Nr. 79
Erstes Blatt 1S7. Jahrgang Freitag 5. April 1907
ju'y n "®r^" Q nJ?'m»**f»,*! *n*
oufeet SonntagT. ÄwÄS3e . jährlich Stt. 2.20, durch
Icm@lt6.n«„ Z2T ▲ AAA AA| Mg 4 Ai A —4Ä*S
werden tm Wechsel mU K Iw^A M A Vlä 23 Pti tg fl'ä» M SR Sj 1 V K 1 gg | > H ▼ öiePost M L - inenel-
dem ffesfffchen Landwirt M M «I M Bx B B Bz B ® H B B -«k BÄ BÄH S ,ät)lL Qu-id)l vBe,IeU«-
die Siebener ZamUien. MW W B HF BIk B B QT B H BH | B I B Annahme oo, Zinkige*
X ÄTu“ x/ ▼ V । ■ VI ▼ V <r Vv I ▼ ■ v ▼▼IV V ES zweimal wöchentlich da? BBr ouetoä rte SO Ptenn'g.
Krtlsblatt fflr ötn Kreis < a< ♦ */<a f < ** LZeranlworlltch tüx
E—• General-Anzeiger für Oberhessen UM
Ad-«n- m- D«°-ich-n! 8o(a(!ons!)ru4 nnb per|ag 6er vrühl'schen Unio.-Vuch- unö Steinbruderei. R. Zange. Keöattios, «rueöition unö Druderet: Schulftratze 7. ^‘^,clltu*t)at^ *,nj
Aie „tzrbjeinde" in Marokko!
Das Wort vom .Erbfeind Deutschlands* hat wieder einmal neue Nahrung bekommen durch das großsprecherische Auftreten einiger französischer Offiziere, und wenn auch die französische Regierung diesen .Revanche" Helden durch eine Strafversetzung zu erkennen gab, wie das offizielle Frankreich über unnötige Provokationen denkt, so zeigt der Vorfall doch, welche Stimmung immer noch bei einem großen Teil der Armee beS französischen Volkes herrscht und daß der Mund oft von dem Ruf nach Revanche übergeht, weil das Herz davon voll ist. Es ist auch bisher weder der friedlichen Politik Deutschlands noch dem oft gezeigten Entgegenkommen deS deutschen Kaisers gelungen, diese Stimmung zu unterdrücken. Darum regt sich in ängstlichen deutschen Gemütern stets, wenn Frankreich und Deutschland irgendwo zusammen- trcffen, der Gedanke einer gewissen KricgSmögllchkeit.
Bei der Besetzung UdschaS hat die franzüs. Regierung erklärt, daß sie nur provisorisch sein soll, aber man hat doch nicht vergessen, daß französische Kolomalpoiiiiker schon seit mehr als 60 Jahren darauf aufmerksam gemacht haben, von wie großer handelspolitischer Bedeutung der Besitz dieser Stadt für Frankreich sei. Schon 1845 hatte Frankreich eine Besetzung von Udscha vorgenomnien; auf den Einspruch Englands, des damaligen Beschützers von Marokko, erfolgte nber wieder der Abzug der französischen Truppen.
Nach zwei Sellen hin müßte die Tatjache eines dauernden Besitzes UdschaS in französischen Händen betrachtet werden. Obwohl die Stadt kaum 8000 Einwohner zählt, liegt ihre Bedeutung doch darin, daß sie die darin einzige Zugangs- Pforte aus Algier nach dem eigentlichen Marokko ist und obendrein die große Karawanenstraße nach Fez beherrscht. Ein Kenner der marokkanischen Verhältnisse schätzt den Handel auf dieser Straße auf etwa 15 Millionen jährlich, wozu noch der Vorteil kommt, daß im Gegensatz zum Uebersee- handel der anderen Nationen keinerlei Zölle erschwerend auf den Handel emwirken. Naturgemäß würde Frankreich im Besitz von Udscha es sehr bald dahin bringen, der alleinige Lieferant für das ganze Mittelmarokko zu werden und hätte damit einen tüchtigen Schritt vorwärts getan auf der Straße, die als Endziel die friedliche Besitz- «rgreifung VlarokkoS durch die Franzosen hat. — Aber auch politisch betrachtet würde die endgültige Besetzung UdschaS von noch gar nicht absehbaren Folgen begleitet sein. Seit 1845 wünschen die Franzosen nichts sehnlicher, als daß eine neue Grenzregulierung ihnen die Figig-Oase zuspräche und den Weg über die Oase Tafitelt in das reiche Sus- gebiet eröffnete. Man versucht das zu ermöglichen, daß man statt der jetzigen Grenze den Gir- und den Mulujafluß als Grenze an strebt.
