Ausgabe 
4.4.1907 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 4 April 1907

157. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 78

Gießener Anzeiger

Erscheint «glich mit Ausnahme M Sonntag«.

General-Anzeiger für Vberheßen

Di« »Gießener FamiiiendlStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« Kftliblalt für de« Krtts Sletzen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlid) einmal.

Rotationsdruck und Vertag der Vrüblich« Unu>erfudl« - Buch- und Steindruckerei. DL Sange, Stehen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» stratze 7. ExpediNon und Vertag i ft« t>L Redaktion: l 1L. tcL-ütou tby«tger<8iefc<n.

politische Cagc>|d?au.

Eme Dlökoaterhohung der ReichSbank?

EL Berlin, 3. April.

Ob die Reichsbank demnächst zu einer Diskonterhöhung, auf 7 Proz., schreiten werde, ist nicht nur die Sorge der Börse, sondern auch der Industrie und deS Handels. Die Börse rasch ernüchtert worden, als sie sich dem Glauben hingab, nach den stürmischen Tagen herrsche wieder eitel Sonnenschein. So unerfreulich der legte ReichSbankauSweiß auSsieht, das Gute hat er gehabt, rechtzeitig Manchem die Illusion zu zer­stören, daß durch Ankauf von Jndustriepapieren zu den gegen­wärtigenspottbilligen' Kursen in aller Kürze bei der sicheren Wiedererholung große Gewinne erzielt werden könnten. Es ist aber an eine andauernde Aufwärtsbewegung nicht zu denken, solange die Geldsorgen empfindlich drücken. Ob eS der Industrie nach wie vor glänzend geht, oder ob, wie Andere behaupten, die Aufträge nachlassen, kommt in zweiter Linie in Betracht. Die Hauptsache bleibt einstweilen, daß die Reichsbank die Tiskontschraube nicht noch mehr anzieht. Schließlich ist der Erfolg der Maßregel zweifelhast, unzweifelhaft dagegen, daß er nochmals Verheerungen in den Kursen der Dlvidendenpaplere ebenso wie der Renten herbei- führen würde. DieDeutsche Volksw. Korr.' beziffert den VermögenSoerlust an den deutschen Staats- papieren infolge deS Kursrückganges auf einige hundert Millionen. Auch das wird hoffentlich von der Leitung der Reichsbank wohl erwogen werden, wie sehr das Ver­trauen deS Publikums auf die Sicherheit solcher An- lagen erschüttern 4nüßte, wenn eine Wiederholung der Börsenpanik, in womöglich noch größerem Umfange einträte und mit ihr ein neuer, nach vielen Millionen zählender Verlust. Da« Reich kommt bald wieder in die Lage, einen beträcht­lichen Anleihebedarf decken zu müffen. Schon un Hin­blick darauf empfiehlt es sich, Krisen nach Möglichkeit zu Der- meiden. ES wird mit Ausbietung aller Geschicklichkeit wohl angehen, daß die ReichSdank mit dem gegenwärtigen Dis- kontsatz im April durchkommt. Vom Mai ab und im Lause deS Sommers verringern sich die Ansprüche erfahrungsgemäß wesentlich. Mit der Ausgabe von neuen Papieren könnten die Banken immer noch zurückhaltender sein. Daß biß zur Beseitigung der schweclien Geldsorgen nicht Emissionen aus- ländischer Werte veranstaltet werden, sollte selbstverständlich sein. ES ist in dieser Hinficht viel gesündigt worden, selbst bann noch, «US für heimische Zwecke da« Geld begann knapp zu werden.

Rußland und die Friedenkkonferevz im Haag.

Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet:

Die diplomatischen Vertreter Rußlands im AuSlande sind ersucht worden, den Mächten eine Zirkularmitleilung über die zweite Friedenskonferenz zuzustellen. Die Mitteilung kon­statiert, daß daß im vorigen Jahre ausgearbeitete russische Programm für die Arbeiten der Konferenz von allen Mächten angenommen worden ist, und gibt die Vorbehalte an, die bezüglich beß Programms von verschiedenen Riächten gemacht worden sind. Drei Regierungen, nämlich die der Vereinigten Staaten, Spaniens und Großbritanniens, schlagen vor, daß russische Programm durch die Frage der Abgrenzung der Rüstungen zu vervollständigen. Die amerikanische Re­gierung fügte dem noch die Frage der Art und Weise der Deckung der Staatsschulden hinzu. Einige Staaten behalten sich ferner daß Recht vor, der Konferenz Vorschläge über solche Fragen zu unterbreiten, die auf das russische Pro­gramm Bezug haben, in demselben aber nicht besonders aus- gesührt sind. Die englische und die japanische Re­gierung erklären, daß sie sich freie Hand darüber Vor­behalten, an einer Beratung über Punkte des russischen Programms, die ihrer Ansicht nach zu einem befriedigenden Ergebnis nicht führen können, sich nicht zu beteiligen. Deutschland und Oesterreich- Ungarn machen in der allgemeinsten Form denselben Vorbehalt mit dem Wunsche, sich jeder Diskussion zu enthalten, die nicht zu einem praktischen Ausweg führen könnte. Die russische Re­gierung erklärt, indem sie ihrerseits einen diesem letzteren ähnlichen Vorbehalt macht, daß sie ihr ursprüngliches Arbeits­programm der Konferenz aufrecht hält. Die Zirkularmitteilung kündigt schließlich an, daß der russische Vertreter im Haag beauftragt wurde, an die niederländische Regierung das Er- suchen zu richten, die Konferenz für den 15. Juni d. I. ein­berufen zu wollen.

g<ne Aiiv^nfrieDi v'. konjer.riz.

Noch immer rauscht bet Lärm im deutschen Blätterwalde wider, den die Zusammenkunst Bülows mit dem italienischen Minister des Aeußern Littoni erregt hat und die Wogen der widersprechendsten Vermutungen wollen sich nicht legen. Mitten hinein in diese Erörterungen nun kommt die Nachricht von einer zwecken Friedenskonferenz, die auf amerifan. Boden abgehallen werden soll. Die Dollarkönige jenseits des Ozeans haben ihre Prioatjachten und -Kriegsschiffe, ihre Privateisenbahn­züge und Grafschaften, die sich an Flächeninhalt mit manchem jrüfeeren deutschen Bundesstaat messen können warum sollen ie es sich nicht auch leisten können, auf eigene Faust eine 'Jrivatfriedenskonserenz zu veranstalten? Der Ruhm, diese matte Idee ausgeheckt zu haben, gebührt dem amerikanijchen Geldfürsten Carnegie, der für die Friedensbewegung im allgemeinen und für die Anschaffung von Bibliotheken im be- ooberen stets jede Summe zur Verfügung hat.

Die Privatlonferenz des Herrn Carnegie soll vom 14. bis 17. April in Newyork abgehalten werden. Man wird sich dort über die Aussichten der modernen Friedensbewegung und namentlich über die Beteiligung des weiblichen Geschlechts daran Unterhalten. Von bekannten Amerikanern werden unter anderen Staatssekretär Root, der frühere Botschafter in Berlin, Andrew D. White, und der frühere Newyorker Bürgermeister Seth Law als Redner angekündigt. Der Ehrgeiz Carnegies hat dafür gesorgt, daß fast alle Hauptnationen an der Konferenz teil- nehmen werden. Seine zur Einweihung des Carnegie-Instituts in Pittsburg geladenen Gäste verpflichtete er, der Friedens­demonstration in Newyork beizuwohnen. Es steht noch nicht fest, ob die Vertreter des Deutschen Reichs zugesagt haben: sollte es aber der Fall fein, so würde Deutschland durch General­leutnant v. Löwenfeld. Minister a. D. v. Möller, Archivdireklor Koser, Direktor der Berliner Sternwarte Archenhold, Hosbaurat v. Ihne und Bildhauer Fritz Schapervertreten" sein. Man hat sich ällmählich daran gewöhnt, den Amerikanern mit einer Liebenswürdigkeit entgegenjulommen, daß man nach dieser Rich­tung hin sich nur damit trösten kann: es ist eben schon^ alles dagewesen! Von unferm Botschafter in Newyork, Speck v. Sternburg, hören wir auch nur dann etwas, wenn er ein neues Rennpferd des Präsidenten Roosevelt zureiten darf, und augenblicklich soll er stark damit be­schäftigt fein, den Söhnen des amerikan. Präsiden­ten Reitstunden zu erteilen!! Nun mag ja eine solche Beschäftigung ganz unterhaltsam sein, aber das deutsche Volk würde es doch lieber hören, wenn fein Botschafter sich z. B. um den im Herbst zur Beratung kommenden deutsch- amerikan. Handelsvertrag kümmern und für diesen in einer Weise Vorarbeiten wollte, daß man'nicht wieder das Gefühl zu haben brauchte, Deutschland würde bei einem solchen Vertrage womög­lich der Leidtragende sein!

