Ausgabe 
4.12.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 285

Zweites Blatt L 57. Jahrgang

Mittwoch 4. Dezember 1907

Orlchewt «glich mit Ausnahme des Sonntag-.

Die ^chletzener SQintltcnblättcr** werden dem .Anzeiger* otennal wöchentlich beige! egt, da- hrcisblati ffli den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Der ..hefstlche LaadwtN" erscheint Monatlich einmal.

Gießener nzeiger

General-Anzeiger für Gdecheßen

Rotationsdruck and Verlag bet Br Ührchen Untöcrfudtß - Buch- und ®tetnbcucteiet tft Lauge. Oretzen.

Redaktion. ExpedtNon and Orudtret' Schul» ftiube < Expedition and tiertag er-HH, bL Redakrwn^ 112. An^erGcetzen»

Stlmmungsöild aus dem Reichstage.

Berlin, 3. Dez.

Die Sensation scheint im Deutschen Reichstage sich ruchgerade Hausrecht erwerben zu wollen. Man hatte geglaubt, der fünfte Tag der Etatsdebatte werde ver­hältnismäßig friedlich vorübergehen. Aber der Führer der Nationalliberalen, Herr Paasche, hielt eine Rede, die ivie ein Kampfpäan wirkte. Der p r e u ß i s ch e Finanz- Minister hat mit seiner allerdings höchst unklugen Her­ausforderung der Nationalliberalen der Regierung eine böse Suppe eingebrockt; die Partei weih sich kräftig genug, am die Anzapfungen Rheinbabens nicht ruhig hinzuneh- men, und der allzuschneidige Minister mußte sich mit flecht von Herrn Paasche sagen lassen, daß er mit seiner Schneidigkeit den Block gefährde. Ihm galt es auch wohl m der Hauptsache, wenn der nationalliberale Redner Me bundesstaatlichen Finanzminister der Hauptschuld an ber Finanzmisere des Reiches zieh.

Es sollte aber noch böser kommen: Der scharfen Polemik des Abg. Paasche gegen Herrn v. Rheinbaben folgte eine noch schärsere gegen den Kriegs- M i u i st e r. In dürren Worten erhob der nationallibe- rale Wortführer gegen Herrn v. Einem den Vorwurf, daß tt nicht dafür Sorge trage, über die Vorgänge in der Armee aus dem Lausenden zu sein. Die kriegsgerichtliche Verhandlung, die am Freitag in Potsdam stattgesunden, hätte den Beweis erbracht, daß die Verfehlungen ber Grasen Hohenau und Lynar in der ganzen Armee bekannt waren, und daß man auch dem Grafen Luno Moltke gleiche Verfehlungen in der Armee nachsagte. Vicrulwzwanzig Stunden nachher habe der Kriegsminister, obwohl Beweise für die Verfehlungen Hohenaus dem Kriegsgericht Vorlagen, noch erklärt, den beiden Offizieren sei nichts nachgewiesen. Das zeige, betonte Herr Paasche vollem Recht, einen höchst beklagenswerten Mangel tm der Information des Kriegsministers über die wich- tägsten Vorgänge in der Armee. Trotz der gelegentlich eiugeflochtenen Liebenswürdigkeiten hatte man den Eindruck, t«ß der nationalliberale Sprecher es darauf abgesehen hatte, Herrn v. Einem für diese Mißstände verantwortlich zu machen, und die Erregung des Hauses über diesen un­vorhergesehenen Vorstoß der Nationalliberalen gegen die Legierung war außerordentlich. Generalleutnant Sixt r. Arnim bedauerte, daß der Kriegsminister am Er­scheinen verhindert sei, und Herr Lattmann von der Wirtschaftlichen Bereinigung nahm Herrn Paasche scharf ins Gebet, weil er dem Minister sein Material nicht vor­her zugänglich gemacht und ihm so die Möglichkeit soforti- ger Gegenwehr gegeben habe. Der Vorwurf war unbe­rechtigt; tatsächlich hat Herr Paasche, wie er hernach unter großer Bewegung des Hauses feststellte, am Montag abend hm Kriegsminister telephonisch von seinen Jnterpella- tronsabjichten verständigt . . . Nicht gerade schön war die Trt, wie Herr Lattmann andeutete, daß vielleicht persön- li.che Gründe Herrn Paasches Sohn ist mit Hardens Achte verlobt den nationalliberalen Führer zu seinem Torstoß bewogen haben, der ja zugleich eine Ehrenrettung H-ardens bedeutete.