Es ist zweifellos, daß eine solche Veränderung der bisherigen Grenzlinien dem deutschen Ansehen in Marokko nicht ungefährlich fein würde und daß Deutschland ein Interesse daran hat, Udscha nicht für immer m französischen Besitz zu laßen. Die Politik der offenen Tür, die Deutschland zu seinem Eingreifen in die Marokko- Händel veranlaßte, würde dadurch einen Stoß bekommen und der freie Wettbewerb aller Nationen in Marokko beeinträchtigt werden. Unter solchen Umständen ist es nicht ausgeschlossen, daß wegenR„des Stückchens Marokko" am politischen Wetterhimmel wieder einige Wolken aufsleigen können, falls e§ nicht von vornherein zu einer Verständigung kommt. Daß man eine solche suchen wird, ist selbstverständlich und es bedurfte nicht des Rates der —pg-.-ym-'-TW ■"»MOJMEHUBa 1 En—flBMBmnMiII.W jUBEBBUMIHI UIIBnüfF
Kleines Feuilleton.
* Ucber das deutsche Kaiserhaus bringt, Jules Huret in seiner Artikelserie int „Figaro" allerlei Klatsch. Er scheint m allen Winkeln herumgeschnüs,eit und bei allen Lakaien herumgehorcht zu haben, und erzäh.t nun den Parisern mit komischer Wichtigtucrei, was er von den Mitgliedern der kaiserlichen Familie weiß. Am drolligsten roirlt er, wenn er mit einem gewißen gönnerhaften Wohlwollen dem Kaiserpaare und den Prinzen „Fuhrungsatteste" ausstellt. Dem Kaiser bescheinigt er, daß er ein guter, treuer Ehemann fei; er lebe mit der Kaiserin sehr gut, betrachte sie auch heute noch^mtt den Lugen des Versiebten und habe schon deswegen leinen tsinn sur „Liaisons". Was den Kronprinzen betrifft, so gleicht er seinem Later ganz und gar nicht. Sehr große Charakteruntev- schiede werden den Konflikt, der eines T ag es zwischen den beiden aus brechen muß (!), wahrscheinlich sehr verschärfen. Ter Thronfolger haßt nämlich alles, ivas unnütze Parade und Schaustellung ist. Der junge Mann, der sehr liebenswürdig ist, mit den Frauen sehr nett zu plaudern weiß und sehr gut tanzt, war bis jetzt nicht sehr populär, da er fast ängstlich jeber Gelegenheit, von sich reden zu machen und sich zu zeigen, aus dem Wege ging. Lor seiner Verheiratung hatte er zahlreicheLieb- schäften, die er alle sehr ernst nahm; als Bonner Student wollte er sogar auf den Thron verzichten, .um eine jungeAmerikanerin von deutscher Herkunftzu b e i - säten (!!'. Ter Kronprinz erklärt rund heraus, datz^er für Kunst kein Interesse hat. Er ist em großer Sport - ß r e u n d und widmet sich mit großem Eifer der Gardes du Eorps- Schwadron, die unter seinem Kommando steht. Alan erzählt in Potsdam, daß der Kaiser, als er zum erstenmal die Soldaten ßeineS Sohnes besichtigte, ihm über feine persönliche Haltung vmd über Diic Haltung seiner Leute ein besonderes Kompliment machte. Ter junge Kronprinz, der sich sonst beherrschen kann, wurde rct und blaß vor Freude. Sonst ist er für Schmeicheleien nicht zugänglich. Alan mit ihm aber vor, daß er etwas stolz jfei und bewnoers feinen Brudern gegenüber die Auto- n i tüt ge.tend zu machen suche. So dunen z. B. bei Tisch die 'Prinzen cr|i dann aus stehen, wenn er das Zeichen dazu gegeben hot. «Sobald er sich erheot, tun feine Brüder dasselbe, den Heinen •ginget an der Hosennaht. . . Huret erzählt dann mit der
