Ausgabe 
4.2.1907 Zweites Blatt
 
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eirchwa-ltaktii, ble auch bet Sozialdemokratie Mfltnüber auf bcm Grundsatz von Leistung und Gegen­leistung beruhen müsse, und einem warmen Appell an tue Zuhörer, am Dienstag für seinen Freund v. Gerlach einzutretcn, schloß der Redner seine mit glänzender und geistvoller Beredsam- leit vorgetragenen Ausführungen. Die Versammlung spendete wiederholt stürmischen Beifall. Der Leiter der Versammlung, Professor Sieveking, sprach das Schlußwort.

Der Vorstand der Nationalliberalen zu Kassel erläßt eine Erklärung, worin er wörtlich betont, daß der Beschluß des Wal deck sch en Parteivorstandes, für den Antisemiten v. Nichthofen und gegen den Liberalen Pott- Hoss zu stimmen, in den Kasseler Partcikiciscn die tiefste Empörung hervorgerufen habe, deshalb werde int Interesse dcS (Äesamtlideraltsmuß ollen Parteigenossen Waldecks dringend angeraten, in der Stichwahl nur Polthofs 511 wählen.

In Saarbrücken gaben die S ozta ldem okraten für die Stichwahl zwischen sttationalliberalen und Zentruu, als Parole Wahlenthaltung aus. Die Wahl des National- liberalen ist damit gesichert.

TaS NcichStagSwahlrecht.

Die bayr. offijiöieSloricip. yoffmann* schreibt:

Obwohl die Betzauplnng, daß eine 'Jlcnbcnmg des Reiel StagS- wablreci l^s beabfichugl tvexbc, schon wledcrhotl von zusiändiger Seue mil allem Viachdruck 0I6 unbeginudel, jn als lendcnzibse Wahlmache bezeichnel worden ist, Hal iene Nachricht m bet Ce||cni- lichkeu Beachlniig gesunden, die sie offenbar m leniev Weise ver­dient. Wir sind demgegenüber ermächugl gu erklären, da» auch der bayenscheii Regierung, ivie deut Ho'e jeder Gedanke an eine Aendernng des Retchslagsioahtiechls voUkoinineii ternliegl und bau denmach moinnnd mit dessen Willen oder Wissen in diesem Sinne wirken konnte. Tie in oer erwähnlen Nachricht liegende In­sinuation wird daher ans daS entschiedenste zninckgewiejen.

Reichskanzler Fürtt v. Bülow Hal obendrein noch der ,Münch. Ztg.^ auf eine Anfrage telegraphisch erklärt, bau die Behauptung, die verbündeten Negierungen planten eine Verschlechterung des NeichslagSwahlrechls, erfunden fei.

Deruburg in Frankfurt.

Frank furt a. M., 3. Febr.

Im Hippodrom veranstallete heute die Handelskaumie» und die Frankfurter Abteilung der deutschen Kolonial-Gesell­schaft eine Versammlung, in welcher Deruburg einen Vortrag über die koloniale Finanzpolitik hielt. Der Kolonial-Direktor kam zu dem Schluß:

Deutschland wird an seinen Koloniecn nur dann eine Freude haben, wenn sie verständig und zielbewußt entwickelt werden. Gemäßigte Selbstveiwaltung und Bau von Verkehrs­wegen sei dazu am geeignetsten. Tas ganze Geheimnis jeg­lichen Erfolges in Afrika heißt Geduld. Tas habe schon bei berühmte Afrikaforscher Nachtigall gesagt. Wir haben wert- vollen, sogar sehr wertvollen Besitz in unseren Kolonieen; wir haben verhältnismäßig günstige Eingeborenen - Verhältnisse, aber wir müssen uns darauf emrichten, daß wir noch längere Zeit al« Staat keine volle Befriedigung unserer Auslagen, als Private nicht überall glänzende Resultate haben werden. Aber die bisherige Enttvickelung ist nicht unbefriedigend und der Kreis Terjenigen, die ein wirkliches Interesse an der Ent­wickelung nehmen, beständig im Wachsen.

Deruburg sprach mit weittragender, angenehmer Stimme, manchmal in hessischen Heimatsdialekt verfallend. Sein einfaches Auftreten es gibt elegantere Kaufleute wirkte sympathisch, die Begeisterung, mit der er sich in den Dienst feinet Aufgabe (teilt, die leichtverständlichen Belehrringen zurErziehung zur Kolonialpollltk" riß die Anwesenden hin.

