Ausgabe 
21.12.1907 Viertes Blatt
 
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Samstag #! Dezernber 1907

157 Jahrgang

Viertes Blatt

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schwindigLeit von 37.037 Knoten erreicht. TieViper", die im Jahre 1901 von der britischen Marine übernommen wurde, hatte damals freilich schon eine noch größere Schnel- liakeit erhielt, nämlich 37.113 Knoten, aber sie legte ihre Probe unter ungleich leichteren Bedingungen ab, als d« Tartar", der nun wohl als das schnellste Schiff der Welt betrachtet werden kann. Wie alle neuen britischen Zerstörer ist er mit Turbinen ausgerüstet und seuert Petroleum.

» Das Ueberzeug im Winter. Im allgemeinen richten sich die Menschen an und für sich viel zu wenig nach dem Wechsel der Temperatur. Sie ziehen ihre dicken Ueberzieher bei 10 Grad Halte und 5 bis 10 Grad Wärme an, und erst kürzlich sahen wir Herren bei dieser Temperatur m schweren Pelzen. Aehnlich sind die Wirkungen, wenn man in warmen Zinunern das Ueberzeug anbehält, tute es namentlich in den Wartezimmern der Aerzte, den Vorzimmern der Behörden und in Geschäsien zu geschehen pflegt. Ter Körper wird dadurch überhitzt, die Hautporen erweitern sich, die Hautnerven erschlaffen, und, wenn die Betreffenden wieder hinaus in die Öuft kommen, so kann das notwendige Anpassungs- und Regulierungsvcrmögen der Haut an die Außentemperatur nicht so schnell eintreten, rote es nötig tft, d. h. mit anderen Worten, die Menschen erkälten sich. Wir haben uns also im Wmter nicht nur gegen die Kälte zu schützen, sondern uns auch der Zunmertemperatur entsprechend anzuziehen.

eine hohe, mächtige Stirn". Im Sinn der Vererbungslehre muß also vor allem die Abstammung dieser Großmutter Goethes genauer untersucht werben. , .

Hierbei tritt die Figur seines Urgroßvater^,, des Dr. Cor­nelius Lindheimer, des Vaters der Frau Lcxuw, lonttt des Groß­vaters mütterlicherseits der Frau Rat, sehr charakteristisch hervor. Als Quelle hierfür dient Lindheimers literarische Betätigung. -Jn ihr erkennen wir eine Reche von Erscheinungen, die in ganz ähn­licher Weise bei Wolfgang Goethe erkennbar sind. Die ausjer- ordcntliche Klarheit der optischen Vorstellungen, und bic phan­tastische Weiterbildung, die man als Kvnfabulalwn vezerchnen kann, tritt nicht nur in seiner Jugend sehr deutlich Hervor, sondern läßt sich auch in einer großen Reche seiner Werre als das wesentlich Künstlerische klar erkennen. Gr selbst hat die Lust zu fabulieren, als eine seiner Haupteigenschaften, und^zwar als Erbteil von seiner Mutter, hervorgehoben. Die große Tragweite dieser Eigenschaften hat Goethe inDichtung und Wahrheit' zum Ausdruck gebracht, wenn er dort über d-e von ihm in ixr Küaoen- zeit erfundenen Märchen (im zweiten Buche des ersten Teiles) folgendes sagt:Und wenn ich nickst nach und nach, nreurem Naturell gemäß, diese Luftgestalten und Windb-euteleien zu kunst­mäßigen Darstellungen hätte verarbeiten lernen, so waren solche aufschneiderische Anfänge gewiß nicht ohne schlimme tilgen für mich geblieben." Auch 'der Zug der Freude am Gröbsten und Drastischen tritt in seinen Werken, besonders imFaust', sehr deutlich zutage:die PudMene, die Hexenküche, Vie Waipurgcs- nacht im ersten Teil, das phantastische Trerben am Hose des Kaisers im zweiten Teile bilden ausgezeichnete Beispiele ^ürmew Art der poetischen Vorstellung. Allerdings liegt hier majt ein so herrschender Grundzug vor, wie ihn die Klarheit dcr optischen Vorstellung bildet, immerhin aber ein charakteristisches Merk­mal der Anlage, das seine Persönlichkeit von anderen Künstlern unterscheidet, wenn es auch nicht in jedem seiner Werke 8nm Vorschein kommt". Endlich hat auch eine Eigenschaft Ltnb- heümws, das Verständnis für kulttirgeichichttiche Zustände, Goethe in hervorragendem Maße in seinen Werken zum Ausdruck ge­bracht. Goethe sal) morphologisch der Tochter icnes Mannes, d. b. seiner Großmutter mütter lichersetts (der F-rau Lextvr), auf-