.Times', die mit dem biedermännisch-heuchlerlfchen Jnieresie deS KartenspielerS, der seinen Mitspielenden in die Karten gucken möchte, Frankreich und Deutschland aufforderte, sich offen über ihre Interessen in Marokko zu verständigen. In der halbofsiziösen „ftöln. Ztg." wird darauf hingcwiesen, daß in Deutschland ebenfalls für erstrebenswert und notwendig gehalten werde, was die .ftnneS" jetzt befürworte und was dasselbe sei, was Deutschland durch sein Eingreifen in die marokkanischen Angelegenheiten bezweckt habe, als England den Maghrab nut Uebergehung der Interessen aller übrigen Mächte durch fein Abkommen mit Frankreich der Republik zur alleinigen Nutznießung ausliefern wollte. Eine offene Tür, ein freier Wettbewerb aller sei es, was Deutschland in Algerien erstrebte und erreicht habe. Daß die marokkanische Regierung Deutschland einen größeren Einstuß einräumte, nachdem dieser in Wahrung seiner eigenen Interessen und der aller beteiligten Mächte für die Integrität Marokkos eingeli'eten war, fei eine natürliche Folge der Verschiebung der Lage. Niemand werde Deutschland daraus einen Vorwurf machen können, daß es auf fein Wachsen stets im Sinne der AlgeciraS-Akte und im Interesse der Zivilisation gewirkt habe:
.Auch jetzt würden mir nicht raten, daß Deutschland seine sicheren Trümpfe fahren läßt, daß es nicht den Sperling auS der Hand gibt, mell die Friedenstaube der Verständigung mit Frankreich vom Dache herab lockt. Aber wenn es sich bestätigen jollie, daß ein deuisch-sianzösisches Einveinehrnen über die leidige Ge- jchichle der Fnnkentelegraphle m Aussicht stände, würde man das m Tentschland mit Freuden als ÜJlufiexbenpiel da'nr begrüßen, wie man sich die Ausführung der Algeciras-Akte in der Praxis denkt und wie man deutsche Politik in Marokko und auch soniiwo treiben möchte, nämlich durch eine offene ehrliche Verständigung, welche den Interessen der anderen gerecht wird und die Deutschen nicht schädigt."
Solche Worte eines halbofsiziösen BlatteS bieten die Gewähr dafür, daß von deutscher Seite die Hand nicht zu- rückgestoßen werben wird, die sich uns zur Verständigung entgegenstrecken sollte. Mit Rücksicht aber auf die Erfahrungen der Algcciraskonferenz wird man feine mahnende Stimme erheben müssen, daß seitens unserer Vertreter mehr Festigkeit und Geschicklichkeit und seitens unserer Regierung zur Unterstützung ihrer Vertreter mehr Stetigkeit gezeigt werde, als das auf der Marokkokonserenz der Fall war.________________
politische Lngesschar».
Wieder ein sozialdemokratischer Agrarier.
