Donnerstag 28. März 1907
1S7. Jahrgang
Ul
Drittes Blrr-t
0kr. 74
Erscheint tSgllch mit Ausnahme deS Sonntags.
2ir.
*fg.
leuchtet.
Kammer stimmt darauf dem Ausschußantrag auf Geneh-
dcr Regierungsvorlage zu.
Die „Siebener Zamkliendlatter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS „LreirblaN fflr den Krtis Gießen" zweimal wöcheullich. Der „hessische Landwirt", erscheint monatlich einmal.
vielen Ausweg mb ^lüdwänife unserer
men Hochzeit Udjiten Dank Goß und Frau. U2OG3
RotaNonsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersttälS • Buch» und StetnbtudcteL R. Lange, ©tefeen.
Redaktion, Erveditton und Duldetet: ®chul- stratze 7. Erveditton und Verlag 6L Redaklion:L^A 112. Tell-Adr^ AnzergerGretzen.
Kejsische Zweite Kammer.
R.-B. D a r m st a d t, 27. März-
Präsident Haas eröffnet die .Sitzung um halb 10 Uhr.
Am Regierungstisch: Ministerialrat Süffert.
Zunächst wird die Vorstellung Ser Gerichtsoollzreher-Aspiranten, Vermehrung der Gcrichtsvollzieherstcllen int Großhcczog- *:em Hessen betreffend, sowie die Vorstellung der Frau tftv^ricg
ert
H6
Herr Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt schreibt uns:
In Nr. 72 Ihres Blattes vom 26. März d. I. finde ich in dem Bericht über die Verhandlungen der ersten Kammer die Mitteilung, ich hätte bei der Besprechung der 6. Hauptabteilung des Budgets (Landstände) „die Gewährung von Freifahrtkarten für die Abgeordneten beider Ständekammern im ganzen Lande angeregt." Es beruht dies auf einem Irrtum. Die zweite Kammer hatte auf Antrag der Abgg. Adelung und Ulrich mit allen gegen vier Stimmen beschlossen, „Großherzogliche Regierung zu ersuchen, beim Eifenbahnministerium in Berlin dahin, zu wirken, daß den Mitgliedern beider Kammern im Lande freie 'Fahrt gewährt werde." Der Finanzausschuß der ersten Kammer hatte beantragt, diesem Ersuchen nicht beizutreten. Was ich selbst in den Verhandlungen des Plenums empfahl, war, den Wünschen der zweiten Kammer entgcgenzukommen und den Abgeordneten der zweiten Kammer Freifahrtkarten von ihrem Wohnsitze nach Darmstadt zur Verfügung zu stellen.
migung der Regierungsvorlage zu.
Ats letzter Gegenstand der Tagesordnung kommt der Voranschlag über die Aus gab cbedürfnisse der ersten Kammer zur Beratung, über die Oberstallmeister Frhr. Ludwig R i e d e s e l zu Eisenbach kurz berichtet.
Nachdem das Haus auch hierzu seine Zustimmung erteilt, vertagt der Präsident die Sitzung auf unbestimmte Zeit.
'»»•ftu
roanöiheil und Anstelligkeit fördert, io daß ud) auch die Brauchbarkeit im Berufe dadurch erhöht. Nicht minder ist deui geistig xHibeitcnbc», dein meist dre kräftige körperliche Beivegling überhaupt mangelt, zur Erhaltung der Gesundheit daS Turnen von nölen. Möchten daher alle Eltern und Lehcherren cs sich angelegen sein lassen, die Jugend — man vergesse dabei auch die Mädchen nicht — zum Turnen an- zuhalten, und das um so mehr, alS die Zeit, die in der Turnhalle und aus dem Turnplatz zugebracht wird, gut an- gewandt ist, während man das im anderen Falle wohl nicht immer behaiiptcn kann. Erwähnt sei noch, daß die Beiträge m den Vereinen der Deutichcn Turnerschaft sehr gering sind und weitere Verpflichtungen als dec Besuch der Turnstunden für die Zöglinge nicht bestehen.