falienb ähnlich. . . _

Nimrmt man zu dem von Dr. Lmdhetrner stammenden Kom­plex von Eigenschaften die rationalen Züge ins Vaters Goethes, sowie dessen ausgeprägten Samnrettrieb, so entsteht eine Gruppierung von Eigenschaften, aus der sich die syntetisch cnrstanderw Persöriluh- keit Goethes schon eher begreifen läßt, als aus dem Stammbaum der Familien Goethe und Textor, deren Beschaffenheit vielmehr die Entstehung eines tätigen Bürgers und geschäftstüchtigen Mannes, vielleicht auch eines Gelehrten, als die eines genialen Künstlers erklärlich machen könnte. Daß auch die ebengenannten Eigenschaften in &cetl>e vovlMNden waren, hat er in seiner Tätig­keit als Minister in Weimar melmehr erwiesen, als viele seiner Bewunderer wissen. Jedenfalls sind gerade für Vas psychologftckie Verständnis seiner künstlerischen Eigenschaften die aus der Familie Lindheimer stammenden Anlagen von lehr wesentlicher Bedeutung. Ist diese Auffassung richtig, so hätten wir zugleich eine Ver­mutung über das Erlöschen dieser eigentlich genialen Eigenschaft des lünstlerischen Fabulierens bei Goethes Nachkommenschaft. Jene erscheint als letzter Ausläufer einer Anlage, bte, von einem männ­lichen Stamme ausgehend, durch Vermittlung der Tochter, Frau Textor, und Enkelin, Frau Rat, in bie' Familie Goethe hinein­getragen worden ist, um nach einem letzten, heftigen Aufflammen zu verlöschen.

Diese Zusammenhänge Bei unseren bedeutenden Mannern zu erforschen, erscheint als eine dankbare Ausgabe, die nur auf dem Boden einer methodischen Familienforschung gelöst werden kann.

Koetyes ZS tzlarer IeirvandLjchaft.

Aus dem jüngst in Leipzig abgehaltenen mitteldeutschen Psychi^ tterwngreß erregte, so lesen wir im ,^L. T/st ^em Vortrag oe^ dwfessors Robert Sommer aus Gießen die ^AufMNtr- jmnfeit des gelehrten Auditoriums. Jetzt ist das Referat über tsoefhe Wetzlarer Verwandtschaft im Verlage von ^ohann Am- Itoims Barth in Leipzig crichienen.

Eine genaue Analyse von Goethes Icatur mit den Hrll^ tt-ittcln der neueren Psychologie, sowie der neuern Methooe der Sam.iiienforid)un3 bestehe ttoB der auserordentlich umfangreichen Äoethe-Literatur nwch nicht. Sie kann nur allmählich durch fyste- nmtische Behandlurrg einer Reihe von noch nicht aufgeklärten fünften geschaffen werden. Aus einer großen Summe von Auf­gaben ist als ein wesentlicher Punkt die Abstammung von Goethes nHutter, der Frau Rat, hervvrztcheben, deren bedeutungsvoller Einfluß auf feine Anlage von Goethe selbst stark bewnt worden ist.

Goethes Mutter war eine geborene Tex to r, lie gleicht i-hrem Vater, dem Schultheißen Textor in Frankfurt, m korper- ttclter Beziehung, insbesondere in bezug auf die Form des lühtes und des Kvstses, in ausgeprägter Weise, wovon man fich bei bet Bettachtung der im Gvethe-Mufeum in rZ-rankfurt a.c. vorhandenen Bilder leicht überzeugen kann. GoethesJJta ihat indessen morphologische Eigenschaften auf ihren ,^ohn Wolf- mang überttagen, id ie sie selbst nicht besessen hat, die jedoch in ihr üls Keimanlage von leiten ihrer eigenen Mutter vorhanden ^aren. Nimmt man nun an, daß auch die Lust zu fabulieren lon Goethes mütterlicher Großmutter, der geb. Lindheimer, stammt, so hätte Goethe in psychologischer und morphologischer Beziehung eine sehr wesentliche Determination aus der ^-amilie Lindheimer empfangen. Unbedingt steht hier im Vordergründe des Interesses Goethes Großmutter Textor, geb. ^.indheinier.vZhr Bildnis zeigt eine auffallende Aehnlichkert mit Ehrern Enkel, dem Achter: große, bedeutende Augen, sttengen Verrschetolick und

(Einwohnerzahl: angenommen zu 30 000 linkt. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitszisjer: 41,60 %0, Abzug von 7 Ortsfremden: 29,46 °lcr,.

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vernrischres.

** Das schnellste Schiff der Welt. Wie uns aus London berichtet wird, hat das neueste englische Kriegs-- fahrKeug, der Hochsee-TorvedobootszerstörerTartar", der schon 'bei den ersten Versuchen die außerordentliche Schnellig­keit von 35.95 Knoten erreicht hatte, auch bei der letzten großen Probefahrt die Erwartungen übertroffen und einen neuen Rekord aufgestellt. Die große Probefahrt fand am Montag statt; sie umfaßte eine Fahrt von 6 Stunden unter den schivierigen Bedingungen der Lldmiralitat, die den Ver­hältnis jen des Krieges entsprechen. DerTartar" kmrnte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35.73 Kttoten aufrecht erhalten und legte in den sechs Stunden 233 engl. Meilen zurück. Bei den vorherigen kürzeren Versuchsfahrten hat das Fahrzeug einmal sogar die außerordentliche Ge-

parlamattarifd?cs aus Hessen*

Geweiüeaufsrcht und Bauarbefterscyutz.