veutscheA Reich.

©ertin, 8. April. Weber das r ü fr j a fr r Sr eife bro - gramm des Kaisers wird folgendes mitgeteilt: Am 15. April trifft der Akonarch in Meppen zur Schießübung ein. Den 16. gehts nach Bückeburg zur Sckbernen Hochzeit des Fürsten, daran schließt ich die Reise nach Homburg v. d. Höhe, wo der Kaiser bis zum 1. Mai zur Erholung zu bleiben gedenkt und von wo Abstecher zum Grvßherzog von Baden, eventuell auch nach Straßburg und Der Hohlönigsburg ufro. geplant sind. Zum 2. Mai, ^ln Gedenk­tage der Schlacht von Großbeeren, kehrt der Kaiser nach Berlin zurück, um das große Exerzieren in Döberitz zu leiten. Der Mai führt den Kaiser nach Karlsruhe (5.), Wiesbaden (13.) und wahrscheinlich auch nach Pröckelwitz. Während der zwecken Hälfte des Juni wird der Kaiser in Kiel weilen, um von dort auS an Bord derHohenzollern", deren Umbau vollendet ist, die Nord­landsreise anzutrcten. .

Ter Kaiser trifft in Cowes als Gast des KöntgS Eduard am 31. Juli ein. Er besucht das Gooowooö Cuprennen und unternimmt am 2. August eine Alotorfahrt durch Newforest. Der Ausenkfrack in Cowes an Bord der JachtHohenzollern" ist bis zum lu. August in Aussicht genommen. Die Bewirtuna durch das englische Königspaar findet an Bord der JachtViktoria and Albert" statt.

An Vorlagen werden dem Re ichstage in nächster Zeit nur noch zugehen der Entwurf über die Ein, chr änkung d e r M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g s p r o z e f s e und der Entwurf, betreffend Erweiterung deS Kaiser Wilhelm- (Nord- Ostsee-) Kanals. Da der Reichstag seine erste Session Pfingsten schließen will und für eine Tagung bis zum Herbst wenig Stimmung vorhanden ist, so hat die Reichsregierung von der Ueberreichung weiterer Vorlagen Abstand genommen und wird diese Gesetze erst für die zweite Seif io n einbringen, darunter Reichsbe amtenpensionsgesetz, Versiche­rungsvertragsentwurf, Berufsvereinsvorlage. Die Geschäftslage des Reichstages gestattet vor Pfingsten nicht viel mehr als den Etat zu erledigen. Die zwecke Session soll un Oktober beginnen und nut der Beratung der zur ückae stellten Vorlagen eingeleitet werden. Ein Ergänzungsetat für 1907, der die vom Reichstage gewünschten Teuerungszulagen für Reichsbeamte enthalten tovt, wird dem Reichstage bald nud) Beendigung der Osterferien zugehen.

In polck"scheu Kreii en waren freute abend erneut Gerücht: verbreitet, d.r Reichsschatzsettetar Frhr. v. Stengel habe seine Demi ssion gegeben. Vermutlich handelt es lich um einen Fühler aus Kreisen, die ein perjönliches Interesse daran haben. Dem bürg zum Verzicht auf das kolonial amt zu bewegen und ihn zum Reichsfchatzftlritar zu machen.

