Nr. 74
scheint täglich mit Ausnahme bei Sonntags.
Die „Gießener ZamiUenblStler- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS '«relsblott ffli de, Kreti Gießen" zweimal wöchenllich. Der „k.esstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag bet Br 2 hNchen Universität- • Buch- und CteinbrucfcteL R. Langs, ®’e&en.
Redaktion. Expedition und ®ruderet: Schul- straße ?. ErpedtNon und Verlag i t>L Redaktion: teU-Mbu AnzeigerGretzen.
Zweites Blatt 1S7. Jahrgang Donnerstag 28. März 1907
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
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Aarfrellag.
Zelt durch den Egoismus recht abgestumpft worden und der Trieb des Einzelnen, sein persönliches Glück und Wohlbehagen auf Hollen der Allgemeinheit zu erringen, umso schärfer hervor- getreten. Der Milliardensegen, welchen unS der industrielle und kommerzielle Aufschwung Deutschlands bescherte, hat die Sucht nach Erwerb materieller Güter bedenklich aufgcstachelt. Im Jagen nach irdischen Genüssen aller Art nimmt der Kampf ums Dasein immer rauhere Formen an, das Bewußi- sein der nationalen Zusammengehörigkeit droht im Widerstreit sozialer und ökonoiiiijcher Gegensätze zu verflachen, und an Stelle gesunder Schlichtheit und Einfachheit macht sich eine ganz undeutsche Prunk- und Prachtlicbe breit.
Der Zusammenhang des Menschen mit der Natur, das Zusammenleben mit ihr wird vernachlässigt. Wissen wir Städter noch, wie die aufgehende Sonne aus- sieht? Wir sind völlig entwöhnt, in den einfachen, reinen, großartigen Verhältnissen zu leben, wie sie dec Bauer oder der Forst beamte kennen. Durch und durch künstliche Zu- slände: enge Stuben und enge Wirtshäuser, das sind die
Aich. Wagner. ~ .
Möge allch der diesjährige Karfreitag zu einer Festigung und Verbreitung dieser Grundsätze, für die der große Dulder daS ewige Vorbild ,0 und bleibt, beitragen, möge bie Erinnerung an das Erläscrwerk bußfertige Zuversicht erwecken, daß mit freudig das Aus-rstehuugsiest begehen tönnei.
Karfreitag ist der Tag ernster Stimmung, an dem das erschütternde TodeSdrama auf Golgatha, das geheimnisvolle Erlbjerwerk deS sterbenden Heilandes vor unsere Seele tritt. ,Es ist vollbracht*, haucht die brechende Stimme deS (Sc- kreuzigten und selbst an der rohen HenkerSschar geht der Ein- ' druck deS mit demütiger Geduld erlragenen LeidcnSwerkcs nicht spurlos vorüber. .Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen-, geht eS murnielnd durch die Neiden der KriegSknechte und Gaffer und selbst die Natur hüllt sich in trauec»ideS Dunkel.
Wieviel mehr muß noch unS, die wir nach dem Namen des Welterlösers unS Christen nennen, der Erinnerungstag seines Todes zur inneren Einkehr mahnen, auf daß wir nichi nur dem Weltgeist leben, sondern auch der inneren Stimme Gehör schenken und die Konsequenzen der Glaubenslehre auch auf unser Alltagsleben, auf unser Leben in der Familie, im Volk und im Staate zu übertragen suchen. Dian braucht kein Frömmler zu sein und kann doch tiefschmerzlich den unchriulich niedrig materiellen Zug, der durch unser Zeitalter und unser öffentliches Leben geht, bedauern, Man braucht fein pharisäischer Kopfhänger zu sein und kann doch die zynische Weltoerachtung verurteilen. Meist ist eS die Hervorkehrung uno Betonung der reinen Aeußerlichkeiten, die viele Menschen jeder wahren Religiosität und Herzensla'.rlcrleit entfremden. Die sittllch-religlösen Lehren unseres Heilandes aber werden trotz allem bis an dec Welt Ende seslwurzeln. WaS jedoch besonders nottut und woran unS gerade dec Kar- sreitag gemahnt, daS ist die von ChrisUtS unS gelehrte, durch keine Unbill oerlierbare UeberzeuguugStreue, offenes und freimütiges UederzeugungSbekenntnlS und Opseifreudigkeit.