Q AuS dem Vogelsberg, 27. März. Kaum hat die Frühlingssonne Hecken und Raine ausgedörrt, so lodern auch schon allabendlich die Hellen Feuerzeilen an Hain und Berg empor. Richt immer gilt dies Feuer der absicht, lichen Vertilgung der Hecke, vielinehc ist es der Reiz des AnzündenS von langem ausgedörrlen Gras, dem nicht nur die Jugend, sondern auch das Alter nicht widerstehen kann Eni Streichhölzchen unter das lange, zottige, graudürre Gras, ha, wie flamnit das! Daß mit diesem Luit- feuer aber vielen der nützlichsten Tiere der Garalis gemacht wird, daran denkt niemand, ja, das glaubt mancher noch gar nicht. Gcwitz aber wissen alle Schüler unserer modernen Volksschule, daß Igel, Eidechse, Blindschleiche, Kröte u. a. Hecken- und Ralnbewohner unsere allernützlichlten Un- gezieferverlilger sind. Ermahnungen zum Schutz dieser Tiere helfen wenig oder gar nichts, nur ein Verbot unter Strafandrohung und evcnt. Strafausführung wird Abhülfe schaffen.
Wetzlar, 26. März. Eine Bezirksversammlung der Christlich-Sozialen des Lahn-, Till- und Sieg- bezirks und deS Wester>valdes findet am 7. April zu Wetzlar statt. Die RelchStagSadgg. Franz Behrens und Dr. Burckhardt soivie Gelverkichaftssekretär W. Schmidt-Tillen- durg halten Vorträge.
Die Acht.
Im „Bund der Landivirle für Südwestdeutschland" finden wir folgendes Gedicht, das dem Blatte aus dem Kreise Kreuzitach iugegangen ist:
Mit vieren fuhr das Bäuerlein Wohl oftmals über Stock und Stein Im allen Reichstag munter.
Jetzt sind nun a ch t geworden drauS, Tie zogen em ins Relchstagshaus, Und gär die besten drunter.
Acht ist 'ne ganz besondre Zahl;
>.Olit achten fährt zum Krönungsmahl DeS Deutschen Reiches Kaiier.
Acht stehen um den König rum Benn Kegelspiel. Tas lsl nit dumm: Der .Kranz" treibt frische Reiser.
Und diese Achte ziehen recht, Ter Bundeswagen fährt nicht schlecht Ta gibt es fein Bedauern!
Weil hinter unjern Achten steh'n Born Bel: bis zu der Franken Höh'n Treihiluderltausend Bauern.
Trum hoch das Banner, daß sich mehr'
Ter überzeugten Bauern Heer;
Stoßt kräftig an die Kannen!
Stm Jahre neunzehnhundertzwölf Tann fahren wir, so Gott uns Helf* Vielleicht mit zwölf'Gespannen.
Sygk atbctfl fc
Langheck, Witwe zu Darmstadt, Rechtsverweigerung betreffend, : für erledigt erklärt. Eine Aitzahl Anträge werden zuruckgeitellt.
Präsiden: Haas läßt wegen Abwesenheit der Referentin eine Pause eintrcten. Nach dreiviertelstündiaer Pause tetll der Präsident die 'Beben erfolgten Beschlüsse der Ersten Kammer mit. (Allseitiger Beifall.) „ . „
21 bg Molthan trägt eine Vorstellung der Ltadte Bensheim und Lindemels vor auf staatliche Unterstützung in der Automobilverbindung zwischen beiden Orten, und zwar wird um 3003 Mark sährsich gebeten.
Abg. A u i e r spricht sich für das Projekt einer Etfcnbahn Worms—Bensheim—Lindenfels aus.
Abg. M o 1 t h a n ersucht, obige Subventwn nur für em Jahr zu bereinigen. .
Tie Vorstellung wird dem Ausfchußantrage entiprechend angenommen. ' „
Zur Beratung kommt eine Vorstellung des Korbmacher- vereinsHammbei Worms, Anlagen von W e i d ek u I t u r e n betreffend. Tie Vorstellung spricht den Wunsch aus, die Kammer möge bei der Regierung dahin wirken, daß ein größeres fiskalisches Gebiet der Rheinniederung von etwa 100 Aiorgen der Weidenkultur übcriviesen werde.
Abg Reinhart bespricht die schlechten WohnunasverHaltnisse der Korbmacher in Gamm: 80 Prozent der Todesialle seien &.uf Tuberkulose zurückzuführen.