Heute möchten wir auf einen recht bezeichnenden Aufsatz von Max Schippet in dem Aprilheft der „Sozialistischen 'Monatshefte" Hinweisen. Schippet meint in seiner „Agrar- krisis, Industrie und Industriearbeiter" behandelnden Darlegung, daß die absolute FreihandelStheorie Bankerott machte, bau ihre noch übrigen Verfechter sich, „mit unheilbarer historischer und ökonomischer Blindheit geschlagen", gegen offensichtliche Tatsachen verschließen, und nur auf dem preiS- hcbenden Machtsaktor, dem Zoll, und nichts als dem Zoll Herumreiten. Schippel sagt:
„Aber wenn man sich erst einmal in einem besonnenen Augenblick vergegenwärtigt, daß neben dem Zoll seit dem Herembrechen der internationalen Agrarlrisis preisdrückende Faktoren von geradezu unwiderstehlicher Wucht in die Rechnung mit elnzustellen sind, ja, dap die neu eingeiührten Agrarzölle schließlich weiter gar nichts waren, als die erst schwächeren, dann heftigeren Gegenschachzüge der bürgerlichen Gesellschaft gegen den zusehends sich verschärfenden abnormen internationalen Preisdruck, bann bat man m Wirklichkeit zu fragen, ob die Mlnusposten der Gesamtrechnung nicht das ZollpluS überwiegen."
Das exemplifiziert Schippel an der Entwickelung der Getreidepreije und der Getreidezölle, namentlich für England
und sicantreich und Deutsch.and. Er behaupte, dog das Widerstreben der Arbeiter gegen „das reine unverfälschte und unverwässerte Konsumenteneoangelium" im Wachsen ist. Tie Arbeiterklasie wiffe aus Erfahrung die Kehrseite emeö übertriebenen, abnormen Preissturzes zu würdigen. Unter der daraus folgenden ArbeitSmarktkrisis würde dem Arbeiter sogar die spottdilligste Ware unerschwinglich.
„Eine günstige, ganz automatisch auch für die ökonomischen 'Hrbeuerinterefie» günstige Roniimhut kennen wir gar nicht anders als untrennbar verbunden nut höheren Preisen . . . Sollte ein solcher erzwungener landwiruchaitlicher Produktionsstillftand nicht gleichfalls auf den Arbellsinarlt drücken, eine gewisse Preishöhe für Die laiidwirtschalllichen Erzeugnisse nicht ebenso parallel laufen können mit einer landwirtschauiichen Produktionsbelebung, die uner- jcits wieder auf den Arbeitsinarkt belebend zurückwirten müßte? . . . Tie bürgerliche Gesellschaft Mittel- und Westeuropas hat in ihrer Art dieser Agrarkrisis durch möglichste Fefthallung des altgewohnten Preisniveaus, durch Alllderung des Preissturzes zu ivehren geiucht. Tas und weiter nichts ist der Stern des neu- errichieien Agrarfchutzes leit dem Ende der 70er Jahre, seit dem Herau'zlehen der neuartigen internationalen Agrarkonkurrenz; statt iörmlich zusammenzubrechen, sind die Preise infolge des Zolles langsamer herabgegluien."
Las ist ungefähr dasselbe, waS auch die Vertreter der Landivirtschaft sagen._____________
DaS „agent provoeatellr^-Wesc» in der russischen Polizei
