Ausgabe 
27.11.1907 Zweites Blatt
 
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Mittwoch Ä7* November 1Ö07

Nr. »79

L37.Iahraang

Zweites Blatt

Lrschetnt täglich mit Ausnahme des Sonntags.

5

Fleischpretse tu Gießen

Hande]

des

9d.O5 | Elektriz. Lahmeyer .

. 104.60

U bei sch les. Eisen-Industrie 96.50

80.40

196.80

Berliner Börse, 27. November. Anfangskurse.

Zollfrei! Muster an Jedermann!

Tragödien ein Satyrspiel folgen ließen! . . ,

Dr. G. Z.

Ochsen

Kälber Schiveine

27 OG

141.60

Höchste Lchlachtviehpreise tu Frantiurt a. 3)1.

Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: fest.

. 144.00

. 124.00

. 224.50

. 56.

. 137.20

82.b5

93.55

82.80

91.40

92.40

96 lO 97.40 92 00

Harpener Bergwerk Lauraliütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . i'ürkenlose . . .

ö% ^°/o

Berliner Haudelsges. . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio-

EisenLahu . . . . Gotthard bahn . . . . Lomuard. Eisenbahn . Uesterr. Staats Dahn . . Pnnce-henn-Eisenbahn

Hamburg - Amerik. Paket!, Harpener Bergwerk.

Laurahütte......

2sordd. Lloyd . . .

Elektriz. Schlickert . . . Bschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk .

59.75

60.00

92 55

87.80

92.90

143.00

47.00

82 50

60.50

93.20

50 Kg. Schlachtgewicht 8183 Dif.

2 Kg.Schlachtgew. 9295 Bi.

*/, x " 63-00 ,

Reichsanleihe do.

Konsols . . do.

Hessen . .

Oberhessen

112.30

98.80

204.75

193.50

115.00

195.75

218.

3^°/(

*

Aus Darmstadt, 25. Nov., wird uns geschrieben: Als Festvorstellung im Hoitheater kam heute zum ersten 'Mal die neue Oper von Puccina'Madame Butterfly" zur Aus- iührung, an deren Inszenierung sich der Großherzog selber eifrig beteiligt hat. Gr wohiite auch nut der Großherzogin, dem Fürsten SolmS-Hohensolms-Lich und Prinzessin Dorothea der Boriiellung bet. Die neue Oper ist mit Tekoralionen und japanischen Kostümen aufs glänzendste ausgesiaitet und fand unter Hofrat de Haans Direktion eine feinsinnige Wiedergabe, um die sich namentlich die Damen Samen und Rüdiger, wie die Herren Wolf und Weber verdient machten.

Kleine Kunstchronik. In Leipzig ist der Ver­lagsbuchhändler und Buchdruckereibesitzer Max Hesse am To-eir- sonntag im 50. Lebensjahre gestorben. Heise ist nl3 Herauf gebet; der Klassiker unserer Literatur bekannt geworden.

Rotationsdruck und Verlag der Brüh Pichen UnwersitätS - Buch- und Sreindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Giessenei Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.

Frnnktarier Börse, 27. November, 1.15 Uhr.

. 153.40 . 124.90 . 225.20 , 136.00 . 168.70 . 138.20 . 197.10

politische Lagesicdcrsr.

Der Gefundheitszustrlnd des Kaisers.

Veranlaßt durch die über die Gesundheit des

Kaisers kursierenden Gerüchte zog das Wolff'sche

Tie 8/»arttpreije für rt-iey und frucht und die Gießener Fleisch- und Brolpreise am 25. November 1907.