Abg. Adeiung weist darauf hin, dort 14 bis 15 Stunden Arbeitvzcit eiligesührt sei und daß ein Mann in der Stunde d'urchschnitt.ich 1/ Pfennige verd.ene
Abg. B c |t rät, die Regierung sotle Die Weidenkultur starker betreiben und unterstützen, und Abg. Noa ck teilt mit, cs seien in Hamm Meisterlurse mit gutem Erfolge aogehalten worden und man beabsichtige, dort eine Koromawerschute zu errichten.
Staatsminister Ewald überreicht der Kammer photographische Darstellungen b.r Fortschritte der ziorbmacherei in Hamm.
Abg. Adelung, als Berichter stutter, spricht den Wunsch ans, die Regierung sollte den KoromackMN möglichst viel Rollmaterial schaffen. , r orx
Ter Antrag des Ausschusses, der sich zu Gunsten der Vorstellung ausspricht, wird angenommen.
Gelegentlich der Vorstellungen des Vereins Großh. VMücher Dammwärter, Gewährung von Wohnungsgcidzuschüsien und Regelung ihrer Gehaltsbezüge betreffend, und der Brückenmeister, Gehaltsaufprsisiruiig bctcciunb, werden die Ausschußanträge angenommen, in denen Die Kärntner ersucht wird, den Gesuchen feine Folge zu geben. .
Ter Antrag der Abgg. Dr. Schmitt und Genauen, die Aufhebung des Brückengeldes betreffend, mid der Antrag der Abgg. Ulrich \>b Genossen, Aufhebung sämtlicher Brückengelder betreffend, irerden zurückgestellt.
Es folgt eine Vorstellung des Franz Josef Schachner II zu Bensheim, Hundesteuer betreffend. Sch. will wegen einsamer Lage seines Gehöftes von der Zahlung der Steuer ent> runden werden. Der Ausschuß ist nicht dieser Ansicht und beantragt, die Beschwerde für erledigt zu erklären. Der Antrag wird angenommen.
Zur Beratung kommt sodann eine Vorstellung Der S t e u e r - kommissariatsg. ehilfen, Gehaltserhöhung betret- Lenb. Ter Ausschuß schließt .sich Der Regierung an, die den Wunsch der Gehaltserhöhung abgelehnt hat, und beantragt, die Vorstellung 'L.bzulehnen > Debatte wird auf den Wunsch der Steuerlominifiariatsgehilfen nach Einführung einer Fach- Prüfung cingegmigen, doch werden von Seiten der Regierung verschiedene GrünDe mitgcteilt, warum man von einer solchen Prüfung zur Zeit absieht. Dec Ausfchußantrag wird angenommen.
Sod nn rc.rben eine Vorstellung der Großh. Feldbereinigung s g c o ni c t er, tn'cenoeiLge R gelang i.jr.r Gehaltsverhältnisse betreffend, nnd eine Vorstellung der Großh. Geometer 1. Klasse, die Drganii ation des Vermessungswesens betretend, an den Ausschuß verreiesen.
Eine Vorstellung des Melchior Bindcwald zu Darmstadt betr. Erhöhung seines Gn ad e n g e h al t e s wird für erledigt erklärt, dagegen wird eine Vorstellung des Peter Hübner, Adam Hofmann und Franz Lang zu Darmstadt, ebenfalls Erhöhung ihres Gnadengehaltes betreffend, .auf Antrag Berthold genehmigt.
Ter Präsident schließt 12*4 Uhr die Tagung.
Metzeiw Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Aus S:adt und Land.
Sprechstunden der Redaktion:
iy3 12—1 Uhr vorm., V2 7—1/2 8 Uhr^ nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
Gießen, den 28. März 1907.
»* Im ne tieft en Gießener G y m n a si a l b e r i ch t lesen wir im Kapitel „Zur Geschichte der Anstalt" 11. a.:
Turch einen uneriüarieieit Tod wurde am 19. Juni 1906 Herr Professor Heimann Rahn im krustigsten Manuesalter nach kurzer Krmiflieit dabiugerafft. Seit Herbst 1901 hat der Verstorbene in unserer Gememschait gestanden und mit einer ihm ganz besonders eignen frischen Tatkraft pflichlgelreu seines Amtes gewaltet. Lurch die Lauterkeit seines geraden, liebenswürdigen Wesens hat er sich bei feinen Amtsgenossen ein treues Andenken gesichert. Auf den Wunich der Hinterbliebenen wurde er tu aller Stille beigesetzt.