I Der Präsident der Handelskammer, Geheimrat Andreas, dankte dem Redner. Er bezeichtreke Deruburg als denjenigen, der es verstanden habe, das Interesse an der kolonialen Sache im deutschen Volke wieder wach­zurufen, unb schloß mit dem Wunsche, daß die Arbeit Dernburgs für unsere Kolonien von Erfolg gekrönt fein möge, auf daß wir bald auf unsere Kolonien mit derselben Freude und mit demselben Stolze blicken wie auf unser geliebtes deutsches Vaterland.

l Dem Vorträge wohnten etwa 6000 Hörer bei. Anwesend waren u. A. Prinz Friedrich Karl von Hessen, Cbcibüvgcr- meister Adickes, die Generalität, Vertreter von Behörden und zahlreichen Handelskammern, auch die Gießener. Tie Rede DernburgS fand lebhafte Zustimmung. Zum Schluß gab es stürmische Ovationen. Rach dem Vortrag fand ein Feilessen im Frankfurter Hof statt.

Die Post, und Eifenbahnangestellten unb Herr Kohler.

Von liberaler Seite schreibt man uns:

Wie Herr Köhler in Langsdorf und seine antisemi- tischeu Mainicn in letzter Stutide Stimmenfang treiben, mögen nachstehende Taten beweisen, die uns fettend der beteiligten P 0 st - und Eisenbahn beamt en mit dem Ausdruck der Empörung und des Widerwillens zur Ver- füguiig gestellt worden find:

1. &e obcrheifischen Fahrbcamten richteten betreffend Negelung ihrer Steuerverhältnisse gegciiübcr ben preußischen Fahrbeamten eine Eingabe an das Hess. Finanzministerium unb fanbteu bie Abschrift derselben wie üblich an die Landtagsabgeordncten, u. a. auch an Herrn älöhler. Sie hörten unb lasen nichts mehr darüber. Ein Tag vor der Hauptwahl teilte Herr Köhler den Petenten mit, daß er energisch für ihren Antrag gewirkt habe und ein Tag nach der Wahl versandte Herr Köhler fragliche Eingabe nunmehr gedruckt und, nachdem er sie in der Zeitung veröffentlicht hatte, in vielen Exemplaren zur Verteilung an die beteiligten Eisenbahiibeamten.

2. Auf bcm Laube wurde verbreitet, daß die seitens dcs Ministers Breidenbach den einzelnen Eisenbahn- bircEtioucn infolge der Teuerungsverhältnisse zrir Vcr-- teiluiig an Hülfsbedienstete unb Arbeiter zur Verfügung gestellten, nicht unbcbcutenbcn Summen nur für städtische Elseiibahnbebienstete verwendet würden! Wir haben zur Aufklärung sofort uns an die maßgebende Behörde ge­wandt unb hierauf folgende Antwort erhallen:

-Gießen. 2. tpbr. u7. Urschriftlich mit vem Erwiedern erqrbaift .zuruck, darr bei Verteilung der ui|oige der TcueruugSverda.nuiie |ur Hülfsbrdiensteie und Arbeiter bewilligten Mittel lediglich die ^ulfabeburttigleit niaßgedcuo, bagegeu der Wohnort, cb ,»tabi oder Land, d 0 11 ig g l e 1 d) g ü 111 g hl

Beu i.bs.Inspektion L (Unteij^nfi.)-

8. Und gar die Postbeamten, die Herr Köhler mit seinen bekannten Versprechungen fangen will! Hier ist er aber laut einer uns zugegangenen Zuschrift, die wir aus- zugsweis wiedergeben, an die falsche Adresse geraten. Tort heißt es:

3» den letzten Togen ist mehrfach an Postimtcrbeamle die Fragt gerichtet worden, ob eS wahr sei. daß sie in Der bevorstehenden vteichötagS-Suchwahl ihre (Summe nur zu Gunsten beS aiitifemitifd en EauernbundierS adgeben würden. Wir fühlen uuS veranlaßt, dieses ^ganz entschieden in Äbrede zu stellen. Fast alle Uiiterbeamtcn, welche t)ier beschäftigt sind, erblicken in Herrn Heyligenstaedt, dein seii- herigen Vertreter untere« 2Bal)lheucS, den Neunter ihrer Interessen. ?iud) liegt keine Prranlassung vor, zu glauben, daS vertrauen zu Henn Heyligenstaedt fei in irgend einer Weise erschüttert.