D2/16

Redaktion. Expeditton und Druckerei^ Schul- stratze 7. ErpedtNon und Verlag t>L

Redaktion: 112. rel.-Adt. An-eigerGietzeru

Bureau an zuständiger Stelle Erkundigungen ein und erhielt folgende Mitteilungen: Der Kaiser hat Ende Oktober und Anfang November an Husten und Schnupfen, an Katarrh dec oberen Luftwege mit leichter Temperatursleigerung gelitten und mußte deshalb einige Tage das Bett hüten. Da er sich danach angegriffen fühlte und die letzten Reste des Hustens in Berlin nicht schwinden wollten, ließ er sich bestimmen, im Anschluß an die Reise nach Windsor einen Erholungsaufenthalt an der durch mildes Klima ausgezeichneten Südwestküste Englands zu nehmen. Der Katarrh ist jetzt beseitigt und die allgemeine Erholung macht die besten Fortschritte. Sie wurde etwas aufgehalten durch eine leichte Verstauchung des linken Knies, welche bei der Jagd in Windsor entstand. Aber auch diese ist nahezu völlig'gehcilt. Die von einigen Zeitungen gebrachten Nachrichten über Kehlkopf- oder Ohrenleiden ent­behren jeder Begründung.

General von Bissing.

Der kommandierende General des 7. Armeekorps Ge­neral v. Bissing hat den Truppenteilen seine bevor­stehende Verabschiedung in einem besonderen Korpsbefehl zu wissen getan, in dessen Eingang es hieß:Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König mir hat mitteilen lassen, daß Allerhöchstderselbe das 7. Armeekorps, welches ich fast 7 Jahre mit besonderer Auszeichnung und zu seiner dauern­den Zufriedenheit geführt hätte, deshalb neu besetzen wolle, weil jüngere Kräfte zu ihrer Verwendung im Ernstfall sich im Frieden darauf vorbereiten müßten, habe ich Seiner Majestät gemeldet, daß ich am 1. Januar 1908 mein Ab­schiedsgesuch einreichen werde." Dieser Tagesbefehl ist im Heere ebenso ungewöhnlich, wie die Form, in der dem General vom Militärtabinett aus seine Versetzung in den Ruhestand angekündigt worden ist, der Ueblichkeit entspricht. Man hat aber aus der Offenherzigkeit des Herrn v. Bissing eine Kritik der kaiserlichen Absicht herauslesen wollen. Nach denBert. N. Nachr." ist dies jedoch keineswegs der Fall. Die Sache erklärt sich für den, dem die Persönlichkeit des Generals bekannt ist, psychologisch viel einfacher. Er galt von jeher als einer der schroffsten und rücksichtslosesten Vorgesetzten, unbeschadet seiner Tüchtigkeit und vornehmen Denkweise, Eigenschaften, für die seine Vergangenheit als Generalstabsosfizier und Flügeladjutant des Kaisers bürgt. Es entspricht durchaus seiner' Art, daß er in dem Augen­blick, wo sich die sachlich gebotene Rücksichtslosigkeit der militärischen Dienstinteressen gegen seine eigene Person kehrt, dies mit derselben Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst seinen Untergebenen offen darlegt. Mehr ist, wie wir über­zeugt sind, in dem vielleicht ungewöhnlichen Schritt nicht zu suchen,"

Im ersten StückMargot" läßt uns die verstiegene und gequälte Psychologie nicht zum Genuß kommen. Ein junges Mädchen aus bester Familie ist von einem gewissenlosen Lebe­mann mißbraucht worden. Die einzige Sühne nach Ansicht der Eltern ist die Ehe zwischen den beiden. Da er aber verheiratet ist so muß er sich erst scheiden lassen. Drei Jahre vergehen, ehe der Kunst des Advokaten der Familie die Scheidung gelingt. Während dieser drei Jahre hat der Advokat seine tiefe Neigung zu Margot mannhaft unterdrückt. Nun aber, da Riargot zur Verzweiflung der Mutter ganz unerwartet ihre « "iwilligung zu der Ehe mit ihrem Verführer verweigert, brichi die Leiden­schaft bei dem Rechtsanwalt durch, und er wirbt um Margot. Diese hat den Rechtsfreund ihrer Mutter seit langem ebenfalls leidenschaftlich geliebt, aber sie fühlt sich innerlich dank der Erziehung ihrer Mutter so geduckt und geprügelt, daß sie nicht mehr zu hoffen wagt, der Mann, der ihre ganze Geschichte kennt, werde sie noch zu seiner Frau machen wollen. Sie bietet sich ihm also als Geliebte an. Es dauert dann eine ganze Weile und es bedarf großer psychologischer Künste, bis sich die beiden aus den gegenseitigen Mißverständnissen und Pckiertheiten wieder zur natürlichen Bahn der Empfindungen zurücksinden und wenigstens mit einem Ausblick auf eine harmonische Zukunft abschließen können.

