Mittwoch 27. März 1907
157. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 73
Erscheint ILgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Quaker Oats
incnfreube:
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Der Konsum von Quaker Oats nimmt beständig zu, — der beste Beweis von der Vorzüglichkeit dieser idealen Nahrung.
Delikat im Geschmack, schnell zubereitet und leicht verdaulich.
Die echten Quaker Oats werden nur in geschlossenen, mit der Quaker Schutzmarke versehenen Paketen verkauft
Drum jauchze, meine Seele, Trum lauchze deinem Herrn, Verkünde unö erzähle Die Gnade nah und fern, Den Wunderborn im Blut, Die sel'ge jpimmelsipeife, Die auf verborgne Weife
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersnätS - Buch- und 6tembrudeieL R. Lange. G'etzen.
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nung des Vereins wurde in Ordnung gefunden und dein langjährigen Rechner. Aktuar Mann, Entlastung unter dem Ausdrucke des lebhaftesten Dankes erteilt. Die zum Schluffe vorgc- nommene Wahl des Vorstandes e^gab einftinunigc Wiederwahl der seitherigen Mitglieder auf die Dauer von 3 Jahren: Landgerichtsrat Wiener als 1. Vorsitzender, Medizinalrat und Stadtverordneter Dr. Haberkorn oL3 2. Vorsitzender, Aktuar Mann als Rechner, Oberbibliothekar Dr. & e u s e r als Protokoll- ührer, Bierbrauereibesitzer F ö r t s ch und Weinhändler und Stadtverordneter Helm als Beisitzer.
= Gro ßen-Linden, 26. März. Die im Turme unserer alten Kirche, deren Renovation vor wenigen Tagen begonnen wurde, aufgehängten Glocken sind verschiedenen Alters. Die älteste wurde von Thylm.rnn in Hachenburg im Jahre 1473 gegossen und trägt die Inschrift: „Maria heyßen ich, alle bese Weder vertribben ich." Die größte Glocke wurde 1711 von Meister Tilmann Schmidt zu Aßlar gegossen. Sie trägt am oberen Rande den Spruch: „Die Schläfer weck ich, die Sünder schreck ich, die Toten bewein ich, des jüngsten Gerichts erinnere ich — Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. Hallüujah!" Die kleinste Glocke stammt aus dem Jahre 1737. Sie ist von Wilhelm Rincker zu Aßlar gegossen worden und trägt als Inschrift die Worte: „Soli Deo Gloria."
-4 Grebenhain, 26. März. Bei den kürzlich in I l b e s -
sympathischer sind als das Programm mancher sogenannter jungltberaler Vereine". Verständltch und erfreulich sei es, daß auch m drei linksliberalen Parteien sich daS Bedürfnis nach einem Zusammenschluß neuerdings in so kräftiger Weise rege. Wenn die nationalliberale Partei sich bisher einige Zurückhallimg auferlegt habe, so sei das im Hinblick auf frühere Erfahrungen geschehen. Dec Erfolg der Einigungsoersuche der linksliberalen Gruppen werde wesentlich davon abhängen, wie sie sich einerseits zu der Sozialdemokratie, andererseits zu den Nationalliberalen stellen werden. Darüber herrsche aber, gelinde gesagt, noch große Unklarheit. Man sehe bei den Linksliberalen einen starken Einschlag ins Na- tiona lsoziale, dessen Ideal weniger in der Richtung einer Einigung von Demokratie und Jtationalliberalen, als in einer Einigung von Demokratie und Sozialdemokratie liege. Das werde für die Deutsche Partei in Württemberg der entscheidende Punkt sein. Die neue politische Lage verlange nun aber entschieden ein Zurückstellen der Gegensätze unter den Mehrheftspartelen. Auch die Deutsche Partei werde das tun, und schon darum sich veranlaßt fühlen, der neuen Bewegung nicht ablehnend gegenüberzustehen, sondern die Hand zu bieten zu einer möglichst weitgehenden Ver- ständigung. An dem Frankfurter Minbeslprogramm müsse die Nattonalliberale Partei in den wirtschaftlichen und nationalen Punkten erhebliche Ausstellungen machen. Dennoch werden die Nationalliberalen die Hand bieten zu einer Einigung, von der es allerdings zweifelhaft sei, ob sie auf Grund eines solchen Mindestprogramms werde erfolgen können. Ersprießlicher werde es sein, wenn die liberalen Parteien im Reichstag erst einmal gemeinsame positive Arbeit leisten; jedes in gemeinsaikler Arbeit zustande gekommene Gesetz werde einen neuen Fortschritt auf dem Wege zur liberalen Einigung bedeuten.