ES ist em merkwürdiges Spiel der SchickjalSmächte, daß wenige Jahre nachdem der Stern von Bethlehem aufgegangen, im Teutoburger Walde die grimmige Schlacht geschlagen wurde, welche d»e erste Bresche in das Römerreich legte. Und von jeher hat kein anderes Volk so heldenhaft und unverzagt für dal Christentum gestritten wie daS deutsche. Hundertiausend seiner Sühne verbluteten auf den Kreuzzügen, in dem Kampfe gegen den Halbmond, und auch der 30 jährige Krieg, dec die deutschen Lande an den Rand deS AbgrnndeS brachte, ent- stand aus dem glühenden Drange, die chr'stlichen Ideale rem und fleckenlos zu bewahren. Die Opferfrcudigkelt, welche von dem Gottessohn auf der Schädelstätte anSging, hat unser Volk alle die gewaltigen Taten vollbringen lasten, welche mit unvergänglichen Lettern in den Büchern der Geschichte ein- gegraben sind; sie hat unß geführt durch schweren Kamps auch zu der großen Zeit, zum Tag von Sedan.
In dieser Opferfreudigkeit, in dem Einsatz deS Einzelnen zum Wohle der Gesamtheit liegt die Ursache allen Fortschntts, der Weiterentwickelung der Menfchhest in Kultur und Sitte. Leben heißt kämpfen, und jeder Erfolg, jeder Sieg kostet Opfer — gleichgültig aus welcher Wahlstatt. Ter Gelehrte, der in stiller Stube über den Problemen seiner Wissenschaft sinnt und grübelt, der Arzt in der Klinik, der Bergmann nn finsteren Stollen — jeder ernste Beruf verlangt Opferfreudig- keit, erfordert den Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Daß dieses Gefühl dem deutschen Volke erhalten bleibt, dafür zu sorgen, sollte unsere heiligste Aufgabe fein l Denn - täuschen wir uns darüber nicht — die Opferwllllgkeit ist in unserer
retouchierl wurden.
Aber der sonderbare Sport, die steinernen Ueberreste verwehter Jahrhunderte, die dem Zahn der Zeit nicht widerstehen konnten, zu restaurieren, ist höchst charakteristisch für den reaktionären Zug, der durch unser kulturelles Leben geht. Anstatt von den Alten zu lernen und Neues zu schaffen, find wir ängstlich bemüht, das Alte zu konservieren. Wir vermögen nicht mit der Tradition zu brechen und neue Formen für den gleichen geistigen Inhalt zu suchen. Der germanische Geist, der auS den Ruinen von Altena zu unS Ipncht, ist derselbe geblieben, nur ringt er in unserer Zeit des Triumphes der Technik und der Naturwissenschaften nach Betätigung m neuen Lebensformen. Wir aber kleben an den alther gebrachten Formen, an der Vergangenheit und um uns diele vorzutäiischen, fügen wir die Rumen zusammengebrochener Pracht und Herrlichkeit zu bloßen DekorationS- bauten wieder ziisammcn. Wenn es schon nicht anders geht, so soll uns im Zeitalter der drahtlosen Telegraphie und deS Unterseebootes d»e Histone wenigstens den dekorativen Hintergrund abgeben, vor welchem sich daS höchst prosaische Leben der Gegenwart abrollt.