Den Schluß bildet der wertvollste der drei Einakter,Der

Dieser Umstand bemirtte auch ein Anziehen der Preße für mjere Kühe, während geringere Tiere selbst bei billigen Preisen schwer Abnehiner finden konnten. Ter Handel in Jungvieh Nir Mast­rind Zuchtzwecke war wenig belebt. Em Transport schwarzbunter Ware erregte wohl Interesse und Kauflust, doch waren die daiür gelösten Preise wenig lohnend für den Verkäufer, der die Ware auf Spekulation von'Oslpreußen hierher gebracht hatte. Fettvleh war recht schwer und nur zu billigen Preljeti anzubringeii, so daß die Einkäufer, die Ware für die flemeieu Lahnstädte suchten, ihren Bedarf sehr wohlfeil decken konnten. Ter kleine Vorrat m Kälbern zeitigte einen recht flotten Handel, trotzdem die Großstädte feinen Bedarf halten. Ter Kälbermarkt wurde voii detr Gieizener Metzgern gemacht, die für grtte Ware recht hohe Preise anlegcn mußten, da auch die Kundschast aus detr flemeven Landstädten Bedars halte und sich levha't am Haiidel beteiligte. Gehandelt wurden das Stück: Milchkühe 1. Önal. Alk. 450500,^ 2. Llual. 350420, 3. Qual. Alk. 275320, junge Rinder mid Stiere zur Mast und Zucht Alk. 120160, in schwerer Qualität Mk. 180220. Es wurde gehandelt der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1. Qual. ÜJlf. 7476, 2. Qual. Alk. 70-73, fette Kühe 1. Qual. Alk. 6368, 2. Qual. Alk. 60-62. Kälber 1. Qual. Mk. 72-76, 2. Qual. Alk. 6669, 3. Qual. Alk. 5963. Einige fette Ochsen gingen zu Alk. 7779 der Zentner Schlachtgetvicht fort. Ter Markt ivurde dis auf wenige Stück geringe Milchkühe geräumt.

fc. Frankfurt a. Al., 27 Nov. Sch wein entart t. (Org.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Berkause standen 1518 Schweine. Bezahlt wurden: für Schiveine 1. Qual. 6500 Pfg., Lebendgewicht 51,00 bis 00,0 Pfg.; 2. Qualität 6364 Pfg., Lebendgewicht 50,0 Pfg.; 3. Qual. 0000 P'g. Geschäft gut, fein Ueverstand.

ÜLeuueberg, SeidenUbriKt., Ltmod

Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art.

Am meisten gefiel noch das heitere «letzte Besuch". Zwei Frauen an der Bahre eines Mannes, den Schluß der im Duell gefallen ist. Tie eine ist die, um dercrwillen er auf den Kampfplatz getreten ist. Die andere ist ein kleines

DieOkficner Zamttlenblätter" werden dem .Anzeiger* otermal wöchentlich beigelegt, das Krdsblatt für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Der ^hefstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal«

samterfolg war schwach. . . .

Stückkieferne Prinze ß", das man besser an l , _ als in die Mitte gestellt hätte. Wie in den beiden anderen Stücken ist auch hier die Idee besser als die Ausführung. Der schwärmerische Hauslehrer, der eine rvtnamische Liebe zu einer Prinzessin im Herzen hegt und glücklich i|t diese Prinzessin täglich durch ein Fernrohr von der Bergeshöhe aus unten in ihrer Villa im Tale zu beobachten, und der sich dann eines Tages unvermutet ihr gegenübersieht und sich mit ihr ahnungslos un­terhält, das ist ein hübsches anmutiges Symbol für den Künst­ler, der immer in den seligen Gefilden der Phantasie weilt und sich in der wirklichen Welt gar nicht mehr auskennt. Aber in der Ausführung geht diese hübsche Grundidee zu oft verloren und das Stuck verliert sich in die niederen Ebenen des Schwankes.