Aus Stadt und Land.
Sprechstunden der Redaktion:
fi/s 12—1 Uhr vorin., xh 7—Vs 6 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
Gießen, den 27. März 1907.
— Gründonnerstag! Woher der Gründonnerstag seinen Namen hal? Eine schwierige Frage. Alljährlich, wenn der Tag wiederkehrr, wird sie aufgeworfen und recht verschieden beantwortel. Die meisten benfen wohl an die ersten grünen Kräuter. Das würde auf ein alles heidnisches Frühlmgsopferfest zurückivelsen. Diese Er- klärung Hal viel für sich. Sie entspricht dem allgemeinen Branche, an diesem Lage Spinat, Kohl, Salat und anderes junges Gemüse zu essen. Auf heidnische Opferbräuche mag auch, das Eleressen zurückgehen. Die christliche Ausdeutung beruft sich auf eine Gepflogenheit der allen Kirche, wonach allemal am Donnerstage der Karwoche die Büßenden von den Kirchenstrasen tosgesprochen wurden. Sie wären dann gleichsam die Grünen, d. h. die Reinen, die Frischen usw. gewesen. Etivas Bestimmles wird sich kaum sagen taffen. Biel wichtiger als der Name ist das Gedächtnis der Einsetzung des heiligen Abendmahles, das innerhalb der gesamten Christenheit gerade mit diesem Donnerstag in Verbindung gebracht wir?. Klopstock hat begeistert ausgeruien:
Tie chr seine Laufbahn laust, Teure miterlöfte Brüder, All' auf Christi Tod getauft, Alle seines Leibes Glieder, Kommt, Versöhnte, fonunt, erneut Euren Bund der Seligkeit!
iündonnerstag I Ein Grünen und Sprießen darf und soll durch die ganze christliche Welt gehen. Von tiefernsten Abendmahls- oedanken erfüllt, kommt Ernst Moritz Arndt zu hoher und höchster
fleiDiBbeit tiegts begründet, wo es so schlicht und so lrüftlick, beißt: Wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit!
** Volksgebräuche am Gründonnerstag. Am Tage vor Gründonnerstag werden die Hühnerncster ihres Inhaltes beraubt, damit über die neuen Einlagen genaue Kontrolle geführt werden kann. Den am Gründonnerstag gelegten Eiern wohnt nach dem Volksglauben eine besondere wundertätige Kraft inne. Wird ein solches Ei einer brütenden Henne untergelegt, so entsteht daraus ein Huhn, das mit jedem Jahre sein Gefieder in neuen Farben wechselt. Auch zu Hellzwecken wird dem Gründoiilierstagsei eine besondere Beachtung geschenkt. Ein solches Ei soll bei Bruchleiüen wahre Wunder wirken, wie nach einem Rezept aus dem Jahre 1713 ersichtlich ist. Es lautet: „Mittel vor einen Bruch zu hellen — Mau weh ne ein Gründonnerstagsei und stoße mit der spitzen Eck dreimar wider den Bruch. Das muß geschehen an 3 Freitagen im abnehmenden Licht morgens vor Sonnenaufgang und abends nach Sonnenuntergang. Rach dem letzten Gebrauch muß das Ei unter dem Feuerherd begraben werden." Ein weiterer Volksgebrauch, der sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat, besteht in der für diesen Tag zu bereitenden Mahlzeft. Auf dem Lande ißt man am Gründonnerstag „grüne Pfannkuchen". Diese werden aus geriebenen Kartoffeln, denen Schnittlauch und Petersllie beigemischt ist, mit Oel in der
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Redaktion:^-^112. Tell-Adro AnzeigerGießen.