Am 5. August wurde der bisherige Leiter unseres Gymnasiums, Herr Geh. Schulrat Dr. Ludwig Schädel, auf fern Nachjucheu unter Anerkennung ferner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihuug der Krone zum Ritterkreuze 1. Klasse des Verdieusl- oxbens Philipps des Großmütigen tu den Ruhestand versetzt. Milden und wohlwolleudeu Suuies, begeistert vou seinem Bernie, em glänzender Redner, leitete er seil Herbst 1899 in rastloser Tätigkeit unter mcuunglacheu schwierigen Verhältnissen die ihm anoer- trauten Anstalten. Wir wünschen von Herzen, daß ihm noch lange oergönnt sein möge, in ungestörter Rübe und in voller Gesundheit seiueu wisseujchaftlicheu Reiguugen zu leben.
•• Landposlfahrteu. Vom 1. April ab verkehrt die Landpost zwischen Krofdorf und Gießen wieder auf der direkten Straße. Die Umfahrt über Adendslern ist aufgehoben. Auch Die Landposten zwischen Lützellinden und Gießen verkehren vom gleichen Tage ab wieder wie früher.
•• Turnerisches. Die Zeit kommt wiederum heran, in der eine große Zahl Schüler ihre Schulzeit beendigt hat, um nunmehr hinaus in daS Leben zu treten. In vieler Eltern Mund schwebt daher jetzt die Frage: Was soll unser Junge werden? Ob nun der Beruf körperliche oder geistige Tätigkeit beansprucht, eins mögen sowohl die Eltern wie die Lehrherrn nicht vergessen: das ist die weitere körperliche Erziehung der Jugend. Mag auch der Junge körperlich tätig sein, in jedem Beruf ist diese Beschäftigung nur einseitig und nicht immer aesundheitsfördernd. Als notwendige Ergäuzuug muß dazu das Turnen treten, das nicht nur eine allseitige Ausbildung der Korperkräfte bezweckt, sondern auch die Ge-
2Citd)e und Schule.
f. ßefcrerfonVerengen im Kre 1 fe Friedberg. In den lernen Tagen wurden im Kreise Friedberg unter dem Vorsitz des Schulrats Süß vier auitltcheLehrerkoiuereuzenabgehaiteu. Juden Laudbezitkeu Butzbach, Friedberg und Vilbel hielten Die Herren Schneider. Butzbach, O ß re a l ö - Nattheim und Hofmann- Vilbel Vorträge über „H enr 1 k Ibs<e n". Es ist mit Freuden zu begrüßen, dap bteier norwegische Dichter, dessen Werte tu Den vreußrschen 'Lehrersentrnarien als Lektüre verboten worben sind, in Hessen aus amtlichen Lehrerversammlilugeit besprochen wird. — xie Mehrer aus Den Städten Friedberg, Butzbach, Bab-Nailhcim und Vilbel Imtöcn sich iit Bad-Raut)ei m zu einer Kon'erenz ein. Mu zwei ganz modernen Einrichtungen, die vorerft nur >ür städusche Verhältnisse berechnet sind, wurdeu die Lehrer befamit aeiimdit. 9lachdem mehniimmige Gesäuge unter der tüchtigen Leuuna des Herrn Lehrer 3)iel)l die Konferenz eröftitet hauen, jpxod) zunächst Oberlehrer Kredel (Bad-Rauhemt), Der bie vor- trefflichen Schule t tt rtchtungen Al a n n h e 1 m 5 aus eigner Anfchaiiung keimen gelernt hat, über „Das 9)lannheimer Schul- innem". Er wies m seinen mtereijanien Ausiührungen auf Die Vorzüge des Sonderklasjeniystems hm, Die es bejouDers schwachen Schülern gewährt. Tie Atamchetmer Schulemrichtungeu sind in jeDet Beziehung uachahmenswerl. Wenn die Schaffiing von Hülis- und SonDerkiassen für nufere Verhälunsse auch letzt noch nicht uiöglich tsl, >0 ut sie aber als eine legensreiche pädagogische Neuerung iür die Zukunft erstrebenswert. Haupllehrer^ Storch in^Butz- bach sprach Daun übet Den Kochunterrlcht tut 8. Schuljahr. Schulrat Süß und Kreisrat Fey traten warm für diesen ueueu Uiuet> richtszwetg ein, der in anderen Städten Hessens, z. B. in Gießen und Wornts, schon seit einiger Zeil eingeiührt ist. Es rotrb beim lassen, nun auch in ben Slädlen Des Kreises Fried berg bannt einen Versuch zu machen. Tie Riädchen, die nn letzlen Jahre Die Volksichllle bejuchen, sollen theoreüfd) und praktisch im Kocheit imo ut der Haushalinngslunde uuterroieien werden. Bon einigen Herren luurbe der Wunsd; ansgesprochen, gleich auf die obligalorlsdze Fortbildungsschule für Mädchen hmiuacbciten, ut Der man bann Dem Kochunterticht einen breiten Raum gewähren könne.