4% Uesterr. Goldrente. . 4x/5z6 Uesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Beute . . .

3-6 Portugiesen Serie I 3% Portugiesen III 4>6°/o russ.Staatsaul. 190o 4>6°;o Japan. Staatsanleihe 4-6 Couv. Türken vou 1903 I'ürkenlose ...... 4-6 Griech. Monopol-Aul. .

4 % äussere Argentinier ö°/o Alexikaner . . . . 4>$°A) Chinesen . . » .

Aktien:

Bochum Guss.....

Buderus E. W.....

Tendenz: fest.

Aus Frankfurt a. M. wird uns u 24 d. Mts. geschrieben: Nun haben wir die neuen Einakter, die vermann Sudermann unter dem NamenRosen" .(Buchverlag bet, Cotta m Stuttgart) y zu einem recht ungleichmäßigen Strauß zu,ammengebuich^r hat, I auch zu sehen bekommen, Gestern war bte Premiere, Der Ae-

e . 195.60 . . 218.20 . . 27.00 . . 102.60 . . 113.00

unbedeutendes Mädchen, die Tochter seiner Haushälterin. Die hat ihn wahrhaft geliebt, und er hat diese Liebe dankbar hin- genommen, und in der Nacht vor dem Duell ist sic seine Frau geworden. Die andere, eine Gräfin, aber war nur seine Ge­liebte, wie er deren in seinem liebereichen Leben viele ge­habt hat. Im Vorzimmer zu dem Raum, wo der Tote aufge- vahrt liegt, trefjen die beiden Frauen zusammen, und die Szene, in der sich die eben angedeutete Vorgeschichte enthüllt, ist in ihrer dramatischen Knappheit meisterhaft. Falsche Töne, wie wir sie bei Sudermann so oft finden, wenn er die Höhen feinster Empfindungen ersteigt, fehlen hier, wo ihn die Knapp­heit verhindert, redselig zu sein, so gut wie ganz. Würde dieser Einakter allein gegeben und ohne die aufoktroyiertc Rosen"-Jdee, so könnte er ebenso^ einschlagen wieFritzchen". Den Zuhörern gefiel das düstre Stück, zumal es am Schlüsse stand, weniger. Man braucht nach so viel Dunkelheit einen Lichtblick: Die Alten wußten, weshalb sie auf die wuchtigcu

ägfttUimUiißSüdO aus dem Aelchstage.

_ Berlin, 26. Nov.

Während tm preußischen Abgeordnetenhause Fürst- otv die Vorlage über die Enteignung der Polen üt Daten und Zahlen begründete, forderte im Reichstage >err Molkenbuhr eine Enteignung der Kohlen .nd reihte zur Begründung seiner Auffassung von den lusschreitungen des Kohlensyndikats und dessen Schuld n der Teuerung Daten an Daten und Zahlen an Zahlen. Ind diesem Theoretiker und Wissenschastler der Sozial- ^mokratie, dessen Fleiß auch bei den bürgerlichen Par- eien anerkannt wird, folgte der volkswirtschaftliche Ge­ehrte von den Bänken der Konservativen, Graf Kanitz. Während der sozialdemokratische Redner aus seinem Her- tn wie stets keine Mördergrube machte, bekundete Gras tanitz eine bemerkenswerte Zurückhaltung. Selbst sein eterum censeo: den Kohlenausfuhrzoll, deutete er heute :ur schüchtern an und als einziges Mittel, um der Kala­mität der hohen Kohlenpreise entgegenzutreten, betonte er ie Forderung einer Beseitigung der Ausfuhrtarife. Herrn irolkenbuhrs stundenlange Beweisführung hatte die anchng- ich aus den Tribünen des Abgeordnetenhauses zahlreicher ls int Reichstagssaale vertretene Versammlung der Reichs- oten über sich ergehen lassen; Graf Kanitz wußte das W >aus wie sbets durch die Eigenart, in der er seinen Stand- L, unkt pointiert, zu fesseln. Mit großer Spannung hörte u ian daun den preußischen Handelsminister Herrn Del- iu. rück an, der in der doppelten Eigenschaft des Ver­treters des Reichskanzlers und des Chefs des fisralischen III ^ergwerksbesitzes Abhilfe gegen die Kohlenteuernng bringen tq nd die eigenen ftskalischen Preise rechtfertigen sollte.