Die „«ithener ZamlNenblättrr" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Dir gibt das höchste Gut!
Las ist roahttich mehr als eine bloße Poesie oder Phantasie. Im mctgenfien Wesen der christlichen Erfahrung und (Slaubend.
politische Tagesschau,
lieber eine neue Reichsfiuanzreform
wird den „Hamb. Nachr." auS Berlin telegraphiert:
Daß neue Mittel zur Deckung des Reichsbedarfs erforderlich sind, ist kein Geheimnis und nach den unzulänglichen Ergebnissen des unter der Mitwirkung des alten Reichstages unternommenen Reformoersuches auch kein Wunder, überdies hat der Reichskanzler m feiner Erklärung über die tu Aussicht genommene Erhöhung der Beamtcngehälter ausdrücklich baiain hingewiejen, daß neue Bewilligungen erforderlich sein würben. Jedenfalls sind Reichskanzler und Reichsfchatzsekretär gleichmäßig der Ueberzengung, daß das -öyslcin des WirnchastenS mit ungedeckten Matrlknlar- beittäflen im Interesse der inneren Gesundheit des Reiches unter allen Umständen beseitigt werden muß. Ter Entschluß, den Versuch einer Rewrm der Reichssinanzen zu wiederholen und babei endlich einmal ganze Arbeit zu tun, liegt somit nahe. In bei gegenwärtigen Session wird sich der Reichstag nut dieser Materie indessen noch mcht zu beschäftigeii haben. — Falsch ist die Be- hauptimg, daß eine Tabakfabrikat st euer „in Aussicht genommen“ fei. Es ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, daß eine Steuer dieser Art vor geschlagen wird; da die Angelegenheit iiidefjen noch nicht über b t e e r ft e n v ordere i t e n d e n Besprechungen h i n a u s g e d i e y e n ist, konnte eine Entscheidung naturgemäß noch nicht erfolgen.
Die Tabakmleressenlen werden demnach gut tun, bei Zeiten mobil zu machen zur Abwendung der ihnen neu drohenden Gefahr.
Die Nationalliberalen und die Einigung de8 Liberalismus.
AuS Stuttgart schreibt man uns: In der Generalversammlung der hiesigen Deutschen (nationalliberalen) Partei hielt der Parteisekretär Professor Keinath eine sehr bemer» kenSwerte Rede über das Frankfurter Mindestprogramm und den Zusammenschluß der Liberalen. Seme Ausführungen und der lebhafte Beifall, den sie fanden, lassen erkennen, daß die Deutschparteiler in Württemberg ersreulicherweise bereit sind, der liberalen Bewegung sich nicht zu entziehen. Professor Keinath begrüßte die Gründung des Nationalvereins, „besten Name und Programm uns
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Die Tragödie der Ermordung
des Wa reuhausbesitzersWilliam'Whiteley in Son* dou durch den jungen Kaufmann Horeace George Rayne r, der ein natürlicher Sohn des Getöteten zu sein vorgibt, erhielt vor dem dortigen Zenttal-Kriminal-Gericht durch die Verurteilung Rayners zum Tode ihren Abschluß. Der Millionenreichtum des Getöteten, die Rätselhaftigkeit der Beweggründe des Alörders, der Schleier des Geheimnisvollen, der seine Person umkleidet, vcrfteh diesem forensischen Drama für die Londoner, Bevölkerung ein Sensationsinteresse.