Reaktionär und romantisch-sentimental zugleich ist dieser Zug, der aber überwunden werden muß. Rian soll sich beileibe nicht von dec geschichtlichen Vergangenheit zu emanzipieren suchen, aber man muß sich hüten, dem nachzuhängen, auf denen der Moder der Historie liegt. Erfreuen wir »m3 getrost an der Schönheit einer Ruine auf tcutzigem Berges- gipfel, aber verlieren wir darüber nicht den ästhetischen Geschmack an den Bogenlinien einer mächtigen Eisenbahn- brücke. Deshalb sind auch die Unterzeichner der Protestkundgebung gegen die Restaurierung der Ruine von Altena UN Rechte, wenn sie gegen die dekorative Historie ihren eindringlichen Einspruch erheben.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Mürz, yeute horte bus zraiserPaar in der Technischen Hochschute in Charloftenburg einen Vortrag des Professors Stabil über drahtlose ^eiepyonie und einen Bortrag des Pro- enors Kvrn über etektrijche D e r n p h o to g r a P h»e.
— Wie die Tagt. Nundichau mitteilt, Ht Oberbürgermeister Abickes vom Kaiser empfangen worden.
— DieStadtverordnetenveriamuitunginEhar- lo tten bürg lehnte die Magistratsvorlage über die sofortige Einführung der W e r t z u w a ch s st e u e r für bebaute und unbebaute Grundstücke ab.
Bückeburg, 2/. März. 2er Landtag beichäftigte sich mit b:t Regelung der Beamten- und Lehrergehalter Wie schon kur- erwähnt, sind Re Gehälter sämtlicher Staatsbeamten um 10 Proz.. erhöht tvorden. Danach stellt sich das Gehalt der Richter lerfter Instanz iin $oü)|t|ab au( 60UO und das der Gymnasiallehrer auf b3/0 Mt Tas Höchstgehalt der Bolksschullehrer, das nach 26 Tun,lehren erreicht wirb,
künstlich schaffen.
In Deutschland treiben wir den umgekehrten Sport, tn dem wir die Rumen unserer historischen Burgen und Rstter- ichlöss-r wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt herzustellen trachten. SieuerdmgS soll eine der herrlichsten deutschen Rumen, die 1122 erbaute Stammburg deS preußischen Königshauses nrütlerlichecseits, an ine Reihe kommen, welches Vorhaben eben eine energische Pcot-stkundgebung durch namhafte Künstler, Gelehrte und StandeSpersonen heroorgerufen hat. ES »st merkwürdig, daß gerade jene Kreise, die immer wieder die Notwendigkeit betonen, dem deutschen Volke den historischen Smn zu erhallen, so wnstg Pietät vor der Vergangenheit zeigen, daß sie die grandiosen Werke emeS starken Geschlechtes, die dem ZerstörungSwerke der Statur einen so jähen Widerstand entgegensetze, Mit den Kinkerlitzchen moderner Archltekienkunst auSfllcken wollen. AIS ob uns die Ruinen, die beispielsweise vom Heidelberger Jettenbühl m düsterer Pracht emporragcn,nicht eindringlicher von vergangenen schweren Zeiten predigen wurden als em äußerlich rekonstruierter Bau, von dem die Runen dec Geschichte weg-
und Schule.