Aus der weiteren Debatte, deren Eindruck durch Laasches scharfe Polemik gegen die Regierung ziemlich verwischt wurde, sei noch eine temperamentvolle Rede des Lbg. G o L h e i n von der Freisinnigen Vereinigung er­wähnt, der ebenfalls die Regierung beschuldigte, den Block M gefährden, und für diese Behauptung Beweismaterial

in reicher Fülle beibrachte. Morgen wird zweifellos Herr v. Einem an seine Rechtfertigung gehen, und der Tag kann nicht minder interessant werden als der heutige, zumal mit einer Antiblockrede vom Zentrum ingröberem" Stil der Afrikavortrag des Herrn Dernburg fällig ist.

AoUtiichc SageKßcha«.

Nationalliberale Partei und Arbeiterschaft.

Man schreibt uns:

Auf bem Parteitage der Nationalliberalen Partei sagte einer dec dortigen Delegierten der Arbeiterschaft: »Die Aus­führungen Bassermanns haben gezeigt, daß die National- libeualen sich bemühen, den Forderungen der Arbeiter gerecht zu werden. Rian soll den nationalen Arbeiter noch weiter entgegentomnien durch Hinzuziehung von Arbeitern in die Vorstandsschaften usw." Die NaUonalzeilung vom 2. Dezember bmgt man folgende Notitz:

Teii in Kaiserslamcn, Neustadt, LudwigShcrsen und Pirmasens bestebeudeu liberalen Arbeitervereinen, die sich bem- nächst in einem pfälzischen Verbände zusammenschließen roerben, ist das Recht verlieben worden, je zwei stimmberechtigte Vertreter in den großen Ausschuß der n a t i o n a 11 i b e r a l e n Partei der Platz zu ciuienben." L.

EönsejanSt.

(Für Form und Inhalt alter uiuei bieier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 3. Dezember 1907.

Ich habe auf das Eingesandt in Nr. 269 des Gießener An­zeigers vom 15. vor. Alts, nicht mehr erivibert, well ich den Ein- ienber wegen der darin enihallenen Beleidigungen gerichtlich be­langen wollte.

Da es mir aber bisher nicht gelungen ist, seinen Namen zu ermiileln, und auch die Grouh. Baubehörde dahier, an die ich mich beschwereiid loaubie, mir den Schutz gegen dieie teigen, anonvmen Angriffe durch Unterstützung bei der Ermutelung des Talers ver- iveigeite, bin ich genötigt, folgendes öffentlich ^esizustetten:

E s i ft unwahr, daß i ch mir bei Vanbeamteu Rat erholt hätte, in rv e l ch e r Weife die in mein Fach einschlageiiden Arbeiten auszuführen feien.

Es ist dagegen wahr und kann von mir jeder­zeit b e io i e f e »i werden, daß ich schon mehrmals von Seiten der Baubehörden m wichtigen Dingen um m e i n e n R a t gefragt rourbe.

Hiernach stellt sich speziell die Behaiiptung des Emgesandts, ich sei der Letzte, der an der Tätigkeit der Baubeamten Jlritif üben dürte, als eine schwere, durch nichts gerechtfertigte Beleidigung dar, die ich mit aller Entschiedenheit zurückweije. G g. A p p e l.

(Wiederholt, weil gestern diirch eine» Druckfehler unverständ­lich. D. Red.)

*

Bom (Siebener Stadltheater.