Der 27 Jahre alte Horace Rayner hatte eines Mittags den 70jährigen Großkausmann Whitciey, mit dem er soeben eine halbstündige Unterredung unter vier Augen gehabt hatte, vor seinem: Privatbontor durch einen Revolverschuß getötet und sodann die Wane gegen sich selbst gerichtet, sich jedoch nur ein Auge auS- geschO'ssen und wurde völlig wiederhergestellt. Der Vertreter der Anklage bemühte sich nachzuweisen, daß Rayner den Glauben, Whiteleys Sohn zu sein, nur zur Erregung romantischer Sympathien vvrgeschützt habe, und daß er an dem kritischen Tage Whiteley lediglich zu Erpressungszwecken ausgesucht habe. Er wieS endlich darauf hin, daß Rayner dabei mit der Möglichkeit eines tragischen Ausganges gerechnet haben müsse, da ein Zettel bei ihm gefunden wuroe, worauf er die Tötung Whiteleys als gerechte Strafe für dessen Hartherzigkeit bezeichnete. Luisa Turner, die Tante des Angeklagten und einstige Geliebte Whiteleys, von dem sie einen Sohn hat, bestätigte, daß der Angeklagte der Sohn ihrer verstorbenen jüngeren Schwester Emily und George Rayners sei und von klein ans Whiteley niemals im .Eimst habe fül seinen Vater halten können. Dem steht jedoch die Bekundung! des Rechtsanwalts Sir George Lewis gegenüber, daß Whiteley einst notariell mit ihm über den Angeklagten verhandelt habe, der außerdem von seinem angeblichen Vater Horace Rayner in aller Form verleugnet wird. Die Herkunft des Täters ist also auch durch die Verhandlung nichl geklärt, nur so viel steht fest, daß niemand der Vater des Unglücklichen sein will. Die Beweisaufnahme ergab ferner, daß sowohl i eilte Mutter wie deren Vater dem Trünke ergeben gewesen sind. Ter Verteidiger versucht« den Nachweis, daß die Tötung Whiteleys nur als Die Vev^ zweislungstat eines ervlich belasteten, durch Grübelei und zer^ rüttete äußere Verhältnisse unzurechnungsfähig gewordenen Menschen anzusehen sei. Tu jedoch zwei Aerzte ben_ ^Angeklagten jürgeiftig gesund erklärten, so sprach die Jury ihr „schuldig" aus, worauf das Todesurteil gefällt wurde. Als man jedoch Den Delinquenten ab führte, der auf alle einen ungewöhnlich sympathischen Eindruck geuiacht hatte, herrschte trotz 1 einer unleugbaren Schu-d allgemein die Empfindung vor, daß eine tragische Schick- salsverlettung an diesem Äermsten auch die Sünden der Väter heimsucht.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhchen
Pfanne gebacken. < < „
*• Rotes Kreuz. In der am Montag abgehaltenen Hauptversammlung des hiesigen Zweig ver eins der Gesellschaft vom r o t e n Kr e u z erstattete der Vorsitzende, Landgerichtsrat Wiener, zunächst den Bericht über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahre. Hervorzuheben ist daraus, daß durch einen neuen Ausbildungskurs der Sanitätskolonne 12 neue Mitglieder zugesührt wurden, sodaß sie unter Berücksichtigung der Abgänge 39 Mitglieder zählt. Es wurde ferner beschlossen, die Kownne jetzt auch zu uniformieren, sodaß sie in Zukunft außer der Mütze und der Armbinde zunächst noch eine Litewka und einen Leibriemen trägt. Die weitere Vervollständigung wird später erfolgen. Es wurde ferner beschlossen, die Kolonne auch insosern elbständig zu machen, daß sie ihre eigene Rechnung führt; soweit ie ihre Ausgaben aus den für die Wachen überwiesenen Geldern nicht bestreiten kann, erhält sie Zuschüsse aus der Kasse des Zweigvereins. Es fei auch an biejer Stelle daraus hingewiesen, daß jetzt bei 5 Mitgliedern der Kolonne Verbandstellen eingerichtet sind, lieber die Aufbewahrung sowohl des der Kolonne von der Stadt beschafften Krankentransportwagens wie auch der sonstigen Geräte — diese im Raume des Pfandlokals im alten Hospllal — wurden lebhafte Klagen geführt. Die Stadt ist schon vor einigen Wochen gebeten worden, bei einer sich demnächst bietenden Gelegenheit andere Räume (ebenfalls im Hospital) zur Verfügung zu stellen. Es wurde auch darauf hingewiefen, daß nach einer Zeitungsnotiz die Lesehalle in absehbarer Zeit aus dem Torhäuschen am Selterstor in die jetzige Handwerkerschule verlegt werden soll; vielleicht ließen sich dann die dadurch frei werdenden Räume für das Sanitätsdepot einrichten. Die Rech-