— Im Verlage von Quelle und Meyer in Leipzig erschien soeben: Christus, von O s e a r Holtzmann, Professor an der Universität Gießen. .Ein Leben voll Rmgens und Kämpfens nicht um Geld und Ehr<-, nicht um den eigenen Platz an der Sonne, aber voll Rmg"nS und Kämpfens um die innerlichsten und heiligsten Aufgaben und Rätsel, die auf Erden zu lösen sind, das mag der erste Em- druck sein, den die Geschichte Jesu hmterläßt. Ter Widerspruch gegen eine engherzige, jede freie Regung einschnürende Gesetzlichkeit bringt Jesus zuerst Verbannung, dann Kreuzes- tob: daS ganze Elend menschlicher Geschichte, wo die Herr-
ichenden Gewalten jede noch so gute Steuerung mit Argwohn und Sorge betrachten und zu erdrücken suchen, ehe sie von ihr niedergedrückt werden, tritt unS hier entgegen. Und doch ist diese Geschichte Jesu biS zuletzt nichts Trübes und Rieder- beugendes. ES ist trotz alledem etne Gerichte voll Sonne, Licht und Klarheit, an der man 'sich immer wieder tn den bittersten Stunden des Lebens erheben und aufnchten mag." DieS im einzelnen anzuführen, ist die Aufgabe dieses Büchleins, daS sich »n allgemein verständlicher, leicht lesbarer und doch knapper Form an alle wendet, die aus Wißbegier und religiösem Jnteresie die geschichtlichen Wahrheiten von Christus erkennen möchten. Mit Ruhe und Gewissenhaftigkeit werden zunächst die vorhandenen Quellen auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft, Sage und Geschichte scharf voneinander gesondert, und ein klares Bild von Jesu tn seiner geschichtlichen Größe gewonnen. Ter Kulturwerl des Christentums tn seiner bleibenden Bedeutung ergibt sich aus diesen Betrachtungen. Dabei stellt sich das reformatorische Ideal eines Luther, die feste Heilsgewißheit bei hingebender, selbstoerleugncuder Liebe un- gesucht und ungewollt als das wertvolle Erbe heraus, das Christus seiner Gemeinde und damit der Menschheit hinterlasse» hat. Ten Mittelpunkt deS Büchleins bildet eine großzügige Darstellung von Jesu Heimat und Volk, sowie der Geschichte seines Lebens nut scharfer Betonung der Einschnitte und Wendepunkte. Ein betonterer Abschnitt behandelt das Evangelium Jesu und ihn selbst als Sündcrhelland sowie die so- genannten GlaubenStatsachen fernes Lebens; em Schlußkopilel fährt den Lefer durch die Geschichte bei Beurteilung, die Jesus und fern Werk im Lause der Jahrhunderte gefunden. Tie ! ganzen Ausführungen sind von ipannenbficm Jnteresie unb zeigen, baß bet Verfasser stets ein dreifaches Ziel im Auge hatte: Gewisienhaftigkeit, Frömmigkeit, Freiheit.
— Einer amllichen Statistik zufolge beträgt die Zahl der " zurzeit lebenden Israeliten 11 Millionen, von dciren i y Millionen in Europa, IVs Mlllionen m den Vereinigten Staaten, 35U OuU in Afrika, 1U0 OüO in Asten unb oOUüO rn Australien ansässig sind. In Deutichmnd lebin 586 958 Israeliten.
mann als der vornehme Mann, der er wirklich war und jagte zunächst nur: ,Zch bitte um Entschuld-ging, baß icg ^gneu unrecht getan habe " Am andern Tage kam er bann nochmals au| den Vorfall zurück; er schilderte die Grose , einer eorge um den wissenschaftlichen Gehalt der kommenden Aerztegenerotwn und bat inlffi alle, bie nun einmal den Berus nicht in sich fuh en, Arzt zu werden, noch rechtzeitig zuruckzutreten um, ihrer Mitmenschen willen. „Es kommt nicht duruuf ati, baß wir viele Aerzte haben, sonderti nur, daß wir gute Aerzte haben, zem Derrn laber, der mir gestern so freimütig geantwortet .bat, jage ich ausdrücklich meinen Dank, auch ich habe daraus eine Lehre entnommen." Bergmann hat es ihm spater auch durch die -tat gedankt, ein Beweis, i>a& Sreimut äu idjaöen ioubu ut^ zugleich ein Beweis, bafe -es überall ul der 23elt bie J-eiglmg- [inb, die am meisten zu leiben haben.