illustrierte eine Verhandlung vor dem Kiiegsfeldgericht zu Moskau, vor welchem Uch der Bauer P o l p i e d a unter der Anklage deS 'Jt a u ü e s und des Mordes m mehreien Fällen zu veranuvorten hatte. Er war von der Militärbehörde emgelie-ert worben. Auf Die Frage, ob er sich schuldig fühlte, erzählte Polpiecka >oigendes: Im vorigen Fahre habe er un Gouvernementspoli^eigeiängnis eine dreimonatliche Gefängnisstrafe verbügt. Eines xages habe ihn dort derEhef der politische »i Geheimpolizei Koz - l o w besucht und gefragt, ob er nicht sofort dte Freiheit wiebev erlangen möchte. Als er dies bejaht, habe Kozloiv hinzugeiiigt, er solle mcht nur sofort entlassen weiden, sondern auch einen guten Verdienst erzielen, wenn er seine Vorschläge treulich befolgen wurde. Kozlow sagte nun: Er, der Angeklagte, solle sich Den Revolutionären ansch11eßen, mit denselben rauben, plündern unö morben und nachher Die R a m e n der Revolutionäre der politischen Polizei Mitteilen. Anger den ihnt aus den Plünderungen zustiegenden reichlicheti Mitteln würde er, so fuhr der Angetlagte fort, für jeden Revolutionär, Den er Der Polizei verrate, augerbem 100 Rubel erhalten. Notgedrungen habe er diesen Vorschlag angenommen unö sich von Kozlow lerne völlige <2 t r a i l o s i g k e r t zustchern lassen. Ter Geheunlommisiar habe auch gesagt, er solle nur ruhig niit- machen, er wurde immer |ira|los ausgehen. Es wuröen nun dem Angeklagten — das ergab die mehrere Tage dauernde Verhaitd- lung — von der politischen Geheimpolizei, der sogen. ^Ochrana", mehrere Hundert Bomben, Broivmng-Revolver, Tynamit, son7ie andere Expiosionsstosfe geliefert. Bald war Polpiecka Der ge- iürd)tetfte Anarchist m Moskau unö wuröe zum Vertrauensmann Der revolutionären Partei ernannt. Schließlich erkannten leöoch feine Genossen Den Violi im Schafspelz und eines Tages sandte man ihm m dem üblichen roten Kuvert, Öen sogen, „roten Bries", nämlich bas Toöesurtell zu. Polpiecka wandte sich an bie Polizei um Hülfe. Ton wurde ihm erwidert, er solle unbesorgt fein, er würde zwar mit den anderen Anarchisten zusammen verhaftet, auch im Gefängnis interniert werben, aber bas Gericht würbe ihn freisprechen. Rur zum Schein würde er vor ein Kriegsgericht gestellt und nur zum Schein zum Tode verurteilt werben, bas Urteil werbe aber nicht vollstreckt werben. Das Kriegsgericht verhängte bann auch zwar über Polpiecka bie Todesstrcue, beschloß aber gleichzeitig, ihn der Gnabe des Kaisers zu empfehlen.
Itolonialpofte
Der „Köln. Z/ wird aus Berlin telegraphiert: Sicherem Vernehmen nach hat sich die South-Westasrica Company jetzt entschlossen, um ihrem Farmgebiet das bekannt gewordene K npferv orkommen zu erschließen, eine Eisenbahn von Otavi nach Grootfontein zu bauen. Die
Prinzessin von Cumberland hei^-sfür Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen in einer 58er- i fei bereits abgemacht gewesen, als zwei sammlung von Vertretern zahlreicher angefchloifener Vereine be-
Miene eines Wissenden, daß die Ehe des Kronprinzen sich bis jetzt sehr glücklich zu gestalten scheine. Und doch habe der Kronpr
(16. Mai). — Die Einzeichnungen zum Theaterbejuche sind in allen Orten gut, ein Beweis, daß das Unternehmen einem B> birtiiiifie des Geisteslebens entgegeniommt, und daß der hur zum eriwn Mine in Deutscyiand gemachte Veriuch, durch Vereinstarig- teit das Theater in den Dienst der Volksbildung zu stellen, Aussicht lM, zu einer dauernden Einrichtung zu werden.
fe volkstümlichen Theatervorstellungen, cranftaltung im Dez. v. I. vvm Rhein-Mainischen Verband
eigentlich eine l.