erhob erneut Beschwerde gegen die Zuziehung, insoewndere aber auch gegen das inzwischen eingeleitete Beitreibungsveriahren. Hicr> auf legte die Groß!). Bürgermeisterei die Sache dem KreisauSfchutz des Kreises Friedberg zur Entscheidung vor. Es sanden wiederholt Verhandlungen vor diesem statt, in denen Beweis darüber erhoben rourbe, ob zu der Zeit, als Hohmann sein Haus baute, b»r Mainzcrwrwcg ausgebaut war ober niajt. Durch Vernehmung einer Anzahl von Zeugen, sowie durch Erhebung sonstiger Beweise wurde festgestellt, da» der Mainzertorwcg zu dieser Zett noch nicht ausgeoaut war, und demgemäß wurde die von Heinrich Hohmann erhobene Beschwerde als unbegründet verworfen. Gegen dieses Urteil verfolgte der Anwalt des Beschiverdeführers Rekurs an den Provinzialausschuß. Diesem bueo jedoch der Er,vlg versagt, indem auch der Provinzialausichuß die Verpflichtung des vohmann zur Zahlung des strittigen Beitrags aussprach und den Rekurs ko st en fällig verwarf.
In der Sitzung des Gemeinderats zu Tübingen am 3 August 1906 waren u. a. auch die b r e i Gemeinderatsmitglieder Albert, Hinkel und Treser erschienen. Diese e n t - hielten fick bei der Abstimmung über den Anschluß deS Reubaues des Mathildenhospitals an die Kanalisation der Stimme, was dem Großh. Bürgermeijter Veranlassung gab, gegen iie auf tirunb des Artikels 45 der Lanbgemcircheordnung Strafantrag zu stellen. Ter Nreisausschuß des Krestcs Bübingen gab diesem Antrag statt und nahur die drei Genannten in eine Orbnungs- stra.e von je zehn Marl. Ter Anwalt der Beittasten rekurrierte nunmehr an den Provinzialausschuß. Ter Provinzialausschutz bcfdilog heute, vorerst die Beschlußfassung auszusetzen.
Die Wasservcrwrgung von N ic de r-G e m ü n d e n; hier Eintrag auf Enteignung des Rechts zur 9iöhrenverlegung hatte den Provinzialausschuß bereits in seiner Sitzung vom 22. Dezember 1906 oc>a)ä|tigt. Damals waren Bergleichsverl-and- langen angebahnt worden, deren Verlauf abgekartet werden sollte. Nau-dnn sie an dem Widerspruch einzelner Beteiligter gescheitert sind, wurde heute wiederholt zur Sache verhairdeit. T«r Sach- verlMlt ist kurz folgender: Tie Gemeinde Nieder-Gemündm, die bei einer Einwohnerzahl von über 500 Seelen nur Aber e inen Brunnen mit einwandirciem Trinkwasser verfügt, h-.t zur iU>- Heilung dieses Mißstandes Quellen angebohrt, von denen ein: Zuleitung des Wassers erdigen kann, indem der dem Freiherrn Schenck zu Schweinsbergischen Fideikommiß gehörige, in Geniar- kung Burg-Gemünden gelegene Gelände komplex durchschnitten nnra Ta die Inhaber dieses Fideikommisies der Jnansprudinahme ihreS Grund und Bodens widersprachen, war die Gemeinde btieder- Gemunden gezwungen, Anttaa auf Enteignung des Rechts äui Röhrenverlegung zu stellen. Auch in dem Termin vor der Lokal- lommission ließ sich eine Einigung Nicht erzielen, weshalb Ott Akten bei dem Provinzialausschuß in Vorlage tarnen. Dieser entschied heute, bau die Sache an bie Lokallommission zurück« zuverweisen sei, da bie Pläne des Unternehmens irrtümlich:r- weise nicht auch in der Gemeinde Burg-Gemünden, sondern nur in der Gemeinde 'Rieder-Gemünden offen gelegen hatten, waS , der Vorschrist des Enteignungsgesetzes widerspricht.^
Im Anschluß darttn wurde das Urteil in L-achen: Auki bringung der Kv st en des G e l ände er wer be s für^bie Te tl- ’ strecke Stockheim — Höch st a. N. der Nebenbahn Stockheim—, Vilbel verbandet, in welcher Sache Verhandlung am 1. Dezember ; 1906 stattsand. __L.
