistischer, kaufmännischer und michanifcher Arbeit, die geschehen sein muß, damit sie zur r.asten Zett Mahren was im ssteichstag ein Zwischenrufer zu bemerken |id> Sprüngen fühlte was in China die Hofkamarilla dem Kuner befahl, wie weit die Poli'ei auf ber Spur des Kiiidernwrders in der Stabt L. ist, ob in Paris eine Soubrette ihren Schmuck verloren hat odcr ver- loren M haben behauptet: wies mit ben Kurien, dem Bantzin^ M b ameritaniid^n Simen fte&t, ob em

bekommen 1-abeu, eine Wa|ch?cau ihre Diertste anbictct . . - die Liste ginge viele Zeilen unb Seiten fort. Denn das ist M das C^- rakteristische ber modernen dmitichen und o'^rcrchüch^r Blatter, baß sie verschiedene Eigenschaften uiibebingt v^men mufieu, um selbst den Kampf ums Dasein auslyatten zu tonnen, ^^ua^t der Nachricht unb Fülle oenchiedener ^Heine, . ,uminwn bann noch bie Reste von litcrari|dr;vihenfd)a|tlid)en ^S^igen- S-rüher, etwa als Herr von Cotta seine Augsburger ^(diei^itne Münchener) Allgemeine Zeitung, als ^stes ^utlck^ ^atto und Wellblatt in Ruhe drucken ließ, war von Aktualität m unstrm Sinne keine Rede. Tic vauptsaä>e luarbama.^bte wNstnickiait liche Beilage: dazu traten politisck)« und diplomatuche

Tie Hast um Nachrichten i|t neuen xatuin*, üincntttnndjcr w Jt Tie tausend Wichtigkeiten unb Nicht igle ibm und gar die Dm^ng des Ereignisses unb den ^linunimgsbericht, da- ^^fertc d s zum letzten Jahrzehitt ber Kvrresponbent, der fchneb seine Br efe d« Post gab. Erst Ende bes 19. ^ahrlyunberls, mit der ^rbllligung der LelegrMnmgebühren, kam die Kaste ixr nicht ^elstlchrciben den, sonoern telegraphierenden Journalisten auf. Us'd bas ^ Jahrhiinben hat dem norreiponbenten bie L'eder aus der Hand genommen: jetzt wirb telephoniert ober, wie man bum ^aufagi, ^bichen", und am anderen Ende der Welt fitzt ein Stenograph,

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ist. An den Vereinigten österreichischen Röhrenwerken ist wohl tschechisches Kapital beteiligt, aber in der Hauptsache doch deutsches. Unter den Arbeitern dieses Werkes sind natürlich auch Tausende von Tschechen, aber leider auch Deutsche, den der echte Tscheche doch nichts zu verdienen geben kann. Man hat also nun im Prager Stadtparlalnent oie Vergebung dec Lieferung bon Rohren an eine fran­zösische Firma beschlossen, obgleich die österreichische uni 300000 Kronen billiger liefern tvollte. Damit ist die S<rtl)« aber nicht erledigt. Sie wird vielmehr noch vor OKtricht ein Nachspiel haben, denn gegen gewisse Stadträte ist der beleidigende Vorwurf erhoben norden, daß sie bereit ge­wesen seien, gegen hohe Sck)miergelder in dieser hochbedeut­samen nationalen Angelegenheit Verrat zu üben. Bon sozialdemokratischer Seite wurde anderseits die Vermutung ausgesprochen, daß die französische Firma wohl noch hühece, Provisionen angeboten l-abe als die deutsek-e. 9hm haben bereits 60 Mitglieder des Prager Stadtverordncten°KoUe- giums Klage erhoben. Der Prozeß wird jedenfalls sehr interessant werden. _____________C. A

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Gietzener Anzeiger»

General-Anzeiger für Gberhefsen MM

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Notattsnzdruck und Verlag der vriihpschen Untv.-Vuch« und Steindruckeret. R. Lange. RedaMon. Lnredttion und Vruckerel: §chulstratze 7. ynieigenteth6Vec?