n«rvere^n Heiterkeü-
Xunft v g^ieiertM-
S wft &f Ä ss?
y c^Z niflfeiitiij $VW '■Uhitfier, Zilaieiiröie, "le jQiibc, Sonimrrspt., iten >>nd sMn rr. 5tzPf.inall.Apoly., .u.P<irIi''iieriehdlgn.
Ktsstjche eiste Kammer
R. B. Darmstadt, 27^ März.
In bet vom PräsiDenten Graf Görtz, gen. v. Schlitz, um 10*,2 llhr eröffneten Sitzung, welcher als Regierungsverlreter bie Herren Staatsminister Erealb, Finanzminister Dr. G n a u t h und Minister des Innern Braun beiwohnten, stehen zunächst mehrere Rückäußerungen aus der 2. Kammer zur Debatte. Der Präsident des Finanzausschusses, Frhr. v. Riedesel, berichtet, daß bu zweite Kammer bie Pos. zu Kap. 124, Neubau eines Lehreri emt- nars zu Bensheim, in ber Fassung ber Regierung beibehalten habe, also ohne ben Vorbehalt betaillierter Prüfung. Die Kammer tritt biejem Beschlüsse bei. ....
Die zweite Rückäußerung betrifft ben Urkunden stempel. Der Ausschuß beantragt, dem Art. 2, Pos. 14, Eheverträge, uad) dem Beharrungsveschluß der ziöeiten Kammer zuzuftimmen, daß also statt ber Regierungsvorlage der von der zweiten Kammer angesetzte höhere Stempel für Eheverträge mit über 100000 Mk. angenommen wird. < .
Frhr. v. Hehl betont hierzu, der Ltaatsmtmster habe int Ausschuß ausdrücklich bemerkt, daß Eheverträge mit einem Werl von mehr als 100 000 Mk. wohl kaum vorkämen. Deshalb habe auch die Erhöhung dieser Stempelsätze durch die zweite Kammer gar keine praktische Bedeutung und man könne aus eine Wiederherstellung der Regierungsvorlage verzichten.
Der Ausschußantrag wird darauf angenommen. '
Die dritte Rückäußerung beirisst den A u s g l e i ch s so n d s. Hier beantragt der Ausschuß unter Hinweis auf eine vorn Präsidenten des Hauses abzugebende Erklärung, nunmehr der Regierungsvorlage zuzustimmen.
Der Präsident verliest nun folgende Erklärung:
„Ich bin von einer größeren Anzahl von Mitgliedern dieses hohen Hauses ersucht worden, folgende (SrUäruitg abzugeben, welche einerseits zur Klarstellung der augenbxicklichcn Situation dienen, andererseits aber auch einen Hinweis bieten soll aus unsere künftige Stellungnahme.
Eine Bindung der Einnahmen aus direkten oder indirekten Steuern erscheint uns nach wie vor als unerwünscht, weil dadurch das verfassungsmäßige Recht der beiden Kammern der Stände über diese Einnahmen frei zu verfügen, eingeschränkt wird. Namentlich müssen mir uns aber auch für die Zukunft dagegen verwahren, daß nicht eine Verpackung von Gesetzesvorlagen mit beni Budget vorgenommen werde, durch deren Annoh.ue das Zustandekommen des Budgets bedingt reeroen soll., Tic eilte Kammer wird dadurch in eine Zwangslage versetzt, welche ihren verfassungsmäßigen Rechteii nicht entspricht.
