Erstes Blatt
Dienstag s. November 1907
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an Arbei. Ztr ästen wurde außerdem noch geklagt in der Werk- Hunderte von Srrera)holzern enthaltende b .
157. Jahrgang
stehen, wie der Burenkrieg, HandelSrivaUtät und Mißtrauen gegen unser Flottenprogramm. Jedenfalls glaube ich, daß es eine gesunde Grundlage für die F-reund- s ch a s t zwischen den Leiden Böllern gibt. Jcl) denke dabei an unsere Blutsverwandtschaft und au die Gemeinsamkeit von Ideen, in denen wir tausend Jahre fast immer zu- sammengewandelt sind. Ich verstehe, warum das letzte halbe Jahrhundert eine Aenderung gebracht hat. Deutschland hat sich zu einer großen Nation ausgewachsen; das deutsche Volk forderte seine Anerkennung als große Nation von England, das Jahrhunderte lang in der ersten Reihe des internationalen Lebens gestanden hat. Einige Deutsche empfanden die Tatsache, dag diese Anerkennung nicht mit ihren Erwartungen Schritt gehalten hat, was aber vor- übergegangen ist. Die letzte Phase, die jetzt auch vorübergeht, war das englische Mißtrauen gegen unsere Pläne bezüglich des Baues einer starken Flotte. 9hm glaube ich, daß Deutschland eine große Flotte haben muß. Aber im Vergleich zu England wird's immer so sein. — Die Exzellenz nahm hier lächelnd von einigen Streichhölzern aui dem Schreibtisch eines weg und legte es neben die
aller Kräfte gearbeitet, aber die Aufträge laufen in weniger großem Umfange ein, so daß die nächsten Monate eine Abschwächung bringen müssen. In der Roheisenherstellung sind die Erzeugnisse bis. Ende dieses Jahres und noch länger verkauft und besonders in Oberschlesien macht sich ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar, lieber Mangel
zeugmaschinensabrikation, in Dampfkessel- und Damps- majchinensabriken, sowie im allgemeinen Maschinenbau und in den Stahl- und Schmelzwerten. Auch in den übrigen Betrieben der Metallbearbeitung ist vorläufig immer noch ziemlich flott zu tun, wenn auch die Aufträge an Umfang abnehmen. Eine schon jetzt bemerlbare Verschlechterung muß hauptsächlich in der Kupfer- und Messingbranche fest- gestellt werden, und dies dürfte in der Hauptsache auf den Umstand zurückzusühren sein, daß die Kupferpreise an Stabilität verloren haben. In der elektrischen Industrie ist der Geschäftsgang gleichfalls noch befriedigend und infolge des Herannahens des Winters ist sogar noch eine Verbesserung zu erwarten. Nicht mehr einheitlich, aber immer noch günstig lauten auch die Berichte aus der weitverzweigten Textilindustrie. Ebenso war die Geschästslage im Transportwesen befriedigend, sowohl das Speditionsgewerbe wie auch die Eisenbahn berichtete über volle Beschäftigung oder vermehrte Einnahmen.
politische Tagesscharr.
' Deutschland und England.
Wie dem „Stanoarv " aus Pewr-.ou.rg gemeldet wird, hatte Staatssekretär v. Schoen mit einem Korrespondenten des „Standard" eine Unterredung, in der er äußerte, er sehe dem bevorstehenden Besuche des Kaisers in England mit dem größten Interesse entgegen und es werde ihm viel Vergnügen bereiten, die Bekanntschaft des Ministers Edward Grey zu macl)en. Der Staatssekretär fuhr fort: Es ist überflüssig, zu sagen, daß ich große Bewunderung für England und sein Volk hege. Ich bin sehr befriedigt darüber, daß sowohl in England wie in Deutschland der Wunsch nach wärmeren Beziehungen immer stärker wird, und daß dies Gefühl immer mehr von den einflußreichen Krisen in Deutschland geteilt wird. Ich habe Grund, zu glauben, daß dasselbe Gefühl auch in England herrscht. Mißtrauen, Argwohn und Kälte sind auf beiden Seiten gezeigt worden. Es ist nutzlos, dies zu leugnen oder auf Erklärungen eines solchen Phänomens zu be-
g»pretA, monatlld)75sJ31., ptertel* < lährlich 'M. 2.30 durch A Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 ist, durch die Post 'DiL 3.— viertel- lährl au«id)L Bestellg. SetlenpretÄ: lokal!5Bf* auswärts 20 Vienntq. Berontrvo rillet) tür den potthldien Teil: Ö- ilnöerton, V Feuilleton mit .Vermachtes" P Wuiko iüt ,Siadl u. Land* und .De,ichls- 7, faal" i&. Heb. iüt den Anzelqenkell H Beck.