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berichte

der Bank lilr Handel

schränkung oder sonstige Auftagen an den Beschuldigten ersetzt werden. Bei einer Untersuchungshaft, die länger als 2 Monate dauert, bedarf es eines Gerichtsbeschlusses. Abgeändert werden ferner die Bestimmungen über die Z e u g n i s o f l i cht und die Eidesleistung. Die Frage nach den Vor­strafen soll nicht auss Unbestimmte hin zulässig sein, sondern nur soweit, als erforderlich ist zur Feststellung der Glaubwürdig­keit der Zeugen. Dasselbe gilt auch von allen anderen Fragen. Tie Zeugniszwangshaft darf nicht länger als 3 Monate dauern, bisher 6 Monate. Bezüglich des Zeugniszwanges gegen die Presse bestimmt § 49 des Entwurfs:Redakteure, Ver­leger und Drucker einer periodischen Druckschrift sowie die bei dec technisckfen Herstellung der Druckschrift beschäftigten Personen dürfen die Auskunft über die Person des Verfassers oder Ein­senders eines darin enthaltenen Artikels strafbaren Jnlßilts ver­weigern, sofern rechtlich und tatsächlich kein Hindernis besteht, wegen des Inhalts des Artikels die Bestrafung eines Redakteurs der Druckschrift als Täter herbeizuführen. Diese Vorschrift findet keine Anwendung, wenn der Inhalt des Artikels den Tatbestand eines Verbrechens begründet."

Der Voreid kann durch den N a ch e i b ersetzt werden. Man will dadurch die Zahl der Eide vermindern. Die religiöse Eides­norm bleibt beibehalten.

Das Verfahren gegen Abwesende soll erweitert werden, um eine Beschleunigung der Strafrechtspflege zu erzielen.

Von Interesse sind die Bestimmungen im Privatklageoer- sahren, die im Moltkeprozeß viel erörtert wurden. Tas öffent­liche Verfahren soll nach den neuen Bestimmungen grundsätzlich bei dem mit der Sache befaßten Gerichte, also dem Amtsgerichte, bleiben und bei Einlegung des Rechtsmittels im Jnstanzenzuge bei dem übergeordneten Gerichte fortgesetzt werden.E. A.

Lolitrsche Lagesscha«.

Deutschland und England.

Ein etwas eigentümliches Echo zu dec offenen und ehr­lichen Fciedcnscede des deutschen Kaisers in Straßburg hallt wieder einmal von England herüber. Von einer Persönlich­keit, die das Vertrauen des Königs Eduard besitzt, erfährt die Freie Presse^ über bie Cronbecgec Entrevue: .Mit Deutsch, land wolle England beste Frenndschaft halten. Wenn Eng- land seine Flotte ergänze, fo tue es dies nicht etwa, um eine gegnerische Stellung gegen Deutschland einzunehmen, sondern lediglich, um das nötige Gleichgewicht zwischen Eng» land und Deutschland aufrecht zu erhalten. Die stete Fühlungnahme mit Rußland entspringe einem Bedürfnis, iocil die indischen Verhältnisse die Fceiindschaft Rußlands für Eng­land wünschenswert »nachten, ebenso wie ein gutes Ein­vernehmen mit Frankreich schon durch die egyptische Frage geboten fei." Unter dem Vorgebcu, das Gleichgewicht unter den europäischen Rtächten Herstellen zu wollen, rüstet England also ruhig weiter. England rüstet also nicht gegen Deutschland, gegen wen denn aber?

Nationale Brunnenröhren.

Wie nationale Feindschaft sich sogar aus Brunnenröhren erstrecken kann, zeigt ein Fall in Prag. So traurig diese Aeußerung des Nationalitätenhaises an sich ist, so kann man sich doch nicht der Heiterkeit erwehren, wenn man die näheren Umstände des Konflitts hört, der die Prager Stadtväter zu einem echten Schildbürgerstücklein verfuhrt hat. Die Stadt Prag braucht ein neues Wasserwerk. Nun gibt es aber im Lande der Tschechen keine einzige Fabrik, die rein national-tschechische Brunnenröhren fabriziert, und einem waschechten Tschechen kann man doch nicht zumuten, Wasser zu genießen, das durch deutsche Brunnenröhren geflossen

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