raten sollen; alles sei bereits abgemacht gewesen, als zwei alte treue Anhänger des Herzogs von Cumberland nach Kopenhagen fuhren und zu ihrem Herrn, der sich damals dort aufhielt, also sprachen: „Wie, Hoheit! Sie wollen uns verlassen, ims, die Getreuen, uns, die nie wankenden Stützen des alten Rechts, die wir feit vierzig Jahren unsere ganze Kraft bingeben, um den Eifer Ihrer Anhänger wach zu halten?! ... Es bleibt uns also nichts mehr übrig als zu sterben. . ." Der Herzog sann einen Augenblick nach und erwiderte dann: „Es ist wahr, ich hatte unrecht." Und die Untcrbanhungen mit Berlin und Potsdam wurden abgeorochen. — Viel Gutes weiß der Franzose über die Kronprinzessin Cäcilie zu tagen; der einzige Vorwurf, den man der jungen Frau machen könne, sei — ihre Mutter Anastasia, von der Klatichgeschichten erzählt werden. Die Kronprinzessin wußte schon während ihres ersten Aufenthaltes in Berlin — als Brant — aller Herzen zu erobern; sie hatte für jeden ein liebenswürdiges Wort. Dem Kaiser gegenüber sehr zärtlich und zutraulich, setzte sie durch ihre sonnige Schlichtheit und ihre gar nicht schüchternen Antworten die Frauen des Hofes und der kaiserlichen Familie, die immer vor dem Herrn und Dicifter gezittert hatten (!), in Erstaunen. Sie küßte ihn ab und behandelte ihn überhaupt, wie man einen lieben Schwiegerpapa behandelt: das Eis war gebrochen. Ta sie überdies sehr gläubig ist, gewann sie auch noch die Gunst der Kaiserin. — Tes Kaisers zweiter Sohn, Prinz Eitel, ist ganz Svidat und hat die Natur seines Urgroßvaters; daraus ut es wohl zurückzu.ühren, daß er populärer ist als fc?er Kronprinz. Vom Prinzen Adalbert behauptet Huret, daß er für die Marine, für die ihn der Vater bestimmt huoe, durchaus nicht schwärnic. Prinz August Wilhelm wird, wie eine Potsdamer „Geivuhrsjrau" des Franzosen wissen wttl, Zivilift b.:iven und „den schwarzen Rock" tragen. Er hat von des Vaters Eigeuicha^eil nur die halste: er interessiert sich f ür die Kun p. «2;c ci.Deren kai,er- sichen Kinder sind nod) zu iung, als daß man von ihnen »prechen iönnte. Man weiß nur, daß sie alle iel)t streng gehalten werden.
schlossen wurde, haben mit einer zweimaligen Ausführung von Schillers „Kabale und Liebe" in Dörnigheim begonnen; sie werden in den Monaten April und Mai in zahlreichen Orten des Nhein-Alaingebietes fortgesetzt. Zur Ausführung gelangen klassische Stücke, die auch bei einfachen Bühnenoerhäitnisfen gegeben werden können: Minna v. Barnhelm und Emilia Galotti von Lessing, Kabale und Liebe von Schiller, Maria Magdalene von Hebbel, Der eingebildete Kranke von Molit-re. Die einheitlich hergestellten Theaterzettel, die zugleich als Eintrittskarte dienen, enthalten kurze Einführungen in das Leben des Dichters und den Inhalt des Stückes, außerdem ein Pstd des Dichters. An manchen Orten wird außerdem ein einführender Vortrag gehalten. Das Schaufpielperfonal, das dem Hanauer Stadttheater angehört, hat sich in eine Gruppe für nördliche und in eine solche für das südliche Gebiet geteilt.
Die nörd.ia-e Gruppe fpieit in den Orten Hofheim a. T. (5. April), Dillenburg (8., 9. und 10. April), Diez a. d. Lahn (15. und 22. April), Id.iein (21. April) und Wetzlar (18. und 10. April). Die fudsiche Gruppe spielt m Dörnigheim (4. und 5. April), Fechenheim (6. April), Höchst L O. und Groß-Umstadt (7. April), Preungesheim (8. April), Frankfurt (9., 12. und 15. April), Ofsen- dach (10., 11. aunb 16. April), Schwanheim (14. April), Höchst a. M. (14., 18. und 20. April), Neu-Isenburg (17. und 25. April-, Königstein (19. und 24. April), Flörsheim (13. und 21. April), Griesheim a. M. (22. April), Rüsselsheim (21. und 23. Aprils Langen (26. und 27. April-, Sprenölingen (28. April-, Butzbach (29. und 30. Avril), Alsbach a. d. B. (2. Mai), Heppenheim (3., 5. und 12. May, Ostho.en bei Worms (4. und 7. Mai), Worms (6. und 9. Masi, Torndürkheim (8. Mai), Grünstadt (10. und 11. Mai), Pirmasens (13., 14. und 15. Masi, Rheipdurkheim