Tas Eingesandt in Nr. 282 desG. A." über den Anfang der Theatervorstellungen geht von einem ganz einseitigen Stand­punkt aus. Wir tonnen der Direktion nur abraten, auf den Dvrichlag, den regelmäßigen Beginn der Vorstellungen auf 7 Uhr festzusetzen, einzugehen. Der Einsender gibt selbst zu, daß schon em Teil des iyv Mffchäftsleben stehenden Publikums um 7 Uhr schwer abkömmlich ist. Tas erscheint dem Einsender nebensächlich. Er hat aber merkwürdigerweise die Universität, wie cs scheint, als ebenso unerheblich gar nicht mit gerechnet. Tie Universität, d. h. Professoren und Studewen, würden bei einem regelmäßigen Dorstellungsbeginn um 7 Uhr vom Theaterbesuch ausgeschlossen werden. Nicht nur einzelne SBorlefungen, sondern eine ganze Reihe wichtige und von einem großen Auditorium besuchte Vor­lesungen werden von 78 Uhr abercds abgehalten. Ein Teil dieser Vorlesungen wird außer von Studenten auch von anderen Kreisen besucht, die als gleichfalls durch die vorgeschlagene Aenderung in Mitleidenschaft gezogen würden. Außerdem finden den ganzen Winter hindurch in der Univeriität Prüfungen, Sitzuir- 9en 2C. bis 8 Uhr statt. Wenn sich also die Direktion ent­schließen wollte, ohne Rücksicht auf diesen Teil der Theater­besucher, densanitären und familiären Wünschen" zu Gefallen, die Vorstellungen regelmäßig um 7 Uhr beginnen zu lassen, so würde ihr damit ein gewaltiger Ausfall an Abonnenten zuteil

Kleine# Feuilleton.

Ein vergessener Büdinger Gelehrter. Man schreibt uns aus Büdingen, 1. Dez.: Der vor wenig Jahren gegründete Büdinger G e s ch i ch t s v e r e i n hielt gestern seine Hauvtversammlung ab. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Pro- omzialtag dem Verein eine jährliche Unterstützung von 100 Mk. bewilligt habe. Hierauf hielt Prof. Tr. S ch a e ö e l einen Vortrag iter einen mit Unrecht hierzulande in Vergeffenheit geratenen vohn unserer Stadt, den Humanisten Heinrich R l e b i s ch. liicblsch, 1485 hier geboren, besuchte die Gelehrtenschule seines ?eiinalstädtchens und genoß hier den Unterricht des bekannten fobeldtchters Erasmus Albertls. 16jährig bezog er, wahrscheinlich nit Unterstützung des Grafen, die Unlversitäl Leipzig, wo er sich 1509 habilitierte. Hier verfocht er schon, noch ehe Lilther auf- sklreten war, reformatorische Ideen, u. a. empfahl er die Freigabe >er Priesterehe. In Breslau, wo er später als Syndikus, liauolnkus md königl. Rat wirkte, entfaltete er eilte äußerst umfangreiche Listigkeit. Er vertrat die Stadt erfolgreich in schwierigen Händeln, die Einführung der Reformation in Breslau ist zum großen Teil ein Werk; einem Anschlag seiner Gegner, nach dem er wie weiland Nepomuk von der Moldaubrncke gestürzt werden sollte, eiitgmg er mit genauer Not. Politisch weitsichtig erwies er sich in seinen Larmmgen vor der Türkengefahr er hat später die Belagerung Liens durch die Türken mitgemacht und in der Nlahnung zur Linigkeit, die er an die Deutschen richtete. Ails dürstigeu Verhält- Wen heworgegangen, brachte er es zu großem Reichtum. Schloß >md Stadt Freiwaldau brachte er in seinen Besitz. Sem Haus in Breslau wurde als Wunderbau angestaunt, und noch heilte erregt Der erhaltene Teil der Fassade mit dem prachtvollen Portal die Lewunderung aller Nenner. fürstlicher Pracht ist auch fein Grabmal, an dein volle fünf Jahre gebaut wurde; Geheimrat Förster hat kürzlich Ateister Michel Fiedler als Schöpfer desselben eitgeftellt. Ein /Riebisch-Becher" ist heute noch ein Prunkstück des Breslauer Alufeums, und Riebisch-Medaillen stehen in höchstem Lert. Tas Wappen, das R. sich schuß weist die zwei Qiterbalken Des Büdiuger Wappens auf. R. starb, mit Ehren uberhanst, tm Zähre 1544; in fernem Testamente setzte er einer m Bndmgen ebenden Schwester ein Legat aus. Der interessante Vortrag wurde nit reichem Beifall belohnt. E6 ist in der Tat ein Verdienst, emen rrofeen Sohn unserer Stadt, die an solchen naturgemäß kernen Ueberflub hat, der Vergessenheit entriflen zu haben.