lst. leicht zu verpetzen, daß die immer großer werdende Rivalität des reut fchenHandels schwer von England willkommen geheißen werden kann. Nichtsdestoweniger ist es erfreulich gewesen, sestzustellen, daß die Eifersucht in den Handelskreisen nicht vorherrschend ist, was das tätige Interesse zeig., das die Statn Lonoon zur Herstellung freundicha,tlicherer Beziehungen bekundet. Sie werden jetzt natürlich nicht erwarten, daß ich ein Programm daclege, das ich- nicht habe, oder hohe politische Angelegenheiten besprecl-e, aber ich bin froh, daß ich Gelegenheit gehabt habe, den Lesern des „Standards' zu sagen, luic es mich freut, daß ich in dem Augenblick, wo ich so verantwortliche Pflichten übernehme, nach allen Seiten Beweise für herzliche Beziehungen zwischen allen Alüchten und das völlige Fehlen irgend einer Nervosität oder auch nur eines Grundes zum Unbehagen irgendwo sehe.
Kaiser Wilhelm und Loubet.
Bei Besprechung uer geptanrenHujammenkunfL Kaiser Wilhelms mit dem früheren Präsiden- tenLoubet, erörtert das „Journal o'alsace lorraui" auch die Frage, wem das Verdienst zukomme, jenen Plan einer Unterredung der beiden Staatshäupter angeregt zu haben. Die Initiative soll dem Fürsten von Monako zuzuschreiben sein. Der frühere Präsident Loubet hat übrigens einem Redakteur oes Temps, der ihn bezüglich der geplanten Zusammenkunft zwischen dem deutschen Kaiser und Loubet im Jahre 1904 zu. interviewen versuchte, erklärt er, Loubet, könne über die Ereignisse während seiner Präsidentschajr nichts mitteilen.
Das Befinden des Königs von Bayern.
Beim Beginii oer gestrigen <siyung oec bayerischen Kammer der Abgeordneten gab Finanzminister von Piajf über das Befinden des Königs Otto solgeiide Erklärung: In meiner Eigenschaft als Mitglied der Vermögens-Verwaltung des Königs habe ich vielfach Gelegenheit gefunden, nach Forstenried zu kommen, und ich kann auf Grund eigener Aiischauung wie auf Grund von Sach- verständigen-Gutachten mitteilen, daß weder in geistiger noch körperlicher Beziehung in dem Befinden des Königs eine Aenderung eingetreten ist und daß die Gerüchte, die in letzter Zeit über das Befinden des Königs in die Presse gelangt find, durchaus unbe» gründet sind.
Rußland.
Petersburg, 4. Nov. Nach den bis 7 Uhr abends vorliegenden Meldungen sind 417 Dumaabgeordnete gewählt. Unter ihnen besinden sich 195 Rechte und Monarchisten, 124 Oktobristen und Gemäßigte, 4 Mitglieder der Partei der friedlichen Erneuerung, 35 Kadetten, 14 polnische Nationalisten, 5 Mohammedaner, 11 Sozialdemokraten, 26 Linke und 2 Wilde.
— Nach einer Meldung aus Tomsk sind dort Studenten Unruhen ausgebrvchen. Tie Polizei besetzte das Universitätsgebäude und nahm über hundert Verhaftungen vor.
Warschau, 4. Nov. Infolge des letzten Straßen- kampses zwischen der Polizei und Revolutionären sind mehr als 300 Personen verhaftet worden. Die
dramatisch umsponnen? Auch als ihr saht und hörtet, wie aus den frischen Knabenkehlen euch der Wohllaut entgegendrang? Empfindet ihr denn nicht, daß auch diese Ehöre naw sind trotz des schweren Ernstes, den sie bergen? Ich wette zehn gegen eins- Die meisten, die von „Mendelmeier" reden, sprechen nur Angelerntes nach. Geht man ihnen zu Leibe und lagt etwa: Aber der Baechuschor ist doch famos? Ja freilich, ist die Antwort, der ist gut. Oder: Ist das Nicht schon und jenes? Antwort: Gewiß, das sind herrliche Stellen. Nun, also, dann laßt das Schöne doch gelten und verderbt euch und anderen nicht die Laune, wenn nicht , alles so groß, fo gewaltig, w für die Ewigkeit geformt ist wie die L,ragodie des Athener^, die nun bald zwei und ein halbes ^ahrtauferw alt keinerlei Spur zeigt von Verwelken, Nachklang, nicht Mißklangl Kr.