— Ter „Lieichsanz." wib.net wy.ehor u. B et« mann einen Nachrul, worin es h-itzt: „In heiltet Trauer Men bie mf en» jchaiuiche Welt an bei Bahre des giahen Taten, aber bie ®€|U»te der Schmerze» über «en jähen Bei,UN des dm zur letzten Ltunb schaiseus-reubigen Gelehrten treuen zuiammen mit den Geiuhlen brr innigsten Tanwarkeit jür alles, stua», er rastloser Arbeit als Forscher, Lehrer und Arzt geleistet i)-t. xer .iachruf go» bentt ber Verdienste Bergmanns um die Ausgestaltung der aseptischen Wundbehandlung, um die Chirurgce, die Behandlung der Kriegswunden, seiner Tütigkeit als alademi.cher Lehrer und For^ bubner praktischer Aerzte, seiner allzelligen Histsoerellichaft,du, vieien :.cib.'noen die Gesundheit wieoergab, lerne- sruwtoaren Wcruno c...! fozialhygienijchem Gebiet, für die Eiitwialung des
A.e Ruinen von ^Uuna.
Eine halbe Stni'be Eifenbahnsahrt von Wien entfernt liegt bas uralte Städtchen Mödling, angelehnt an die Ab- hänge des Wiener Waldes. Eine Strugenbahn führt von Müdlrng durch ein schmales Tal in die Vorder* und Hinter- diühl, einer äußerst beliebten Sommerfrijche. Wenn der Fremde diese schöne Landschaft durchwandert, so wnd er auf verschiedenen der niederen Berggipfel und FelSvoifprüngen Run.cn aujragen sehen, deren Ursprung aber keineswegs historisch ist. Denn diese Niauertrümmcr wurden um bie Mille des vergangenen JahrhunbertS von einem Angehörigen öer steinreichen Familie von Liechtenstein, welchem Geschlechte das ganze Terrain dort gehört, hingebaut. Tiefer Liechlen- fterner war em leidenfchafillcher Freund von Rumen, unb roo eS aus feinen Befitzungen keine gab, da ließ er welch«
IClcitK» Feuilleton.
— Bergmann als Examinator. Mit unwissenden Kandidaten ging Bergmann sehr streng ins Gericht. Wenn ihm der Aerger zu zwpse stieg, strich er die allzu Unwissenden em,ach von der Liste feiner Kiiniköesucher. Einmal aber, so schreibt die „B. Z. a. Di.", ist es ihm doch passiert, baß er an den Unrechten kam. Fünf oder sechs Studenten mären gerade nach erregten Szenen gestrichen worden, da rief er einen neuen tikanten" auf und stellte ihm einen Patienten _ vor, der nach einem Unfälle einen großen «Geschwulst am Halse aufwies Er hielt eine allgemeine Erörterung über bie Geschwülste am valse und wendete sich barat pwtzlich dem Praltitanten zu mit^ den Srage: „Was für Ursachen Kommen hierbei in Betracht? —
er Student antwortete prompt: „Tuberkulose der Halsdrusen. Darüber geriet Bergmann, der mach den letzten Erfahrungen anscheineiid darauf gefaßt war, ^wiederum eine Dummheit zu hören, in einen Boni, den er hinter den höhnischsten und abfälligsten Bemerkungen zu verstecken suchte und schickte sich an, auch diesen Praltitanten zu den Toteii zu werfen, ars dieser ihn unterbrach und mit scharfer Stimme antwortete: „Sie haben mich im Anschluß an eine allgemeine Erörterung über Valsgeschwulste ohne jede Beziehung auf den oorllegendm Fall befragt, ivas für Ursachen hierbei in Betracht kommen. Ich habe darauf bie Ursachen aufzuzählen mich angeschickt, die gemeinhin bei Halsgeschwülsten in Betracht kommen. Unter ihnen steht die Tuberkulose bet Lialsdrüsen obenan, unb beSljalb habe ich sie zuerst genannt. Wenn ich nur in Kezug nur den vorllegenoen Falk eine , Antwort geben sollte, dann hätten Sic Ihre Frage korrekter stellen muffen." — Totenstille trat im Auditorium uno un Operationsraum ein. Jedermann erwartete eine ELPwfion. Da erwies sich Brrg-
— München, 2i. 'jJIurj. Im Atter voi^ L7 Jahren ist gestern der frühere freireligiöse Prediger und ^^tstellEr Karl Scholl gestorben. Scholl, der ui Karlsruhe geboren war, mar ein großer Anhänger und eifriger Förderer,t>er lreireiigiosen Richtung und Herausgeber zahlreicher^cheilten 3g
Halts, sowie Herausgeber der Zeitschrift ,,^ie Wahrheit . Er i,t in jüngeren Jahren Theaterdirettor in Freiburg i. B. gewesen.