Wir sind von niedreren siollegen beauftragt, die« schriftlich zu äußern und die unwahre Aeußernng zurückziiwetjen.

Mit aller Hochachtung

^Folgen die Unterschriften.)"

Wird Herr Köhler diese Tatsachen auch wieder als liberale Wahllügeu" aus der Welt schaffen wollen? Das wirb ihm diesmal nicht gelingen! Denn die vor­stehenden Tatsachen beweisen, baß unsere Post- unb Etsenbahnbeamten sich darüber klar sind, was sie von allen Versprechungen Köhler's zu halten haben. Sie wissen, daß ihre Jnteresseir am besten vertreten sind durch den seitherigen Neichstagsabgeordnctcn Heyligenstaedt. Am 5. Februar werden sie einmütig sür Hcyligenstaedt'o Wiederwahl eintrctcn.

Der König und die Königin von England sind am Saui-tug iabcitb in Paris eingctroncn unb vom englischen Botschafter cmpjangen worden. Arn Somttag begab sich König Eduard in das Eii)s6e, >vo ihn Präsident Faltu.res empfing. Tie beiden Staatsoberhäupter druciten sich herzlich die Hand unb unterhielten sich eine halbe Stunde. Dec Aconarch verließ darauf das Elysue, nachdem er vorher noch jyrau Fal- liörcs seine Aufwartung gemacht hatte. Ilm 3 Ilhr 25 9)1 in. be­gaben sich Herr unb <jrau FallureS nach der englischen Bot- fchasi unb statteten dem König unb der Königin von England einen Gegenbesuch ab.

Der König bet Belgier wirb zu einer Unterrcbung mit König Eduard in Paris enuartet. 9)1 an bringt diese Zu- fammenkunst mit der KLngo-Augeiegenheit in Zuiammenhang.

DerTemps"" bemerkt: Bei aller Befriedigung, weicye Paris über diesen königlichen Besuch empfindet, ist es doch am Platze, an Tariehrnnds Worte11 i d) t z u viel Eifer" zu erinnern. Die etigiiscl>-sranzösische Freundichast iit eine Bürg­schaft der Sicherheit beider Staaten, berührt aber dieFrei­heit ihrer Enua/rießung keineswegs. Es erscheint uber- , l ll, s i g , dieser Freundschaft bei jedem Anlaß L 0 bes Hy mnen zu widmen. Diese Diskretion entspricht zweifellos dem Wunsche der königlichen Gäste.

J.i London wird mit Entschiedenheit die Vlättermeldung tcmciilieit, wonach König Eduard mit seiner Reise nach Franl- reich gegen bie Politik des deutschen Kaisers Einspruch erl/eoen »volle, von bsm behauptet wird, daß er vor einiger Zeit ver­sucht Ij-be, in die französische Kicchenpolitik sich elnzurnischen, indem er den P-pst beranLijt habe, Widerstand zu leisten gegen die anlillerilale Polll k FrnnlrcfchS.

Deutsches tteich.

Berlin, 2. Fevr. 2,'uc st a i 1 e r i/atte heute eine Be­sprechung mit dem Reichskanzler, hörte die Vorträge des Staatssekretärs des 9iüa)siiiuLinecmld und des Chefs des Marine- kabineits, nahm die Rapporte der Leibregimciuer entgegen und empfing den russischen Militärattachee Fürsten Dotgomlow, welcher die ruhijaje Marine-Rangliste überreichte.

Wie dieB. Ztg." er sah. t, flieht die Versetzung des be­kannten freilon,crvativen Abg. G 0 m v ui ben Ql D e l ft unb bevor.

Hamburg, 3. Febr. Die allgemeinen Wahlen zur Bürgerfchaft im ^taotbez.rk Hamburg, wo 33 Abgeordnete zu wählen waren, haben folgendes Ergebnis gebracht:. Gewählt lind 1 u Sozialdemokraten (Plus 5), ein Antisemit, aäst linkes Zentrum, drei Rechte, acht Linie (die drei letztgenannten Gruppen gehören zu den alten Frallionen), sieben vereinigte Liberale (Pius drei), ein Wlldllberaler.