Wenn wir diesmal auf Geltendmachung unserer AufMisung verzichten, so geschieht dies lediglich in der Erwägung, daß bie Interessen bes Beamten- unb Lehrerstanbes allzusehr barunter leiden würden.
Kein Faktor der Gesetzgebung darf die Verantwortlichkeit der Ablehnung des Budgets auf sich nehmen, wenn mit demselben die Beschlußfassung über gesetzliche Maßnahmen verbunden ist, die mit dem Budget nicht direkt zusammenhängen uitbjid) beshalb der Durchstimmung entziehen. Dies ist aber der Fall bei der Einführung der Reichserbschastssteuer und des ?lus- gleichsfonds.
Das sind die Grünoe, welche uns ueraiuancn, unter oer oben ausgesprochenen Verwahrung unsere Zustimmung zu dem vorliegenden Gesetz zu geben.
Die Erklärung des Präsidenten wird vom Haiye e i n st i m m i g angenommen.
Staatsminister Ewald bittet ums Wort und erklärt, er könne dem Hause nur den aufrichtigen Dank der Regierung aus- sprechen für die soeben gehörte Kunögebung. Er wisse vollauf zu würdigen, daß das Haus seine Bedenken hatte in den Hintergrund treten lassen gegenüber dem praktischen Bedürfnis, den Beamien und Lehrern die Verbesserungen sofort zuteil werden zu lassen. Die vornehmste sorge der Regierung war, den Ständen die seit Jahren gewulischten Vorschläge für die Verbesserung der Beamten- unb Lehrergehalte zu machen, das war aber nur möglich unter gleichzeitiger Inanspruchnahme des AusgleicysfonDs, der desha.b eine Aendcrung erfahren mußte, da ja eine Erhöhung der direkten Steuer oder Der Vermögenssteuer nicht durchzuführen gctoeien Wäre. Die anuere £Lucitc, Die dazu in Anspruch genommen wurde, war die Abänderung des Urkundenstempel». Die Regierung war gleichzeitig verpflichtet, ein fch'n früher der zweiten Kammer gegebenes Wort eiuzulöien und eine i"..izahl Erleichterungen einzuführeu, die ca. 100 000 Mk. au5uiaajieii, und Du re^r es notrocnDuj, oie jetzigen Stempelerhöhungen und gleichzeitig die 630 000 Mk. aus Dem AusgleichsfonDs zu entnehmen. Tas war der Grund zur Verbindung der Gesetzesvorlagen mit dem Budget und das möge als Rechtfertigung der Regierung dienen.
Das Haus ft i inm t darauf dem Ausschußantrag zu und genehmigte dann ohne Debatte das F i n a n z g e s e tz für 1907. Lieber bie Regierungsvorlage betr. den Entwurf eines Gesetzes wegen Erhebung von Zuschlägen zur Reichserbschaftssteuer gibt
Frhr. v. Heyl als Ausschußberichterftattcr einen längeren Bericht, ber bcsonbers bie rechtliche Seite ber Frage näher bc-
■ ■ Sommerkur für
____________ lieh ein;.- -richtete kleine An ntofi 5^3 Spexlalh-Ilanstalt. Central
MTCD jEoaJ y H Im Ziing u. Bel, ichtung, geheizte 1
■ w HidQ WM S I halle und Corridore. Sorte« ■ e H V BehRndlun r und Verpfleg
Diätkuren. (Depenuunce lür Mmderbemnteile.) Prospekte fr
WjfflSQÄeB Dr. 31. Nervenarzt. ■
Htrseiitiic 2jeUbrbä% lei nunietmien, njofüt Prov fion r 2052 m ^omsSbergLPk, üiieui «aal uerciiugt len, unb zu veroeben iu der ISejchusisiiellr Anzeigeis. |aitf 18-20000.-
N aus la Cüjelt gef. er wollen O,f.uiuM »er Änzeiger emteicb iernnterrlcht n Äusvildung für eü >chen neiuojL Üliiflcbote unter 217! ner Änzeiger erbei» iartenerfc ■tert werden.
Näü. Lase Ämid. , dal noch emr k Stunden fwinu. hause. tÄW chmidt, lititnmeg 18. Hürtcrtieibct \vA\a M
rMSlMärisi.