5-einc Erklärungen bewegten sich annähernd auf der leichen Linie wie die gesrrigen seines Kollegen aus dem teichsamt des Innern: die Ursachen der hohen Preise kg ind weltwirtschaftlicher Natur und die Preise des Aus- ? andes stehen denen der deutschen Kohle nicht nach.

Im übrigen hat ja die Regierung, worauf der Minister rcht einging, durch Mschlüsse für die Eisenbahnverwal- JJ ung auf weitere drei Jahre zu noch erhöhten Preisen argetan, daß sie an ein Sinken der Kohlenpreiskonjunk- ^nr auf längere Zeit hinaus nicht glaube. Was der j ifter über die von den beiden Interpellanten verlangten '* der angedeuteten Mittel zur Abhilfe sagte, war dilatorisch, - ezüglich der Frachttarife verwies er auf die Beschlüsse U| es demnächst zusammentretenden Eisenbahnrats und einen 41 )ruck auf das Syndikat könne die Regierung zurzeit bei W em Mangel einer Kartellgesetzgebung nicht ausüben. Jm- terhin ließ er doch durchblicken, daß ein Kartellgesetz ber kurz oder lang nicht ausbleiben wird.

Die durch einmütigen Beschluß des Hanfes herbei- eführte Besprechung dieser Antwort des Ministers ton» entrierte sich um die Syndikatssrage. Herr Gi e s b e r ts ji ..ls Vertreter der christlichen Bergarbeiterschaft und des j Zentrums, sowie Herr Behrends, der Führer der evang. a Arbeitervereine, richteten scharfe Angriffe auf die Preis- B Politik des Kohlensyndikats und auch die Ausführungen ~ >es Herrn Kaemps, des Sprechers der freisinnigen Volks- 4 mrtei, deren Gewicht durch seine Stellung als Präsident £ >es Deutschen Handelstages in dieser Frage einen beson- >eren Nachdruck erhalten, gingen von dem Gesichtspunkte ins, daß das Syndikat seine rnonopolistische Macht miß- irauche. Ganz besonders kräftige Worte fand aber der -Zeujamin des Hauses, Herr Dr.Stre sem ann, gegen das , Lohlensyndikat, und seinen Ausführungen wurde eine um L o größere Beachtung geschenkt, als er erklärte, im Namen , > ind im Auftrage der gesamten nationalliberalen Partei 1 (u sprechen und die aggressive Stellung auf die gesamte |f| :heinisch-westfälische Großindustrie ausdehnte. Im Preu- zischen Abgeordnetenhaus dürften sich von dem großindu- n niellen Flügel der nationalliberalen Partei voranssicht-

ich noch interessante Erörterungen daran schließen. Die T Herren Dr. Hössel, K o r f a n t y und G o t h e i n konnten * n die Aussprache neue Gesichtspunkte nicht mehr.bringen.

Zu später Stunde beendete ein Vertagnngsbeschlüß diese, vie zu erwarten war, unfruchtbare Verhandlung.

Getreidepreise m Mannheim

Weizen 100 Kg. 23.^5-23.50 Mk.

Roggen 100 Kg. 21.00-21.25 'Mk.