70 jährige Jubelfeier des Gesangvereins Liederkranz.
Der älteste hiesige Alännergesaugvereni beging am Sonntag und Monlaq unter sehr zahlreicher Beteiligung aus allen Kre, en der Bevölkerung sein 70jährtges Ltistungsiest, wie es stch sur e uen deulscheii Gesangverein gehört, rn erster time durch gesangliche Veranstaltungen. Das
Festkonzert ,
am Sonntag nachmittag, das in dem festlich geschmückten Neuen Saalbau stalliand, ivar recht gut besucht und nahm emen recht schönen Verlaui. Die weihevollen Klänge der Kuvertüre zu Gebers Eiiryanlhe", die von der Regimentsrnustk unter Mufikdirek or «mir pa lnchtiaer Leitung vorgetragen wurde, eröffnete diL-Reihe der künstlerischen Darbietungen. Dann betrat der einige 40 Langer starke Lbor des feftgebenben Strems das Pobiu.n, um junadjlt pingen Mannerchor von Ftlke .T°S benNche L..d NN « Orchesterbegleitung zu Gehör zu bringen. Ter Chor, der vor allem über eine Reihe klangvoller Bastslimmen verfugt - auch die anderen Stimmen sind gut vertreten - saug unter sei.ies Tirigemcn Herrn Franz Bauer temperamentvoller Leitung un allgemeinen ss-ca; sm esttr»
BäSKääSsä roaven prächtige Leistungen, an denen mau seine ehrliche Freude haben konnte. Als Solisten war Frau Küchler von Frankfurt gewonnen, die bei ihrem zweimaligen Au'treten eine aanze Anzahl tuender Lieder sa.ig. Tie Künstlerin hat eine-sehr ausgiebigeund dader llangschüne Sopranstimme und veriugl über eine bemerkenswerte Sicherheit und vollendete Technik, so dav der ihr gespendete Bestall den sie durch eine Zugabe quittierte, wohlverdient war. Ein Orchestervortrag „L’Arlesienue“ von Bizel, brachte eine angenehme Abwechslung in das Programm, das mu dem Mannerchor, „-leS ÜiebcS Heimat" fernen weihevollen Abschluß fand.
Abends schloß sich dann em
Bankett
art, das ebenfalls recht gut besucht war. Der Vereinsvorsitzende, Stadlv. Faber, hieß die Erschienenen, insbesondere die Vertreter des Staates und der Stadt sowie der befreundeten Vereine, herzlich willkommen, worauf der Schriftführer, Fabrikant Troß, die Festrede hielt. Seine gehaltvollen Ausführungen, denen als Leitmotiv der Inhalt des ersten vom Liederkranz gesungen Liedes — Gott, Freiheit, Vaterland — zu Grunde lag, unterschieden sich insofern von den üblichen Vereinsjubilaums- reben, als von dem Jubelverein darin am wenigsten die Rede war. Der Redner zeichnete vielmehr mit markigen von Zitaten deutscher Dichter durchwebten Worten ein Bild der Entwicklung des deutschen Einheitsgedankens, um dann nachzuweisen, wie groß der Einfluß war, den die deutschen Sänger neben den Schützen und Turnern auf das Zustanbekommen der deutschen Einigung ausübten. Daß der Liederkranz zu seinem Teil an dieser Entwicklung teilgenommen hat, konnte man aus den mitgeterlten Daten und Vorkommnissen des Vereinslebens entnehmen. Der Redner fchlotz nach der Aufforderung, an den seitherigen Idealen sestzuhaltm, mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog, in das bie Festversammlung begeistert einstimmte. Im weiteren Verlauf des Abends überbrachte der in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Provinzialdirektors Kreisamtmann Dr. Merck deffen Gruße und Glückwünsche und die der Verwaltungsbehörden. Er wies in seiner Ansprache auf ba§ geschichtliche Verdienst des deutfchen Männergesanges hin, der ein Grundzug deutfchen Geistes sei, und forderte die versammelten Sänger auf, an der ewigen lschon- heit des Gesanges festzuhalten. . ,