Stuttgart, 2. Febr. Das amtliche Reichs tags- w ah (ergeb niö für Württemberg ift fvlgcnoes: Von j 1312 ? WalstberechtVten haben 41o 366 ober 8U,U Prozent ab­gestimmt gegen nur 75,3 Proz. int Jahre 1893. Es erhielten StornierDutibe unb Bauernbuno 48 625 (19J3: 48 980 , N^twnal- uberale 66 643 (61043), Vvllspartei 88 i'il (62 609), Zentrum J4 d25 (89 9<8), Soziaidem^traten llö 722 (99 <43) Stimmen. Zersplittert und ungültig waren 1380 Stimmen.

Aus s.aor uiv» tano.

Gießen, den 4. Februar 1907.

* Daß Extra blatt des »Gieß. Anz.^, das heute in den ersten NachmiNagSflunden zi>r "Ausgabe gelaugte, wird in weitesten Kreisen der Bevöllernng in Stadt und Land Aufsehen erregen und Bcachltuig finden.

** S t a d t t h e a t e r. Da fast ein Drittel des Personals momentan wegen Krankheit dienstunfähig ist, mußte für die morgige Abomiementsvorstelliing auf ein älteres Lustspiel zurück- gegriifen werden. Sicherlich aber dürfte das beliebte Werk bei der hiesigen flotten Darstellung auch von den Abonnenten wieder einmal gerne gesehen werden.

** Die Rettungsmedaille am Bande hat S. K. D. der Großherzog dem 1. Offizier des PostdampfersNeuenfels" ^Ostindiscl)e Linie) unb Kapitänleulnant zur See der Lleserve der Kaiserlichen Marine Karl S ch m e h l ans Gießen verliehen. Unser Landsmann, der sich mehrfach durch Wagemut und Kattblütigkeit in äußerst kritischen Situationen hervorgetan hat, erhielt wahr­scheinlich die Auszeichnung, weil er mit eigener Lebensgefahr im roten 9)lcere einen Menschen vom Tode des Ertrinkens ge­rettet hat.

** DaS 9NaSkenfest des Turnvereins Gießen (gegr. 1846) war Überaus zahlreich besucht und nahm einen schonen, echt karnevalistischen Verlaus. Sämtliche Raume der Turnhalle trugen daS Gepräge eines urfidelen FaschingtreibcnS, daS alsbald munteres Leben und heiterste Stimmung braclste. Man erblickte wunderfckwne Einzelmaskeii, doch bot das Arrange­ment des Abends, dura,>gesuhrt alS Vorstellung eines Zirkus mit seinen drolligen Spatzen und verschiedenen amüfanten Auf­führungen, eine angenehme Abwechselung. ES würde zu wett führen, sämttiä-e 9uummcrn hier zu neunen oder einem Teil den Vorzug zu geben, sie waren sämtlich schön auSgcdaclst und gut ausgeführt. Den Schluß des Zirkus bildete ein aus Tur­nerinnen unb Tümern ousgefübrier Saoojettentanz, der großen Beifall fand. Der anschiießeiwe Ball hielt Jung und Alt bis zum frühen Morgen zufammen. Gestern fanD ein Ausflug auf Tcxtvrs Terrasse statt, der ebenfalls zahlreich besucht war.

J nb i läuni. Ter Hulfsarbeiler Karl Ak an bler aus Krofdorf konnte heute, 4. Febr., auf eine 2 ö j ä l) r i ß e Tätigkeit in der Brühlfchcn Unwersttäts-Druckerci zurück- blicken. Ter Jiidtlar hat sich während dieser Zett als tiichliger und fleißiger Arbelter bewährt, bei Siurin und rllegen, Hige und Kälte den fünf Kilometer langen Weg täglich zweimal zu Fuß zuruckgelegt. E» enlipridjl dies einer Marschleistung von 9u uuu Kttomeicr oder emcr 480 maligen Futzivandernng nach Berlin.

r. Londorf, 3. Febr. Heute mittag gegen 12 Uhr

landete in der Nahe unseres OrteS, auf dem sog. Krappen, berg, ein Luftballon mit zwei Personen. Sie fuhren gestern abend 11 Uhr von Berlin ab. Mit dec Bahn fuhren sie wieder nach Berlin zurück.