_ W i e man in der Stadt Siegen vom Theater vricht. In Siegen haben die Stadtverordneten 1000 Mk. be­willigt Aur Schaffiing eines 6ivöchentlichen Theaterspieles. Darüber große Empörung bet den Christlichsczialen. Einem langen Rewrat t>E5 Slea Volksbl." entnehmen mir, wie m einer Burger- »erjammlunfl der christl.-soz. Gewerlschasts.Sekretär Buchner in

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großer Erregung darüber gesprochen und welche Gründe er u. a. dagegen angeführt hat. Was er zunächst vorbrachte, hatte ja einigen Sinn. Er meinte, man befände sich z. Z in absteigender wirtschaftlicher Konjiinktur und könne iiicht abjehen, wie sich die Verhältnisse für die Arbeiter noch gestalten werden. Angesichts der hier und da eingetretenen Lohiireduzierinigen werde dem Arbeiter jede Lust vergehen, das Theater zii besiichen. Tas war ja tm Sinne der Arbeiterschaft nicht nnvernünftig gesprochen, obwohl ihn, entgegnet mürbe, daß es mit der mirtschaftltchen Lage gar nicht so übel bestellt ist. Aber Herr B. meinte auch, mit dein Theater mären doch noch anberroeitige Ausgaben verknüpft.Da muß zum Beispiel die F r a u eineneuenHut undMante 1 haben, ober mas sonst noch notig ist zum Theaterabeiib". Unb roeiter:lieber bett Wert bes Theaters kann man verschiebener Nteinitng sein. Ich habe noch kein Theater gesehen, mell mir bie Zett dazu fehlte". Dazu bemerkt dasS. B." ganz richtig: Und darin erdreisten Sie sich, Herr Buchner, ein Referat über Theatersragen zu übernehmen? Tas ist die größte Unverfrorenheit, die jemals dageiveseti ist. Herr B. fiihr fort: Dadurch, baß bem Arbeiter Freibillette zur Verfügung gestellt merbeit sollen, mirb fein Stolz unb Ehr­gefühl verletzt roerben, er mirb sich als Bürger 2. Klaffe st'thlen. Dem christlich-soz. Gemerkfchaftssekretär eriviberte ber Stadtv. Tr. Belledanm: Er sei einer der Stadtv., die für die Vor­lage maren. Die Finanzlage Sicgeiis fei nicht so schlecht, daß sie es nicht vertrüge, eine derartig kleine Summe für Theaterzmecke aufzuivenden. Der kleine Steuerzahler merbe durch diese Aus­gabe nicht berührt m erb en. Aiibere Stäbte hätten für Theater­zmecke bebentenb höhere Summen zitr Verfügiiiig gestellt. Er er­innere nur an bie Uiuversitätsstabt Gießen,bie für ben Bau eines Theaters 600 000 Aiark aufgemenbet hat. Das ist boch eine ganz anbere Summe, trotzbem liegt Gießen bem Größenverhältnis nach nuferer Stabt sehr nahe". Der Siegener Bolksbilbimgsverein sei bereit, bie Hälfte bes Betrages ans feiner Tasche belznsteuern. Wie schmer es halte, gute Kräne nach Siegen zu bekommen, gehe schon baraus hervor, baß ber Volksbilbungsverein für eine Vor­stellung bes Frankfurter Theaters 1500 Mark bezahlen sollte. Es sei bekannt, meld) heißes Verlangen nach Bilbimg g e r a b e in ber Arbeiterschaft herrscht. Diesem Verlangen könne nur burch geeignete künstlerische Tarbietimgeii enisprochen merben. Eine Anzahl von Theaterbilletten merbe bem Alagistrat zur Verfügung gestellt, ber diese an arme W i t rn e n unb W a i s e n 'k o st e n l o s verteilen soll. Schließlich sprach sich bie Versammlung in einer Resolution anerkennen!) über bie Förberung bes Bilbnngsivesens m Siegen burch Schaffiing von Theater- vorstellungeli aus.