Pfarrer Schwabe, ein Sohn des Gründers unb lang jährigen Leiters des Vereins Kantor Schwabe, dankte für die Ehrung, die der Verein am Morgen dein Andenken ,eines Vaters an dessen Grabe dangebracht habe. In Anknüpfung an die in den ersten Jahren des Liederkranzes erfolgte Pistung des Lutherbildes in der Stadtkirche verbreitete er sich. über: die Bedeutung des Gesanges, indem er aus die Liebe des Reformators zur Musik hinwies unb dem Jubeloerem wunfchle, daß er auch in Zukunft die Musik pflegen und hegen solle, wie Lutter sagt, „wer Musik liebt, der hat die rechte Art". Stad v. L öber beglückwünschte in bereder Weise den Jubeloerein im .iamen der anwesenden Mitglieder des Stadtvorsrnnixs, ihm weiteres Blühen und Gedeihen wünschend. Sodann überreichten einige Vertreter von anderen hiesigen Vereinen dem Jubelverein unter emenben Ansprachen wertvolle Festgeschenke: Herr S e i d e w a n d für den Ge- sangv. Heiterkeit einen silb. Pokal, Herr^o d t für den Bauerfchen Geiangvevein eine Fal/nenschleife, Stadw. Brück für den ^chutzen- verein einen Fachiennagel, Herr Roscher für den Viaf^meiibauer- Gesangverein und Herr Löber für die Harmonie je einen silbernen Becher Die Verdienste des Dereinsdirigenten Herrn Fran- Bauer wurden von Lel-rer K l i n g entspreäfend gewürdigt und ihm ein Hoch ausgebrack>t. Das Mufikprogramm beftand and
Nachklang, 4**jt Mißktang.
Kam ich da am Sonnabend abend bis in5 Innerste ergriffen aus der Anti go n e-Aufführung. Am liebsten hätte ich mit niemanden gesprochen, niemanden gesehen. Aber bis zum Bayernkönig können wirs nicht bringen, und seinen Hut muß man nun einmal in die Garderobe hängen. So ziemlich ba_> erste, waL an mein Ohr schlägt, sind die Worte: nur Beethoven diese Chöre komponiert!" ^>ch brach los, natürlich unvernünftig, denn was geht es mich an, ob fich andere Leute den schönsten, erhabensten Genuß durch kritische Erwägungen stören lassen wollen? Aber die Worte prallten auf eine besonders empjindliche Stelle: ich wollte nur Rachklang, nicht Mißklang, nachdem ich zwei Stunden hindurch mich bem Irdischen fast entrückt gefühlt hatte.
Jetzt bin ich längst wieder ruhig. Aber die Frage bohrt in mir: ist denn das wirklich richtig, was lene Stimme sagte. Nun, ich mag mich wenden, wie ich will: immer komint mir die Antwort: nein. Beethoven und Sophokles, das kommt mir vor wie Feuer unb Wasser. Es wäre, als wollte man rhn mit Goeihe zusammenslellen ober Mozart mit Schiller. Sophokles stt doch nicht Aischylos. Wenn Beethoven diese Chöre komponiert baue, gewiß sie wären titanenhaft erklungen. Aber wo wäre das Wa geblieben, das sie so unvergleichlich macht? Herausge- treten aus seinen Ufern wäre der Strom, weggeriff en hatte er, was ihm im Wege stand. Unb wir, wir hatten die innere Ruhe nicht mehr besessen, Antigones und Creons Schichal 'v mit- iiterlcbcn, wie es der Tichier, verhalten und doch uns bis m Grundtiefen erschütternd, an uns voruberfuhrt. J<ein, uiaj Beethoven. , . _ „ , ,
Aber mußte es darum Mendelssohn. fern? Nun, ist freilich eine Binsenwahrheit, daß Mendels ohns Muse der Schicksalstragödie nicht gewachsen war. Aber ist bin
lich nur mir so gegangen, der ich doch n^.nrtn ui H al§ mancher andere, daß ich davon N'^rend S etrna^ vorübergehend, wenn eine gar zu ^uhte W^bltuende'Lösung empsunden habe? Ist es nur mir ab eine = Abschieds- furchtbarer Spannung erschienen, wenn nach Ant g ' > Nagen und -Anklagen Danaes, Lykurgvs' und^atms^^
schick nur mit leijem Frnger an gerührt wu vieles tiefer das wirklich so unfchphokleifch? Gewiß, n bcr