cb. 2an bad), 2. Febr. Heute wurde der älteste Einwohner unserer Stadt, nahe 87 Jahre, zu Grabe gebracht. Es mar der Gärtner unb Totengräber Thomas Kräcker. 47 Jahre hat er das letztere Amt bekleidet unb mehreren Generationen, darunter örei Grast. Solms'ichen, zu. lanuncit 2018 Personen, die letzte Ruhestätte auf dem Fried. Hofe bereitet. Jn beiter Gesundheit feierte er vor vier Jahren mit semer noch rüstigen Gattm die goldene Hochzeit. Als städtischer Baunnvart übte er vor 14 Tagen noch seine Tätig» feit anS, bis ihn die Influenza au3 dem Leben rief.

-li- Asse «heim, 4. Febr. (Tel.) Am Samstag abend wurde hier ein mit großer Dreistigkeit angelegter Etnbruch uciübt. Tie Einbrecher konnten alsbald ermittelt und ver» hastet wccden. Zii dem Einbcnd) erfahren wir von de. fucunbetec Seite folgende nähere Einzelheiten: Ter Krieger, ücrcut Assenheun feierte am Samstag, 2. Februar, abend- fein diesjähriges Winterfest unter großer Beteiligung der dortigen Einwohner. Tiefe Feierlichkeit luurbe bemujt, um in dem provisorischen Rentamt das eigentliche Rentamt wird umgcbaui einen Einbruch auszuüben. dlbgefehen war es dabei auf den Kafse njchrank. Tie Einbrecher vermochten aber in dem Lokal den Schrank nicht zu erbrechen, fchafftcn ihn deshalb per herbeigeholten Schubkarren vor das Torf auf das Feld. Tort wurde der Sd)rank erbrochen und ausgcvlündert. Doch die Freude dec Einbrecher war eine nur kurze. Das Gericht konnte mit leichter Mühe die Spuren vom Ncnlamt bis zu dem Kasicnschrank feflflcUen unb gleich, zcilig dort ein Stück Weste mit Knopf unb eine Blutlache tonstatieren. Eine Blulfpur führte das Geridst in bie Be» haujung der Brüder Schrnidt, Besitzer einer Wirt­schaft in Asieuhcun. Dort konnte bei dem einen der Brüder eine erhebliche Handoerletzung, die er beim Erbrechen des Schrankes fid) zugezogen halte, feslgeslellt werden. Urbec- cascht über bie Schnelligkett dec Behörden blieb bcm edlen Brüderpaar nichts übrig als zu gestehen. Nach einem dritten Teilnehmer an der nächtlichen Exkursion tuirb noch gefahndet und sind auch in dieser rllichtling fd)on wichiige Erhebungen augestellt. BemeikenSwert ist, daß in einem Koffer im Sd)lafzmuner der Brüder Sd)midt das nötige Einbrecher- Handwerkszeug, wie Dold), 9ievolver, Grtmmifd)lailch, Dietriche, Brecheisen rc. gefunöen wurde. Von den 7000Mk. Bargeld, welches der Kasfenfchrank enthielt, wurden bei den Einbrechern nur 200 9)11. beschlagnahmt. Der Nest ist noch nicht ge- fanden. Nlan nimmt an, daß er entweder vergraben oder in Händen des halten Komplizen ist. In den Trümmern des Kassenschrankes fanden fid) noch 170 Alk.; die Papiere un Kassenschrank ivarcn ilnverjehrt.

Alsfeld, 3. Febr. Nächsten Sonntag findet dir Eiöffniing nuferes neuerbauten Schlachthauses durch Stadt- üoiiianb unb Metzger-Jnnung statt. Letztere plant aus öicfcm Anlaß die Abhaltung einer größeren Einweihnngsfeier. Tas stattliche Gebäude ist im vorigen Jahre nach den Plänen dcS 9lrd)ileÜen Kleinert-WicSbaden erbaut und nut allen Em- iichtungen der "Jleujcit auSgestattet worden. Die Schlacht- hansanlagen bestehen ans mehreren Gebäuden: einem Ver­waltungsgebäude, Stallgebäude, krankviehgebäude, Schlacht­haus mit kühl Halle und Aiafchmeiiraum. Sämtliche Gebäude besitzen cletlnjdjc Beleuchtung und Wasserleitung. Die Ec- bauungSkolten belaufen sich auf ca. 120000 'Ulf.