'[|| Eichendorff-Feier in Gießen.

Es dürfte weiteren Kreisen nicht bekannt sein, daß wir 7/ÄießeNer zu Eichendorfs in Beziehung stehen, indem ein Gießener Kind, der spätere kgl. bayrische Generalmusildirektor i Levy, zu Eichendorffsletztens Gruß" eine wunderbar 2 anMechende Weise erfunden hat, die zu den beliebtesten Nummern . deutscher Programmusik zählt.

f Dem Andenken Eichendorfss wird nun eine Gedächtuts- feier gewidmet fein, die am 8. Dezember in der neuen llniversitätsaula stattfindet und deren Re in e r tr a g zur ^Bescherung von Kleidern und Schuhen an arme Kinder kl bestimmt sein soll. In dankenswerter und liebenswürdigster Weise haben aus Gießen F r a u T r. S p o h r und F r l. H o l z - apfel ihre Mitwirkung bei der Feier zugesagt. Genügte dieser Hinweis allein schon für den kunstliebenden ^erl un- lerer Bevölkerung, um regstes Interesse für das Kvuzert zu )7, wecken, so wird es auch mit aufrichtiger Freuoe begrüßt werden, daß ein in Gießen stets gern gesehener und gehörter Gast, Kvnzertsänger Aoolf Müller-Franksurt mit Tochter, durch "'Vortrag von Liedern und Duetten mit Eichendor pichen Texten it das Unternehmen unterstützen wird.

!! Ein größerer Mannerchor, der sich aus Mitgliedern hiesiger ^Gesangvereine gebildet lMt, wird ebensalls Eichendorfnche Lieder n zum Vortrag bringen. Dem entschlafenen Sanger zum ehrenden Gedächtnis, den bedürftigen Kleinen aber zu Nutz und ^.eih- nachtsfreude möge der Feier ein recht zahlreicher Besuch be-

Bemerkt sei noch, daß der Vorverkauf der Eintrittskarten it! durch die Musikalienhandlung E. Challier geschieht, dia^res wiLd durch Inserate im Gießener Anzeiger bekannt gegeben.

> *

SudermannsRosen".

Brotpreise in Gießen iVseilZvrot 2 Kg. 62 Pig. ^Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pig,

1/, Kg. 82-88 Pfg.

V» o 7080 r % 70-84 r

UcheM AWZer

General-Anzeiger für Gberheffen

Sozialdemokratische Demonstrationen.

Fünfzig sozialdemotralische Versammlungen waren zu gestern abend in Berlin und den Vororten einberufen worden, um gegen das bestehende Landtags-Wahlrecht zu demonstrieren. Redner waren überall bekannte Partei- und Gewerkschafts­führer. Eine gemeinsam angenommene Resolution ver­urteilt das Abgeordnetenhaus als Privilegierten-Parlament und verlangt unverzüglich noch für die nächsten Wahlen zum Abgeordnetenhause das allgemeine, gleiche, direkte und ge­heime Wahlrecht nach Alaßgabe der Verhältniswahlen für alle über 20 Jahre alten Staatsangehörige ohne Unterschied des Geschlechts. Am Schluß der Versammlung in derNeuen Welt" in Rixdorf kam es zu Ruhestörungen. Die Nlenge wälzte sich unter Absingung sozialistischer Lieder und Hoch­rufen die Straße entlang. Polizei schritt mit blanker Waffe ein und nahm mehrere Verhaftungen vor.

Marrre.

th. Gießen, 26. Nov. Der heutige R i n d v i e h n: a r k t hatte einen Austrieb von 750 Stück Großvieh, 100 Stück Jungvieh und 100 Kälbern. Trotz schlechten Dtarktwetters war die Kund­schaft besonders stir Wlllchware sehr stark vertreten und die Nach­träge war nach guten Kühen sehr lebhaft, so daß bet dein geringen Vorrat, der den Bedarf nicht deckte, prima Ware um 30 Mk. das Stück teurer bezahlt werden mußte, als an den letzten Märkten.