gefaßt sein, unb der Wunsch, daß der aiuf lst Anti-
Nänie, des Schicksals- und des Parzenlied m-r rege gen)or» gonechöre geschenkt haben mochte, lft auch . zergliedern
worden, als ich das Erlebnis vom^ Samstag begann. Aber nun überlegt doch emen . 9 ■ er zergliebern? ist das richtige Wort. Wollt rhr de-m rmmer^ dabr ihrs denn tontlitf) 9cta’1- “ ” Klappcninstcumentes",
(her Unveibeiserliche wurde sagen b„ Worte, die da & *$$** "L Ä.Ä - —
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»uüei Sonntag*.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamilien- hlgtter viermal in bei Woche betgelegt und ifveimal wöchentlich bad Kreisbiati für den Kreis Kletzen ^eristprech-An- fchlußs b. Redatuon 112
General-Anzeiger für OberheffeWD
w Notat'snrdruck und Dtrlag der vrühl'schen Untv..yuch. und §teindN!ckrr«t. ll. Langt. Redaktion. Expedition und Druckerei - Schulstroh,
§ie vcniige Yummer umfaßt 10 Seiten.
Fie KeröstKoi-junKlur
im diulschen Zöirlfchasisleöen.
Die Beurteilung beS deutschen Wirtschaftslebens zu Beginn des Herbstes ist sehr verschiedenartig. Während da und dort schon jetzt von einem Nachlassen der günstigen Geschäftskonjunktur berichtet wird, von oermmöerten Aufträgen, geringerem Nutzen und von einem Ueberfluß an Arbeitskräften, wird von anderen Seiten berichtet, daß zwar für die nächste Zeit noch mit einer flotten Tätigkeit gerechnet werden kann, daß aber dafür in einigen Nlonaten eine un- günstigere Zeit kommen muß. Vereinzelt wird auch berichtet, daß die günstige Geschäftsperiode noch immer anhält und daß auch in absehbarer Zeit keine wesentliche Veränderung zum Schlechteren eintreten wird. Ferner machen sich jetzt mancherlei Saisoneinflüsse bemertbar. Ungünstig sind diese Einflüsse für den Baumarkt, günstig wirken sie für alle die Industriezweige, deren Hauptabsatz in der Weihnachtszeit ist. Verschiedentlich wird angenommen, daß die leichte Verschlechterung, die auf dem Arbeitsmarkt eingetreten, der Anfang der rückläufigen Konjunktur ist. ES ist aber doch sehr fraglich, ob mit diesen pessimistischen Prophezeiungen das Richtige getroffen wird. Aehnliche Anzeichen einer beginnenden Ab- flauung auf dem Arbeitsmarkt konnten während der letzten Fahre verschiedene Riale beobachtet werden, ohne daß es deshalb zu einem allgemeinen Siückgang in unserem Gesamtorganismus gekommen ist.
Tie Nachlveise über die Arbeitslosigkeit in den deutschen Fach verbänden, die vom Kaiserlichen statistischen Amt regelmäßig veröffentlicht tuerden, haben bisher eine Verschlechterung im allgemeinen auch nicht nachweifen können. Wie im zweiten Quartal dieses Jahres betrug auch im dritten Quartal die Höhe der Arbeitslosigkeit nur 1,4 Prozent der in die Statistik einbezogenen Arbeiter.
Von größtem Interesse für die fernere Gestaltung des Arbeitsmark'tes ist die Lage in dem großen Gebiete der Eisenindustrie. In diesem Industriezweig, der mit seinen Ausläufern für Deutschland eine so große Bedeutung hat, war seit langer Zeit die angestrengteste Tätigkeit zu beobachten. Seit langer Zeit betrug der Prozentsatz der Arbeitslosen in der Eisenindustrie und in der Metall- industrie niemals mehr als 1 Prozent, teilweise war dieser Turchschniltssatz noch wesentlich niedriger. Infolge dieser Hochkonjunktur mußte schließlich auch einmal ein Zeitpunkt Krumen, in dem die Nachfrage etwas nach läßt. Dieser Zeitabschnitt scheint jetzt gekommen zu sein. Zwar wird augenblicklich in fast allen Zweigen noch mit Anspannung