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Dem Privatbriese eines in Newyork leb enden

werden. Wenn der Einsender schreibt:Allen gerecht au werden, ist ein Unding", um damit seinen einseitigen Vorschlag zu be­gründen, so ist darauf zu erlvidern, daß durch ben Anfang der Mittwochsvorstcllung um 7 Uhr die THeater le itung tatsächlich allen gerechten Anforderungen genügt H.

Unter Bezugnahme an das jüngste Eingesandt wegen des Beginns der T h e a t e r v o r st e 11 ii n g e n sei es auch ver­gönnt, im Interesse ber aus rv artigen Besucher bie Theater- leituug zu bitten, ben Anfang ber M 111 w o ch - Vorstel­lungen auf 5/,7 Uhr ober je nach Bebürfnis auf l/,7 Uhr zu verlegen, bamit es den Betieffenben möglich ist, ber Voistellung bis zu (Silbe tu Atuße beizuwohnen. Bei beit seitherigen Verhältnissen waren sie genötigt, mit ber Uhr in ber Hand ben letzten Akt mit- cuizusehen itub in vielen Fällen gezwungen, bas (Subc gar nicht ab- ziiwarten, sonberu bie Vorstellung 511 flöten, um ben Anschluß mit ber Bahn nicht zn versäunien. Alan möge sich überzeugen, welcher Verkehr in bieier kritischen Zett sich am Bahnhof abipielt, um zu ermessen, baß eine Rücksichtnahme auf bas ausiväiüge Publikum geboten erscheint, welches um 10,01 Uhr bezw. 10,08 Uhr in ber Richtung Bntzbach, bezw. Wetzlar, Weilburg u. Hetboin feine Heumahrt atmeten muß. Vielleicht ist es auch angängig, wegen bieser Züge bie Bahn- uenualtung vom Sck)luß bes Theaters erioiberlidjen Falls tele- phonifd) zu benachrichtigen nicht 511111 weiiigsten zur Beruhigung ber Theaterbesucher. Ob ber gewünschte Zweck diirch A b k ü r z il n g der P a us e n, sowie dnrck) Halten des gerade fälligen Omnibus vor dem Theater erreid)t werden kann, vermag der Eitijender nicht zu beurteilen. (Sin auswärtiger Theaterabonnent.

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Besucher unseres neuen Stadttheaters werden die Beobachtung machen können, baß Sonntag abenbs ber ganze II. Rang unb bas III. Parket ausverkautt sind, während daL II. Packet unb namentlich bas I. Parket nebst ben Ranglogeii große dürfen auilvelsen. Für blese Abenbe genügt offenbar bie Anzahl ber billigeren Plätze in keiner Weise, was ja auch barauS hervorgeht, baß btejelben meistens schon Freitags vergriffen sinb. Könnte sich bie Direktion ntd)t entsd)ließen, eine kleineSchiebung", ähnlich rote bet ben Volksvorstellungen, vor- zttnchmen? Für Sonntag abenb genügen rootil außer ben Rang­logen 4 Reihen L Parket unb 5 Reihen 11. Parket, so daß dann acht Reihen auf bas 111. Parket entfielen. Auf biefe Weise würde sich ohne finanzielle Einbuße aud) für Sonntag abend ein volles Haus ermöglichen lassen.

Ein Thearer freund.

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Murtte.

fe. Fra»kfurt a. M., 3. Dez. Heu- und Strohmarkt. (Org.-Tel d. Gieß. Anz.) Angefahreu maren 16 Wagen Heu, 4 Wagen Stroh. Bezahlt mürbe für Heu Alk. 3.203.50, für Stroh Alk. 2.402.50. Alaschineiistroh Alk. 0.00.

fc. Frankfurt a. DL, 4 Dez. Schroeinemarkt. (Org.- Tel. bes Gieß. Anz.) Zum Verkaufe (tauben 1722 Schmeiue. Bezahlt mürben: für Schmeiue 1. Qual. 6263 Pfg., Lebeubgervichl 49 bis ö0,0 Pfg.; 2. Qualität 6061 Pfg., Lebeudgemicht 48,0 Pfg.; 3. Qiial. 5357 Pig. Atarkt gut, fein Ueberftanb.

jj Kirchham, 3. Dez. Ter heute hier abgehaltene V i e h- m a r k t mar flau beichickt, beim ber Aiittneb von Kühe» unb Rmbern betrug nur etroa 150 Stück. Ter Schmeluemarkt mar nut 350 Stück Läu'erri unb Ferkeln befahren. Die Preise blieben mebng, beshalb rourbe hier aud) viel verkautt.