Hausen und Bermuthshain abgehaltenen fiskalischen Breiinholzver st eigerungen wurden gegen das Vorjahr höhere Preise erzielt. Die Ursache dürfte in den durch den langen Winter gering gewordenen Holzvorräten zu erblicken fein. In den Schutzbezirken Herchenhain und Breungeshain ist an das Aufarbeiten des vor fÜlonaten gefällten Holzes noch nicht zu denken, denn Taufstein und weite Umgebung sind noch mit meterhohem Schnee bedeckt. Die Bienen im oberen Vogelsberg haben durch den andauernden Winter Not gelitten. Von den meisten Imkern wird das Eingehen von Völkerii beklagt. Die Ruhr besonders richtete viel Unhell an.
at. Helpershain, 26. März. „Vater Storch" hat sich trotz des echten Vogelsberger Winters nicht abhalten lassen, noch im Februar dem Taglöhner Johannes Geist hier den siebenten strammen Jungen zu bescheren. Heute traf die Nachricht ein, baß unser L a n b e s f u r ft die Gnabe hatte, Patenftelle zu übernehmen. Das ansehnliche Parengeschenk gönnt man ber armen Familie im Dorfe allgemein; es wirb den so reich mit Söhnen „beglückten" Eltern zur Erziehung des Jüngsten nicht ungelegen kommen. Es ist das erste Mal, daß einer Familie unseres Torfes solche Ehre widerfährt; bie ganze Gemeinbe freut sich barum mit unb fühlt sich mitgeehrt.
Nauheim (Kreis Groß-Gerau), 2-L März. In bem Bereiche des für bie Wissenschaft wichtigen fogenannten „Nauheimer Grä- berfelbes" würben soeben Gräber aus ber La Töne-Zeit aujgebedt. Die wohlerhaltenen Skelette befinden sich in hockender Stellung. Auch die üblichen Zutaten der Gräber (Gefäße rc.) wurden wohlerhalten vorgefunden. Die Nachgrabungen werden unter sachgemäßer Leitung des Denkmalspflegers Leutnant Gieß aus Heppenheim fortgefetzt. Sämtliche Funde kommen in das Darm- städter Laichesmuseum.
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Sitzung des Proviuzial-Ausjchunes.
Gießen, 23. Biärz 1907.
Dem ersten Gegenstand ber Tagesordnung: Reklamation des Heinrich Hohmann zu Fnebberg gegen die Heranziehung zu den Baukosten des Mainzertorwegesi liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Im Jahre 1902/03 erfolgte der planmäßige Ausbau deS Mainzertorweges zu Friedberg von der Frankfurter Straße bis zur Kreuzung mft ber Leonhardstraße. Der Reklamant ist mit zwei Gebäuden bezüglich bieses Teiles des Mainzerchrweges an die Straße angrenzender Grundbesitzer. Tie Großh. Bürgermeisterei Friedberg schlug auf Grund des Artikels 21 der allgemeinen Bauordnung uni» des § 9 des Friedberger Lrtsbauftatuts die Herstellungskoiren der «traße auf bie angrenzenden Grundbesitzer aus und legte die Abrechnung zur Einsicht der Beteiligten oisen, indem sie Me hiervon in Kenntnis setzte. Hohmann erhob innerhalb der ge,etzten Frist wegen ber Zuziehung des einen, im Jahre 1896 eroauten unb an der Ecke des Arainzerwrweges unb der Frankfurter «.traye flehenden Hau,es wegen der erfolgten Zuziehung Beschwerde. Die Großh. Bürgermeisterei Friedberg ihrersefts ertlärle die Koftenöerechnung inr | vollziehbar und ließ bezügliche Anjorderungeu ergehen. Hohmann