Durch die Presse geht die Nachricht, daß eine neue Tabak st euervorlage in Vorbereitung sei und dem Reichs­

tage iuüi>Tiujeuuiü# un ^)cru|i.e zugeyen iucux. MuiiDigui streuen ist von einer derartigen Absicht der Reichsregierung nichts be­kannt: wird mindestens für gänzlich ausgeschlossen erachtet, daß der Reichstag sich schon in seiner nächsten Tagung mck der Angelegenheit befassen könnte.

Ein neuer Vorschlag Preußens über die Er­hebung von Schiffahrtsabgaben wird derN.-Z." aus Südöeutichland mitgeteilt, -i.-naci) hat die preußische Regierung den Regierungen von Bauern. Württemberg, Baden, Hessen uni) Ulfaip&t.,ringen b;n Vorschlag gemacht, für den Rhein, Main unb Neckar eine $inan|gemeiii|U)aft zu gründen, inner­halb deren der im Schiftahitsintercue aufgewandle Teck der ve.dki.riie für die Unteryudang und Den Ausoau Der genannten drei Wch.erstraßen durch schiftabitsavgaben aufgebraujt werben foiL Dreie Abgaben sollest in Der durchschnittlichen vöhe von u,04 P,g. für einen Tonnenkilometer mit Unterscheidung nach Güterk^f.en am Gut- oiKr Ausladeort auf Rechnung der Gemcin- schaft cr./oben werden. Für industrielle giohfwfse, beionders für 4,teinfolgen unb Erze, sollen die Abgaben etwa _aui 0,02 Pfg. jür einen Tonnenkilometer fe,ige,etzl imbeu. Der Taris soll durch »tautdüertrag icfigciegt meiOMi, «odau alio eine AeiiDerung nur mit Zustimuiung jedes d.r beteiligten Staaten möglich mare.

Karlsruhe, 3. April. Die erite Hauptvei,auiuilung der 12. Tagung Da kirchlich-sozialen Konferenz wurde freute durch Herrn v. Oertzen-Be^in eröftnet. Der Borsitzende veruceiLte sich über die Bieie und Zivecke der Konferenz, deren juchneöjiCiu.Ut die ü)riiaia)e Arbeitervewegmig «ei. Die et|ieu- uuje Fort,mritte in Deut^stund geniucyt frabc. Pros. R. Seeberg- Berckn bvrouikte sich uoer die Auigabcn der Theologie in der sozialen Fr .ge.

AuslanS.

London, 3. April. Der Beniner Korrespondent desStan­dard" bringt einen Alarm artikel über Deutschlands Fortschritt in Persieit. Er warnt die englsiche Rcgic- rung vor den deutschen Plänen, die britische Haiwelsuitereifen ernstlich bedrohen. Er erklärt, die Sjewcgung habe das Ziel, in Persien festen Fuß zu fassen. Tie Beihilfe der deutschen Regierung an die Kapitalisten erhene au» Der Tatsache, daß Die Ernennung des Deutschen Sternrich zum Äcatio- n a 1 b a u f D i r e! l o r üt Teheran direkt auf die töemüfrunacn Der Deutschen Lrientbank zurückgehe. DerStanDarD" betrachtet Die Errichtung der Bank in Teheran als ernsten Eingriff in britische Rechte. Bezeichnend sei, daß die Operationen sich auf den Süden beschränken, wo der britische Einsluß vorherrsche, unb sorgfältig vom Norden sich fernhalte, um bei Rußland nicht anzustoßen. Das Blatt behauptet, der Plan vermehre die Span­nung zwischen England und dem Deut scheu Reiche.

Paris, 3. April. Der in Tanger an Bord des jrieuzers Lalande" eingetrosfene Reisende Gentil erklärte einem Bericht­erstatter gegenüber, er halte die Besetzung von Udschda für unzureichend, um die Bevölkerung von Marakesch ein- zuschüchtem. Weitere energischere Maßnahmen wür­den sich in kurzer Zeit gewiß als notwendig erweisen. (Also Frankreich bereitet schon auf neue maroKan. Ueberraschungen unter Vorschiebung von unverantwortlichen Persönlichkeiten luftig vor! D. Red.)