— Die , Münch. N. Nachr." enthalten folgende Zuschrift: hpn Anarifien des „Bayr. Kurier" in der Angelegenheit Felir Mottl ttilt Justizrat Heibmg mit, daß sämtliche würfe über eine mitzöräuchiiche Ausnutzung der Stellung des Generaimusiroire^tors Mottl böswillig erfunden slift). 'Rotti habe gleichzoitig mit einem Ersuchen um Einleitung deS Disziplinarvcr,ährens Helbmg beauftragt, nach Durch,uhrung i^s Tiszip.iiiarber.ährens gegen den^ „Bay. Äüt. r to at f,l aifl wegen Beleidigung zu ergeben, ^m übrigen hat der „B. K. seine Angriffe soeben noch sortgesetzt und we.entuch verschärft.
^—Ferdinand Bonns Drama „König LudwigU." ist nun, wie zu erwarten war, von der Berliner Zensur verboten worden. Tireftor Ferdinand Bonn hatte das Stuck der Ber.iner Zensur eingereicht nut der Absicht, es m 1 einem -berliner Thcaier aufzufuhren und darin bie Titelrolle zu spielen. Hetzer die Motive des Verbots teilte der Zensor Regierungsrat Glast- napp mit, eine ganze Reihe poritiju) emflutzreicher ^rstmllch- leiten, die in dem otüct genannt werben, lebe noch. Außerbnn würbe die Kaiserin oon Oester reich ^nnn er Hortester Weisen ngegrif scn. Ucod) schlimmer aber wurbe das Re- uomee des Prinz-dieg enten von Bayern ge, chäbrgt
"beträgt neuen ireiet Wohnung au, dem ^aiiue -oiw WiL, in ben Flecken 2700 Mk., in allen Siäbten 3000 Mk. Falls lerne freie Wohnung gewährt wirb, ist ein Wohnungsgclb ui bcc Höhe von 15—20 Proz. bes Gehalts zu zahlen.
Karlsruhe, 21. Atärz. Ter Landesausschuß des badischen Flottenoereins billigte einmütig bie untätige Haltung der Leitung der badischen Abteilung des F l o 11 e n d e r c i n ö bei ben Reichstags wählen, weil sie badurch ben unpolitischen Charakter des ^lottenvereins gewahrt habe Ter delegierte zur Körner Hauptversammlung wurde beauftragt, diese grundsätzliche Stellungnahme bei den dortigen Bcr- haiidtUNgen ruckhalt.os zu vertreten. --
One an Denen wir unse'-e besten Stunden verbringen, beklagte schon Paul de Lagarde. Die Güter, bie rastlose, emsige Arbeit unS einbrmgt, sollten wir zu Nutz unb Frommen der Volksgenossen verwenden, damit der Gcift der Zusammengehörigkcit, welcher unS in Freud und L-d ver- eint, nicht im wiitschaftlichen Bruderkampfe untergeht. ,Es wäre ein unwiederbringlicher Verlust für die Rkenschhelt, wenn bei* deutsche Geist aus der Welt verschwände,- sagt
bicii.r. iöiLjcn*, und wc: i auf die Hulbigung hin, die ihm an- werben, täglich semes <0. Geounstages von den A^rzten der ganzen oioilifimen Welt bargebracht wurb^