Die Vereinigung mittlerer Baubeamten im Großherzog- um Hessen hat an die 2. Kammer eine Eingabe gerichtet, & der gebeten wird, dahin wirken zu wollen, daß bei der ^Weiterung der Gewerbe-Aufsicht und gesetzlichen Rege- una des Bauarbeiterschutzes ausschließlich technisch ausge- äldete Hilssbeamte zur Anstellung kommen und daß die teatlich gevrüften Bauaujseheraspiranten nach der Reihen- olge der abgelegten Staatsprüfung für diese Stellen Ver- oendung finden. '

Eine Vorstellung der vereinigten Ätrbeitgeber-Verbünde )er Bauhandwerker 5^essens bittet, die Anträge der ALgg. llrich und Genossen, betr. den Bauarbeiterschutz, und die Vorstellung der Zentralkommission der Bauarbeiter Hessens, ktr. Schutzvorfchriften für Bauarbeiter, vorläufig nächt in Beratung zu nehmen. Die Petenten bemerken, so sehr ihnen sine staatliche Regelung des Arbeiterschutzes eNvünscht sei, schiene es doch angezeigt, auch sie über diese Vorlage zu hbren. Hierzu soll chnen die Vertagung der Angelegenheit bi sofern verhelfen, da sie bis jetzt noch keine Stellung zu ben Anträgen und den Beschuldigungen, die darin gegen sie enthalten seien, hätten nehmen tonnen.

Eine Eisenbahn durch den Odenwald.

Eine Vorstellung des Zentraleisenbahntomitees zu Er­bach i. £)., die vom Abg. Rebel als Antrag überreicht wurde, erstrebt die Erbauung einer Vollbahn von Würzburg tiber Miltenberg, nach Erbach-Michelstadt duxch den Oden­wald nach Heppenheim-Worms im Anschluß nach Kaisers­lautern und das Zdeichsland. Die der Eingabe betgegebene szeqründung weift daraus hin, daß die Bestrebmrgen zur Er- wnaung dieser Verbindung sckstm 50 Fahre alt sind und dre davon berührten hessischen Gemeinden vielfach von ;edem Lerkehr abgeschlossen sind. Als ferneres Moment für die Kahn wird die schwere Schädigung Heppenheims durch dre Kahn Weinhoim-Fürth angeführt- Der durch drese Bahn tsn Heppenheim. Worms usw. nach Weinheim und Atarm- abgelenkte früher sehr große Verkehr aus dem süd- wckten und mittleren hessischen OdeMvalv konnte durch die tAahn Erbach-Worms zum großen ^rerl für Hessen zurück- ^ewonnen werden.__

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General-Anzeiger für Dderhesftn

kfg. Geistesstörung nach Verbrennungen. Eine hochinteresiante Frage, ob nach Verbrennungen eine progressive Paralyse, die man tm Volke gewöhnlich mit Gehirnerweichung zu bezeichnen pflegt, eintreten kann, behandelte Dr. Nieyer nach der Tisch. Aled. Wochenschr/ in dem Verein iür wissenjara'tliche Heil­kunde in Königsberg i. Pr. Der Betreffende war Heizer und halle sich im Juni 1906 bei einer Zugentgleisung Arme und Gesicht ver-> brüht. Schon im Oktober 19u6 fiel sem läppisches Wesen zu Hause, sowie seine Vergeßlichkeit und zunehmende Erregung aut ; außerdem war seme Sprache gestört. Schließlich mußte er in die psychiatrische Klinik in Königsberg ausgenommen werden» Tie Wichllglell dieses Falles liegt nach Dleyer darin, ob überhaupt nach Verbrennungen das Vorkommen von seelischen und nervösen Störungen anzu­nehmen ist. Bei Versuchen in dieser Beziehung sind z. B. Zell- veränderrmgen im Gehirn beobachtet wordeir. Im großen und ganzen stellt er sich auf ben Standpunkt, daß die erlittenen Ver­letzungen entweder die schon vorhandene Paralyse zur schnelleren Entwickelung bringen oder durch Schwächung des Nervensystems einen günstigen Boden schaffen, auf dem sie entstehen kann. Nament­lich die letztere Annahme ist bann zu begreifen, wenn schon vorher eine syphilitische Ansteckung stattgefunden halle, wie es bei dem betreffenden Heizer der Fall'gewesen war.

Wgchknili^t Uedkrßtzt dcr Lsdrssäiie in der Liadt Hirftst

50. Woche. Vom 8.14. Dezember 1907.

Ls starben an: Zusammen: Erwachsene:

int

1. Lebensfahr:

Masern

8

3

Diphtherie

1

Tuberkulose

2(1)

2(1)

Lungenentzündung

3(1)

2 (1)

Herzleiden

2

2

Schlagfluß

1

1

Krämpfen

1

-

1

Krebs

2(2)

2 (2)

Lebensfchwäche

3(2)

3 (2)

Vermiglückung-

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Summa: 24 (7)"

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