Moskau, 3. April. Der Priester Gregort Petrow, der als Mitglied der Kadetten-Partei in die Duma geiuäfrlt ist, aber von der Behörde die Erlaubnis zur Annahme des Mandats nicht erhielt, teilt mit, daß er im Besitz von Dokumenten sei, aus Denen hervorgeht, daß die Wallfahrten gläubiger Russen nach Jerusalem vom Verbände des russischen Volkes benutzt werden soll, um einen allgemeinen Kreuzzug gegen Juden unb Intelligenz im russischen Reiche zu verkünden. Ueber den Beginn der Metzeleien werden die einzelnen Or­ganisationen des Verbandes durch den Abdruck des Kreuzes im Verbandsorgan Reßkoje Smamja, das auch bisher als Verstän- bigungsmittel benutzt wurde, verständigt werden. .

Newyork, 3. April. Der Botschafter Charlemagne Tower erklärte in einem Interview, bezüglich der deutsch-ameri­kanischen Beziehungen habt er nie ein allgemeineres sre uüblicheres Wohlwollen Deutschlanbs Amerika gegenüber gekannt als jetzt. Er sei gerührt von dem aus­gesprochenen Vertrauen Deutschlands zu der ökonomischen Zu­kunft und Entwickelung Amerikas und zu der Entschlossenheck Amerikas, aufrichtig zu handeln, wo immer die amerikanischen Interessen die auswärtigen Länder berührten. Der Kaiser, die Regierung und das deutsche Volk vertrauten der Regierung und dem Volke Amerikas. Die diplomatischen Beziehungen beider Länder seien deshalb frei von Verdächtigungen und einem Suchen nach verborgenen Motiven. Die lleberzeugung, daß Amerika immer einen hochsinnigen Standpunkt einnehme, sichere jedem ernsten amerikanischen Vorschläge die freundliche Erwägung des deutschen Kaisers unb der deutschen Regierung.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. April.

* Daß Unglück im Aufzug des Restaurant H e ß in Darmstadt, daß dem Dienstuiädchen Paula Althauß von hier das Leben kostete, wurde nur durch den Umstand herbeigeführt, daß in der Türe, die zu dem Fahrftuhl führt, Die feit einigen Tagen zerbrochene Fensterscheibe nicht ersetzt worden war. Rur hierdurch war der Verunglückten möglich, ihren Kopf durch die Oeffnung zu stecken, um den auf dem Fahri tu hl befindlichen 2 Perionen zuzurufen, daß sie mitfahren wolle. Daß Dach des Fahrstuhles, der schon

Kleines Feuilleton.

Rosegger über feinen Orden. In der neuesten Folge feiner Tagebuchblätter, die Peter Rosegger im .Heimgarten" veröffentlicht, leien wir: Ta erfchien ein Bote aus dem Rathaufe und ersuchte um Empfangsbestätigung für einen großen Brief und em kleines Paket, die er feierlich vor mich auf den Tisch legte. Im Briefe wurde mir durch ein Sialthaltereidekret angezeigt, daß durch die Ministerien des Aeußern und des Innern an Die Statlhalterei eine Botschaft eingelangt sei, der deutsche Kaiser hätte mir den königlich-preußischen Kronenorden zweiter Klaffe verliehen. Jrn Paket war das Schächtelchen nut dem Ordern Em heftiger Schreck. Wenn man auf so was fein Lebtag nie gedacht hat! Wald- bauernbubl Mit blauem Seitenband um den Hals zu tragen rin weißes Kreuz, inmitten d>e goldene Kömgskrone und Der Spruch: Gott mit uns\a Gestiftet hat Den OrDen Wilhelm I. am Tage si iner Kömgskrönung, wie eine zweite Inschrift besagt. Also ivieber eine Probe, ob Der WalDbauer auch eefruarbig ist. Mein Tank sei, daß ich sie nut Ehren bestehe . . . Was war nun zu tun ! Zeitungen berichteten, ich ginge nach Berlin; andere erzählten, ich hätte Dem Kaiser gleich einen Brief gefchrieben. Tas erstere verbot Die Kränk- lichtest, das letztere würde ich kaum an die große Glocke gehangen haben. Wieder andere Blätter spannen aus dieser Ordensverleihung polnische Gedanken. Nein, nichts von Politik! Die Sache hat für mich eine höhere Bedeutung. Ichige es laut, mir tut es wohl, oaß Wilhelm LL, in oesten Haupte Die Fragen der Welt pulsieren.