ÜB Dar m (labt, 4. Febr. In Gegenwart S. k. H. des Großherzogs, der mit großem Gefolge erschienen war, der 'Mitglieder des StaatsministeaumS, der Diplomatie, dec Generalität fand heute eine aus allen Kreisen der Bürger­schaft zahlceid) besuchte kolomalvcrfammlung statt, in der zunächst der Generalitabsoffizicr der Schutztcuppen, Oberst- lenlnaiit Quade, einen interessanten Vortrag hielt. Hierauf hielt kolonialdireftor Deruburg eine ckecnige Ansprache, in der er sich über den Wert und die Nützlichkeit der dcutfchcn Kolonien sehr günstig aiiösprach. (Äläherer Bericht folgt). __ Tie Bürgcrmelsterei beantragte bei den Sladtvec- ordneten die Bewilligung von 10 0 0 Mark für bie Opfer der Redener Katastrophe. Ter jährige Kolporlrur 'August Doll machte geftern vormittag fernem Leben durch Erschießen ein Ende.

Sch i erst em, 2. Febr. Jn einem hiesigen Eiskeller wurden iuird) Unvorsichtigkeit beim EiSabladen ad)t 'Arbeiter vollständig von der Aiißenwelt abgc» schnitten und befanden sich in der eisigen Temperatur drei Stunden lang in Lebensgefahr. Erst nach mühsamer "Arbeit gelang es mittels heißen WasserS em Loch herzusiellen, durch das die Abgcschlosseueii befreit werden konnten.

fc. Frankfurt a. 9)1., 3. Febr. Der 36jährige ^An- streichcr Karl Liebig, der von hier gebürtig und dessen 5rau in der LndwigSstraße wohnt, hatte sia) von hier eirtjernt und trieb sich vagabundierend in Deutschland herum. Liebig war am 28. Januar in Gcnnau bei Frankfurt a. L. bei einem Dieb­stahl von einem Gendarmen ertappt und verhaftet worden und hatte einen Fluchtversuch unternommen. Der Gendarm gab_ auf den Flüchtigen einen Schuß ab, der ihn tötet e. In der Saal» burgsiraße maclste sich ein 3 jahr 1 geS 'M ä d ch e n über Die Schnapsflafche seiner Eltern her unb tränt soviel von bent Fusel, daß es jetzt im Klementinen-Mädchenhospital 10 tkcank darnicderliegt.

Hessische Landes-Anostellung |üv trete und angewandte Munft, Darmstadt 1V08.

Der ideale Gevaure, jlOciii suuuiiijauoiuctter Gelcg-nheit zu geben, sich aus kunstierischem Gebiet zu betätigen unb bie Er­zeugnisse seiner Kunst bcm großen Publikum vorzujuhren, vci> iDirniüjt sich nun zum drittenmal unter der unpacleiischeu Leitung unseres funstsinnigen Lant>:siürsten in der Resibeuz. Die b.rtliax Lage dcs Ausstcilungsgelaiides aus bet 9)i.atl-udeiihvhe ui xai n» stabt. Die schon buru) ihre natürlichen Reize den crniien x>e* mjauer kenciueit unb aiijicht, ueroirgt schon allem Dem juue» lieUcnbcn eine große Aiizal). durch bie maiestätische Pracht Dte Garrens angezogcne Beschauer. _ Sanh,rt

Wenn auu) DlC bcioen k5or gang er innen bet letzt statu inDenoeu Ausiieilung dem Besua-er manajeS boten, waS ec vielleicht, ais zu wilb, seinem eigenen Geschmack nicht anpasien konnte, sv sou letzt vor aller We.t, bie durch langes, ernstes "Arbeiten gelanicti«- Uunft erstehen, bie Den unemiub.ia; vorwärts flrcüenoeu Humiiern und einem taiistversiandigen, ziclbewutzten Lanbesheirn die Ziro des unbeftrütenen Ersmgcs verleihen möge. In Diesen der edles Sajancu fia) zum Ziele setzte, will bas Kunsihindwe Obcclxiscns cinircten, unb aus bcm Äusstellungspiatze ein «L), desfisches HauS" erstchcn lasseii, bas durch jem ^eubl mid Jmieces die biedere, ecyt hessische Sumesurt dcS Ovcrheiie«