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Deutschen, der uns von einem. Freunde zur Verfügung gestellt wird, sei sollendes entnommen:

Bei uns herrscht eine immer akuter roerbenbe Knappheit ber B a r - U m l a u f s m i 11 e l, eine birefte Folge ber vielen Bauk-Fallissemeuts unb bet' plötzlich hereingebrocheuen allgemeinen Gesd;äflsbepressiou. Ich habe in ben letzten 6 Wod)en mir kaum mehr als 12 Dollar bar eiukassieren können, alle übrigen Anßen- ftänbe nur in Schecks unb Noten, bie man roohl in ber Bank beto­nieren, aber iiu Nloment nicht ziehen kann. Viele Banken sinb gezmuugeu, selbst auch bei Abgabe kleinerer Beträge eine vorherige 6090tägtge Notiz zu verlangen. So knapp ist bas Bargelb ge- roorben, baß in ber reichen Jnbnstrieslabt Pitts bürg bie Riesen- roerfe ber Stahl- unb Elseu-Jnbustrieu mit gestempelien Zetteln ihren Arbeitern ben Lohn zahlen müssen. Sie können sich vor­stellen, baß solche Zilstäube bie tiefgreiteub|ten Wirkungen haben unb aud) jebeu Einzelnen im «Staatshaushalte affigieren muffen.

Trotzbeui ist aber bisher im Weltflabtgetrlebe Neroyorks nod) nicht viel von ber allgemeinen Gelbnussre zu merken, roemgfteus nicht an ber Oberfläche. Die Theater fiub immer nod) ivolilgefüllt, mit großem Glanze rourbe bie Opernsa 1 s 0 n ini Manhattan Opera Ponse eröffnet, balb folgt bas Metropolitan Opern-Haiis nad), seine Pforten zu öffnen. (Sine Automobil-Ausstellung lockt allabenblid) Taiiseube oon Tlenfd)eii in bie Hallen bes Mablsou Sqiiare Garben, unb iin Neiv Amslerbam Theater fdiroingt LeharsL u ft i g e W i t iv e",The merry window, roie sich bie Dame auf englisch nennt, ihr Szepter.

And) roub immer noch lustig weiter gebaut, ein monu­mentaler Riefeubail nach bem anbern steigt empor. 620 Fuß, 41 Stockwerke hoch, steigt ber Hausturm des Singer-Gebäubes nut ber gewaltigen Kilppel m bie Wolken, unb schon beginnt bie Ntetro- polttan Lebensversicherilngsgeselljchast nut bem Bau ihres neuen Palastes, ber das Singer-Gebäude noch um 60 Fuß Höhe über» «reffen sott. Doch dürfte die Grenze bes Möglichen auf biejem Ge­biete wohl balb erreicht sein.

Unser bentsd;es Theater hier in Newyork hat sich in bieser Saison außerorbeittlich gehoben, unb Dr. Bauinielb, ber neue Letter, scheint bas Versprechen, ans bem Theater ein Kunstinstttut zu machen, bas bem Deutschtume hier Ehre machen soll, einzulösen. An Stelle ber oben Schwänke und Possen ist em gediegenes Re- neitoire litterarifd) wertvoller Stücke getreten, an den Dienstagen finden besondere litteransche Abende statt, au denen der Deutsche Litterarifche Verein imö der Ge 1 eiltg-Wissetif chaL!!che Verein 9leiu- yorks gewöhnlich bas Hans in corpore beinchen. Auch die innere, nn gemäßigten Sezessionsstile geb "ne^Neu-Dekorierung des Saales, sowie die getarnten Ausstauunc« .y* auf ber Hohe ber Zeit. Die meisten bei* letzteren roetoen .ach y itiuiirfen des Wiener Künstlers Alphons Ätucha, b.r . Jahren m Newyork

lebt unb hier eine Kunstschnlc L , ;t.