Vorbick>cr unö bedauerten, an Dem vorn Bre.nieruiuun.er gerügten Methoden festhacken zu müssen. Sie behaupten. Den Premin> Minister dazu gebracht zu haoen, einzugestehen, oag sich die Tatigleck der Frauen bei den Ersatzwahlen für Die Regierung sehr unangenehm ,uhlbar gemacht baue. Die Daily News bezweifeln es, daß Der Premierminister ein derartiges Geständnis abgelegt Haven fällte. Wenn künftig ein Minister auf Reisen geht, wiro er ftch also auch bann Bovoies (Poti-isren- zum Schutz gegen einen Ueoersall mit» nehmen müssen. . .

Wiesbadener Mat-Festspiel e". Wie fast all­jährlich unb diesmal zusammentresfend mit der Eröffnung des neuen Kurhauses voraussichtlich 12. Mai) finden auf Befehl des Kaisers im Königlichen Theater zu Wiesbaden dieWies­badener Festspiele" statt. Das Programm der Festspiele ist fol­gendes: 12. MaiFestspiel" von Joses Laufs, zur Einweihung des neuen Kurhauses. 13. MaiArmide", Oper von Gluck. 14. MaiHerodes und Mariamne" von Hebbel. 15. Mai Samson und Dallla" von Saint-Saöns. 16. Maißberon'' von Weber.

r Schweizerische Kun st verein richtete ein« Eingabe an die Bundesversammlung, in der gegen Den geplanten Bau einer Seilbahn von Der iellsplatte nach Der Axenstraße Einspruch erhoben wird, Da dadurch Die Tells- piatte entweiht würde.

die königlichen Gedanken wohnen daß dieser modern altrmstische Fürst auch Den JDealen eines Bolkspoeten feinen irennDlichen Grim znwtnkt. Tas Dankbare Volk ft reut Blumen. Ter König OrDen. Wer sich ziemlich sicher fühlt einerseits vor Der Neigung, der Alenge zu schmeicheln, andererseits vor der Gefahr, em höfischer Singer zu werden, der kann seine Auszeichnungen mit unbeiangenet Freude annehmen.

Ein Premiermini sie r in der Gewalt von Frauenrechtlerinnen. Als Sir Henry Campbell-Banner- man, der engl. Premierminister, am Karfreitag auf der Reise nach Cannes in dem Expreß-ugc den Spei.ewagen betrat und an einem Tische Platz nahm, in dessen Nähe zwei Damen saßen, stellten sich ihm diese als Ällß Annie Kenney und Miß Mary Gawthwrpe vor. Beide sind Vorfechterinnen des Frauenstimm­rechtes. Sir Henry tonnte ihnen nicht entrinnen, und es biieb ihm nichts übrig, als feinen Versorgerinnen Rede zu stehen, die ihm offenbar ausgelauert hatten, um ihn einem Verhör zu unte^iehen. Er sprach sich anerkennend über Die erzieherische Tätigkeit des soztaien und pvtttckcheti Verbandes der Frauen aus, kritisierte aber die Methoden dieses Vereins. Er fagte, er könne ihnen keine Hoffnung machen, daß die Regierung twch in dieser Sefiion das Stimmrecht der Frauen als Gefetzantrag einbringen werde, und er frone, daß es ihm geringen werd.-, die Damen von weiteren Kundgebungen vor dem Parlament abzumahnen, weck derartige Auitrckie nicht geeignet seien, gute Erwlge zu zeitigen. Tie Samen beriefen sich aut htstviiiche